Verfahren und Linearumformmaschine zum Richten von stabförmigem Richtgut
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Linearumforrnmaschine zum Richten von gewalztem, geschmiedetem und/oder stranggepreßtem stabförmigem Richtgut, insbesondere Schienen oder ähnlichen Profilen.
Gewalzte, geschmiedete oder stranggepreGte Erzeugnisse sind - herstellverfahrensbedingt - im allgemeinen nicht exakt gerade und müssen deshalb gerichtet werden. Dazu wird das Richtgut ganz oder teilweise plastisch verformt, wobei seit Langem bekannte und bewährte Richtverfahren wie Reckrichten, Biegerichten oder Tordieren angewendet werden.
Besonders verbreitet ist das Biegerichten. Durch schrittweises Biegen in einer Biegerichtpresse oder durch kontinuierliches Hin- und Herbiegen beim Durchlaufen einer Rollenrichtmaschine wird der Richtgutquerschnitt nur partiell plastisch verformt, da der Querschnittsbereich in der Nähe
der neutralen Zone stets nur elastisch gedehnt oder gestaucht werden kann. Um möglichst große Querschnittsanteile zu plastifizieren, müssen so große Krümmungen aufgebracht werden, daß die Richtgutrandschichten um ein mehrfaches der Streckgrenzendehnung verformt werden. Der innere Bereich in der Nähe der "neutralen Zone" wird nur elastisch gedehnt oder gestaucht.
Durch Biegerichten läßt sich nahezu jede Querschnittsform (flach, rund, polygonal, auch irregulär profiliert) richten. Durch mehrfaches gegensinniges Teilplastifizieren der Richtgutquerschnitte beim Biegerichten entstehen komplexe Eigenspannungszustände , die oft den Richteffekt in Frage stellen. Weiter ist nachteilig, daß die Richtgutenden, deren Länge etwa dem Ein- bis Zweifachen der Rollenteilung entspricht, ungerichtet bleiben.
Das Tordieren ist als Richtverfahreπ nur für Richtgut mit kreis- oder kreisringförmigem Querschnitt geeignet. Durch gegensinniges Verdrehen der Richtgutenden werden die Randbereiche mehr als der Zeπtralbereich plastisch verformt. Zwar ist der Kraft- und flrbeitsbedarf zum Tordieren gering und somit die erforderliche Maschine weniger aufwendig, doch ist das Verfahren nur sehr begrenzt einsetzbar. Für Richtgut mit rechteckigem oder nicht rotationssymmetrischem Querschnitt wie Schienen oder ähnliches ist es ungeeignet.
Das theoretisch einfachste Verfahren ist das Reckrichten. Mit Zangen oder ähnlichen Mechanismen werden an einander gegenüberliegenden Richtgutenden Zugkräfte eingeleitet, die den gesamten Richtgutquerschnitt plastisch fließen Lassen. Der dadurch erreichbare Richteffekt ist gut. Die nach dem Entlasten verbleibenden
Eigenspannungen sind niedrig und hängen im wesentlichen nur von den in jeweiligen Richtgutquerschnitt vorliegenden FLießspannungsdifferenzen ab. Liegt eine nicht symmetrische Differenzverteilung vor - wie sie beispielsweise partiell gehärteten Schienen auftritt - , so kann die auftretende Richtgutkrümmung durch das Richten nicht abgebaut werden.
Nachteilig an diesem Verfahren ist, daß es - ausgenommen an dünnem bandförmigem Richtgut - nur diskontinuierlich ausführbar ist, wobei die Einspannenden ungerichtet bleiben und darüber hinaus möglicherweise durch die Spannmechaπismen bis zur Unbrauchbarkeit beschädigt werden. Die Richtkräfte sind groß und wachsen mit dem Richtgutquerschnitt. Die Richtmaschinenlänge muß größer als die Richtgutlänge sein.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, durch ein neuartiges Richtverfahren die Vorteile der bekannten Verfahren zu nutzen und deren Nachteile zu vermeiden. Die einzelnen Richtgutquerschnitte sollen vollständig plastisch verformt werden, so daß nur Eigeπspannungen auf Grund der FLießspannungsdifferenzen im jeweiligen Richtgutquerschnitt verbleiben. Das Richtgut soll in ganzer Länge gerichtet werden. Die Maschine zur Durchführung des neuartigen Verfahrens soll einfach und möglichst von geringer Baugröße sein.
