Verfahren zur Herstellung eines Schaumstoffes
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Schaumstoffes, ausgehend von nachwachsenden Rohstoffen, insbesondere natürlich nachwachsenden Rohstoffen, wie z.B. Algen.
Schaumstoffe werden seit den 30er Jahren in großen Mengen produziert. Ihr Einsatzgebiet ist vielfältig und erstreckt sich von Anwendungen in der Bauindustrie, in der Verpackungsindustrie bis hin zu Anwendungen in der Raumfahrt .
Die ersten Schaumstoffe wurden auf Basis von Harnstoff-Formaldehydharzen hergestellt. Mitte der 40er Jahre folgten dann die Schaumstoffe auf der Basis von Phenolformaldehydharzen. Weitere Entwicklungsschritte stellten die Verwendung von Polystyrol, Weich-PVC, Polyurethan und Silicongummi dar. Die bisher letzten Entwicklungen betreffen die Verwendung von Polyethylen und Epoxidharz .
Schaumstoffe sind Zweiphasensysteme. Ihre Herstellung erfolgte bisher durch Aufschäumung einer Gerüstsubstanz. Zur Aufschäumung werden dabei Treibmittel eingesetzt, wobei feste, flüssige und gasförmige Substanzen bekannt sind. Am häufigsten werden gasförmige Treibmittel verwendet. Vor allem teilhaloge- nierte Kohlenwasserstoffe (als Ersatzstoff für vollhalogenierte Kohlenwasserstoffe) haben heute einen weiten Anwendungsbereich. Solche teilhalogenierte Kohlenwasserstoffe besitzen jedoch weiterhin, wenn auch in geringerem Maße als vollhalogenierte Fluorchlorkohlenwasserstoffe, ein Ozonzerstörungspotential. Daher ist es aus ökologischen Gründen notwendig, auch diese Substanzen zu ersetzen.
Es gibt nun in der Schaumstoffherstellung mehrere Möglichkeiten, die Emission teilhalogenierter Kohlenwasserstoffe zu verringern bzw. zu verhindern:
Ersatz der teilhalogenierten Kohlenwasserstoffe durch alternative Treibmittel wie einfache Kohlenwasserstoffe (Pro- pan, Butan, Pentan) , oder Inertgase (N. , C02 ) bei der Herstellung herkömmlicher Schaumstoffe.
Verbesserung der Produktionstechnologie. Dabei setzt man auf eine verminderte Emission während des Produktionsablaufes. Der Einsatz von z.B. Aktivkohlefiltern zur Abluftreinigung
teilhalogenierter Kohlenwasserstoff-hältiger Abgase stellt eine solche Maßnahme dar.
Substitution der mit teilhalogenierten Kohlenwasserstoffen aufgeschäumten Schaumstoffe durch Alternativprodukte, bei deren Herstellung vollständig auf den Einsatz halogenierter
Kohlenwasserstoffe verzichtet wird.
In letzter Zeit wurden bereits auf natürliche Rohstoffe basierende Isolations- und Verpackungsmaterialien hergestellt, wie beispielsweise aus Holzschliff oder Stärkematerial. Die. Produktionsgrenzen wurden jedoch ziemlich schnell erreicht, da die Rohstoffe nicht in ausreichendenm Ausmaß zur Verfügung standen bzw. nicht schnell genug nachwuchsen. Ein bereits in praktisch unbegrenzter Menge zur Verfügung stehender bzw. in maritimen Farmbetrieben gezielt anbaubarer Rohstoff sind Algen. Aus diesen Algen können Alginate bzw. Alginsäure gewonnen werden, welche zu Schaumstoffen weiterverarbeitbar sind.
Gemäß der GB-560 317-A werden derartige Schaumstoffe niedriger Dichte durch Belüften einer wässerigen Lösung von Natriumal- ginat und gleichzeitiges Überführen des löslichen Alginats in eine unlösliche Form hergestellt.
In der US-5 718 916 werden Alginatschäume geoffenbart, welche als Wundauflage, bei chirurgischen Eingriffen und als Implantate Verwendung finden.
Die EP-0 747 420-A1 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung von Polysaccharidschäumen, wobei die Schäume im feuchten Zustand geformt und anschließend in einem warmen Luftstrom getrocknet werden.
