Verfahren zur Herstellung eines Bauteils, Bauteil und Verwendung
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Bauteils umfassend einen Intermetallic-Keramik-Verbundwerk- stoffs nach Anspruch 1 sowie ein Bauteil umfassend einen In- termetallic-Keramik-Verbundwerkstoff nach dem Oberbegriff von Anspruch 16 sowie eine Verwendung des Bauteils nach Anspruch 20.
Intermetallic-Keramik-Verbundwerkstoffe, wie sie z. B. in der DE 197 50 599 AI beschrieben werden, basieren in der Regel auf eine Druckinfiltration einer porösen keramischen Preform durch ein flüssiges Metall, wobei das flüssige Metall in einer Reaktion Komponenten der Preform in intermetallische Phasen umwandelt.
Diese intermetallischen Phasen sind meistens hochtemperaturbeständig, verschleißbeständig und weisen eine hohe Oxidati- onsresistenz auf.
Für einige Anwendungen, z. B. als Bremse besitzen diese Werkstoffe jedoch eine zu geringe Wärmeleitfähigkeit, was u. a. zu hohen WärmeSpannungen führt. Zudem belastet eine hohe Reaktivität zwischen Infiltrationsmetall (meistens Aluminium) und Preform wie im Beispiel der DE 197 50 599 AI die Standzeit der Druckgießwerkzeuge, was zu erhöhten Produktionskosten führt.
Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, ein Verfahren zur Herstellung eines Bauteils mit einem Intermetallic-Keramik- Verbundwerkstoff und ein derartiges Bauteil bereitzustellen, das bei Hochtemperaturbelastung geringere WärmeSpannungen aufweist, und in der Herstellung einen geringeren Werkzeugverschleiß verursacht .
Die Lösung der Aufgabe besteht in einem Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1, in einem Bauteil nach Anspruch 15, sowie in einer Verwendung nach Anspruch 20.
Das erfindungsgemäße Verfahren nach Anspruch 1 umfasst folgende Schritte :
Mindestens eine reaktive Komponente wird mit Hilfsstoffen gemischt. Die reaktive Komponente besteht zumindest teilweise aus Titanoxid. Hilfsstoffe können hierbei Bindemittel, Füllstoffe, Lösungsmittel oder anorganische Zusatzstoffe sein. Aus dieser Mischung wird auf an sich bekannte Weise eine poröse keramische Preform hergestellt. Die Preform weist eine offene Porosität zwischen 46 % und 60 % auf. Die Preform wird in ein Druckgiesswerkzeug eingelegt und mit einer Aluminiumlegierung (im Folgenden Aluminium genannt) unter Druck infiltriert. Durch die Infiltration wird ein Aluminium-Keramik- Verbundmaterial erzeugt, das im Folgenden vereinfacht PKI (poröse Keramik Infiltration) genannt wird. Das PKI-Material wird anschließend einer Temperaturbehandlung unterzogen.
Das PKI-Material kann zur Ausbildung von funktionalen Bereichen eines Bauteils bereichsweise von Aluminium umgeben sein.
Die Temperaturbehandlung wird in zweckmäßiger Weise so geführt, dass das Aluminium zumindest teilweise aufschmilzt und mit dem Titanoxid, bzw. mit den möglichen weiteren reaktiven Komponenten reagiert (Umsetzungsreaktion) . Eine Umsetzungsreaktion unterhalb der Solidustemperatur des Aluminiums ist grundsätzlich thermodynamisch möglich, jedoch langwierig. Als Reaktionsprodukte entstehen Titanalu inide und Aluminiumoxid.
Der Reaktionsverlauf der Umsetzungsreaktion ist neben der reaktiven Komponente der Preform von der Zusammensetzung der Aluminiumlegierung abhängig. Es hat sich gezeigt, dass ein Siliziumanteil in der Aluminiumlegierung die Bildung von reinen Titanaluminiden behindert. Zudem wird durch das Silizium ein spontaner unkontrolliert ablaufender Reaktionsablauf begünstigt. Aus gießtechnischen Gründen ist eine vollständig siliziumfreie Aluminiumlegierung schwer zu realisieren, der Siliziumanteil in der Legierung sollte jedoch nicht mehr als 7,3 Gew. % betragen. Dies entspricht dem Siliziumanteil einer AlSi7Mg-Legierung. Bevorzugt liegt der Siliziumanteil jedoch geringer als 2 Gew. %, besonders bevorzugt geringer als 1 Gew. % .
