Verfahren und Vorrichtung zur Charakterisierung von multiplen Proben einer oder verschiedener Dispersionen
Beschreibung:
[0001] Die Charakterisierung von flüssig-flüssig oder flüssig-fest Dispersionen, z.B. bezüglich der Entmischungs- und Strukturstäbilität, sowie des Trennverhaltens im Zentriftigalfeld ist eine wichtige Aufgabe in der Forschung, der Auslegung (groß)-technischer Trennverfahren, der Entwicklung neuer Produkte sowie in der produktionsnahen Qualitätskontrolle. Eine besondere Rolle spielt dabei auch die Korngröße sowie die Korngrößenverteilung. Diese ist idealer Weise ohne Verdünnung, d.h. im Originalzustand zu erheben, da die Änderung der Zusammensetzung auch zu Änderungen der Messgröße fähren können (z. B. Nerdünnungsagglomeration). [0002] Es sind eine Vielzahl von unterschiedlichen Messverfahren bekannt, welche sich bezüglich des physikalischen Messverfahrens, des Einsatzgebietes (z.B. Konzentration der ProbeKorngrößenbereich) sowie der Messmöglichkeiten (z.B. Auflösung, Größenverteilungsart- Messgenauigkeit) unterscheiden (Allan, T.: Particle Size Measurement, Kluwer Academic Publishers, Νetherlands (1999) / Leschonski, K.: Particle measurement technology, Berichte der Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie, (1984)). Unabhängig, ob es sich um fraktionierende oder nicht fraktionierende Messtechniken handelt, erlauben alle bisher eingesetzten Instrumente die Bestimmung der Korngröße nur einer Probe. Mit anderen Worten, mehrere Proben müssen stets nacheinander vermessen werden. Dies ist zum Einen zeitaufwendig, da die zu vermessene Probe oft aus der Messkammer entfernt, die Kammer gewaschen und getrocknet und die nächste Probe eingefüllt werden muss. Zweitens werden die Proben nicht unter identischen Bedingungen gemessen (z.B. Temperaturdrift, subjektive und hardwareverursachte Einstellungsgenauigkeiten, Fehleinstellungen, elektronischer Rauschpegel). Drittens ist eine Validierung des Instruments und/oder die Vermessung einer Referenzprobe parallel, d.h. simultan zur eigentlichen Messung nicht möglich. Weiterhin ist allen bekannten Verfahren gemein, dass selbst für verdünnte Proben unterschiedliche Stoßparameter (z.B. Viskosität des Dispersionsmediums, optische Konstanten) für die zu untersuchende Probe bekannt sein müssen, um eine volumenbewertende Korngrößenverteilung aus den Messergebnissen berechnen zu können. Für konzentriertere Dispersionen sind zusätzliche Peirtikel-Partikel-Wechselwirkungen und Partikel-Fluid-Wechselwilkungen zu berücksichtigen, so z.B. die mit der Volumenkonzentration nichtlinear ansteigende stoffspezifische hydrodynamische Wechselwirkung (Hindr-mcefunktion). Diese Stoffkenngröße ist insbesondere für hochauflösende fraktionierende Messmethoden von Bedeutung.
[0003] Die probenspezifischen Daten müssen bisher durch vorherige Untersuchungen der Probe sowohl mit Theologischen als auch mit optischen Messverfähren erhoben und in geeigneter Weise, z.B. über spezielle Eingäbemenüs für die jeweiligen Auswerteverfahren zur
Ko größenbestimmung bereit gestellt werden. Die gesamte Verfahrenskette ist sehr zeitaufwendig, mit Messfehlern behaftet und nicht automatisierbar. Besonders einschränkend erweist sich zudem, dass die überwiegende Mehrheit der Korngrößenmessverfahren nur für verdünnte oder sogar hochverdünnte Stoffproben einsetzbar sind. Damit können viele Mikro- und Nanodispersionen nicht unter produktnahen Bedingungen vermessen werden.
[0004] Obwohl fraktionierende Messmethoden sich gegenüber nichtfraktionierenden Methoden (z.B. statische oder dynamische Lichtstreuung) durch eine wesentlich höhere Auflösung insbesondere für polymodale Proben auszeichnen, sind die bisherigen technisch realisierten Lösungen durch eine Reihe von Unzulänglichkeiten gekennzeichnet. Derzeit sind folgende fraktionierende Messmethoden für Dispersionen bekannt: Schwerkraftsedimentationsmethoden, Zentrifugalfeldsedimentationsmethoden (Scheibe-izenttifugen, Fotoküvettenzentrifugen und M-mometerzentrifugen).
[0005] Scheibenzentrifugen sind Laborgeräte mit einer scheibenförmigen Probenkammer, welche auf eine Umdrehungszahl zwischen 600 und 24.000 min"1 beschleunigt wird (CPS Instruments, Inc. USA, http://www.cpsinstruments.com / Brookhaven Instruments Corporation USA, http://www.bic.com). Wenn die vorgegebene Endgeschwindigkeit erreicht ist, kann die zu untersuchende Suspension auf die Oberfläche einer Flüssigkeit, die vorher in die Probenkammer gefüllt wurde, gegeben werden. Dadurch wird die Probe prinzipiell sehr stark verdünnt. Weiterhin treten häufig hydrodynamische Instabilitäten beim „Eintauchen" der Teilchen in die Spinflüssigkeit auf. Dies führt zu fehlerbehafteten Startzeiten und Anfangsgeschwindigkeiten. Da die Messkammern nicht temperiert werden können, muss zuerst mittels Refererizpartikeln eine Kalibriermessung zur Erfassung des aktuellen Bezugswertes für die temperaturabhängige Dichte und Viskosität der Spinflüssigkeit ermittelt werden. Dies birgt prinzipiell die Gefahr der Verunreinigung durch Verschleppung von Referenzteilchen in die anschließend aufzutragende Probe.