Auch in der WO 94/00512 werden Schäume auf Basis von löslichen Polysacchariden, wie Alginaten, Hyaluronaten, Carrageenaten oder Stärke beschrieben, gemäß der JP-4911 99 62-A werden Cal- ciumalginatschäume in Gegenwart einer stärkeren Säure als Kohlensäure, etwa Salzsäure, hergestellt.
JP-92 78 926-A beschreibt die Herstellung eines gasperme- ablen Films ausgehend von einer wässerigen Lösung von Alginsäure .
All diesen Verfahren ist gemeinsam, daß das Ausgangsprodukt zuerst mühsam aus dem natürlichen Rohstoff isoliert werden muß.
In der WO 94/17132 werden aufgeschäumte Algenprodukte mit einer aufgeschäumten und im wesentlichen dimensionsstabilen AI-
genfasermatrix zu Verpackungszwecken geoffenbart. Zur Herstellung dieser Produkte werden ausschließlich Grünalgen (Chloro- phyceae) , insbesondere Cladophora glomerata Kuetzing, verwendet. Zum Aufschäumen wird ein Brei von Grünalgen herkömmlichen Schäumverfahren zur Herstellung von zellulären Plastikschäumen unterworfen, beispielsweise Isocyanat-Techniken, Verdampfen von verschiedenen Komponenten des Algenbreis, Vakuumexpansion von im Algenbrei gelösten Gasen, Einschlagen von Gasen in den Algenbrei und Lösen von Kristallen oder anderen kleinen Teilchen im Brei und, nach Stabilisation des Schaums, Entfernung derselben.
In den der vorliegenden Erfindung zugrundeliegenden Diplomarbeiten von Manfred Winter und Thomas Strasser, Februar 1994, TU-Graz, wurden Braunalgen (Phaeophycea) zur Verwendung als Rohstoffe für Verpackungsmaterialien untersucht, da Braunalgen aufgrund des Algingehalts ihrer Zellwände von besonderem Interesse sind.
Algin ist ein Strukturelement der Zellwand von Braunalgen, in welchen es als wasserlösliches Alkali- oder Erdalkali-Salz vorliegt. Es wurde im Jahre 1880 vom englischen Chemiker Stanford erstmals extrahiert, der auch den Namen Algin für die wasserlösliche Substanz im Natriumcarbonat-Extrakt und Alginsäure für die daraus mit Säure fällbare Substanz prägte.
Bis 1954 nahm man an, daß Algin eine reine Polymannuronsäure sei. Erst im Jahre 1955 fanden Fisher und Dörfel in Hydrolysaten neben D-Mannuronsäure auch noch L-Guluronsäure, und seit ungefähr 1964 weiß man, daß es sich bei der Alginsäure um ein Copo- lymer der beiden Uronsäuren handelt, in welchem prinzipiell drei Strukturelemente vorkommen, nämlich reines ot-1 , 4-L-Guluronan, reines jß-1, 4-D-Mannuronan und ein Polyuronid, in welchem die Guluron- und Mannuronsäure-Monomere abwechseln.
Alginate sind unverzweigte Kettenmoleküle. Ihre Eigenschaften werden weitgehend durch das Verhältnis der drei Strukturelemente im Molekül bestimmt. Dieses Verhältnis ist durch die Algenart gegeben, aus welcher das Alginat extrahiert wird.
Über die Herkunft der verschiedenen Algenextrakte und die allgemeine Klassifikation soll die Tabelle 1 Auskunft geben. In dieser Tabelle ist neben der Herkunft des Algins auch noch die Herkunft von Carrageenan und Agar gegeben, welche ebenso in verschiedenen Industriezweigen Verwendung finden. Für die Herstel-
lung von Algin sind auch die Algenarten mit wirtschaftlicher Bedeutung angegeben.
Abteilung Phycop yta
Klasse Phacophyceae Rhodophyccac Chlor phyceac (Braunalgen) (Rotalgen) (Grünalgen)
I
Ordnung Fucäles Larninariales Gigartinales Gclidiales
Gattungen Ascophyllum Larninaria Gigartina Gracilaria Gclidium Fucus Ecklonia Chondrus
Macrocystis Eucheuma
Iridaea.
