Beschreibung
VORRICHTUNG ZUR BEHANDLUNG VON IMMUNERKRANKUNGEN
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Behandlung von Immunerkrankungen sowie die Verwendung von Substanzen, an die Autoantikörper binden, wie z.B. von Antige- nen, zur Herstellung eines Mittels zur Behandlung von Immunerkrankungen sowie einen Kit, der solche Mittel enthält.
Das Immunsystem hat zur Aufgabe, Angriffe auf den Organismus abzuwehren und eingedrungene Fremdkörper zu bekämpfen. Dabei muss es nicht nur zwischen gefährlichen und ungefährlichen Fremdkörpern unterscheiden, sondern auch körpereigene Substanzen erkennen können. Gefährliche Angriffe auf den Organismus sind beispielsweise das Eindringen von Mikroorganismen, wogegen das Eindringen von Nahrungsmittel-Antigenen in die Blutbahn bei der Nahrungsaufnahme oder auch das Einatmen von Blütenpollen ungefährlich ist. Bei der Abwehr ist das Zerstören von fremdem Zellmaterial z.B. bei einem parasitären Befall ebenso erwünscht, wie das Zerstören von körpereigenen malignen Zellen, wogegen der Angriff auf gesundes körpereigenes Gewebe wie etwa bei den Autoimmunerkrankungen allerdings unerwünscht ist. Dies bedeutet, dass das Immunsystem über Regulationsprozesse verfügt, durch die eine zerstörerische Selbstreaktivität vermieden wird. Diese Fähigkeit wird als "Toleranz" bezeichnet, geht diese Toleranz verloren, entstehen Immunerkrankungen.
Immunerkrankungen auf der Basis einer unerwünschten Immunreaktion bzw. -antwort spielen eine immer häufigere Rolle. So ist es beispielsweise bekannt, dass die Häufigkeit von Immunreaktionen zunimmt, die gegen harmlose Fremdkörper wie Gräserpollen und Tierhaare, aber auch gegen Nahrungsbestandteile gerichtet sind und zu einer Sensibilisierung und damit zu einer Allergisierung eines Organismus führen, die bei ausreichender Exposition zu ernstzunehmenden Erkrankungen führen. Eine weite-
re unerwünschte Immunerkrankung ist die Abstoßungsreaktion vom Host-versus- Graft-Typ bzw. bei Organtransplantaten, die vom körpereigenen Immunsystem als fremd erkannt und dementsprechend analog einem Bakterium angegriffen und vernichtet werden.
Eine weitere wichtige unerwünschte Fehlleistung des Immunsystems sind die sogenannten Autoimmunerkrankungen. Dabei werden körpereigenes Gewebe bzw. körpereigene Zellsubstanzen oder Zellen fälschlicherweise als fremd angesehen und dementsprechend bekämpft. Die Entstehung solcher Autoimmunerkrankungen ist vielfältig. Sie können beispielsweise dadurch ausgelöst werden, dass durch Verletzungen intrazelluläre Substanzen in die Blutbahn gelangen. Da diese Substanzen vorher versteckt oder in einer Zelle eingeschlossen waren, konnten deren Antigene bzw. Epitope vom Immunsystem nicht kennengelernt und auch nicht als körpereigen erkannt werden. Sie werden daher als körperfremd angesehen. Aus diesem Grunde sind sie in der Lage, eine Immunantwort auszulösen. Ein Beispiel für eine solche Autoimmunerkrankung ist die sympathische Ophthalmie, bei der durch ein traumatisches Ereignis eine körpereigene Substanz bzw. ein Antigen freigesetzt wird, welches normalerweise im Auge eingeschlossen ist.
Eine weitere Ursache für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen besteht beispielsweise darin, dass vom Immunsystem als körpereigen erkannte Antigene, sogenannte "eigen"-Antigene durch chemische, physikalische oder biologische Einwirkung verändert werden und damit nicht mehr als "eigen", sondern als "fremd" angesehen werden, Auf diese Weise werden sie immunogen und können einen Immunangriff auf den eigenen Körper auslösen. So ist es bekannt, dass manche Chemikalien an körpereigene Proteine binden und diese dadurch immunogen machen, wie dies beispielsweise bei der Kontaktdermatitis zu beobachten ist. Bei der sogenannten Sonnenallergie werden durch ultraviolettes Licht Hautproteine so verändert, dass sie vom Immunsystem nicht mehr als eigen erkannt werden und eine Immunantwort auslösen, so dass der Patient allergisch wird.
Schließlich besteht auch noch die Möglichkeit, dass Fremdantigene, beispielsweise von Bakterien und Viren eine Immunreaktion auslösen, bei der Antikörper entstehen, die zufälligerweise mit normalen körpereigenen Antigenen kreuzreagieren. So ist es
beispielsweise bekannt, dass zwischen dem Streptococcen-M-Protein und Herzmuskelproteinen Kreuzreaktionen auftreten können. Ein weiteres Beispiel hierfür ist die in seltenen Fällen durch eine Tollwutimpfung ausgelöste Enzephalitis, bei der die autoimmune Kreuzreaktion durch nicht reinen, mit tierischem Hirngewebe verunreinigtem Impfstoff ausgelöst wird. Schließlich können Autoantikörper auch das Ergebnis einer durch Mutation veränderten Antikörperbildung von immunkompetenten Zellen sein. Die Entstehung von Autoimmunerkrankungen sowie das Versagen der körpereigenen Immuntoleranz ist noch nicht vollständig verstanden zumal auch genetische Faktoren bei Autoimmunerkrankungen eine Rolle spielen.