[0006] Aufgrund der Zentriftgalkraft beginnen die Partikel entsprechend ihrer Größe nach außen zu wandern. Eine geeignete Strahlungsquelle ist so positioniert, dass die Scheibe an einer vom Hersteller festgelegten Position, meist am äußeren Rand durchleuchtet wird. Die sedimentierenden Partikel reduzieren durch Streuung und Absorption die Strahlungsintensität, die mit einem Empfänger an einer konstanten Position gemessen wird. Aus dem Zeitverlauf der Teilchenwanderung und der Messung der abgeschwächten Strahlungsintensität werden die Größe und die Konzentration der Partikel bestimmt. Scheiben-ffintrifugen sind in der Lage, Teilchen in einem Größenbereich von 0,01 μm bis 40 μm zu detektieren. Der Probendurchsatz ist dadurch limitiert, dass jeweils nur eine Probe vermessen werden kann. [0007] Bekannte FotoMvettenzentrifugen messen ebenfalls nur für eine Probe in einer Ebene die Trübung eines Licht- oder Laserstahles (Shimadzu Scientific Instruments (SSI) North America: http://www.ssi.sl__madzu.com / Horiba: http://www.horiba-particle.com/). Am Anfang des Versuches liegen die Partikel, im Gegensatz zu Scheibenzentrifugen, in einer transparenten
Küvette gleichmäßig verteilt vor. Aufgrund der Zentrifugalbeschleunigung beginnen die Teilchen zu sedimentieren und passieren gemäß der Zugehörigkeit zu einzelnen Größenklassen die Lichtschranke. Damit nimmt die Trübung mit der Zeit ab und aus diesem zeitlichen Transmissionsanstieg und der zugehörigen Sinkgeschwindigkeit kann die Partikelgrößenverteilung berechnet werden.
[0008] Beiden Verfahren, der Scheibenzentrifuge und der Fotoldivettenzentrifuge liegt eine Messung der Teilchenkonzentration mittels eines Detektionsverfahrens für elektromagnetische Strahlung zu Grunde. Entsprechend dem Stand der Technik werden Strahlungsquellen im sichtbaren Bereich für die Bestimmung der Partikelgrößenverteilung eingesetzt. Für eine Berechnung der volumen- oder massenbewertenden Partikelgrößenverteilung sind die teilchengrößenabhängigen ExtiriktionskoefBzienten entsprechend der Mie-Theorie notwendig (van de Hülst, H. C: Light Scattering by Small Particles, Dover Publications Inc., New York (1981) / Kerker, Milton: The scattering of light and other electromagnetic radiation, Academic Press, New York, San Francisco, London, (1967)). [0009] Wird Röntgenstrahlung eingesetzt, kann mit dem teilchengrößenunabhängigen AbsorptionskoefEϊzienten gearbeitet werden. Dies hat jedoch neben strahlenschutztechnischen Aspekten den Nachteil, dass nur Proben mit Materialien höherer Ordnungszahl (in der Regel > 13) vermessen werden können. Damit sind z.B. biologische Proben nicht analysierbar. [0010] Um das korngrößenäbhängige Absetzverhalten von Partikeln im Zentrifugalfeld zu untersuchen, kann eine Manometerzentrifuge genutzt werden, deren Prinzip auf der Messung des hydrodynamischen Druckunterschiedes zwischen zwei Messebenen in einer Sedimentationszelle basiert (Beiser, M., Stahl, W.: Influence of Additives on the Sedimentation Behaviour of Fine Grained Solids in the Centrifugal Field, Filtech Europa 2003 — Conference Proceedings, Volume I-L-Session, S.1-465 -1-472). Wenn ein Feststoff aussedimentiert, der eine höhere Dichte als die Flüssigkeit besitzt, nimmt die mittlere Massendichte des Suspensionsvolumens zwischen den beiden Messebenen kontinuierlich ab und demzufolge reduziert sich ebenfalls die hydrodynamische Druckdifferenz. Der Vorgang vollzieht sich so lang bis der Trennspiegel zwischen der Klarflüssigkeit und der Sedimentationszone die untere Messebene passiert hat Sinken alle Partikel mit der gleichen Geschwindigkeit, ergibt sich ein linearer Verlauf der , hydrodynamischen Druckdifferenz bezogen auf die Zeit. Sind jedoch schnell und langsam sedimentierende Teilchen in der Suspension vorhanden, setzt sich die Druckänderung zuerst aus beiden Anteilen zusammen und wenn die schneller absinkenden Partikel das Messvolumen verlassen haben, ändert sich die Steigung des Druckverlaufes. Sind n-Partikelklassen in der Suspension vorhanden, ergeben sich n-1 Knickpunkte im zeitlichen Druckverlauf bzw. bei einer stetigen Partikelgrößenverteilung eine gekrümmte Kurve. Aus diesen Druckverläufen lassen sich Informationen über die Sedimentationsmechanismen ableiten, d.h. zum Beispiel, bei welchen Konzentrationen der Übergang zwischen Zonen- und Schwaπnsedimentation liegt. Von großem Nachteil ist die aufwendige Messung des Druckes in der rotierenden Sedimentationszelle und die
Übertragung des zeitlichen Druckverlaufs während der Zentrifugation. Auch hier kann während einer Messung nur eine Probe untersucht werden.
[0011] Den bisher beschriebenen Zentri__ügationsverfahren ist weiterhin gemein, dass sie gerätetechnisch auf die Vermessung von Suspensionen ausgerichtet sind Wenn überhaupt, musste für die Vermessung von Emulsionen eine Umrüstung vorgenommen werden. Mischdispersionen (z.B. Milchprodukte), welche gleichzeitig Flotations- und Sedimentationsentmischung aufweisen, konnten mit diesen Verfahren ohne vorherige Auftrennung prinzipiell nicht bezüglich der Korngröße analysiert werden.
