Wälzlager mit Polymerelektronik
Anwendungsgebiet der Erfindung
Die Erfindung betrifft ein Wälzlager, mit Sensoren zur Erfassung von auf das Lager wirkenden physikalischen Größen sowie mit elektronischen Komponenten zur Auswertung und/oder Übertragung der Sensorausgangssignale oder daraus abgeleiteter Kennwerte an außerhalb des Lagers befindliche elektrische oder elektronische Geräte, wobei die Sensoren, Leiterbahnen und elektronischen Komponenten ein Messdate- nerfassungs- und/oder Messdatenverarbeitungssystem bildend auf wenigstens einem Lagerbauteil angeordnet sind. Zudem betrifft die Erfindung ein diesbezügliches Herstellverfahren und eine Herstellungsmaschine nach den Oberbegriffen der Ansprüche 22 beziehungsweise 32.
Hintergrund der Erfindung
Aus der DE 101 36 438 AI ist eine Sensoranordnung in einem Wälzlager bekannt, mit der auf das Lager einwirkende physikalische Größen ermittelbar sind. Bei dieser Sensoranordnung werden die auf Lagerschalen des Wälzlagers wirkenden Kräfte und Momente derart erfasst, dass die mechanischen Spannungen oder sonstige physikalische Beeinflussun- gen der Lagerschalen mit an den Lagerschalen angeordneten Sensorelementen sowie damit gegebenenfalls zusammengefass- ten Elektronikbauteilen detektiert werden. Die Sensoren
sind dabei als Dehnungsmessstreifen ausgebildet, die vorzugsweise in einer U fangsnut einer feststehenden Lagerschale befestigt sind, wobei letztere sowohl die innere o- der die äußere Lagerschale eines Wälzlagers sein kann.
Gemäß dieser Druckschrift kann die Sensoranordnung auf einem als Trägermaterial wirkenden Substrat angeordnet sein. Die zuvor beschriebenen Dehnungsmesswiderstände der Sensoren sind zudem über eine Isolationsschicht auf einem unflexiblen metallischen Zwischenträger wie etwa einem
Plättchen aufgebracht. Das als Schaltungsträger ausgebildete Trägermaterial kann gemäß dieser Druckschrift an geeigneter Stelle am Wälzlager angeschweißt oder eingepresst sein.
Darüber hinaus ist aus dieser DE 101 36 438 AI bekannt, dass auf dem metallischen Zwischenträger sowohl axial als auch tangential messende Dehnungsmesswiderstände in Volloder Halbbrückenschaltung aufgebracht werden können. Zudem können diese bekannten Brückenschaltungen auch noch mit e- lektronischen Bausteinen verbunden werden, mit denen eine Signalauswertung und Signalübertragung zu weiteren Messstellen oder anderen Auswerteschaltungen beziehungsweise zu einem Anschlussstecker möglich ist.
Die Signalübertragung bei diesem bekannten Messlager kann dabei seriell über einen Digitalbus oder einen Analogbus erfolgen. Demnach erlaubt diese mechatronische Anordnung die zusätzliche direkte Zuordnung von Bausteinen zur elektronischen Signalverarbeitung zu dem Wälzlager, so dass beispielsweise digitale AusgangsSignale erzeugt werden kön-
nen und die Sensoranordnung unmittelbar an ein Bussystem etwa in einem Kraftfahrzeug anschließbar ist.
Außerdem ist aus der DE 42 18 949 A ein Kraftmesslager bekannt, bei dem die Sensoren in Form von Kraftmessfolien aufgebaut und in eine Umfangsnut eines Lagerbauteils eingesetzt sind. Diese Foliensensoren bestehen aus zwei zusammenlaminierte Polymerlagen, wobei die eine Lage mit kammartig ineinandergreifenden Elektroden beschichtet und auf der anderen Lage ein Widerstandsmaterial aufgetragen ist. Wird der Sensor mit einer Kraft beaufschlagt, so schließt das Widerstandsmaterial die Elektroden mehr oder weniger parallel, so dass der elektrische Widerstand mit ansteigender Druckbelastung abnimmt. Diese druckabhängige Widerstandsan- derung kann dann mit Hilfe einer Auswerteelektronik genau bestimmt werden.
Des Weiteren ist durch die nicht vorveröffentlichte DE 103 04 592.9 ein gattungsgemäßes Wälzlager mit einem Messdatenerfassungs- und Messdatenverarbeitungssystem bekannt, welches aus Sensoren, Leiterbahnen und Mikrocomputern besteht, die auf wenigstens einer gemeinsamen flexiblen Trägerfolie angeordnet und auf einem Bauteil des Lagers befestigt sind.
