Verfahren zum Erkennen eines Wellenbruches in einer Strömungskraftmaschine
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Erkennen eines Wellenbruches in einer Strömungskraftmaschine mit dem Ziel, danach eine geeignete drehzahl- bregenzende Maßnahme, insbesondere eine Brennstoffschnellabschaltung bei einer Flug-Gasturbinenanlage, einzuleiten, wobei ein drehmomentabgebender Turbinenläufer und ein drehmomentaufnehmendes Aggreggat über die hinsichtlich eines Bruches zu überwachende, im wesentlichen endseitig in zumindest zwei Wälzlagern gelagerte Welle miteinander verbunden sind.
Insbesondere für Flugtriebwerke, aber auch für Industriegasturbinen zur Energieerzeugung sind eine Reihe von Verfahren und Vorrichtungen bekannt geworden, die alle den Zweck verfolgen, daß sie wirksam eine Drehzahlbegrenzung bei nicht mehr erfolgender Lastabnahme durch das drehmomentaufnehmende Aggregat gewährleisten. Ziel ist es, ein unkontrolliertes Anwachsen der Drehzahl bis zur Selbstzerstörung der Strömungskraftmaschine, insbesondere Verbrennungs- Strömungskraftmaschine, zu unterbinden und Gefährdungen für Menschen und Sachwerte auszuschließen. Derartig kritische Betriebszustände können sich z. B. bei Energieerzeugungsanlagen in Kraftwerken mit Verbrennungs-Strömungs- kraftmaschinen bei einer unkontrollierten Trennung zwischen dem Generator und dem elektrischen Landesnetz (Lastabwurf) einstellen. Ebenso kann ein Bruch der
Welle zwischen dem energieabgebenden System, d.h. dem Turbinenläufer und dem energieaufnehmenden System, insbesondere einem Verdichter, zu einem unkontrollierten Drehzahlanstieg des erstgenannten führen. Im Fall eines Flugtriebwerkes bzw. einer Flug-Gasturbinenanlage kann ein solches energieaufnehmendes bzw. drehmomentaufnehmendes System der Fan sein.
Drehzahlbegrenzende Einrichtungen für Flugtriebwerke für den Fall eines Wellenbruches zwischen dem energiekonsumierenden Teil (z.B. dem Verdichter) und dem energieerzeugenden Teil (z.B. dem Turbinenläufer) wurden in einer Reihe von bekannten Erfindungen durch ein mechanisches Wirkprinzip derart gestaltet, daß es zu einer axialen Relativbewegung zwischen dem Leitapparat und den Laufschaufeln des Turbinenläufers dergestalt kommt, daß eine Kollision zwischen dem Leitapparat und den Laufschaufeln erzeugt wird. Bei dieser Kollision (auch „Tangling" genannt) wird die Rotationsenergie des Turbinenläufers bis zum Stillstand des Turbinenläufers durch Verformung, Reibung und Zerstörung der betroffenen Turbinenbeschaufelung abgebaut. Für dieses Wirkprinzip seien die Patentschriften US 4.505.104, US 4.503.667 und US 4.498.291 als Beispiele genannt.
Eine weitere mechanische Lösung zur Begrenzung von Uberdrehzahlzuständen bei einem Wellenbruch zwischen der Niederdruckturbine und dem Fan wird bei Flugtriebwerken mit kleineren Antriebsleistungen angewendet, wobei die Antriebswelle zwischen dem Fan und der Niederdruckturbine mit einer Referenzwelle ausgestattet ist. Kommt es zu einem Wellenbruch, so verändern die gebrochene Antriebswelle und die Referenzwelle ihre Position zueinander. Ein vorgespannter Mitnehmer wird freigegeben und verhakt sich in einer Drahtschlinge. Durch eine resultierende Zugbewegung an der Drahtschlinge infolge der sich weiterdrehenden Niederdruckturbine wird über den Seilzug eine Brennstoffschnellabschaltung realisiert.
