WICKELVERFAHREN, BAHNTRENNVORRICHTUNG UND BAHNWICKLER
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Anwickeln einer kontinuierlich laufenden Materialbahn auf eine Folge von Wik- kelhulsen, eine Vorrichtung zum Durchtrennen der Bahn beim Wechseln der Wickelhulsen, e ne Bahnwickelvorrichtung und eine Anwendung des Verfahrens .
Bahnwickler und Bahnwickelverfahren sind m verschiedenen Ausfuhrungsformen bekannt und z.B. in DE-A-2 243 504, EP-A-0 017 277, EP-A-0 394 197 und CH-A-683 992 sowie dem in diesen Dokumenten genannten Stand der Technik beschrieben. Gemeinsam ist den bekannten Wicklern, dass eine relativ rasch laufende und mehr oder weniger endlose Materialbahn aus Kunststoffolie, Papier, textllern Gut oder einem anderen, verhaltnismassig dünnen (typisch 10 bis 1000 μm Dicke) und flexiblen Material mit Arbeitsbreiten von b s zu einigen Metern entweder im Zuge der Herstellung des Bahnmaterials oder bei dessen Verarbeitung kontinuierlich, d.h. ohne Unterbrechung des Materialflusses, auf eine Folge von Wickelspulen aufgewickelt werden muss, die dem Wickler aus einem Wickelspulenmagazin zugeführt werden.
Hierbei sind insbesondere zwei Probleme zu losen, nämlich einerseits einen sehr raschen, sauberen und präzisen Trennbzw. Schnittvorgang zu bewirken und andererseits das Vorderende eines neuen Bahnabschnitts in Wickelkontakt mit einer frischen, d.h. leeren Wickelhulse zu bringen. Ein annähernd rechtwinkliger Schnittvorgang lasst sich bei höheren Bahnlauf- geschwmdigkeiten praktisch nur mit einem schlagartig, z.B. innerhalb von 0,1 - 0,5 Sekunden und gleichzeitig über die gesamte Bahnbreite wirkenden Messer erzielen, das bei Bahnwicklern für die Produktion oder Verarbeitung von typischen technischen Kunststoffolien meist ein gezacktes Messer ist, wie z.B. in CH-A-674 352 beschrieben. Nach der z.B. in der oben
genannten Patentschrift DE-A-2 243 504 beschriebenen Querschneidemethode wird eine Schneide oder Klinge mit relativ hoher Geschwindigkeit quer über die Materialbahn geführt, was zu einem schrägen Schnitt führt. Zum Erzielen des Wickelkontaktes für das Anwickeln einer noch leeren Wickelhülse werden üblicherweise Klebstoffe oder Klebebänder verwendet. Dies hat in der Praxis verschiedene Nachteile, wie das Unwirksamwerden der Klebschichten durch Verstauben, das ungewollte Verschleppen von Klebstoff oder Klebband in die Wickel und die Verwendung organischer Lösungsmittel. Vorschläge zum Erzielen des Wickelkontaktes auf elektrostatischem Wege, wie z.B. in EP-A-0 270 498 und dem darin diskutierten Stand der Technik beschrieben, haben sich in der Praxis wegen der erforderlichen hohen Spannungen und den Fol- gen einer Veränderung der Luftfeuchtigkeit bisher nicht durchsetzen können.
Ein gemeinsamer Nachteil der bekannten Verfahren und Vorrichtungen ist ein mehr oder weniger starker Ruck beim Anwik- kelvorgang, der zu nachteiligen Auswirkungen auf vorgelagerte, d.h. au stromseitige Fabrikations-, Verabreitungs- oder Veredelungseinheiten führen kann.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Anwickelverfahren zu bieten, das die oben genannten Nachteile nicht oder höchstens in vernachlässigbarem Umfang hat. Aufgabe der Erfindung ist auch eine verbesserte Trennvorrichtung und ein neuer Bahnwickler.
