HEIL- UND PFLEGEMITTEL AUF BASIS VON SAUERTEIG, SOWIE VERFAHREN ZUR HERSTELLUNG
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Heil- und Pflegemittels für die Haut auf Basis eines ausgesäuerten Sauerteiges, ein Heil- und Pflegemittel erhältlich nach diesem Verfahren, ein Kosmetikum enthaltend ein Heil- und Pflegemittel sowie die Verwendung des erfindungsgemäßen Heil- und Pflegemittels in einem Kosmetikum.
Aus der DE 38 02 840 02 ist bereits ein Verfahren zur Herstellung eines Milchsäure und lebensfähige Milchsäurebakterien enthaltenden Gärproduktes durch Versauern einer wässrigen Aufschlämmung von gebackener Brotmasse auf Sauerteigbasis in milchsaurem Medium bekannt geworden, wobei als Brotmasse das Backprodukt eines ausgesäuerten Brotteiges eingesetzt wird. Dieses Gärprodukt soll als u. a. als Hilfsmittel bei der Behandlung des ganzheitlichen Organismus von Mensch, Tier und Pflanze einsetzbar sein.
Aus der DE 38 46 186 AI ist es auch bereits bekannt geworden, aus dem Gär- schlämm der Spontanversäuerung von Sauerteigbroten gewonnene Präparate z. B. als Packungszuschlagstoff zur Behandlung von chronisch entzündlichen Krankheiten der Haut einzusetzen.
Durch die DT 26 11 972 Bl ist es bereits bekannt geworden, zum Herstellen eines Sauerteigs für die Bereitung von Broten und Backwaren aus Getreide- schroten und/oder Mehlen in der den Vorteig bildenden Getreidemaische die Sauerteigbakterien bis zur Einstellung jeglicher bakteriologischer Stoffwechselaktivität auszusäuern.
In der EP 0 530 861 Bl ist eine topische, antimikrobielle pharmazeutische Zusammensetzung offenbart, die ein Gemisch aus C6- bis Cι8-Fettsäuren um- fasst.
DE 299 23 627 Ul betrifft ein Heil- und Pflegemittel zur Förderung der Durchblutung, zur Lösung von Muskelverspannungen, zur Hautreinigung und zur Hautregenerierung, das auf Körperteile aufgetragen oder als Zusatz zu einem Wasserbad verwendet wird. Das Produkt ist dadurch gekennzeichnet, dass es von einem Fermentationsprodukt eines ausgesäuerten Sauerteiges gebildet' ist.
Die CH-A5-623 207 betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Nahrungsmitteln, enthaltend ein durch Milchsäurebakterien fermentiertes Produkt aus Getreidekeimen. Hinweise auf anderweitige Verwendung des Produkts außerhalb des Nahrungsmittelbereichs sind nicht erkennbar. DE-A-39 05 055 offenbart ein Getreidevollkornprodukt sowie ein Verfahren zu seiner Herstellung. Es wird die Herstellung von Backprodukten oder Trockenprodukten auf Basis von einem Ausgangsprodukt beschrieben, das nach Kurzkeimung eines Getreides mit einer Lactobacillus-Kultur beimpft wird.
EP-A-0 806 144 betrifft die Herstellung eines flüssigen oder pastösen biologi- sehen Backmittels mit Hilfe von Milchsäurebakterien, dem, je nach Anwendung und Brotrezeptur noch Enzyme, Malzmehl und Ascorbinsäure oder ascorbin- säurehaltige Fruchtpulver zugegeben werden können, sowie ein danach hergestelltes biologisches Backmittel.
WO-A-96/13981 offenbart Trocken-Backprodukte und Verfahren zu ihrer Her- Stellung. Die GB-A-1 539 756 betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Nahrungsprodukten untr Verwendung von mit Milchsäure Bakterien fermentierten Getreidekeimprodukten.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es, die positiven Einflüsse, insbesondere die aus der DE 299 23 627 Ul bekannten Wirkungen, zu verbessern. Ins- besondere soll die Palette wertvoller Inhaltsstoffe der bekannten Fermentationsprodukte erweitert werden, z. B. die Menge an Vitaminen und anderen biotischen Faktoren erhöht werden.