Die nichtreaktiven Komponenten verhalten sich während der Reaktion weitgehend inert. Das entstandene Material ist ein In- termetallic-Keramik-Verbundwerkstoff, im Folgenden vereinfachend IMC (intermetallic Composite) genannt.
Die Preformporosität zwischen 46 % und 60 % ist für eine vollständige Infiltration der Preform besonders geeignet . Bei niedrigeren Porositäten neigt die Preform beim Infiltrieren zum Verstopfen, bei höheren Porositäten weist die Preform möglicherweise keine ausreichende Festigkeit für die Druckinfiltration auf.
Durch die Porosität der Preform wird die Aluminiummenge festgelegt, die für die Umsetzungsreaktion zur Verfügung steht. Das stöchiometrische Verhältnis des Aluminiums zur reaktiven Komponente der Preform bestimmt die Reaktionsprodukte der Umsetzungsreaktion und die Eigenschaften des IMC-Werkstoffs . Die relativ hohe Porosität der Preform führt auch im Vergleich zum Stand der Technik zu einem erhöhten Anteil an Metallischen oder intermetallischen Phasen, wodurch die Wärmleitfähigkeit des IMC-Materials steigt und WärmeSpannungen reduziert werden.
Zur weiteren Unterdrückung der Reaktivität während der Druckinfiltration kann die Preform eine zusätzliche nichtreaktive, anorganische Komponente aufweisen. Während der Druckinfiltration, die in der Regel weniger als 1 s andauert, findet somit keine autokatalytische (sich selbst aufrechterhaltende) Reaktion zwischen den Komponenten statt und somit wird das Druckgießwerkzeug nicht durch zusätzliche Reaktionswärme belastet.
Zusätzlich führen die nichtreaktiven Komponenten zu einer erhöhten Wärmeleitfähigkeit des IMC-Werkstoffs, was einen Aufbau von Thermospannungen bei hohen Betriebstemperaturen nachhaltig reduziert. Vorteilhafte nichtreaktive Komponenten mit einer hohen Wärmeleitfähigkeit sind Aluminiumnitrid und Siliziumkarbid. Auch verschiedene Metalle oder intermetallische Verbindungen können als nichtreaktive Komponenten zugefügt werden. Der Anteil der nichtreaktiven Komponenten liegt bevorzugt zwischen 5 % und 35 %.
Die Reaktivität zwischen der Preform und dem Metall wird während der Infiltration weiter verringert, wenn die reaktive Komponente Titanoxid (Ti02) in ihrer Rutilmodifikation vorliegt. Die Rutilmodifikation des Ti02 ist weniger reaktiv als eine Anastasmodifikation des Ti02.
Unter Druckgießen wird jedes Gießverfahren verstanden, dass unter erhöhtem Druck in einer metallischen Dauergießform durchgeführt wird. Die metallische Dauergießform wird entsprechend Druckgießwerkzeug genannt .
Eine bevorzugt Herstellung der keramischen Preform umfasst folgende Schritte :
• Mischen der Komponenten, gegebenenfalls Zugabe von Bindemitteln und Füllstoffen (Porosierungsmittel)
• sprühgranulieren des gemischten Pulvers,
• uniaxiales Pressen zu einem Grünkörper,
• gegebenen alls entbindern des Grünkörpers.
Insbesondere das Sprühgranulieren führt in einer kostengünstigen Weise zu einem rieselfähigen Pulver, das sich wiederum sehr gut in dem kostengünstigen Pressverfahren des uniaxialen Pressens verarbeiten lässt. Füllstoffe dienen zur Einstellung der gewünschten Porosität der Preform. Bindemittel können gegebenenfalls auch zur Einstellung der Porosität geeignet sein.