[0012] In der europäischen Patentschrift EP 0840887 Bl wird ein Verfahren und eine Vorrichtung zur automatischen Analyse geometrischer, mechanischer und Theologischer Parameter von Stoffsystemen und Materialien beschrieben, das darauf beruht, dass auf das Untersuchungsgut und den/die Untersuchungsparameter abgestimmte unterschiedliche Küvetten oder Messsysteme, die auch in radial unterschiedlichen Positionen plaziert werden, auf einen horizontal oder vertikal positionierten Schlitten oder Rotor gebracht und einer vorgegebenen oder in Abhängigkeit vom Prozessverlauf gesteuerten zeitvariäblen Beschleunigung unterworfen werden. Die durch die Beschleunigung induzierte Veränderung der örtlichen und zeitlichen Zusammensetzung des Stoffsystems, der geometrischen Anordnung oder Position der Materialien oder die Lage entsprechender Probekörper wird durch mechanische oder elektromagnetische Wellen hochauflösend detektiert. On-line oder off-line werden aus diesen Signalen über entsprechende Algorithmen gleichzeitig mehrere Materialkenngrößen - wie Entmischungsgeschw-ndigkeit, Flotationsgeschwindigkeit, Viskosität, Viskoelastizität, Volumenkonzentration, Korngrößenverteilung, Partikelsorten, Elastizität, Adhäsivität, Haftfestigkeit oder Zerreißfestigkeit - sowie ihre Zeitäbhängigkeit berechnet.
[0013] Gegenstand der Patentanmeldungen DE 10208707.5-52 AI und EP 1 386 135 A2 ist ein Verfahren und eine Vorrichtung, mit denen sowohl die Stabilität oder Instabilität einer Dispersion erfasst bzw. stabilisierende oder destabilisierende Einflüsse auf eine Dispersion untersucht werden können. Dabei wird die momentane Erfassung der örtlichen Zusammensetzung der Dispersion über die gesamte Messzellenhöhe sowie deren zeitliche Veränderung im Hunderstelsekundenintervall ohne Bewegung von Messzelle, Sender oder Empfänger untereinander örtlich und zeitlich hochauflösend ermöglicht.
[0014] Bei den ebenfalls mehrkanaligen Geräten aus den Patentschriften EP 0840887 Bl, DE 10208707.5-52 AI und EP 1 386 135 A2 wird die Transmission orts- und zeitaufgelöst ohne eine Temperiermöglichkeit (Ausnahme Patentschriften DE 102 08707.5-52 AI und EP 1 386 135 A2) der Proben registriert. Besonders nachteilig erwies sich hier bisher, dass das Transmissionssignal nur als scheinbare, geräteabhängige Intensität registriert wurde und sich das
Verfahren auf die Erfassung in erster Linie der Grenzschicht partikelfreie Lösung/Dispersion erstreckte. Eine Umrechnung der transmitierten Intensität in konzentrationsproportionale Extή-ktionswerte war sowohl für verdünnte als auch insbesondere für nichtverdünnte Dispersionen nicht gegeben. Es fehlten weiterhin entsprechende mathematische Algorithmen, welche unter Ausnutzung der Mehrkanaligkeit die simultane experimentelle Ermittlung der Korngrößen einer Probe und der für die Berechnung dieser Größen notwendigen stoffspezifischen Kenngrößen (z.B. größenbewertete Extinktionskoeff_zenten, konzentrationsäbhängige Hindrance oder Flussdichtefunktion) unter gleichen Messbedingungen und mit dem gleichen Messverfahren ermöglichte. Eine automatische, software-basierte Auswertung und Dokumentation dieser Kenngrößen war nicht gegeben.
[0015] Der Erfindung liegt die Aufgäbe zugrunde, die Nachteile der im Stand der Technik beschriebenen Lösungen zu beseitigen.
[0016] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass mittels einer im linearen Bereich arbeitenden spektroskopischen Messanordnung (Lichtquelle, Kondensor, Linienempfanger) die gegenüber der ausgestrahlten Intensität von Wellen einer oder mehrerer Wellenlängen durch die Teilchen der Dispersion verursachte Schwächung (z.B. durch Absorption und/oder Streuung) erfasst wird. Alternativ hierzu oder gleichzeitig kann die gestreute Intensität detektiert werden. Die transmitierte und/oder gestreute Intensität wird über die gesamte Probenhöhe orts- und zeitaufgelöst bestimmt, gespeichert und ausgewertet. Die entwickelten Algorithmen ermöglichen erfindungsgemäß die Analyse der Extinktionsveränderungen an auswählbaren unterschiedlichen Orten der Messprobe in Abhängigkeit von der Zeit oder für auswählbare unterschiedliche Zeiten als Funktion der Position innerhalb der Messprobe. Besonders vorteilhaft ist dabei, dass die entsprechende Festlegung des Analysemodus sowie der entsprechenden Orte oder Zeiten erst nach dem Experiment während der Auswertung erfolgen muss und beliebig oft revidiert werden kann und somit auch hochkomplexe Dispersionen (z.B. Suspoemulsionen) einfach zu analysieren sind. Es hat sich auch als vorteilhaft erwiesen, dass neben den zu analysierenden Proben mit unbekannten Korngrößenverteilungen, gleichzeitig Referenzproben mit unterschiedlicher Volumenkonzentration und/oder bekannter Korngrößenverteilung mitgeführt und aus den unter identischen Messbedingungen gewonnenen Ergebnissen der Referenzproben die für die Bestimmung der Korngrößenverteilung der unbekannten Proben unabdingbaren optischen Parameter sowie im Fall konzentrierterer Proben die Hindrance- und Flussfunktion (Funktion zur Beschreibung des Transports bezogen auf den Querschnitt) berechnet werden. Überraschenderweise hat sich herausgestellt, das die erfindungsgemäße Lösung auch die Ermittlung der relativen scheinbaren Viskosität als Funktion der Teilchenkonzentration sowie stoffspezifischer Parameter Theologischer Gleichungen ermöglicht.