Hypnea
Extrakt ALGIN Caxrageenan Agar
Arten Ascophyllu nodosum
Larninaria hyper orea Larninaria digita Ecklonia maxima Duivil a Lcssonia
Macrocystis pyrifera Fucus seαatus
Tab. 1: Herkunft der Algenextrakte - allgemeine Klaulfikanon
Allgemein sind die Algen, je nach Art und Jahreszeit, folgendermaßen aufgebaut
Wobei die Trockenmasse wiederum aus folgenden Bestandteilen aufgebaut ist:
In der Tabelle 2 ist für verschiedene Braunalgenarten (lat. Phaeophyceae) der Alginsäuregehalt und das Verhältnis von Mannuronan zu Guluronan, das ja die Eigenschaften des Alginates bestimmt, angegeben.
Tab. 2: Alginsäuregehalt und Verhältnis Mannuronan zu Guluronan verschiedener Braunalgenarten
Ziel des erfindungsgemäßen Verfahrens ist die Herstellung eines neuen Schaumstoffes auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen mit einem ausreichenden Gehalt an Alginat, insbesondere auf Basis von Braunalgen, wobei der Schaumstoff verbesserte biologische Abbaubarkeit, geringe Dichte und die Möglichkeit, durch verschiedene Zusätze unterschiedliche Eigenschaftsveränderungen zu erzielen, aufweisen soll. Besonders in der biologischen Abbaubarkeit liegt ein wesentlicher Unterschied der erfindungsgemäß hergestellten Schaumstoffe zu Schaumstoffen aus Erdöl- folgeprodukten. Die Einsatzmöglichkeiten der erfindungsgemäß hergestellten Schaumstoffe entsprechen dem bisherigen Verwendungszweck von Schaumstoffen und liegen hauptsächlich im Ver- packungs- und im Dämmstoffbereich.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Kombination der folgenden Verfahrensschritte gelöst:
Aufbereitung von Rohstoffen mit einem Mindestgehalt von 3 %- Masse Alginat zu einer ersten Reaktionslösung enthaltend wasserlösliches Alginat und Bereitstellung einer Calciumionenquelle in Form einer zweiten Reaktionslosung, Sättigung zumindest einer Reaktionslösung mit einem Aufschäummedium,
Vereinigung der Reaktionslösungen unter Bildung eines wasserunlöslichen Calciumalginats bei gleichzeitigem Aufschäumen,
Trocknung, Formgebung sowie gegebenenfalls einer Nachbehandlung entsprechend dem spezifischen Verwendungszweck.
Überraschenderweise wurde gefunden, daß bei Verwendung von Rohstoffen mit einem Mindestgehalt von 3 %-Masse Alginat als Ausgangsprodukt, wie beispielsweise Braunalgen (Phaeophycea) , insbesondere Braunalgen der Ordnung Fucales und/oder Laminaria- les bzw. der Gattungen Ascophyllum, Fucus und Larninaria, Ecklonia sowie Macrocystis beziehungsweise Mischungen dieser Algen, auf die teure und aufwendige Isolierung des Alginats verzichtet und der Rohstoff als solches eingesetzt werden kann. Die obgenannten Rohstoffe weisen im allgemeinen einen Alginatge- halt zwischen 4 und 12 %-Masse auf, wobei es jedoch je nach Herkunft der Rohstoffe und Zeitpunkt der Ernte zu Schwankungen im Alginatgehalt kommen kann.
Selbstverständlich sind beim erfindungsgemäßen Verfahren auch andere Algenarten, z.B. Rotalgen, einsetzbar, soweit sie einen Mindestgehalt von 3%-Masse Alginat enthalten.
Im erfindungsgemäßen Verfahren wird der Rohstoff, z.B. Braunalgen, nach entsprechender Aufbereitung als solcher eingesetzt, wobei die Lösung bzw. Suspension danach sofort aufgeschäumt werden kann.
Die Vorbehandlung besteht in einem einfachen Zerkleinern und Waschen des Rohstoffes mit Wasser sowie in der Zugabe von Natri- umcarbonat und Wasser. Durch diese Zugabe wird das unlösliche Alginat im Rohstoff in wasserlösliches Natriumalginat umgewandelt. Die Umwandlung kann dabei durch Rühren bei Raumtempe-
ratur oder auch bei erhöhter Temperatur erfolgen.
Für die spätere chemische Reaktion ist die Bereitstellung einer Calciumionen-Quelle erforderlich. Vorzugsweise wird dabei erfindungsgemäß eine Lösung von Calciumchlorid verwendet. Zur Herstellung der Reaktionslösungen sind Lösungsmittel erforderlich, wobei vorzugsweise Wasser zur Anwendung kommt; es ist jedoch auch die Verwendung von Gemischen von Wasser mit mischbaren organischen Lösungsmitteln, wie Wasser/Aceton-Mischungen, möglich.
