Beschreibung
Verfahren zum Markieren von thermo- oder duroplastischen Polymeren, Verfahren zu deren Herstellung. Methode zum Nach¬ weis des Markierungsmittels in den Polymeren
Die vorliegende Erfindung umfaßt Markierungsmittel enthalten¬ de thermo- oder duroplastische Polymere, vorzugsweise in Form von Formkörpem, Formmassen, Masterbatches oder Polymercom¬ pounds, ferner deren Herstellung, deren Nachweis sowie deren Verwendung zur Herstellung von Halbzeug oder Formteilen, insbesondere im Fahrzeugbau, für dekorative Zwecke im Haus¬ halts- und gewerblichen Bereich sowie für dekorative Zwecke im Aussenbereich.
In den letzten Jahren fordern internationale Europäische Richtlinien wie die Normen zu Qualitätsmanagement und zur Prüfung von Qualitätsmanagementssystemen nach ISO 9000 sowie die Kunden / Auftraggeber, daß in der Prozeßkette der Liefe¬ rant von Kunststoffen /-halbzeug die Qualität seines Produktes gegenüber dem Auftragnehmer garantieren muß. (vgl. Kunststof- fe, Bd. 84, Heft 4/94, Sonderteil Zertifizierung, insbesondere ZE4, ZE44). Hieraus ergibt sich u.a. das Problem, daß der Auftragneh ner / Lieferant u.a. den Nachweis zu führen hat, daß ein vom Weiterverarbeiter / Kunden hinsichtlich mangelhaf¬ ter Qualität reklamiertes Produkt nicht von ihm, sondern aus anderen Quellen, die minderwertigere Qualitäten produzieren, stammt.
Eine vollständige Analyse des Kunststoffs durchzuführen, ver¬ bietet sich schon aufgrund des technischen Aufwands, ist er- sichtlich mit erheblichen Kosten verbunden und deshalb im all¬ gemeinen nicht rentabel. Weiter besteht aufgrund der komplexen Zusammensetzung derartiger Kunststoffe das Problem, daß der¬ artige Analysen eine eindeutige Produktidentifizierung erlau¬ ben müssen.
Dies gilt insbesondere für die in diesen Kunststoffen enthal¬ tenen Elementspuren, Verunreinigungen, Farbpigmente, die sowohl in elementarer Form z.B. Ruß, als Verbindungen, z.B. Weißpigment Titandioxid, oder in gebundenen Systemen auftre¬ ten. Salze und Mineralien des Barium, Calcium, Strontium, Magnesium, Natrium, Kalium und Molybdän treten als Hauptbe¬ standteil oder Verunreinigung in Pigmenten auf, so daß ein Nachweis mittels dieser Metallverbindungen nicht eindeutig ist.
Es ist bekannt, Markierungsmittel zur Verfolgung von Strö¬ mungsvorgängen einzusetzen, z.B. von Fluoreszein zur Bestim¬ mung des Verlaufs unterirdischer Flußläufe oder von radioak¬ tiven Verbindungen zur Prüfung der Undichtigkeit von Anlagen. Der Einsatz derartiger Markierungsmittel in Kunststoffen verbietet sich aber schon wegen der thermischen Instabilität und der fluoreszierenden Verfärbung des Produkts im ersten Markierungsmittel und der gesundheitlichen Beeinträchtigung im zweiten Markierungsmittel dieses Standes der Technik.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Markieren von thermo- oder duroplastischen Polymeren zu schaffen, durch welches die Anwendungseigenschaf¬ ten des Kunststoffs nicht nachteilig beeinflußt werden und durch dessen Zugabe es möglich ist, eindeutig nachzuweisen, daß ein Kunststoff von einem bestimmten Unternehmen herge¬ stellt worden ist.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
Die vorliegende Erfindung betrifft daher im weitesten Sinne einen Kunststoff, der dadurch gekennzeichnet ist, daß er 0,01 bis 5 Gew.-teile, vorzugsweise 0,1 bis 0,3 Gew.-teile, wenig¬ stens eines inerten, in üblichen Hilfε- und Zusatzstoffen für die KunststoffVerarbeitung nicht enthaltenen Markierungsmit¬ tels enthält, wie sie Gegenstand des Anspruchs 1 sind.