Hinsichtlich einer elektronischen Lösung der Überdrehzahlproblematik wurde für eine Dampfturbine eine Schaltung in der US 4.474.013 veröffentlicht. Dort werden bis zu vier Geschwindigkeitssensoren verwendet, die redundant arbeiten und zu einer Zahnradwelle angeordnet sind. Die resultierenden Signale der Geschwindigkeits-
sensoren sind proportional zur Drehzahl der Zahnradweile Ein entsprechend gestaltetes elektronisches Meßdatensystem ist in der Lage, das Geschwindigkeits- signal zu differenzieren und eine Ableitung in Form der Beschleunigung zu bilden Bei einer vorausbestimmten Uberdrehzahlsituation durch Verarbeitung der ermittelten Beschieunigungswerte und bei Überschreitung einer Drehzahlschwelle wird auf die in Reihe geschalteten Fπschdampfventile (ein Stop-Ventil und ein Regelventil) eingewirkt
Eine weitere elektronische Losung des Uberdrehzahlproblemes für eine Flug- Gasturbinenanlage ist in der US 4 712 372 dargelegt An der gezahnten Turbinen- welle sind zwei Sensoren angeordnet, die ein der Zahneanzahl der Welle drehzahlproportionales Signal erzeugen Beide Sensoren arbeiten zueinander redundant, wobei ein Kanal analog und der zweite eine digitale Signalverarbeitung und Signal- weiterleitung realsiert Im Fall einer von beiden Sensoren festgestellten Uberdrehzahl-situation wird ein magnetisch gesteuertes Kraftstoffventil angesteuert und die Kraftstoffverstoffversorgung unterbrochen
Ebenso bekannt geworden ist durch die US 4 635 209 eine elektronische Losung zur Steuerung von Uberdrehzahlzuständen, die eine Dampfturbine betreffen Dabei wird das Meßprinzip ebenfalls auf ein gepulstes Meßsignal aufgebaut, das an einer Zahnwelle erzeugt wird Zur Verbesserung der Meßwertgenauigkeit werden drei voneinander unabhängige Meßkanale an der gleichen Meßstelle eingesetzt Einer der drei Meßkanale arbeitet mit einer Uberwachungsfunktion Jeder der Meßkanale kommuniziert über einen programmierbaren Computer
Die bereits bekannten und veröffentlichten Systeme zur Überwachung und Begrenzung von Uberdrehzahlzuständen unterteilen sich somit in mechanische und elektromechanische/elektronische Systeme
Ein kommerzieller Nachteil für ein dergestalt zu losendes Problem besteht daher in der Vielzahl der verwendeten Systeme, die an die konkreten Bedingungen des jeweiligen Flugtriebwerkes auslegungsseitig neu angepaßt werden müssen Bei Flugtriebwerken, die nach dem Tang ng-Pπnzip einen Wellenbruch zwischen Fan und Niederdruckturbine sicher abfangen, ist stets mit dem Totalverlust der
Beschaufelung bei entspreched hohen Wiederbeschaffungskosten zu rechnen. Ein mechanisches System mit einer Referenzwelle ist im Anforderungsfall zumindest dem teilweisen Verlust von Komponenten unterworfen, neben dem Umstand, daß ein solches System zusätzliche Masse für das Triebwerk bedeutet, was bei einem Flugtriebwerk selbstverständlich unerwünscht ist.
Das Masse-Kostenverhältnis mechanischer Lösungen zur Realisierung der geforderten Funktion einer Sicherheitsabschaltung bei einem Wellenbruch zwischen Fan und Niederdruckturbine ist aus Sicht der Herstellkosten und der Betriebskosten als nachteilig einzustufen. Elekromechanische oder elektronische Lösungen sind aus dem Blickwinkel der Gesamtkosten hier klar im Vorteil.