Überraschenderweise sind Fermentationsprodukte von gekeimten Getreideprodukten mit heterofermentativen Milchsäurebakterien geeignet, die gestellte Aufgabe zu lösen. Natürliche durch Fermentation gebildete Produkte, die mit der Haut in Kontakt gebracht werden besitzen ein Potential, pflegebedürftige Haut positiv zu beeinflussen.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung eines Heil- und Pflegemittels für die Haut aus Fermentationsprodukten auf Basis ei- nes ausgesäuerten Sauerteiges, wobei
1.1 einem gekeimten Getreideprodukt Wasser sowie ein bakteriologisches Impfgut aus der Gruppe der heterofermentativen Milchsäurebakterien, vorzugsweise LactobaciUus DSM 6037 und LactobaciUus DSM 6129, zugegeben wird 1.2 und der Ansatz bis zur Einstellung der Stoffwechseltätigkeit der
Mikroorganismen ausgesäuert wird.
Erfindungsgemäß wird insbesondere das gekeimte Getreideprodukt nach der Keimung vermählen und mit dem bakteriologischen Impfgut vermischt.
Das gekeimte Getreideprodukt wird beispielsweise erhalten, indem keimfähi- ges Saatgut vorzugsweise aus biologischem Anbau gewaschen, gequollen und zur Aussaat gebracht wird. Die Keimung erfolgt vorzugsweise in abgepackten Kulturen. Die Ernte der gekeimten Sprossen erfolgt nach 36 bis 48 Stunden. Nach der Ernte erfolgen Waschvorgänge mit kaltem, vorzugsweise eiskaltem Wasser. Die gekeimten Sprossen können danach sofort weiterverarbeitet wer- den oder bei Temperaturen bis maximal 7° C auch längere Zeit gelagert werden. Die Lagerzeit sollte 1 Woche nicht überschreiten..
Als Getreide kommen insbesondere Roggen, Weizen und Gerste in Betracht. In einer Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird dem Fermentationsprodukt ein zweites kohlehydrathaltiges Substrat und Wasser zugegeben. Die Mischung wird ausgesäuert,
- der letzte Verfahrensschritt ggf. ein oder mehrmals wiederholt, wobei die Mischung abschließend bis zur Einstellung jeglicher bakteriologischer Stoffwechselaktivität ausgesäuert wird und
- das Fermentationsprodukt wird einem stabilisierenden Erhitzungsprozess nahe der Siedetemperatur unterzogen.
Gegenstand der Erfindung ist ein Heil- und Pflegemittel für die Haut auf Basis eines ausgesäuerten Sauerteiges erhältlich nach dem erfindungsgemäßen Verfahren.
Das erfindungsgemäße Heil- und Pflegemittel weist vorteilhafterweise einen hohen Anteil auf fermentativem Wege gewonnener Milchsäure von > 60 Gew.- % (als Anteil der Gesamtsäuremenge) auf.
Die erfindungsgemäßen Heil- und Pflegemittel sind mit in der Kosmetik übli- chen Hilfs- und Trägerstoffen versetzbar, um Kosmetika herzustellen.
Die einsetzbaren erfindungsgemäßen Heil- und Pflegemittel werden insbesondere in Form von Pulvern, Getreidefluiden, Getreideseren, Getreidegelen verwendet.
Das aus den erfindungsgemäßen Heil- und Pflegemittel herstellbare erfin- dungsgemäße Kosmetikum kann insbesondere in Form von Salben, Pulvern, Cremes, Lotionen, Gelen, Shampoos, Haarspülungen, Packungen, Lippenstiften, Gesichts- und Körpermasken, oder Kombinationen davon eingesetzt werden.