Besonders rieselfähig und somit gut pressfähig wird das Pulver, wenn es nach dem Sprühgranulieren Aggregate aufweist, die Durchmesser zwischen 50 μm und 120 μm aufweisen. Unter Aggregaten werden hierbei feste, poröse, jedoch nicht chemisch gebundene Anhäufungen von einzelnen Pulverpartikeln verstanden. Die Pulverpartikel haben üblicherweise einen Durchmesser zwischen 0,5μm und 5 μm.
Bei der Zugabe von verschiedenen zusätzlichen Komponenten wie z. B. von Fasern kann diese in zweckmäßiger Weise nach dem Sprühgranulieren im trockenen Zustand erfolgen.
Für ein besseres Handling kann die Preform bei einer Temperatur zwischen 900 °C und 1200 °C bevorzugt zwischen 1000 °C und 1100 °C gesintert werden.
Der Porendurchmesser der Preform beträgt zwischen 0,5 μm und 4 μm. Dieser Bereich ist günstig für das Fließverhalten des Aluminiums während der Infiltration.
Die offene Porosität der Preform liegt zwischen 46 % und 60 %, bevorzugt zwischen 52 % und 58 %. Zur Einstellung der gewünschten Porosität können Füllstoffe dem Grünkδrper beigegeben werden, die nach dem Entbindern Poren hinterlassen.
Zu Erzielung eines pseudoplastischen Verhaltens des IMC- Werkstoffs können der Mischung metallische oder nichtmetallische Verstärkungsfasern beigefügt werden (im Folgenden zusam-
menfassend Fasern genannt) . Werden metallische Fasern beigefügt, bestehen diese bevorzugt aus einer Kupfer-, Nickel, Eisen oder Titan-Legierung. Die Fasern können auch zum Schutz während der Reaktion eine Beschichtung aufweisen. Ein guter Verstärkungseffekt stellt sich mit Fasern von einer Länge zwischen 6 mm und 20 mm ein.
Fasern die eine Wellen-, Spiral- oder Zick-Zack-Geometrie aufweisen können sich im Verbundwerkstoff besser verankern und tragen somit zur Festigkeitssteigerung bei.
Die Temperatur des Aluminiums in einem Gießreservoir beträgt zwischen 500 °C und 730 °C, bevorzugt zwischen 600 °C und 700 °C. Niedrigere Temperaturen können zu einem vorzeitigen Erstarren der Schmelzen und zu einer unzureichenden Infiltration führen, höhere Temperaturen fördern eine unerwünschte, spontanen Reaktion zwischen Preform und Aluminium im Druckgießwerkzeug. Grundsätzlich ist bei geeigneter Temperierung der Preform und der Gießvorrichtung auch eine Infiltration des Aluminiums im thixotropen Zustand möglich.
Die Wärmebehandlung des PKI-Materials, die zur Umwandlung zum IMC-Werkstoff führt (Umsetzungsreaktion) , findet bevorzugt zwischen 500 °C und 1000 °C, bevorzugt zwischen 580°C und 800°C statt. Aufheizraten und Haltezeiten hängen hierbei von der stδchiometrischen und mikrostrukturellen Zusammensetzung des PKI-Werkstoffes ab. Die Heizdauer in diesem Temperaturbereich liegt zweckmäßiger Weise zwischen 1 h und 8 h.
Eine weitere erfindungsgemäße Lösung der Aufgabe besteht in einem Bauteil mit einem Intermetallic-Keramik-Verbundwerk- stoff (IMC) nach Anspruch 16. Dieser Werkstoff umfasst mindestens ein Titanaluminid und Aluminiumoxid (A1203) und weist einen Aluminiumanteil zwischen 40 % und 54 % auf. Der Aluminiumanteil in Volumen % ist bezogen auf eine keramische Aus- gangsmischung, die mit dem Aluminiumanteil zu dem Intermetal- lic-Keramik-Verbundwerkstoff umgesetzt wird. Der Aluminiuman-
teil kann gebunden z. B. im A1203 oder als Aluminiumlegierung vorliegen. Insgesamt beträgt ein Siliziumanteil weniger als 2 % des Aluminiumanteils. Die resultierende Wärmeleitfähigkeit dieses Werkstoffes beträgt mehr als 15 W/mK, insbesondere mehr als 25 W/mK, besonders bevorzugt mehr als 30 W/mK. Die relativ hohe Wärmeleitfähigkeit wirkt sich positiv auf die WärmeSpannungen des Materials aus.
