Titel : Verfahren und Vorrichtung zum Aufbereiten von organisch und/oder anorganisch belastetem Abwasser
Beschreibung
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Aufbereiten von organisch und/oder anorganisch belastetem Abwasser durch Destillation.
Frisch- und Trinkwasser sowie Brauchwasser ist ein wertvoller Rohstoff, der nicht nur in besonders trockenen Klimazonen dringend gebraucht wird. Mehr und mehr steigt die Nachfrage auch in industrialisierten Ländern. Die knapper werdenden vorhandenen Resourcen führen zu erheblichen Anstrengungen, neue Trinkwasserquellen zu finden und nicht trinkbares Wasser durch Reinigung zu Brauch- oder Trinkwasser aufzubereiten.
Aus der EP-A-0 142 251 ist ein Thermokompressionsverfahren zum Destillieren von Rohwasser in einem Einkreissystem beschrieben. Dieses bekannte Verfahren arbeitet entweder im Vakuum oder nur mit leichtem Überdruck (ca. 0,1 bar über der Umgebung) . Der Grund liegt darin, dass das dort als verdichtet beschriebene Gebläse bzw. Ventilator den notwendigen Überdruck nicht aufbringt . Darüber hinaus ist deren Lebensdauer viel zu kurz, da Abwasserdampf mit allen Restbestandteilen bei höherem Druck und somit höherer Temperatur von bspw. 110° Celsius aggressiver ist und die Verdichter korrosiv und erosiv schnell zerstört.
Zwar sind aus der FR-A-2 337 693 bzw. der DE-C-26 00 398 ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Rohwasser-Destillation bekannt geworden, bei dem bzw. bei der bereits entsalztes und entmineralisiertes Rohwasser behandelt und zu hochreinem, keimfreien Destillat verarbeitet wird, wobei etwa dieselbe
Menge an Destillat erzeugt wird, wie Rohwasser der Vorrichtung zugeführt wird. Bei diesem Verfahren wird ein Zweikreissystem derart verwendet, dass das Rohwasser innerhalb eines Primärsystems und ein Sekundärmedium innerhalb eines einen Verdichter enthaltenden, vom Primärsystem getrennten, in sich geschlossenen Sekundärsystems verdampft und kondensiert wird, wobei das Rohwasser durch Erhitzen an dem -zuvor im Verdichter weiter erwärmten Sekundärmedium bei Überdruck und dieses im Sekundärsystem durch Kondensation des Wasserdampfes verdampft und der Wasserdampf durch ein Zyklon geführt wird. Dieses bekannte Verfahren eignet sich jedoch lediglich zur Destillation von bereits entsalztem und ent ineralisiertem Rohwasser, nicht aber für organisch und/oder anorganisch belastetes Abwasser. Würde man dieser bekannten Vorrichtung solche Abwasser in entsprechender Menge zuführen, so würde sich das Primärsystem in kürzester Zeit zusetzen.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es deshalb, ein Verfahren und eine Vorrichtung der eingangs genannten Art derart auszubilden, dass es bzw. sie zur thermischen Abwasseraufbereitung geeignet ist, keimfreies Wasserdestillat hoher Qualität bei gleichzeitig mehr oder wenige niedriger Auf onzentration des zu verdampfenden Abwassers und dennoch energiesparend zu erzeugen.
Zur Lösung dieser Aufgabe sind bei einem Verfahren bzw. einer Vorrichtung der eingangs genannten Art die im Anspruch 1 bzw. die im Anspruch 11 angegebenen Merkmale vorgesehen.
Mit den erfindungsgemäßen Maßnahmen ist erreicht, dass sich aufgrund einer in Vorversuchen für jeden Abwassertypus ermittelten Wahl des Wertes des Konzentrationsfaktors CF eine niedrige Aufkonzentration des Abwassers im Primärsystem erreichen lässt, was bedeutet, dass die Aufbereitung in einem optimalen Bereich abläuft. Dies bedeutet, dass es ausreicht,
relativ geringe Mengen an Additiven, was zur Schonung der Umwelt beiträgt, zuzusetzen, um eine Kristallbildung des Anhydrits im Primärsystem verbunden mit der hier unpraktischen Eigenschaft, sich im Apparat anzulagern im wesentlichen zu verhindern. Diese niedrige Aufkonzentration in Verbindung mit der hohen Abschlämmrate verhindert auch eine wesentliche Erhöhung der Siedetemperatur im Primärsystem während des Betriebes, was sich wiederum vorteilhaft auf die Bauart des Verdichters im Sekundärsystem auswirkt. Da das verwendete Zweikreissystem im Überdruck arbeitet, sind keine Pumpen zum Absaugen des Destillats notwendig, so dass das Destillat in der Reinheit verbleibt, in der es das Primärsystem verlässt. Dieses Kondensationsverfahren ergibt ferner eine ausgezeichnete Frischwasserqualität. Die Art der Destillatherstellung unter Verwendung der Zyklonabscheidung ergibt ein praktisch keimfreies Wasserdestillat. Durch diese Keim- und Salzfreiheit des Destillats kann dieses für die verschiedensten Zwecke nach entsprechender Konditionierung verwendet werden.
