Verfahren und Vorrichtung zur Messung des Gehaltes an ferromagnetischen Partikeln in Flüssigkeits-Suspensionen, Aerosolen oder Feststoff-Gemischen
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur kontinuierlichen oder diskontinuierlichen Messung des Gehaltes an ferromagnetischen Partikeln (z.B. Magnetit, Fe30 ) in Flüssigkeits-Suspensionen, Aerosolen oder Gemischen mit unmagnetischen Feststoffen bei laufenden Prozessen. Im Folgenden wird die Erfindung anhand der Messung von Suspensionen beschrieben, wobei die anderen Stoffgemisch-Formen aber ebenfalls in gleicher Weise behandelbar sind.
Ferner betrifft die Erfindung eine Vorrichtung zur Durchführung dieses Verfahrens. Sie besteht wenigstens aus einem Hochfrequenz-Generator, der zwei Spulen mit Hochfrequenz-Strom speist. Als Spulenkern dient für die eine Spule (Messspule) die zu messende Suspension in einer Küvette oder Rohrleitung und für die andere Spule (Vergleichsspule) eine artgleiche, jedoch von ferromagnetischen Partikeln freie Suspension. Magnetit steht im Folgenden beispielhaft verkürzt für ferromagnetische Partikel, Magnetitgehalt für den Gehalt an ferromagnetischen Partikeln. Durch die unterschiedliche Rückwirkung der magnetithaltigen Suspension auf das Hochfrequenz-Feld wird die Impedanz der Messspule und somit Phase und Amplitude des HF-Signals gegenüber dem Signal an der Vergleichsspule in charakteristischer Weise verändert. Diese Veränderungen werden gemessen und zur Erzeugung eines Messsignals in Abhängigkeit vom Magnetitgehalt herangezogen. Die Erzeugung der Messsignale geschieht zweckmäßigerweise über einen Steuerrechner. Durch Auswertung von Messreihen an Substanzen mit bekanntem Magnetitgehalt lassen sich Parameter-Felder erstellen, die zwecks Vergleich mit unbekannten Suspensionen in dem Auswerterechner abgelegt werden.
Bisher ist es üblich, den Magnetit-Gehalt durch visuelle Auswertung von Proben der zu untersuchenden Suspension zu bestimmen. Die Probenahme erfolgt in Zeitabständen bis zu mehreren Stunden. Zur Auswertung wird das Probematerial auf einem Objektträger aufgestrichen und die Partikelkonzentration unter dem Mikroskop halbquantitativ bestimmt. Die Zuordnung von optischem Erscheinungsbild und tatsächlichem Feststoffgehalt erfolgt rein empirisch und ist daher subjektiven Einflüssen des Messpersonals unterlegen.
Es fehlte in der Vergangenheit nicht an Versuchen, diesen Mangel durch Verwendung induktiver oder sonstiger elektromagnetischer Messverfahren zu beheben; diese scheiterten aber bisher an nicht ausreichender Nachweisempfindlichkeit und wurden daher ergebnislos eingestellt. Auf dem Markt für prozessleittechnische Geräte ist kein entsprechendes System bekannt.
Bei der Produktion von Anilin nach dem Laux- Verfahren besteht ein Verfahrensschritt darin, dass mit Mangetit- und Graphit-Partikeln verunreinigtes Rohanilin geklärt und danach destilliert wird.
Da die Fe203-Partikel den Destillationsprozess stören, wird das Rohanilin in Absetzbehälter gegeben, damit sich dort diese Partikel durch Schwere-Segregation absetzen. Der Zeitpunkt, zu dem sich genügend Partikel abgesetzt haben und somit die erforderliche Klarheit des Rohanilins erreicht ist, wird bisher durch die oben beschriebene visuelle Methode bestimmt. Die ebenfalls in der Suspension vorliegenden Graphit-Partikel stören zwar den Destillationsprozess als solchen nicht, führen aber zu Verfälschungen bei der optischen Auswertung der Suspension. Daher müssen in der Praxis deutlich längere Absetzzeiten gewählt werden als dies theoretisch gemäß des Sinkverhaltens der Fe2Ü3 -Partikel erforderlich wäre.
Bei Einsatz eines zuverlässigen Verfahrens zur Bestimmung des Restgehaltes an Magnetit könnte der genannte Verfahrensscliritt bei gleichzeitig deutlich verbesserter Verfahrenssicherheit merklich zeitlich verkürzt und dadurch die Produktionsmenge pro Zeiteinheit ohne sonstige Verfahrensänderungen bis zu 10% gesteigert werden.
Die Aufgabe wird erfmdungsgemäß dadurch gelöst, dass auch geringe Mengen von magnetischen Feststoff-Partikeln in Flüssigkeits-Suspensionen nachzuweisen bzw. den Partikelgehalt quantitativ bestimmt werden können.