[0017] Die erfindungsgemäße Ausstattung des Verfahrens ermöglicht die Entmischung im Gravitations- bzw. Zentrifugalfeld von z.B. 12 unterschiedlichen Proben und die Detektion der austretenden Intensität Iτ(t, r) über die gesamte Probenlänge mittels z.B. einer auf die Wellenlänge (z.B. 880 um, andere sind möglich) der Strahlungsquelle abgestimmten CCD-Zeile als Empfänger. Der Beobachtungsbereich kann dadurch vergrößert werden, dass eine CCD-Zeile oder andere geeignete punktförmige Sensoren schrittweise entlang der Küvette verschoben werden. Gegenüber den bekannten Scheiben- und Fotoküvettenzentrifugen ermöglicht die gefundene Lösung auch den Einsatz von auf die Anfangstrübung abgestimmte optische Weglängen der Küvetten und die Variation der eingestrahlten Intensität. Damit kann die Messung auch konzentrierterer Proben realisiert werden. Die gesamte spektroskopische Messeinrichtung sowie die Proben werden zur Erzielung der notwendigen Analysegenauigkeit während der Messung z.B. im Bereich von 4 °C bis 60 °C temperiert. Es hat sich weiter gezeigt, dass das erfindungsgemäße Verfahren nicht nur in der Lage ist ohne Veränderungen der Messapparatur flotierende Stoffsysteme, wie Emulsionen, bezüglich ausgewählter physikalischer und kolloidchemischer Parameter zu analysieren, sondern überraschend sogar Mischsysteme, welche Teilchen mit geringerer und größerer Dichte als das Suspensionsmedium enthalten, ohne vorherige Auftrennung korngrößenmäßig charakterisiert werden können.
[0018] Das erfindungsgemäße Verfahren und die erfindungsgemäße Vorrichtung ermöglicht erstmals, ausgewählte physikalische und kolloidchemische Parameter (z.B. die Korngröße, die Korngrößenverteilung, die Hindranceftinktion (Funktion, die die Abweichung des Sedimentationsverhaltens vom Stokesschen Gesetz beschreibt) und Indices der Striikturstäbilität (verschiedene Kenngrößen der Strukturstabilität, z.B. Fließgrenze) für Dispersionsproben durch die Erfassung der räumlich und zeitlich aufgelösten Schwächung von eingestrahlten Wellen durch der Gravitation oder Zentrifugation unterworfenen mono- oder polydispersen Dispersionsproben (Dispersionen mit einheitlichen oder davon abweichenden Partikelgrößen) automatisch zu bestimmen. Es soll für flotierende (aufrahmende) und sedimentierende Stoffsysteme sowie für deren Mischungen ohne vorherige Auftrennung gleichermaßen einsetzbar sein.
[0019] Das erfindungsgemäße Verfahren zur automatischen Bestimmung ausgewählter physikalischer, verfahrenstechnischer und kolloidchemischer Parameter (z.B. der Korngröße, der Korngrößenverteilung, der Geschwindigkeitsverteilung, des Partikelfluxes (querschnittsbezogener Partikeltransport), der Hinckancefunlrtion und von Indizes der Stnikturstabilität) erfolgt mittels Erfassung der Schwächung von eingestrahlten Wellen während der Entmischung von durch der Gravitation oder Zentrifugation unterworfenen mono- oder polydispersen Dispersionsproben, und enthält folgende Schritte / Teilschritte:
Während der Zentrifugation wird zu beliebigen Zeiten simultan für mehrere, auch konzentrierte Proben mit bekannten und/oder unbekannten physikalischen und kolloidchemischen Eigenschaften, die den aktuellen Entmischungsstatus charakterisierende momentane Transmission Iχ(t, r) der mit der Intensität I0(t, r) eingestrahlten Wellen wiederholend für eine oder mehrere Wellenlängen über die gesamte Probenlänge oder in ausgewählten Teilabschnitten derselben hochauflösend erfasst und gespeichert. Alternativ oder gleichzeitig kann hierbei neben der Transmission die momentane Streuung Is(t, r) als Funktion der Position innerhalb der Proben erfasst und gespeichert werden. Die Charakterisierung der Dispersionsproben kann auch ohne Zentrifugation erfolgen.
> Als Grundlage für die Bestimmung der Partikel- oder Tröpfchenkonzentration der untersuchten Dispersionsproben als Funktion von Probenposition und Zeit wird das Ext_n-rtionsprofil Eτ(t, r) durch Logarithmierung des Verhältnisses von Io(t, r) / Iτ(t, r) berechnet. > Aus diesen zu unterschiedlichen Zeiten (tl ... tn) ermittelten Extinktionsprofilen Eτ(t, r) und der in diesen Zeitabschnitten (t(n-l) -t(n)) erfolgten örtlichen Verschiebung werden bei beliebigen konstanten Extinktionswerten Entmischungsgeschwindigkeiten berechnet.
> Aus dem Verhältnis der ermittelten Entmischungsgeschwindigkeiten für festgelegte Extinktionspercentile wird ein Polydispersitätsindex (Maß für die Breite der Verteilung) berechnet, der für die Polydispersität der Dichte oder der Partikel- bzw. Tröpfchengröße charakteristisch ist.
> Aus Extinktionsprofilen Eχ(t, r) für wählbare Zeiten werden nach Gl. A (siehe unten) extinktionsbewertete Verteilungen der Korngröße unter Normierung auf die maximale Extinktion dieses Profils berechnet. In Ergänzung dazu kann unter Berücksichtigung der stoffspezifischen Extinktions-Konzentrations-Beziehung die örtliche und zeitliche Änderung der Partikel- bzw. Tröpfchehkonzentration ermittelt werden.
> Die Ermittlung der stoffspezifischen Extinktions-Konzentrations-Beziehung durch gleichzeitige Entmischung von Proben des zu vermessenden Stoffsystems kann mit bekannter, variierender Volumenkonzentration erfolgen, wobei unter Berücksichtigung der Mehrfachstreuung, z.B. nach GL B (siehe unten) der Konzentrationseinfluss auf die Extinktion berechnet wird.