Ein bevorzugter Bereich für den CF-Wert ergibt sich aus den Merkmalen des Anspruchs 2 bzw. 12.
Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen ergeben sich aus den Merkmalen des Anspruchs 3 bzw. 13 und 4 bzw. 14 sowie des Anspruchs 5 bzw. 15.
Eine Erhöhung der Strömungsgeschwindigkeit im Verdampfer bewirkt eine Verbesserung der Wärmeübergangszahl im Verdampfer, eine geringe Neigung zur Bildung von Ablagerungen an den Verdampferwandungen, eine geringe Neigung zur Korrosion, da Beläge, die z.B. bei Spannungsrisskorrosion in Spalten eine wesentliche Rolle spielen, bei deren Bildung gehindert werden, ferner kleinere Dosiermengen, falls Additive zum Anti-Scaling benötigt werden, und einen höheren Umlauffaktor im Verdampfer bewirkt eine längere Verweilzeit
des Abwassers bei Verdampfungstemperatur, so dass der FQ-Wert (Maß für die Sterilisationsgüte des Prozesses) erhöht wird. Somit ist die Abtötung der im Abwasser befindlichen Mikroorganismen sehr viel sicherer als dies bei nur kurzer Verweilzeit der Fall ist, gewährleistet.
Weitere verfahrensmäßige Ausgestaltungen ergeben sich aus den Merkmalen eines oder mehrerer der Ansprüche 6 bis 10.
Bei einer Ausführungsform ist gemäß den Merkmalen Anspruchs 16 erreicht, dass durch eine im Zweikreissystem integrierte Heizung, die nur geringfügig über der Temperatur der vorerwärmten Teilströme liegende Siedetemperatur erreicht wird.
Bei einer anderen Ausführungsform wird gemäß den Merkmalen des Anspruchs 17 und/oder 18 eine bezüglich des Zweikreissystems externe Heizeinrichtung vorgesehen, so dass sich eine Anpassung an die jeweiligen energetischen Gegebenheiten am Aufstellungsort erreichen lässt.
Da alle Anlagenteile dem aggressiven Abwasser ausgesetzt sind, wird gemäß den Merkmalen des Anspruchs 19 eine korrosionsbeständige lochfraßresistente Ausbildung der Wärmeübertrager erreicht .
Mit den Merkmalen gemäß Anspruch 20 ist eine weitere Erhöhung' der Strömungsgeschwindigkeit im Verdampfer und damit eine weitere Verbesserung der genannten positiven Prozessgrößen erreicht.
Gemäß den Merkmalen des Anspruchs 21 ist eine Dosierstation für das Beimengen eines Additivs in relativ geringer Dosierung vorgesehen.
Beim Einsatz von Trinkwasseranwendungen ist eine
Nachbereitung des Destillats nötig, da der Genuss von größeren Mengen destillierten Wassers den Mineralhaushalt des menschlichen Körpers stört. Es müssen deshalb dem Trinkwasser nach WHO-Standard bestimmte Mineralien und dgl . zugeführt werden. Bei der Anwendung des Wasserdestillats zur Bewässerung von Agraranlagen ist grundsätzlich keine Nachbehandlung nötig. Der geringe Mineralgehalt verhindert die schnelle Versalzung der Böden durch den Salzeintrag durch das Bewässerungswasser. Die Böden bleiben somit lange Zeit fruchtbar, ohne dass ein Bodenaustausch oder eine aufwendige Spülung des Bodens notwendig ist. Es können jedoch nach Wunsch dem Destillat spezielle Beimengungen, wie Düngemittel, Insektizide und dgl. zudosiert werden. Dies kann in der oben beschriebenen alternativen Weise mit Hilfe der Merkmale gemäß Anspruch 22 durchgeführt werden.
Um ein einfaches Anfahren der Vorrichtung nach der anderen Ausführungsform zu erreichen, sind die Merkmale gemäß Anspruch 23 vorgesehen.
Bei bestimmten Abwässern kann eine Schaumbildung an der AusdampfOberfläche stattfinden. Um diesen Schaum zu zerstören sind in weiterer Ausgestaltung die Merkmale des Anspruchs 24 vorgesehen, wobei die konstruktive Ausführung nach den Merkmalen des Anspruchs 25 oder 26 erfolgen kann.
