Rekombinante attenuierte Listerien zur Im unt erapie
Die vorliegende Erfindung betrifft Listeria- Expressionsvektoren, die die Expression der humanen tumorassoziierten Antigene Tyrosinase, Trp-1, MelanA/MART-l und Trp-2 erlauben, sowie diese Expressionsvektoren enthaltende, attenuierte Listeria-Bakterien, wobei es sich vorzugsweise um Bakterien des Stamms Listeria monocytogenes handelt. Diese Bakterien können zur prophylaktischen, adjuvanten oder therapeutischen Immuntherapie, beispielsweise zur Behandlung des malignen Melanoms, verwendet werden.
Gegenwärtig stützt sich die Tumortherapie im wesentlichen immer noch auf die drei Hauptsäulen: Chirurgie, Chemo-, adjuvante Chemo- und Radiotherapie. Allerdings haben diese Therapien die folgenden gravierenden Nachteile: (a) Sie sind im metastasierenden Krankheitsstadium bzw. als vorbeugende Therapie nach Entfernung des Primärtumors kaum wirksam, d.h. eine Heilung im Metastasierungsstadium ist nicht mehr möglich, (b) sie sind im Bezug auf das klinische Ansprechen, auf die
Dauer des rezidivfreien Intervalls, die Gesamtüberlebenszeit sowie die Lebensqualität des Patienten sehr unzureichend und
(c) sie weisen eine Reihe von teilweise schwerwiegenden
Nebenwirkungen auf, beispielsweise eine beträchtliche Schädigung von normalem Gewebe. Darüberhinaus gibt es bisher keine präventiven Möglichkeiten, die beispielsweise auf einer "Schutzimpfung" beruhen könnten. Dies wäre aber gerade hinsichtlich des malignen Melanoms sehr wünschenswert.
Somit liegt der Erfindung im wesentlichen das technische Problem zugrunde, Mittel zur Tumortherapie, insbesondere zur Therapie des malignen Melanoms, bereitzustellen, die nicht die vorstehend beschriebenen Nachteile der gegenwärtigen Therapieverfahren ausweisen, insbesondere eine präventive Anwendung erlauben, als Adjuvanz nach Entfernung eines
Primärtumors wirksam sind bzw. im Stadium der Fern etastasierung von therapeutischem Nutzen sind.
Die Lösung dieses technischen Problems wurde durch die Bereitstellung der in den Patentansprüchen gekennzeichneten Ausführungsformen erreicht.
Bei den erfindungsgemäßen Listeria-Expressionsvektoren bzw. den rekombinanten attenuierten Listeria-Bakterien handelt es sich um gentherapeutisch wirksame Konstrukte, die zur prophylaktischen oder im Rahmen einer adjuvanten oder therapeutischen Tumorbekämpfung, beispielsweise beim malignen Melanom, eingesetzt werden können. Dabei kann durch eine vorzugsweise orale Immunisierung eine tumorspezifische Immunantwort erzeugt, d.h. durch das körpereigene zelluläre Immunsystem kann eine gezielte Bekämpfung der Tumorzellen erreicht werden. Diese Behandlung kann außerdem bei Bedarf mit Behandlungsverfahren wie Chemotherapie oder Radiotherapie kombiniert werden, vorzugsweise ersetzt sie jedoch die letzteren Therapieformen.
Die vorliegende Erfindung basiert auf dem Befund, daß mittels einer Immunisierung, vorzugsweise oralen Immunisierung, unter Verwendung der erfindungsgemäßen rekombinanten attenuierten Listerien als Synthese- und Transportvehikel für tumorassoziierte Antigene eine prophylaktische bzw. therapeutische Behandlung von Tumoren möglich ist. Die Expression der einzelnen tumorassoziierten Antigene erfolgt dabei bevorzugt als Fusionsproteine, bei denen beispielsweise eine Listerien-spezifische Signalssequenz an den N-Terminus des Antigens fusioniert ist. Nach Expression werden diese Fusionsproteine aus den Bakterienzellen in die Umgebung exportiert. Nach oraler Applikation passieren die Bakterien das mukosale Epithel des Intestinaltrakts im Bereich der Peyerschen Plaques und werden durch die dort lokalisierten Antigen-präsentierenden Zellen (APCs) des Immunsystems durch Phagocytose aufgenommen. Die Listerien liegen daher zunächst im Phagosom der infizierten Zelle vor, in das sie die
Fusionsproteine sekretieren, die damit einer Prozessierung zur Generierung von HLA Klasse I und HLA Klasse II Peptiden zur Verfügung stehen. Aufgrund des natürlichen Infektionszyklus können sowohl das Wildtyp-Listerien-Bakterium als auch definierte attentuierte Mutanten (sofern sie keine Deletion des hly Gens aufweisen) in das Cytosol der Zelle übertreten. Die ins Cytosol sekretierten Fusionsproteine sind wiederum einer Prozessierung zur Generierung von HLA-Klasse I Peptiden zugänglich. Die in beiden Zellkompartimenten (Phagosom und Cytosol) generierten Peptide stehen somit zur Beladung von HLA I bzw. HLA-Klasse II Molekülen zur Verfügung. Der Peptid-HLA- Komplex wird an der Zelloberfläche der APCs präsentiert und es wird eine spezifische T-Zellantwort (CD4+ und CD8+ T-Zellen) gegen die exprimierten tumorassoziierten Antigene induziert, d.h. eine zelluläre cytotoxische Immunantwort des körpereigenen Immunsystems gegen einen Tumor. Dadurch werden die Tumorzellen gezielt als entartet erkannt und abgetötet. Die Vorteile dieses Vorgehens liegen u.a. darin, daß das körpereigene Immunsystem gezielt in Richtung einer Zerstörung des Tumors mobilisiert wird. Es stellt ein einfaches Immunisierungsverfahren dar, da die APCs die tumorassoziierten Antigene mittels einer bakteriellen Infektion erhalten, d.h. bei dem erfindungsgemäßen Vorgehen ist keine arbeitsintensive ex vivo-Modifikation autologer APCs erforderlich, da ein natürlich vorkommender Infektionsprozess zur Modifizierung der Zellen des Immunsystems ausgenutzt wird.