Es ist bereits eine Vielzahl von Versuchen unternommen worden, derartige durch das Immunsystem ausgelöste Überempfindlichkeitsreaktionen zu behandeln. So wird beispielsweise zur Behandlung von Allergien versucht, die Histaminfreisetzung von Mastzellen zu verhindern.
Zur Verhinderung der Abstoßungsreaktionen von Organ- und Gewebetransplantaten werden üblicherweise immunsuppressive Substanzen eingesetzt, wie entzündungshemmende Glukokortikoide, z. B. Kortison, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), welche in den Prostaglandinstoffwechsel eingreifen, immunsuppressive Zytochine wie Interleukin 10, Antimetaboliten wie Metotrexat, Zytostatika wie Cyclophosphamid oder auch Hemmer von entzündungsstimulierenden Zytokinen wie Ciclosporin A, Myco- phenolat oder auch Leflunomid. Es ist auch bereits versucht worden zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen polyklonale Antikörper zu verabreichen, um die Aufnahme von unerwünschten Antigenen durch Antigen präsentierende Zellen (APC) sowie die Präsentation dieser Antigene an T-Zellen zu verhindern. Auch ist es möglich, mittels polyklonalen Antikörpern pathogene Auto-antikörper abzufangen.
Schließlich ist auch bereits versucht worden, die zellulären Immunreaktionen bei Autoimmunerkrankungen dadurch einzudämmen, dass man zur Hemmung der MHC- Erkennung Anti-MHC-Antikörper oder zur Hemmung der T-Zell-Aktivierung Anti-TCR- und Anti-CD4-Antikörper einsetzt. Dabei wird mit Peptiden geimpft, die spezifisch für die an der Krankheit beteiligten T-Zellklone sind. Diese verdrängen kompetitiv die pathogenen Peptide am MHC-Molekül und führen so im Tiermodell zu einer Reduktion der Krankheitsaktivität.
Schließlich ist auch schon versucht worden, zur Verringerung von Abstoßungsreaktionen das mehr oder weniger gesamte Immunglobulin unspezifisch zu entfernen, d.h. alle Arten von Immunglobulinen. Dies hat jedoch zum Nachteil, dass der so behandelte Patient über keinerlei Immunschutz mehr verfügt. Dies ist besonders riskant, da insbesondere bei Transplantationen und Autoimmunerkrankungen der Patient ohnehin immunsuppressive Substanzen erhält. Ein derart behandelter Patient ist praktisch jedem Angriff von infektiösen Mikroorganismen schutzlos ausgesetzt.
Es ist bereits versucht worden, die zuvor beschriebenen Nachteile mittels einem patientenspezifischen Immunabsorber zu überwinden. Dieser soll an Patienten eingesetzt werden, die an Erkrankungen leiden, welche durch eine Disregulation des Immunsystems bedingt sind. So beschreibt beispielsweise die WO-97/14964 eine Vorgehensweise, wonach mittels herkömmlicher Verfahren aus dem Patientenblut die darin zirkulierenden Immunkomplexe isoliert und diese durch an sich bekannte Methoden in ihre Antigen- und Antikörperkomponenten aufgetrennt werden. Die so erhaltenen Antigene und Antikörper werden dann einzeln oder als Gemisch kovalent an geeignete Träger gekoppelt und als Immunabsorber für genau diejenigen Patienten eingesetzt, von denen die Immunkomplexe isoliert wurden. Auf diese Weise sollen spezifisch wirkende Immunabsorber für Patienten hergestellt werden, die an Autoimmunerkrankungen leiden.
Es hat sich jedoch gezeigt, dass diese Vorgehensweise für eine Vielzahl von wichtigen lebensbedrohlichen Erkrankungen, wie z. B. dem Goodpasture-Syndrom, der Myasthenia gravis und/oder der Wegnerschen Granulomatose sowie einer Reihe von autoimmunen Asthma- und Herzerkrankungen oder auch der Zöliakie nicht funktioniert. Die WO97/14964 geht nämlich davon aus, dass mit den aus dem Blut isolierten Immunkomplexen auch das krankmachende bzw. krankheitsauslösende Agens erhalten wird. Es hat sich nun gezeigt, dass dies in der Regel nicht richtig ist, so dass in vielen Fällen eine Behandlung mit derart hergestellten Absorbern versagt.
Darüber hinaus ist die Herstellung solcher patientenspezifischer Immunabsorber äußerst zeitaufwendig. Bedenkt man, dass in vielen kritischen Fällen, wie beispielsweise der Wegnerschen Granulomatose und/oder dem Goodpasture-Syndrom die Patienten
häufig in 1 bis 2 Tagen versterben, ist dieses Verfahren nicht anwendbar. Darüber hinaus wird, wie bereits zuvor erwähnt, in einer Vielzahl der Fälle nicht die krankmachenden, d. h. die Autoimmunerkrankung auslösenden Antigene erhalten. Ebenfalls nicht erhalten werden zum Beispiel Antigene, die schwere Allergien wie z. B. die Zöliakie auslösen.