Weitere Einzelheiten der Erfindung sind der folgenden Beschreibung zu entnehmen, in der die Erfindung anhand der in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiele näher beschrieben und erläutert ist. Es zeigen:
Figur 1 in schematischer Darstellung ein Fließbild einer Vorrichtung zur thermischen Überdruck- Abwasseraufbereitung gemäß einer ersten Ausführungsform vorliegender Erfindung,
Figuren
1A und 1B jeweils ausschnittsweise eine Variante des ersten Ausfuhrungsbeispiels,
Figur 2 eine der Figur 1 entsprechende Darstellung einer Vorrichtung zur thermischen Überdruck- Abwasseraufbereitung gemäß einer zweiten Ausfuhrungsform vorliegender Erfindung,
Figur 2A ausschnittsweise eine Variante des zweiten Ausfuhrungsbeispiels und
Figur 3 in vergrößerter schematischer Darstellung denjenigen Teil der Vorrichtung, der das Zweikreis- Prozeßsystem beinhaltet.
Die in der Zeichnung gemäß zweier Ausfuhrungsformen vorliegender Erfindung dargestellte Vorrichtung 11 bzw. 11' dient zum energiesparenden thermischen Uberdruck- Abwasseraufbereiten, wobei keimfreies Wasserdestillat höchster Qualität erzeugt wird, und wobei die Vorrichtung insbesondere für kleine bis mittlere Leistungen ausgelegt ist. Das keimfreie Wasserdestillat soll insbesondere als Trinkwasser, Brauchwasser oder der Bewässerung dienen. Bei den dargestellten Ausfuhrungsformen wird ein Zweikreissystem 12 bzw. 12' mit einem unter geringem Überdruck arbeitenden Primarsystem 13, 13' für das aufzubereitende Abwasser und einem räumlich davon getrennten in sich geschlossenen Sekundarsystem 14, 14' verwendet, das mittels einer Wärmepumpe unter Überdruck gefahren wird.
Gemäß der in Figur 1 dargestellten ersten Ausfuhrungsform einer Uberdruck-Abwasseraufbereitungsvorrichtung 11 wird über eine in nicht dargestellter Weise in den Zulauftank eingetauchte Rohrleitung 16 aufzubereitende Abwasser von
einer Pumpe 17 über ein davor liegendes Filtersystem 18 gefördert, in welchem das kalte Abwasser von groben Partikeln von bspw. größer 200 μm befreit wird. Die Pumpe 17 ist derart ausgelegt, dass das angesaugte kalte Abwasser im Druck soweit erhöht wird, wie dies gerade zur Überwindung aller Druckverluste in der Vorrichtung 11 notwendig ist und ein gewünschter Restüberdruck am Vorrichtungsausgang noch gegeben ist. Nach der Pumpe 17 herrscht ein Überdruck von bspw. etwa 2 bis 3 bar, während ausgangsseitig ein geringer Überdruck von bspw. etwa 0,25 bis 0,30 bar an der Destillationssäule, bzw. etwa 0,1 bar nach dem letzten Wärmeübertrager 38 herrscht. Nach der Pumpe 17 ist die Rohrleitung 16 mit einer Dosierstation 19 verbunden, über deren Verbindungsleitung 21 ein Additiv dem Abwasser hinzugefügt wird. Das Additiv, das nur in relativ geringen Mengen hinzugefügt werden muss, dient dazu, die Kristallbildung von Anhydrit (CaSo4) oder die Kesselsteinbildung zu verringern bzw. zu verändern oder ganz zu vermeiden oder ggf. das Schaumwachstum zu verhindern und somit ein Zuwachsen von Bauteilen, insbesondere des Verdampfers im Zweikreissystem 12 zu verhindern. Dieses Additiv ist je nach Verwendung des Wasserdestillats gewählt; es muss also bspw. auch zur Trinkwassererzeugung zugelassen und umweltverträglich sein.
Die Rohrleitung 16 verzweigt sich nach einem Verteiler 22 in eine erste Zuleitung 23 und eine zweite Zuleitung 24, in denen jeweils ein Drosselorgan 26 bzw. 27 vorgesehen ist. Dadurch wird der in der Rohrleitung 16 zugeführte Abwasserstrom in einen ersten Teilstrom in der ersten Zuleitung 23 und in einen zweiten Teilstrom in der zweiten Zuleitung 24 aufgeteilt. Die quantitative Aufteilung der beiden Teilströme erfolgt durch die beiden Drosselorgane 26 und 27 in stationärer oder geregelter Weise.
