Beschreibung
Verfahren zur Salpetersäureproduktion sowie dafür geeignete Anlage
Die vorliegende Erfindung betrifft ein verbessertes Verfahren zur Salpetersäureproduktion sowie eine daran angepasste Anlage.
Bei der industriellen Herstellung von Salpetersäure HN03 durch die katalytische Verbrennung von Ammoniak resultiert ein mit Stickstoffmonoxid NO, Stickstoffdioxid N02 (zusammen bezeichnet als NOx) sowie Lachgas N20 beladenes Abgas.
Es ist bekannt, dass diese Oxide des Stickstoffs ökotoxisch sind (z.B. saurer Regen, Smog-Bildung, Treibhauseffekt) und es sind weltweit Grenzwerte für deren maximal zulässige Emissionen festgelegt.
Es wird daher ständig nach Verfahren und Maßnahmen gesucht, mit denen die Emission dieser Gase reduziert oder sogar ganz vermieden werden kann. Außerdem müssen diese Verfahren möglichst ökonomisch einsetzbar sein, um industriell realisiert werden zu können.
Die Salpetersäureproduktion stellt eine große Quelle industrieller Lachgasemissionen dar. Aus Gründen des Umweltschutzes aber auch der Verfahrensökonomie besteht daher ein dringender Bedarf an technischen Lösungen, die Lachgasemissionen zusammen mit der NOx-Emission bei der Salpetersäureproduktion zu reduzieren.
Zur Beseitigung von NOx aus dem Abgas der Salpetersäureproduktion sind bereits zahlreiche Verfahrensvarianten vorgeschlagen worden (hier bezeichnet als DeNOx- Stufe), wie chemische Wäsche, Adsorptionsverfahren oder katalytische
Reduktionsverfahren. Eine Übersicht ist in Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry, Vol. A 17, VCH Weinheim (1991) gegeben.
Hervorzuheben ist dabei die selektive katalytische Reduktion (SCR) von NOx mittels Ammoniak zu N2 und H20, welche je nach Katalysator bei Temperaturen von etwa
150°C bis 450°C ablaufen kann und einen NOx-Abbau von mehr als 90% ermöglicht. Sie ist die meist genutzte Variante der NOx-Minderung bei der Salpetersäureproduktion, führt aber, wie auch die übrigen Varianten, nicht zu einer Minderung des N2O-Gehaltes.
Hierzu ist nach heutigem Stand der Technik eine gesonderte, zweite Katalysatorstufe notwendig, die in geeigneter Weise mit der DeNOx-Stufe kombiniert wird. Derartige Ansätze sind z.B. in US-A-5,200,162, in Clark, D.M. et al.; The Shell DeNOx System: A novel and cost effective NOx removal technology as applied in nitric acid manufacture and associated processes, presented at Nitrogen '97, in Geneva, 9-11th February 1997. Neuere Entwicklungen auf dem Gebiet der Entstickung von Abgasen, die aus Salpetersäureanlagen stammen können, sind in den WO-A-01/51 ,182, WO-A- 01/51 ,181 , WO-A-02/87,733, WO-A-03/105,998 und der DE-A-102 15 605 beschrieben.
In den bekannten Verfahren wird versucht, die Konzentration von NOx im Restgas durch geeignete Maßnahmen bei der Gaswäsche möglichst gering zu halten und die Bildung von N20 bei der Ammoniakverbrennung zu minimieren bzw. die im Restgas enthaltenen Oxide des Stickstoffs möglichst vollständig aus diesem zu entfernen. Diese Maßnahmen sind in jedem Fall mit verfahrenstechnischem Aufwand verbunden und beeinträchtigen daher die Prozessökonomie.
Im Hinblick auf den bekannten Stand der Technik ergibt sich somit die Aufgabe, ein wirtschaftliches Verfahren zur Herstellung von Salpetersäure zur Verfügung zu stellen, bei dem der Ausstoß von Oxiden des Stickstoffs auf einfache Weise minimiert oder sogar vollständig vermieden werden kann.
Eine weitere Aufgabe ist die Bereitstellung einer geeigneten Anlage zur Durchführung dieses Verfahrens.