Ein geringer E-Modul des Intermetallic-Keramik-Verbundwerk- stoffs und ein geringer thermischer Ausdehnungskoeffizient (zwischen 7 x 10"6 K"1 und 13 x 10"6 K"1) wirken sich ebenfalls positiv auf Thermospannungen aus, die bei erhöhten Betriebstemperaturen auftreten.
Das Bauteil kann vollständig oder teilweise aus dem IMC- Werkstoff bestehen. In einer Ausfuhrungsform der Erfindung weist das Bauteil neben dem IMC-Werkstoff Aluminium-Bereiche auf. Somit ist es möglich auf unterschiedliche Werkstoffan- forderung in bestimmten Bauteilbereichen einzugehen.
Besonders geeignet ist die Verwendung des erfindungsgemäßen Bauteils als Bremsschiebenreibring oder als Bestandteil eines mechanischen Laders, da so die Hochtemperaturbeständigkeit und die Verschleißbeständigkeit des IMC-Werkstoff besonders genutzt werden können.
Vorteilhafte Ausgestaltungsformen der Erfindung werden in den folgenden Beispielen und der einzigen Figur näher erläutert .
Dabei zeigt:
Fig. 1, eine schematische Darstellung des Verfahrens zur Herstellung eines IMC-Werkstoffs .
Beispiel 1
Das erfindungsgemäße Verfahren, dass in einer vorteilhaften Ausfuhrungsform in Fig. 1 dargestellt ist umfasst folgende Schritte.
Es wird eine Mischung aus 80 % Titanoxid in der Rutilmodifikation 20 Vol. % A1N gemischt. Die mittlere Korngröße beider Komponenten liegt bei etwa 3 μm. Hinzu kommen zusammen etwa 10 Vol % Bindemittel Polyvinylalkohol, Füllstoffe und Lösungsmittel (in der Regel Wasser). Als Füllstoff können z. B. Polyclycole oder Cellulosederivate verwendet werden. Gegebenenfalls können der Mischung noch weitere organische Hilfsstoffe oder weitere keramische Komponenten wie beispielsweise AI203 zugegeben werden.
Die wässrige Mischung wird sprühgranuliert, wobei sie in einen Sprühturm in einen Heißluftstrahl eingedüst werden. Es entstehen hierbei weiche Aggregate, die einen Durchmesser von etwa 90 μm aufweisen. Die Verbindung der Aggregate beruht auf Verzahnung und auf Adhäsion. Die Größe der Aggregate wirkt sich vorteilhaft auf die Rieselfähigkeit und die Pressfähigkeit des Pulvers aus. Die Bindung der Aggregate ist derart eingestellt, dass sie bei einem folgenden Pressvorgang zerfallen.
Das Sprühgranulat wird in eine ringförmige Pressform eingerüttelt, wobei durch das Rütteln (Vibration) das Granulat verdichtet wird. Ein Pressstempel wird mit einem Pressdruck von etwa 500 bar in die Pressform gedrückt. Nach dem Herausfahren des Pressstempels wird ein ringförmiger Grünkörper entformt .
Der Grünkörper wird bei etwa 400 °C an Luft entbindert, wobei die Bindemittel und die Füllstoffe thermisch zersetzt werden und in Form von flüchtigen Komponenten aus dem Grünkörper entweichen. Die Entbinderung kann je nach verwendeten Binde-
mittel oder Füllstoffen auch unter inerter Atmosphäre z. B. unter Stickstoff erfolgen. Der entbinderte Grünkörper wird nun als Preform bezeichnet.
Zur besseren Weitehrbehandlung wird die Preform bei 1000 °C unter Stickstoff gesintert. Die Sinterung kann auch unter Luft erfolgen, es muss jedoch dabei berücksichtigt werden, dass bei Beimischung der genannten nichtreaktiven Komponenten bei etwa 1150 °C eine Oxidation des Aluminiumnitrides einsetzt. Bei der Verwendung von SiC als nichtreaktive keramische Komponente findet bei einer Sinterung an Luft im angegebenen Temperaturbereich keine Oxidation statt.
