Translationsantrieb für eine Drahtzange
Die Erfindung betrifft einen Translationsantrieb für eine Drahtzange zur Verwendung in einem Drahtbonder zur Montage von elektronischen Bauelementen, bei dem die Drahtzange an einer Geradführung befestigt und in Längsrichtung des zum Bonden verwendeten Bonddrahtes bewegbar ist.
Bei der Herstellung von elektronischen Bauelementen ist es erforderlich, zwischen den auf Trägerelementen angeordneten Halbleiterchips und den Trägerelementen selbst, bzw. Außen- anschlüssen, eine elektrische Verbindung herzustellen. In den derzeit überwiegenden Fällen geschieht dies durch die Herstellung von Drahtbrücken zwischen den auf den Halbleiterchips befindlichen Bondpads und den Kontaktflächen auf den Trägerelementen. Die Herstellung der Drahtbrücken erfolgt mit Hilfe von Drahtbondeinichtungen, die nach den bekannten Drahtbondverfahren, wie Thermokompressions-, Ultraschall- oder Thermo- sonicdrahtbondverfahren, arbeiten .
Beim Ultraschalldrahtbonden, bei dem in der Regel Aluminium- draht verwendet wird, erfolgt die Herstellung der jeweiligen Kontakte (Bonds) mit Hilfe eines Keilbondwerkzeuges ( edge) , dessen technischer Aufbau allgemein bekannt ist. Zur Realisierung eines vollständigen Bondzyklus ist dem Wedge eine Drahtzange, oder auch Fadenklammer genannt, zugeordnet, mit deren Hilfe der Bonddraht entweder festgehalten, oder bedarfsweise in Richtung zum Wedge vorgeschoben oder von diesem zurückgezogen werden kann.
Dabei ist es vor der Ausführung der jeweils ersten Bondung einer Drahtbrücke notwendig, den Bonddraht unter die Arbeitsfläche des Wedges vorzuschieben, also ein Tail zu erzeugen, welches die Ausführung der ersten Bondung erlaubt. Nach dieser ersten Bondung wird die Drahtbrücke in Form eines Bogens zur
zweiten Bondung vervollständigt und nach der Ausführung des zweiten Bonds der Bonddraht auf eine definierte Weise abgerissen.
Die Taillange selbst ist von den geometrischen Verhältnissen des Wedges und der Bondpads abhängig. Wird die Taillange zu lang bemessen, so besteht die Gefahr von Kurzschlüssen zu benachbarten Bondpads. Wird die Taillange zu kurz bemessen, so muß unter Umständen mit einer fehlerhaften nachfolgenden Bon- düng gerechnet werden. Die Länge des Abrißhubes nach der zweiten Bondung ist zwar nicht entscheidend für die Bondung selbst, jedoch mitentscheidend für die Zykluszeit insgesamt. Außerdem sind Taillange und Abrißhub voneinander abhängig, so daß eine Veränderung der Taillange immer auch eine Veränderung des Abrißhubes nach sich zieht.
Bei den allgemein bekannten Drahtbondeinrichtungen erfolgt der Antrieb der Drahtzange mit Hilfe von Hubmagneten, die eine schnelle Beschleunigung und Bewegung der Drahtzange ermögli- chen. Die Einstellung der Weglängen der unterschiedlichen Bewegungen der Drahtzange kann hier nur durch die exakte Positionierung von Anschlägen vorgenommen werden. Da mit der Veränderung der Taillange gleichzeitig auch eine Veränderung des Abrißhubes notwendig ist, ist ein erheblicher Einstellaufwand erforderlich. Dieser Einstellaufwand wird noch dadurch vergrößert, daß nach einer Veränderung der Einstellungen stets einige Bonds durchgeführt werden müssen, die dann unter dem Mikroskop zu untersuchen sind, um sicherzustellen, daß der gewünschte Effekt auch tatsächlich eingetreten ist.
Daraus wird ersichtlich, daß die Taillange und der Abrißhub optimiert werden müssen, so daß auch möglichst kurze Zykluszeiten erreicht werden. Nur so ist die wirtschaftliche Her- Stellung von Halbleiterbauelementen mit einer Vielzahl von Drahtbrücken möglich.
In der Regel ist die Drahtzange am Bondkopf schwenkbar oder in
einer Linearführung gelagert. Für den Antrieb der Drahtzange werden üblicherweise zwei parallel nebeneinander angeordnete Hubmagnete verwendet, deren Magnetanker gemeinsam auf einen schwenkbar gelagerten Zwischenhebel arbeiten. Dieser Zwischenhebel ist über einen Abtrieb mit der Drahtzange gekoppelt. Der Zwischenhebel ist weiterhin mit einer Zugfeder verbunden, so daß dieser an den Magnetankern der Hubmagnete anliegt und durch die Magnetanker der Hubmagnete entgegen der Federkraft in Richtung zur Drahtzange gedrückt werden kann.