Diese Aufgaben werden erfindungsgemäss gelöst durch ein Verfahren zum Anwickeln einer kontinuierlich laufenden Materialbahn auf eine Folge von Wickelhülsen einer Wickelvor- richtung, die eine Wickelwalze, mindestens eine bewegliche Umlenkrolle und eine Trennvorrichtung besitzt, dadurch gekennzeichnet, dass das bei Betätigung der Trennvorrichtung gebildete vordere Ende der laufenden Materialbahn unter der Einwirkung eines bogenförmigen Luftstroms, der sich um mindestens etwa ein Viertel des Hülsenumfangs mindestens annähernd über
die Breite der Wickelhülse und bis nahe zur Kontaktlinie zwischen der Wickelwalze und der anliegenden Wickelhülse erstreckt, mit der Wickelhülse in Wickelkontakt gebracht wird. Die hier verwendete Bezeichnung "Wickelkontakt" bedeutet einen für das Anwickeln einer frischen Wickelhülse ausreichenden Kontakt zwischen der Hülse und dem durch das Trennen der Bahn entstandenen neuen vorderen Bahnende.
Die Geschwindigkeit des Luftstroms ist dabei vorzugsweise mindestens zweimal, insbesondere mindestens dreimal und z.B. sechsmal höher als die Geschwindigkeit der typisch mit Bahnlaufgeschwindigkeiten von 30 - 400 Meter/Minute oder mehr kontinuierlich laufenden Materialbahn.
Vorzugsweise ist jede Wickelwalze, also sowohl diejenige des vorangehenden fertigen Wickels als auch die des frischen nachfolgenden Wickels mit einem Zentralantrieb verbunden, der so gesteuert werden kann, dass die auf die Bahn einwirkende Zugspannung auf einem gewünschten Wert gehalten werden kann und nicht von der Dicke des jeweiligen Wickels abhängig ist. Zweckmässiger Weise wird hierzu ein von der linken und ein von der rechten Seite des Wicklers einwirkender Antrieb verwendet. Vorzugsweise wird der bogenförmige Luftstrom durch einen in der Nähe der Kontaktlime zwischen Wickelwalze und der an dieser anliegenden Wickelhülse wirkenden Unterdruck, z.B. von -450 bis -900 Millibar, erzeugt. Gemäss einer bevorzugten Aus- führungsform des Verfahrens wird die Bildung des bogenförmigen Luftstroms durch seitliche Zuströme unterstützt, die durch die Druckdifferenz zwischen dem angelegten Unterdruck und dem Umgebungsdruck oder einem überatmosphärischen Druck aus einer Überdruckquelle erzeugt werden. Allgemein wird bevorzugt, dass die Materialbahn bei Betätigung der Trenneinrichtung etwa die Hälfte des Umfangs der Wickelhülse an dieser anliegt.
Um den Trennvorgang praktisch ruckfrei zu machen, ist es zweckmässig, die Materialbahn mit Hilfe eines im Inneren der Wickelwalze anliegenden Unterdrucks auf der mit Durchbrechun-
gen des Walzenmantels versehen Wickelwalze zu halten. Ferner kann zur Verstärkung des Kontaktes der Materialbahn mit der Wickelhülse im Inneren der mit Durchbrechungen versehenen Wik- kelhülse ein Unterdruck angelegt werden. Die erfindungsgemässe Trennvorrichtung für eine Vorrichtung zum Aufwickeln einer kontinuierlich laufenden Materialbahn auf eine Folge von Wickelhülsen ist dadurch gekennzeichnet, dass die Trennvorrichtung einen praktisch über die Länge der Wickelhülsen sich erstreckenden Vakuumkanal besitzt, der mit einer die Wickelhülse um mindestens ein Viertel ihres Umfangs bogenförmig umfassenden Leitwand und einem Zackenmesser verbunden ist, um das bei Betätigung der Trennvorrichtung gebildete vordere Ende der laufenden Materialbahn unter der Einwirkung eines bogenförmigen Luftstroms, der sich um mindestens etwa ein Viertel des Hülsenumfangs mindestens annähernd über die Breite der Wickelhülse und bis nahe zur Kontaktlinie zwischen der Wickelwalze und der anliegenden Wickelhülse erstreckt, mit der Wickelhülse in Wickelkontakt zu bringen. Vorzugsweise ist die Trennvorrichtung mit einer Einrichtung zum Einschwenken des Messers in den Weg der Materialbahn zwischen einer an der Wickelwalze anliegenden frischen Wickelhülse und einer beweglichen Umlenkwalze, die in eine Position nahe der Wickelhülse gebracht ist, verbunden.