> Aus beliebigen zum Zeitpunkt t gewonnenen Extinktionsprofilen wird die volumenbewertete Verteilungen der Korngröße nach Gl. A und C (siehe unten) berechnet Der hierzu erforderliche teilchengrößenäbhängige volumenspezifische Extiiktionsquerschnitt (ExtinMonsquerschnitt: Fläche, auf die die gleiche Energie des einfallenden Strahls einfällt, wie durch Absorption und Streuung ausgeblendet wird) wird nach Mie unter Einbeziehung der Gerätekonstanten aus den bekannten optischen Stoffparametern berechnet. Alternativ dazu erlaubt das Verfahren die experimentelle
Bestimmung des teilchengrößenäbhängigen volumenspezifischen ExtinMonsquerschnitts, wenn von mindestens zwei monodispersen Referenzproben die Extinktion ermittelt wird. > Alternativ dazu erlaubt das Verfahren die experimentelle Bestimmung des teilchengrößenäbhängigen volumenspezifischen Extinktionsquerschnitts, wenn der Extinktionsverlauf während der Entmischung von wenigstens einem polydispersen Stoffsystem mit ähnlichen optischen Eigenschaften bestimmt wird. > Unter Verwendung der oben bestimmten volumenbewerteten Partikelgrößenverteilung, der oben ermittelten Teilchengrößenabhängigkeit der volumenspezifischen Ext____ktionsquerschnitte und der ermittelten konzentrationsabhängigen Extinktion wird jeder radialer Position und der ihr über Gl. A zugeordneten Partikelgröße eine Volumenkonzentration entsprechend Gl. D (siehe unten) zugeordnet. > Aus der Veränderung der Konzentration der Proben mit bekannter Ausgangskonzentration wird die auf die Zentrifugationskonstante normierte Flussdichtefunktion (Gl. F — siehe unten) bestimmt. Entsprechend Gl. E, E* und F kann die konzentrationsabhängige Hindranceftiriktion für das Stoffsystem bestimmt werden > Die volumenbewertete Verteilung des Stokesschen Äquivalentdurchmessers für den Fall von Hindi icefunktionen ungleich 1 wird dadurch bestimmt, dass anstelle von Gl. A die Gl. G für die o.g. Schritte iterativ solange wiederholt wird, bis die Unterschiede zwischen den Konzentrationsprofilen aufeinander folgender Schritte unter einem vorzugebenen Wert liegen oder die Berücksichtigung der hydrodynamischen Hinderung (Gl. E) durch andere geeignete mathematische Algorithmen z.B. über die Definition einer Kostenfunktion erfolgt. > Die Bestimmung der Korngröße bzw. deren Verteilung für dispergierte Teilchen ist mit sowohl größerer als auch kleinerer Dichte als die des Dispersionsmediums möglich.
[0020] Anstelle des positionsäbhängigen Extinktionsprofils Eτ(t, r) zur Zeit t wird an einer frei wählbaren Position bzw. über einen Bereich (r + δr) der Probe die Extinktion als Funktion der Zeit ermittelt und daraus in Analogie zu oben die Korngrößenverteilung berechnet [0021] Aus der ermittelten Hmdrancefunktion kann unter Berücksichtigung der Volumenkonzentration die scheinbare relative Viskosität als Funktion von der Volumenkonzentration berechnet werden.
[0022] Aus der Veränderung der Entmischungsgeschwindigkeit während der Entmischung kann der Sedimentationstyp und die kritische Volumenkonzentration für das Einsetzen von Konsolidierungsphänomenen bestimmt werden. Durch die Variation der Umdrehungszahl und der Messzeitabstände während einer Messung können die erfassbare Spannweite der Größenverteilung sowie die Auflösung bzgl. der Korngrößenverteilung vergrößert werden.
[0023] Bei bekannter Korngrößenverteilung wird aus dem lEixtinktionsprofil Eχ(t, r) die Massendichteverteilung der Probe berechnet.
[0024] Für Mischungen von Stoffen unterschiedlicher Dichte wird die Korngrößenverteilung der stofflichen Einzelkomponenten aus den Extinktionsprofilen der Entmischung von Dispersionen mit unterschiedlichen Dichten des Dispersionsmediums berechnet.
[0025] Für Mischungen von Stoffen unterschiedlicher Dichte wird die Korngrößenverteilung der stofflichen Einzelkomponenten aus den Extiriktionsprofilen der Entmischung von Dispersionen mit unterschiedlichen Dichten des Dispersionsmediums berechnet. [0026] Aus den auf die jeweils wirkende Zentrifugalkraft bezogenen Sedimenthöhen für stufenweise veränderte Umdrehungszahlen können Indices für das Konsolidierungsverhaltcn der Dispersionsproben errechnet werden.
[0027] Die Steuerung der Entmischungsanalysatoren und des Messaufhehmers einschließlich Strahlungsquelle sowie das Probenmanagement als auch der Datentransfer, das Datenhandling und die Datenspeicherung sowie alle Analyseschritte und die Dokumentation der Ergebnisse erfolgen durch eine datenbankgestützte Software.
[0028] Die erfindungsgemäße Vorrichtung zur automatischen Bestimmung ausgewählter physikalischer, verfahrenstechnischer und kolloidchemischer Parameter (z.B. der Korngröße, der Korngrößenverteilung, der Geschwindigkeitsverteilung, des Partikelfluxes, der Hindrancefiinktion und von Indizes der Strukturstabilität) umfasst eine PC-gesteuerte vertikal oder horizontal angeordnete Multiprobenaufhahmeeinheit mit einer spektrometrischen Messeinrichtung mit monochromatischer, parallele Strahlung erzeugender Quelle, welche für mehrere Proben simultan oder zeitlich versetzt während der Entmischung orts- und zeitaufgelöst die von der jeweiligen Dispersionsprobe gestreute bzw. transmittierte Strahlungsintensität über die gesamte Probenlänge erfasst, digitalisiert und speichert.
[0029] Unterschiedliche, der Messaufgabe und/oder der Dispersionsprobe bezüglich der optischen Weglänge und des Materials angepasste Küvetten sind einsetzbar, der Küvettentyp wird automatisch detektiert und die für die Analyse der Messergebnisse notwendigen Parameter bei der Berechnung der zu analysierenden Parameter werden automatisch über Datenbankeinträge zur Verfügung gestellt.