Aufgrund dessen, daß der Zwischenhebel schwenkbar gelagert ist und daß die parallel nebeneinander angeordneten Hubmagnete in unterschiedlichem Abstand zum Schwenkpunkt des Zwischenhebels angreifen, besteht die Möglichkeit, den Zwischenhebel durch Aktivierung eines der Hubmagnete in die jeweils vorgegebene Position zu bewegen. Mit Hilfe des äußeren Hubmagneten, der vom Schwenkpunkt des Zwischenhebels am weitesten entfernt ist, kann eine Mittenposition angefahren und mit dem anderen Hubmagneten der maximale Hub ausgeführt werden.
Ein derartiger Antrieb geht aus der DE 43 26 478 AI hervor, wobei dieser Antrieb infolge der Vielzahl von Bauteilen und deren Masse ungünstige dynamische Eigenschaften aufweist. Darüberhinaus muß auch wegen der Vielzahl der bewegten Bau- teile mit einem nennenswerten Verschleiß gerechnet werden. Die Folge ist eine Reduzierung des Hubes und damit eine Reduzierung der Bewegung der Drahtzange. Um dies ausgleichen zu können und gleichzeitig eine Grundeinstellung vornehmen zu können, sind an den Magnetankern der Hubmagnete Einstell- schrauben vorgesehen, mit deren Hilfe die Grundstellung der Magnetanker innerhalb der Hubmagnete justiert werden kann. Damit ist klar, daß auch jede gewünschte Veränderung der Einstellung einen erheblichen Aufwand erfordert.
Ein ähnlicher Antrieb geht auch aus der JP 60-84829 A hervor, der in der Hauptsache aus einem längs auf einem Bondarm bewegbaren Gleittisch besteht, an dem die Drahtzange befestigt ist. Der Antrieb der Drahtzange erfolgt hier mit zwei Hubmagneten
entgegen einer Federkraft. Beide Hubmagnete führen unterschiedliche Hübe aus, so daß einerseits der Drahtvorschub (Erzeugen der Taillange) und andererseits der Drahtabriß (Rückbewegung der Drahtzange) realisiert werden können.
Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, einen Translationsantrieb für eine Drahtzange zur Verwendung in einem Drahtbonder zur Montage von elektronischen Bauelementen zu schaffen, bei dem die Einstellung der Taillange und des Abriß- hubes jederzeit problemlos durch die Steuerungssoftware des Drahtbonders vorgenommen werden kann.
Die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabenstellung wird bei einem Translationsantrieb der eingangs genannten Art dadurch gelöst, daß der Antrieb und die Lagepositionierung der Drahtzange aus einer Nullage in beiden Richtungen entgegen einer Federkraft mit Hilfe eines mit der Programmsteuerung des Drahtbonders verbundenen Linearantriebes erfolgt, der die bewegten Elemente der Geradführung miteinander koppelt.
Dieser äußerst einfach aufgebaute Translationsantrieb erlaubt eine präzise Positionierung und Bewegung der Drahtzange, wobei auf Anschläge vollkommen verzichtet werden kann. Da die An- steuerung des Linearantriebes unmittelbar über die Programm- Steuerung des Drahtbonders erfolgt, lassen sich Änderungen der Taillange und des Abrißhubes durch einfache Programmänderungen vornehmen.
Der Linearantrieb kann in einer Fortbildung der Erfindung in Form eines Tauchspulantriebes mit elektronischer Lageregelung ausgebildet sein. Ein derartiger Tauchspulantrieb bzw. elektromagnetischer Antrieb erlaubt relativ große Stellwege bei hoher Stellkraft.
Der Tauchspulantrieb besteht bevorzugt aus einem Joch, zwischen dessen Schenkeln ein beweglicher Voce-Coil-Aktor angeordnet ist. Dieser Voice-Coil-Aktor erlaubt eine besonders präzise Positionieerung mit ausreichend großer Betätigungs-
kraft, so daß gute Beschleunigungswerte erreicht werden.
In einer Variante kann als Linearantrieb ein für die Mikropo- sitionierung geeigneter Linearschrittmotor verwendet werden, der eine besonders einfache Positionssteuerung erlaubt. Zusätzliche Einrichtungen zur Messung der jeweiligen Position der Drahtzange sind in diesem Fall nicht erforderlich.