Darüber hinaus ist es auch mit den dort beschriebenen Verfahren nicht möglich, die Entstehung von Immunerkrankungen zu verhindern.
Die Erfindung hat daher zum Ziel, den Nachteil des Standes der Technik zu überwinden und ein Mittel sowie eine Vorrichtung bereitzustellen, mit dem unerwünschte Immunerkrankungen behandelt werden können ohne dabei das Immunsystem des Patienten vollständig zu unterdrücken. Das Mittel soll dabei schnell und kostengünstig herzustellen sein, einfach zu lagern und schnell gebrauchsfertig zu konfektionieren sein und darüber hinaus auch noch vor Ort schnell an die immunologischen Bedürfnisse des Patienten anpaßbar sein. Darüber hinaus soll die Erfindung eine Behandlung von besonders fatalen Immunerkrankungen wie Sprue, Zöliakie, das Goodpasture-Syndrom, Myasthenia gravis, Wegnersche Granulomatose, Asthma- und Herzerkrankungen, IgE-vermittelte Allergien, Pemphigus vulgaris, eine Autoimmunhepatitis, eine Rasmussen-Enzephalitis, Schnitzlersyndrom und/oder chronische Urtikaria ermöglichen. Die Erfindung hat auch zum Ziel, präventiv die Entstehung von Immunerkrankungen zu verhindern und/oder die Folgeschäden solcher Erkrankungen zu verringern oder ganz zu vermeiden.
Dieses Ziel wird durch die in den Ansprüchen definierten Merkmale erreicht.
Es wurde nämlich erfindungsgemäß gefunden, dass sich fehlgesteuerte Immunreaktionen sowie die Toleranzausbildung dadurch verbessern läßt, indem die autoaggressiven Immunglobuline selektiv entfernt werden. Erfindungsgemäß werden insbesondere auch solche B-Zellen entfernt, die solche Immunglobuline bilden, sowie deren Immunglobuline bzw. Antikörper präsentierende Vorstufen bzw. Vorläuferzellen.
Die Erfindung betrifft somit eine Vorrichtung zur Behandlung von Immunerkrankungen, die an einer festen Phase immobilisierte Substanzen aufweist, welche autoag-
gressive Immunglobuline binden und zwar vorzugsweise selektiv. Derartige Substanzen sind insbesondere die Immunerkrankung auslösenden Antigene. Dabei wird der Träger vom Blut bzw. seinen wässrigen Bestandteilen umspült, wobei die krankmachenden Immunglobuline aus dem Blut entfernt werden. Vorzugsweise werden dabei auch diejenigen immunkompetenten Zellen sowie Vorläuferzellen davon entfernt, welche die aggressiven Antikörper bilden, insbesondere B-Zellen. Diese der Erfindung zugrundeliegende Wirkung ist um so überraschender, weil es zu erwarten war, dass durch die Exposition von Antigenen an das Immunsystem des Blutes die Immunantwort, d. h. die Ausbildung und Nachproduktion von hiergegen gerichteten Immunglo- bulinen gerade verstärkt werden sollte (sog. Booster-Effekt). Erfindungsgemäß wurde jedoch überraschenderweise gefunden, dass sich die aggressive Immunantwort verringern bzw. sogar gezielt herunterregulieren läßt, wenn man die unerwünschten aggressiven Antikörper bzw. Immunglobuline selektiv entfernt. Diese selektive Entfernung wird vorzugsweise erfindungsgemäß mittels einem gegen die aggressiven Antikörper gerichteten Antigen erreicht, gegen welches das aggressive Immunglobulin gerichtet ist. Zur Behandlung von Transplantationsabstoßungen sind dies insbesondere die fremden HLA- bzw. MHC-Antigene, zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen sind dies die Autoimmunität-auslösenden Antigene z. B. bei der Wegnerschen Granulomatose die Proteinase 3. Die in der erfindungsgemäßen Vorrichtung gebundenen Antigene werden mittels dem Fachmann bekannten Verfahren an einer festen Phase immobilisiert. Derartige Immobilisierungsreaktionen sind von der Herstellung diagnostischer Testkits wie ELISA oder von der Affinitätschromato- grafie dem Fachmann bestens bekannt. Die Immunglobulin-bindenden Substanzen können an der festen Phase sowohl direkt als auch indirekt gebunden sein. Vorzugsweise sind sie mittels einer nicht kovalenten Kupplung bestehend aus mindestens 2 komplementären Kupplungsgliedern, miteinander verbunden. Dabei wird das am immobilisierten Agens hängende Kupplungsglied als Anker und das an der festen Phase gebundene komplementäre Kupplungsglied als Gegenanker bezeichnet. Beispielhaft seien hier lediglich die Immobilisierung mittels Bromcyan oder auch die Fixierung mittels Glutaraldehyd (direkte Bindung) sowie die Biotinylierung und Ausbildung von Avidin- bzw. Streptavidin-Komplexen genannt.