Bei diesem Wälzlager sind die Sensoren und elektronischen Bausteine zusammen mit ihrer flexiblen Trägerfolie beispielsweise am feststehenden Lageraußenring und dort vorzugsweise in einer Ringnut an der Außenseite des Lager- ringes befestigt.
Hinsichtlich der Sensoren, die in diesem Messdatener- fassungs- und Messdatenverarbeitungssystem auf der flexiblen Trägerfolie integriert sind, ist vorgesehen, dass diese zumindest zur Erfassung der Drehzahl und/oder der Drehrich- tung eines im Lager gelagerten Körpers , der auf das Lager wirkenden Radial- und/oder Axialkraft, der Kraftrichtung, des Lagergerausches, der Lagertemperatur und einer gegebenenfalls auftretenden Unwucht ausgebildet sind.
Die elektronischen Bausteine können gemäß dieses Standes der Technik als einzelne diskrete elektronische Bausteine wie etwa Operationsverstärker, Kondensatoren, Widerstände oder aber auch als komplexe und sehr kleine Mikrocomputer aufgebaut sein, die mit den Sensoren und auch un- tereinander über Signalübertragungsleitungen auf der flexiblen Trägerfolie verbunden sind. Die Sensoren, die Sensor- und/oder Datenleitungen sowie die elektronischen Bausteine sind beispielsweise mittels eines Dünnfilmschicht- verfahrens (PVD-Verfahren) oder mittels einer Besputte- rungstechnik auf die flexible Trägerfolie aufgetragen und mit einem elastischen und elektrisch nicht leitenden Abdeckmaterial abgedeckt .
Schließlich ist aus der DE 42 31 610 AI sowie aus den Druckschriften US 2003/59975 AI, US 2003/59984 AI, US
2003/59987 AI und US 2003/60038 AI bekannt, ein organisches Material zur Herstellung von elektronischen Strukturen zu nutzen und dieses beispielsweise mittels eines Flüssigkeitsstrahldrucks („ink-jet printing" ) auf ein Trägersub- strat aufzutragen.
Aufgabe der Erfindung
Vor diesem Hintergrund besteht die Aufgabe an die Erfindung darin, ein gattungsgemäßes Messlager vorzustellen, das im Hinblick auf die Herstellung und Anordnung der e- lektrischen Bauteile und Komponenten kostengünstiger, qualitativ besser und flexibler als bisher herstellbar ist.
Lösung der Aufgabe
Die Lösung dieser Aufgabe ergibt sich für das Messlager aus den Merkmalen des Hauptanspruchs, für ein Herstellverfahren zur Erzeugung eines solchen Messlagers sowie für ei- ne diesbezügliche Herstellmaschine aus den Merkmalen des
Anspruchs 22 beziehungsweise 32. Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung sind den Unteransprüchen entnehmbar.
Demnach ist das Wälzlager mit Sensoren zur Erfassung von auf das Lager wirkenden physikalischen Größen sowie mit elektronischen Komponenten zur Auswertung und/oder Übertragung der Sensorausgangssignale oder daraus abgeleiteter Kennwerte an außerhalb des Lagers befindliche elektrische oder elektronische Geräte ausgestattet, wobei die Sensoren, Leiterbahnen und elektronischen Komponenten ein Messdate- nerfassungs- und/oder Messdatenverarbeitungssystem bildend auf wenigstens einem Lagerbauteil angeordnet sind. Von besonderer Bedeutung hinsichtlich der Erfindung ist nun, dass die Sensoren, Leiterbahnen und/oder elektronischen Komponenten aus wenigstens einem lateral strukturieren elekt-
risch leitenden oder halbleitenden organischem Material oder einem Vorläufer davon aufgebaut sind.
In einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass das elektrisch leitende oder halbleitende organische Material oder dessen Vorläufer durch Druck- und/oder Beschichtungstechniken aus einer flüssigen oder festen Phase des organischen Materials auf dem wenigstens einen Lagerbauteil aufgedruckt ist.
Durch diesen Aufbau ist ein solches Messlager sehr schnell, kostengünstig sowie hinsichtlich der Produktvariabilität und der Messgenauigkeit sehr vorteilhaft herstellbar. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Sensoren, Leiterbahnen und/oder sonstigen elektronischen Komponenten aus wenigstens einem elektrisch leitenden oder halbleitenden organischem Material mittels Druck-, Flüssig- und/oder Festphasenbeschichtungsverfahren unmittelbar auf die gegebenenfalls auch gekrümmte Oberfläche des oder der betroffe- nen Lagerbauteile aufbringbar sind, ohne dass dazu aufwendige und teure Vakuum- oder Trägergasherstellprozesse und/oder der Einsatz zusätzlicher Klebstoffe oder sonstiger Befestigungsmittel notwenig wären.