Durch die Sinterung erhöht sich die Festigkeit der Preform gegenüber der nicht gesinterten Preform. Zwischen den einzelnen Partikeln bilden sich erste Sinterhälse aus, die gegenüber der Verklammerung, die nach dem Pressen vorliegt, einen Festigkeitszuwachs bewirken. Die Preform weist eine offene Porosität von 54 % mit einem mittleren Porendurchmesser von etwa 4 μm auf .
Durch die Sinterung wird eine Volumenschrumpfung von 0,5 % bis 2 % hervorgerufen. Eine Nachbearbeitung der gesinterten Preform ist dennoch nicht zwingend notwendig, da der einmal bestimmte Volumenschwund in einer Serienproduktion als Aufmaß im Presswerkzeug mit berücksichtigt werden kann.
Es ist möglich,, auf die Sinterung zu verzichten, da die ungesinterte Preform grundsätzlich eine ausreichende Festigkeit zu Druckinfiltration aufweist. Dennoch erfordert das Handling einer ungesinterten Preform mehr Sorgfalt und Aufwand als das einer gesinterten Preform.
Alternative Herstellungsverfahren für die Preform sind beispielsweise das Schlickergießen, das kaltisostatische Pressen, das heißisostatische Pressen oder das Kernschießen.
Zur Druckinfiltration wird die Preform in einem geeigneten Ofen bei einer Temperatur zwischen 500 °C und 700 °C vorgeheizt. Das Vorheizen erfolgt entweder in einem Kammerofen o- der bei einer Großserienproduktion in einem Durchlaufofen. Die Vorheizdauer ist so gewählt, dass die Preform gleichmäßig durchgeheizt wird. Die genaue Temperatur hängt von der Wärmekapazität der Preform deren Ausdehnungskoeffizienten und der Temperatur des zu infiltrierenden Aluminiums ab.
Die vorgeheizte Preform wird in ein Druckgießwerkzeug eingelegt. Das Werkzeug ist derart ausgelegt, dass die Biegemomente, die auf die Preform wirken, minimiert sind. Dies betrifft die Kräfte, die durch eine Fixierung im Werkzeug auftreten und die Kräfte, die durch die Druckeinwirkung des Aluminiums entstehen.
Die Druckinfiltration erfolgt nach den selben Grundlagen wie ein herkömmlicher DruckgussVorgang, mit einer 1. Phase, einer zweiten Phase und einer 3. Phase .
Aluminiumschmelze einer Al-Mg-Legierung, die in einem Reservoir eine Temperatur von 700° C aufweist wird über Befüllvor- richtungen zu dem Druckgießwerkzeug geleitet. Die 1. Phase des Druckgussvorgangs wird soweit geführt, dass ein Anschnitt des Druckgießwerkzeuges und bis zu 60 % eines Formhohlraums, der die Preform umschließt, mit der Aluminiumschmelze gefüllt ist. Die 1. Phase wird mit vergleichsweise geringen Kolbengeschwindigkeit von 0,1 m/s bis 0,8 m/s geführt (entspricht der Geschwindigkeit der Aluminiumschmelze) . Durch die geringe Schmelzengeschwindigkeit wird die mechanische Belastung der Preform eingeschränkt .
In der anschließenden zweiten Phase wird die Geschwindigkeit auf 1 m/s bis 2,5 m/s gesteigert. Die Geschwindigkeitssteigerung dient dazu, in einer dritten Phase ein Druck aufzubauen. Der Druck beträgt üblicherweise zwischen 600 bar und 1000 bar
und ist von der Geometrie des Formhohlraums und den Kolbengeschwindigkeiten der vorangegangen 1. und 2. Phase abhängig.
Während der dritten Phase erfolgt eine Nachverdichtung des Aluminiums und die Infiltration der Preform. Die Infiltrationstemperatur der Aluminiumschmelze liegt über der Liqui- dustemperatur der Aluminiumlegierung bzw. über dem Schmelzpunkt des Aluminiums, da ansonsten möglicherweise eine vorzeitigen Erstarrung des Aluminiums eintritt und die Infiltration abbricht.