Zur Lösung der Aufgabe wird erfindungsgemäß ein Verfahren vorgeschlagen, nach dem Richtgut durch in Richtgutlängsrichtung wirkende Druckspannungen plastisch verformt und gleichzeitig während der Verformung mindestens inm plastisch fließenden Bereich des Richtgutes geführt wird. Bei diesem als "Stauchrichten" zu bezeichnenden Verfahren werden in Richtgutlängsrichtung Druckspannungen aufgebaut, die die Richtgutquerschnitte vollständig plastisch fließen lassen.
Zwar ist es bekannt CDE-OS 16 27 512) zur Korrektur der infolge Härteverzuges von 5pindeln, Räumnadetn oder dergleichen eingetretenen Längenveränderungen und Durchmessereinschnürungen die Werkstücke in einem zylindrischen fiufnahmerohr zu stauchen, doch hat dieses Verfahren zum Ziel, die Maßgenauigkeit der zuvor spanabhebend bearbeiteten Werkstücke wieder herzustellen und nicht dieselben gerade zu richten. Gekrümmte Werkstücke könnten in das Rufnahmerohr gar nicht eingeführt werden. Zum Richten von Schienen oder dergleichen Profilen ist das bekannte Verfahren vollkommen ungeeignet.
In einer besonders günstigen Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird vorgeschlagen, Richtgut mit Querschnittszonen unterschiedlich großer Fließspannung während der plastischen Verformung in einer definiert gekrümmten Bahn zu führen. Dadurch sollen die im Richtgut verbleibenden Eigenspannungen so beeinflußt werden, daß nach der Entlastung der erzielte Richteffekt den Geradheitsanforderungen genügt .
Erfindungsgemäß werden die Druckspannungen durch an den Richtgutenden angreifende einander entgegengerichtete .Stauchkräfte autgebracht, also beispielsweise durch an den Richtgutenden wirkende 5tößel. Allerdings, wird dadurch die Maschine länger bauen als die Richtgutlänge, so daß nach einem weiteren Vorschlag der Erfindung vorgesehen ist, die Druckspannungen in Richtgutlängsrichtung durch an der Richtgutoberfläche eingeleitete einander entgegengerichtetes Reibschubspannungen aufzubauen. Dadurch reduziert sich die Länge der erforderlichen Maschinen erheblich. Der kontinuierliche kraftschlüssige Richtspannungsauf- und -abbau der Druckspannungen in
Richtgutlängsrichtung durch die Klemmelemente an der Richtgutoberfläche ermöglicht es, die Länge der plastischen Zone zu begenzen und das Längs
vorgeschobene Richtgut kontinuierlich zu richten. Praktisch unbegrenzte Längen von Richtgut Lassen sich kontinuierlich verarbeiten, wenn aufeinanderfolgende Richtgutstränge aufeinandergestoßen werden und so einen einzigen Strang bilden.
Eine Linearumformmaschine zum Richten von gewalztem, geschmiedetem und/oder stranggepreßtem Richtgut, insbesondere Schienen oder dergleichen Profilen durch plastisches Verformen in Richtgutlängsrichtung ist erfindungsgemäß dadurch gekennzeichnet, daß mehrere gleichartige Werkzeuge auf einer Teillänge beidseitig des Richtgutes hintereinander und mit in Längsrichtung des Richtgutes veränderbarem Abstand an gegenüberliegenden Oberflächenbereichen des Richtgutes kraftschlüssig anlegbar sind. Eine entsprechend große Abstandsveränderung zwischen den an Richtgut kraftschlüssig angelegten Werkzeugen bewirkt dessen plastische Verformung zwischen diesen Werkzeugen. Diese Ausführung gestattet kontinuierliches Lineares Recken oder Stauchen mit kleinen plastischen Umformgraden und ist deshalb besonders zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens geeignet. Vorzugsweise ist die Geschwindigkeit der anlegbaren Werkzeuge zueinander gegenüber der Geschwindigkeit der ihnen gemeinsamen Treibsysteme sukzessive veränderbar.