Die erfindungsgemässe Vorrichtung zum Aufwickeln einer kontinuierlich laufenden Materialbahn auf eine Folge von Wik- kelhülsen besitzt eine Wickelwalze, mindestens eine bewegliche Umlenkwalze und eine Einrichtung zum Durchtrennen der Materialbahn, um an dieser ein auf eine vorangehende volle Wik- kelhülse auflaufendes Bahnende und ein zum Anwickeln der nach- folgenden leeren Wickelhülse bestimmtes Bahnende zu bilden, und ist dadurch gekennzeichnet, dass die Trenneinrichtung einen praktisch über die Länge der Wickelhülsen sich erstrek- kenden Vakuumkanal besitzt, der mit einer die Wickelhülse um mindestens ein Viertel ihres Umfangs bogenförmig umfassenden Leitwand und einem Zackenmesser verbunden ist, um das bei Be-
tätigung der Trennvorrichtung gebildete vordere Ende der laufenden Materialbahn unter der Einwirkung eines bogenförmigen Luftstroms, der sich um mindestens etwa ein Viertel des Hülsenumfangs mindestens annähernd über die Breite der Wickel- hülse und bis nahe zur Kontaktlinie zwischen der Wickelwalze und der anliegenden Wickelhülse erstreckt, mit der Wickelhülse in Wickelkontakt zu bringen.
Vorzugsweise hat die Wickelwalze (21) einen mit einer Gummiauflage versehenen Mantel, z.B. aus Stahl, und Durchbre- chungen, um mittels eines im Inneren der Wickelwalze herrschenden Unterdrucks eine anliegende Materialbahn in verstärktem Kontakt zu halten und einen praktisch ruckfreien Anwickel- betrieb zu ermöglichen.
Schliesslich betrifft die Erfindung auch die Anwendung des neuen Trennverfahrens zum Anwickeln von praktisch endlosen Bahnen oder Bändern aus Kunststoffolie im Zuge der Herstellung der Folie, z.B. durch Extrusion, oder der Verarbeitung, z.B. durch Zertrennen, Bedrucken oder andere Bearbeitungen der Bahnen. Die hier verwendete Bezeichnung "praktisch endlos" be- zieht sich auf Bahn- oder Bandlängen, die im Verhältnis zur Bahn- oder Bandbreite sehr gross sind, z.B. mindestens um den Faktor 1000 grösser. Geeignete Kunststoffolien sind solche mit Dicken im Bereich von typisch zwischen 5 und 1000 μm aus den bekannten Polymeren, Copolymeren, Propfpolymeren, Polymermi- schungen mit filmbildenden Molekulargewichten einschliesslich der für die Folienherstellung und -Verarbeitung üblichen Zusatzstoffe.
Die Erfindung wird anhand der beiliegenden Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen: Figur 1 eine schematische Darstellung des Ablaufs eines erfindungsgemässen Trennverfahrens ;
Figur 2 eine schematische Teilansicht einer erfindungs- gemässen Trenneinrichtung im Zusammenhang mit einer er- findungsgemässen Wickelvorrichtung und
Figur 3 eine Modifikation der Trenneinrichtung gemäss Darstellung in Figur 2.