Erfindungsgemäß werden die Antigene mittels eines Abstandshalters, d. h. eines Armes oder Spacers an die Oberfläche bzw. feste Phase gebunden. Erfindungsgemäß
bevorzugte Spacer ermöglichen einen Abstand des Antigens zur festen Oberfläche oder zur festen Phase von vorzugsweise mindestens 5 A, insbesondere mindestens 10 Ä, wobei mindestens 15 A und insbesondere mindestens 20 Ä besonders bevorzugt sind. Ganz besonders bevorzugt sind Spacerarme, welche einen Abstand von mindestens 28 A, insbesondere mindestens 30 A ermöglichen. Die Spacer sind zweckmäßigerweise aus einer langen Kohlenstoffkette aufgebaut, vorzugsweise sind sie jedoch aus repetitiven Einheiten kleinerer Kohlenwasserstoffketten aufgebaut, die insbesondere Heteroatome aufweisen. Bevorzugte repetitive Einheiten sind insbesondere C2 - C8-Einheiten, wobei C bis C6 besonders bevorzugt sind. Die einzelnen Einheiten sind vorzugsweise über die Heteroatome miteinander verknüpft. Bevorzugte Heteroatome sind Stickstoff, Sauerstoff und Schwefelatome. Vorzugsweise sind die repetitiven Einheiten über Aminosäure-Funktionen miteinander verbunden.
Die Spacerarme weisen an ihren beiden Enden vorzugsweise unterschiedliche reaktive Gruppen auf, wovon eine Gruppe mit dem zu bindenden, d. h. zu immobilisierenden Antigen reagiert, und die andere an die Oberfläche bindet und ggfs. dort mit ihr reagiert. Bevorzugte, mit den Antigenen reagierende funktioneile Gruppen sind insbesondere N-Hydroxysuccinimid-, Sulfo-N-hydroxysuccinimid-Gruppen, welche beispielsweise mit einem primären Amin unter Ausbildung einer Amidgruppe mit dem Antigen reagieren oder Maleimid-Gruppen, welche beispielsweise mit einer freien Sulfhydryl-Gruppe eines Antigens unter Ausbildung einer Thioether-Brücke reagiert. Weitere reaktive Gruppen sind Halogenacetyl-, insbesondere eine Jodacetyl-Gruppe, welche ebenfalls mit Sulfhydryl unter Bildung einer Thioether-Brücke reagiert. Andere wichtige reaktive Reagenzien sind beispielsweise Hydrazid-Gruppen, welche mit einer oxidierten Carbohydrat-Gruppe, beispielsweise einer Aldehyd-Gruppe unter Ausbildung einer Hydrazon-Bindung reagiert, weitere wichtige Gruppen sind beispielsweise fotoaktivierbare Azidogruppen, beispielsweise aromatische Azidogruppen, welche mit Nukleinsäuren sowie Protein-Carbohydraten unter Ausbildung einer Ringexpansion mit einem primären Amin reagieren. Schließlich werden noch Aminogruppen verwendet, welche unter Ausbildung mit einer freien Carbonsäure bzw. Carboxygruppe unter Ausbildung einer Amidobindung reagieren. Viele solcher Reagenzien sind handelsüblich erhältlich. Bei den zuvor genannten funktionellen Reagenzien sind erfindungsgemäß insbesondere die N-Hydroxysuccinimid-haltigen Reagenzien, die Maleimid-
haltigen Reagenzien sowie die Aminogruppen und die fotoaktivierbaren Azidogruppen bevorzugt.
In einer weiteren erfindungsgemäß bevorzugten Ausführungsform weist der Spacerarm eine Ankergruppe auf, die mit einem an der festen Oberfläche immobilisierten Gegenanker insbesondere nicht-kovalent kuppelt. Dabei ist der Anker am Spacerarm vorzugsweise an derjenigen Stelle angeordnet, welcher der Bindungsstelle des Spacers mit dem Antigen gegenüberliegt. Erfindungsgemäß bevorzugte Anker sind Biotin, Thioredoxin, und/oder Polyhistidin Tags, insbesondere solche mit 4 bis 6 aneinander liegenden Histidinresten. Bevorzugte Gegenanker sind Avidin und insbesondere Streptavidin als Gegenanker zum Biotin, ein chelato-immobilisiertes Metallion, insbesondere Nickel und/oder Cobalt, zweckmäßigerweise als Gegenanker zu Polyhistidin Tags, sowie ein gegen den Anker gerichteter Antikörper. Derartige Antikörper sind leicht herstellbar und zum Teil auch als monoklonale Antikörper z.B. aus ACC- 2207 (Antipentahistidyl-Antikörper) kommerziell von Quiagen erhältlich. Derartige Anker und reaktive Gruppen enthaltende Spacer sind vom Fachmann ohne weiteres herzustellen und beispielsweise auch kommerziell erhältlich. So werden beispielsweise von Pierce, Rockford, IL, 61105, USA unter der Bezeichnung EZ-Link™ sowie unter der Bezeichnung Sulfo-LC-SPDP, LC-SPDP und SPDP vertrieben. Auch spaltbare crosslinkende Reagenzien sind unter dieser Bezeichnung kommerziell erhältlich.