Neben dieser vereinfachten Herstellbarkeit verbessert der direkte Kontakt zwischen den Sensoren und den Lagerbauteilen gegenüber einer aufgeklebten Lagersensorik zudem die Messgenauigkeit .
Zur Herstellung von Signalübertragungsleitungen, e- lektrischen Spulen und elektrischen Widerständen wird bevorzugt intrinsisch elektrisch leitendes oder halbleitendes
organisches Material genutzt, wie etwa dotiertes Polyacety- len, Polyphenylenvinylen, Polyanilin oder Polyethylendio- xythiophen.
Bei diesen Polymeren muss es sich nicht zwangsläufig um lösliche Polymere handeln. So werden viele intrinsisch leitfähige Polymere nicht aus einer Lösung sondern aus einer kolloidalen Dispersion abgeschieden. Zudem ist die Abscheidung geeigneter Materialien aus einer gelösten oder dispergierten Vorlauferphase (Precursor) des genannten organischen Druckmaterials denkbar, die durch eine Nachbehandlung, z.B. durch Erhitzen oder UV-Bestrahlung, in eine halbleitende oder leitende Polymerphase überführt wird und im Endzustand nicht mehr zwangsläufig löslich sein muss.
Außerdem besteht die Möglichkeit, die elektrisch leitenden oder halbleitenden Strukturen mittels eines Thermo- transferverfahrens von einem Zwischenträger auf das Trägersubstrat der Elektronik zu übertragen.
Eine -andere Herstellvariante wird darin gesehen, die leitenden beziehungsweise halbleitenden Strukturen auf das Lagerbauteil mittels des sogenannten „Laser Induced Thermal Imaging"- Verfahrens (beschrieben in: US 5,521,035; US 6,114,088; US 6,242,140 und US 6,194,119) aufzutragen. In diesem Fall wird das Material im festen Zustand von einer Trägerfolie lateral strukturiert auf das Lagerbauteil übertragen.
In einer anderen Ausgestaltung der Erfindung können die Signalübertragungsleitungen, elektrischen Spulen und elektrischen Widerstände auch aus extrinsisch elektrisch
leitenden oder halbleitenden organischen Material gebildet sein, zu denen beispielsweise graphit- oder metallgefüllte Polymerpasten gehören.
Feldeffekttransistoren und/oder Dioden sind in einer
Weiterbildung des erfindungsgemäßen Messlagers hinsichtlich ihrer Halbleiterstrukturen beispielsweise aus Poly (3-alkyl- thiophen) , α, ω-Dihexylsexithiophen, Alkyl-Naphthalinbisinαid und/oder Flouralkyl-Naphthalinbisimid gebildet, während ein Dielektrikum für solche Elektronikbausteine aus Poly (methylmethacrylat) , Poly (vinylphenol) oder Polyimid gebildet sein kann.
Hinsichtlich der in das Messlager integrierten Senso- ren (insbesondere Kraft- und/oder Dehnungssensoren) wird es als vorteilhaft angesehen, wenn diese als piezoresistiv o- der piezoelektrisch wirksame Sensoren ausgebildet sind. Für den Aufbau piezoelektrischer Sensoren können vorteilhaft Komponenten aus Polyvinylidenfluorid oder aus Copolymeren von Vinylidenflourid mit Trifluorethylen eingesetzt werden.
In einer anderen Variante können die piezoelektrisch wirksamen Sensoren oder Komponenten auch aus Kompositen aus anorganischen Mikrokristalliten in polymeren Schichten be- stehen, wobei als piezoelektrisch wirksame Komponente Blei- zirkonattitanat oder BaTi03 in dem Polymer enthalten sein kann.
Elektrische Kondensatoren werden bei dem erfindungsge- maß aufgebauten Messlager beispielsweise aus intrinsisch oder extrinsisch leitenden Polymerpasten sowie polymeren Dielektrika aufgebaut sein.
Bei einem solchen Mess-Wälzlager sind in Ausgestaltung der Erfindung die Sensoren, Leiterbahnen und elektronischen Komponenten in der Regel am Lagerinnenring oder am Lagerau- ßenring angeordnet. Die Sensoren und elektronischen Komponenten werden dort bevorzugt in eine Vertiefung wie etwa eine Ringnut an der Außenseite oder Innenseite eines feststehenden Lagerinnenringes platziert.