So kann beispielsweise eine Gesichtsmaske zur Reinigung hergestellt werden aus in kosmetischen Rezepturen geläufigen Inkredenzien, wie Steareth-12 oder Steareth-21, Glycerylstearaten, Stearinsäure, Alkylbenzoaten mit Kettenlängen von insbesondere 12 bis 15 Kohlenstoffatomen, Cetearylisononanoat, Stearylheptanuat, Octylstearat, Duft- oder Aromastoffen, wie beispielsweise Persea Gratissima Avocadol (Firma CosmoCare), dem erfindungsgemäßen Getreidegel oder Getreidefluid, Propyleneglycol, Füllstoffen wie Kaolin und Wasser. Eine andere Anwendungsform kann bestehen aus überwiegend erfindungsgemäßem Serum mit hohem Milchsäuregehalt sowie Vitaminen und anderen Ergänzungsstoffen. Ein Shampoo kann typischerweise Inkredenzien enthalten, wie Sodiumlaurethsulfat, Dinatriumlaurethsulfosuccinat, Cocoami- dopropylbetain, PEG-7 Glycerylcocoate, dem erfindungsgemäßen Getreideserum, Füllstoffen wie Styrolacrylatcopolymeren/Laureth-23, Zitronensäure, Po- lyquaternium-10 (Firma Amerchol), PEG-18 Glyceryloleat oder -cocoate sowie Wasser, Konservierungsstoffen und Duftstoffen. Eine typische Kurpackung kann bestehen aus Cetearylalkohol, Ceteareth-12, Ceteareth-20, PEG-75 La- nolin, Triticum Vulgäre (Firma Dragoco), dem erfindungsgemäßen Getreidefluid oder Getreideserum, Hydroxycetyl oder Hedroxyethyl Dimonium Chlorith
der Firma Henkel, Panthenol, Zitronensäure sowie Wasser, Konservierungsstoffe und Duftstoffe.
Ein Haarkonditionierer kann insbesondere bestehen aus dem erfindungsgemä- ßen Getreidefluid oder Getreideserum mit Duft-, Konservierungs- und Füllstof- fen, beispielsweise Obstessig, Glycerin, Cetearylalkohol, Ceteareth-12, Cetri- moniumchlorith, PEG-75 Lanolin, Konservierungsstoffe, Duftstoffe sowie Wasser. Die genannten Inkredenzien sind in der Kosmetik üblicherweise eingesetzte Chemikalien und sämtlich kommerziell erhältlich.
In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung wird das erfindungsge- maß Heil- und Pflegemittel in Form eines Getreidefluid eingesetzt. Dabei handelt es sich um einen cremigen aus Getreidegel gewonnenen Rohstoff, der sich auszeichnet in Cremes, Lotionen, Shampoos, Haarspülungen und Packungen. Das erfindungsgemäße Getreidegel ist ein eher dickflüssiger Rohstoff, der auch direkt als erfindungsgemäßes Heil- und Pflegemittel eingesetzt werden kann. Es handelt sich dabei um das mehr oder weniger unmittelbar aus dem Fer- mentationsprozess gewonnenen Produkt, was sich in unveränderter Form als natürliche Gesichts- oder Körpermaske sowie als Badezusatz einsetzen lässt. Vorteil an dieser Ausführungsform ist das Fehlen von den Organismus belastender möglicherweise unverträglicher Bestandteile. Nach Anwendung zeigen sich Verbesserungen des Hautreliefs und Verlangsamung der Bildung von Hautunreinheiten. Das Mittel kann als biologisches Peelingmittel abgestorbener Hautschuppen dienen, wobei Vorteilhafterweise ein Moisturizing-Effekt in Erscheinung tritt.
Aus Getreidefluid kann seinerseits ein Getreideserum gewonnen werden. Es eignet sich als Rohstoff zum Einarbeiten in Gesichts- und Körpermasken, Lippenstiften, Shampoos und Spülungen sowie Haarpackungen.