Es wurde jetzt gefunden, dass diese Aufgabe gelöst werden kann, indem man eine Ammoniakanlage und eine Salpetersaureanlage zusammenschaltet und das Oxide des Stickstoffs enthaltende Restgas aus der Salpetersaureanlage in die Ammoniakanlage zurückführt. Dadurch verringert oder vermeidet man auf einfache Art und Weise
Emissionen von Oxiden des Stickstoffs. Ein derartiges Restgas weist üblicherweise die folgende Zusammensetzung auf (volumenbezogene Angaben): NOx = 150-3000 ppm , N20 = 500-2000 ppm, 02 = 1-3%, H20 = 0,5-1 %, N2 = Rest. Die Rückführung dieses Restgases mit einem N2-Gehalt von über 95 % bildet somit eine Stickstoffquelle für die Ammoniaksynthese. Man erhält also mit dieser einfachen Maßnahme ein
Ausgangsprodukt für die Amoniaksynthese, aus dem sich in energetisch günstiger Weise Ammoniak herstellen lässt.
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Verringerung der Emission von Oxiden des Stickstoffs bei der Salpetersäureproduktion umfassend die Maßnahmen: i) Erzeugen von Ammoniak durch katalytische Umsetzung von Stickstoff mit Wasserstoff in einer Ammoniakanlage (100), ii) Einleiten des erzeugten Ammoniaks in eine Salpetersaureanlage (200), iii) Verbrennung des Ammoniaks zu Oxiden des Stickstoffs in der Salpetersaureanlage (200), iv) Waschen des Oxide des Stickstoffs enthaltenden Gases mit Wasser in mindestens einem stromabwärts zur Ammoniakverbrennung angeordneten Absorptionsturm zur Erzeugung von Salpetersäure, und v) Rückführung zumindest eines Teils des die Salpetersaureanlage (200) verlassenden, Oxide des Stickstoffs enthaltenden Restgases in die Ammoniakanlage (100).
Bei den erfindungsgemäß eingesetzten Ammoniakanlagen (100) und
Salpetersäureanlagen (200) kann es sich um an sich bekannte Anlagen handeln.
Beispiele für Ammoniakanlagen sind in D. Lippmann, The Uhde Ammonia Technology - Main Features and Advantages, Fertilizer Focus, July/August 2003 beschrieben.
Beispiele für Salpetersäureanlagen findet man in den DE-A-100 11 335, DE-A-102 07 627, DE-A-28 50 054 und DE-A-21 48 329.
Beispiele für die Entstickung von Restgasen aus der Salpetersäureproduktion finden sich in den DE-A-101 12 396, DE-A-101 12 444 und DE-A-102 15 605.
Bei der Ammoniaksynthese wird Stickstoff mit Wasserstoff katalytisch zu Ammoniak umgesetzt. Die Umsetzung gemäß
N2 + 3 H2 → 2 NH3 (1)
ist bereits seit langem bekannt und wird großtechnisch betrieben.
Auch die Verbrennung des Ammoniaks gemäß
4 NH3 + 5 02 → 4 NO + 6 H20 (2)
und
NO + 0,5 02 → N02 (3)
ist bereits seit langem bekannt und wird großtechnisch betrieben.
Zur Erzeugung von Stickstoff und Wasserstoff für die Ammoniaksynthese lassen sich Luft und Wasser einsetzen. Durch Reduktion mit Koks wird daraus in an sich bekannter Weise Generatorgas und Wassergas erzeugt. Dieses wird in an sich bekannter Weise von Beimengungen von Schwefelwasserstoff, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid befreit und das erhaltene Wasserstoff-Stickstoff-Gemisch sodann in einem Kontaktofen katalytisch zu Ammoniak umgesetzt.
Der für die Ammoniaksynthese benötigte Wasserstoff kann auch aus anderen Quellen stammen, etwa aus Erdgas oder Naphta.
Vorzugsweise wird der für die Ammoniaksynthese benötigte Wasserstoff durch katalytische Dehydrogenierung von Kohlenwasserstoffen, insbesondere von Erdgas oder Methan, in Gegenwart von Wasserdampf gewonnen. Diese Umsetzung erfolgt in an sich bekannter Weise in zwei oder mehreren hintereinandergeschalteten Reformern.
