Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung von Polytrimethylenterephthalat
Beschreibung:
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur kontinuierlichen Herstellung von Polytrimethylenterephthalat (PTT), bei dem reine Terephthalsäure (PTA) mit 1.3-Propandiol (PDO) verestert, danach vorpolykondensiert und anschließend polykondensiert wird, die dabei gebildeten Brüden rektifiziert und die im wesentlichen aus PDO bestehende flüssige Phase in den Herstellungsprozess zurückgeführt und die die leichtersiedenden Komponenten Wasser, Acrolein, AUylalkohol, 1.3-Propandiol, 1-Butanol, l-Propanol, Hydroxypropanal und Essigsäure enthaltende Dampfphase kondensiert wird.
In der Firmenschrift PTT 01 P65 / 04.99 der Lurgi Zimmer AG ist vorgesehen, eine aus reiner PTA und PDO bestehende Paste zusammen mit einem besonderen Katalysator einer ersten Reaktionsdruckstufe zur Veresterung aufzugeben. Die bei der Veresterung gebildeten, PDO, Wasser, Acrolein, AUylalkohol, 1-Butanol, l-Propanol, Hydroxypropanal und Essigsäure enthaltenden, Brüden werden rektifiziert, wobei das als Sumpfprodukt anfallende PDO in die Veresterungsstufe zurückgeführt wird und die leichtersiedenden Komponenten als Kopfprodukt abgeführt und kondensiert werden. Eine Teilmenge des gebildeten Brüdenkondensats wird in die Rektifikation zurückgeführt und nur die überschüssige Teilmenge ausgeleitet und anschließend
gereinigt. In einer zweiten Reaktionsdruckstufe wird das zu 90 bis 95 % veresterte Polymer vollständig umgewandelt und dann einer ersten und anschließend einer zweiten Vorpolykondensationsstufe aufgegeben, in denen niedrigmolekulares PTT gebildet und PDO abgespalten wird. In der anschließenden Polykondensationsstufe wird PTT auf das gewünschte Molekulargewicht gebracht. Die in den beiden Kondensationsstufen entstehenden leichtersiedenden Komponenten, vorzugsweise Acrolein, AUylalkohol, werden zusammen mit den Brüden aus der Veresterung rektifiziert.
Aus der EP-A-0812 337 ist bekannt, das bei der Rektifizierung von Brüden aus der Herstellung von PTT anfallende kondensierte Kopfprodukt zusammen mit weiteren Acrolein haltigen Abwässern in einem Behälter mit einer Base zu versetzen, um den Gehalt an freiem toxischen Acrolein zu verringern. Nach dieser Behandlung kann die Flüssigkeit einer aerob-biologischen Abwasseraufbereitung zugeleitet werden. Es ist vom besonderen Nachteil, dass bei diesem Verfahren die darin enthaltenden Mengen an Acrolein, AUylalkohol, usw. durch die Zugabe alkalischer Verbindungen nicht verringert werden, so dass große Mengen an „gebundenem" Acrolein, freiem AUylalkohol, usw. an die biologische Abwasserreinigung abgegeben werden, was den Anfall entsprechender Mengen an biologischem Überschussschlamm zur Folge hat. Ferner können toxische Effekte des Allylalkohols auf die Mikroorganismen in der Abwasserreinigung nicht ausgeschlossen werden. Im übrigen werden die bei der Herstellung von PTT nach diesem Verfahren entstehenden Abluftströme ungereinigt an die Atmosphäre abgegeben.
Es ist die Aufgabe vorliegender Erfindung, das eingangs beschriebene Verfahren zur Herstellung von PTT so auszugestalten, dass die Anfangsbeladung des bei der Rektifikation der Brüden gebildeten Kondensats mit organischen Schadstoffen derart auf eine Restbeladung abgereichert wird, dass das Kondensat eine biologische Aufbereitung weniger belastet und eine toxische Wirkung weitgehend ausgeschlossen werden kann.