[0030] Strahlungsquellen unterschiedlicher monochromatischer Wellenlängen kommen Proben- und messaufgäbenabhängig wahlweise auch alternierend zum Einsatz, deren Strahlungsintensität I0(t, r) variierbar ist. [0031] Der Messraum ist thermostatierbar und die Messungen können bei wählbaren Temperaturen sowohl unter als auch über Raumtemperatur durchgeführt werden.
[0032] Die Multiprobenaufhahmeeinheit ist als Rotor ausgebildet und wird durch einen Motor mit programmierbaren variablen und/oder konstanten Umdrehungszahlen angetrieben. Alternativ
dazu besitzt die erfindungsgemäße Vorrichtung eine Multiprobenau_hal_meeinheit, welche die Aufnahme von senkrecht platzierten Proben für die Entmischung im Erdschwerefeld ermöglicht.
[0033] Die Merkmale der Erfindung gehen außer aus den Ansprüchen auch aus der Beschreibung hervor, wobei die einzelnen Merkmale jeweils für sich aliein oder zu mehreren in Form von
Kombinationen vorteilhafte schutzfahige Ausführungen darstellen, für die mit dieser Schrift
Schutz beantragt wird. Die Kombination besteht aus bekannten (Erfassung der Schwächung von eingestrahlten Wellen während der Entmischung von durch der Gravitation oder Zentrifugation unterworfenen mono- oder polydispersen Dispersionsproben) und neuen Elementen (Bestimmung der Parameter durch die angegebenen Berechnungsgrundlagen), die sich gegenseitig beeinflussen und in ihrer neuen Gesamtwirkung einen Vorteil (synergistischen Effekt) und den erstrebten
Erfolg ergeben, der darin liegt, dass nunmehr erstmals, ausgewählte physikalische und kolloidchemische Parameter (z.B. die Korngröße, die Korngrößenverteilung, die
Hindrancefunktion und Indices der Strukturstäbilität) für Dispersionsproben durch die Erfassung der räumlich und zeitlich aufgelösten Schwächung von eingestrahlten Wellen durch der
Gravitation oder Zentrifugation unterworfenen mono- oder polydispersen Dispersionsproben automatisch bestimmt werden können.
[0034] Die Erfindung soll anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert werden, ohne auf diese Beispiele beschränkt zu sein.
Ausführungsbeispiel 1: Berechnung der Korngrößenverteilung bei bekannten optischen Parametern
[0035] Aus der einstellbaren Lichtintensität der Lichtquelle Io(t) und der Intensität, die vom Sensor für eine bestimmte Position in der Probe detektiert wird, wird ein Ortsprofil der Transmission Iτ(t, r) bzw. der Streuung Is(t, r) und nach Logarithmierung des Verhältnisses Io(t) zu Iτ(t, r) das entsprechende Extinktionsprofil Eτ(t, r) bestimmt. Wird die Messung zu verschiedenen Zeiten wiederholt, ist es möglich bei einem suspendierten Feststoff, der eine größere Dichte als das Fluid besitzt, den zeitlichen Fortschritt der Sedimentation zum Küvettenboden zu beobachten und daraus die Korngrößenverteilung zu berechnen. Hierfür werden die folgenden beispielhaften Gleichungen benutzt (andere Funktionstypen sind durchaus möglich)
E(A
V, C ) = A
V -C
V (GI B)
E(r,t)
Cv(r. ) =
C V,ges -Q3(
x(
r.t)) = (G1. D) Q
3("-.t)- J[Av(x(r,t))- q
3(x(r,t))]dx
ΦM »~ —^ j — (G1. F)
„ ηfc(c,v. fr(r, tt) π) -- vsto V kes -- (1 μ-(c C vv((r r j-t t ))))2 (G1. E)
Ausführungsbeispiel 2: Bestimmung der Partikelgrößenverteilung von Sedimentproben, Ermittlung der ExtinktionskoefSzienten aus dem Extinktionsverlauf einer Probe bekannter Verteilung
[0036] Im Beispiel wurde die Partikelgrößenverteilung anhand der Entmischungskinetik von 2 Sedimentproben (Fraktion < 63 μm) bestimmt. [0037] Referenzmessung: Die Korngrößenverteilung wurde mittels einer Referenzmethode (Sedimentation im normalen Erdschwerefeld, Detektion mittels Röntgenabsorption, Strahlungsschwächung proportional der Massenkonzentration) bestimmt Die ermittelte Verteilung ist Tabelle 1 zu entnehmen.
Tabelle 1
Ergebnisse der Sedigraph-Messungen (Annahme Kugelform, Partikeldichte 2,65 g/cm3)
[0038] Probenaufbereitung: Im ersten Schritt wurden die Sedimentproben auf eine Konzentration von ca. 1 m % unter Zusatz des Dispergierhilfsmittels Natriumpyrophosphat (0,13 m %) verdünnt
Im Anschluss wurden diese Dispersionen zur Einstellung einer günstigen Viskosität mit Zucker versetzt, so dass wässrige Dispersionen mit ca. 0.5 % Feststoff in 50 %-iger Zuckerlösung vorlagen.
[0039] Die Sedimentdispersionen wurden 3 mal 15 min in einem Ultraschallbad behandelt, um eine möglichst vollständige Dispergierung und Entgasung zu erzielen.