Bisherig bekannt gewordene elektromechanische und elektronische Lösungsvorschläge wurden bislang nur zur Überwachung einer Soll-Drehzahl von Rotoren verwendet. Wellenbrüche können mit derartigen Systemen bisher nicht erkannt werden. Insbesondere Flug-Gasturbinen größerer Leistungsklassen und Turbinen von industriellen Energierzeugungsanlagen, bei denen der Leichtbau keine Rolle spielt, verfügen über ein ausreichend hohes Trägheitsmoment, sodaß genügend Zeit verbleibt, um mit konventionellen elektromechanischen und elektronischen Methoden (Drehzahlmeßverfahren und Stellglieder) bei entsprechend großen Tot- und Verzugszeiten einer Überdrehzahl entgegenzusteuern. Derartig angewendete Drehzahlmeßverfahren beruhen auf der Aufsummierung diskreter Einzelimpulse über einen Meßzeitraum. Für Flugtriebwerke kleinerer Antriebsleistungen wurden die bekannten elektromechanischen und elektronischen Verfahren bisher als technisch ungeeignet eingestuft, da sie in Verbrennungs-Strömungskraftmaschinen mit sehr kleinen Trägheitsmomenten im Anforderungsfall nicht schnell genug reagieren. Der erforderliche Meßzeitraum ist zu groß im Verhältnis zur Zeit, die verbleibt, um bei einem Wellenbruch bei kleineren Triebwerken schnell genug einen solchen Zustand zu erkennen, das erforderliche Stellsignal zu bilden und die Schnellabschaltung auszuführen.
Bisher bekannt gewordene Meßeinrichtungen für die Drehzahl und deren abgeleitete Größen, wie Winkelgeschwindigkeit und Winkelbeschleunigung, besitzen weiterhin eine zu geringe Empfindlichkeit bzw. Meßauflösung, so daß ein verwertbares
Meßsignal nicht schnell genug für die Auslösung einer Schnellabschaltung und Drehzahlbegrenzung bereitgestellt werden kann.
Ein demgegenüber verbessertes, insbesondere kostengünstiges und sicheres Verfahren zum Erkennen eines Wellenbruches in einer Strömungskraftmaschine aufzuzeigen, ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung.
Die Lösung dieser Aufgabe ist dadurch gekennzeichnet, daß die Drehfrequenzen der beiden Wellenenden in den Wälzlagern der hinsichtlich eines Bruches zu überwachenden Welle kontinuierlich und im wesentlichen in Echtzeit ermittelt und miteinander verglichen werden, und daß bei einer gegenüber der Drehfrequenz am Wälzlager des drehmomentaufnehmenden Aggregates höheren Drehfrequenz am turbinenläuferseitigen Wälzlager auf einen Bruch der Welle geschlossen wird. Vorteilhafte Weiterbildungen sind Inhalt der Unteransprüche, insbesondere sind hierin auch vorteilhafte Merkmale einer bevorzugten Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens angegeben.
Die vorliegende Erfindung betrifft vorzugsweise das Problem eines Wellenbruches zwischen dem Fan als drehmomentaufnehmendem Aggragat und dem drehmomentabgebenden Niederdruck-Turbinenläufer eines Flugtriebwerkes bzw. einer Flug-Gasturbinenanlage und die erforderliche Drehzahlbegrenzung des Niederdruck-Turbinenläufers, ist jedoch analog an jeder beliebigen Strömungskraftmaschine einsetzbar. Dabei ist es Ziel, ein solches Verfahren und die dazugehörige Vorrichtung zu verwenden, das auf einer elektromechanischen/ elektronischen Ausführung basiert.
Erfindungsgemäß soll daher an einer Welle einer Strömungskraftmaschine, die im wesentlichen jeweils endseitig in Wälzlagern gelagert ist, die Drehfrequenz des jeweiligen Wellenendes im jeweiligen Wälzlager bestimmt werden. Unterscheiden sich die Drehfrequenzen der beiden Wellenenden signifikant voneinander, so liegt offensichtlich ein Wellenbruch vor, so daß daraufhin eine geeignete drehzahlbegrenzende Maßnahme eingeleitet wird.