In die erste Zuleitung 23 ist die eine Seite eines ersten Wärmeübertragers 28 geschaltet, dessen andere Seite in einer
Destillatleitung 31 liegt, die mit dem ausgangsseitigen Ende des Primärsystems 13 verbunden ist. Der aus der einen Seite des ersten Wärmeübertragers 28 austretende Abschnitt 33 der ersten Zuleitung 23 ist mit dem eingangsseitigen Ende des Primarsystems 13, d.h. einer Destillationsblase 29 verbunden, in die der erste Teilstrom des Abwassers eingeleitet wird.
Wahrend also das Primarsystem 13 des Zweikreis- Warmepumpensystems 12 mit dem einen Volumenteilstrom des aufzubereitenden Abwassers gespeist wird, ist das Sekundarsystem 14 in sich geschlossen und besitzt als Sekundarmedium bspw. Rohwasser in Form von Süßwasser. In nicht dargestellter Weise kann das Sekundarsystem 14 mit einer absperrbaren Rohrleitung zum erstmaligen Zufuhren von Sekundarmedium verbunden sein. In der Destillationsblase 29 des Primärsystem 13 ist eine Fremdheizung 32 installiert, die hier elektrisch betreibbar ist.
Bodenseitig ist die Destillationsblase 29 des Primarsystems 13 mit einer Abzugsrohrleitung 36 verbunden, in die die andere Seite eines zweiten Wärmeübertragers 38 eingebracht ist. Dem freien ausgangsseitigen Abschnitt 37 der Abzugsrohrleitung 36 wird Abwasserabschlammung entnommen. Mit anderen Worten, die Abzugsrohrleitung 36 dient dem Rucklauf von nicht aufbereitetem bzw. nicht verdampftem Abwasser. Mit der einen Seite dieses zweiten Wärmeübertragers 38 ist die zweite Zuleitung 24 verbunden, so dass der zweite Volumenteilstrom den zweiten Wärmeübertrager 38 durchströmt und über den ausgangsseitigen Abschnitt 34 der zweiten Zuleitung 24 ebenfalls in die Destillationsblase 29 des Primarsystems 13 eingeleitet wird.
Die Destillatleitung 31 ist an ihrem ausgangsseitigen Abschnitt 35 mit einer Konditionierungsstation 39 verbunden, über deren Verbindungsleitung 41 Konditionierungsmittel dem keimfreien Wasserdestillat höchster Qualität zugeführt wird.
Die Art des Konditionierungsmittels ist davon abhängig, wofür das Wasserdestillat verwendet werden soll, also ob es bspw. als Trinkwasser oder als Brauchwasser Verwendung finden oder der Bewässerung dienen soll. Beispielsweise sind im einen Fall als Konditionierungsmittel verschiedene Mineralstoffe und Salze bzw. im anderen Fall bspw. Düngemittel oder dgl. vorgesehen.
Die in Figur 1 schematisch dargestellten Wärmeübertrager 28 und 38 sind in demontierbarer Plattenaustauschertechnik aus Titan hergestellte Wärmeübertrager, die eine hohe Effizienz aufgrund geringer Wandstärken und Druckverluste und eine hohe Korrosionssicherheit aufweisen und in sehr wirtschaftlicher Weise herstellbar sind.
Bevor auf die thermische Überdruck-Abwasseraufbereitung anhand der in Figur 1 dargestellten Vorrichtung 11 eingegangen wird, soll zunächst anhand der Figur 3 die Arbeitsweise des Zweikreis-Wärmepumpensystems 12 beschrieben werden. Das durch die beiden Zuleitungen 23 bzw. 33 und 24 bzw. 34 in das Primärsystem 13 eintretende Abwasser, das im Gegenstrom zum aus der Destillatleitung 31 austretenden Destillat bzw. zur aus der Abzugsrohrleitung 36 austretenden Abschlämmung dem ersten bzw. zweiten Wärmeübertrager 28, 38 bis knapp unterhalb der Destilliertemperatur vorgewärmt vorden ist, gelangt, wie erwähnt, in die Destillationsblase 29, die unterhalb eines ersten Wärmetauschers 52, der im Primärsystem 13 als Verdampfer arbeitet, angeordnet ist. Von der Destillationsblase 29 aus steigt das zu behandelnde Abwasser in den Verdampferbereich 54 des ersten Wärmetauschers 52 vorteilhaft auch aus Titan hergestellt, der bspw. in Form eines Wellflächenverdampfers ausgebildet ist. Der in den sogenannten Rohren des Verdampferbereichs 54 des ersten Wärmetauschers 52 erzeugte Destillatdampf steigt nach oben und passiert ein Zyklon 56, in welchem die Trennung von mitgerissenen Tröpfchen und Partikeln aufgrund einer sehr