Ein Merkmal der Ausführungsvariante A der Erfindung sieht vor, daß die Werkzeuge an beidseitig des Richtgutes in einer gemeinsamen zur Richtgutlängsachse parallelen Ebene endlos umlaufenden Treibsystemen angeordnet sind und mindestens in dem zu richtenden Beriech der Richtgutteillänge auf ihren dem Richtgut abgewandten Seiten mit Führungsbahnen korrespondieren, sowie mit Mitteln versehen sind, durch die die Abstände zwischen benachbarten Werkzeugen während des Umlaufes der Treibsysteme mindestens im wirksamen Bereich der Werkzeuge veränderbar sind. Die zum "kraftschlüssigen Stauchrichten"
erforderlichen Normalkräfte der Werkzeuge in der Richtzone werden durch die Führungsbahnen bewirkt, die die Werkzeuge gegen das Richtgut pressen. Die Kräfte in Richtgutlängsrichtung - die Stauchkräfte - werden durch die Abstandsänderung zwischen beachbarten, kraftschlüssig angepreßten Werkzeugen kontinuierlich auf- und abgebaut. Jedes endlos umlaufende Treibsystem kann nach einem Merkmal der Erfindung eine mit etwa gleichförmiger Geschwindigkeit umlaufende Kette aufweisen, an deren Laschen die Werkzeuge zur Abstandsänderung in Richtgutlängsrichtung kippbar befestigt sind. Auch Seile, Gliederbänder oder dergleichen Zugsysteme sind denkbar.
Als Mittel zur Abstandsveränderung benachbarter Werkzeuge kommen neben anderen mechanischen Antrieben auch elektromechanisch oder hydraulisch gesteuerte Antriebe in Betracht, die jeweils zwischen zwei benachbarten Werkzeugen vorgesehen sind.
Ein besonders günstiges Merkmal der Erfindungsvariante A sieht vor, daß zur Abstands nderung benachbarter Werkzeuge jedes Werkzeug mit mehreren auf den Führungsbahnen bewegbaren Stütz- und Führungsrollen versehen ist, die auf in DurchLaufrichtung unterschiedlich verlaufenden Führungsbahnhälften abrollend, dem Werkzeug eine vom benachbarten Werkzeug unterschiedliche Geschwindigkeit erteilen. Mit den 5tütz- und Führungsrollen läßt sich einerseits die notwendige Werkzeugandrückkraft vom Richtgut auf die abstützenden Führungsbahnen übertragen und andererseits auch eine Werkzeugbewegung in Richtgutlängsrichtung relativ zum Treibsystem in Längsrichtung des Richtgutes hervorrufen. Wenn nämlich, wie ein weiteres Erfindungsmerkmal vorgesehen, jedes Werkzeug aus einem quer zur DurchLaufrichtung gelenkig an einem Werkzeugträger gelagerten, frei einstellbaren Reibschuh und den Führungsbahnen zugeordneten Stütz- und Führungsrollen besteht, dann können die Werkzeuge bzw. deren Reibschuhe mit Hilfe der auf verschiedenen und
entsprechend ausgebildeten Führungsbahnen ablaufenden Rollen so gekippt werden, daß sie sich relativ zu benachbarten Werkzeugen entfernen oder diesen annähern. Mit gleichzeitig aufgebrachter Normalkraft wird der jeweils zwischen zwei Werkzeugen befindliche Bereich des Richtgutes gereckt oder gestaucht.
Günstigerweise sind die Kontaktflächen der Reibschuhe mit einem Reibbelag mit hohem Reibwert versehen, um die notwendigen Anpresskräfte gering halten zu können. Darüber hinaus kann zusätzlich die Anpreßkraft der Werkzeuge an das Richtgut einstellbar sein.
Die Ausführungsvariante B einer Linearumformmaschine zur Verfahrensdurchführung nach den Ansprüchen 1 und 2 zum Richten von gewalztem, geschmiedetem und/oder stranggepreßtem langgestrecktem Richtgut, insbesondere Schienen oder ähnlichen Profilen durch plastisches Verformen in Richtgutlängsrichtung ist dadurch gekennzeichnet, daß zwei gleichartige Werkzeuggruppen in definiertem Abstand zueinander an einer Richtgutteillänge kraftschlüssig anlegbar sind und im angelegten Zustand gegensinnig aufeinander zu bewegbar sind. Werden die Greifwerkzeuge (Reibschuhe) dabei auf einer definiert gekrümmten Bahn geführt, dann wird der Stauchung eine Biegekomponente überlagert, die so bemessen ist, daß sie die zu erwartende elastische Richtgutrückbiegung kompensieren kann.