Ausgehend vom Getreidegel können beispielsweise Getreidepulver, Getreidefluid sowie das Getreideserum hergestellt werden. Ausgehend von Getreidegel kann das Getreidepulver hergestellt werden durch Separieren der Feststof- fe aus dem erfindungsgemäßen Getreidegel, das anschließend getrocknet und vermählen wird. Die Feststoffe des Getreidepulvers können als Peelingkörper in den erfindungsgemäßen Kosmetika eingesetzt werden. Das Getreidefluid
wird beispielsweise hergestellt durch Abtrennung vom gereinigten Gel und Anreicherung mit unfiltriertem Getreideserum bis die für die Verwendung geeignete Viskosität eingestellt ist. Es handelt sich bei diesem Produkt um einen Rohstoff mit hohem Wirkstoffanteil. Das Getreideserum wird beispielsweise hergestellt durch Filtrieren des flüssigen Überstandes des aus der Fermentation gewonnenen erfindungsgemäßen Getreidegels und anschließende Klärung. Dabei entsteht ein Produkt mit sehr hohem Wirkstoffanteil.
Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung der erfindungsgemäßen Heil- und Pflegemittel in einem Kosmetikum gemäß der Erfindung. Dabei ist eine bevorzugte Verwendung der erfindungsgemäßen Heil- und Pflegemittel in Liposomen zu erwähnen. Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind auch Liposomen mit den erfindungsgemäßen Heil- und Pflegemitteln.
Beispiel 1
Keimung des Getreides 10 Kilogramm keimfähiges Getreide, zum Beispiel Roggengetreide, werden mit kaltem Wasser gewaschen und zur Quellung in kaltem Wasser für 4 Stunden eingeweicht. Danach wird das Wasser entfernt. Das so behandelte Getreide wird in einen Behälter mit großer Bodenfläche gefüllt und ausgebreitet. Die Getreideschicht weist danach etwa eine Schichtdicke von 2 bis 3 cm auf. Da- nach wird der Behälter abgedeckt. Die Temperatur während der Keimung beträgt ca. 20° C. Die Keimung wird verbessert, wenn der Behälter gut belüftet ist. Nach etwa 40 Stunden werden die Getreidekeime entnommen und in eiskaltem Wasser gewaschen. Die Getreidekeime können danach direkt weiterverarbeitet werden oder die Keime sind bei maximal 7° C lagerfähig. Beispiel 2
Zur Herstellung des erfindungsgemäßen Getreidegels wird ein Teil des nach Beispiel 1 gekeimten Getreides mit zwei Teilen Wasser vermischt. Dieser Mischung werden Fermentationsmedien mit LactobaciUus DSM 6037 sowie LactobaciUus DSM 6129 zugegeben. Diese Mischung wird für 24 bis 48 Stunden bei Temperaturen von 30 bis 34 C fermentiert. Die Fermentation ist beendet, wenn sich ein konstanter pH-Wert einstellt. Die aus der Startfermentation ge-
wonnene Mischung wird mit 87,5 Teilen, bezogen auf das Gesamtvolumen der Startfermentation, mit Wasser aufgefüllt. Die Fermentationszeit beträgt 24 bis 48 Stunden bis ein konstanter pH-Wert erreicht wird bei einer typischen Temperatur von 30 bis 34 C. Danach erfolgt eine thermische Behandlung für 3 bis 5 Stunden bei einer Temperatur von 92 bis 100 C. Gegebenenfalls werden Konservierungsmittel, wie Sorbinsäure und Benzoesäure, hinzugegeben. Typischerweise können 0,75 Teile Sorbinsäure bezogen auf das Gesamtvolumen eingesetzt werden. An den Konservierungsschritt schließen sich die Trennverfahren zur Herstellung der einzelnen Fraktionen, wie Getreideserum, Getrei¬
10 defluid oder Getreidepulver an.
Die Tabelle zeigt eine Gegenüberstellung ausgewählter Inhaltsstoffe aus dem erfindungsgemäßen Produkt und einem Produkt, das nicht auf Basis von gekeimten Roggen hergestellt worden ist.
Tabelle
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