Ein erfindungsgemäß aufgebautes Messlager umfasst vorzugsweise Sensoren zur Erfassung der Drehzahl und/oder der Drehrichtung eines im Lager gelagerten Körpers, der auf das Lager wirkenden Radial- und Axialkraft, der Kraftrichtung, des Lagergeräusches beziehungsweise der dort messbaren Vib- rationen, der Lagertemperatur und einer gegebenenfalls auftretenden Unwucht .
Darüber hinaus kann das Messlager so aufgebaut sein, dass die elektronischen Komponenten aus wenigstes einem e- lektrisch leitenden oder halbleitenden organischen Material zumindest einen Mikrocomputer umfassen und/oder bilden, die mit anderen elektronischen Bausteinen und/oder mit den Sensoren über Signalübertragungsleitungen verbunden sind, welche sich vorzugsweise auf dem gleichen Lagerbauteil befin- den.
Sofern dies für die Erfassung und Verarbeitung sehr großer Sensordatenmengen und/oder für die Vorverarbeitung dieser Daten notwenig ist, können auch mehrere Mikrocompu- ter auf dem einen oder auch auf einem weiteren Lagerbauteil angeordnet sein. Diese Mikrocomputer sind dann zum Austausch digitaler oder analoger Daten beziehungsweise Signa-
le untereinander über Datenleitungen vorzugsweise aus einem elektrisch leitenden oder halbleitenden organischen Material verbunden.
Zur Weiterleitung der von den Sensoren und/oder elektronischen Komponenten erfassten oder gebildeten Werte verfügen diese über wenigstens eine Anschlussstelle zur Weiterleitung von Messsignalen, Rohdaten und/oder aufbereiteten Informationen über den aktuellen physikalischen Zustand des Lagers und/oder des mit dem Lager verbundenen Bauteils an wenigstens eine außerhalb des Lagers befindlichen gesonderte Anzeige-, Datenspeicher- und/oder Datenverarbeitungs- einrichtung.
In einer anderen bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäß ausgebildeten Messlagers sind die Sensoren, die Sensor- und Datenleitungen sowie die elektronischen Komponenten beziehungsweise die Mikrocomputer in einem gemeinsamen Herstellprozess auf das oder die Lagerbauteile aufgetragen worden, so dass diese vorzugsweise ein geschlossenes Flächengebilde aus dem oder den elektrisch leitenden und/oder halbleitenden organischen Materialien bilden.
In Ausgestaltung der Erfindung sind die Sensoren, die Sensor- und Datenleitungen sowie die elektronischen Komponenten beziehungsweise die Mikrocomputer zum Schutz vor äußeren Einflüssen mit einem flexiblen und elektrisch nicht leitfähigen Abdeckmaterial beschichtet, welches ebenfalls aus einem elektrisch isolierenden Material besteht.
Eine andere Variante der Erfindung sieht vor, dass auf dem wenigstens einen Lagerbauteil eine logische elektronische Schaltung bestehend aus Halbleiterstrukturen in konventioneller Halbleitertechnik aufgebracht ist, während weitere zu dieser Schaltung gehörende elektronische Strukturen, bestehend aus wenigstens einem elektrisch leitenden oder halbleitenden organischenMaterial, vorzugsweise auf das Lagerbauteil aufgedruckt sind.
Zum Aufbau einer sehr komplexen Mess- und Auswertungseinrichtung können die Sensoren, Sensor- und Datenleitungen sowie die elektronischen Komponenten beziehungsweise die Mikrocomputer in unterschiedlichen Ebenen unter Zwischenlage einer Isolationsschicht auf einem der genannten Lager- bauteile angeordnet sein. Zur elektrisch leitenden Verbindung zwischen den in unterschiedlichen Ebenen angeordneten Leiterbahnen und/oder elektronischen Komponenten sind in Ausgestaltung der Erfindung im wesentlichen senkrecht zur Längserstreckung der Leiterbahnen ausgerichtete (Durch-) Kontakte aus elektrisch leitendem oder halbleitendem organischem Material durch die vorgenannte Isolationsschicht geführt .
Darüber hinaus wird es als sinnvoll angesehen, wenn zur Vermeidung einer elektrischen Kontaktierung zwischen der Oberfläche des wenigstens einen Lagerbauteils und den Leiterbahnen, elektronischen Komponenten, Mikrocomputern und/oder Sensoren eine isolierende Schicht ausgebildet ist, die aus einem geeigneten organischen oder anorganischen (z. B. oxidischen) Material besteht.