Es ist vorgesehen, daß die Werkzeuggruppen aus das Richtgut mehrseitig umgreifenden Klemmelementen bestehen und daß die Anpreßkraft der Werkzeuge bzw. Klemmelemente an das Richtgut einstellbar ist.
Nach einem bevorzugten Erfindungsmerkmal der Variante B ist vorgesehen, die Werkzeuge und ihren zum Stauchen erforderlichen Antrieb in einem gemeinsamen Maschinenrahmen zusammen mit dem Richtgut beweglich zu machen, damit während dessen kontinuierlichem Durchlauf die Greifwerkzeuggruppen das Richtgut während des Hinlaufs reibschlüssig fassen und stauchen und vom Richtgut gelöst rücklaufen, so daß "quasi kontinuierlich" gerichtet werden kann.
Als Stauchantriebe kommen Hydraulikzylinder und -kolben. Exzenter- oder Spindelantriebe in Betracht. Die periodische Vor- und Rückbewegung ist in bewährter Weise hydraulisch, durch Kurbelantriebe oder sonstige elektromechanische Getriebe zu realisieren.
Die zur Kompensation der elastischen Rückbiegung von Richtgut mit über dem Querschnitt partiell unterschiedlich großer Fließspannung notwendige Bahnkrümmung wird nach einem anderen Erfindungsmerkmal einstellbar und den jeweiligen Anforderungen entsprechend gestaltet.
Ausführungsbeispiele der Erfindungsvarianten A und B sind in den Figur 1 bis 10 dargestellt und werden nachfolgend im einzelnen beschrieben. Es zeigen:
Fig. 1 eine grob schematische Seitenansicht einer erfindungsgemäßen Linearumformmaschine der Ausführungsvariante A
Fig. 2 einen Querschnitt durch die Linearumformmaschine nach Figur 1.
Fig. 3 eine vergrößerte Darstellung eines Werkzeuges,
Fig. 4 eine schematische Draufsicht auf eine erfindungsgemäße Linearumformmaschine der Ausführungsvariante B und
Fig. 5 die Arbeitsschrittte der Umformmaschine gemäß Figur 4 in bis 10 sechs aufeinanderfolgenden Phasen.
In Figur 1 sind mit 1 und 2 zwei umlaufende Treibsysteme einer erfindungsgemäßen Linearumformmaschine der Ausführungsvariante A bezeichnet, die aus endlos um die angetriebenen Kettenräder 3 und 4 umlaufenden Ketten bestehen.
An jedem Treibsystem sind an Gelenkbolzen 5 kippbar gleichmäßig verteilt Werkzeugträger 11 angelenkt, die über 5tütz- und Führungsrollen 6, 7 an Führungsbahnen 8, 9 abgestützt und an ihren dem Richtgut R zugewandten Enden mit Reibschuhen 10 ausgestattet sind, die an dem Werkzeugträger 11 kippbar bei 12 angelenkt sind.
In Figur 2 ist ein Querschnitt durch die Linearumformmaschine nach Figur 1 dargestellt, wobei erkennbar zwei Stütz- und Führungsrollen 7 und zwei Stütz- und Führungsrollen 6 in Führungsbahnhälften 8 und 9 zugeordnet sind. Der Werkzeugträger 11 ist über Gelenkbolzen 5 mit Laschen des Treibsystems 1 bzw. 2 verbunden; zur gelenkigen Lagerung der Reibschuhe 10 sind zwischen Reibschuh 10 und Werkzeugträger 11 Gelenkbolzen 12 vorgesehen. Die Führungsbahnen bzw. deren Hälften 8, 9 sind an einer stabilen Schweißkonstruktion befestigt, die in der Lage ist, die aus den Andruckkräften der Reibschuhe resultierenden Biegekräfte aufzunehmen, über mehrere symmetrisch angeordnete Zugstangen werden die notwendigen hydraulisch aufgebauten Vorspannkräfte zwischen den Maschinenrahmenhälften übertragen.