hohen Zentrifugalbeschleunigung des Dampfes stattfindet. Durch einen physikalischen Effekt bildet sich zwischen Zykloninnenwand und dem Destillatdampf ein Wasserfilm von nur geringer Menge, der aufgrund des inneren Stromungsfeldes in den unteren Teil des Zyklons 56 wandert und deshalb nicht in das Destillat gelangt. Über ein bodenseitiges Rohr 57 wird das zusammenlaufende Wasser abgeführt (ca. 0,2 % der Destillatleistung der Anlage) . Ebenfalls ist es möglich, dieses Wasser wieder direkt unter die auszudampfende Flussigkeitsoberflache zurückzuführen. Dies hat den Vorteil, dass keine Leitung (ev. mit Drosselventil) außerhalb des Zweikreis-Warmepumpensystems 12 bzw. 12' geführt werden muss. Der Destillatdampf selbst kommt nicht an den kritischen Stellen der höchsten Geschwindigkeit mit der Metallflache in Berührung, sondern gelangt über das in der Mitte des Zyklons 56 angebrachte Tauchrohr 58 in einen zweiten Wärmetauscher 62, der im Primarsystem 13 als Kondensator wirkt. Bei diesem zweiten Wärmetauscher 62, der ebenfalls bspw. in Form eines Wellflachenverdampfers/-kondensators ausgebildet ist, durchströmt der aus dem Zyklon 56 austretende Dampf beispielsweise nach einer Richtungsanderung um 90° die sogenannten Spaltraume zwischen den aufrechten Wellflachenplatten und kondensiert dabei. Das Kondensat in Form des Abwasserdestillats verlasst über die Destillatleitung 31 das Primarsystem 13 noch mit leichtem Überdruck.
Die im Primarsystem 13 an dem als Kondensator wirkenden zweiten Wärmetauscher 62 freiwerdende Kondensationswarme des Primarmediums (zu entsalzendes Meerwasser bzw. Meerwasserdampf) wird benutzt, um im Sekundarsystem eine Verdampfung des Sekundärmediums durchzufuhren, das nur einmal in das Sekundärsystem 14 eingespeist wird. Der entstehende Sekundärmediumdampf im Sekundärsystem wird über einen nicht dargestellten herkömmlichen Tropfenabscheider vom oberen Teil des Zweikreissystems 12 in einen Verdichter 66, der von einem
Elektromotor 50 angetrieben ist, geführt. Im Verdichter 66 findet eine Kompression und eine damit verbundene Temperaturerhöhung statt. Der den Verdichter 66 verlassende Dampf des Sekundärmediums ist heiß genug, um im ersten Wärmetauscher 52, der im Sekundärsystem 14 als Verdampfer wirkt, im wesentlichen als alleiniges Heizmedium zum Verdampfen des vorerwärmten gefilterten Abwassers zu dienen. Durch die Kondensation des Dampfes des Sekundärmediums im ersten Wärmetauscher 52 wird in diesem das Abwasser verdampft. Das anfallende Kondensat des Sekundärmediums verlasst den ersten Wärmetauscher 52 und gelangt über ein Rohr 68 und über ein Drosselventil 65 in den oberen zweiten Wärmetauscher 62, der im Sekundärsystem 11 als Verdampfer arbeitet. Das Kondensat des Sekundärmediums strömt in einen Bodenbereich des zweiten Wärmetauschers 62 ein und strömt als Dampf durch die Wärmetauscher-Rohrräume senkrecht nach oben und von dort über das Rohr 67 zurück zum Verdichter 66. Es versteht sich, dass die beiden Systeme 13 und 14 vollkommen voneinander getrennt sind und dass in entsprechender Weise die beiden Wärmetauscher 52 und 62 ausgebildet sind.