Vorzugsweise wird hierzu die zu messende Flüssigkeit in ein hochfrequentes Wechselfeld gebracht und hierbei die Rückwirkung auf dieses Feld im Vergleich mit einer magnetpartikelfreien Suspension oder reinen Trägerflüssigkeit gemessen. Hierbei werden sowohl die Amplitude als auch die Phasenlage des HF-Signals berücksichtigt. Weitere bevorzugt einsetzbare Messgrößen sind der Oberwellengehalt.
Diese Signale werden so aufbereitet, dass sie in prozessleittechnischen Einrichtungen z.B. zur Steuerung von Pumpen oder Armaturen eingesetzt werden können.
Die erfindungsgemäße Messung kann an Probenmaterial oder aber auch kontinuierlich im Durchfluss durch die Messspule erfolgen; eine Probenahme ist in letzterem Falle nicht erforder- lieh. Hierdurch werden auch die Gefahren beim Umgang mit Gefahrstoffen (z.B. Anilin) reduziert.
Die Steuerung des Prozesses erfolgt automatisch zum optimalen Zeitpunkt. Damit kann auch der bisher in Batch-Fahrweise vorgenommene Absetz-Prozess bei der Anilinherstellung kontinuierlich erfolgen. Insgesamt ist eine sicherere und effizientere Produktion möglich: Die betriebsseitige- Schätzung geht von einer Produktivitätserhöhung bis zu 10 % aus.
Die Verwendung der Erfindung und der hierzu benötigten Vorrichtungen (Anbringung der Messzellen, Entnahme- und Rückfiihrleitungen) bedingen keine wesentlichen Eingriffe in die vorhandenen Produktionsanlagen. Diese können erforderlichenfalls auf gleiche Weise wie bisher
gefahren werden. Die zusätzlich beizustellenden prozessleittechnischen Mess- und Steuergeräte sind problemlos in der Messwarte unterzubringen; Pumpen und Armaturen sind auf Grund ihres geringen Platzbedarfs ebenfalls einfach zu montieren.
Die Erfindung eignet sich ebenfalls zur Bestimmung des Ferrit-Partikelgehaltes in Aerosolen oder auf anderen nichtmagnetischen Trägern. Durch die Gestaltungsfreiheit bei der Konstruktion der Messzellen sind Anwendungen unter verschiedensten Bedingungen möglich. Die optimale Mess- frequenz hängt hierbei von der Partikelgröße und den magnetischen Eigenschaften der Partikel ab.
Beispiele
Fig. 1 zeigt die schematische Darstellung der Vorrichtung zur Messung des Magnetit-Gehaltes einer Suspension und Steuerung des Klärprozesses:
An der Einleitung 1 wird die Rohsuspension mit hohem Feststoffgehalt in den Absetztank 2 gegeben. Dort verweilt diese, wobei durch Schweresegregation die Magnetit-Partikel zu Boden sinken. Etwa in der Mitte des Tanks befindet sich eine Abzugsleitung 3 mit der eingebauten Messzelle 4. Durch diese wird diskontinuierlich oder kontinuierlich mit geringer Strömungsgeschwindigkeit die zu prüfende Suspension gepumpt 5. Letztere gelangt anschließend wieder in den Absetztank.
Das Signal der Messzelle 4 gelangt ebenso wie das einer Vergleichszelle 6, die mit magnetitfreier Suspension oder reiner Trägerflüssigkeit gefüllt ist, zur Mess- und Auswerteeinheit 7. Hier werden Steuersignale zur Betätigung von Pumpen und/oder Armaturen 8, 9 erzeugt, die im Falle hinreichend geringen Magnetitgehaltes die Suspension aus dem Absetzbehälter 8 und den Klärschlamm aus dem Behältersumpf abziehen 9.
Fig. 2 zeigt den prinzipiellen Aufbau der Mess- und Regeleinheit: Der im Hochfrequenz-Generator 10 erzeugte Hochfrequenz-Strom mit auf das spezielle Messproblem optimierter Frequenz wird sowohl an die Spule in der Messzelle 11 als auch an die Vergleichszelle 12 gegeben. Änderungen des Signals der Messzelle werden über Phasen- und Amplituden-Diskriminatoren 13 ausgewertet und an einen Steuerrechner 14 übergeben. In diesem sind die Kalibrierdaten und weitere zur Steuerung des Prozesses erforderlichen Parameter wie z.B. Zeit und Art der Probenahme abgelegt. Der Steuerrechner ermittelt die Daten zur Ansteuerung von Interfaces 15, die ihrerseits auf die Aktoren 16 wie z.B. Pumpen, Regelarmaturen etc. wirken.