Aus dem erhaltenen Stickstoff-Wasserstoff-Gemisch, dem üblicherweise noch ein
Stickstoff und Sauerstoff enthaltendes Gas, vorzugsweise Luft, zugesetzt wird, erzeugt man in der Ammoniakanlage (100) in an sich bekannter Weise durch katalytische Umsetzung Ammoniak.
Das in der Ammoniakanlage (100) erzeugte Ammoniak wird erfindungsgemäß mindestens teilweise zur Salpetersäureherstellung eingesetzt. Ein Teil des A^mmoniaks kann auch abgezweigt werden und anderen Verwendungen zugeführt werde n, etwa als reines Ammoniak-Produkt (108) oder zur Erzeugung von Harnstoff (109). Au h kann ein Teil des in den Reformern (101 , 102) erzeugten Synthesegases vor der Ammoniaksynthese (103) abgezweigt werden und beispielsweise einer Fiscfier- Tropsch-Synthese oder einer Methanol-Synthese zugeführt werden.
Der in der Ammoniakanlage (100) erzeugte Ammoniak oder ein Teil davon wird in eine Salpetersaureanlage (200) geleitet und dort zusammen mit Luft in an sich be kannter Weise zu Oxiden des Stickstoffs verbrannt. Durch die Verbrennungsluft wird ler Salpetersaureanlage (200) ein erheblicher Anteil an Stickstoff zugeführt, der in der erfindungsgemäßen Anordnung zusammen mit den nicht zu Salpetersäure urngesetzten Oxiden des Stickstoffs in die Ammoniakanlage (100) rückgeführt wird und als Stickstoffquelle in der Ammoniaksynthese eingesetzt werden kann. Neben dem Restgas aus der Salpetersaureanlage (200) wird der Ammoniakanlage (100) Luft (1 OS ) als Stickstoffquelle für die Ammoniaksynthese zugeführt.
Das die Salpetersaureanlage (200) verlassende, Oxide des Stickstoffs enthaltende Restgas wird teilweise oder vorzugsweise vollständig in die Ammoniakanlage (100) zurückgeführt. Bei nur teilweiser Rückführung wird der Rest in an sich bekannter Weise einer Entstickung unterworfen und sodann aus der Anlage in die Atmosphäre ausgeschleust.
Das Restgas aus der Salpetersaureanlage (200) stammt hauptsächlich aus dem Absorptionsturm oder diesem nachgeschalteten Anlagenteilen, kann jedoch auch aus anderen Teilen der Salpetersaureanlage (200) stammen.
Wird zur Erzeugung von Wasserstoff für die Ammoniaksynthese eine Kombination zweier Reformer (101, 102) eingesetzt, so wird das aus der Salpetersaureanlage (200) rückgeführte Oxide des Stickstoffs enthaltende Restgas üblicherweise nach erfolgter Kompression zwischen dem ersten und dem zweiten Reformer (101 , 102) oder vorzugsweise in den zweiten Reformer (102) eingeleitet, beispielsweise in den
Synthesegaseingang des zweiten Reformers (102), besonders bevorzugt aber in den Lufteingang des zweiten Reformers (102).
Bei der Einleitung des Oxide des Stickstoffs enthaltenden Restgases zwischen dem ersten und zweiten Reformer (101 , 102) empfiehlt es sich, den möglichen
Sauerstoffgehalt des Restgases und/oder den Temperaturverlauf in der Leitung zwischen erstem und zweiten Reformer (101 , 102) zu überwachen, um eine Verbrennung von Wasserstoff mit Restsauerstoff in der Leitung zu kontrollieren.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird das aus der Salpetersaureanlage (200) rückgeführte, Oxide des Stickstoffs enthaltende Restgas nach erfolgter Kompression nach dem Sekundärreformer (102) aber vor dem Reaktor für die Ammoniaksynthese (103) eingeleitet, vorzugsweise direkt nach dem Sekundärreformer (102).
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird bei der Erzeugung von Wasserstoff für die Ammoniaksynthese mindestens ein mit Sauerstoff, mit Luft oder mit
angereicherter Luft betriebener autothermer Reformer („ATR") eingesetzt, und zumindest ein Teil des aus der Salpetersaureanlage (102) rückgeführten, Oxide des Stickstoffs enthaltenden Restgases wird nach erfolgter Kompression in den ATR, insbesondere in den für den ATR bestimmten sauerstoffhaltigen Strom eingeleitet.