Durch die erfindungsgemäße Vorgehensweise ist es möglich, auch unter Protein- und Nuclein-feindlichen Reaktionsbedingungen zuerst die Oberfläche der festen Phase mit dem Gegenanker zu versehen. Da hierbei nicht auf biologisch verträgliche Reaktionsbedingungen geachtet werden muß, können auch sehr hohe Dichten an Gegenankern an der Oberfläche der festen Phase erreicht werden, wie sie bei der direkten Immobilisierung von Antigenen bislang nicht möglich war. Nach Fertigstellung der so mit dem Gegenanker versehenen festen Phase kann diese unter physiologischen Bedingungen mit dem Antigen mittels dessen Ankertag beladen werden. Auf diese Weise ist es möglich, Beladungsdichten von > 0,01 pMol/cm2 > 0,1 pMol/cm2 und insbesondere > 1 pMol/cm2 zu erreichen. Sogar Dichten von > 5 pMol/cm2 sind ohne weiteres erreichbar. Werden Säulen verwendet, so lassen sich beispielsweise bei Kügelchen von 40 - 90 μm Durchmesser Dichten von > 10 nMol/cm3, insbesondere > 20 nMol/cm3 und darüber hinaus herstellen. Bei Verwendung des Streptavidin-
Biotinylin-Systems, welches bis zu vier Biotinylin-Anker binden kann, sind außergewöhnlich hohe Beladungsdichten möglich. Auf diese Weise können kleine hocheffektive Immunabsorber hergestellt werden.
Dies hat zum Vorteil, dass bei der Behandlung, d. h. bei einer extrakorporalen Aphe- rese sich nur ein geringes Blutvolumen außerhalb des Körpers im Absorber befindet, wodurch die Gefahr einer Anämie bei den ohnehin stark geschwächten Patienten vermieden wird. Des weiteren ist es möglich, mit solchen kleinen Absorbern Aphere- se-Vorrichtungen herzustellen, die so klein sind, dass sie am Körper des Patienten während der Behandlung getragen werden können. Der Patient wird daher nicht an ein Krankenhaus oder eine andere medizinische Versorgungseinrichtung gebunden, sondern kann während der Behandlungszeit zuhause verbleiben. Des weiteren ist es möglich, Langzeitbehandlungen und Dauerbehandlungen durchzuführen, während der der Patient auch mobil bleibt und sich im häuslichen Bereich völlig ungehindert bewegen kann. Bei mehr oder weniger bereits geheilten Patienten ermöglicht eine derartige mobile bzw. transportable Vorrichtung sogar, dass diese ihren gewohnten Beschäftigungen und Bedürfnissen nachgehen.
Schließlich ermöglicht es die erfindungsgemäße Vorgehensweise auch, die Herstellung der jeweils benötigten Immunabsorber vor Ort, d. h. beispielsweise in einer Klinik oder einem anderen Therapiezentrum bei Bedarf selbst herzustellen. Da nicht mehr die gesamten benötigten Vorrichtungen gelagert werden müssen, sondern lediglich die mit dem Anker versehenen unspezifischen Festphasen, d. h. Säulen, Dialyseschläuche, Hohlfasern etc. sowie hiervon getrennt die jeweiligen mit dem Spacerarm und Anker versehenen Antigenen, ist es möglich, bei Bedarf sofort einen spezifischen Immunabsorber für die jeweilige benötigte Erkrankung herzustellen, indem man eine Lösung des mit Spacer und Anker versehenen Antigens herstellt und mit der Oberfläche der festen Phase in Kontakt bringt. Da die jeweiligen Antigene beispielsweise im lyophilisierten Zustand lange gelagert werden können, wird keine große voluminöse Lagerhaltung notwendig, um eine Vielzahl von Absorbern für verschiedene Erkrankungen bereitzustellen.
Darüber hinaus ist es auch möglich, bei Patienten welche gleichzeitig verschiedene Autoimmunerkrankungen aufweisen, rasch kombinatorische Säulen bzw. Absorber
herzustellen, bei denen der Absorber mit einer Kombination von verschiedenen Antigenen beladen ist. Dies ermöglicht es, Patienten mit heterogenen Autoantikörpern wie beispielsweise bei gleichzeitigem Auftreten von Lupus erythematodes und gleichzeitigem Antiphospholipid-Syndrom mittels DS-DNA, ß-2-Glykoprotein und Kardiolipin als vorgefertigtes Antigen in einem Schritt kostengünstig und effektiv zu therapieren.
Ein weiterer Vorteil ist es, dass man durch die Bereitstellung eines allgemeinen präfabrizierten Absorbers konzipiert wird, welcher rasch für eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen hergerichtet werden kann.