Bei Drehkopfbondern treten bei hohen Drehgeschwindigkeiten große Radialkräfte auf, die in Bewegungsrichtung der Drahtzange wirken. Da diese Radialkräfte aber nicht zu einer nennenswerten Verlagerung der Drahtzange führen dürfen, ist es in diesem Fall von Vorteil, anstelle des Tauchspulantriebes oder des Linearschrittmotors einen piezoelektrischen Antrieb einzusetzen. Dieser Antrieb sichert in der Nullage des Systems eine hohe Steifigkeit, so daß auch bei hohen Radialkräften keine Verlagerung der Drahtzange auftritt. Eine sonst eventuell erforderliche zusätzliche Beruhigungszeit nach Beendigung der Drehbewegung ist bei diesem Antrieb nicht notwendig.
In einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung ist die Geradführung als Parallelführung ausgebildet, wobei die Verwendung einer Blattfederparallelführung den besonderen Vorteil aufweist, daß die Nullage des Systems durch die Nullage der Blattfedern bestimmt wird.
Die Blattfederparallelführung besteht bevorzugt aus einer feststehenden Grundplatte und einer parallel zu dieser angeordneten Platte, die über Blattfedern miteinander verbunden sind, wobei der Linearantrieb auf der Grundplatte angeordnet ist und mit seinem beweglichen Teil mit der beweglichen Platte gekoppelt ist. Diese konstruktive Lösung hat den besonderen Vorteil, daß damit eine völlig verschleißfrei arbeitende Linearführung mit zugehörigen Antrieb geschaffen wird. Bei Bedarf kann der bewegliche Teil des Linearantriebes natürlich auch mit der Grundplatte verbunden werden.
Die Blattfedern sind vorteilhaft lösbar mit der Grundplatte 1
bzw. der Plate 2 verbunden, so daß im Falle einer Beschädigung ein einfacher Austausch derselben möglich ist.
Anstelle der Blattfederparallelführung kann die Geradführung auch als kugelgelagerte Linearführung ausgebildet werden.
Weiterhin lassen sich Kostenvorteile erreichen, wenn die aus den Teilen Grundplatte, Platte und Blattfedern bestehende Einheit einstückig ausgebildet wird, was mit bekannten Schneide- oder Erodierverfahren erfolgen kann.
Bei der einstückigen Einheit ist es zweckmäßig, zwischen den Blattfedern oder blattfederähnlichen Elementen und der Grundplatte, bzw. der Platte, jeweils Festkörpergelenke vorzusehen.
Die Erfindung soll nachfolgend an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert werden. Aus der zugehörigen Zeichnung ist eine perspektivische Darstellung eines erfindungsgemäßen Translationsantriebes mit einem Voice-Coil-Antrieb ersichtlich.
Der Translationsantrieb besteht aus einer biegesteifen Grundplatte 1 und einer weiteren biegesteifen Platte 2, die mittels zweier Blattfedern 3, 4 parallelogrammartig und relativ zueinander verschiebbar miteinander verbunden sind. Die Verbindung der Blattfedern 3, 4 mit den Platten 1, 2 erfolgt dabei durch eine form- und kraftschlüssige Verbindung mittels einer Ver- schraubung, indem zusätzliche Andruckplatten 5, 6, 7, 8 unter Zwischenlage der Enden der Blattfedern 3, 4 mit den Stirnseiten der Platten 1, 2 verschraubt oder vernietet werden.
Alternativ besteht die Möglichkeit, die aus der Grundplatte 1, der Platte 2 und den Blattfedern 3, 4 bzw. blattfederartigen Elementen bestehende Einheit aus einem Stück zu fertigen, was mit bekannten Schneide- oder Erodierverfahren erfolgen kann. In diesem Fall können die blattfederartigen Elemente, welche die Grundplatte 1 und die Platte 2 miteinander verbinden, relativ biegesteif ausgeführt werden. Die Verbindungsstelle
zwischen den blattfederartigen Elementen und der Grundplatte 1 bzw. der Platte 2 ist dann als Festkörpergelenk auszuführen.
Die Grundplatte 1 ist mit dem nicht dargestellten Bondkopf fest verbunden, so daß die Platte 2 im wesentlichen parallel zu dieser verschoben werden kann. Der besondere Vorteil dieser konstruktiven Lösung ist darin zu sehen, daß die Bewegung der Platte 2 entgegen der Federkraft der Blattfedern 3, 4 völlig reibungsfrei erfolgen kann.
An der Platte 2 ist weiterhin eine in Längsrichtung des zum Bonden verwendeten Bonddrahtes zu bewegende Drahtzange 9 befestigt. Die Drahtzange 9 besteht dabei aus zwei ebenfalls relativ zueinander bewegbaren Zangenbacken 10, 11, die über eine weitere Blattfederparallelführung, bestehend aus den Blattfedern 12, 13, miteinander verbunden sind. Der Träger 14 der feststehenden Zangenbacke 11 ist hier mit der Platte 2 verbunden. Der Antrieb für die Zangenbacken 10, 11 wird an diser Stelle nicht näher beschrieben, kann jedoch auf ähnliche Weise erfolgen, wie nachfolgend anhand des Translationsantriebes für die Drahtzange 9 dargestellt ist.
