Alkalisches Zink-Nickelbad mit erhöhter Stromausbeute
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Zusammensetzung zum galvanischen Beschichten von Metallen durch Aufbringen von Zink-Nickelschich- ten im alkalischen Bad.
Zink-Nickelüberzüge finden bei metallischen Oberflächen zur Verbesserung der Korrosionseigenschaften sowie zum Erreichen einer bestimmten Optik umfangreiche industrielle Anwendung.
Im Stand der Technik ist es bekannt, solche Überzüge mit sauren oder alkalischen Zink-Nickelbädern aufzubringen. Saure Zink-Nickel-Elektroplattie- rungsverfahren arbeiten mit Sulfatbädern, Chloridbädern, Acetat- oder Sul- famatbädern. Ein solches Bad ist in der japanischen Offenlegungsschrift 58- 39236 beschrieben. Nachteilig bei derartigen sauren Bädern ist die starke Korrosionswirkung des Elektrolyts auf die galvanische Anlage.
Daher ist der Einsatz alkalischer Bäder, die außerdem eine homogenere Metallverteilung ermöglichen, in der Praxis inzwischen verbreitet. Ein solches Bad ist als Zink-Nickelbad in der US-Patentschrift 3 681 211 beschrieben. Dabei wird eine wäßrige Zink-Nickel-Lösung beispielsweise mit NaOH auf einen pH-Wert zwischen 10 und 13 eingestellt. Zink- und Nickel liegen in derartigen Lösungen großenteils als Hydroxide, bzw. Hydroxid-Niederschläge in der Lösung vor und müssen, besonders im Falle von Nickel, durch Zugabe von Komplexbildnern bei dem gegebenen pH-Wert in Lösung gehalten werden. Als bevorzugte Komplexbildner kommen Polyethylenamine zum Einsatz; insbesondere Diethylentriamin, Trietethylentetramin, Tetra- ethylenpentamin (TEPA), Pentaethylenhexamin oder N,N,N',N,-Tetrakis(2- hydroxypropyl)ethylendiamin (Quadrol L). Des weiteren können Glanzstoffe zugegeben werden; neben den auch als Glanzstoffen wirkenden Polyethy- lenaminen wird N-Benzyl-nicotinat-betain (BN-Betain) als bevorzugter Glanzstoff eingesetzt.
Obwohl alkalische Zink-Nickelbäder die Ausbildung homogener Schutzschichten erlauben, sind sie mit dem erheblichen Nachteil behaftet, nur eine geringe kathodische Stromausbeute zu erlauben, die bei etwa 10-30 % liegt (siehe Abb. 1). Die gebräuchlichen kathodischen Stromdichten, die bei diesen Verfahren angewendet werden, liegen etwa im Bereich von 0,1 bis 8 A/dm2.
0,00 2,00 4,00 6,00 8,00 10,00 Stromdichte (A/dm2)
Abbildung :1 Stromausbeute in Abhängigkeit der Stromdichte Ausbeute errechnet aus der Schichtdicke bei Hullzellblechen, ohne Badbewegung abgeschieden
Die Zeit für das Aufbringen einer Schicht von 8 μm Schichtdicke beträgt bei der in einem gebräuchlichen alkalischen Galvanisierungsbad, wie beispielsweise in der DE-198 48467 A1 beschrieben, mit einer mittleren Stromdichte von 2,5 A/dm2 etwa 40 min. Eine Erhöhung der Stromdichte ist bei alkalischen Galvanisierungsbädem nur begrenzt möglich, da die Qualität, insbesondere die Homogenität des Überzugs mit zunehmender Stromdichte rapide abnimmt.
Um befriedigende Galvanisierungsschichten zu gewährleisten, läßt sich daher die zur Abscheidung einer derartigen Legierungsschicht benötigte Arbeitszeit mit den im Stande der Technik bekannten Mitteln nicht verkürzen.
Der Erfindung liegt somit die Aufgabe zu Grunde, ein Verfahrensprinzip und eine Reaktionslösung zur galvanischen Zink-Nickel-Beschichtung bereitzustellen, die bei einer Erhöhung der Stromausbeute eine deutlich schnellere Abscheidung eines homogenen galvanischen Legierungsüberzugs ermöglicht.
Die Lösung des Problems wird erreicht durch ein Bad gemäß den Ansprüchen 1 bis 3, die Stoffverwendung gemäß den Ansprüchen 9 und 11 und das Verfahren gemäß den Ansprüchen 14 und 15. Bevorzugte Ausführungsformen sind Gegenstand der Unteransprüche.
Der Erfindung liegt die Erkenntnis zu Grunde, daß die im Stande der Technik vorherrschenden Schwierigkeiten bei alkalischen Galvanisierungsbädern zur kathodischen Abscheidung von Zink-Nickel-Legierungsüberzügen auf eine Abscheidung, insbesondere einer Ausölung des Polyethylenamins oder vergleichbarer Komplexbildner im Kathodenfilm zurückzuführen sind. Bei der Ausölung bildet sich ein Film auf der Kathodenoberfläche, der die weitere Abscheidung von Metall behindert. Durch die geringe Stromausbeute vor allem im hohen Stromdichtebereich tritt dieser Effekt bei hohen Stromdichten verstärkt auf und führt dann durch lokale, die weitere Metallabscheidung verhindernden Anlagerungen des Komplexbildners an die Kathode zur Ausbildung inhomogener galvanischer Schichten und damit zu unerwünschten Oberflächenstrukturen und einem verminderten Korrosionsschutz.