Die Führungsbahnhälften 8 und 9 verlaufen in unterschiedlichen Höhenlagen (Figur 1) mit verschiedenen Neigungen und bewirken, daß die an den Treibsystemen 1 und 2 angetenkten Werkzeugträger 11 um den Gelenkbotzen 5 entsprechend dem Verlauf der Führungsbahnen 8, 9 verschwenken (Figur 3). Dadurch bewegt sich der Reibschuh 10 in der Zeichnungsebene nach rechts und leitet so über den Reibschluß mit dem Richtgut R eine Kraft in die Oberfläche des Richtgutes R ein. Mit entsprechender Ausbildung der Führungsbahnen 8, 9 kann die Bewegung des Reibschuhes 10 relativ zum benachbarten Reibschuh unterschiedlich eingestellt werden, so daß zwischen den Reibschuhen Druck- oder Zugkräfte eingeleitet werden, die das Richtgut R recken oder stauchen.
Die Linearumformmaschine nach Figur 1 funktioniert wie folgt:
Die Treibsysteme 1, 2 laufen mit annähernd gleichförmiger Geschwindigkeit um und bewegen über die Gelenkbolzen 5 die Werkzeuge ebenfalls annähernd gleichförmig. Während der Umlaufbewegung der Werkzeuge werden diese über die Stütz- und Fuhrungsrollen 6, 7 an den Führungsbahnenhälften 8, 9 abgestützt, so daß die zum reibschlüssigen Aufbau der Zug- oder Druckkräfte notwendigen Klemmkräfte erzeugt werden können. Die in charakteristischer Weise zueinander geneigten Führungsbahnhälften 8, 9 bewirken, daß die Kippelemente beim Umlauf der Treibsysteme zwangsläufig gekippt werden, wodurch die Lineargeschwindigkeit der Werkzeuge gegenüber der gleichförmigen Geschwindigkeit der Treibsysteme so verändert wird, daß zwischen den benachbarten Werkzeugen eine Relativbewegung entsteht, durch die das eingespannte Richtgut um definierte Beträge verformt verformt wird. Dies wird möglich, weil beide Treibsysteme mit einander gegenüberliegenden gleichartigen Führungsbahnen versehen sind, zwischen denen über die Werkzeuge und deren Mechanismus das Richtgut R verspannt ist. Die Längsumformkräfte des Richtgutes werden in den Treibsystemen aufgenommen, deren Dehnungen bei der Ausgestaltung der Führungsbahnen berücksichtigt sind.
Bis etwa zur Mitte der Linearumforrnmaschine wird durch die von der Treibsystemgeschwindigkeit unterschiedliche Werkzeuggeschwiπdigkeit und die Klemmkräfte zwischen den Führungsbahnen eine kraftschlüssig auf das Richtgut R übertragene Spannung aufgebaut, die mit einer positiven Differenz zwischen Werkzeug- und Treibsystemgeschwindigkeit als Druck und mit negativer Differenz als Zug vorliegt. Diese Spannung bewirkt im Maschinenmittenbereich eine plastische Verformung des Umformgutes, deren
Größe durch die Geschwindigkeitsdifferenz der Reibschuhe zwischen Ein- und Auslaufbereich gegeben ist. Im Auslaufbereich der Maschine wird die Spannung gegengleich zum Spannungsaufbau im Einlaufbereich abgebaut.
Es ist darauf hinzuweisen, daß die Darstellung in den Zeichnungsfiguren stark übertrieben ist, in Wirklichkeit sind die Kippwinkel so klein, daß sie die typische Funktionsweise der erfindungsgemäßen Maschine kaum erkennen ließen. Die Lage der Anlenkpunkte 12 der Reibschuhe 10 ist so zu berechnen, daß die Belastung des Werkzeuges in der Kontaktflächenlänge der Reibschuhe 10 am Richtgut R gleichmäßig ist. Das Gelenk 10 stellt sicher, daß beim Kippen der Werkzeugträger 11 die Reibschuhe 10 nicht vom Reibgut R abhebt. Natürlich können im Rahmen der Erfindung die Führungsrollen 6, 7 durch andere geeignete Maschinenelemente, beispielsweise Gleitschuhe, ersetzt werden.
