Plasmaätzanlage
Die Erfindung betrifft eine Plasmaätzanlage zum insbesondere anisotropen Ätzen eines Substrates durch Einwirken eines Plasmas nach der Gattung des Hauptanspruchs .
Stand der Technik
Aus DE 42 41 045 Cl ist ein Siliziumhochratenätzprozess bekannt, bei dem Silizium mittels induktiver Plasmaanregung geätzt wird. Dabei ist es zum Erreichen möglichst hoher Ätzraten erforderlich, in dem erzeugten Plasma eine möglichst hohe Fluorradikalenkonzentration bereitzustellen. Dies geschieht üblicherweise durch Einstrahlung entsprechend hoher Hochfrequenzleistungen in die induktive Plasmaquelle mit ty- pischen Leistungswerten von 3 bis 6 kW unter gleichzeitig erhöhtem Prozessdruck von 30 bis 100 μbar beziehungsweise, wenn die erforderliche üniformität des erzeugten Plasmas dies zulässt, bis zu 250 μbar. Bei derartigen Prozessen treten jedoch neben einer gewünschten Steigerung der Fluorradi- kalendichte auch unerwünscht große Dichten an Ionen auf, die den eigentlichen Ätzprozess stören, und die für eine ausreichend hohe Maskenselektivität schädlich sind. Gleichzeitig heizen diese Ionen den zu ätzenden Wafer auch unerwünscht auf und führen zu Profilabweichungen. Im Allgemeinen muss daher durch eine geeignete Vorrichtung in der Plasmaätzanla-
ge nachträglich wieder dafür gesorgt werden, dass die Dichte der erzeugten Ionen auf zulässig niedrige Werte reduziert und vor allem homogenisiert wird. Dazu ist bereits vorgeschlagen worden, eine Rekombination von Ionen und Elektronen mittels sogenannter Diffusionsstrecken oder an Aperturkonstruktionen, beispielsweise nach Art der DE 197 34 278 AI, zu ermöglichen. Dabei geht der Anteil der in das Plasma eingekoppelten Hochfrequenzleistung, der zur Erzeugung unerwünscht hoher Ionendichte verwendet wurde, in Form von Wärme oder Strahlung verloren.
Obwohl die bekannten Vorrichtungen zur Reduzierung der Ionendichte vielfach sehr erfolgreich sind, treten in der Praxis, insbesondere im Randbereich des zu ätzenden Substrates, immer noch Profilabweichungen, Profilasymmetrien, Ätzratenüberhöhungen oder regelmäßige oder unregelmäßige Profilhin- terschneidungen auf, die auch unter dem Begriff „Beaking"- Effekt bekannt sind, und die für viele Applikationen nicht tolerierbar sind.
Problematisch bei den bekannten Vorrichtungen zur Reduzierung der Ionendichte ist insbesondere, dass eine um ein bis zwei Größenordnungen überhöhte Ionendichte auf das gewünschte Maß über der gesamten Oberfläche des zu ätzenden Substra- tes von beispielsweise 150 oder 200 mm Durchmesser völlig homogen vorgenommen werden muss, ohne dabei Verzerrungen des Plasmapotentials an der Oberfläche des zu ätzenden Substrates zu bewirken. Durch derartige Verzerrungen des Plasmapotentials lokal überhöhte Ionendichten und/oder lokal über- höhte Ionenenergien führen dort dann zu den vorstehend erläuterten schädlichen Effekten.
In dem Patent DE 199 00 179 Cl wurde weiter bereits eine Plasmaätzanlage zum Hochratenätzen von Silizium mittels in- duktiver Plasmaanregung vorgeschlagen, bei der die Pias-
maquelle mit einer balancierten Speisung der induktiven Erregerspule versehen ist. Eine derartige Plasmaätzanlage mit einem symmetrisch aufgebauten Anpassnetzwerk zur Anpassung der Impedanz der eingekoppelten Hochfrequenzleistung an die Impedanz des erzeugten Plasmas und die gleichzeitig balancierte Speisung der induktiven Erregerspule führt zu einer minimalen Einkopplung unerwünschter Verschiebeströme in das erzeugte Plasma und damit zu minimalen Verzerrungen des Plasmas. Eine derartige symmetrische Spulenspeisung ist vor allem bei hohen Leistungswerten von mehr als 3 kW vorteilhaft.