Gelöst ist diese Aufgabe dadurch, dass im Kreislauf geführtes Brüdenkondensat mit Luft gestrippt und ein Teil des abgereicherten Kondensats ausgeleitet wird. Durch das Strippen des Brüdenkondensats mit Luft wird dessen Anfangsbelastung mit organischen Schadstoffen, insbesondere Acrolein und AUylalkohol, in einem solchen Maß
verringert, dass die biologische Abwasseraufbereitung geringer belastet und das Risiko toxischer Effekte des Allylalkohols auf die Mikroorganismen minimiert werden. Durch die Kreislaufführung des zu strippenden Brüdenkondensats wird erreicht, dass die Konzentrationsschwankungen der organischen Schadstoffe im Kondensat selbst und damit auch in der Abluft des Strippens vergleichmäßigt werden.
Mit den Rücklauf des abgereicherten Kondensats in die Rektifikation wird die Trennleistung der Rektifikation bezüglich PDO erheblich verbessert.
Das Strippen des Brüdenkondensats wird zweckmäßigerweise bei Temperaturen von 55 bis 75 °C durchgeführt.
Im Rahmen der vorzugsweisen Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird die eine hohe Belastung, insbesondere von Acrolein und AUylalkohol, aufweisende Abluft des Strippens katalytisch oxidiert und dann an die Atmosphäre abgegeben. Darüber hinaus ist vorgesehen, aus dem Prozess stammende, insbesondere mit Acrolein und AUylalkohol, belastete Abluftströme zusammen mit der Abluft des Strippens katalytisch zu oxidieren. Die Vorteile der katalytischen Oxidation der, insbesondere mit Acrolein und AUylalkohol, belasteten Abluftströme liegen in extrem kurzen Abluftzuführungen, in relativ tiefen Betriebstemperaturen und in der Einhaltung üblicherweise vorgeschriebener Emissionsgrenzwerte.
Die Vorrichtung zur katalytischen Oxidation der im wesentlichen mit Acrolein und AUylalkohol beladenen Abluft, besteht aus einem Wärmeaustauscher in dem die eine Temperatur von 55 bis 75 °C aufweisende Abluft auf eine Temperatur von 280 bis 320 °C erhitzt wird und einem einen Katalysator enthaltenden Reaktor, in dem die in der Abluft enthaltenen organischen Schadstoffe zu mehr als 99 % zu Kohlendioxid und Wasser oxidiert werden.
Das erfindungs gemäße Verfahren ist in der Zeichnung als Fliesschema beispielhaft dargestellt und wird nachstehend näher erläutert.
Über Leitung (1) wird das am Kopf einer nicht dargestellten Rektifikationskolonne abgezogene Brüdenkondensat der mehrere Füllkörperschüttungen (2) aufweisenden
Stripperkolonne (3) in deren oberen Teil zugeleitet. Zum Austreiben der in dem Brüdenkondensat enthaltenen gelösten Schadstoffkomponenten wird in den unteren Teil der Stripperkolonne (3) über Leitung (4) mit Hilfe des Gebläses (5) Strippluft eingeblasen und im Gegenstrom zum Brüdenkondensat geführt. Das abgereicherte Brüdenkondensat wird am Boden der Stripperkolonne (3) abgezogen und über Leitung (6) mit Hilfe der Flüssigkeitspumpe (7) dem oberen Teil der Stripperkolonne (3) wieder aufgegeben. Mit dem in Leitung (6) angeordneten Wärmeaustauscher (8) wird die Temperatur des im Kreislauf geführten abgereicherten Brüdenkondensats auf den gewünschten Wert eingestellt. Eine Teilmenge des abgereicherten Brüdenkondensats wird über Leitung (9) aus Leitung (6) entnommen und als Rücklauf der Rektifikationskolonne zugeführt. Ferner wird überschüssiges abgereichertes Brüdenkondensat über Leitung (10) aus Leitung (6) ausgeleitet und nach Durchströmen des Kühlers (11) einer weiteren Behandlung zugeführt. Kleinere, in der Anlage zur Herstellung von PTT anfallende Abluftströme, werden vereinigt und über Leitung (12) der in Leitung (4) strömenden Stripperluft zugesetzt. Die Abluftströme von Vakuumpumpen und des Kondensators der Rektifikationskolonne werden mittels des Gebläses (13) angesaugt und über Leitung (14) mit der in Leitung (15) strömenden Abluft der Stripperkolonne zusammengeführt. Diese organischen Schadstoffe, insbesondere Acrolein und AUylalkohol, enthaltende, eine Temperatur von ca. 70 °C aufweisende Abluft wird unter Zusatz von über Leitung (16) mittels des Gebläses (17) eingeblasener Frischluft einem Wärmeaustauscher (18) zugeführt und dabei auf eine Temperatur von ca. 300 °C erwärmt. Nach Durchströmen eines Anfahrerhitzers (19) wird die beladene Abluft der Oxidationsanlage (20) zugeführt in der die in der Abluft enthaltenen organischen Schadstoffe zu mehr als 99 % zu Kohlendioxid und Wasser oxidiert werden. Über Leitung (21) verlässt die eine Temperatur von im Durchschnitt 500 °C aufweisende gereinigte Abluft die Oxidationsanlage (20), durchströmt den Wärmeaustauscher (18) in der die Temperatur auf 250 °C erniedrigt wird und wird über Kamin (22) an die Atmosphäre abgegeben. Die gereinigte Abluft enthält nur noch Spuren von Kohlendioxid und Stickoxiden.
