"Rohrzuführunα"
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Einbringen von Rohrabschnitten in die Achse einer unterirdisch verlaufenden Rohrtrasse und ein entsprechendes Verfahren.
Eine solche Rohrtrasse kann in Form eines bereits bestehenden Abwasserkanals vorliegen, in den ein Neurohr eingezogen werden soll oder auch in Form einer zu erstellenden oder aufzuweitenden Erdbohrung.
Beim Horizontalbohren und Leitungsarbeiten besteht im Gegensatz zum Vertikalbohren grundsätzlich das Problem, daß die Trassenachse parallel zur Erdoberfläche verläuft und die Erdoberfläche nicht schneidet. Für den Zugang zur Trassenachse sind daher besondere Maßnahmen erforderlich. Beim Erdbohren erfolgt dies, indem ausreichend dimensionierte Gruben ausgehoben werden, in die Vortriebsaggregate, Bohrgestänge und neu einzuziehende Rohrabschnitte eingebracht und von der Ebene der Rohrtrasse aus in die Erde eingeführt werden. Die Länge der vorgenannten Körper ist allerdings durch die Breite der Grube begrenzt.
Aus der DE 195 11 732 C2 ist es bekannt, die Bohrmittel bzw. das neu einzuziehende Rohr von der Erdoberfläche aus durch das Erdreich in die Rohrtrasse einzubringen. Eine solche Vorgehensweise ist jedoch, je nach den Gegebenheiten der Baustelle, nicht immer möglich oder erwünscht. Insbesondere im städtischen Bereich müssen Neurohre in schon bestehende Abwasserkanäle eingebracht werden, wobei der Zugang in der Regel über die ebenfalls bestehenden Mannlöcher erfolgt. Da die Mannlöcher einen äußerst geringen Durchmesser aufweisen und der Durchmesser die Länge der einzubringenden Rohrabschnitte begrenzt, sind längere Rohre nur unter Verwendung einer erheblichen Anzahl von Kurzrohrabschnitten, die dann einzeln in die Kanalebene eingebracht werden, einsetzbar. Das Einbringen der Rohrabschnitte in die Kanalebene erfolgt in der Regel manuell, so daß
sich für das Bedienpersonal, neben den ohnehin bestehenden Geruchsbelastungen, eine große körperliche Anstrengung ergibt.
Der Erfindung liegt nun das Problem zugrunde, eine Vorrichtung zum Einbringen eines Rohrabschnitts in eine unterirdisch verlaufende Rohrtrasse zu schaffen, die einen hohen Arbeitsaufwand und eine unter bestimmten Umständen gegebene Geruchsbelästigung des Bedienpersonals vermeidet.
Der Erfindung liegt des weiteren die Aufgabe zugrunde, ein entsprechendes Verfahren bereitzustellen.
Die Aufgabe wird gelöst durch den Gegenstand der unabhängigen Ansprüche. Vorteilhafte Ausgestaltungen ergeben sich aus den Unteransprüchen.
Der Erfindung liegt der Gedanke zugrunde, eine aufzugartige Vorrichtung mit den einzelnen Rohrabschnitten zu beladen, die Rohrabschnitte mit Hilfe dieser Vorrichtung in die Rohrtrassenachse zu verfahren und in der Rohrtrassenachse automatisch mit einem Zugkopf oder dem Ende des bereits verlegten Rohrstranges zu verbinden.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung weist einen Träger für die Rohrabschnitte (Rohrabschnittsträger) auf, der vertikal in die Rohrtrassenachse verfahrbar ist. Rohrtrassenachse im Sinne dieser Erfindung ist die Achse jeglicher bestehender Rohrleitungen, Pilotbohrungen oder geplanter Bohr- trassen.
Der Rohrabschnittsträger ist vorzugsweise als an einer Schiene verlaufender Arm ausgebildet, der schwenkbar gelagert sein kann, um auch für Rohrabschnitte geeignet zu sein, die länger sind als der Durchmesser des Mannlochs. Solche Rohrabschnitte werden dann an der Erdoberfläche auf den Arm aufgesetzt und in schräger Stellung in die Rohrtrassenachse hineinverfahren.
Besonders vorteilhaft ist es, wenn der Rohrabschnittsträger oder die Schiene eine Zug- und/oder Schubeinrichtung aufweist, die es erlaubt, den auf dem Rohrabschnittsträger befindlichen Rohrabschnitt in die Rohrtrasse hineinzuverfahren und/oder darüber hinaus auch eine Schubkraft auf das gesamte Rohr auszuüben. Dadurch kann auf besonders einfache Weise eine voll automatisierte Verlängerung des in der Rohrtrasse befindlichen Rohres erfolgen. Vorzugsweise werden hierfür Rohrabschnitte gemäß der DE 200 17 639 U1 eingesetzt, die sägezahnförmige Rohrenden aufweisen und sich mit Hilfe der erfindungsgemäßen Vorrichtungen in der Rohrtrasse automatisiert ineinander schieben lassen. Die Zug- oder Schubeinrichtung ist vorzugsweise als an dem Arm angeordneter Druckmittelzylinder ausgebildet. Der Arm weist vorzugsweise, insbesondere wenn er nicht schwenkbar ausgebildet ist, eine maximale Länge von 60 cm auf.
Vorzugsweise ist der Rohrabschnittsträger mit Rollen in der Führungsschiene gelagert, die ein einfaches Verfahren zwischen den beiden Endpunkten in der Rohrtrasse einerseits und an der Erdoberfläche andererseits erlauben.