Vorteile der Erfindung
Die erfindungsgemäße Plasmaätzanlage hat gegenüber dem Stand der Technik den Vorteil, dass im oberen Teil der Reaktorkammer, die als zweite Plasmaerzeugungsvorrichtung dient, im Falle eines Prozesses nach Art der DE 42 41 045 Cl ein hochdichtes Plasma mit einer hohen Dichte von Ätz- und Passi- vierspezies generiert werden kann, wobei übermäßig hohe Ionendichten und unerwünschte Plasmapotentialstörungen und Inhomogenitäten in dem zunächst erzeugten zweiten Plasma dadurch beseitigt werden, dass diese Ionen beim Durchtritt durch die erste GasZuführung, die insbesondere gleichzeitig als Entladevorrichtung dient, zumindest weitgehend mit Elektronen rekombinieren, so dass die Ionendichte des zugeführten Reaktivgases in die nachgeschaltete erste Plasmaerzeugungsvorrichtung praktisch null bzw. vernachlässsigbar ist. Gleichzeitig werden somit auch Dichteinhomogenitäten und Po- tentialinhomogenitäten ausgelöscht.
Weiterhin ist vorteilhaft, dass mit der erfindungsgemäßen Plasmaätzanlage die für den eigentlichen Ätzprozess tatsächlich benötigte Ionendichte dann in einer ersten Plasmaerzeu-
gungsvorrichtung, in der sich auch das zu ätzende Substrat befindet, wieder definiert neu generiert wird.
Diese erste Plasmaerzeugungsvorrichtung wird dazu bevorzugt mit einer deutlich kleineren Leistung betrieben als die zweite Plasmaerzeugungsvorrichtung, so dass dank dieser niedrigeren Leistung die Ionengeneration in dieser ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung homogen und frei von Störungen oder Plasmapotentialverwerfungen erfolgt. Insgesamt wird so- mit durch die erfindungsgemäße Plasmaätzanlage erreicht, dass zunächst die in der zweiten Plasmaerzeugungsvorrichtung auftretende Ionendichte zunächst auf null gesetzt wird, und dass diese dann, mittels der ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung und ausgehend von null, homogen und aktiv wieder auf den gewünschten Wert für den eigentlichen Ätzprozess aufgebaut wird.
Darüber hinaus ist vorteilhaft, dass die erfindungsgemäße Plasmaätzanlage ohne großen Aufwand durch Umbau bzw. Ξrgän- zung vorhandener, insbesondere induktiv gekoppelter Plasmaätzanlagen realisierbar ist, ohne dass hohe Investitionskosten anfallen.
Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den in den Unteransprüchen genannten Maßnahmen.
So ist besonders vorteilhaft, wenn sowohl die erste Plasmaerzeugungsvorrichtung als auch die zweite Plasmaerzeugungsvorrichtung eine induktiv gekoppelte Plasmaerzeugungsvor- richtung ist, die jeweils mit einer ICP-Spule als Plasmaquelle versehen sind.
Weiter ist vorteilhaft, wenn die erste Plasmaerzeugungsvorrichtung und die zweite Plasmaerzeugungsvorrichtung über ei- ne gasdurchlässige, insbesondere geerdete Entladungsvorrich-
tung miteinander verbunden sind, die einerseits die Entladung von aus dem zweiten Plasma stammenden Ionen und/oder Elektroden bewirkt, und die andererseits gleichzeitig als erste Gaszufuhr zu der ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung dient. Dazu ist diese Entladevorrichtung beziehungsweise
Gaszufuhr bevorzugt als Ionenfilter in Form einer metallischen Lochplatte, eines dünngewebten metallischen Netzes, einer metallischen oder keramischen Lochplatte, eines Gaszuführungsringes, der die erste Plasmaerzeugungsvorrichtung mit der zweiten Plasmaerzeugungsvorrichtung verbindet, oder einer sogenannten „Showerhead"-Konstruktion, d.h. in Form eines „Duschkopfes" ausgeführt, die innerhalb des Reaktorkessels bevorzugt auf etwa halber Höhe platziert ist, und diesen somit in zwei, etwa gleich große Räume teilt, die der ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung beziehungsweise der zweiten Plasmaerzeugungsvorrichtung zugeordnet sind. Im Übrigen kann die Entladevorrichtung neben einem Metall oder einer Keramik auch aus einem anderen dielektrischen Material ausgeführt sein.