Um die Drahtzange 9 in Längsrichtung des Bonddrahtes bewegen zu können, sind die Grundplatte 1 und die Platte 2 über einen Antrieb 15 miteinander gekoppelt. Dieser Antrieb 15 ist als Linearantrieb, beispielsweise Form eines Tauchspulantriebes ausgebildet und erlaubt in Verbindung mit einer schnellen Lageregelung und zugehöriger Positionsbestimmung eine präzise Lagepositionierung und Bewegung der Drahtzange 9. Dieser Linearantrieb besteht aus einem Joch 16, das auf der Grundplatte 1 mittels einer Basisplatte 17 befestigt ist und einem zwischen den Schenkeln 18, 19 des Jochs 16 bewegbaren Voice- Coil-Aktor 20, der auf einen mit der Platte 2 verbundenen Mitnehmer 21 arbeitet. Dabei sind der Voice-Coil-Aktor 20 und der Mitnehmer 21 fest miteinander verbunden, um ausgehend von der mechanischen Nullage des Systemes eine gesteuerte Linearbewegung in beide Richtungen ausführen zu können. Der Betrag der Bewegung und die Endstellung kann bei dieser Anordnung
problemlos durch die Lageregelung und die Programmsteuerung des Bonders erfolgen. Damit erübrigt sich die Anordnung von Endanschlägen, da das System von sich aus eine präzise und schnelle Lageregelung erlaubt.
Das hat den besonderen Vorteil, daß die Änderung der Taillange und des Abrißhubes nunmehr ausschließlich auf programmtechnischem Wege erfolgen kann und die bisher erforderlichen aufwendigen Justageschritte vollkommen entfallen können. Damit wird mit einfachen technischen Mitteln eine erhebliche Verbesserung der Gebrauchseigenschaften des Bonders erreicht, da ein Arbeiten auf harte Anschläge vermieden wird. Das bedeutet, daß auch die ansonsten notwendigen Beruhigungszeiten für das System nach dem Anfahren von Anschlägen eingespart werden können, was weitere Vorteile mit sich bringt.
Anstelle des Tauchspulantriebes kann natürlich auch ein speziell für die Mikropositionierung geeigneter Linearschrittmotor eingesetzt werden. Der Linearschrittmotor erlaubt eine direkte Positionierung der Drahtzange 9, ohne daß hierzu eine Positionsbestimmung und eine zugehörige Lageregelung erforderlich wären. Die Positionierung der Drahtzange 9, d.h. der Betrag der gewünschten Bewegung, kann hier durch die Vorgabe einer Anzahl von Impulsen durch die Programmsteuerung des Bonders erfolgen.
Bei Drehkopfbondern treten bei hohen Drehgeschwindigkeiten bekanntlich große Radialkräfte auf, die in Bewegungsrichtung der Drahtzange 9 wirken. Das kann zu Problemen bei verwendeten Tauchspulantrieben und auch bei Linearmotoren führen, da diese Radialkräfte bereits bei der Drehbewegung kompensiert werden müssen, was bei diesen Antrieben technisch kaum möglich ist. Aus diesem Grund ist es erforderlich, daß nach Abschluß der Drehbewegung zusätzlich noch eine Beruhigungszeit abgewartet werden muß, bevor der neue Bondzyklus gestartet wird. Damit würde die Produktivität des Bonders insgesamt reduziert.
In solchen Fällen ist es zweckmäßig, den Tauchspulantrieb oder
den Linearschrittmotor durch einen piezoelektrischen Antrieb zu ersetzen. Dieser Antrieb sichert insbesondere in der Nullage des Systems eine wesentlich höhere Steifigkeit, so daß auch bei hohen Radialkräften keine Verlagerung der Drahtzange 9 auftreten kann, bzw. nur geringfügig erfolgt, so daß nach dem Ende der Drehbewegung sofort der neue Bondzyklus gestartet werden kann .
Es ist weiterhin auch möglich, für die Führung der Platte 2 an der Grundplatte 1 eine kugelgelagerte Linearführung zu verwenden.
Bezugszeichenliste
1 Grundplatte
2 Platte
3 Blattfeder
4 Blattfeder
5 Andruckplatte
6 Andruckplatte
7 Andruckplatte
8 Andruckplatte
9 Drahtzange
10 Zangenbacke
11 Zangenbacke
12 Blattfeder
13 Blattfeder
14 Träger
15 Antrieb
16 Joch
17 Basisplatte
18 Schenkel
19 Schenkel
20 Voice-Coil-Aktor
21 Mitnehmer