Zu den Reaktionslδsungen werden vorzugsweise schon während der Bereitstellung diverse Zusatzstoffe (eine genaue Spezifikation dieser Stoffe erfolgt nachfolgend) zugemischt. Es ist jedoch auch denkbar, die Zusätze in einem späteren Prozeßschritt zuzusetzen.
Zusatzstoffe können notwendig sein, um für den Schaumstoff bestimmte Eigenschaften zu erzielen, der Schaumstoff kann jedoch auch ohne einen Zusatzstoff produziert werden. Verwendet werden vorzugsweise (einzeln oder in Kombination) :
Fasermaterialien, wie Flachs oder Hanf, Zellstoff bzw. Zellulose als Strukturgeber und für verbessertes Dämpfungs- verhalten,
Latex für eine bessere Elastizität,
Stärke als Füllmaterial und Verbundsubstanz,
Schaumstabilisatoren und Schaumbildner, z.B. Triton, Dioc- tylsulfosuccinat , Laurinsäure-Dimethylamid, Laurylsulfat , etc. ,
Farbstoffe, Pigmente,
Biozide (Fungizide etc.),
Antioxidantien, flammenhemmende Stoffe,
Harze als Verbundsubstanz und Beschichtungsmaterial ,
Füllstoffe, zum Beispiel CaC03 , Na2 C03 , Sägespäne, etc.,
UV-Stabilisatoren,
Hitze-Stabilisatoren,
Viskositäts- "Regler" für verbesserte Schaumbildung und
Schaumstabilisation, wasserabstoßende Substanzen,
Antistatika sowie
Gleit- und Schmiermittel.
Zur Herstellung des Schaumstoffes ist es notwendig, im Verlauf des Prozesses zumindest einer der Reaktionslösungen ein festes, flüssiges oder gasförmiges Aufschäummittel, beispielsweise Luft, Stickstoff, C02 und dgl . beizugeben. Diese Beigabe erfolgt geeigneterweise ebenfalls schon bei der Aufbereitung der Rohstoffe, kann aber auch in einem nachfolgenden Verfahrensschritt durchgeführt werden. Als besonders günstiges festes Aufschäummittel hat sich Natriumhydrogencarbonat erwiesen, da dadurch ein zusätzliches Aufschäumen beim Trocknen bewirkt werden kann.
Vorzugsweise wird zumindest eine der Reaktionslösungen mit Luft unter Druck gesättigt, wobei das Aufschäumen durch ein Entspannen der Reaktionslösung und der damit verbundenen Freisetzung der gelösten Luft erfolgt.
Im Verlauf des Aufschäumvorganges werden die Reaktionslösungen zusammengeführt. Es kommt dabei zu einem Ionenaustausch zwischen der Algen- bzw. Alginat- und der Calciumionenquelle bzw. -lδsung. Das Ergebnis ist die Bildung eines Calciumalgi- nats, welches durch das Aufschäummittel sofort in einen Cal- ciumalginatschäum verwandelt wird.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird der gebildete Schaumstoff vor der Trocknung einer Verdrängungswäsche unterzogen. Der gebildete Calciumalginatschaum enthält eine große Menge Wasser in seinen Poren eingeschlossen, was sich nachteilig auf den TrocknungsVorgang auswirkt (längere Trocknungszeit, Beschaffenheit des trockenen Schaumstoffes) . In einer derartigen Verdrängungswäsche wird das Wasser im Schaum zum größten Teil durch organische Lösungsmittel bzw. Lösungsmittelgemische ersetzt, welche mit Wasser ein Azeotrop bilden und einen verhältnismäßig niedrigen Siedepunkt aufweisen, beispielsweise Aceton. Der so entstandene lösungsmittelhältige Calciumalginatschaum läßt sich nun aufgrund der leichteren Flüchtigkeit des bzw. der organischen Lösungsmittel (s) im nachfolgenden Trocknungsschritt viel schneller und effizienter trocknen.