Besonders vorteilhaft ist in diesem Zusammenhang, wenn die Entladevorrichtung als metallisches Netz ausgeführt ist, das die wirksame Gasdurchtrittsfläche für ein Gas aus der zweiten Plasmaerzeugungsvorrichtung in die erste Plasmaerzeu- gungsvorrichtung auf 0,01% bis 80% der ohne die Entladungsvorrichtung in der Reaktorkammer vorliegenden Durchtrittsfläche zwischen den Plasmaerzeugungsvorrichtungen reduziert.
Weiter kann die Entladevorrichtung bzw. die erste Gaszufüh- rung vorteilhaft auch dazu genutzt werden, in der zweiten, der ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung vorgeschalteten Plasmaerzeugungsvorrichtung einen höheren Prozessdruck einzustellen als in der nachfolgenden ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung. Diese Prozessdruckdifferenz ist dabei in einfacher Weise über die wirksame Gasdurchtrittsfläche der Entladevor-
richtung bzw. der ersten GasZuführung und damit deren Strömungswiderstand einstellbar. Durch den höheren Prozessdruck in der zweiten Plasmaerzeugungsvorrichtung werden dort zunächst mehr Radikale aus dem dort zugeführten zweiten Reaktivgas erzeugt, als dies bei einem niedrigeren Druck der Fall ist, da es über den Parameter Prozessdruck zu einer Verschiebung des Gleichgewichtes in der Bildung von Radikalen und Ionen aus dem Reaktivgas zu Gunsten der Radikalenbildung kommt.
Mit dieser Druckerhöhung ist weiter in der zweiten Plasmaerzeugungsvorrichtung zwar unvermeidlich eine erheblich inhomogenere Ionenverteilung in dem erzeugten zweiten Plasma verbunden, dies ist jedoch nicht störend, da durch die nach- folgende Entladevorrichtung ohnehin zumindest nahezu alle Ionen ausgelöscht bzw. rekombiniert werden. Gleichzeitig herrscht nun in der nachgeschalteten ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung ein relativ niedriger Prozessdruck, was den zusätzlichen Vorteil hat, dass dort Ionen mit besonders uni- former Ionenverteilung generiert werden, und die Wechselwirkung zwischen dem dort erzeugten ersten Plasma und dem zu ätzenden Substrat über der gesamten Oberfläche des Substrates zu besonders homogenen Ätzergebnissen führt.
Weiter führt der niedrigere Prozessdruck in der ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung dort zwar zu einer gegenüber der Radikalenbildung verstärkten lonenbildung, dies ist jedoch ebenfalls nicht nachteilig oder störend, da die gewünschten Radikale für den Atzprozess in wesentlich größerem Ausmaß in der vorgeschalteten, mit erhöhtem Prozessdruck und erhöhter Leistung betriebenen zweiten Plasmaerzeugungsvorrichtung aus dem zweiten Reaktivgas generiert werden.
Insgesamt kann daher durch die mittels der Entladevorrich- tung bzw. der ersten Gaszuführung definiert einstellbare
Prozessdruckdifferenz in jeder der beiden Plasmaerzeugungsvorrichtungen die Plasmaerzeugung jeweils unter optimalen Druckbedingungen hinsichtlich Ionen- und Radikalenbildung erfolgen. Zudem bleibt durch die Druckerniedrigung von der zweiten zu der ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung die Mas- senstromdichte (p v) für die erzeugten Radikale, d.h. die für die erreichten Ätzraten maßgebliche Prozessgröße, unverändert .