Durch die erfindungsgemäße Vorgehensweise ist es somit möglich, die Antigene in ihrer nativen physiologischen Konformation zu binden, ohne dass sie durch die Immobilisierung an der Oberfläche sterisch gehindert werden, wodurch nahezu alle Epitope des Antigens für die zu entfernenden Antikörper bzw. diese produzierenden Zellen zugänglich sind. Durch die erfindungsgemäß verwendeten Ankersysteme wird das Antigen hochaffin an den Absorber gebunden, wodurch ein Ablösen bzw. Bluten verhindert wird. Des weiteren ermöglicht die erfindungsgemäß feste Bindung des Antigens an die Säule ein Abwaschen der gebundenen autoagressiven Substanzen nach Gebrauch z. B. durch die Verwendung hoher Salzlösungen und/oder Veränderungen des pH-Wertes. Auf diese Weise können die jeweiligen Immunabsorber mehrfach verwendet, d. h. recycelt werden.
Trägermaterialien sind erfindungsgemäß alle Stoffe, an die Antigene oder Bestandteile davon gebunden werden können. Übliche Trägermaterialien, an welche die Antigene gebunden werden, sind ebenfalls aus der Herstellung diagnostischer Testkits sowie zur Herstellung von Dialyseschläuchen bekannt. Sie unterliegen prinzipiell keiner Beschränkung, sie dürfen lediglich nicht toxisch sein und nicht selbst allergisie- rend wirken. Geeignete Trägermaterialien sind beispielsweise Kieselgele, wie sie für Füllkörperkolonnen verwendet werden, Latexpartikel, insbesondere nicht-aller- gisierende Latexpartikel, Glasbeads, Gelmatrizes sowie Hohlkörpermatrizes wie Filtermaterialien und Dialyseschläuche. Auch Partikel aus Polystyrolen, Polyvinylalko- holen, Sepharosen etc. sind prinzipiell verwendbar.
Die Festphasen weisen vorzugsweise eine große Oberfläche auf, die vom Blutserum oder einer wässrigen Lösung aus Bestandteilen davon umströmt wird, so dass eine maximale Kontaktfläche von Antigenen und den im Blut zirkulierenden Immunglobuli- nen geschaffen wird. Erfindungsgemäß sind unter dem Begriff Antigene alle Substanzen zu verstehen, gegen die aggressive Antikörper gerichtet sind. Üblicherweise sind dies Proteine, Nukleinsäuren, sowie Komplexe dieser beiden ggfs. auch mit Membranbestandteilen. Hierzu zählen nicht nur die kompletten Antigene, sondern auch Teile oder Bruchstücke davon, die bindefähige Epitope aufweisen, wie z.B. Peptide, Oligopeptide und Oligonukleotide, die ggfs. auch künstlich hergestellt sein können. Bevorzugte erfindungsgemäß zu immobilisierende Antigene sind dabei Doppelstrang- DNA, Einzelstrang-DNA, Nukleosome, Centromere (Kinetochor-Antigen), Jo-1 (Histi- dyl-Synthetase), SCL-70 (Topoisomerase I), PCNA (proliferating cell nuclear antigen), SS-B/La, SS-A(Ro), U1-RNP, SN-Antigen (small nuclear antigen), Histone, PR3 (Proteinase 3), Fc-Fragment von Immunglobulin, Citrulline, Phospholipide wie z.B. Kardiolipin, ANA, ribosomales Protein, RA 33, PM-Scl, ANCA, GBM (Basalmembran der Nierenglomeruli), Acetylcholinrezeptoren, In-sulinrezeptoren, Antikörper- sensibilisierte Trombozyten. Weitere Antigene sind beispielsweise Antigene der sympathischen Ophthalmie sowie B5 für Morbus Behcet, B 27 für die ankylosierende Spondylitis, Morbus Reiter, sowie die akute anteriore Uveitis, B 35 für die subakute Thyreoiditis, Cw 6 für Psoriasis Vulgaris, DR 3 sowie ggf. DR 4 für Dermatitis Herpe- tiformis, Zöliakie, und die Morbus Basedow, Diabetis mellitus Typ I, Myasthenia Gravis, systemi-scher Lupus Erythematodes (SLE), idiopathische membranöse Ne- phropathie; DR 2 für die Narkolepsie und Multiple Sklerose, DR 4 für die rheumatoide Arthritis, sowie DR 5 für die Hashimoto-Thyreoiditis und die perniziöse Anemie und DRw8 für die juvenile chronische Arthritis; sowie die Klasse der Spektrine, insbesondere α- und ß-Fodrin. Erfindungsgemäß besonders bevorzugt sind dabei nichtlösliche membrangebundene Antigene.