[0040] Experiment: Die Zentrifugalanalyse wurde mit 12 Proben gleichzeitig (jeweils 6 ParaUelbestimmungen) unter Verwendung von Kunststoffküvetten mit einer Schichtdicke von ca. 2,2 mm bei einer Rotorgeschwindigkeit von konstant 500 Umdrehungen pro Minute durchgeführt Probe A diente als Referenzprobe, d.h. die bekannte Verteilung dieser Probe wurde zur Ermittlung der Abhängigkeit des Extinktionskoeffizienten von der Partikelgröße genutzt. Diese Abhängigkeit wurde verwendet, um die Partikelgrößenverteilung der Proben B aus den Messergebnissen zu berechnen und diese mit den Resultaten der Referenzmessung der Probe B verglichen. [0041] Die Bestimmung der kumulativen Partikelgrößenverteilung erfolgte auf Basis der Ermittlung des Massenanteils der Partikelfraktion, die zu verschiedenen Zeitpunkten, an denen die Transmission gemessen wurde, aus der Probe bereits vollständig aussedimentiert ist. Für die Auswertung wurde der zeitliche Verlauf der über die Rotorposition von 106,5 bis 107,5 mm gemittelten Transmission genutzt. Diese Position liegt 6 mm oberhalb des Küvettenbodens. [0042] Der Durchmesser der Partikel x, welche zum Zeitpunkt der Messung bereits alle die Rotorposition 107 mm passiert haben, wurde anhand Gleichung H berechnet: x = ^7^— • In — (G1. H) Δp - ω2 t I o . mit: Δp Differenz der Dichte zwischen dispergiertem Stoff und Dispersionsmedium, μc Viskosität des Dispersionsmediums ω Winkelgeschwindigkeit Ro radiale Position der Füllhöhe RA mittlere radiale Position der Transmissionsanalyse
[0043] Es wurde mit den Werten für μc = 15 mPa s, Δp = 1,4 g/cm3 (gleichen Probendichte, wie für die Referenzmeäsung zugrundegelegt) gerechnet.
[0044] Zur Datenanalyse ist eine Umrechnung der gemessenen Transmissionswerte T
Extinktionswerte Eτ(t, RA) notwendig. Die experimentell ermittelten Transmissionswerte für die Proben sind vorteilhaft bzgl. der Transmission der nur mit dem Dispersionsmedium gefüllten Küvetten Tceu (Leerwert) entsprechend Gl. I zu korrigieren. Man erhält die zeitliche Änderung der Extinktion im Bereich von 106,5 bis 107,5.
Eτ(t.RA)=-ln T(t,RA) (G1. I) lτceιι(,RA)J
[0045] Die Änderungen der Extinktion entsprechen der Änderung der lokalen Partikelkonzentration, die durch die Partikelfraktion verursacht wird, die aussedimentiert ist (Gl. H).
[0046] Der zeitliche Verlauf der Extinktion Eχ(t, RA) wurde herangezogen, um mittels Extrapolation den Extinktionsausgangswert Eτ(0, RA) zu berechnen, welcher [0047] der ursprünglichen Konzentration und Größenverteilung der untersuchten Probe entspricht. [0048] In erster Näherung kann die kumulative Partikelgrößenverteilung (unkorrigierte Werte) aus dem zeitlichen Verlauf der relativen Extinktionsänderung E^ = Eτ(t, RA)/ Eτ(0, RA) abgeschätzt werden. Eχ(0, RA) entspricht dem obersten Grenzwert der Verteilung beim Durchmesser 63 μm (kumulativ - 100 % m/m) und einem Wert für Erei= 1. E_e_ entspricht in grober Näherung dem kumulativen Massenanteil der Partikel die kleiner sind als die Teilchen, die bereits vollständig aussedimentiert sind (Gl. H). [0049] In diesem Fall ist die Kenntnis der Ausgangskonzentration nicht erforderlich, die Abhängigkeit des Extinktionskoeffizienten von der Partikelgröße wird jedoch vernachlässigt.
[0050] Im gegebenen Beispiel wurde diese Abhängigkeit aus dem gleichzeitig ermittelten Extinktionsverlauf der Probe A mit bekannter Größenverteilung berechnet. Hierzu waren die folgenden Schritte notwendig.
[0051] Aus den Angaben der kumulativen Partikelgrößenverteilung der Probe A für den Massenanteil von Partikeln kleiner 2, 10, 16, 20, 50 und 63 μm wurde eine Verteüungsfunktion
% m/m = ftd [um]) mittels der Ausgleiclisfunktion
rückberechnet. Es könnten auch andere Ausgleichsfunktionen benutzt werden. [0052] Der über die Messung erfasste Partikelgrößenbereich zwischen 1,5 und 63 μm wurde in Unterfraktionen geteilt. Für diese Unterfraktionen wurden die Extinktionskoeffizienten ermittelt, indem die Änderungen der Massenanteile entsprechend Gl. J mit der Änderung der Extinktion (E (t, R
A)) in diesem Bereich verglichen wurden.
[0053] Die Ausgleichsfunktion y = y0 +a-x + b-x2 +c-x3 (Gl. K) mit: y-Ext-n__tionskoeffizient x-Partikeldurchmesser
die aus diesen Extinktionskoeffizienten errechnet wurde, zeigt Figur 1 für die Probe A.
[0054] Diese Ausgleichsfunktion mit den ermittelten Parametern wurde genutzt, um die Partikelgrößenverteilung der Probe B aus den Messdaten der analytischen Zentrifugation zu bestimmen.
[0055] Hierfür wurde der Bereich der Partikelgrößen wiederum in Unterbereiche geteilt. Deren Konzentration wurde anhand Gl. K aus der relativen Änderung der Extinktion und den jeweiligen Extinktionskoeffizienten (entsprechend der Mittelwerte der Partikeldurchmesser der Unterbereiche) berechnet. Die kumulative Partikelgrößenverteilung ergibt sich dann aus der Massenkonzentration der Ausgangsprobe und der Massenkonzentration der Unterfraktionen.
[0056] Die so bestimmte Verteüungsfunktion für Probe B (leere Symbole) zeigt eine sehr gute Übereinstimmung mit den Ergebnissen der Referenzmessung (gefüllte Symbole, siehe Figur 2). [0057] Es lässt sich also schlussfolgern, dass für einander ähnliche Proben, nach dem beschriebenen Verfahren eine routinemäßige Bestimmung der Korngrößenverteilung ohne vorherige Kenntnis der Extinktionskoeffizienten möglich ist.
Ausführungsbeispiel 3: Bestimmung der Hindrance- und der Flussdichteftinktion einer monodispersen Siliziumdioxidprobe
[0058] In diesem Beispiel wurde anhand der Ent_mschungskinetik einer monodispersen Siliziumdioxidsuspension mit einer Partikelgröße von 550 um die Hindranceftihktion bestimmt.