Zusammenfassend wird durch die vorgesehene Entladevorrichtung zwischen dem ersten Plasmaerzeugungsbereich und dem zweiten Plasmaerzeugungsbereich zunächst eine zumindest weitgehende Rekombination von Ionen und Elektronen durch eine Plasmawandwechselwirkung beim Durchtritt des ionisierten und mit Radikalen durchsetzten, aus der zweiten Plasmaerzeugungsvorrichtung kommenden Reaktivgases bewerkstelligt. Das derart entladene Reaktivgas wird dann der ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung als erstes Reaktivgas zugeführt, und dort erneut ionisiert. Somit wird erreicht, dass unmittelbar unter der Entladevorrichtung nur noch Radikale in dem ersten Reaktivgas enthalten sind und keine Ionen mehr, so dass auch Inhomogenitäten der ursprünglich erzeugten lonendichtever- teilung dort aufgehoben sind. Daneben ist damit aber auch eine definierte Druckdifferenz bzw. ein Druckgefälle zwi- sehen den beiden Plasmaerzeugungsvorrichtungen einstellbar.
Weiter stellt die Entladevorrichtung, sofern sie aus Metall hergestellt ist, vorteilhaft auch eine Referenzerde für das erste Plasma in der ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung dar, so dass damit ein definiertes Referenzpotential für die dort ablaufenden elektrischen Prozesse gegeben ist. Zudem sind in diesem Fall am Ort der Entladevorrichtung auch aus dem ursprünglich erzeugten zweiten Plasma herrührende Plasmapotentialinhomogenitäten ausgelöscht und ganzflächig durch ein definiertes Erdpotential ersetzt.
Ein weiterer Vorteil der metallischen Entladevorrichtung ist, dass damit die hochfrequenten Wechselfelder der zweiten ICP-Spule in der zweiten Plasmaerzeugungsvorrichtung von der ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung abgeschirmt werden können, und diese somit nicht in den unteren Teil der Reaktorkammer vordringen. Damit ist sichergestellt, dass die an der zweiten IPC-Spule aufgrund der dort anliegenden hohen Leistungen bestehende Tendenz zur Ausbildung von Inhomogenitä- ten und Plasmastöreffekten nicht in den unteren Teil der Reaktorkammer, das heißt den ersten Plasmaerzeugungsbereich, durchgreifen kann, der somit möglichst frei von Störungen betrieben wird.
Die erste IPC-Spule in dem ersten Plasmaerzeugungsbereich hat somit insgesamt nur noch die Aufgabe, in diesem unteren Teil der Reaktorkammer die für den durchgeführten anisotropen Atzprozess tatsächlich erforderliche Konzentration von Ionen wieder aufzubauen, wofür insbesondere unter einem für die Ionenerzeugung günstigen Prozessdruck eine geringe Leistung ausreicht. Auf diese Weise wird es mit der erfindungsgemäßen Plasmaätzanlage nunmehr sehr vorteilhaft möglich, in der zweiten Plasmaerzeugungsvorrichtung mit hohen Hochfrequenzleistungen von typischerweise 3 kW bis 6 kW und einem gegenüber der nachgeschalteten ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung signifikant erhöhten Prozessdruck Reaktivgasspezies in Form von Radikalen zu erzeugen, die dann dem ersten Plasmaerzeugungsbereich zugeführt werden, wo mit Hilfe einer ersten IPC-Spule ein erstes Plasma unterhalten wird, das im Wesentlichen nur noch dazu dient, eine beispielsweise für den Atzprozess nach Art der DE 42 41 045 Cl benötigte Ionendichte sicherzustellen, wozu Leistungen von 400 W bis 1000 W völlig ausreichen. Besonders vorteilhaft ist in diesem Zusammenhang, wenn die Druckdifferenz zwischen den beiden
Plasmaerzeugungsvorrichtungen zwischen 10 μbar und 250 μbar, insbesondere 30 μbar bis 70 μbar, liegt.
Im Übrigen sei erwähnt, dass es zur Vermeidung von Ablage- rungen auf der ersten Gaszuführung beziehungsweise Entladevorrichtung vorteilhaft ist, wenn diese beheizbar ist.
Zur Einkoppelung von Hochfrequenzleistung in die erste ICP- Spule beziehungsweise in die zweite ICP-Spule stehen vor- teilhaft zwei Ausführungsformen zur Wahl.