Mittels der erfindungsgemäßen Vorgehensweise ist es auch möglich, die jeweiligen die autoaggressive Reaktion auslösenden Antigene zu immobilisieren. Es hat sich nämlich gezeigt, dass diese insbesondere bei den besonders fatal verlaufenden Erkrankungen nicht im Serum auftreten. So lassen sich beispielsweise mit der erfindungsgemäßen Vorgehensweise die jeweiligen hauptauslösenden Antigene, wie beispielsweise das an die Zellmembran gebundene C-terminale Ende der α-3-Kette des
Typ IV Kollagens der glomerulären Basalmembran getrennt isolieren und mit dem entsprechenden einen Anker aufweisenden Spacerarm zu versehen. Dies kann wie bereits zuvor erwähnt auch rekombinant erfolgen. Prinzipiell ist es auch möglich, derartige membrangebundene Antigene in Phospholipid-Vesikelmembranen einzubringen und diese dann an die Oberfläche des Absorbers auf die zuvor beschriebene Weise zu binden. Derartige wichtige für die meisten betroffenen Patienten identischen Antigene sind insbesondere die Transglutaminase sowie Gliadin für die Zöliakie bzw. Sprue sowie das bereits zuvorgenannte III Kollagen insbesondere dessen C- terminales Ende für das Goodpasture-Syndrom. Weiteren spezielle erfindungsgemäß zu verwendende Antigene sind beispielsweise der Acetylcholin-Rezeptor sowie der ß- 2-adrenerge Rezeptor zur Behandlung der Myasthenia gravis und die in den α- Granula der neutrophilen Granulozyten auftretende Proteinase 3 zur Behandlung der Wegnerschen Granulomatose. Die Verwendung von ß-adrenergen Rezeptoren, insbesondere von ß1- und ß-2-Rezeptoren haben sich zur Behandlung der Asthma- und Herzerkrankungen als besonders geeignet erwiesen. Des weiteren IgE-Rezeptoren als Antigene für schwere Fälle von IgE-vermittelte Allergien erfindungsgemäß eingesetzt werden. Ein weiteres erfindungsgemäß spezielles, nicht im Serum vorliegendes Antigen des Desmosome, insbesondere Desmocholin, welche zur Behandlung des Pemphigus vulgaris verwendet werden. Weitere spezielle erfindungsgemäß zu verwendende Antigene sind der Asialoglykoprotein-Rezeptor für autoimmune Hepatis, der Glutamat-Rezeptor für die Rasmussen-Enzephalitis, der Interleukin-l-α-Rezeptor für das Schnitzlersche Syndrom, und der IgE-Rezeptor für die chronische Urtikaria.
Erfindungsgemäß werden dabei nicht nur die Autoantikörper, die an der Bildung von gewebeschädigenden Immunkomplexen beteiligt sind, entfernt, sondern auch zusätzlich die Entfernung von solchen Autoantikörpern, die per se Gewebeschädigungen verursachen können. Die Anwendung betrifft somit mehr Erkrankungen und kann zudem als präventive Maßnahme eingesetzt werden, welche die Autoantikörper bereits vor der Bildung von Immunkomplexen entfernt. Zudem können hiermit nicht nur echte Autoantikörper, sondern auch andere krankmachenden Antikörper, entfernt werden, wie z. B. Allergie-Antikörper.
Eine derartige erfindungsgemäße Vorrichtung wird nun über eine Zuleitung analog einer Dialyse mit einer an einen Patienten angeordneten Blutentnahmestelle verbun-
den, wobei diesem Blut abgenommen und über die erfindungsgemäße Vorrichtung geleitet wird. Dabei werden erfindungsgemäß vorzugsweise nicht nur die krank machenden Immunglobuline sondern auch diese produzierende Zellen sowie Vorläufer hiervon an die immobilisierten Antigene gebunden und das Blut hiervon befreit. Dieses "befreite" bzw. "gereinigte" Blut wird nach dieser "Dialyse bzw. Filtration" über eine Ableitung dem Patienten mittels einer Blutrückführstelle wieder zugeführt. Vorzugsweise wird die Entnahme, Filtration und Rückführung kontinuierlich durchgeführt. Blutentnahme bzw. Blutrückführstelle sind Vorrichtungen, wie sie beispielsweise von der Dialyse oder auch von der Blutspende bekannt sind.
Mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung ist es nicht nur möglich Immunglobuline zu entfernen, sondern es ist auch möglich immunkompetente Zellen, die für die überschießende Immunreaktion verantwortlich sind, selektiv zu entfernen ohne dabei den Patienten seines restlichen, für eine ausreichende Immunität gegenüber Krankheitserregern notwendigen, Schutzes zu berauben. So ist es beispielsweise erfindungsgemäß auch möglich, die immobilisierten Antigene an feine Eisenpartikel zu immobilisieren und die daran gebundenen Immunglobuline oder solche Immunglobuline tragenden Zellen mittels eines Magnetes aus dem Blut bzw. dem Serum herauszufischen (Immunmagnetische Separation, IMS). Derartige Partikel sind beispielsweise von Bekton-Dickensen unter der Bezeichnung Dynabeads erhältlich. Eine weitere Möglichkeit ist beispielsweise die Antigene mit einem zytometrisch erkennbaren Marker, insbesondere Fluoreszenzmarker zu versehen und dann entsprechende unerwünschte Immunzellen mittels einer Durchflusszytometrie zu entfernen. Zur Behandlung von Allergien ist es beispielsweise besonders erwünscht IgE-Mast- Zellenkomplexe aus dem Blut zu entfernen.
Obwohl bei einem erfindungsgemäß derart behandeltem Patienten allein durch die Entfernung der aggressiven Immunglobuline die Immuntoleranz wieder ins Gleichgewicht gebracht wird, wodurch der Patient primär geheilt ist, kann es sich in einzelnen Fällen als sinnvoll erweisen zusätzlich über einen Zeitraum immunsuppressive Substanzen wie Glykokortikoide oder auch entsprechende Antimetaboliten, Zytostatika etc. zu verabreichen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass hierfür nie die hohe Dosis notwendig ist, die sonst üblicherweise zur Behandlung von Immunerkrankungen appli- ziert werden muss. Die Erfindung betrifft somit auch einen Therapiekit, der die erfin-
dungsgemäße Vorrichtung bzw. das erfindungsgemäß hergestellte Mittel zusammen mit einem Immunsuppressiva enthält.