Unter einem inerten Markierungsmittel im Sinne dieser Erfin¬ dung wird eine anorganische Verbindung verstanden, die folgen¬ de Eigenschaften aufweist: Sie sollte einmal gegenüber dem- Kunststoff chemisch inert sein, d. h. nicht polymerdegradie- rend, nicht additivdegradierend, auch nachdem der Kunststoff jahrelangen Umwelteinflüssen ausgesetzt war. Sie sollte wenig löslich in Wasser, besser unlöslich in Wasser sein. Weiter sollte ihr Schmelzpunkt oberhalb des Schmelzpunktes des Kunst¬ stoffs liegen, so daß es mühelos zusammen mit dem Kunststoff verarbeitet bzw. extrudiert werden kann. Schließlich sollte die Verbindung farblos sowie farbneutral und minder giftig, d. h. gesundheitlich unbedenklich sein.
Unter üblichen Hilfs- und Zusatzstoffen werden im Rahmen der vorliegenden Erfindung diejenigen Elementspuren, Verunreini¬ gungen, Farbpigmente verstanden, die den Kunststoffen bekann¬ termaßen zur Erzielung oder zur Verbesserung bestimmter Eigen¬ schaften zugesetzt werden. Daher ist zu berücksichtigen, daß alle Elemente, die vorrangig in Verbindung mit Farbpigmenten auftreten, grundsätzlich nicht zum Herkunftsnachweis geeignet sind. In entsprechender Weise gilt dies für alle weiteren Hilfs- und Zusatzstoffe, soweit diese bestimmte Eigenschaften des Kunststoffs hervorrufen oder verbessern sollen.
Hiervon unterscheidet sich die Erfindung dadurch, daß das inerte Markierungsmittel so ausgewählt wurde, daß es keinen Einfluß auf die Eigenschaften des Kunststoffs hat, sondern lediglich Einfluß hinsichtlich der einfachen eigenen Nachweis¬ barkeit. Vorteilhaft ist dabei sowohl der einfache gualitative Nachweis als auch der einfache quantitative Nachweis.
Vorzugsweise ist das Markierungsmittel im engeren Sinn ausge¬ wählt aus Elementen bzw. Verbindungen von Elementen der 1. Hauptgruppe, soweit es sich um Lithium, Natrium, Kalium, Rubi- dium, Cäsium, Francium handelt, und wobei diese Verbindung als
Oxid, Carbonat, Hydrogencarbonat, Sulfat, Sulfid, Borat, Phos¬ phat, Silikat vorliegt.
Bevorzugt sind Lithiumverbindungen, wie Lithiumcarbonat, Li¬ thiumphosphat, Lithiumsulfat, Lithiummetaborat, Lithiumte¬ traborat, Lithiumoxid sowie Lithiummineralien wie Amblygonit, Triphylin, Spodu en, Lepidolith, Petalit und Kryolithonit, wobei Markierungsmittel, die Lithiumcarbonat, Lithiumtetra¬ borat enthalten, besonders bevorzugt sind.
Der besondere Vorteil der oben genannten Lithiumverbindungen liegt darin, daß Lithium normalerweise nicht in den Polymeren enthalten ist. Zusätzlich ist Lithium bekanntermaßen nicht radioaktiv.
Andererseits schädigt Lithium aber auch das Polymer nicht. Folglich ist das im übrigen recht preiswerte Lithium das am besten geeignete Markierungsmittel. Außerdem ist bekannt, daß Lithium eine charakteristische Flammenfärbung bzw. characteri- stische Spektrallinien hervorruft. Der Stoffnachweis dürfte somit leicht zu führen sein. Aber auch hinsichtlich der Spek¬ tralanalyse bietet Lithium Vorteile. Es ist ein Characteri- stikum von Spektrallinien für Lithium zu erwarten.
Wenn das zu untersuchende Polymer folglich die Lithium-charak¬ teristische Färbung der Flamme oder die Lithium-charakteristi¬ schen Spektrallinien hervorruft, so wäre damit der Nachweis des Produktursprungs einfach zu führen.
Darüber hinaus kommt auch insbesondere der Kombination aus den Elementen Lithium und Bor besonderes Interesse zu.
Bekannt ist, daß Bor eine charakteristische Flammenfärbung hervorruft, die sich von der Flammenfärbung von Lithium unter- scheidet.
Weiterhin ist bekannt, daß Bor in entsprechender Weise eine charakteristische Spektrallinie bewirkt.
Sofern also nach dieser Erfindung Lithium-Tetraborat zur Anwendung kommt, ist mit dem Auftauchen zweier charakteristi¬ scher Spektrallinien für Lithium sowie einer characteristi- schen Spektrallinie für Bor zu rechnen, nämlich ein Charak- teristikum für Lithium und ein sich hiervon unterscheidendes Charakteristikum für Bor.
Folglich kann der Produktursprung bei Fehlen dieser beiden charakteristischen Flammenfärbungen bzw. der Spektrallinien nicht dort liegen, wo dieser inerte Markierungsstoff zugefügt worden ist.