In Figur 4 bis 10 ist eine andere erfindungsgemäße Linearumforrnmaschine der Ausführungsvariante B dargestellt, mit der das Verfahren gemäß Anspruch 2 durchführbar ist. Mit 13 und 14 sind die beiden Werkzeuggruppen der Linearumforrnmaschine bezeichnet, die auf den in Richtgutlängsrichtung beweglichen Maschinenrahmen 15 und 16 sitzen. Die Maschinenrahmen 15, 16 sind über die Zuganker 17 und die Hydraulikzylinder 18 miteinander formschlüssig verbunden und können von den Hydraulikzylindern 19 in Richgutlängsrichtung verschoben werden. Die Fixierblöcke 20 zum Abstützen des Richtgutes sind auf den Zugankern 17, durch die sie geführt werden, beweglich. Die Gleitfläche 21 und der Exzenter 22 ermöglichen der Werkzeuggruppe 14, sich relativ zum Mschinenrah en 16 schräg zu stellen.
Die 5tauchrichtmaschine funktioniert wie folgt:
Klemmelemente der Werkzeuggruppen 13 und 14 greifen das gleichförmig längsbewegte Richtgut R und bauen dabei Klemmkräfte auf, die zum reibschlüssigen übertragen der zum plastischen Stauchen notwendigen Längsdruckspannung ausreichen. Dabei werden sie synchron mit dem Richtgut in dessen Längsrichtung bewegt. Die zu richtende Richtgutteillänge wird zwischen den Werkzeuggruppen 13 und 14 durch die Fixierungsblöcke 20 entsprechend der zu erwartenden elastischen Rückbiegung von Richtgut R mit über dem Querschnitt unterschiedlich großer Fließtestigkeit gekrümmt. Zusätzlich verhindern die Fixierungsblöcke 20 auch das Ausknicken des Richtgutes R. Die Lage der Werkzeuggruppe 14 wird der gewünschten Richtgutkrümmung entsprechend mit dem Exzenter 22 auf der GLeitfläche 21 eingestellt. Die zum plastischen Stauchen erforderlichen Kräfte werden von den Hydraulikzylindern 18 aufgebracht und über die Zuganker 17 und die Maschinenrahmen 15 und 16 zwischen den Werkzeuggruppen 13 und 14 übertragen. Nach Ablauf der Stauchperiode werden die Kle melemente der Werkzeuggruppen 13 und 14 gelöst, die Fixiersblöcke 20 geöffent, die Hydraulikzylinder 18 in ihre Ausgangstage gebracht und die Maschine durch die Hydraulikzylinder 19 im Rücklauf entgegen der Richtgutbewegung geführt, bis ein noch nicht gerichteter Bereich erreicht und von neuem gefaßt werden kann. Vor- und Rücklaufwege jeder Stauchrichtperiode werden so aufeinander abgestimmt, daß von dem im vorigen Schritt gerichteten Bereich ein kleiner Teil miterfaßt wird. Durch die beim Stauchrichten verursachte Querschnittvergrößerung und die damit konform gehende Verfestigung wird dieser Bereich im nachfolgenden Schritt weniger plastisch deformiert werden, als der noch nicht gerichtete Bereich.
Im Gegensatz zum Reckrichten wirkt dieser Effekt stabilisierend auf das Stauchrichtverfahren.
Nachfolgend wird ein typischer Arbeitsablauf der Linearumforrnmaschine anhand der Figuren 5 bis 10 beschrieben:
Fig. 5 Beginn der Beschleungigung der Maschine durch die
Schubzylinder auf Richtgutgeschwindigkeit. Die Geschwindig¬ keitsvektoren zeigen die Verhältnisse in der linken Endlage.
Fig. 6 Maschinen und Schienengeschwindigkeit sind gleich groß. Die Klemmelemente greifen das Richtgut. Beginn der plastischen Stauchung zwischen den Krafteinleitungsblöcken. Maximaler Hubweg der Stauchzylinder 100 mm,
Fig. 7 das Ende der plastischen Stauchung ist erreicht, die
Klemmelemente und die Führungselemente öffnen sich und die Abbremsung der Maschine beginnt. Die Geschwindigkeit der linken Werkzeuggruppe und des Richtgutes nach der .Richtmaschine ist um die Stauchgeschwindigkeit verringert,
Fig. 8 die Gegenbewegung der Maschine beginnt bei unveränderter
Richtgutbewegungsrichtung des Richtgutes, die Richtgutführung erfolgt durch Rollen,
Fig. 9 Die Maschine bewegt sich mit größerer Geschwindigkeit in der Gegenrichtung.
Fig. 10 Ausgangspunkt ist wieder erreicht, ein neuer Zyklus beginnt.