Somit betrifft die vorliegende Erfindung einen Listeria- Expressionsvektor zur Immuntherapie, wobei der Listeria- Expressionsvektor folgende DNA-Sequenzen funktioneil verknüpft umfaßt: (a) einen in Listeria aktiven Promotor; und (b) eine für humane Tyrosinase, Trp-1, MelanA/MART-l oder Trp-2 codierende DNA-Sequenz oder davon abgeleitete antigene Epitope.
Der hier verwendete Ausdruck "in Listeria aktiver Promotor" bezieht sich auf alle Promotoren, die in Listeria die Expres s i on der tumoras s o z i i erten Ant i gene er l auben .
Vorzugsweise handelt es sich dabei um Promotoren von Listeria monocytogenes-Genen, beispielsweise konstitutive oder unter den Bedingungen der Infektion aktivierte Promotoren. Besonders bevorzugt sind Promotoren, die zu einer starken Expression des gewünschten Antigens führen. Dieser Begriff bezieht sich auch auf Promotor-Fragmente oder Promotoren mit modifizierten Sequenzen, die noch biologisch aktiv sind. In einer bevorzugten Ausführungsform handelt es sich bei dem Promotor für die Listeria-Expressionsvektoren um einen Promotor des hly-, actA, plcA, plcB oder mpl-Gens, die jeweils unter den Bedingungen der Infektion aktiv sind und die die Listeria- Proteine Haemolysin, ActA, Phosphotidylinositol-spezifische Phospholipase C, Phosphatidylcholin-spezifische Phospholipase C bzw. Metalloprotease codieren. Diese Promotoren sind bereits in der Literatur ausführlich beschrieben: actA/plcB Promotor: Domann et al . , (1992), EMBO J.
11: 1981-1990 (Die Transkription des actA und des plcB Gens wird durch einen gemeinsamen Promotor gesteuert) - hly Promotor: Domann et al . , (1989), Nucleic Acids
Res. 17: 6406 plcA Promotor: Domann et al . , (1991), Mol.
Microbiol. 5: 361-366 mpl Promotor: Domann et al . , (1991), Infect . Immun. 59: 65-72
Der hier verwendete Ausdruck "für humane Tyrosinase, Trp-1, MelanA/MART-l oder Trp-2 codierende DNA-Sequenz" betrifft jede DNA-Sequenz, die das native Protein ganz oder teilweise codiert. Diese DNA-Sequenzen sowie die abgeleiteten Aminosäuresequenzen sind beispielsweise beschriebenen: humanes Tyrosinase-Gen: Genbank Accession Nr: M27160 humanes trp-1 Gen: Genbank Accession Nr. : AF001295 humanes trp-2 Gen: Genbank Accession Nr. : D17547 humanes MelanA/MART-l Gen: Genbank Accession Nr.: U06452 Hierzu wird außerdem auf die Figuren 1-4 verwiesen.
Bei den Antigenen Tyrosinase, Trp-1, Trp-2 und MelanA/MART-l
handelt es sich um Differenzierungsantigene melanocytären Ursprungs. Da diese Antigene ausschießlich in melanozytären Zellen (Melanocyten) im Rahmen der Melanogenese exprimiert werden, sind sie außerordentlich gut geeignet, um eine spezifische Immunantwort gegen Melanomzellen zu generieren. Diese Differenzierungsantigene haben zudem den Vorteil, daß sie von bis zu 100% der Zellen eines pigmentierten Tumors (Melanom) exprimiert werden, wohingegen nur ca. 50% der Melanome Cancer-Testis Antigene, wie z.B. MAGE-1, exprimieren. Die Enzyme Tyrosinase, Trp-1, Trp-2 katalysieren den Prozeß der Pigmentbildung (Malaninbiosynthese) . Die Biosynthese findet in den spezifischen Organellen, den Melanosomen statt, in deren Matrix auch das MelanA/MART-l Protein lokalisiert ist .