Deshalb kommt insbesondere der Kombination aus Lithium und Bor (z. B. Lithiumtetraborat, Lithiummetaborat) ein besonderer erfinderischer Aspekt zu, da beide Elemente in Kombination miteinander als inertes Markierungsmittel für Kunststoffe mit ein und derselben Nachweismethode zugleich nachweisbar sind.
Eine Ausführungsform des nach diesem Verfahren hergestellten Kunststoffs ist der Masterbatch, insbesondere in Granulatform, welcher dadurch gekennzeichnet ist, daß er 0,1 bis 5 Gew.— teile, bezogen auf 100 Gew.-Teile des Masterbatch, des iner¬ ten, in üblichen Hilfs- und Zusatzstoffen für die Kunststoff- verarbeitung nichtenthaltenen Markierungsmittels nach dieser Erfindung enthält.
Eine alternative Ausführungsform sind ferner Polymercompounds, insbesondere in Granulatform, die dadurch gekennzeichnet sind, daß sie weiterhin 0,01 bis 0,5 Gew.-teile , bezogen auf 100 Gew.-Teile des Polymercompounds, des inerten, in üblichen Hilfs- und Zusatzstoffen für die Kunststoffverarbeitung nicht enthaltenen Markierungsmittels nach dieser Erfindung enthal¬ ten.
Weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Ver¬ fahren zur Herstellung des markierungsmittelenthaltenden Kunststoffs wie vorstehend definiert, welches dadurch gekenn¬ zeichnet ist, daß der Kunststoff / das Kunststoffgemisch mit dem Markierungsmittel extrudiert wird.
Hierbei setzt man als Ausgangsgranulat für die Extrusion ein Kunststoff-Coextrudat mit 0,01 bis 5 Gew.-Teilen Markierungs¬ mittel, jeweils bezogen auf 100 Gew.-teile des Gesamtgranu- lats, ein.
Eine weitere Ausführungsform sind Methoden zum qualitativen sowie quantitativen Nachweis von Markierungsmitteln in mar¬ kierten Kunststoffen wie vorstehend definiert, bei der man eine Kunststoffprobe zunächst einer Vorbehandlung und darauf¬ hin einer physikalischen oder chemischen Analyse unterwirft.
Nach einer besonderen Ausführungsform dieser Erfindung führt man die Vorbehandlung der Probe in der Weise durch, daß man ggf. nach einer mechanischen Zerkleinerung eine Abtrennung der anorganischen Bestandteile von den polymeren / organischen Bestandteilen vornimmt. Insbesondere erfolgt die Abtrennung und Isolierung der anorganischen Bestandteile durch eine thermische Behandlung.
Eine besonders bevorzugte Ausführungsform der Vorbehandlung ist eine thermische Behandlung in Form einer Veraschung, die vorzugsweise durch indirekte Beheizung in einem allseitig ge¬ schlossenen Schutzbehälter erfolgt.
Der zweite Schritt der erfindungsgemäßen Methode besteht darin, daß die vorbehandelte Probe einer physikalischen Analy¬ se, wie beispielsweise der Flammenanalyse unterzogen wird.
Eine besonders bevorzugte Methode der vorliegenden Erfindung besteht schließlich darin, die Kunststoffprobe zunächst in
einem Ofen, der indirekt beheizt wird, zu veraschen und dar¬ aufhin die Asche zwecks Nachweis des Markierungsmittels einer Flammenanalyse, ggf. mit Auswertung der Spektralinien, zu unterziehen.
Eine letzte Ausführungsform der vorliegenden Erfindung be¬ trifft die Verwendung des markierungsmittelenthaltenden Kunst¬ stoffs wie vorstehend erläutert, des Masterbatches und des Polymerco ponds mit vorstehender Zusammensetzung zur Herstel- lung von Halbzeug oder Formteilen. Dieser Kunststoff kann z. B. im Fahrzeugbau eingesetzt werden. Weitere Verwendungen des Kunststoffs sind dekorative Zwecke im Haushalts- und gewerb¬ lichen Bereich, insbesondere im Sanitär- und Küchenbereich, im Außenbereich.
Die vorliegende Erfindung wird im folgenden durch Ausführungs- beispiele näher erläutert. Hierbei sind Teile einer Substanz, soweit nicht anders definiert, als Gewichtsteile zu verstehen.