Einerseits kann vorgesehen sein, dass jede dieser beiden ICP-Spulen ein separates Hochfrequenzbauteil mit einem eigenen Hochfrequenzgenerator und einem zugehörigen Anpassnetz- werk zur Impedanzanpassung der jeweiligen Plasmaerzeugungsvorrichtung an die Impedanz des betreffenden Plasmas aufweist. In diesem Fall eignet sich für das zweite Plasma vor allem ein Hochfrequenzgenerator mit einem großen Leistungsbereich von beispielsweise 6 kW, während für das erste Plas- ma ein kleinerer Hochfrequenzgenerator mit einem Leistungsbereich von beispielsweise 1000 W ausreichend ist. Um Inten- sitätsschwebungen in den erzeugten Plasmen zu vermeiden, werden diese beiden Hochfrequenzgeneratoren dann weiter bevorzugt phasensynchronisiert bei einer gemeinsamen Frequenz, beispielsweise 13,56 MHz, betrieben, oder es werden alternativ zwei separate Hochfrequenzgeneratoren mit zwei unterschiedlichen Frequenzen von beispielsweise 13,56 MHz für die zweite ICP-Spule und 12,56 MHz, 2 MHz oder 380 kHz für die erste ICP-Spule eingesetzt.
Da der Betrieb zweier separater Hochfrequenzgeneratoren mit zwei zugeordneten Anpassnetzwerken an ein und derselben Plasmaätzanlage einen nicht unerheblichen Kostenfaktor darstellt, sieht eine weitere alternative, besonders vorteil- hafte Ausgestaltung der Erfindung vor, die erste Plasmaer-
zeugungsvorrichtung und die zweite Plasmaerzeugungsvorrichtung mit einem gemeinsamen Hochfrequenzbauteil mit einem gemeinsamen Hochfrequenzgenerator und einem gemeinsamen Anpassnetzwerk zu betreiben. Dabei nutzt man vorteilhaft die bereits aus DE 199 00 179 Cl bekannte Speisung einer ICP- Spule in einer Plasmaätzanlage mit Hilfe eines symmetrisch aufgebauten Anpassnetzwerkes und einer symmetrisch aufgebauten Spulenspeisung aus, die jedoch aufgrund der nunmehr vorhandenen zwei ICP-Spulen dahingehend modifiziert werden muss, dass an zwei symmetrisch zu einem Mittelabgriff der zweiten ICP-Spule angeordneten Abgriffen die erste ICP-Spule mit einem Teil der zweiten ICP-Spule parallel geschaltet wird.
Auf diese Weise wird vorteilhaft erreicht, dass die erste ICP-Spule im elektrischen Sinne als Shunt an der zweiten ICP-Spule wirkt, das heißt, sie trägt einen mehr oder weniger großen Anteil des gesamten Spulenstromes. Insbesondere ist es nunmehr durch definierte Wahl oder Verschiebung der Lage der beiden symmetrischen Abgriffe an der zweiten ICP- Spule in einfacher Weise möglich, den Anteil des Spulenstromes, der durch die erste ICP-Spule fließt, und damit die Aufteilung der Spulenströme und der damit einhergehenden, in das erste beziehungsweise zweite Plasma eingekoppelten Hoch- frequenzleistungen, zu bestimmen.
Insgesamt wird, ausgehend von einer Plasmaätzanlage gemäß DE 199 00 179 Cl, diese derart modifiziert, dass nunmehr zwei ICP-Spulen vorgesehen sind, von denen eine einem Teil der anderen parallel geschaltet ist, so dass die Anordnung der beiden Spulen als Serien-Parallel-Schaltung von Induktivitäten aufzufassen ist, die wiederum eine Gesamtinduktivität L bilden. Diese Verschaltung der ICP-Spulen ermöglicht dann weiter vorteilhaft auch eine Impedanzanpassung durch ein einziges Anpassnetzwerk, wobei die hohe einkoppelte Hochfre-
quenzleistung in die zweite ICP-Spule an das hochdichte zweite Plasma im oberen Teil der Reaktorkammer angepasst wird, und die untere, mit nur geringer Hochfrequenzleistung betriebene erste ICP-Spule lediglich mitläuft. Insbesondere ist diese erste ICP-Spule dabei dann ebenfalls hinsichtlich ihrer Impedanz gut an das Plasma angepasst, da sie als Teil einer LC-Gesamtanordnung insgesamt resonant abgestimmt ist.