Gemäß der in Figur 1 dargestellten Ausführungsform wird das Abwasser bei etwa 15°C in die Vorrichtung 11 eingespeist, wobei bspw. ein Gesamtvolumenstrom von 12,3 m3/h mit Hilfe der Pumpe 17 erreicht wird. Die beiden Drosselorgane 26 und 27 sind derart eingestellt, dass der erste Volumenstrom in der ersten Zuleitung 23 etwa 3,0 m3/h und der zweite Volumenstrom in der zweiten Zuleitung 24 etwa 9,3 m3/h beträgt. Die Größe des ersten Volumenstroms in der ersten Zuleitung 23 wird durch den Destillatvolumenstrom in der Destillatleitung 31 bestimmt, und zwar hier derart, dass beide Volumenströme etwa gleichgesetzt werden. Das aus dem Prim rsystem 13 des Zweikreissystems 12 bei einer Temperatur von etwa 107°C austretende und durch den ersten Wärmeübertrager 28 strömende Destillat bewirkt, dass der erste Volumenstrom in der ersten Zuleitung 23 nach
Durchströmen des ersten Wärmeübertragers 28 eine Temperatur von etwa 105°C erreicht hat und mit dieser Temperatur in die Destillationsblase 29 des Primarsystems 13 eintritt. Das Destillat kühlt auf etwa 20°C ab und tritt bei etwa 0,1 bar aus. Der zweite Volumenstrom in der zweiten Zuleitung 24 wird in dem zweiten Wärmeübertrager 38 auf eine Temperatur von ebenfalls im Bereich von 105°C erwärmt, da durch diesen zweiten Wärmeübertrager 38 die aus der Destillationsblase 29 fließende Abschlämmung mit etwa 110°C durch den zweiten Wärmeübertrager 38 strömt. Die Abschlammung ist am Ende des zweiten Wärmeübertragers 38 auf etwa 19°C abgekühlt und tritt unter etwa 0,1 bar aus. Der aus der Destillationsblase 29 des Primarsystems 13 austretende Abschlammvolumenstrom hat dieselbe Große wie der zweite Volumenstrom in der zweiten Zuleitung 24, betragt also etwa 9,3 m3/h. Nach der Erwärmung auf etwa 105°C, mit der die beiden Volumenstrome in die Destillationsblase 29 eintreten, wird das so erwärmte Abwasser mit Hilfe der Fremdheizung 32 auf Siedetemperatur gebracht, die in dem unter Überdruck stehendem Primarsystem
13 bei etwa 110°C liegt. Die für die Verdampfung verbleibende Temperaturdifferenz wird, wie erwähnt, durch den Warmepumpenkreislauf des Sekundarsystems 14 aufgebracht. In erfindungsgemäßer Weise wird das Verfahren zur thermischen Überdruck-Abwasseraufbereitung bei einer niedrigen Aufkonzentration und damit einer hohen Abschlammrate betrieben. Hierbei wird ein Konzentrationsfaktor CF, der das Verhältnis von gesamter Einspeisemenge an Abwasser zu Abschlämm-Menge darstellt, im Bereich zwischen großer 1 und etwa 20 eingestellt. Zum Einstellen des CF-Wertes wird dieser in Vorversuchen abwassertypspezifisch ermittelt. Bei üblichen bekannten Abwässern liegt dieser CF-Wert zwischen größer 1,4 und 10. Bei einem kleinen (beispielsweise CF etwas größer als 1,4) gewählten CF ist das Korrosionsrisiko und das Risiko der Belagbildung auf den Verdampferoberflachen innerhalb des Prim rsystems 13 bzw. innerhalb der Vorrichtung 11 relativ
gering. Die Vorrichtung arbeitet daher in einem Bereich knapp oberhalb der Sättigungslinie von Anhydrit, so dass über die Dosierstation 19 Additive in nur sehr geringen Mengen zugegeben werden müssen. Durch diesen CF-Wert ergibt sich eine hohe Abwasser-Zirkulation aufgrund der dadurch bedingten hohen Abschlammrate. Dies verbessert die Wärmeübergänge im Destilliersystem 13 und verhindert ebenfalls die Bildung von Ablagerungen im System.
Das Starten der Vorrichtung 11 gemäß Figur 1 erfolgt in der Weise, dass die Destillationsblase 29 des Primarsystems 13 mit aufzubereitendem Abwasser bis zum üblichen Füllstand gefüllt und mit Hilfe der Fremdheizung 32 auf etwa 110°C aufgeheizt wird. Dann wird der Kompressor des Sekundarsystems 14 zugeschaltet, so dass der thermische Prozess zur Uberdruckabwasseraufbereitung beginnen kann.
Die in Figur 2 gemäß einer zweiten Ausfuhrungsform dargestellte Vorrichtung 11' zum thermischen Uberdruck- Abwasseraufbereiten, um keimfreies Wasserdestillat höchster Qualität in energiesparender Weise zu erzeugen, entspricht anlagetechnisch und verfahrenstechnisch im wesentlichen der Vorrichtung 11 gemäß Figur 1. Diejenigen Bauteile, die sowohl bei der Vorrichtung 11 als auch bei der Vorrichtung 11 ' in entsprechender Weise Verwendung finden, sind in Figur 2 deshalb jeweils mit derselben Bezugsziffer und einem Strich versehen. Die Unterschiede zwischen beiden Vorrichtungen 11' und 11 bestehen insbesondere darin, dass die Ausfuhrung der Fremdheizung zur Begleitung und zum Starten des Prozesses in unterschiedlicher Weise ausgebildet ist. Ein weiterer Unterschied besteht in der höheren Destillaterzeugung pro Zeiteinheit und damit in den vorgegebenen höheren Volumenströmen. Auch die Vorrichtung 11' gemäß Figur 2 arbeitet mit einem Konzentrationsfaktor CF im Bereich zwischen größer 1 und etwa 10.