Schließlich kann das Messlager auch über eine optisch wirksame und aus einem elektrisch leitenden oder halbleitenden organischen Material hergestellte Sendevorrichtung verfügen, die zur Übertragung von Sensorsignalen und/oder daraus abgeleiteten Größen von einem Lagerbauteil zu einem außerhalb des Lagers befindlichem Bauteil geeignet und vorgesehen ist. In einer anderen Variante ist jedoch auch eine drahtlose Übertragung mittels höherfrequenter Funkwellen möglich.
Das erfindungsgemäße Herstellverfahren zur Erzeugung eines Wälzlagers mit Sensoren zur Erfassung von auf das Lager wirkenden physikalischen Größen sowie mit elektronischen Komponenten zur Auswertung und/oder Übertragung der Sensorausgangssignale oder daraus abgeleiteter Kennwerte an außerhalb des Lagers befindliche elektrische oder elektronische Geräte, bei dem die Sensoren, Leiterbahnen und e- lektronischen Komponenten ein Messdatenerfassungs- und/oder Messdatenverarbeitungssystem bildend auf wenigstens einem Lagerbauteil angeordnet sind, ist nun dadurch gekennzeichnet, dass die Sensoren, Leiterbahnen und elektronischen Komponenten aus wenigstens einem elektrisch leitenden oder halbleitenden organischen Material oder dessen Vorläufer auf der Oberfläche von wenigstens einem Bauteil des Wälzla- gers aufgebaut werden.
Diese Verfahrensweise hat gegenüber den bekannten Techniken den großen Vorteil, dass die Sensoren und (ganz allgemein definiert) Elektronikstrukturen sehr leicht und schnell auf jeder beliebigen Bauteilstruktur ausgebildet werden können, ohne dass hierfür beispielsweise Vakuumtechniken notwenig wären. Dies reduziert nicht nur die Her-
stellkosten für ein solches Messlager, im Vordergrund steht vielmehr, dass die Sensor- und Elektronikstrukturen auch auf stark gekrümmten oder strukturierten Bauteiloberflächen problemlos und platzsparend angeordnet beziehungsweise auf- gebaut werden können.
Hinsichtlich des Aufbringens der elektrisch leitenden oder halbleitenden organischen Materialien auf die Oberfläche von wenigstens einem der Lagerbauteile werden Druck- techniken bevorzugt. So können die Sensoren, Leiterbahnen und elektronischen Komponenten schichtweise, etwa mittels Siebdruck, Flexodruck oder indirekten Tiefdruck auf der Lagerbauteiloberfläche aufgebaut werden.
In einer anderen Variante werden vergleichbare Ergebnisse aber auch dadurch erzielt, dass die Sensor- und E- lektronikstrukturen durch ein Flüssigkeitsstrahldruckverfahren (auch als „Tintenstrahldruck" bekannt) mittels einer Flüssigkeit und einem darin gelösten oder dispergierten e- lektrisch leitenden oder halbleitenden organischen Material auf die Oberfläche des wenigstens einen Lagerbauteils aufgedruckt werden.
Zudem ist es möglich, dass die Sensoren, Leiterbahnen und elektronischen Komponenten mittels einer Kombination von Siebdruck und Flüssigkeitsstrahldruck auf die Oberfläche des wenigstens einen Lagerbauteils ausgebildet werden.
Des weiteren wird vorgeschlagen, dass die Sensoren, Leiterbahnen und elektronischen Komponenten durch flächigen Auftrag des elektrisch leitenden oder halbleitenden organischen Materials oder dessen Vorläufers in gelöster oder
dispergierter Form auf die Lagerbauteile und anschließende laterale Strukturierung mittels Direktlithographie oder La- serablation erzeugt werden.
Zudem sind die Sensoren, Leiterbahnen und/oder elektronische Komponenten mittels eines Thermotransferdruckver- fahrens von einem Zwischenträger auf das TrägerSubstrat der Elektronik oder direkt auf ein Lagerbauteil übertragbar.
Eine andere Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens sieht vor, dass die Sensoren, Leiterbahnen und/oder elektronischen Komponenten auf das Lagerbauteil mittels des sogenannten „Laser Induced Thermal Imaging"- Verfahrens aufgebaut werden, bei dem das organische Material auf einer Trägerfolie aufgetragen und im festen Zustand von dieser lateral strukturiert auf das Lagerbauteil übertragen wird.