Das Schema von Fig. 1 zeigt den Trenn- und Anwickelvor- gang einer Vorrichtung 15 in fünf Stufen (I - V) . Es muss betont werden, dass diese Unterteilung nur der Erläuterung dient und der Vorgang in Wirklichkeit kontinuierlich abläuft. In der ersten Stufe I ist die über eine Wickelwalze 11 laufende Materialbahn B, z.B. eine von einem Extruder kommende Folienbahn aus Kunststoff, eine Papier- oder Textilmaterialbahn, dargestellt, die auf dem anliegenden, nahezu vollen Materialbahnwickel 12 um die vorangehende Wickelhülse 14 aufgewickelt wird. Der nahezu volle Wickel 12 wird seitlich von einem üblicherweise als "Wickelstation" bezeichneten schwenkbaren Paar Arme 120 (nur der vordere ist in Fig. 1 dargestellt) in einer gewünschten Position und mit gewünschtem bzw. in bekannter Weise (siehe z.B. die beiden oben genannten Europäischen Pan- tentschriften) gesteuertem Anpressdruck an der Wickelwalze 11 gehalten. Eine schwenkbare Ausführungsform der Wickelstation 120 ist aber für die vorliegende Erfindung nicht kritisch und kann anders, z.B. als gesteuert verfahrbarer Schlitten mit vertikaler Abstützung ausgebildet sein.
Eine leere frische Wickelhülse 16 mit (nicht dargestelltem) Führungsdorn wird aus einem_ (nicht dargestellten) Magazin üblicher Bauart zugeführt und eine Umlenkwalze 18 wird aus ihrer Ruhestellung in Richtung auf die Folienbahn B auf dem Wickel 12 geführt.
In der folgenden Stufe II gelangt die Umlenkrolle 18 in Kontakt mit der Folienbahn B auf dem Folienwickel 12 während gleichzeitig eine leere Wickelhülse 16 mit Hilfe eines (zur besseren Uebersicht nicht dargestellten) üblichen Schwenkarmpaares (als "Anwickelstation" bezeichnet) in Richtung zum Spalt zwischen der Wickelwalze 11 und dem Folienwickel 12 geführt wird, bis die Umlenkrolle 18 am Folienwickel 12 anliegt.
In Stufe III wird der Foleinwickel 12 durch Verschwenken (bzw. Verfahren) der Wickelstation 120 von der Wickelwalze 11 entfernt, während die leere Wickelhülse 16 und die Umlenkrolle 18 in die Position bewegt werden, die in Stufe IV des Schemas von Fig. 1 dargestellt ist, d.h. die Umlenkrolle 18 am Folienwickel 12 anliegt und für diesen nach Beendigung des Kontaktes mit der Wickelwalze 11 als Anlegewalze dient, und zwar vorzugsweise in einer Position oberhalb der vor der Beendigung des Kontakts bestehenden Kontaktlinie zwischen der Wickelwalze 11 und dem Folienwickel 12. Die Bahn B läuft in Stufe IV weiter auf den Folienwickel 12, allerdings mit dem Umweg um die noch leere Wickelhülse 16 und die Umlenkrolle 18.
Nun wird die Trenneinrichtung 10 in Richtung auf die Materialbahn B im Bereich zwischen der leeren Wickelhülse 16 und der Umlenkrolle 18 geführt, wo die Materialbahn frei läuft, d.h. weder an der Umlenkrolle 18 noch an der leeren Wickelhülse 16 anliegt. Zwischen der Umlenkrolle 18 und der leeren Wik- kelhülse 16 muss somit ein ausreichender Abstand bestehen, damit die nunmehr zur Bahn B geführte Schneidvorrichtung 10 die Materialbahn B im Bereich ihres freien Laufs zwischen Umlenkrolle 18 und der immer noch leeren Wickelhülse beaufschlagen und schliesslich (Schritt V) durchtrennen kann, so- dass ein auf den Folienwickle 12 auflaufendes "hinteres" Ende der Folienbahn B und ein zum Anwickeln auf der noch leeren Wickelhülse 16 bestimmtes "vorderes" Ende der kontinuierlich weiter laufenden Folienbahn B gebildet wird.