Zusammenfassend hat die erste Plasmaerzeugungsvorrichtung auch in dieser Verschaltung der ICP-Spulen im Wesentlichen nur noch die Aufgabe, eine kontrollierte Ionisation des Reaktivgases aus der zweiten Plasmaerzeugungsvorrichtung bestehend aus neutralen Radikalen und noch unverbrauchten Prozessgasen beziehungsweise Reaktivgasen zu bewirken, wozu ein nur geringer Teil der insgesamt der zweiten ICP-Spule zugeführten Hochfrequenzleistung ausreichend ist. Da aufgrund der in der erläuterten Weise modifizierten, aus DE 199 00 179 Cl bekannten Spulenspeisung nunmehr auch die zweite ICP- Spule symmetrisch betrieben wird, erfolgt weiter dann auch die Ionisation des Reaktivgases in der ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung besonders homogen und frei von Störungen, d.h. insbesondere frei von einer kapazitiven Einkopplung von Verschiebeströmen .
Im Übrigen sei noch betont, dass zur weiteren Homogenisierung der Plasmaintensität und zur weiteren Verringerung von Profilabweichungen beziehungsweise Ätzratenüberhöhungen in der ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung zusätzlich eine sogenannte Apertur vorgesehen sein kann, wie sie beispielsweise aus DE 197 34 278 AI bekannt ist. Darüber hinaus kann es für gewisse Anwendungen auch vorteilhaft sein, wenn die Plasmaerzeugung in der ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung und/oder in der zweiten Plasmaerzeugungsvorrichtung zusätzlich mit Hilfe eines Magnetfeldes unterstützt wird.
Zeichnungen
Die Erfindung wird anhand der Zeichnung und in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert. Die Figur 1 zeigt eine Prinzipskizze einer erfindungsgemäßen Plasmaätzanlage im Schnitt. Die Figur 2 zeigt ein gemeinsames Anpassnetzwerk zur Speisung der beiden ICP-Spulen 14, 15 in der Plasmaätzanlage gemäß Figur 1.
Ausführungsbeispiele
Die Erfindung geht zunächst aus von einer Plasmaätzanlage, die prinzipiell aus DE 199 00 197 Cl bekannt ist, und die wie nachstehend erläutert modifiziert wird.
Mit dieser modifizierten Plasmaätzanlage wird dann weiter ein anisotroper Plasmaätzprozess für Silizium betrieben, wie er in DE 42 41 045 Cl ausführlich beschrieben ist.
Im einzelnen weist die Plasmaätzanlage 5 gemäß Figur 1 eine Reaktorkammer 13 auf, die mittels einer Entladevorrichtung 19 in etwa gleich große zwei Bereiche unterteilt ist, die einer ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung 21 im unteren Teil der Reaktorkammer 13 und einer zweiten Plas aerzeugungsvor- richtung 20 im oberen Teil der Reaktorkammer 13 zugeordnet sind. Die Reaktorkammer 13 weist weiter eine zweite Gaszuführung 16 zu einem zweiten Plasmaerzeugungsbereich 17 und eine erste Gaszuführung 19 zu einem ersten Plasmaerzeugungsbereich 18 auf.
Die erste Gaszuführung 19 ist dabei in Form eines metallischen Netzes ausgebildet, das die Gasdurchtrittsfläche zwischen der ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung 21 und der zweiten Plasmaerzeugungsvorrichtung 20 auf ca. 0,01% bis 80% der Querschnittsfläche der Reaktorkammer 13 an dieser Stelle
reduziert. Insbesondere dient die erste Gaszuführung 19 gleichzeitig auch als Entladevorrichtung 19 Λ und als Strömungswiderstand zur Einstellung einer Druckdifferenz Δp zwischen der ersten und der zweiten Plasmaerzeugungsvorrichtung 20, 21. Diese Druckdifferenz beträgt im erläuterten Beispiel 10 bis 100 μbar, insbesondere 50 μbar.