Der Ausdruck "für humane codierende DNA-Sequenz" betrifft darüber hinaus auch DNA-Sequenzen, die solche Formen von humaner Tyrosinase, Trp-1, MelanA/MART-l bzw. Trp-2 codieren, die Veränderungen gegenüber der nativen Form, d.h. beispielsweise Deletionen, Additionen oder Austausche von einer oder mehreren Aminosäuren und/oder (eine) modifizierte Aminosäure (n) oder die Anheftung eines Ubiquitin-Restes aufweisen oder veränderte Oligosaccharidseitenketten, wobei ihre antigenen Eigenschaften ganz oder teilweise bzw. in der gewünschten Weise bleiben, d.h. sie weisen beispielsweise die in den nachstehenden Beispielen hinsichtlich der Behandlung eines Tumors beschriebenen Eigenschaften auf. Zu den Austauschen zählen vorzugsweise "konservative" Austausche von Aminosäureresten, d.h. Austausche gegen biologisch ähnliche Reste, z.B. die Substitution eines hydrophoben Rests (z.B. Isoleucin, Valin, Leucin, Methionin) gegen einen anderen hydrophoben Rest, oder die Substitution eines polaren Rests gegen einen anderen polaren Rest (z.B. Arginin gegen Lysin, Glutaminsäure gegen Asparaginsäure etc.). Zu den Austauschen zählen auch "nicht-konservative" Austausche, die die antigenen Eigenschaften der Proteine bzw. einzelner abgeleiteter Proteinfragmente (Peptide) erhalten oder sogar verstärken können. Dies kann durchaus die biologische bzw. enzymatische
Aktivität des nativen Proteins verändern. Deletionen können zur Erzeugung von Molekülen führen, die eine deutlich geringere Größe aufweisen, d.h., denen beispielsweise Aminosäuren am N- oder C-Terminus fehlen. Die vorstehenden Varianten betreffen auch Varianten, die im Vergleich zu der ursprünglichen Form eine bessere Wirksamkeit hinsichtlich der Tumorbekämpfung aufweisen. Verfahren zur Erzeugung der vorstehenden Änderungen in der Aminosäuresequenz bzw. entsprechenden Nucleinsäuresequenz sind dem Fachmann bekannt und in Standardwerken der Molekularbiologie beschrieben, beispielsweise in Sambrook et al . , Molecular Cloning: A Laboratory Manual, 2. Ausgabe, Cold Spring Harbor Laboratory Press, Cold Spring Harbor NY (1989) . Der Fachmann ist auch in der Lage zu bestimmen, ob ein von einer so veränderten Nucleinsäuresequenz codiertes Protein bzw. Peptid noch über die erwünschten antigenen Eigenschaften der Tyrosinase, Trp-1, MelanA/MART-l bzw. Trp-2 (ganz oder teilweise) verfügt. Diese antigenen Eigenschaften lassen sich für die Proteine/Peptide anhand der Stimulierung Antigen-spezifischer cytotoxischer T- Zellinien feststellen. Im Falle der Peptide bietet sich außerdem eine Überprüfung ihrer HLA-Bindungseigenschaften im Rahmen von FACS Analysen an. Vorzugsweise sollten die Tyrosinase, Trp-1, MelanA/MART-l, Trp-2 bzw. die vorstehenden Varianten codierenden DNA-Sequenzen eine Transkriptionsterminationssequenz und eine
Translationsterminationssequenz zur Gewährleistung einer stabilen und korrekten Transkription bzw. Translation aufweisen.
Allgemeine, auf dem Fachgebiet bekannte Verfahren können zur Konstruktion der erfindungsgemäßen L i,s t e r i a - Expressionsvektoren, u.a. zur Ligation der Fragmente für den Promotor und die tumorassoziierten Antigene und Insertion in den Vektor, verwendet werden. Zu diesen Verfahren zählen beispielsweise in vitro-Rekombinationstechniken, synthetische Verfahren, sowie in vivo-Rekombinationsverfahren, wie sie beispielsweise in Ausubel und Frederick (1991) , Current Protocols in Molecular Biology (J.Wiley & Sons, New York)
beschrieben sind.
Am meisten bevorzugt sind Listeria-Expressionsvektoren, bei denen die für humane Tyrosinase, Trp-1, MelanA/MART-l bzw. Trp-2 codierende DNA-Sequenz mit einer ein Listeria- Protein (fragment) codierenden DNA-Sequenz so verknüpft ist, daß ein Fusionsprotein codiert wird. Vorzugsweise stellt der von dem Listeria-Protein stammende Anteil den N-terminalen Anteil des Fusionsproteins dar. Verschiedene Listeria-Proteine bzw. Fragmente davon sind zur Herstellung dieses Fusionsprotein geeignet, beispielsweise die vorstehend hinsichtlich der Listeria-Promotoren offenbarten Gene. Noch mehr bevorzugt sind Listeria-Expressionsvektoren, bei denen der Listeria-Protein-Anteil des Fusionsproteins von einem an der Lyse der Wirtsvakuolen oder an Bewegungen der Bakterien in der Wirtszelle beteiligten Protein stammt, vorzugsweise Listeriolysin 0 (Lyse) , ActA (intrazelluläre Bewegung) oder PI-PLC (Lyse) . Der Vorteil von Listeriolysin 0, eine Listeria- Phospholipase oder das ActA-Protein zur Konstruktion von Fusionsproteinen einzusetzen, liegt darin, daß diese Proteine sekretiert werden. Im Falle einer Infektion gelangen diese Fusionsproteine daher bevorzugt ins Phagolysosom bzw. ins Cytosol der infizierten Zelle, d.h. in die Zellkompartimente, in denen die Generierung von HLA-Klasse I und HLA-Klasse II präsentierten Peptiden stattfindet. Die Fusionsproteine können vorzugsweise wie folgt aussehen: a) lediglich die sekretorische Signalsequenz eines Listerien-spezifischen Proteins wird mit dem Antigen fusioniert b) die sekretorische Signalsequenz inklusive eines
Ausschnitts der sich daran anschließenden nativen
Proteinsequenz wird mit dem Antigen fusioniert, c) ein kurzes Fragment des Antigens wird unter
Aufrechterhaltung des Leserahmens in die Sequenz des genannten Listerien-Proteins eingebaut.