Erfindungsgemäß wird dieses Problem durch Verminderung der Abscheidung bzw. Ausölung des Polyethylenamins oder vergleichbarer Komplexbildner gelöst. Eine solche Verminderung lässt sich mit Hilfe von Lösungsvermittlern zwischen polaren und unpolaren Phasen erreichen.
Ein Weg zur Verwirklichung der erfindungsgemäßen Lehre besteht darin, bei Bädern, die mindestens ein Polyethylenamin enthalten, einen Stoff zur Erhö-
hung der Löslichkeit des Polyethylenamins zuzusetzen. Besonders wirksame Stoffe zur Erreichung dieses Zwecks sind Substanzen mit polaren Gruppen wie beispielsweise Arylsulfonate.
Bevorzugt hierzu verwendete Arylsulfonate sind Cumolsulfonat und Xylen- sulfonat, die eine vergleichbare Wirkung besitzen.
Unter Verwendung von Cumolsulfonat oder Xylensulfonat läßt sich eine besonders effektive Verminderung der Ablagerung der Komplexbildner an der Kathode erreichen, was eine gesteigerte Stromausbeute von über 50% und in Folge eine deutliche Verkürzung der Beschichtungsdauer bei Ausbildung einer homogenen Schutzschicht erlaubt (siehe dazu Abb. 2).
100,00 S^
3 75,00 Φ Q W 50,00
3 w 5,00 p ε 2
<f> 0,00
0,00 2,00 4,00 6,00 8,00 10,00 Stromdichte (A/dm2)
Abb. 2: Stromausbeute in Abhängigkeit der Stromdichte Durchgezogene Linie: Stand der Technik Strichlinie: erfindungsgemäß
Diese erfindungsgemäße Ausführungsform stellt ein besonders vorteilhaftes und weiteres überraschendes Ergebnis unter Verwendung bekannter Stoffe dar, die bislang zwar im Bereich galvanischer Beschichtung, jedoch für gänzlich andere Zwecke in anderen Bädern eingesetzt wurde. Insbesondere Cumolsulfonat findet im Stand der Technik, neben einer schwerpunktmäßi-
gen Verwendung in Lösungs- und Bleichmitteln, in sauren Galvanikbädem, insbesondere zur Phosphatierung Verwendung. Eine solche Verwendung ist in der Deutschen Offenlegungsschrift 19956 383 A1 beschrieben.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform enthält das Bad Diethylentriamin, Triethylentetramin, Tetraethylenpentamin, Pentaethylenhexamin oder N,N,N\N'-Tetrakis(2-hydroxypropyl)ethylendiamin (Quadrol L) als Polyethylenamine. Bei einer besonders bevorzugten Ausführung ist Diethylentriamin (DETA) oder Tetraethylenpentamin (TEPA) enthalten.
Vorteilhafte Konzentrationen an Cumolsulfonat oder Xylensulfonat liegen bei 0,1 bis 50 g/l.
Bei weiteren vorteilhaften Ausführungsformen liegt die Zinkkonzentration bei 6-15 g/l. Die Nickel konzentration richtet sich dabei nach der Zinkkonzentration und muß so beschaffen sein, daß eine Legierung von 12-15% Ni erhalten wird. Bevorzugte Konzentrationen der Polyethylenamine liegen bei 1-100 g/l, vorteilhafte NaOH-Konzentrationen liegen bei 60-200 g/l. Tetraethylenpentamin wird vorzugsweise in einer Konzentration von 40 g/l eingesetzt.
Das erfindungsgemäße Bad wird bevorzugt mit unlöslichen Nickelanoden betrieben. Weiterhin kann die Verwendung einer lonenaustauschermembran vorteilhaft sein, um unerwünschte Nebenreaktionen zu vermeiden und die Anode von dem Elektrolyten zu trennen.
In einer bevorzugten Ausführungsform wird folgendes Bad verwendet:
Zink: 13 g/l
NaOH: 120 g/l
Nickel: 1 ,8 g/l
TEPA: 40 g/l
BN-Betain: 0,1 g/l
Cumolsulf. 1 ,6 g/l Badtemperatur: 32°C Anoden: Nickel-Anoden Kathodische Stromdichte: 2,1 A/dm2 Kathodische Stromausbeute: 60% (siehe hierzu auch Abb. 2)
Die Zugabe der Beschichtungsmetalle erfolgte durch Auflösen von Zinkoxid und Zugabe von Nickelsulfat. Unter Verwendung von Tetraethylenpentamin bei einer Cumolsulfonat-Konzentration von 1,6 g/l wird eine Stromausbeute von 60% erreicht. Die Arbeitszeit zur Abscheidung einer 8 μm dicken Legierungsschicht beträgt dabei 20 min. Die ausgebildete Zink-Nickelschicht zeichnet sich durch eine homogene Nickelverteilung aus.