Zwar erscheint dieser Vorschlag auf den ersten Blick relativ einfach, jedoch sind die Anforderungen an die Meßtechnik und an die zugehörige Auswerteelektronik äußerst
hoch, um die erforderliche Sicherheit bspw für das Flugtriebwerk zu gewährleisten Der gesamte Drehfrequenz-Ermittlungsprozess muß nam ch äußerst schnell ablaufen, d h die Ermittlung der Drehfrequenzen und die weitere Auswertung sollte in Echtzeit erfolgen, um möglichst kurzfristig auf einen so festgestellten Wellenbruch reagieren zu können Daher ist bevorzugt für jedes Walzlager ein getrennt funktionierender Meßkanal zur Bestimmung der Drehfrequenz des jeweiligen Wellenendes in den Wälzlagern vorhanden, wobei die beiden Meßkanale in einem Komperator zwecks Vergleiches der Drehfrequenzen zusammengeführt werden, und wobei die Meßsignalgewinnung, deren Weiterleitung und Verarbeitung bis hin zum Vergleich beider Drehfrequenzen im Echtzeitbereich ablauft Ebenso in Echtzeit kann dann eine elektrische Stellgroße gebildet werden, die bei einer signifikanten Abweichung zwischen den beiden Drehfrequenzen unverzüglich die geeignete drehzahlbegrenzende Maßnahme einleitet, so beispielsweise ein Brennstoffschnellschlußventil schließt
Nun bestehen verschiedene Möglichkeiten zur Ermittlung der Drehfrequenzen der Wellenenden in ihren Wälzlagern, wobei jedoch gangige Drehzahlsensoren zumeist zu langsam arbeiten, als daß der gesamte Prozeß in Echtzeit durchgeführt werden konnte Daher kann mittels eines Arithmetik-Prozessors und unter Verwendung ei- ner Fast-Fouπer-Transmission für beide Walzlager über getrennte Meßkanale die Bestimmung der Drehfrequenz des jeweiligen Wellenendes unter Ruckgriff auf eine oder mehrere typische Walziagerfrequenzen erfolgen, die von diesen Walzlagern bei deren Rotation emittiert werden Ein solches Meßverfahren zeichnet sich durch höchste Schnelligkeit und eine der Luftfahrt adäquate Sicherheit aus Bevorzugt können hierzu über eine Filteremheit echtzeitgerecht für beide Walzlager die Rotationsfrequenz des Walzlager-Kafigs und/oder die Uberrollfrequenz des Walzlager- Außenrings und/oder die Uberrollfrequenz des Walzlager-Innenrings und/oder die Walzkorperrotationsfrequenz festgestellt und hieraus die Drehfrequenzen der in den Walzlagern gelagerten Wellenenden getrennt bestimmt werden
Ehe dieses Verfahren anhand eines bevorzugten Ausfuhrungsbeispiels naher erläutert wird sollen jedoch zunächst die physikalischen Gesetzmäßigkeiten, auf denen das verwendete Meßprinzip beruht, beschrieben werden
Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, daß sich die kraftubertragende Welle zwischen dem Fan und dem Niederdruck-Turbinenlaufer im wesentlichen an den beiden Wellenenden auf Walzlagern abstutzt Die Rollbewegungen der Walzkorper im Walzlagerkafig erzeugen auf deren Laufflachen periodische Druckkräfte Infolge der hervorgerufenen Deformationen entstehen periodische Schwingungen Imperfektionen (z B Pitting-Bildung) an den überrollten Flachen wirken vorteilhafterweise verstärkend auf die auftretenden Schwingungen
Für Walzlager wurden von Sturm, A et al in „Walzlagerdiagnose an Maschinen und Anlagen", veröffentlicht vom Verlag TUV Rheinland GmbH 1986 in Köln, die Zusammenhange zwischen der Lagergeometrie und den typischen Emissionsfrequenzen eines Walzlagers wie im Folgenden wiedergegeben dargestellt Dabei wird auf die beigefugten Figuren 2 bis 4 verwiesen, die der genannten Literaturstelle entnommen sind
Figur 2 zeigt die Geometrie und die Bewegungsverhaltnisse an einem
Schragkugellager unter Verwendung folgender Bezugsziffern bzw Bezeichnungen
1 = Außenring, 2 = Kugel, 3 = Innenring vA = Umfangsgeschwindigkeit des Berührungspunktes A KA, VW = Umfangsgeschwindigkeit des Walzkorpermittelpunktes W
V| = Umfangsgeschwindigkeit des Berührungspunktes I
V|R = Umfangsgeschwindigkeit der Innenπngwalzflache
COIR = Winkelgeschwindigkeit des Innenringes αB = Druckwinkel n = Drehzahl
In Figur 3 sind die Krümmungsradien eines Rillenkugellagers mit folgenden Bezeichnungen dargestellt ra = Krümmungsradius der Außenringwalzbahn r, = Krümmungsradius der Innenπngwalzbahn r0 = Abstand der Krummungsmittelpunkte Dw = Durchmesser des Walzkorpers
Figur 4 schließlich gibt die Bestimmung des Nenndruckwinkels α0 und des Betriebsdruckwinkels αB für Schrägkugelager wieder.