Weiter ist gemäß Figur 1 vorgesehen, dass die erste Plasmaerzeugungsvorrichtung 21 und die zweite Plasmaerzeugungsvor- richtung 20 jeweils eine zugeordnete erste ICP-Spule 14 beziehungsweise eine zugeordnete zweite ICP-Spule 15 aufweisen. Insofern handelt es sich im Falle beider Plasmaerzeugungsvorrichtungen 20, 21 um induktiv gekoppelte Plasmaerzeugungsvorrichtungen, bei denen mit Hilfe der beiden ICP- Spulen 14, 15 jeweils ein hochfrequentes elektromagnetisches Wechselfeld generiert wird, das in dem ersten Plasmaerzeugungsbereich 18 beziehungsweise in dem zweiten Plasmaerzeugungsbereich 17 jeweils durch Einwirken auf reaktive Teilchen aus einem zugeführten Reaktivgas ein Plasma zündet be- ziehungsweise betreibt.
Darüber hinaus zeigt Figur 1, dass innerhalb der ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung 21 eine Substratelektrode 10 mit einem darauf angeordneten zu ätzenden Substrat 11, bei- spielsweise einem Siliziumwafer, angeordnet ist. Die Substratelektrode 10 steht darüber hinaus über eine Zuleitung 12 mit einem nicht dargestellten, an sich bekannten Hochfrequenzgenerator in Verbindung, mit dem eine Substratelektrodenspannung in die Substratelektrode 10 einkoppelbar ist. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass in dem ersten Plasmaerzeugungsbereich 18 vorliegende beziehungsweise erzeugte Ionen in Richtung auf das Substrat 11 hin beschleunigt werden.
Mit der Plasmaätzanlage 5 wird nun der bereits aus DE 42 41 045 Cl bekannte anisotrope Atzprozess für Silizium durchgeführt, indem abwechselnd Ätzschritte und Passivierschritte ausgeführt werden, wobei während der Ätzschritte aus einem Fluor liefernden Gas, beispielsweise Schwefelhexafluorid, Fluorradikale, und während der Passivierschritte aus einem teflonartige Filme bildenden Gas, beispielsweise CF8, polymerisationsfähige Radikale, beispielsweise (CF2)nr gebildet werden. Weiter wird dieser Prozess üblicherweise mit einem Sauerstoffzusatz von 10% bis 20% des Flusses an Schwefelhexafluorid in den Ätzschritten betrieben, um schädliche Schwefelausscheidungen im Abgasbereich der Plasmaätzanlage 5 zu unterdrücken.
Um eine möglichst hohe Ätzrate in Silizium und möglichst hohe Dichten an Fluorradikalen während der Ätzschritte als auch möglichst hohe Dichten von teflonartige Filme bildenden Radikalen während der Passivierschritte zu erzeugen, wird weiter über die zweite Plasmaerzeugungsvorrichtung 20 bezie- hungsweise die zweite ICP-Spule 15 eine möglichst hohe Plasmaleistung von 3 kW bis 7 kW unter erhöhten Prozessdruck von 30 μbar bis 250 μbar, vorzugsweise 40 μbar bis 100 μbar, in das dort erzeugte Plasma eingekoppelt.
Die erste ICP-Spule 14 beziehungsweise die erste Plasmaerzeugungsvorrichtung 21 wird dann mit einer wesentlich geringeren eingekoppelten Hochfrequenzleistung von beispielsweise 400 W bis 1000 W und einem um Δp niedrigeren Prozessdruck betrieben als die zweite ICP-Spule 15. Insbesondere beträgt der Prozessdruck in der ersten Plasmaerzeugungsvorrichtung 5 μbar bis 30 μbar, vorzugsweise 10 μbar.
Schließlich ist im Fall der Plasmaätzanlage 5 gemäß Figur 1 vorgesehen, dass sowohl die erste ICP-Spule 14 als auch die zweite ICP-Spule 15 über entsprechende Anschlussleitungen
mit einem nicht dargestellten gemeinsamen Hochfrequenzbauteil mit einem gemeinsamen Hochfrequenzgenerator und einem gemeinsamen Anpassnetzwerk 25 verbunden sind. Dies wird mit Hilfe der Figur 2 näher erläutert.