Die Einzelheiten des nunmehr folgenden Anwickelvorgangs ge äss der vorliegenden Erfindung durch einen Lufstrom sind eingehender im Zusammenhang mit den folgenden Fig. 2 und 3 be- schrieben. In der dem Anwickelvorgang folgenden Stufe VI des Schemas von Fig.l ist noch angedeutet, wie die Wickelstation 120 nach Entnahme des fertigen Folienwickels 12 die Wickelhülse 16 mit der darauf inzwischen angewickelten Folienbahn B aus der (nicht dargestellten) Anwickelstation übernimmt und bis zum nachfolgenden Bahntrennungs- und Anwickelvorgang in Kon-
takt mit der Wickelwalze 11 hält. Für das Verständnis der Erfindung ist noch zu ergänzen, dass sowohl die Wickelstation als auch vorzugsweise die Anwickelstation zum Betrieb als Zentralwickler mit einem (nicht dargestellten) regelbaren Drehbe- wegungsantrieb verbunden ist, um die auf die Bahn einwirkende Zugspannung in an sich bekannter Weise in Abhängigkeit von den Materialparametern, wie Art, Eigenschaft und Dicke des Bahnmaterials und dem gewünschten Lineardruckes am Spalt zwischen der Wickelwalze 11 und dem anliegenden Folienwickel 12 zu kon- trollieren.
In jedem Fall wird das vordere Ende des nachfolgenden Materialbahnabschnitts auf der leeren Wickelhülse 16 angewik- kelt, damit der (nicht dargestellte) Zentralantrieb, der mit der Wickelhülse 16 in Eingriff gebracht wird, den dem Wickel- Vorgang angepassten Wickelzug ausüben kann. Die genauen Betriebsparameter (Kontaktdruck am Spalt zwischen Bahnwickel und Wickelwalze; Zugspannung und Laufgeschwindigkeit) hängen in an sich bekannter Weise von der Art der Wickelvorrichtung 15 und dem Bahnmaterial ab und können von Fachleuten anhand einiger weniger einfacher Versuche optimiert werden.
Der wesentlich Unterschied zwischen dem erfindungsgemäs- sen Verfahren und dem Stand der Technik liegt nun in der Art, in welcher der zum Anwickeln erforderliche Wickelkontakt erzielt wird. Gemäss Stand der Technik wird dieser Kontakt ent- weder mit Hilfe von Klebstoff (z.B. in Form von Klebband auf der Oberfläche der Wickelhülse) oder mittels elektrostatischer Aufladung der Folie gegenüber der Wickelhülse erzielt. Beim erfindungsgemässen Verfahren wird auf diese Art der Bildung des Wickelkontkates verzichtet, d.h. weder Klebstoff in irgend einer Form noch eine elektrostatische Aufladung verwendet, und das neue "vordere" Ende der Materialbahn mit Hilfe eines Luftstroms auf die Wickelhülse geführt und auf dieser solange gehalten, bis die fortgesetzte Drehung der Wickelhülse eine Festklemmung des Bahnendes zwischen der Oberfläche der Wickel- hülse und der darüber gewickelten folgenden Schicht der Ma-
terialbahn bewirkt. Diese neue Anwickeimethode wird hier auch kurz als "pneumatisches Anwickeln" bezeichnet und nachfolgend eingehender erläutert.