Damit ergeben sich für Wälzlager die folgenden in Form von Gleichungen (A) bis (E) angegebenen charakteristischen Frequenzen für den Fall des idealen Rollens:
(A): Rotationsfrequenz des Käfigs: ßKA = — ß 1 - cos a
Dτ
(B): Uberrollfrequenz des Außenringes: fi = -^fi - z - \ 1 cos a
D,.
(C): Uberrollfrequenz des Innenringes: ß - — ß - z cos a
Zλ.
(D): Wälzkörperrotationsfrequenz: fwA =
(E): Überrollfrequenz einer Kugelunregelmäßigkeit auf beiden Wälzbahnen:
Dabei wird in den Gleichungen (A) bis (E) mit fπ die Drehfrequenz des jeweiligen Wellenendes im Wälzlager und mit z die Wälzkörperanzahl bezeichnet. Für ein Rillenkugellager mit radialer und axialer Belastung gilt für den sog. Betriebsdruckwinkel B gemäß Figuren 3 und 4 der folgende Zusammenhang:
Im Übrigen genügen Wälzlager ohne axiale Belastung ebenfalls den Gleichungen (A) bis (E), wobei α B = 90° gilt.
Weitere Bestandteile des Schwingungsspektrums können auch durch Anregungen außerhalb des Wälzlagers hervorgerufen werden. Als permanente konstante Resonanzen bilden sich die Geber- und die Koppelresonanz ab. Ein typisches Schwingungsspektrum für ein Wälzlager mit einem Beschleunigungsaufnehmer als Meßsignalaufnehmer zeigt Figur 5.
Die nähere Beschreibung der Erfindung erfogt nun anhand eines bevorzugten Aus- fuhrungsbeispiels an einem zweiwelligen Flugtriebwerk bzw an einer grundsätzlich üblichen Zweiwellen-Flug-Gasturbinenanlage, die stark vereinfacht in Fig 6 dargestellt ist
Das in Fig 6 dargestellte Flugtriebwerk besteht aus einem Hochdrucksystem 1 und einem Niederdrucksystem 2, die mit Wellen 3 und 4 zur Kraftübertragung ausgestattet sind Die beiden Wellen 3, 4 sind mechanisch nicht miteinander verbunden und drehen sich somit unabhängig voneinander Das Niederdrucksystem
2 besteht aus dem Fan 2a, dem Rotor der Boosterstufe 2b und dem Niederdruck- Turbinenlaufer 2c, die über die Welle 3 miteinander verbunden sind Über die Welle 4 hingegen sind der Hochdruckkompressorlaufer 1 a und der Hochdruck-Turbinenlaufer 1 b miteinander verbunden
Kommt es - was in der Praxis jeodch äußerst unwahrscheinlich ist - aufgrund von Uberbeanspruchung infolge eines äußeren Ereignisses wie Vogelschlag, Werkstoffermudung oder anderer Ursachen zu einem Bruch der Welle 3, so ist der Niederdruck-Turbinenlaufer 2c ohne Last Die Folge hiervon wäre ein unkontrolliert schnelles Anwachsen der Drehzahl des Niederdruck-Turbinenlaufers 2c Ungunszigstenfalls konnte dann innerhalb kurzer Zeit die maximal zulassige Drehzahl für den Niederdruck-Turbinenlaufer 2c überschritten werden Infolge der zentrifugalen Uberbeanspruchung und der nicht mehr ausreichenden Festigkeit konnte es dann möglicherweise zu einer Zerstörung durch plötzliches Explodieren des Niederdruck- Turbinenlaufers 2c kommen
Diese Probleme können dadurch vermieden werden, daß bei einem Bruch der Welle
3 eine unmittelbare, nahezu verzogerungsfreie Brennstoffschnellabschaltung initiiert wird, um hierdurch der Niederdruckturbine 2c keine weitere Energie zuzuführen Infolge der inneren Reibungsvorgange im Flugtriebwerk wird der Niederdruck- Turbinenlaufer 2c bis hin zum Stillstand abgebremst Das dazu vorgeschlagene Verfahren und die dazu notwendige Vorrichtung ist der Figur 1 zu entnehmen, worin nochmals das Flugtriebwerk sowie in einem vereinfachten Flußdiagramm das
erfindungsgemäße Verfahren zum Erkennen eines Wellenbruches und zur bejahendenfalls durchzuführenden Brennstoffschnellabschaltung dargestellt ist.