Im Trocknungsschritt geht es primär darum, dem Schaumstoff das verwendete Lösungsmittel durch ein geeignetes Trocknungsverfahren zu entziehen. In Frage kommen dabei insbesondere Mikrowellen-, Kontakt-, Konvektions- , z.B. Wirbelschicht-, Strah-
lungs-, und Vakuumtrocknungsverfahren, wobei auch Kombinationen dieser Trocknungsverfahren möglich sind. Ein mechanisches Auspressen des erhaltenen Schaumstoffes ist auch möglich, insbesondere bei Verwendung von Natriumhydrogencarbonat als festes Aufschäummittel, da durch das zusätzliche Aufschäumen beim Trocknen ein eventueller Volumsverlust durch das mechanische Auspressen ausgeglichen werden kann.
Die anschließende Formgebung kann während der Aufschäumung beziehungsweise auch zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden. Die Formgebung richtet sich vor allem nach der Art der produzierten Schaumstoffe. Werden beispielsweise Partikel, z.B. Kügelchen oder Chips, erzeugt, so können diese unter Verwendung geeigneter Verbundsubstanzen in jede beliebige Form gebracht werden. Wird eine Rohform erzeugt, so muß diese entsprechend der gewünschten Endform nachbearbeitet werden. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, fertige Endformen auszuschäumen.
Der Schaumstoff kann auch entsprechend behandelt werden, um gewisse Eigenschaftsveränderungen zu erzielen. Beispielsweise sei hier eine Hydrophobierung des Schaumstoffes genannt. Es besteht keine technische Limitierung, in welcher Verfahrensstufe diese Behandlung durchzuführen ist .
Beschichtungen werden vor allem dazu verwendet, um den Schaumstoff gegenüber äußeren Einflüssen in der gewünschten Art und Weise zu schützen, beziehungsweise um gewisse optische Eigenschaften zu erzielen. Verwendet werden dabei vorzugsweise (einzeln oder in Kombination miteinander) Wachsemulsionen, Naturharze und/oder Farbstoffe.
Wie bereits erwähnt, gibt es die Möglichkeit, drei verschiedene Arten von Schaumstoffen zu erzeugen. a) Herstellung von Einzelpartikeln b) Herstellung von Fertigformen c) Herstellung von Rohformen
Bevor nun, stellvertretend für die im Anhang angeführten Verfahrensschemata, zwei mögliche Herstellungsprozesse detailliert beschrieben werden, soll zusammenfassend noch einmal festgehalten werden:
* Als Ausgangsprodukte dienen Rohalgen, welche überraschenderweise direkt zur Schaumstoffproduktion eingesetzt werden können .
* Es können verschiedenste Lösungsmittelgemische auf wässeriger Basis zum Einsatz kommen.
* Der Schaumstoff kann gänzlich ohne Zusatzstoffe produziert werden. Sollen jedoch, je nach Verwendungszweck, bestimmte Eigenschaften erzielt werden, so kann man die benötigten Zusatzstoffe prinzipiell in jedem Verfahrensschritt zugeben, vorzugsweise jedoch der Algenlösung bzw. -Suspension, der Ca- Ionen-Lösung sowie den kombinierten Reaktionslösungen vor dem Aufschäumen.
* Das Aufschäummittel kann sowohl der Algenlösung bzw. -Suspension, der Ca- Ionen-Lösung als auch mit jedem anderen Stoffström von Zusatzstoffen zugesetzt werden. Das kann vor der chemischen Reaktion der Calciumalginatbildung, während der Reaktion oder auch nach der Reaktion in beliebiger Form durchgeführt werden.
Ein mögliches Verfahrensschema zur Herstellung von Schaumstoffen, die aus Einzelpartikeln zusammengesetzt sind, ist in Fig. 1 dargestellt.
In diesem Fall dienen rohe Braunalgen als Ausgangsprodukt. Als Calciumionenquelle wird Calciumchlorid (CaCl2 ) verwendet, Wasser stellt das Lösungsmittel dar und als Aufschäummedium kommt Luft zur Anwendung. Eventuell benötigte Zusatzstoffe können sowohl der NaAlg-Lösung als auch der CaCl2 -Lösung beigemengt werden.
In einer Rühreinheit wird eine wässerige CaCl2 -Lösung bereitgestellt, die mit Zusatzstoffen versetzt werden kann. In einem zweiten, separaten Rührer wird eine wässerige Lösung bzw. Suspension von wie vorstehend beschrieben vorbehandelten rohen Braunalgen bereitgestellt, die ebenfalls mit Zusatzstoffen versetzt werden kann. Diese Lösung wird unter Druck mit Luft gesättigt. Der Reaktor wird nun mit der CaCl2 -Lösung beschickt. Am Reaktorboden ist eine Lochplatte eingebaut, in der die Algenlösung bzw. -Suspension in den Reaktor eingebracht wird.