Bevorzugt wird das gesamte Restgas der Salpetersaureanlage (200) vollständig in die Ammoniakanlage (100) zurückgeführt und zusammen mit zusätzlich eingespeister Luft oder mit sauerstoffabgereicherter Luft oder mit reinem Stickstoff als Stickstoffquelle bei der Ammoniaksynthese verwendet. Die Umsetzung des Restgases, welches auch Oxide des Stickstoffs enthält, in der Ammoniakanlage (100) bedarf keiner weiteren, besonderen verfahrenstechnischen Maßnahmen. Die Oxide des Stickstoffs werden in der reduzierenden Atmosphäre der Ammoniakanlage (100), die aus Synthesegas- reformierungen (101 , 102) und katalytischer Ammoniaksynthese (103) besteht, sicher und vollständig letztendlich zu Ammoniak und Wasser umgesetzt und dienen somit neben dem überwiegend vorhandenen molekularen Stickstoff als Stickstoffquelle für die Ammoniakherstellung.
In einer weiteren bevorzugten Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens wird der Wasserstoff in der Ammoniakanlage (100) durch Dehydrierung von Kohlenwasserstoffen in einer Kombination von Primär- und Sekundärreformer (101 , 102) erzeugt, und das Oxide des Stickstoffs enthaltende Restgas aus der Salpetersaureanlage (200) wird in den Sekundärreformer (102), vorzugsweise in den Lufteingang des Sekundärreformers (102) und/oder unmittelbar nach dem Ausgang des Sekundärreformers (102) eingeleitet.
Die Erfindung betrifft ferner eine Anlage zur Salpetersäureproduktion umfassend die Elemente: A) Ammoniakanlage (100) zum Erzeugen von Ammoniak durch katalytische Umsetzung von Stickstoff mit Wasserstoff, die mit B) einer Salpetersaureanlage (200) verbunden ist, in der aus dem erzeugten Ammoniak durch Verbrennung Oxide des Stickstoffs erzeugt werden, die
C) stromabwärts zur Ammoniakverbrennung mindestens einen Absorptionsturm aufweist, in dem das Oxide des Stickstoffs enthaltende Gas mit Wasser gewaschen wird, wodurch Salpetersäure erzeugt wird, und die D) mindestens eine Leitung (201) aufweist, durch die zumindest ein Teil des die Salpetersaureanlage (200) verlassenden, Oxide des Stickstoffs enthaltenden Restgases in die Ammoniakanlage (100) zurückgeführt wird.
In einer bevorzugten Ausführungsform umfasst die erfindungsgemäße Anlage eine Ammoniakanlage (100), die neben dem Reaktor für die Ammoniaksynthese (103) eine Kombination von Primär- und Sekundärreformer (101 , 102) aufweist, in welcher der für die Ammoniakerzeugung benötigte Wasserstoff erzeugt wird, und die Anlage weist mindestens eine Leitung (201) auf, durch die das Oxide des Stickstoffs enthaltende Restgas aus der Salpetersaureanlage (200) in den Sekundärreformer (102) und/oder zwischen Primärreformer (101) und Sekundärreformer (102) und/oder nach dem Sekundärreformer (102) aber vor dem Reaktor für die Ammoniaksynthese (103) eingeleitet wird.
Ganz besonders bevorzugt mündet die Leitung für das Oxide des Stickstoffs enthaltende Restgas in den Lufteingang des Sekundärreformers (102).
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform umfaßt die erfindungsgemäße Anlage eine Ammoniakanlage (100), die eine Kombination von Primär- und Sekundärreformer (101 , 102) aufweist, in welcher der für die Ammoniakerzeugung benötigte Wasserstoff erzeugt wird, und die Anlage weist mindestens eine Leitung (201) auf, durch die das Oxide des Stickstoffs enthaltende Restgas aus der Salpetersaureanlage (200) direkt nach dem Sekundärreformer (102) in die Ammoniakanlage (100) zurückgeführt wird.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform umfaßt die erfindungsgemäße Anlage mindestens einen mit Sauerstoff, mit Luft oder mit angereicherter Luft betriebenen autothermen Reformer („ATR"), in dem Wasserstoff für die Ammoniaksynthese erzeugt
wird, und mindestens eine Leitung (201 ), durch die zumindest ein Teil des aus der Salpetersaureanlage (200) rückgeführten, Oxide des Stickstoffs enthaltenden Restgases in den ATR, insbesondere in den für den ATR bestimmten sauerstoffhaltigen Strom, zurückgeführt wird.