Andererseits führt eine zu hohe, kritische Temperatur zu einer vorzeitigen Reaktion zwischen der Preform und dem Aluminium. Eine derartige Reaktion läuft spontan und von selbst ab, sie kann nicht abgebrochen werden. Die hierbei erzeugte Wärmemenge ist so groß, dass das Druckgießwerkzeug unbrauchbar wird. Die kritische Temperatur ist unter anderem von der Zusammensetzung der Preform, der Temperatur der Preform und der Temperierung des Druckgießwerkzeuges abhängig. Durch die Wahl der Preform-Rohstoffe, dem Titanoxid in der Rutilmodifikation und dem Aluminiumnitrid wird die Möglichkeit einer derartigen Reaktion stark gehemmt. Aluminiumnitrid ist als Rohstoff eine fakultative Mischungsbeigabe, es weist in vorteilhafter Weise eine hohe Wärmeleitfähigkeit auf, führt jedoch auch zu höheren Rohstoffkosten.
Eine genaue Angabe der kritischen Temperatur ist auf Grund der verschiedenen Einflussfaktoren nicht möglich. Im angegebenen Beispiel liegt die kritische Temperatur des Aluminiums (im Gießreservoir) oberhalb von 730 °C.
Die Einstellung der Aluminiumtemperatur erfolgt empirisch und ist vom Aufbau der Druckgießmaschine abhängig, da der Wärmeverlust des Aluminiums vom Reservoir über die Befüllungsein- richtungen bis in das Druckgießwerkzeug bauartbedingt ist. Die verwendete Aluminiumlegierung ist eine AlSiMg-Legierung mit ca. 1% Legierungsbestandteile. Weitere gebräuchliche
Gießlegierungen wie die AlSi7Mg sind ebenfalls anwendbar, solange der Siliziumanteil unter 7,3% liegt. Ebenfalls vorteilhaft ist Reinaluminium, dass jedoch aus gießtechnischer Sicht einen höheren Aufwand erfordert .
Das durch die Infiltration erhaltene PKI-Material wird im Weiteren einer Wärmebehandlung unterzogen. Hierzu wird der PKI-Werkstoff bis über die Solidustemperatur der Aluminiumlegierung bzw. über den Schmelzpunkt des Aluminiums aufgeheizt. Sobald die flüssige Metallphasen im PKI-Werkstoff vorhanden sind, setzt die Reaktion ein.
Die Reaktionstemperatur wird bevorzugt knapp (10°-50°C) oberhalb der jeweiligen Solidustemperatur gehalten. Die Solidustemperatur ändert sich während Reaktion, da verschiedene Bestandteile der Legierung verbraucht werden. Ein Überschreiten der Liquidustemperatur sollte im Anfangsstadium der Umsetzungsreaktion vermieden werden. Die Reaktion läuft in idealisierter Form wie folgt ab:
AI + Ti02 -> Al3Ti + Al203 (Gleichung 1)
(Stδchiometriekoeffizienten werden in Gleichung 1 nicht berücksichtigt . )
Als Endprodukt der Reaktion liegt ein IMC-Werkstoff vor, der aus 35 % Al3Ti, 30 % Al203, 25 % AlN und 10 % AI besteht. Der Anteil des Rest-Aluminiums kann durch die Porosität der Preform und durch den Anteil des AlN in der Preform gesteuert werden. Intermetallische Verbindungen von Legierungsbestandteilen der Aluminiumlegierung können ebenfalls Bestandteil des IMC-Materials sein. Die Legierungsbestandteile könne auch im Kristallgitter der Titanaluminide eingelagert sein. Aus diesen Gründen sind möglichst niedrig legierte Aluminiumlegierung bis hin zu Reinaluminium vorteilhaft, soweit dies aus gießtechnischen Gründen zweckmäßig ist.
Beispiel 2
Die Herstellung der Preform erfolgt analog dem Beispiel 1, die Infiltration erfolgt jedoch durch ein Squeeze-Casting- Verfahren.
Eine bei 600 °C vorgeheizte Preform wird in ein Squeeze- Casting-Werkzeug gelegt, dass im Wesentlichen einem Druckgießwerkzeug entspricht. Die Infiltration erfolgt kontinuierlich, angetrieben durch einen Squeeze-Kolben mit einer Vorschubgeschwindigkeit von 200 mm/s. Der Squeeze-Kolben hat einen Durchmesser von 80 mm, der Enddruck beträgt 800 bar. Die Infiltration ist in ca. 0,5 s abgeschlossen. Die genannten Parameter sind von der Geometrie eines zu erzeugenden PKI- Bauteils abhängig.