Besonders vorteilhaft für die Automatisierung ist die Verwendung einer Kamera im Bereich der Rohrtrassenöffnung, die es erlaubt, den Vorgang des Einbringens eines Rohrabschnitts in die Rohrtrassenachse, insbesondere des Ankoppeins an das hintere Ende des bereits verlegten Rohres oder eines Zugkopfes, zu überwachen.
Die beschriebene Vorrichtung kann mit einer Winde oder einer anderen Seilzugvorrichtung verwendet werden, wobei die Zugkraft über einen in der Rohrtrasse angeordneten Zugkopf auf das zu verlängernde Neurohr und vorzugsweise über ein beabstandetes Mannloch ausgeübt wird.
Insbesondere bei der Verwendung von Rohrabschnitten gemäß der DE 200 17 639 U1 , aber auch bei der Verwendung von anderen Steckverbindungssystemen ist es von besonderem Vorteil, die zu verbindenden Rohrabschnitte über eine an den Rohrabschnittsinnenwandungen zweier zu verbindender Rohre angreifende Zugvorrichtung zu verbinden, die nach Herstellen einer form-, kraft- oder reibschlüssigen Verbindung mit der Rohrinnenwandung die beiden Rohrabschnitte durch Selbstkontraktion aufeinander zubewegt. Eine solche Vorrichtung ist vorzugsweise mit Segmentscheiben ausgebildet, die zur Herstellung der Verbindung zur Rohrabschnittsinnenwandung über einen Spreiznippel jeweils in beiden Rohrabschnitten aufgespreizt und aufeinander zubewegt werden, bis die Rohrabschnitte miteinander verbunden sind.
Im folgenden wird die Erfindung anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels des näheren erläutert.
In der Zeichnung zeigen:
Fig. 1 die erfindungsgemäße Vorrichtung zum Einbringen der Rohrabschnitte und
Fig. 2 die Vorrichtung der Fig. 1 mit einer bevorzugten Ausführungsform zum Verbinden der Rohrabschnitte.
In eine zwischen zwei Mannlöchern 1 , 2 verlaufende Rohrtrasse 3 wird mit einer Zugvorrichtung 4 über ein Seil 6 und einen Zugkopf 8 ein Neurohr 10 verlegt.
Das Neurohr 10 besteht aus einzelnen Rohrabschnitten 12 und wird durch Verbinden der einzelnen Rohrabschnitte in der Rohrtrasse 3 über das Mannloch 2 verlängert. Die Rohrabschnitte 12 werden mit einer aufzugartigen Vorrichtung 14 über das Mannloch 2 in die Rohrtrassenachse R be-
wegt. Zu diesem Zweck wird ein Rohrabschnitt 12 auf einen Arm 16 der Aufzugsvorrichtung 14 aufgesetzt. Der Arm 16 ist schwenkbar ausgestaltet und erlaubt es, den Rohrabschnitt 12 zunächst mit einer Schwenkbewegung in das im Öffnungsbereich verjüngte Mannloch 2 einzubringen, um dann den vollen Mannlochdurchmesser zu nutzen.
Der Rohrabschnitt 12 wird durch Verfahren des Arms 16 an einer Schiene 18 durch das Mannloch 2 bewegt. Der Arm 16 ist mit der Schiene 18 über Rollen verbunden, um einen reibungsarmen Transport der Rohrabschnitte 12 zu ermöglichen.
Bei Erreichen der Rohrtrassenachse R kommt der Arm 16 zum Stehen, so daß sich der Rohrabschnitt 12 in kolinearer Anordnung mit dem bereits eingezogenen Rohr 10 befindet.
Wie in Fig. 2 erkennbar, wird der Rohrabschnitt 12 in einer bevorzugten Ausführungsform mit Hilfe eines Hydraulikzylinders 20, der über einen Hydraulikschlauch 22 mit einer Druckmittelquelle verbunden ist, in die Rohrtrassenachse 3 hineinverfahren. Der Hydraulikzylinder 20 kann auch genutzt werden, um beim Einziehen des Rohres eine Schubkraft auszuüben. In dem beschriebenen Ausführungsbeispiel weist der Hydraulikzylinder sich endsei- tig gegenüberliegende Segmentscheiben 24, 26 auf, die auf Spreiznippeln 28, 30 gelagert sind und beim Zusammenziehen des Hydraulikzylinders eine reibschlüssige Verbindung mit der Innenwandung des Rohrabschnitts 12 einerseits und der Innenwandung des mit dem Rohr 10 bereits verbundenen Rohrabschnitts herstellen. Beim weiteren Zusammenziehen des Zylinders bewegt dieser die beiden Rohrabschnitte aufeinander zu, bis diese eine Verbindung miteinander eingehen. Die Verbindung kann über korrespondierende sägezahnartige Endabschnitte der Rohrenden erreicht werden.
Der Verbindungsvorgang kann über eine im Bereich der Rohrtrassenachse angeordnete Kamera 32 überwacht werden.
Mit der beschriebenen Vorrichtung läßt sich das Einbringen von Rohrabschnitten und Verlängern eines Neurohrs so weit automatisieren, daß eine Präsenz von Bedienpersonal im Bereich der Rohrtrassenachse überflüssig wird und die Verlängerung des einzuziehenden Rohres mit großer Geschwindigkeit und geringem Kraftaufwand erreicht werden kann.