Figuren 1a, 1b, 2 und 3 erläutern die Erfindung. Eine Begrenzung auf die in diesen Figuren dargestellten Ausführungsformen ist nicht beabsichtigt.
Figuren 1a und 1b zeigen Prinzipskizzen der erfindungsgemäßen Anlage und des erfindungsgemäßen Verfahrens.
In Figuren 2 und 3 werden ausgewählte Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Anlage und des erfindungsgemäßen Verfahrens erläutert.
In Figur 1a ist die Kombination einer Ammoniakanlage (100) mit einer Salpetersaureanlage (200) dargestellt. Die Ammoniakanlage (100) besteht aus einer Ammoniaksynthese (103) zur Umsetzung von Wasserstoff und Stickstoff in Ammoniak, sowie den beiden vorgeschalteten Reformern (101 , 102). Diese beiden Reformer können aus einem Primärreformer (101) und einem Sekundärreformer (102) oder auch aus einer Kombination von Autothermem Reformer (101) und katalytischer CO-Konvertierung (102) bestehen, was für den Erfindungsgegenstand aber nicht wesentlich ist. Die Reformer konvertieren ein Einsatzgas, etwa Erdgas, in Gegenwart eines Sauerstoff und Stickstoff enthaltenden Gases (106) sowie Wasserdampf (107) in Wasserstoff und Kohlenstoffoxide (111), welche letztere abgeschieden und ausgeschleust werden. Das so reformierte Einsatzgas besteht zu etwa 3 Teilen aus Wasserstoff und einem Teil Stickstoff und kann zu Ammoniak umgesetzt werden, welches als flüssiges Ammoniak (105) die Ammoniakanlage (100) verlässt und etwa als reines Ammoniak-Produkt (108) oder zur Erzeugung von Harnstoff (109) oder zur Erzeugung von Salpetersäure (100) genutzt wird.
Zumindest ein Teil des aus der Ammoniakanlage stammenden Gasgemisches wird über Leitung (110) der Salpetersaureanlage (200) zugeführt und dort zusammen mit Luft
(203) zu Oxiden des Stickstoffs verbrannt und mit Wasser adsorptiv in Salpetersäure überführt, welche über die Produktleitung (202) die Salpetersaureanlage (200) verlässt. Das Restgas, welches im wesentlichen den mit der Verbrennungsluft (203) eingetragenen Stickstoff sowie kleine Mengen an Wasserdampf, Sauerstoff und Oxiden des Stickstoffs enthält, wird über Leitung (201) in die Ammoniakanlage (100) zurückgeführt und dort in den Prozess zur Ammoniakerzeugung eingeschleust.
In Figur 1b wird eine ähnliche Anlage wie in Figur 1a dargestellt. Die Rückführung des aus der Salpetersaureanlage (200) ausgeschleusten, Oxide des Stickstoffs enthaltenden Gases in die Ammoniakanlage (100) wird hier genauer beschrieben. Leitung (201) mündet in dieser Anlage in die Leitung zwischen erstem Reformer (101 ) und zweitem Reformer (102). Gegebenenfalls kann Leitung (201) eine Abzweigung (201b) aufweisen, die direkt in den zweiten Reformer (102) mündet. In einer weiteren nicht dargestellten Ausführungsform kann Leitung (201) direkt in den zweiten Reformer (102) münden.
In Figur 2 wird eine Ausführungsform der erfindungsgemäßen Anlage bzw. des erfindungsgemäßen Verfahren im Einzelnen erläutert.
Dargestellt ist die Skizze einer kombinierten Anlage zur Erzeugung von Ammoniak mit einer nachgeschalteten Salpetersaureanlage.