Beispiel 3
Entsprich den Beispielen 1 oder 2, der Mischung werden jedoch 10 Vol % metallische Fasern zugemischt. Die Fasern bestehen aus einer Eisen-Kobalt-Nickel-Legierung. Sie weisen eine mittlere Länge von 10 mm und einen Durchmesser von 170 μm auf. Die Fasern besitzen einen E-Modul von ca. 300 MPa und eine Zugfestigkeit von 600 MPa. Sie sind bis 1100 °C an Luft oxidationsbeständig .
Beispiel 4
Ein Bremsscheibenreibring, aus einem IMC-Werkstoff, umfassend folgende Phasenzusammensetzung (in Vol %) :
40 % Al3Ti 35 % A1203 25 % AlN
Die Al3Ti-Phase ist weitgehend dreidimensional vernetzt. Die anderen Phasen sind zumindest teilweise dreidimensional vernetzt. Der Werkstoff weist eine Wärmeleitfähigkeit von 24 W/mK auf. Der E-Modul des Werkstoffs beträgt 110 MPA, die Biegefestigkeit 250 MPa und der thermische Ausdehnungskoeffizient 8 10-1K-1.
Das Zusammenwirken der charakteristischen Werkstoffeigenschaften, einem relativ niedrigen E-Modul (E) und Ausdehnungskoeffizienten (α) und einer relativ hohen Wärmeleitfähigkeit (λ) bzw. Biegefestigkeit (σ) führt zu vorteilhaft geringen WärmeSpannungen TS, die folgender Proportionalität unterliegen:
TS - α x E/ (λ x σ) Gleichung 2
Beispiel 6
Ein Bremsschiebenreibring aus einem IMC-Werkstoff, umfassend folgende Phasenzusammensetzung (in Vol %) :
35 % Al3Ti
35 % Al203
20 % SiC
10 % Al3Ni-Fasern.
Die Al3Ti-Phase ist ebenfalls dreidimensional vernetzt und der Werkstoff weist ähnliche Eigenschaften wie der in Beispiel 5 auf. Die Fasern sind in eine Matrix, die aus den Al3Ti, Al203 und SiC-Phasen gebildet wird, eingebunden. Eine Grenzfläche zwischen den Fasern und der Matrix ist derart gestaltet, dass bei einer Zug- oder Biegebelastung diese eine geringere Festigkeit aufweist als die Matrix oder die Fasern. Dies führt dazu, dass Energie bei der Trennung der Grenzflä-
ehe verzehrt wird und der Werkstoff ein pseudoduktiles Bruchverhalten aufweist . Die Bruchdehnung wird gegenüber dem unverstärkten Werkstoff erhöht.
Beispiel 7
Ein Verbundbauteil umfassend einen IMC-Werkstoff analog der Beispiele 4 bis 6 wird nach einem Verfahren analog der Beispiele 1 bis 3 hergestellt. Die Preform und der Formhohlraum sind geometrisch jedoch so aufeinander abgestimmt, dass nach dem Erstarren dass Bauteil sowohl Bereiche aus PKI-Material und Aluminium aufweist. Aluminium-Bereiche und PKI-Bereiche sind fest miteinander verbunden. Das PKI-Material wird anschließend selektiv über induktive Beheizung erhitzt und zu dem IMC-Werkstoff umgewandelt . Die Aluminiumbereiche bleiben hiervon unberührt. Das fertige Bauteil weist demnach an Bereichen, die beispielsweise einem hohen Verschleiß unterliegen den IMC-Werkstoff auf, Bereiche, die z. B. einer hohen Duktilität bedürfen wie Anbindungsbereiche an weitere Bauteile sind in dem dafür geeigneten Aluminium ausgestaltet .
Eine selektive Beheizung kann ebenfalls durch eine andere geeignete Heizquelle, z. B. durch eine Laserbehandlung oder eine Infrarotquelle erfolgen.