Abhängig vom Lochdurchmesser und der Lochgeschwindigkeit können verschiedene Partikelgrößen erreicht werden. Zusätzlich
kann die Partikelgröße aber auch über eine Schereinrichtung eingestellt werden.
Unmittelbar nach dem Eintritt in den Reaktor reagiert das in der Algenlösung vorhandene Natriumalginat mit der CaCl2 -Lösung. Dabei findet zwischen beiden Reaktionslδsungen ein Ionenaustausch statt, das heißt die Natrium- Ionen des Natriumalginats werden durch die Calcium- Ionen der CaCl2 -Lösung ersetzt. Gleichzeitig wird die unter Druck mit Luft gesättigte Lösung auf Atmosphärendruck entspannt. Die freiwerdenden freien Luftbläschen werden dabei von CaAlg2 umhüllt .
Dieses Zweiphasensystem bildet einen CaAlg2 -Schaum in Partikelform, der einem anschließenden Trocknungsprozeß zugeführt wird. Im Anschluß daran werden die Einzelpartikel mit entsprechenden Verbindungsmitteln zu beliebigen Agglomeraten geformt. Abschließend kann, soweit das noch nicht geschehen ist, ein Beschichtungs- und/oder Färbungsschritt nachgeschaltet werden.
Ein möglicher Verfahrensweg zur Herstellung von Fertigformen bzw. von Rohformen ist in Fig. 2 dargestellt.
Auch in diesem Beispiel werden Braunalgen enthaltend Natriumalginat (NaAlg) und Calciumchlorid (CaCl2 ) als Rohstoffe verwendet . Ebenso dient Luft als- Aufschäummedium und Wasser als Lösungsmittel. Die eventuell benötigten Zusatzstoffe können wiederum sowohl der Algenlösung als auch der CaCl2 -Lösung beigemengt werden.
In zwei separaten Rührereinheiten wird eine wässerige Algenlösung bzw. -Suspension und eine wässerige CaCl2 -Lösung hergestellt. Die Zusatzstoffe werden bereits in dieser Verfahrensstufe zugeführt.
In einem nächsten Schritt wird die CaCl2 -Lösung unter Druck mit Luft gesättigt. Der Reaktor wird mit der Algensuspension befüllt, über Düsen im Boden des Reaktors wird die mit Luft gesättigte Lösung dem Reaktor zugeführt. Unmittelbar nach dem Eintritt in den Reaktor reagiert das in der Algensuspension enthaltene NaAlg mit der CaCl2 -Lösung. Dabei findet zwischen beiden Reaktionslösungen ein Ionenaustausch statt, das heißt die Natrium-Ionen der Alginatlösung werden durch die Calcium- Ionen der CaCl2 -Lösung ersetzt. Gleichzeitig wird die unter Druck mit Luft gesättigte CaCl2 -Lösung auf Atmosphärendruck entspannt. Die freiwerdenden Luftbläschen werden dabei von CaAlg2 umhüllt .
Dieses Zweiphasensystem wird zu einem CaAlg2 -Produkt aufgeschäumt, das entweder schon fertige Formen oder eine Rohform ausfüllt, die in einer späteren Formgebungsstufe in die endgültige Form gebracht wird. In dem der Verdrängungswäsche nachfolgenden Trocknungsprozeß wird dem Schaum dann das Lösungsmittel entzogen. Vor einem eventuellen Beschichtungs- und/oder Färbungsschritt werden die Rohformen noch nachbearbeitet.
Besonders günstig ist auch, wenn beide Lösungen, also sowohl die Algenlösung bzw. Suspension als auch die CaCl2 -Lösung unter Druck mit einem gasförmigen Aufschäummittel gesättigt wurden.
Der Hauptunterschied zwischen dem erfindungsgemäß hergestellten Alginatschaumstoff und den nach Stand der Technik produzierten herkömmlichen Schaumstoffen liegt vor allem darin, daß der erfindungsgemäße Schaumstoff auf kostengünstige Weise und einfach aus nachwachsenden Rohstoffen produziert wird.