In Fig. 2 ist schematisch und ausschnittsweise eine Wik- kelvorrichtung 25 mit einer erfindungsge ässen Trenneinrichtung 20 dargestellt, die in der in Fig. 1 beschriebenen Weise in den Weg der Materialbahn B zwischen der Wickelwalze 21 und der beweglichen Umlenkrolle 28 geführt worden ist. Die Trenneinrichtung 20 ist mit einem Messer 201 versehen, das in nicht dargestellter, aber an sich bekannter Art als Zackenmesser ausgebildet ist und sich mindestens über die gesamte Breite der Materialbahn B erstreckt. Beim Kontakt des Messers 201 mit der Bahn B wird diese innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums von z.B. 0,1 - 0,5 Sekunden schlagartig durchtrennt und dadurch das um die Umlenkrolle 28 auf den (nicht dargestellten) fertigen Bahnwickel auflaufende "hintere" Bahn-Ende E0 sowie das "neue" bzw. "vordere" Bahnende Ei gebildet. Letzteres wird von einem bogenförmigen Luftstrom L auf die Oberfläche der Wickelhülse 26 geblasen und auf dieser in Wickelkon- takt gehalten.
Der bogenförmige Luftstrom L entsteht dadurch, dass mittels einer gebogenen und sich mindestens über die gesamte Breite der Materialbahn B erstreckenden Leit- oder Führungswand 203 und der benachbarten Oberfläche -der Wickelhülse 26 ein bogenförmiger Raum gebildet wird, dessen der Wickelwalze 21 benachbartes Ende mit einem Vakuumkanal 200 verbunden ist. Der Kanal 200 kann ein mit dem Messer 201 verbundenes Gehäuse sein, das von der Leitwand 203, der nahe der Wickelwalze 21 verlaufenden Wand 204, der Rückwand 205 und der Oberwand 206 gebildet wird. Der Kanal 200 hat eine schlitzförmig über die Kanalbreite sich erstreckende Öffnung 209, die den Luftstrom L erzeugt. Ein Leitblech 27 kann dazu dienen, den Weg des Luftstromes L bis nahe an die Wickelwalze 21 zu führen.
Die (nicht dargestellten) seitlichen Enden des Vakuumka- nals sind verschlossen bzw. mit einer Vakuumquelle, z.B. einem
unter Unterdruck stehenden (nicht dargestellten) Kessel verbunden, der laufend mit entsprechend leistungsfähigen Pumpen evakuiert wird.
Die Wickelwalze 21 hat gemäss einer bevorzugten Ausfüh- rungsform der Erfindung bei Anwendung auf luftundurchlässige Bahnmaterialien, wie insbesondere Kunststoffolien oder relativ dichte Papiere, einen hohlen Innenraum 210, der ebenfalls mit einer (nicht dargestellten) Vakuumquelle verbunden ist und die meist um etwa 180° des Umfangs der Wickelwalze 21 an dieser anliegende Materialbahn B auf der z.B. aus einer Gummischicht 212 auf der Mantelwand 211 bestehenden Oberfläche der Wickelwalze 21 hält. Diese Massnahme hat den besonderen Vorteil der Vermeidung von ruckartigen Einwirkungen auf die Materialbahn im Bereich zwischen der Wickelwalze 21 und einem aufstromsei- tigen Bereich der Materialbahn, der z.B. im Zusammenhang mit der Herstellung von Kunststoffolien durch Extrusion oder ähnliche Verfahren für ruckartige Belastungen empfindlich ist, etwa durch ein unkontrolliertes Verstrecken oder Durchhän- genund dadurch bedingte Bahnverspannungen bzw. durch Verstrek- ken verursachte Orientierungs- bzw. Festigkeitsunterschiede. In Fig. 2 ist die Wickelhülse 26 als auf einem massiven Kerndorn 261 geführt dargestellt. Es liegt aber im Rahmen der Erfindung, auch im Inneren der Wickelhülse 26 einen Unterdruck zu erzeugen, der -über die durchbrochen eingezeichneten Kanäle 263 auf die anliegende Materialbahn einwirkt und diese ansaugt .