Wie ersichtlich, ist die Welle 3 auf der Seite des drehmomentaufnehmenden Aggregates in Form des Fans 2a und der Boosterstufe 2b über ein als Rillenkugellager ausgebildetes Wälzlager 6 gelagert. Auf der Seite des drehmomentabgebenden Niederdruck-Turbinenläufers 2c ist die Welle 3 über ein Wälzlager 7 mit zylindrischen Wälzkörpern gelagert.
Am fanseitigen Wälzlager 6 sind zwei Meßsignalaufnehmer 8a und 8b in Form von Beschleunigungsaufnehmern angekoppelt. Auch am turbinenläuferseitigen Wälzlager 7 sind zwei derartige als Beschleunigungsaufnehmer ausgebildete Meßsignalaufnehmer 9a und 9b vorgesehen. Dabei ist insbesondere aus Gründen einer verbesserten Funktionszuverlässigkeit die genannte redundante Anordnung der Beschleunigungsaufnehmer an den Wälzlagern 6, 7 vorgesehen. Somit ist bei Ausfall eines einzelnen Beschleunigungsaufnehmers 8a oder 8b bzw. 9a oder 9b ein zweiter solcher vorhanden, der ein Meßsignal bereitstellt.
Für die beiden Wälzlager 6 und 7 ist jeweils ein separater Meßkanal in identischer Ausführung vorgesehen. Da nur ein einziges Meßsignal pro Wälzlager 6 bzw. 7 benötigt wird, werden die beiden Meßsignalaufnehmer 8a und 8b auf ein ODER- Glied 10 aufgeschaltet. In analoger Weise ist für die Meßsignalaufnehmer 9a und 9b ein ODER-Glied 11 zuständig.
Diese ODER-Glieder 10 und 1 1 verläßt jeweils ein komptexperiodisches Meßsignal im Zeitbereich, das den jeweiligen Wälzlagern 6 und 7 zuzuordnen ist. Mittels einer Fast-Fourier-Transmission (wie üblich "FFT" genannt) werden anschließend die anstehenden Signalfunktionen {f(t) = f ( t + nT ), n = 0; 1 ; 2 ...} vom Zeitbereich in den Frequenzbereich gewandelt. Wie üblich bezeichnet dabei "t" einen Zeitpunkt und "T" die Periodendauer der periodischen Funktion.
Die Grundgleichungen für ein fouriertransformiertes komplexperiodisches Meßsignal sind dem entsprechenden Fachmann bekannt und werden daher hier nicht wiedergegeben. Erwähnt sei lediglich, daß die Fouriertansformation durch die FFT- Prozessoren 12 und 13 vorgenommen wird.
Die Fourier-transformierte Meßfunktion liegt nun in Form der Frequenzdarstellung vor. Würde hingegen die Berechnung als diskrete Fourier-Transformation erfolgen, so läge der Rechenaufwand nicht mehr im echtzeitfähigen Bereich. Daher verwendet man Rekursionsformeln, die den Rechenaufwand um den Faktor 103 verkürzen. Ausgereifte Verfahren für diese Fast-Fourier-Transmission stehen in unterschiedlichen Versionen zur Verfügung. Durch die FFT-Prozessoren 12 und 13 wird diese Aufgabe echtzeitgerecht abgewickelt.
Anschließend passieren die so aufbereiten Meßwertfunktionen, die eine erhebliche Datenreduktion ohne Informationsverlust erfahren haben, die Filter 14 und 15. Dabei sind diese Filter 14, 15 so ausgelegt, daß sie nur ein Frequenzband von 0 Hz bis zur maximalen Frequenz passieren lassen, die sich nach der weiter oben (in Zusammenhang mit den Figuren 2 - 4) angegebenen Gleichung (C), die die Überrollfrequenz des Wälzlager-Innenringes wiedergibt, ermittelt. Dabei entspricht der Wert fn in dieser Gleichung (C) der maximal zuläsigen Drehfrequenz des Niederdruck-Turbinenläufers 2c. Die genannte Filterung erfolgt dabei nahezu verzögerungsfrei unter Echtzeitbedingungen.