Erfindungsgemäß ist es auch möglich mehrere verschiedene Antigene aufweisende Vorrichtungen hintereinander zu schalten und auf diese Weise gleich mehrere unterschiedliche aggressive Immunglobuline zu entfernen. Dies kann beispielsweise dadurch geschehen, dass man die auf Partikel immobilisierten Antigene in Säulen füllt und mehrere mit verschiedenen Antigenen beschichtete Säulen hintereinander schaltet. Dies ist prinzipiell auch mit entsprechenden Dialyseschläuchen oder mit Filtermatrizes oder auch Hohlfasern möglich.
Die mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung zu behandelnden Erkrankungen sind insbesonders alle allergischen und Auto-immunerkrankungen, bei denen Antikörper eine krankheitsre-levante Rolle spielen, d.h. eine pathogene Wirkung aufwei-sen. Hierzu zählen insbesonders der systemische Lupus Ery-thematodes (SLE), das Sjö- gren-Syndrom, die Sklerodermie, die Polymyositis, die Dermatomyositis und die gemischte Kollagenerkrankung (MCTD) sowie die rheumatoide Arthritis, primäre Vaskulitiden, sowie das Antiphospholipid-Syndrom, Gicht, Polychondritis, Uveitis, Morbus Behcet und vor allem das Goodpasture-Syndrom (AK gegen Nierenbasalmem-bran), sowie die Myasthenie (Myasthenia gravis), Multiple-sklerose, Cardiomyopathie, Herzinsuffizienz und die Pemphigus vulgaris.
Die Erfindung soll anhand des folgenden Beispieles kurz erläutert werden.
Zur Behandlung der Wegnerschen Granulomatose wird gereinigte Proteinase 3 (PR 3) mittels Ultrafiltration über eine 10 kDa-Membran (aus Polyethersulfon oder regenerierter Cellulose) auf etwa 10 mg/ml konzentriert. Dabei wird die Konzentration mittels der Extinktion bei 280 nm durch Verdünnung von 1:100 in PBS abgeschätzt, wobei reines PBS als Basiswert dient. Der gemessene Extinktionswert ist mit 100 zu multiplizieren, wobei ein Wert von 1 etwa 1 mg/l Protein entspricht.
Die so konzentrierte Lösung wird auf eine 5 ml Hightrap Entsalzungssäule (Pharmacia, Schweden) in PBS umgepuffert, wobei maximal 1 ml Probe pro Lauf aufgeladen werden sollte. Die so erhaltene Proteinlösung wird mit einer 10 mg/ml enthalte-
nen Sulfo-NHS-LC-LC-Biotin (Pierce, USA) in Wasser mit 10 mM PR3 (M = 670 Dal- ton) versetzt, und zwar pro mg PR3 mindestens 110 μg Sulfo-NHS-LC-LC-Biotin. Da dieses Reagenz sehr hydrolyseempfindlich ist, sollte es möglichst rasch verarbeitet werden. Das Reagenz wird in etwa 4-fachem Überschuß zum Protein zugegeben und zwei Stunden auf Eis inkubiert. Nicht reagiertes Reagenz wird mittels Gelfiltration abgetrennt, wie dies zuvor für das Umpuffern beschrieben ist. Das so erhaltene biotinylierte Antigen kann mit 0,1 % Natriumazid bei 4 °C gelagert werden und bald weiterverarbeitet oder auch zur längeren Lagerung lyophilisiert werden.
Das so erhaltene mit einem Biotinanker versehene PR3-Antigen wurde auf eine Po- lymethacrylatkügelchen enthaltende Säule gegeben, die mit monomerem Avidin beschichtet sind. Derartige Avidin-beschichtete Polymethacrylat-Beads sind beispielsweise unter der Bezeichnung Softlink™ von Promega, Wl, USA erhältlich. Dazu wird das Material 15 Minuten bei Raumtemperatur mit 5 mM Biotin inkubiert, um unspezifische Bindungen zu unterdrücken. Dann wurde die Säule mit 10 % Essigsäure eluiert und anschließend mit PBS. Danach wurde das biotinylierte PR3-Antigen auf die Säule geladen und anschließend gewaschen.
Die so erhaltene Säule wurde mit 500 ml Plasma eines Wegner-Patienten beschickt. Der Antikörpertiter des Plasmas zeigte bei einem Anti-PR3-ELISA-Test der Firma Aesku.lab Diagnostika vor dem Auftrag auf die Säule einen OD von 1 ,9. Nach dem Durchlauf auf dieser Säule (10 ml Säule) zeigte es noch eine OD von 0,15. Dies bedeutet, dass mit einem einmaligen Durchlauf auf einer derartig winzigen Säule bereits 92,1% des krankmachenden Agens entfernt wurde.