Durch die Rohrleitung 16' wird mit Hilfe der Pumpe 17' ein gefilteter (Filter 18') Abwasservolumenstrom von 41 m3/h gefördert. Nach der Zuführung von Additiven (Dosierstation 19') werden mit Hilfe der Drosselorgane 26' und 27' ein erster Volumenstrom von 10 m3/h in der ersten Zuleitung 23' und ein zweiter Volumenstrom von 31 m3/h in der zweiten Zuleitung 24' erzeugt. Der erste Volumenstrom wird im ersten Wärmeübertrager 28' durch den etwa 107°C heißen Destillatstrom von 10 m3/h auf etwa 100°C erwärmt und in die Destillationsblase 29' des Primärsystems 13' gebracht. Der zweite Volumenstrom wird im zweiten Wärmeübertrager 38 ' von dem etwa 110°C heißen Abschlämmstrom von 31 m3/h aus der Destillationsblase 29' auf ebenfalls etwa 100°C gebracht. Dieser zweite Volumenstrom durch den Abschnitt 34 ' der zweiten Zuleitung 24 ' wird nun nicht unmittelbar sondern mittelbar über die eine Seite eines dritten Wärmerübertragers 78 und eine Rohrleitung 79 zur Destillationsblase 29' des Primärsystems 13' gefördert. Am Austritt des dritten Wärmeübertragers 78 besitzt der zweite Volumenstrom von 31 m3/h eine Temperatur von etwa 113, 3°C. Durch Mischen der beiden Volumenströme ergibt sich eine Mischungstemperatur des zu verdampfenden Abwassers in der Destillationsblase 29' von etwa 110°C, was der Siedetemperatur im Primärsystem 13' entspricht. Die Verdampfung erfolgt auch hier mit Hilfe des Wärmepumpenkreislaufs des Sekundarsystems 14'.
Der dritte Wärmeübertrager 78 ist Teil einer Heizeinrichtung 81, die in ihrer umlaufenden Rohrleitung 82, 83 ein Wärmeträgermedium, bspw. Öl führt, das durch eine Pumpe 84 umgewälzt wird. Dieses Wärmeträgermedium strömt sowohl durch die andere Seite des dritten Wärmeübertragers 78 als auch durch die eine Seite eines öl- oder gasbeheizten Kessels 86. Im Kessel 86 wird das Wärmeträgermedium, dessen Volumenstrom bspw. 36 m3/h beträgt, auf 135°C erwärmt und ist nach
Durchlauf durch den dritten Wärmeübertrager 78 auf etwa 111°C
abgekühlt .
Gemäß Figur 2A kann gemäß einer Variante anstelle eines Kreislaufs mit Warmetragermedium und eines ol- oder gasbeheizten Kessels 86 ein konventioneller Dampferzeuger 86' für Wasserdampf eingesetzt werden. Der erzeugte Wassersattdampf (bei z.B. einer Temperatur von 118°C) gelangt als Heizmedium über die Roherleitung 83 in den dritten Wärmeübertrager 78 und heizt dort - wobei er gleichzeitig kondensiert - auf der gegenüberliegenden Seite den zweiten Volumenstrom durch den Abschnitt 34' der zweiten Zuleitung 2 ' mittelbar auf die dem Prozess noch fehlende Temperatur auf (z.B. auf 113, 3°C). Das anfallende Kondensat wird dem Dampferzeuger 86' wieder über die Rohrleitung 82 zugeführt. Durch eine den hydrostatischen Bedingungen angepasste ortliche Anordnung (z.B. so tief unterhalb des dritten Wärmeübertragers 78, dass der hydrostatische Druck des Kondensates ausreicht, dieses selbst in den Dampferzeuger ohne Fremdenergie zurückzuführen) entfallt die in Fig. 2 gezeigte Pumpe 84.
Der Antrieb des Verdichters 66' des Sekundarsystems 14' erfolgt nicht mit Hilfe eines Elektromotors wie beim Ausführungsbeispiel nach Figur 1, sondern mit Hilfe eines Dieselaggregats 87, das außerdem einen Generator 88 antreibt, der elektrische Energie für die Steuerung der Vorrichtung 11 ' und den Antrieb der Pumpen, Ventile und dgl. liefert.