Darüber hinaus betrifft die vorliegende Erfindung Listeria- Expressionsvektoren, bei denen der Listeria-Protein-Anteil des
Fusionsproteins eine Signalsequenz eines sezernierten Listeria-Proteins umfaßt. Vorzugsweise stammt die Signalsequenz vom Listeria-Haemolysin, einer Listeria- Phospholipase oder dem ActA-Protein.
Ausgangsvektor für die Herstellung des erfindungsgemäßen Listeria-Expressionsvektor ist jeder Vektor, der in Listeria zur Expression der gewünschten Antigene führt. Dabei kann es sich um einen autosomalen oder stabil in das Listeria-Genom inserierenden Vektor handeln. Vorzugsweise ist der Ausgangsvektor ein "Shuttle" -Vektor , der sich in einem weiteren Wirt, beispielsweise E. coli, vermehren läßt. Derartige Vektoren sind beispielsweise pKSV7 (Frankel et al . , 1995, J. Immunol. 155: 4775-4782), pCGU34 (Paglia et al . , 1997, Eur. J. Immunol. 27: 1570-1575), pAUL-A (Niebuhr et al . , 1997, EMBO J. 16: 5444-5445) und pLIGAl60.
Die vorliegende Erfindung betrifft auch die erfindungsgemäßen Listeria-Expressionsvektoren (autosomal oder stabil in das Genom integriert, beispielsweise über homologe Rekombination) enthaltende rekombinante , attenuierte Listeria-Bakterien, vorzugsweise Listeria monocytogenes oder Listeria innocua, wobei letzterer sich insbesondere zur Verstärkung einer Immunantwort eignet. Die Auswahl geeigneter Listerien kann für den Fachmann nach üblichen Kriterien hinsichtlich des Einsatzes von Bakterien für die Vakzinierung erfolgen, d.h. die für die erfindungsgemäßen Zwecke verwendbaren Listerien sollten über Immunogenizität verfügen, jedoch ausreichend attenuiert sein, um die sichere Anwendung beim Menschen zu erlauben. Dazu ist es nötig, daß der Mutantenphänotyp der Listerien absolut stabil ist, was üblicherweise nur.durch die Erzeugung chromosomaler Deletionen möglich ist. Zu den Beispielen für attenuierte Mutanten zählen Mutanten, die hinsichtlich der Ausbreitung von Zelle zu Zelle defizient sind, actA-negative Mutanten, die hinsichtlich des intrazellulären Wachstums defizient sind, hly2- (Listeriolysin) -negative Mutanten, sowie Mutanten, die zumindest hinsichtlich eines Phospholipase-Gens defizient sind
(Guz än et al . , Infect. Immun. 63 (1995), 3665-3673). Zu den Beispielen für geeignete Listeria-Stämme zählen die Δmpl2- Mutante (Paglia et al . , Eur. J. Immunol. 27: 1570-1575). Geeignete attentuierte Listeria-Stämme sind auch in der internationalen Patentanmeldung PCT/EP98/08096 beschrieben. Verfahren zur Transformation der vorstehenden Listerien mit den erfindungsgemäßen Listeria-Expressionsvektoren, beispielsweise Elektroporation, zur phänotypischen Selektion von Tr ans f orman t en und zur Expression der die tumorassoziierten Antigene (gegebenenfalls als Fusionsproteine) codierenden DNA-Sequenzen unter Verwendung der vorstehend beschriebenen Listeria-Expressionsvektoren sind auf dem Fachgebiet bekannt.
Schließlich betrifft die vorliegende Erfindung ferner ein die erfindungsgemäßen rekombinanten attenuierten Listeria- Bakterien enthaltendes Arzneimittel (Impfstoff) bzw. deren Verwendung zur Immuntherapie . Diese Immuntherapie eignet sich zur Behandlung pigmentierter Tumorarten, vorzugsweise zur Therapie des malignen Melanoms oder des malignen Schwannoms
(Untergruppe der Neuroblastome) . Diese Arzneimittel enthalten gegebenenfalls zusätzlich einen pharmazeutisch verträglichen
Träger. Geeignete Träger und die Formulierung derartiger
Arzneimittel sind dem Fachmann bekannt. Zu geeigneten Trägern zählen beispielsweise Phosphat-gepufferte Kochsalzlösungen, Wasser, Emulsionen, beispielsweise Öl/Wasser-Emulsionen, Netzmittel, sterile Lösungen etc.. Das erfindungsgemäße Arzneimittel kann beispielsweise zur oralen Verabreichung in Form eines Elixiers, einer Kapsel oder Suspension verabreicht werden. Die geeignete Dosierung und die Art der Verabreichung, vorzugsweise orale, intravenöse oder intraperitoneale Verabreichung werden von dem behandelnden Arzt bestimmt und hängen von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise von dem Alter, dem Geschlecht, dem Gewicht des Patienten, dem Stadium und Schweregrad des Tumors, der Art der Verabreichung etc.. Jedenfalls muß die Verabreichung in einer wirksamen Menge erfolgen, d.h. einer Menge, daß das tumorassoziierte Antigen in einer Menge exprimiert wird, daß eine Immunantwort in T-
Zellen gegenüber dem tumorassoziierten Antigen induziert wird, so daß dieses Antigen enthaltende Zellen zerstört werden. Das erfindungsgemäße Arzneimittel kann entweder allein verabreicht werden oder in Kombination mit weiteren Tumortherapien.