Sofern das die Sensoren, Leiterbahnen und elektronischen Komponenten tragende Lagerbauteil aus einem elekt- risch leitenden Material besteht, wird vor dem Aufbau der
Polymerelektronik vorzugsweise eine isolierende Schicht aus einem geeigneten, beispielsweise anorganischem Material zwischen diesem Bauteil und der Polymerelektronik aufgebracht, die eine ausreichende Isolationswirkung erzeugt.
In einer weiteren Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Herstellverfahrens ist vorgesehen, dass auf wenigstens ein Lagerbauteil eine logische elektronische Schaltung bestehend aus Halbleiterstrukturen in konventioneller Halblei- tertechnik (z.B. auf der Basis von Silizium) aufgebracht wird, und dass anschließend die zu dieser Schaltung gehörenden elektronischen Strukturen, bestehend aus wenigstens
einem elektrisch leitenden oder halbleitenden organischen Material, auf das Lagerbauteil vorzugsweise aufgedruckt werden. Durch einen solchen Kombinationsaufbau lassen sich die vorteilhaften Eigenschaften sowohl der konventionellen Halbleitertechnik als auch der Polymerelektronik nutzen.
Eine andere Variante des erfinderischen Herstellverfahrens sieht vor, dass die elektronische Schaltung und/oder einzelne Sensoren aus elektrisch leitendem oder halbleitendem organischem Material zuerst auf eine flexible Folie gedruckt, anschließend vereinzelt und abschließend in einer vorgegebenen Konfiguration auf dem wenigstens einem Lagerbauteil befestigt sowie elektrisch miteinander verbunden werden.
Schließlich kann verfahrensgemäß vorgesehen sein, dass die Sensoren, Leiterbahnen und/oder elektronische Komponenten, die nicht in einer Ebene angeordnet und durch einen Isolator voneinander getrennt sind, durch ein elektrisch leitendes oder halbleitendes organisches Material elektrisch miteinander verbunden werden, wobei dieses elektrisch leitende oder halbleitende organische Material im wesentlichen senkrecht zur Längserstreckung der Leiterbahnen beziehungsweise der elektronischen Komponenten ausgerichtet wird.
Die Erfindung betrifft auch eine Fertigungsmaschine zur Herstellung von Sensoren, Leiterbahnen und/oder Elektronikkomponenten aus wenigstens einem elektrisch leitenden oder halbleitenden organischen Material (Polymerelektronik) auf einem Wälzlager, mit einer Einspannvorrichtung für dasjenige Wälzlagerteil, auf das die Polymerelektronik aufgebracht werden soll, mit wenigstens einer Zuführvorrichtung für die
Zuführung des organischen Druckmaterials oder einer Vorstufe desselben, und mit wenigstens einer mit der Zuführvorrichtung verbundenen Druckeinrichtung, die ein schichtweises Auftragen des Druckmaterials beziehungsweise dessen Vorstufe auf das Wälzlagerteil ermöglicht.
Sofern es sich bei dem Druckmaterial um ein in einer Lösung gelöstes oder ein in eine Flüssigkeit dispergiertees elektrisch leitendes oder halbleitendes organisches Druck- material handelt, ist die Zuführvorrichtung für das Druckmaterial als Flüssigkeitsleitung ausgebildet, durch die das organische Druckmaterial zu der Druckeinrichtung transportierbar ist.
Bei der letztgenannten Ausgestaltung der Fertigungsmaschine ist die Flüssigkeitsdruckeinrichtung in einer Ausführungsform als Sieb-, Flexo- oder Tiefdruckvorrichtung ausgebildet, während bei einem an sich bevorzugtem Aufbau die Flüssigkeitsdruckeinrichtung als Flüssigkeitsstrahl- druckkopf ausgebildet ist, an dem die wenigstens eine Leitung zur Zuleitung von elektrisch leitendem oder halbleitendem organischem Material befestigt ist.
Die Betätigung eines solchen Flüssigkeitsstrahldruck- kopfes erfolgt vorzugsweise mit wenigstens einem piezoelektrischen Aktuator.
Sofern die Fertigungsmaschine zur Ausbildung der Polymerelektronik auf dem Lagerbauteil durch ein Tiefdruck- o- der Flexodruckverfahren genutzt wird, kann auf eine vorgenannte Flüssigkeitsleitung verzichtet werden. Statt dessen sind an der Fertigungsmaschine dann geeignete Zuführvor-
richtungen für die Tiefdruck- oder Flexodruckmittel vorgesehen.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Die Erfindung lässt sich anhand von konkreten Ausführungsbeispielen sowie mit Hilfe der beigefügten Zeichnungen erläutern. Darin zeigen
Fig. 1 ein Wälzlager sowie daran erfassbare physikalische Größen,
Fig. 2 einen Querschnitt durch das Wälzlager gemäß Fig. 1, und
Fig. 3 ein erfindungsgemäß ausgebildetes Messwälzlager mit optischer Datenübertragungseinrichtung.