Herstellungsbeispiel 1:
Man mischt 20 Teile eines Pigments mit 4 Teilen des Markie¬ rungsmittels Lithium-Tetraborat. Hierzu gibt man 76 Teile Polypropylenplätzchen, und homogenisiert und dispergiert diese Mischung in einem Doppelschneckenextruder. Daraufhin wird die Mischung zu einem Granulat mit einer Korngröße von 2 mm und einer Länge 3 mm extrudiert. Von dem so erzeugten Masterbatch wurden 4 Teile mit 96 Teilen Polypropylengranulat in einem Extruder homogenisiert und zu einer Platte von 4 mm gespritzt.
Herstellbeispiel 2:
Anstelle des Pigments nach Herstellungsbeispiel 1 wird eine Pigmentmischung eingesetzt.
Anwendungsbeispiel des Nachweisverfahrens:
10 g einer vorher zerkleinerten Probe eines Polymergranulatε /Automobilkunststoffteils unbekannter Herkunft werden in einem Muffelofen bei einer Temperatur von etwa 800 bis 1000 °C während einer Zeit von etwa 1 bis 5 Minuten verascht. Hierzu wurde die mechanisch vorher zerkleinerte Probe in einen Pla¬ tintiegel gegeben und mit dem Platintiegel in den Muffelofen eingesetzt. Die Veraschung erfolgt dabei in der Weise, daß eine indirekte Beheizung eines allseitig geschlossenen Schutz¬ behälters vorgenommen wird, wobei die granulatförmigen Proben innnerhalb des Schutzbehälters liegen.
Nach der vollständigen Veraschung der Probe erfolgt ggf. unter zu Hilfenahme eines Spektroskops eine Flammenanalyse mittels Magneεiastäbchen, Magnesiarinne oder ähnlichem inerten Proben- halter.
Zu diesem Zweck wird das pulverförmige Produkt der Veraschung mit Salzsäure oder Schwefelsäure aufgeschlämmt. Nach Ausglühen des Magnesiastäbchens, Magnesiarinne oder ähnlichem inertem Probenhalter wird das aufgeschlämmte Pulver aufgenommen und in eine farblose Bunsenflamme gehalten.
Findet man eine charakteristische Flammenfärbung in roten Bereich bei 670,8 und 610,4 nm (gelborange Linie), so enthielt das Polymer unbekannten Ursprungs Lithiumcarbonat.
Wurde anstelle von Lithiumcarbonat das Lithiummetaborat oder Lithiumtetraborat als Markierungsmittel eingesetzt, so erhält man eine Flammenfarbe auch nach dem Charakteristikum des Bors.
Bei dieser Flammenanalyse ist allerdings zu berücksichtigen, daß die Färbung durch das Element Lithium überwiegt.
Die charakteristische Färbung durch das Element Bor tritt hinter der dominanten Rotfärbung durch Lithium zurück.
Allerdings ist im Rahmen einer Spektralanalyse ohne weiteres das Charakteristikum des Bors ebenfalls zu sehen. Es tritt als grüne Spektrallinie des Boresters auf, verursacht durch die gebildete Borsäure.
Die Flammenanalyse kann ggf. auch qualitativ durch visuelle Auswertung der Flammenfärbung durch ein Kobalt- oder Neophan- glas erfolgen.
Nachdem auf diese Weise festgestellt worden ist, ob der unter¬ suchte Kunststoff aus dem Hause desjenigen stammen kann, der das Markierungsmittel nach dieser Erfindung zugefügt hat, kann eine quantitative Analyse folgen, die etwa folgendermaßen abläuft: Zunächst wird der zu untersuchende Kunststoff durch chemischen Aufschluß in lösliche Form überführt. Dies kann durch Säuren erfolgen, die abhängig von der jeweiligen Art des Kunststoffs eingesetzt werden.
Gegebenenfalls kann ebenfalls durch Verbrennen der organischen Kunststoffmatrix in einem Muffelofen der Kunststoff auch vorher verascht werden.
Es schließt sich dann eine quantitativ spektroskopische Unter- suchung der jeweiligen Proben an.
Als geeignete Verfahren haben sich die folgenden Verfahren erwiesen:
1) ICP-OES (induktiv gekoppeltes Plasma mit optischer Emissionsspektralanalyse),
2) AAS (Atomabsorbtionsspektroskopie) ,
3) ICP-MS (induktiv gekoppeltes Plasma mit assenspek- trometrischer Detektion).
Da derartige Verfahren allerdings dem Fachmann durchaus geläu¬ fig sind, soll auf die speziellen Merkmale derartiger Ver¬ fahren hier nicht eingegangen werden. In jedem Fall jedoch sind diese Verfahren zur quantitativen Analyse der jeweiligen KunststoffZusammensetzungen geeignet, um nach einer vorausge¬ gangen qualitativen Analyse eine genaue Aussage über die tatsächliche Herkunft des so markierten Kunststoffs zu erhal¬ ten.