Erfindungsgemäße Expressionsvektoren wurden bei der DSMZ (Deutsche Sammlung für Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH) , Mascheroder Weg lb, Braunschweig jeweils am 5. Oktober 1999 nach den Bestimmungen des Budapester Vertrags hinterlegt. Die hinterlegten Proben haben folgende Hinterlegungsnummern erhalten:
Escherichia coli XL2-Blue pLIGA-trp2 DSM 13072 Escherichia coli XL2-Blue pLIGA-tyro DSM 13073 Escherichia coli XL2-Blue pLIGA-trpl DSM 13074
Die Figuren erläutern weiter die Erfindung.
Fig. 1: Darstellung der cDNA-Kodierregion von menschl .
Tyrosinase und der daraus abgeleiteten Proteinsequenz
Fig. 2: Darstellung der cDNA-Kodierregion von menschl.
Trp-1 und der daraus abgeleiteten Proteinsequenz
Fig. 3: Darstellung der cDNA-Kodierregion von menschl.
Trp-2 und der daraus abgeleiteten Proteinsequenz
Fig. 4: Darstellung der cDNA-Kodierregion von menschl.
MART-1/MelanA und der daraus abgeleiteten Proteinsequenz
Fig. 5: Analyse der Ober f ächenmarker infizierter dentritischer Zellen
Die Expression der Oberf lächenmarker nicht mit L. monoycytogenes Bakterien infizierter dentritischer Zellen (dünne Linien) sowie die infizierter dentritischer Zellen (dicke Linien) wurden analysiert. Schattierte graue Histogramme
repräsentieren die Kontrollen
Die folgenden Beispiele veranschaulichen die Erfindung.
Beispiel 1: Herstellung zweier verschiedener die humane
Tyrosinase exprimierender Listeria- Expressions e toren
Am 5 ' - und am 3 ' -Ende der für die menschliche tumorassoziierte Tyrosinase-Antigen codierenden cDNA (Genbank-Zugangsnummer: M27160) wurden mittels PCR (s. Tabelle 1) unter Verwendung der in Tab. 1 und 2 angegebenen spezifischen Primer (tyr-5/2- LIGA+tyr/3-LIGA ; tyr/5-LIGA+tyr/3-LIGA) eine Ndel bzw. eine Sall-Erkennungssequenz eingeführt. Die Primerkombination tyr- 5/2-LIGA und tyr/3-LIGA (Tab. 1) wurde zur Amplifizierung der vollständigen Tyrosinase cDNA-Sequenz eingesetzt. Die Primerkombination tyr/5-LIGA und tyr/3-LIGA (Tab. 2) wurde zur Amplifizierung einer 5 ' -deletierten Tyrosinase cDNA-Sequenz eingesetzt. Beide PCR-Amplifikate wurden dann wie folgt behandelt: Unter Ausnutzung der genannten Restriktionsschnittstellen wurde das Fragment in den Vektor PLIGA160 in frame stromabwärts der plasmidkodierten actA- Signalsequenz kloniert. Die Expression des resultierenden Fusionsgens wird durch den plasmidkodierten actA-Promotor gesteuert (Domann et al . , 1992, EMBO J. 11: 1981-1990; Genbank Accession: X59723). Die inserierte DNA-Sequenz sowie deren Übergangstellen zum Vektor wurden zur Kontrolle sequenziert. Der resultierende Expressionsvektor erhielt die Bezeichnung pLIGA-tyrof (codiert gesamte Tyrosinase cDNA) bzw. pLIGA-tyro (codiert 5 ' -deletierte Tyrosinase cDNA) . Letzterer wurde bei der DSMZ am 5. Oktober unter der Nummer DSM 13073 hinterlegt.
Beispiel 2: Herstellung zweier verschiedener das humane trp-1 Protein exprimierender Listeria-
Expressionsvektoren
Am 5'- und am 3 ' -Ende der für das menschliche tumorassoziierte
Trp-1 Antigen codierenden cDNA (Genbank-Zugangsnummer : AF001295) wurden mittels PCR (s. Tabelle 1) unter Verwendung der in Tab. 1 und 2 angegebenen spezifischen Primer (trpl-5/2- LIGA+trpl/3-LIGA ; trpl/5-LIGA+trpl/3-LIGA) eine Ndel bzw. eine Bgl II Erkennungssequenz eingeführt. Die Primerkombination trpl-5/2-LIGA und trpl/3-LIGA (Tab. 1) wurde zur Amplifikation der vollständigen trp-1 cDNA-Sequenz eingesetzt. Die Primerkombination trpl/5-LIGA und trpl/3-LIGA (Tab. 2) wurde zur Amplifikation einer 5 ' -deletierten trp-1 cDNA-Sequenz eingesetzt. Beider PCR-Amplifikate wurden dann wie folgt behandelt: Unter Ausnutzung der genannten Restriktionsschnittstellen wurde das Fragment in den Vektor pLIGA160 in frame stromabwärts der plasmidkodierten actA- Signalsequenz kloniert. Die Expression des resultierenden Fusionsgens wird durch den plasmidkodierten actA-Promotor gesteuert (Domann et al . , 1992, EMBO J. 11: 1981-1990; Genbank Accession: X59723) Die inserierte DNA-Sequenz sowie deren Übergangsstellen zum Vektor wurden zur Kontrolle sequenziert. Der resultierende Expressionsvektor erhielt die Bezeichnung pLIGA-trplf (codiert die gesamte trp-1 cDNA) bzw. pLIGA-trpl (codiert 5 ' -deletierte trp-1 cDNA) . Letzterer wurde am 5. Oktober 1999 bei der DSMZ Braunschweig unter DSM 13074 hinterlegt .