Fig. 3 zeigt eine Modifikation der in Fig. 2 schematisch dargestellten Trenneinrichtung: hierbei wird der Vakuumkanal 300 von einem Hohlkörper, z.B. einem Rohr 39, gebildet, das eine schlitzförmige Öffnung 309 zum Ansaugen des Luftstromes L besitzt. Die Verbindung mit dem Messer 301 kann dabei beliebig, z.B. in Form eines einfachen Verbindungsbleches oder -bügeis ausgebildet sein, sofern nur die bogenförmige Leitwand 303 erhalten bleibt. Gewünschtenfalls können die drei erfin- dungswesentlichen Merkmale der Trenneinrichtung 30 - nämlich
der Vakuumkanal 300, die bogenförmige Leitwand 303 und das damit verbundene Messer 301 - mit den Wänden 304, 305 und 306 zu einem Hohlkörper vereinigt sein, der wahlweise mit der Atmosphäre verbunden ist oder unter erhöhtem Druck steht. In bei- den Fällen wird dabei der Luftstrom L über die Verbindungskanäle 322 mit zusätzlicher Luft versorgt, welche die Materialbahn B gegen die Wickelhülse 36 drückt. Auch im Bereich des Übergangs vom Messer 301 zur Leitwand 303 können eine oder mehrere Öffnungen 321 vorgesehen werden, um eine zusätzlich seitlich wirkende Komponente des Luftstroms L zu erzeugen.
Vorzugsweise ist die Geometrie aller erfindungswesentlichen Teile einer erfindungsgemässen Trenneinrichtung - d.h. bei der in den Figuren 2 und 3 dargestellten Ausführung der Leitwand 203,303, des Messers 201, 301 und des Vakuumkanals 200,300 - so gestaltet, dass der bogenförmige Luftstrom L mindestens 90°, vorzugsweise mindestens 120° und insbesondere mindestens 140° des Umfangs der Wickelhülse umfasst und die bis zum Augenblick der Bahntrennung an der Wickelhülse anliegende Materialbahn die Wickelhülse mindestens zu etwa 180° ih- res Umfangs umfasst.
Gemäss einer (nicht dargestellten) modifizierten Ausführungsform der in den Fig. 2 und 3 beschriebenen Ausführungsformen einer erfindungsgemässen Vorrichtung wird anstelle eines Zackenmessers 201,301 eine bekannte Quertrennvorrichtung, z.B. gemäss DE-A-2 243 504, verwendet, die mit dem Gehäuse 20,30 verbunden ist und zu einem Schrägschnitt führt. Gemäss der Erfindung kann somit auch ein schräg verlaufender Schnitt am Anfang eines Folienabschnitts auf eine frische Hülse angewickelt werden, ohne dass die bekannten Hilfsmittel zum Anwik- kein (Kleben oder/und elektrostatisches Anhaften) verwendet . werden müssen.
Die erfindungsgemässe Trenneinrichtung ermöglicht eine im Vergleich zum Stand der Technik einfache Konstruktion sowie einen einfachen aber dennoch sicheren Betrieb und bietet damit eine Reihe weiterer Vorteile: so kann die Trenneinrichtung -
abgesehen von dem meist aus Stahl, Hartstoff oder Keramik gefertigten Messer - aus Leichtmetall hergestellt werden, sodass die bewegte Masse vergleichsweise gering ist. Dabei kann das Ein- und Ausschwenken in üblicher Weise mit pneumatischen oder hydraulischen Betätigungselementen bewirkt werden. Die erfindungsgemässe Trenneinrichtung kann nicht nur in neue Anlagen sondern auch bestehende Anlagen zum Ersatz der bekannten Trenneinrichtungen eingebaut werden. Für die Fachwelt ergeben sich im Rahmen der nachfolgenden Ansprüche zahlreiche Abände- rungsmöglichkeiten der Erfindung.