Die Figur 2 zeigt eine Prinzipskizze eines gemeinsamen Anpassnetzwerkes 25, wobei zusätzlich die erste ICP-Spule 14 und die zweite ICP-Spule 15 gemäß Figur 1 in Draufsicht dargestellt ist. Insbesondere sei betont, dass die Reaktorkam- mer 13 gemäß Figur 1 zylindrisch ausgebildet ist, wobei die erste ICP-Spule 14 und die zweite ICP-Spule 15 diese Reaktorkammer 13 bereichsweise umgeben.
Im Einzelnen weist das gemeinsame Anpassnetzwerk 25 zunächst einen ersten Speisepunkt 33 auf, an dem über eine asymmetrische Koaxialleitung mit einer Impedanz von 50 Ω aus dem nicht dargestellten gemeinsamen Hochfrequenzgenerator in an sich bekannter Weise eine Hochfrequenzleistung von 3 kW bis 7 kW mit einer Frequenz von 13,56 MHz in das gemeinsame An- passnetzwerk 25 einkoppelbar ist. Weiter ist vorgesehen, dass dieser erste Speisepunkt 33 über eine Verzögerungsleitung 35 mit einem zweiten Speisepunkt 34 verbunden ist. Durch die Verzögerungsleitung 35 wird in aus DE 199 00 179 Cl bekannter Weise eine Phasenverschiebung von λ/2 der am ersten Speisepunkt 33 eingekoppelten Hochfrequenzleistung gegenüber dem zweiten Speisepunkt 34 gewährleistet.
Insgesamt liegt somit an den beiden Speisepunkten 33, 34 jeweils eine hochfrequente Wechselspannung gleicher Frequenz und betragsmäßig zumindest nahezu gleicher Amplitude an, die gegeneinander um 180° phasenverschoben sind. Die Impedanz zwischen den Speisepunkten 33,34 beträgt 200 Ω.
Weiter ist gemäß Figur 2 vorgesehen, dass das gemeinsame An- passnetzwerk 25 insgesamt 4 Kondensatoren Ci, C2, C3 und C4
aufweist, mit denen eine Anpassung der Impedanz von 200 Ω zwischen den Speisepunkten 33,34 an die Impedanz des Plasmas in dem ersten Plasmaerzeugungsbereich 18 beziehungsweise in dem zweiten Plasmaerzeugungsbereich 17 gewährleistet werden kann. Aufgrund der hohen, in den zweiten Plasmaerzeugungsbereich 17 eingekoppelten Hochfrequenzleistung ist diese Impedanzanpassung insbesondere für den zweiten Plasmaerzeugungsbereich 17 wichtig.
Weiter wird dann gemäß Figur 2 die eingekoppelte Hochfrequenzleistung an einem ersten Spulenende 36 und einem zweiten Spulenende 37 in die zweite ICP-Spule 15 eingekoppelt, die bevorzugt mit einem Mittelabgriff 32 versehen und darüber geerdet ist. Daneben ist vorgesehen, dass die zweite ICP-Spule 15 einen ersten Abgriff 30 und einen zweiten Abgriff 31 aufweist, die symmetrisch bezüglich des Mittelabgriffes 32 angeordnet sind. Über diesen ersten Abgriff 30 beziehungsweise den zweiten Abgriff 31 steht die zweite ICP- Spule 15 mit der ersten ICP-Spule 14 in Verbindung, die so- mit parallel zu dem zwischen den beiden Abgriffen 30, 31 befindlichen Teil der zweiten ICP-Spule 15 geschaltet ist.
Hinsichtlich weiterer Details zu der Funktion und der Ausgestaltung der einzelnen Komponenten des gemeinsamen Anpass- netzwerkes 25 sei auf DE 199 00 179 Cl verwiesen, wo diese Schaltung ausführlich beschrieben ist.
Insbesondere sei betont, dass gemäß Figur 2 die erste ICP- Spule 14 im Nebenschluss zu einem Teil der zweiten ICP-Spule 15 betrieben wird, wobei gleichzeitig eine symmetrische und balancierte Speisung für beide Spulen 14, 15 gewährleistet ist, die zudem einfach zu regeln ist.