Beispiel 3: Bereitstellung zweier verschiedener das humane trp-2 - Protein exprimierender Listeria-Expressionsvektoren
Am 5'- und am 3 ' -Ende der für das menschliche tumorassoziierte Trp-2 Antigen codierenden cDNA (Genbank-Zugangsnummer : D17547) wurden mittels PCR (s. Tabelle 1) unter Verwendung der in Tabelle 1 und 2 angegebenen spezifischen Primer (trp2-5/2- LIGA+trp-2/3-LIGA ; trp2/5-LIGA+trp2/3-LIGA) eine Ndel bzw. eine Sal I Erkennungssequenz eingeführt. Die Primerkombination trp2-5/2-LIGA und trp2/3-LIGA (Tab. 1) wurde zur Amplifikation der vollständigen trp-2 cDNA-Sequenz eingesetzt. Die Primerkombination trp2/5-LIGA und trp2/3-LIGA (Tab. 2) wurde
zur Amplifizierung einer 5 ' -deletierten trp-2 cDNA-Sequenz eingesetzt. Beide PCR-Amplifikate wurde dann wie folgt behandelt : Unter Ausnutzung der genannten Restriktionsschnittstellen wurde das Fragment in den Vektor pLIGAl60 in frame stromabwärts der plasmidkodierten actA- Signalsequenz kloniert. Die Expression des resultierenden Fusionsgens wird durch den plasmidkodierten actA-Promotor gesteuert (Domann et al . , 1992, EMBO J. 11: 1981-1990; Genbank Accession: X59723) Die inserierte DNA-Sequenz sowie deren Übergangsstellen zum Vektor wurden zur Kontrolle sequenziert.
Der resultierende Expressionsvektor erhielt die Bezeichnung pLIGA-trp2f (codiert die gesamte trp-2 cDNA) bzw. pLIGA-trp2
(codiert 5 ' -deletierte trp-2 cDNA) . Letzterer wurden am 5.
Oktober 1999 bei der DSMZ Braunschweig unter DSM 13072 hinterlegt.
Beispiel 4: Herstellung eines das humane MelanA/MART-l
G e n e x p r i m i e r e n d e n L i s t e r i a - Expressionsvektors
Am 5'- und am 3 ' -Ende der für das menschliche tumorassoziierte MelanA-Antigen codierenden cDNA (Genbank-Zugangsnummer : U06452) wurden mittels PCR (s. Tabelle 1) unter Verwendung der in Tabelle 1 angegebenen Primer (melanA-5/2-LIGA, melanA/3- LIGA) eine Ndel bzw. eine Bgl II Erkennungssequenz eingeführt. Unter Ausnutzung der Restriktionsschnittstellen wurde das Fragment in den Vektor pLIGA160 in frame stromabwärts der plasmidkodierten actA-Signalsequenz kloniert. Die Expression des resultierenden Fusionsgens wird durch den plasmidkodierten actA-Promotor gesteuert (Domann et al . , 1992, EMBO J. 11: 1981-1990; Genbank Accession: X59723) Die inserierte DNA-Sequenz sowie deren Übergangsstellen zum Vektor wurden zur Kontrolle sequenziert.
Beispiel 5: Antigen-Expression in Listeria monocytogenes
Die in den vorstehenden Beispielen 1 bis 4 beschriebenen Listeria-Expressionsvektoren wurde nach Amplifikation in dem E.coli-Stamm XL2-Blue jeweils in den L. monocytogenes Stamm EGD sowie in die attentuierten Mutanten Δhly2 und ΔactA (Guzmann et al . , 1995, Infect. Immun. 63: 3665-3573) mittels Elektroporation eingeführt. Die dazu angewandte Technik ist dem Fachmann hinreichend bekannt. Plasmidtragende Listerien wurden anhand der plasmidvermittelten Erythromycin-Resistenz identifiziert. Die Expression der tumorassoziierten Antigene wird dann unter Anwendung immunologischer Nachweisverfahren (z.B. immunologische Färbung, Western Blot) mittels spezifischer Antikörper (MelanA-AK erhältlich von Fa. Novocastra; Tyrosinase-AK erhältlich von Fa. BioTrend, Köln; Trp-1 AK beschrieben in Thomsen et al , 1985, J. Invest. Dermatol. 85: 169-174) bestimmt. Jedes der tumorassoziierten Antigene konnte nachgewiesen werden, d.h. der gewählte Expressionsweg war erfolgreich.
Beispiel 7: Immunisierung von Mäusen des transgenen MäuseStamms HLA-A2
Der im vorstehenden Beispiel 4 beschriebene Listeria- Expressionsvektor pLIGA-MelanA wurde nach Amplifikation im E.coli-Stamm XL2-Blue in den L. monocytogenes Stamm EGD (Gύzman et al . , 1995, Infect. Immun. 63: 3665-3573) mittels Elektroporation eingeführt. Diese Bakterien wurden über Nacht bei 37°C in BHI (Brain-Heart-Infusion) -Medium (Hersteller: Fa. Difco) angezüchtet. Es wurde eine 1:50 Verdünnungskultur angelegt und das Wachstum der Bakterien bis zur mittleren log- Phase fortgesetzt. Die Bakterien wurden durch Zentrifugation bei 3000xg geerntet. Die Zellen wurden dreimal mit PBS gewaschen und in PBS resuspendiert. Zur Kontrolle wurden die das nicht-veränderte Plasmid pLIGAl60 tragenden EGD-Bakterien ebenso behandelt und kultiviert.