Das vorverarbeitete und gefilterte Meßwertergebnis wird dann den Arithmetikprozessoren 16 und 17 zur Verfügung gestellt. Beide Arithmetikprozessoren 16 und 17 arbeiten unabhängig voneinander und haben eine Datenverarbeitungsgeschwindigkeit, die Echtzeitanforderungen gerecht wird. Durch die Arithmetikprozessoren 16 und 17 können durch nicht näher beschriebene Berechnungsverfahren aus den zur Verfügung gestellten Amplitudenspektren jeweils für die Wälzlager 6 und 7 die folgenden Werte ermittelt werden, nämlich
• die Rotationsfrequenz des Käfigs,
• die Überrollfrequenz des Außenringes,
• die Überrollfrequenz des Innenringes und • die Wälzkörperrotationsfrequenz.
Aus diesen voranstehend aufgelisteten Frequenzen errechnen die Arithmetikprozessoren 16 und 17 nach den weiter oben angegebenen Gleichungen (A) bis (D)
jeweils gesondert die Drehfrequenz fm am Walzlager 6 sowie die Drehfrequenz fn2 am Walzlager 7 Dabei entspricht die Drehfrequenz fn1 derjenigen des drehmomentaufnehmenden Aggregates bzw Fan s 2a und die Drehfrequenz fn2 derjenigen des Niederdruck-Turbinenlaufers 2c
Aufgrund der Physik des Meßprozesses handelt es sich hierbei um vier zueinander redundante Frequenzinformationen, die alle auf die sog Anregungsfrequenz fn zurückgeführt werden können Somit weist das Meßsignal an sich einen hohen Sicherheitsstandard hinsichtlich Redundanz und Genauigkeit der Meßinformation auf Aufgrund der Normalverteilung des Meßfehlers statistischer Meßprozesse können die Arithmetikprozessoren 16 und 17 einem Vergleich der nach den Gleichungen (A) bis (D) bestimmten Drehfrequenzen für die Walzlager durchfuhren, wobei eine vorher definierte Streubreite nicht überschritten werden darf
Bevorzugt wird die Gauß'sche Methode der kleinsten Fehlerquadrate zur Bestimmung der Effektivwerte f„ι und fn2 und der Standardabweichungen OT und σ2 der Meßergebnisse angewandt, die dann für eine anschließende Bewertung zugrunde gelegt werden Damit liegt für beide Walzlager 6, 7 die Drehfrequenzinformation in der Form { fnι ± σ^ } und { fn2 ± σ2 } vor
Diese beiden Informationen werden daraufhin zur Bewertung einem Komperator 18 zugeführt, der ebenfalls echtzeitfahig ist Dabei ist es nicht erheblich, ob der Vergleich beider Drehfrequenzen fn1, fn2, mittels Hardware oder/und Software realisiert wird Wesentlich ist nur die echtzeitgerechte Verarbeitung der Informationen Im Ergebnis des Vergleiches werden die Drehfrequenzen {fnι ± σi } und {fn2 ± σ2} als gleich bewertet, wenn eine Überlappung der Meßverteilungen in den nachfolgend beschriebenen Grenzen festgestellt wird
Die Falle {fn1 + σi} = {fP2 - σ2} und {fn2 + σ2} = {fnι - σi } gelten dabei als Grenzfalle der Übereinstimmung
Liegt nun gemäß den vorangestellten Bedingungen eine Übereinstimmung der Drehfrequenz fnι des Fan's 2a und der Drehfrequenz fn2 des Turbmenlaufers 2c vor, so besteht keine Veranlassung, eine geeignete drehzahlbegrenzende Maßnahme,
insbesondere eine Schnellabschaltung bezüglich des der Brennkammer 23 des Flugtriebwerkes zugefuhrten Brennstoffes vorzunehmen
Sollte allerdings der Vergleich ergeben, daß {fn1 + σ^ kleiner als (<) {fn2 - σ2} ist, so kann davon ausgegangen werden, daß ein Bruch der Welle 3 stattgefunden hat Dieser Zustand erfordert dann die Einleitung einer drehzahlbegrenzenden Maßnahme, insbesondere die Sicherheitsschnellabschaltung der Brennstoffzufuhr, die mittels einer Bennnstoff-Ringleitung 19 erfolgt