In der Ammoniakanlage wird Ammoniak durch katalytische Umsetzung von Stickstoff und Wasserstoff gewonnen. Der benötigte Wasserstoff stammt in der dargestellten Ausführungsform aus Erdgas oder Methan, welches mit Wasserdampf in einem Reforming Verfahren in an sich bekannter Weise katalytisch in Wasserstoff,
Kohlenmonoxid und Kohlendioxid übergeführt wird. Das gasförmige Kohlenwasser- stoff(gemisch) (1) wird durch eine Entschwefelungsstufe (2) geleitet und sodann zusammen mit Wasserdampf (3) in einen ersten Reformer (4) geleitet. Darin erfolgt die thermische Spaltung des überwiegenden Teils des Kohlenwasserstoffs in Wasserstoff, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid. Der Reformer wird durch nicht dargestellte Brenner in an sich bekannter Weise geheizt.
Das den ersten Reformer (4) verlassende Synthesegasgemisch enthält neben Wasserstoff, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid auch nicht umgesetztes Erdgas oder Methan. Für die Ammoniaksynthese muss das Synthesegas möglichst frei von störenden Begleitstoffen sein.
Aus diesem Grunde wird das Synthesegas aus dem ersten Reformer (4) zusammen mit einer ausgewählten Menge an Luft in einen zweiten Reformer (5) eingeleitet, um verbliebenes Erdgas oder Methan zu verbrennen und um den für die Ammoniaksynthese benötigten Stickstoff in das System einzutragen. Durch die Verbrennung des Erdgases oder Methans heizt sich das Synthesegasgemisch auf und es kommt zu einer weiteren Spaltung eines Teils des Methans. Das den zweiten Reformer (5) verlassende Synthesegasgemisch wird durch einen Wärmetauscher (6) geleitet, anschließend durch eine Stufe (7) zur Umwandlung des Kohlenmonoxids in Kohlendioxid. Über Leitung (40) wird der Stufe (7) Kesselspeisewasser zugeführt, welches diesen über Leitung (44) nach Passage des Wärmetauschers (6) als Hochdruckdampf verlässt. Nach Verlassen der Stufe (7) wird das Synthesegasgemisch durch eine Absorptionsstufe (8) geleitet, in der das Kohlendioxid abgetrennt und über Leitung (39) ausgeschleust wird. Die in dieser Stufe (7) zurückgewonnene Wärmeenergie kann zur Erzeugung von Wasserdampf für den ersten Reformer (4) verwendet werden.
Nach der Entfernung von Kohlendioxid wird das Synthesegasgemisch durch eine Methanisierungsstufe (9) geleitet, um letzte Spuren von Kohlenmonoxid und Kohlendioxid durch katalytische Reduktion in Methan zu überführen.
Danach wird das Synthesegas in einem Kompressor (10) komprimiert und in einen Reaktor (11) für die Ammoniaksynthese geleitet, der in an sich bekannter Weise durch Zirkulieren des Reaktionsgasgemisches betrieben wird. Das den Reaktor (11) verlassende Gas wird in eine kryotechnische Stufe (35) eingeleitet, in welcher Ammoniak durch Kondensation aus dem Gas abgetrennt wird. Das verbleibende Gas wird erneut komprimiert und dem Reaktor (11 ) zugeführt. Der Ammoniak wird über eine Leitung (12) in eine Salpatersäureanlage eingeleitet. Um ein Anreichen von Inerten im Ammoniak-Synthesekreislauf zu verhindern wird kontinuierlich über Leitung (41) ein
Purgegasstrom abgezogen. Dieser wird in eine H2-Rückgewinnung (36) geleitet, in welcher Wasserstoff zurückgewonnen wird. Der Wasserstoff wird vor dem Kompressor (10) über Leitung (37) in den Prozess zurückgeführt. Das verbleibende Abgas wird über Leitung (38) ausgeschleust und kann noch als Brennstoff zur Beheizung des Reformers (4) verwendet werden.