Mäuse vom transgenen Stamm HLA-A2kb (Vitiello et al . , 1991, J. Exp . Med. 173: 1007-1015) wurden mit den in PBS resuspendierten Bakterien (EGD-pLIGA-MelanA und EGD-pLIGA160) im 7-tägigen Intervall immunisiert. Die Mäuse erhielten jeweils eine orale Applikation von lxlO6 Bakterien an Tag 0 und 1X107 Bakterien an Tag 7, 14, 21, usw.
Primäres Ziel der Immunisierungsexperimente ist die Erzeugung einer zellulären cytotoxischen T-Zellantwort . Die Antigen- spezifische Aktivität cytotoxischer T-Zellen gilt als Grundlage einer effizienten antitumorösen Immunantwort.
Die Milzen von je 3 immunisierten Mäusen werden 7 Tage nach der letzten Immunisierung entnommen, gepoolt und mechanische bearbeitet, daß eine Einzelzellsuspension vorliegt. Die
Milzzellen werden mit einer zur HLA-A2kb transgenen Zellinie
(C1R-A2kb) restimuliert . Diese Zellinie ist mit dem MelanA-
Antigen kodierenden Gen stabil transfiziert und kann daher zur
Stimulierung der cytotoxischen Aktivität Antigen-spezifischer T-Zellen eingesetzt werden. Nach 5-7 Tagen werden die lebenden Zellen geerntet und im dem Fachmann hinreichend bekannten 51Cr- Freisetzungsexperiment auf ihre Fähigkeit hin überprüft, die genannten Antigen-exprimierenden Zielzellen zu lysieren.
L. monocytogenes
% Spezifische Lyse der MdanA-exprimierenden CIR-Alk* Zielzellen EGD EffektoπTarget Verhältnis 50:1 25:1 10:1 pLIGA-MelanA 30 25 18
PUGA160
Dargestellt ist die MHC-Klasse I Melan A restringierte Lyse von MelanA exprimierenden C1R-A2kb ZielzeUen durch Lymphocyten die in vivo mit dem rekombinanten L. monocytogenes EGD pLIGA-MelanA Vakzinstamm primär stimuliert wurden. 7 Tage nach der letzten Immunisierung mit EGD-pLIGA-MelanA bzw. EGD-pUGA160 (Negativkontrolle) wurden die Milzzellen an Tag 5 nach Entnahme in vitro restimuliert. Zur in vitro Restimulierung wurde die zum immunisierten HLA-A2k transgenen Mausstamm syngene C1R-A2kb Zellinie, die stabil mit dem humanen MelanA kodierenden Gen transfiziert wurde, eingesetzt. Zum Ende der Kultur wurden die Lymphocyten im s,Cr-
Freisetzungsexperiment auf ihre Fähigkeit zur Lyse der CIR-A∑k" MelanA transfizierten Zellinie hin getestet.
EGD-p IGA160 : Negativkontrolle
Tabelle 1
Primer zur Amplrfizieruno der vollständigen Antiqen-kodieren en c-DNA
Tab. 1: Primer zur Amplifizierung der Antigen kodierenden c-DNA Sequenzen Fett markiert ist jeweils die Erkennungssequenz spezifischer Restriktionsenzyme, die fύr die Ktonierung des PCR-Amplifikats in den Vektor pLIGA160 eingesetzt wurden. Unterstrichen ist der Anteil eines Primers, der an die komplementäre Sequenz der genannten c-DNA bindet
PCR Bedingungen zur AmpTrfizierung der genannten c-DNA Fragmente:
• Initiale Denaturierung: 3 Min. bei 94"C
• Zyklus (40 X): 0,5 Min. bei 94*C
1 Min. bei 55*C 1,5 Min. bei 68βC
• abschließende Polymerisation: 7 Min. bei 68βC
Tabelle 2
Primer zur Amplifizierunα der δ'-verkürzteri Antiαen-kodierenden c-DNA
Tab. Primer zur Amptifizierung der Antigen kodierenden 5'- deietierten c-DNA
Sequenzen Fett markiert ist jeweils die Erkennungssequenz spezifischer Restriktionsenzyme, die für die Ktonierung des PCR-Amplifikats in den Vektor pUGA160 eingesetzt wurden. Unterstrichen ist der Anteil eines Primers, der an die komplementäre Sequenz der genannten c-DNA bindet
PCR Bedingungen zur Amplifizierung der genannten c-DNA Fragmente:
• Initiale Denaturierung: 3 Min. bei 94°C
• Zyklus (40 X): 0.5 Min. bei 94'C
1 Min. bei 55*C 1,5 Min. bei ββ'C
• abschließende Polymerisation: 7 Min. bei 68#C .