Dabei ist der Zufluß zu der Brenπstoff-Ringleitung 19 mit einem Kraftstoff- Schnellschlußventil 20 ausgerüstet Dieses mit einem nicht naher dargestellten elektromagnetischen Stellantrieb 22 versehene Kraftstoff-Schnellschlußventil 20 wird mittels einer Feder 21 im elektrisch spaπnungslosen Zustand stets geschlossen gehalten
Bei einer Übereinstimmung der Drehfrequenzen fn1 , fn2 bzw {fn1 + σi}, {fn2 - σ2} der an beiden Walzlagern 6 und 7 wird somit das Kraftstoff-Schnellschlußventil 20 unter elektrischer Spannung gehalten und ist im geöffneten Zustand
Tritt jedoch der Fall fnι < fn2 bzw {fn1 + σ^ < {fn2 - σ2} ein, so wird ein Stellsignal durch den Komperator 18 gebildet, das umgehend und ohne Verzögerung den spannungstosen Zustand am Magnet-Stellantrieb 22 herstellt Das Kraftstoff- Schnellschlußventil 20 schließt dann augenblicklich unter der Wirkung der Vorspannkraft der Feder 21 Resultierend erloscht der Verbrennungsprozeß in der Brennkammer 23, nachdem dann kein weiterer Brennstoff zugeführt wird Über interne Reibungsvorgange wird der Niederdruck-Turbinenlaufer 2c daraufhin an einem weiteren unkontrollierten Anstieg seiner Drehzahl gehindert und bis zum Stillstand abgebremst
Mit dem beschriebenen Verfahren ist es somit möglich, die Verzogerungszeit von elektronischen/elektrischen Systemen zur Drehzahlbegrenzung einer Stromungs- kraftmaschine derart zu verringern, daß sie auch für solche und insbesondere für Flug-Gasturbinenanlagen mit geringen Trägheitsmomenten eingesetzt werden können Eine Ansprechverzogerung für die Drehzahlbegrenzung und Sicherheits-
schnellabschaitung in Hohe vergleichbarer direkt wirkender mechanischer Systeme für Flugtriebwerke schafft die Voraussetzung für folgende Vorteile
• signifikant geringerer Masseeinsatz bei den Bauteilen zur Sicherung der Funktion Drehzahlbegrenzung/Sicherheitsschnellabschaltung bei Wellenbruch zwi- sehen Fan und Niederdruckturbine,
• aufgrund der Masseneinsparung ergeben sich geringere Betriebskosten für Flugtriebwerke,
• besseres Masse-Kostenverhattnis im Vergleich zu mechanisch wirkenden Drehzahlbegrenzungseinrichtungen/Sicherheitsschnellabschaltung, • Sichersteilung der Funktion ohne unnötige Zerstörung von Bauteilen und Baugruppen zum Aufbau der Zwangskrafte zum Abbremsen und zum Abbau der überschüssigen Rotationsenergie,
• kostengünstiger realisierbar als bestehende mechanische Losungen,
• Anwendung des Kommonahtatskonzeptes für Hersteller von Triebwerksfamilien • keine sicherheitsbedingten Kompromisse hinsichtlich der Aerodynamik von
Turbinenbeschaufelungen,
• geringere Betriebskosten aufgrund des besseren spezifischen Brennstoffverbrauches bei optimal aerodynamisch gestalteter Beschaufelung der Nieder- druckturbine • das beschriebene Verfahren bzw eine nach diesem Verfahren arbeitende Vorrichtung ist nachrustbar
Eine vergleichbare Zuverlässigkeit gegenüber direkt wirkenden Systemen ist abgesichert durch entsprechende Redundanzen der Meßstellen, der Meßsignahnformatio- nen und deren Verarbeitung Dabei können durchaus eine Vielzahl von Details auch abweichend vom beschriebenen Ausfuhrungsbeispiel gestaltet sein, ohne den Inhalt der Patentansprüche zu verlassen