Es werden also somit keine kostbaren Ressourcen weiter belastet, sondern es wird auf Rohstoffkapazitäten zurückgegriffen, die sich in kurzer Zeit regenerieren. Aus der Verwendung eines nachwachsenden und damit natürlichen Rohstoffes resultiert ein weiterer wesentlicher Unterschied zu den marktüblichen Schaumstoffen. Der erfindungsgemäße Schaumstoff ist weiters im Prinzip - d.h. in Abhängigkeit der verwendeten Zusatzstoffen - biologisch abbaubar, wodurch sich bezüglich einer späteren Entsorgung des Produktes große Vorteile ergeben. Die Natürlichkeit des Materials erweist sich außerdem in allen Anwendungen von Vorteil, in denen Wert auf "biologische" Materialien gelegt wird (z.B. Schaumstoffmatratzen aus gesunden, natürlichen Materialien) .
Der erfindungsgemäße Schaumstoff weist Dichten im Bereich von ca. 35 bis 40 kg/m3 auf, wobei diese Werte natürlich auch von Zusatzstoffen abhängen und in einem weiten Bereich variiert werden können. Hinsichtlich der Wärmeleitfähigkeit können Werte von 0,04 bis 0,05 W/mK) erreicht werden.
Der Verwendung des erfindungsgemäß hergestellten Schaumstoffes sind im Prinzip keine Grenzen gesetzt. Im folgenden werden einige besonders bevorzugte Gebiete herausgegriffen:
Verpackungsbereich :
Der nach dem erfindungsgemäßen Verfahren produzierte Schaumstoff deckt in seiner Eignung prinzipiell den gesamten Verpak-
kungsbereich ab. Es ergeben sich also keinerlei Einschränkungen bezüglich einer Verwendung als Verpackungsmaterial . Es ist unter anderem vorstellbar, daß beispielsweise Verpackungen für den Bereich elektronischer Güter aus dem neuen Schaumstoff bestehen. Aufgrund des weltweiten Handels mit elektronischen Gütern ist es unbedingt erforderlich, das dieses Verpackungsmaterial in seinen Eigenschaften allen Klimazonen der Erde entspricht. Die zum Teil extrem hohen Anforderungen an das Verpackungsmaterial werden von dem erfindungsgemäßen Schaumstoff voll erfüllt . Außerdem ist es mit dem erfindungsgemäßen Material auch möglich, ein mehrschichtiges Verpackungsmaterial zu erzeugen, wobei ein Teil dieser Schichten dazu dient, die Festigkeit des Materials hinsichtlich mechanischer Beanspruchung zu gewährleisten, während beispielsweise der andere Teil aufgrund bestimmter Zusätze zum Schaumstoff stoßdämpfende Eigenschaften besitzen kann.
Thermische Isolation:
Ein weiterer interessanter Anwendungsfall ergibt sich aus der Porenstruktur des erfindungsgemäß hergestellten Schaumstoffes. Aufgrund der in der Festkörperstruktur eingeschlossenen Gase ist es möglich, den Schaumstoff auch im Dämmstoffbereich einzusetzen, beispielsweise in der Bauindustrie. Gerade hier ist in letzter Zeit ein verstärkter Trend zu natürlichen Materialien feststellbar.
Elektrische Isolation:
Gemäß der chemischen Struktur des erfindungsgemäß hergestellten Schaumstoffes ist es prinzipiell möglich, den neuen Schaumstoff auch als elektrisches Isolationsmaterial in der Elektroindustrie zu verwenden.
Elastische Schaumstoffe:
In diesen Bereich fallen Anwendungsbereiche wie in der Möbelindustrie (Polsterschaumstoffe, umweltfreundliche Matratzen, etc.) oder auch in der Autoindustrie (aufgeschäumte Verkleidungselemente, etc.) und andere, wobei die durch entsprechende Zusatzstoffe hervorgerufene Elastizität des Materials diese Anwendungen ermöglicht .
Formteile :
Aufgrund der Möglichkeit, den erfindungsgemäßen Schaumstoff in jede beliebige Form zu bringen und für jeden speziellen Anwendungsfall entsprechende Eigenschaften durch Zugabe von Zusatzstoffen zum Schaumstoff sicherzustellen, ergeben sich hier vielfältigste Anwendungsbereiche, beispielsweise in der Automobil- und Flugzeugindustrie.