Beispiel 8: Infektion humaner dendritischer Zellen mit
L. monocytogenes EGD und der attentuierten Mutante . monocytogenes Δhly2
Da rekombinante Listerien als Vektorsystem im Rahmen einer anti-Melanom-Vakzine in den Menschen eingesetzt werden sollen, ist es notwendig, neben Untersuchungen im Tiermodell auch die Wechselwirkung dieser Bakterien mit den humanen Zellen des Immunsystems zu analysieren. Aus diesem Grund wurde die Interaktion von Listeria monocytogenes EGD (Wildtypstamm) sowie von weiteren attentuierten Stämmen mit humanen dendritischen Zellen (DZ) untersucht. Nur DZ sind nach Aufnahme einer Antigen-Vakzine in der Lage gegen das betreffende Antigen eine primäre Immunantwort zu initiieren (Banchereau et al . , (1998), Nature 392, S. 245-252). Für eine effiziente Belieferung der DZ mit der anti-Melanom-Vakzine ist es daher notwendig, daß diese Zellen durch die Listerien infiziert werden können. Zur Bestimmung der Inf ekt ionse f f i z i enz wurde das folgende Experiment durchgeführt: Nach einem Standardprotokoll (Thurner et al . (1999), J. Immunol. Methods 223, S. 1-15) wurden aus den Zellen des peripheren Blutes in-vitro unreife DZ generiert, die mit den Bakterien in einem Verhältnis von 1 (DZ) : 5 (Bakterien) infiziert wurden (d.h. 1 x 105 DZ wurden mit 5 x 105 Bakterien inkubiert) . Um die Infektionseffizienz zu erhöhen, wurde für 5 Minuten bei 1200 rpm zentrifugiert . Nach einer Stunde Inkubation wurde 10 μg/ml Gentamycin zu den Kulturen addiert, um die extrazellulären Bakterien abzutöten. Weitere 3 Stunden später wurden die DZ zweimal mit PBS gewaschen und durch Inkubation mit 1% NP-40 PBS lysiert, um die phagozytotisch aufgenommenen Bakterien freizusetzen. Zur Bestimmung der Bakterienzahl wurden Aliquots des Lysats auf Bakterien-Wuchsagar ("Brain Heart Infusion Agar") plattiert. Da jedes intakte Bakterium nach Inkubation eine Kolonie auf dem Agar bildet, ist die Zahl der intrazellulären Bakterien als Zahl der Kolonie-formenden Einheiten (CFU) definiert. Die nachfolgende Tabelle 3 stellt das Ergebnis der Infektionsexperimente dar, welche belegen, daß unreife humane
DZ effizient durch Listerien infiziert werden können.
Tabelle 3
L . monocytogenes EGD L . monocytogenes Δhly2 (Wildtyp) (Deletion des
Listeriolysingens )
CFU 2,94 x 105 4,82 x 104
Beispiel 9: Bestimmung des Einflusses der Infektion auf den
Phänotyp von dendritischen Zellen
Die Wechselwirkung unreifer DZ mit Bakterien kann zu ihrer Ausreifung führen und damit einen positiven Einfluß auf ihre Fähigkeit haben, T-Zellen zu stimulieren. Die Reifung der DZ geht mit Veränderungen im Expressionsmuster spezifischer Oberflächenmarker einher, d.h. die Expression spezifischer Oberflächenmoleküle, die für die Stimulierung einer zellulären Immunantwort essentiell sind, wird verstärkt. Dabei handelt es sich um costimulatorische Moleküle wie CD40, CD80, CD86 oder um Adhesionsmoleküle wie CD54. Das CD83-Oberflächenmolekül ist ein spezifischer Marker für reife dendritische Zellen, dessen Funktion allerdings noch unklar ist. Der Expressionsnachweis dieser Oberflächenmarker erfolgt mittels Immunfluoreszenz im Durchflußzytometer (FACS) .
Um den Einfluß der Listeria-Infektion auf den Phänotyp humaner DZ zu bestimmen, wurde wie folgt vorgegangen: Nach einem Standardprotokoll (Thurner et al . (1999), J. Immunol. Methods 223, S. 1-15) wurden aus den Zellen des peripheren Blutes in- vitro unreife DZ generiert, die mit L. monocytogenes EGD
Wildtypstamm-Bakterien in einem Verhältnis von 1 (DZ) : 5
(Bakterien) infiziert wurden (d.h. 1 x 105 DZ wurden mit 5 x
105 Bakterien inkubiert) . Um die Infektionseffizienz zu erhöhen, wurde für 5 Minuten bei 1200 rpm zentrifugiert . Nach einer Stunde Inkubation wurde 10 μg/ml Genta ycin zu den
Kulturen addiert, um die extrazellulären Bakterien abzutöten. Die Ansätze wurden dann für weitere 20 Stunden inkubiert. Als Kontrollen wurden Parallelkulturen verwendet, die uninfiziert gelassen wurden. Danach wurden die DZ geerntet und gewaschen. Die Zellen wurden indirekt oder indirekt mit den folgenden monoklonalen Antikörpern inkubiert: FITC-konjugiertes anti- HLA-DR (Becton Dickinson, Heidelberg) , anti-CD54 und PE- konjugiertes anti-CD83 (Coulter-Immunotech, Hamburg) , PE- konjugiertes anti-CD80 (Pharmingen, Hamburg), FITC- konjugiertes anti-CD40 und FITC-konjugiertes anti-CD86 (Cymbus Biotechnology, Dianova, Hamburg) . FITC-konjugiertes anti-Maus- IgG (Dianova, Hamburg) wurde als sekundäres Reagenz für den anti-CD54-Nachweis verwendet. Maus-IgG wurde als Isotyp- Kontrolle verwendet. Die Analyse der Expression der Oberflächenmarker auf den dendritischen Zellen wurde mittels Cytofluorometrie (FACScan, Fa. Becton Dickinson) durchgeführt. Das Ergebnis ist in Fig. 5 gezeigt. Diese Figur zeigt, daß es durch die Infektion zu einer verstärkten Expression spezifischer costimulatorischer Moleküle kommt. Desweiteren kommt es durch die Infektion zu einer Ausreifung der DZ, sichtbar anhand der CD83-Expression. Diese Daten zeigen, daß die Infektion der DZ mit bakteriellen Vakzinvektoren einen positiven Effekt auf den Phänotyp der Antigen-präsentierenden Zellen hat.