Ausführliche Beschreibung der Zeichnungen
In Figur 1 ist demnach in perspektivischer Ansicht ein typisches Wälzlager 1 dargestellt, zu dem ein drehfest angeordneter Außenring 2 und ein darin drehbar gelagerter In- nenring 3 gehört. Zwischen dem Außenring 2 und dem Innenring 3 sind als Kugeln ausgebildete Wälzkörper 4 angeordnet, die in einen Kugelkäfig 5 eingefasst sind.
Eine in dem Innenring 3 gelagerte, hier aber nicht dar- gestellte Last, übt auf das Wälzlager 1 Kräfte Fx, Fy, Fz in allen drei Raumkoordinaten aus, die mittels der in der Beschreibung des Standes der Technik erwähnten Sensoren mess-
bar sind. Zudem ist hier dargestellt, dass u.a. auch die Drehzahl n sowie der Drehwinkel θ des Innenringes 3, die Temperatur Ti, Ta von Innenring 3 und Außenring 2 sowie das axiale Drehmoment Mz mittels geeigneter Sensoren feststell- bar sind.
Wie dem in Fig. 2 dargestellten Querschnitt durch das Wälzlager gemäß Fig. 1 entnehmbar ist, können die Sensoren zur Messung der vorgenannten oder auch anderer physikali- scher Größen an unterschiedlichen Stellen im Wälzlager 1 angeordnet sein. Ihre Befestigungsposition hängt in einigen Fällen von dem gewählten Messverfahren und/oder den physikalisch/technischen Randbedingungen des Lagers sowie dessen Einbausituation beispielsweise in eine Maschine oder ein Fahrzeug ab.
Entsprechend dem erfindungsgemäßen Herstellverfahren lassen sich die Sensoren sowie die Elektronikstrukturen wie beispielsweise Leiterbahnen, Verstärker, Widerstände, Kon- densatoren sowie auch ganze Mikrocomputer direkt an den unterschiedlichtsten Positionen sowohl am Lageraußenring als auch am Lagerinnenring ausbilden. Wie Fig. 2 verdeutlicht, können derartige Sensoren sowie Polymerelektronikstrukturen 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14 sowohl in Axialnuten als auch in Radialnuten von Innenring 2 und Außenring 3 eingebracht sein. Es ist aber auch möglich, dass die Sensoren und Polymerelektronikstrukturen 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14 auch auf nicht durch Nuten geschützte Bereiche von Lagerbauteilen aufgebracht sind, wobei als Anbringungsort durchaus auch stärker strukturierte Bereiche genutzt werden können.
Von besonderem Vorteil bei dem erfindungsgemäßen Herstellverfahren ist, dass die Sensoren sowie die Polymerelektronikstrukturen aus wenigstens einem elektrisch leitenden oder halbleitenden organischen Material auf der 0- berfläche von wenigstens einem Bauteil des Wälzlagers aufgebaut werden.
Dieser Aufbauprozess erfolgt vorzugsweise durch ein Druckverfahren, wie ein Siebdruck- oder Flüssigkeitsstrahl- Druckverfahren, bei denen das in einer Flüssigkeit gelöste oder dispergierte elektrisch leitende oder halbleitende organische Material oder eines Vorläufer desselben direkt auf die Oberfläche des Lagerbauteils aufgedruckt wird. Zudem kann der Aufbau der Polymerelektronikstrukturen wie bereits erwähnt auch mittels eines indirekten Tiefdruck- oder Fle- xodruckverfahrens erfolgen.
Sofern das Lagerbauteil aus einem elektrisch leitenden organischem Material besteht, empfiehlt sich unabhängig von dem Druckverfahren jedoch die Zwischenlage einer Isolationsschicht.
Im Gegensatz beispielsweise zur Besputterungstechnik können nach diesem Verfahren auch auf den gekrümmten radia- len Oberflächen von Lagerringen sehr vorteilhaft die gewünschten Sensoren und Elektronikstrukturen ausgebildet werden. Insbesondere müssen die Lagerbauteile dazu nicht wie bei der Besputterungstechnik üblich in ein Vakuum verbracht werden. Zudem können mit dem erwähnten Flüssigkeits- strahl-Druckverfahren analog zu den bekannten Farbdruckköpfen von Computer-Druckern gleichzeitig unterschiedliche gelöste oder dispergierte elektrisch leitende oder halblei-
tende organische Materialen auf das Bauteil gespritzt werden, so dass die polymeren Elektronikstrukturen sehr rationell herstellbar sind.