Die dargestellte Salpetersaureanlage besteht aus Ammoniakverdampfer (14), Gaserwärmer (15), Ammoniak-Gasfilter (16), Ammoniak-Luft-Mischer (17), Luftzuführung (18), Luftfilter (19) und Luftverdichter (20). In diesen Vorrichtungen wird der durch Leitung (12) zugeführte Ammoniak bzw. die für die Ammoniakverbrennung benötigte und durch Leitung (18) zugeführte Luft konditioniert und gemischt. Anschließend wird das Ammoniak-Luft-Gemisch in einem Ammoniakbrenner mit Abhitzekessel (22) zu Oxiden des Stickstoffs verbrannt und über Restgaserhitzer II (23), Gaskühler I (24), Stickoxid-Verdichter (25), Restgaserhitzer I (26) und Gaskühler II (27) einem Absorptionsturm (28) zugeleitet. Der Abhitzekessel (22) ist in an sich bekannter Weise mit einer Dampftrommel (42) verschaltet, in der Dampf durch eine Kondensationsdampfturbine (43) gefolgt von einem Kondensator (45) im Kreislauf geführt wird. In dem Absorptionsturm (28) werden die erzeugten Oxide des Stickstoffs durch Kontakt mit Wasser in Salpetersäure übergeführt. Diese verlässt den Absorptionsturm (28) über einen Salpetersäure-Entgaser (29) und die Salpetersäure wird anschließend über Leitung (30) aus der Anlage ausgeschleust. Die aus dem Salpetersäure-Entgaser (29) zurückgewonnenen Oxide des Stickstoffs werden abgezogen und in den Stickoxid-Verdichter (25) rückgeführt. Das Stickstoff und Oxide des Stickstoffs enthaltende Restgas aus dem Absorptionsturm (28) wird zwecks Wärmerückgewinnung durch die Restgaserhitzer I und II (26, 23) geleitet und sodann in die Restgasentspannungsturbine (31). Von dort wird das entspannte Restgas zusammen mit einem Teil der aus dem Luftverdichter (20) stammenden Luft durch die Leitung (32) in den zweiten Reformer (5) der Ammoniakanlage zurückgeführt. Dem Restgas kann über Leitung (33) noch weitere Prozessluft zugeführt werden. Vor dem Einleiten in den zweiten Reformer (5) wird das Gasgemisch in einem Kompressor (34) komprimiert.
In Figur 3 wird eine weitere Ausführungsform der erfindungsgemäßen Anlage bzw. des erfindungsgemäßen Verfahren im Einzelnen erläutert.
Dargestellt ist die Skizze einer weiteren kombinierten Anlage zur Erzeugung von Ammoniak mit einer nachgeschalteten Salpetersaureanlage.
Das gasförmige Kohlenwasserstoff(gemisch) (1) wird durch eine Entschwefelungsstufe (2) geleitet und sodann zusammen mit Wasserdampf (3) in einen ersten Reformer (4) geleitet. Darin erfolgt die thermische Spaltung des überwiegenden Teils des Kohlenwasserstoffs in Wasserstoff, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid. Der Reformer wird durch nicht dargestellte Brenner in an sich bekannter Weise geheizt.
Das den ersten Reformer (4) verlassende Synthesegasgemisch wird in einen zweiten Reformer (5) eingeleitet. Über Leitung (47) wird dem zweiten Reformer (5) eine ausgewählte Menge an Luft zugeleitet, um verbliebenes Erdgas oder Methan zu verbrennen und um den für die Ammoniaksynthese benötigten Stickstoff in das System einzutragen. Durch die Verbrennung des Erdgases oder Methans heizt sich das Synthesegasgemisch auf und es kommt zu einer weiteren Spaltung eines Teils des Methans. Das den zweiten Reformer (5) verlassende Synthesegasgemisch wird durch einen Wärmetauscher (6) geleitet, anschließend durch eine Stufe (7) zur Umwandlung des Kohlenmonoxids in Kohlendioxid. Über Leitung (40) wird der Stufe (7) Kesselspeisewasser zugeführt, welches diesen über Leitung (44) nach Passage des Wärmetauschers (6) als Hochdruckdampf verlässt. Nach Veriassen der Stufe (7) wird das Synthesegasgemisch durch eine Absorptionsstufe (8) geleitet, in der das Kohlendioxid abgetrennt und über Leitung (39) ausgeschleust wird. Die in dieser Stufe (7) zurückgewonnene Wärmeenergie kann zur Erzeugung von Wasserdampf für den ersten Reformer (4) verwendet werden.
Nach der Entfernung von Kohlendioxid wird das Synthesegasgemisch durch eine Methanisierungsstufe (9) geleitet, um letzte Spuren von Kohlenmonoxid und Kohlendioxid durch katalytische Reduktion in Methan zu überführen.