In den Fig. 3 bis 9 der beiliegenden Zeichnungen werden eine Reihe von weiteren Varianten für das erfindungsgemäße Verfahren geoffenbart. Als Ausgangsprodukt wurde eine Mischung von Braunalgen der Gattungen Fucus und Larninaria eingesetzt, die Probenvorbehandlung erfolgte durch Zerkleinern von etwa 125 g der Algen in etwa zentimetergroße Stücke, Waschen (3 x mit je 1800 ml Leitungswasser), dann Zugabe von etwa 20 g Na2 C03 und 1800 ml Wasser. Je nach verwendeter Temperatur war die Vorbehandlung nach 60 min (bei Kochtemperatur) bzw. zwischen 6 und 24 Stunden (Raumtemperatur) abgeschlossen.
Fig 3 :
Ausgangsprodukt : Braunalgen
Die Algen-Lösung wird mit dem Aufschäummedium gesättigt. Diese wird in die Calonen-Lösung eingedüst und sofort entspannt. Zusatzstoffe können an beliebiger Stelle zugeführt werden, vorzugsweise jedoch in der Mischereinheit. Beschichtung und/oder Färbung können, wenn notwendig, sowohl vor als auch nach der Trocknung durchgeführt werden.
Fig 4 :
Ausgangsprodukt : Braunalgen
Die Ca- Ionen-Lösung wird mit dem Aufschäummedium gesättigt. Diese wird in die Algen-Lösung eingedüst und sofort entspannt. Zusatzstoffe können an beliebiger Stelle zugeführt werden, vorzugsweise jedoch in der Mischereinheit. Beschichtung und/oder Färbung können, wenn notwendig, sowohl vor als auch nach der Trocknung durchgeführt werden.
Fig 5 :
Ausgangsprodukt : Braunalgen
Sowohl die Algen-Lösung als auch die Ca-Ionen-Lösung werden mit dem Aufschäummedium gesättigt. Die Algen-Lösung wird anschließend in die Ca-Ionen-Lösung eingedüst. Nach der Reaktion wird entspannt. Zusatzstoffe können an beliebiger Stelle zugeführt werden, vorzugsweise jedoch in der Mischereinheit. Beschichtung und/oder Färbung können, wenn notwendig, sowohl vor als auch nach der Trocknung durchgeführt werden.
Fig 6:
Ausgangsprodukt : Braunalgen
Sowohl die Algen-Lösung als auch die Ca-Ionen-Lösung werden mit dem Aufschäummedium gesättigt. Die Ca-Ionen-Lösung wird anschließend in die Algen-Lösung eingedüst. Nach der Reaktion wird entspannt . Zusatzstoffe können an beliebiger Stelle zugeführt werden, vorzugsweise jedoch in der Mischereinheit. Beschichtung und/oder Färbung können, wenn notwendig, sowohl vor als auch nach der Trocknung durchgeführt werden.
Fig 7:
Ausgangsprodukt : Braunalgen
Sowohl die Algen-Lösung als auch die Ca-Ionen-Lösung werden mit dem Aufschäummedium gesättigt. Die Ca-Ionen-Lösung und die Algen-Lösung werden anschließend gemeinsam in den Reaktor eingedüst und dort sofort entspannt. Zusatzstoffe können an beliebiger Stelle zugeführt werden, vorzugsweise jedoch in der Mischereinheit. Beschichtung und/oder Färbung können, wenn notwendig, sowohl vor als auch nach der Trocknung durchgeführt werden.
Fig 8 :
Ausgangsprodukt : Braunalgen
Die Algen-Lösung und die Ca-Ionen-Lösung werden gemeinsam in den Reaktor geführt . Im Reaktor selbst wird das Aufschäummedium zugesetzt. Zusatzstoffe können an beliebiger Stelle zugeführt werden, vorzugsweise jedoch schon in der Rührereinheit. Beschichtung und/oder Färbung können, wenn notwendig, sowohl vor als auch nach der Trocknung durchgeführt werden.
Fig 9 :
Ausgangsprodukt : Braunalgen
Die Algen-Lösung und die Ca-Ionen-Lösung werden gemeinsam in einen Mischer bzw. Rührer geführt. Das daraus resultierende Gel wird danach einem Aufschaumprozeß zugeführt. Zusatzstoffe können an beliebiger Stelle zugeführt werden, vorzugsweise jedoch schon in den Rührer- bzw. Mischereinheiten. Beschichtung und/oder Färbung können, wenn notwendig, sowohl vor als auch nach der Trocknung durchgeführt werden.