Darüber hinaus kann eine mit einem solchen Flüssigkeitsdruckkopf ausgerüstete Fertigungsmaschine gesteuert von einem Fertigungscomputer und darin abgespeicherten E- lektronik-Bauplänen mit hoher Flexibilität unterschiedliche Lagertypen mit derselben oder einer anderen Polymerelektro- nik bedrucken.
Weitere Vorteile sind darin zu sehen, dass eine solche Polymerelektronik aufgrund geringer Rohstoffkosten sowie deren Umweltverträglichkeit auf eine hohe Akzeptanz stoßen wird.
Bei dem in Fig. 3 dargestellten erfindungsgemäß ausgebildeten Messwälzlager 15 sind die Sensoren und die anderen Elektronikstrukturen im Sinne einer integralen Polymer- elektronik 18 in eine Radialnut an der Außenseite eines drehbar am Lagerinnenring 3 gelagerten Lageraußenrings 2 durch eines der genannten Druckverfahren eingebracht . Der Aufbau dieser Polymerelektronik 18 erfolgte dabei schichtweise, wie aus der konventionellen Halbleitertechnik be- kannt, bei dem durch Schichtfolgen von organischen Materialien mit unterschiedlichen elektrischen Eigenschaften alle benötigten Sensor- und/oder Elektronikbauteile, wie Widerstände, Kondensatoren, Verstärker und sogar ganze Mikrocomputer erzeugbar sind.
Wie Fig. 3 zudem entnehmbar ist, werden die von der Polymerelektronik 18 im drehenden System erzeugten bezie-
hungsweise verarbeiteten Informationen über Sensor- und/oder Datenleitungen 22 an eine optisch wirksame Sendevorrichtung (organische Leuchtdiode) 16 weitergeleitet, die hier ringförmig und aus einem elektrisch leitenden oder halbleitenden organischen Material gebildet ist.
Diese optisch wirksame Sendevorrichtung 16 sendet über eine Leuchtstrecke 23 den von der Polymerelektronik 18 erzeugten Datenstrom an eine Empfangsphotodiode 17, die an einem feststehenden Lagerbauteil (hier nicht dargestellt) oder in der hier gezeigten sehr kompakten Bauform an einer feststehenden elektrischen Erregerspule 20 angeordnet ist. Nicht ausgeschlossen wird jedoch die Übertragung mittels einer konventionellen Funkeinrichtung im höherfrequenten Bereich.
Mittels der Erregerspule 20 ist ein elektrischer Strom zur Versorgung der Polymerelektronik 18 induktiv in eine Sekundärspule 19 an dem Lageraußenring 2 einkoppelbar, und vor dort über Energieversorgungsleitungen 21 an die Elektronikkomponenten weiterleitbar.
Von besonders großer Bedeutung hinsichtlich der beschriebenen Erfindung ist die Anwendung von Drucktechniken zur Erzeugung eines Messlagers . Die dabei anwendbaren
Drucktechniken wie die Flüssigkeitsdrucktechniken Siebdruck, „Tintenstrahldruck" , Flexodruck und indirekter Tiefdruck sowie die flächigen Flüssigkeitsphasenbeschichtungs- techniken mit anschließender lateraler Strukturierung, wie etwa die Direktlithograpgie oder die Laserablation, sind hierzu besonders vorteilhaft geeignet.
Bezugszeichenliste
I Wälzlager 2 Außenring
3 Innenring
4 Wälzkörper
5 Kugelkäfig
6 Sensoren; Polymerelektronik 7 Sensoren; Polymerelektronik
8 Sensoren; Polymerelektronik
9 Sensoren; Polymerelektronik
10 Sensoren; Polymerelektronik
II Sensoren; Polymerelektronik 12 Sensoren; Polymerelektronik
13 Sensoren; Polymerelektronik
14 Sensoren; Polymerelektronik
15 Wälzlager
16 Organische Leuchtdiode 17 Feststehende Photodiode
18 Polymerelektronik
19 Sekundärspule
20 Erregerspule; feststehendes Bauteil
21 Energieversorgungsleitung 22 Datenleitung
23 Leuchtstrecke Fx Lagerkraft in x-Richtung Fy Lagerkraft in y-Richtung Fz Lagerkraft in z-Richtung Mz Axiales Drehmoment i Außenringtemperatur Ta Innenringtemperatur