Zum Starten der Vorrichtung 11' nach Figur 2, ist ein Bypaß 71 für den zweiten Wärmeübertrager 38' vorgesehen. Hierzu verläuft zwischen der Abzugsrohrleitung 36' und dem Abschnitt 34' der zweiten Zuleitung 24' eine Bypaßleitung 72, die mit einem Absperrventil 73 und einer Pumpe 74 bestückt ist. Außerdem ist in Strömungsrichtung nach der Bypaßleitung 72 in der Abzugsrohrleitung 36' ein Ventil 75 und in Strömungsrichtung vor der Bypaßleitung 72 im
Zuleitungsabschnitt 34' ein Absperrventil 76 eingebaut. Zum Starten des Prozesses wird zuerst die Destillationsblase 29' mit Abwasser über den zum üblichen Füllstand befüllt, um für die Aufheizphase genügend Wasser zu besitzen. Bei geschlossenen Ventilen 75 und 76 und offenem Ventil 73 in der Bypaßleitung 72 und bei eingeschalteter Pumpe 74 wird Abwasser über den dritten Wärmeübertrager 78 in -die Destillierblase 29' im Kreislauf umgepumpt. Bei zugeschalteter Heizeinrichtung 81 wird bei diesen Ventilstellungen solange gearbeitet, bis in der Destillationsblase 29' ein Ansaugüberdruck von ca. 0,1 bis
0,2 bar, entsprechend einer Siedetemperatur von etwa 110°C, anliegt. Danach wird der Verdichter 66' im Sekundärsystem 14' zugeschaltet und gleichzeitig werden die Ventile 75 und 76 geöffnet und das Ventil 73 geschlossen und die Pumpe 74 ausgeschaltet .
Zu erwähnen bleibt noch, dass bei dieser Ausführungsform das Destillat aus der Destillatleitung 31 bei einer Temperatur von etwa 25°C bei einem Druck von etwa 0,1 bar und einem Volumenstrom von 10 m3/h austritt. Der Abschlämmstrom von 31 m3/h besitzt eine Temperatur von noch etwa 24°C und tritt bei einem Überdruck von etwa 0,1 bar aus dem Abschnitt 37' der Abzugsrohrleitung 36' aus.
Bei beiden vorstehend beschriebenen Ausführungsbeispielen kann neben der Ermittlung des CF-Wertes aus dem Vorversuch auch die Dichte und die Viskosität des zu verdampfenden Mediums während der Verdampfung gemessen werden. Ebenfalls werden gemäß Varianten Beobachtungen über eine eventuell stattfindende Schaumbildung an der AusdampfOberfläche des Primärmediums protokolliert. Sollte ein ansteigendes Schaumwachstum ermittelt werden, so wird zu dessen Verhinderung entweder ein geeigneter chemisch wirkender Entschäumer dem eintretenden Abwasser zugeführt (siehe Vorrichtung 19 bzw. 19 gemäß Figur 1 bzw. 2 oder es wird
gemäß den in Figur 1A bzw. IB dargestellten Varianten mit Hilfe einer mechanisch wirkenden Schaumzerstorermaßnahme die Schaumbildung kontrolliert. Dies kann z.B. mit einer Art Propeller oder Turbine 91, der/die sich oberhalb der Flussigkeitsoberflache in der Destillationsblase 29 (Figur 1A) von einem Motor 92 angetrieben dreht und die Schaumblasen zerstört. Als weiterer oder anderer mechanischer Schaumzerstorer kann ein über der Verdampfungsoberflache in der Destillationsblase 29' (Fig. IB) angebrachtes Dusensystem 94 zur Anwendung kommen, das noch nicht verdampftes (also flussiges Medium) aus dem unteren Teil im Zweikreis- Warmepumpensystem 12 bzw. 12 'mittels einer Pumpe 95, ansaugt und mit Überdruck (z.B. 5 bar) über die Düsen waagerecht oder von oben in den Schaum spritzt und diesen so zerstört.
Ist das Abwasser hinsichtlich seiner Neigung, bei der gewählten Aufkonzentration (und gewählter
Verdampfungstemperatur) Ablagerungen zu bilden, unkritisch, so können größere CF-Werte (z.B. großer als 1.4 bis 10) gewählt werden. Dies hat den Vorteil, dass die Abschlammenge geringer wird und somit die Austauschoberflache der Wärmeübertrager 38 bzw. 38' zur Ruckgewinnung der Wärmeenergie kleiner wird und somit Investitionskosten einspart. Eine im Raum 29 bzw. 29' eingebaute kontinuierliche Dichte- und/oder Viskositatsmessung überwacht den im Vorversuch ermittelten CF-Wert, bei dem das aufkonzentrierte Medium noch fließfahig bleibt, bzw. bei den ermittelten Prozesstemperaturen und Prozessdrucken die Apparatur 12, bzw. 12' und 38, bzw. 38' nicht verstopft.
Zur Überwachung des CF-Wertes und somit auch zur einfachen Steuerung der Volumenstrome kann auch ein in die Rohrleitung 37, bzw. 37' eingebautes Leitfahigkeitsmessgerat (-sonde) eingesetzt werden.