Danach wird das Synthesegas in einem Kompressor (10) komprimiert und in einen Reaktor (11) für die Ammoniaksynthese geleitet, der in an sich bekannter Weise durch Zirkulieren des Reaktionsgasgemisches betrieben wird. Das den Reaktor (11) verlassende Gas wird in eine kryotechnische Stufe (35) eingeleitet, in welcher Ammoniak durch Kondensation aus dem Gas abgetrennt wird. Das verbleibende Gas wird erneut komprimiert und dem Reaktor (11 ) zugeführt. Der Ammoniak wird über eine Leitung (12) in eine Salpatersäureanlage eingeleitet. Um ein Anreichen von Inerten im Ammoniak-Synthesekreislauf zu verhindern wird kontinuierlich über Leitung (41 ) ein Purgegasstrom abgezogen. Dieser wird in eine H2-Rückgewinnung (36) geleitet, in welcher Wasserstoff zurückgewonnen wird. Der Wasserstoff wird vor dem Kompressor (10) über Leitung (37) in den Prozess zurückgeführt. Das verbleibende Abgas wird über Leitung (38) ausgeschleust und kann noch als Brennstoff zur Beheizung des Reformers (4) verwendet werden.
Die dargestellte Salpetersaureanlage besteht aus Ammoniakverdampfer (14), Gaserwärmer (15), Ammoniak-Gasfilter (16), Ammoniak-Luft-Mischer (17), Luftzuführung (18), Luftfilter (19) und Luftverdichter (20). In diesen Vorrichtungen wird der durch Leitung (12) zugeführte Ammoniak bzw. die für die Ammoniakverbrennung benötigte und durch Leitung (18) zugeführte Luft konditioniert und gemischt. Anschließend wird das Ammoniak-Luft-Gemisch in einem Ammoniakbrenner mit
Abhitzekessel (22) zu Oxiden des Stickstoffs verbrannt und über Restgaserhitzer II (23), Gaskühler I (24), Stickoxid-Verdichter (25), Restgaserhitzer I (26) und Gaskühler II (27) einem Absorptionsturm (28) zugeleitet. Der Abhitzekessel (22) ist in an sich bekannter Weise mit einer Dampftrommel (42) verschaltet, in der Dampf durch eine Kondensationsdampfturbine (43) gefolgt von einem Kondensator (45) im Kreislauf geführt wird. In dem Absorptionsturm (28) werden die erzeugten Oxide des Stickstoffs durch Kontakt mit Wasser in Salpetersäure übergeführt. Diese verlässt den Absorptionsturm (28) über einen Salpetersäure-Entgaser (29) und die Salpetersäure wird anschließend über Leitung (30) aus der Anlage ausgeschleust. Die aus dem Salpetersäure-Entgaser (29) zurückgewonnenen Oxide des Stickstoffs werden abgezogen und in den Stickoxid-Verdichter (25) rückgeführt. Das Stickstoff und Oxide des Stickstoffs enthaltende Restgas aus dem Absorptionsturm (28) wird zwecks
Wärmerückgewinnung durch die Restgaserhitzer I und II (26, 23) geleitet und sodann zusammen mit einem Teil der aus dem Luftverdichter (20) stammenden Luft durch die Leitung (46) in den zweiten Reformer (5) der Ammoniakanlage zurückgeführt. Vor dem Einleiten in den zweiten Reformer (5) wird das Gasgemisch in einem Kompressor (34) komprimiert.
Die in Fig. 3 dargestellte Verfahrensvariante unterscheidet sich von der in Fig.2 dargestellten Verfahrensvariante dadurch, dass die erforderliche Luftzufuhr (33) in Fig. 2 durch einen vermehrten Lufteinsatz (18) in Fig. 3 ersetzt wird. Hierdurch entfällt die Restgasentspannungsturbine (31) und die drucklose Leitung (32) wird durch die kleinere Druckleitung (46) ersetzt, was beides Vorteile der Erfindung sind. Die zusätzlich aufzubringende Verdichtungsleistung im Verdichter (20) wird voll ausgeglichen durch die eingesparte Leistung des Verdichters (34), der bei höherem Ausgangsdruck arbeitet, weswegen den Einsparungen keine Mehraufwendungen entgegenstehen.