Ausführungsbeispiel
Aus der Rektifikationskolonne einer Anlage zur Herstellung von 300 t PTT/Tag strömen 6,57 m3/h Brüdenkondensat mit einer Temperatur von 90 °C über Leitung (1) in die Stripperkolonne (3). Das Brüdenkondensat besteht aus:
1,52 g/1 Acrolein
0,65 g/1 AUylalkohol
3,00 g/1 1.3-Propandiol
1,52 g/1 Hydroxypropanal
1,07 g/1 1 -Butanol
0,15 g/1 l-Propanol
0,15 g/1 Essigsäure, Rest Wasser
In die Stripperkolonne werden über Leitung (4) ca. 3000 kg/h Frischluft eingeblasen. Über Leitung (15) werden 3839,5 kg/h Gesamt-Abluft mit einer Temperatur von 68 °C, enthaltend
3000 kg/h Luft
780 kg/h Wasser
0,20 kg/h 1.3-Propandiol
9,00 kg/h Acrolein
45,00 kg/h AUylalkohol
1,00 kg/h Hydroxypropanal
3,00 kg/h 1 -Butanol
0,80 kg/h 1 -Propanol
0,50 kg/h Essigsäure,
abgeführt. Der Gesamt-Abluftstrom enthält 280 kg/h aus anderen Quellen stammende über Leitung (14) angesaugte Abluft, die aus
6,00 kg/h Acrolein
3,00 kg h AUylalkohol
0,30 kg/h 1.3-Propandiol
0,15 kg/h Propen
besteht.
Dieser Gesamt-Abluftstrom wird über die Oxidationsanlage (20) geleitet, in der die in der Abluft enthaltenen organischen Schadstoffe zu mehr als 99 % zu Kohlendioxid und Wasser oxidiert werden, so dass die an die Atmosphäre abgegebene Luft nur noch 5 mg/Nm organischen Gesamtkohlenstoff (TA -Luft < 20 mg/Nm ), 1 mg/Nm Kohlenmonoxid (TA-Luft < 100 mg/Nm3) und 2 mg/Nm3 Stickoxide (TA-Luft < 200 mg/Nm ) enthält. TA-Luft bedeutet Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft und stellt eine Verwaltungsvorschrift zum Bundesimmissionsschutzgesetz in der Fassung vom 27.02.1986 dar, in der Emissions- und Immissionsgrenzwerte vorgegeben sind. Eine vergleichende Gegenüberstellung der Emissionswerte zeigt, dass die in der Abluft der Anlage zur Herstellung von PTT enthaltenen Emissionen deutlich unter den vorgegebenen Emissionsgrenzwerten liegen.
Von dem am Boden der Stripperkolonne (3) abgezogenen abgereicherten Brüdenkondensat werden 1,5 m h über Leitung (10) mit einer Temperatur von 38 °C aus der Anlage ausgeleitet und 4,3 m3/h fließen als Rücklauf mit einer Temperatur von 60 °C in die Rektifikationskolonne zurück. Das abgereicherte Brüdenkondensat enthält noch
0,17 g/1 Acrolein
4,30 g/1 AUylalkohol
1,55 g/1 Hydroxypropanal
3,40 g/1 1.3-Propandiol
0,69 g/1 1 -Butanol
0,034 g/1 l-Propanol
0,086 g/1 Essigsäure.
Das abgereicherte Brüdenkondensat kann zur Weiterverarbeitung in eine biologische Aufbereitung abgeleitet werden. Toxische Wirkungen sind nahezu ausgeschlossen.