[0059] Probenaufbereitung: Für die Ermittlung der Hindi cefunktion und somit der Messung einer Verdünnungsreihe wurde eine konzentrierte Ausgangssuspension von etwa 15 vol.-% angesetzt und auf die gewünschten Konzentrationen (10, 5, 4, 3, 2, 1, 0,85, 0,65, 0,5, 0,4, 0,3, 0,2 und 0,1 vol.-%) verdünnt. Die Dispergierung der Ausgangssuspension wurde wie folgt durchgeführt. [0060] Zuerst wurde das Pulver in entionisiertem Wasser mit einem Magnetrührer eingerührt. Im zweiten Schritt wurde mit einem Hochgeschwindigkeitsdispergierer nach dem Rotor/Stator Prinzip die Suspension solange jeweils 15 min behandelt bis sich die Partikelgrößenverteilung (Messung mit Laserbeugung) nicht mehr änderte. Anschließend wurde die Suspension mit einem Ultraschalldispergierapparat im Pulsbetrieb weiter dispergiert. Dieser Vorgang wurde ebenfalls solange wiederholt bis sich die Partikelgrößenverteilung nicht änderte. Zum Abschluss wurde der pH-Wert durch Zugabe von 0,1 M KOH auf den Wert von 8 eingestellt und die Feststoffkonzentration mit einer Thermowaage gemessen. Die einzelnen Verdünnungsstufen wurden mit entionisierten Wasser aus der Ausgangssuspension hergestellt und vor dem Versuch 5
min im Ultraschallbad behandelt, um eine vollständige Dispergierung und Entgasung zu gewährleisten.
[0061] Experiment: Die Zentriftigalanalyse wurde mit dreimal 8 und einmal 4 Proben gleichzeitig (je euS 4 bzw. 2 Pa_^lelbestimmungen zur Kontrolle) unter Verwendung von Kunststoffküvetten mit einer Schichtdicke von ca. 2,2 mm bei einer Rotorgeschwindigkeit von konstant 2000 Umdrehungen pro Minute durchgeführt.
[0062] Die Bestimmung der Hrndranceft-αktion erfolgte auf Basis der Ermittlung der Sinkgeschwindigkeiten v aus der Entmischungskinetik, in dem die Position der Phasengrenze zwischen feststofffreier Flüssigkeit und Suspension über die Zeit für jede Verdünnungsstufe aufgetragen wurde. Der Anstieg der sich ergebenden Entmischiingskurve ist die mittlere gemessene Sedimentationsgeschwindigkeit. Diese wurde dann durch die theoretische Stokesche Sinkgeschwindigkeit dividiert (Gl. E und Gl. L). vstokes = (pμpp — P * F». - X - Γ - ω ( ,G_-,,1. ,L,). lö - μc mit: pP Dichte des dispergierten Stoffs 2,0 g/cm3 pF Dichte des Dispersionsmediums 0,994 g/cm3 μc Viskosität des Dispersionsmediums 0,722 mPa s x Partikelgröße ω Winkelgeschwindigkeit 209 1/s r mittlere Position ( (Ro a)/2 )
[0063] Damit die Hrndrancefunktion für weitere Konzentrationen als die experimentell untersuchten zur Verfügung steht, wurde die Konzentrationsäbhängigkeit der gemessenen Sinkgeschwindigkeiten bezogen auf die Stokessche mit der Methode der kleinsten Fehlerquadrate an die folgende Funktion (Gl. M) beispielhaft angepasst v *_ _ η = = a-cv +b-cv +c-cv +d (G1. M) Stokes mit: η Hindrancefunktion v gemessene Geschwindigkeit vsto es Sinkgeschwindigkeit nach Gl. 5 Cy Volumenkonzentration a, b, c, d Faktoren zur Anpassung an die experimentellen Daten
[0064] Für obiges Beispiel wurden die folgenden Fitparameter errechnet (Bestimmtheitsmaß 0,9920): a=-379 b = 112 c = -13,21 d= l
[0065] Die Figur 3 stellt die Hindrancefunktion (Messwerte und Anpassungsgleichung) in Abhängigkeit von der Feststoffkonzentration dar und zeigt die gute Übereinstimmung der experimentellen Werte (Symbole) mit den berechneten (Linie).
[0066] Auf der Basis obiger Gleichung kann die für die Berechnung der Korngröße konzentrierter Dispersionen benötigte H-ndranceftihktion für beliebige Volumenkonzentrationen errechnet werden. Weiterhin lässt sich nach Division von (l-c
v)
2 durch η(c
v) die relative konzentrationsäbhängige Viskosität berechnen (Gl. Ml).
[0067] Unter Verwendung von Gl. M lässt sich weiterhin die Flussdichteftinktion Φ(c
v) für beliebige Volumenkonzentrationen entsprechend Gl. M2 berechnen.
Φ(cv)=cv -η(cv)=a-Cv4 +b-Cv3+c-cv2-t-d-Cv (Gl. M2)
Ausfuhrungsbeispiel 4: Bestimmung der volumenbewertenden Partikelgrößenverteilung einer Latexprobe.
[0068] In diesem Beispiel wurde aus positionsabhängigen Extiαktionsprofilen zu verschiedenen Zeiten t und aus der zeitabhängigen Extinktion an verschiedenen festgelegten Positionsbereichen (r+δr) der Küvette die Korngrößenverteilung einer polydispersen Latexprobe berechnet.
[0069] Probenaufbereitung: Die Originalprobe wurden aufgeschüttelt und mit 1 %-iger Natriumdodecylsulfatlösung auf eine Feststoffkonzentration von 3,5 % m/m Latex verdünnt und anschließend mittels Spritze in die Küvette aus Polycarbonat (2,2 mm Schichtdicke) eingefüllt Die Einwaage betrug ca. 0,47 g.
[0070] Experiment: Die Zentrifugalanalyse wurde mit 2 Proben gleichzeitig (Parallelbestimmungen) bei einer Rotorgeschwindigkeit von konstant 4000 Umdrehungen pro Minute (entsprechen 2300-fache Erdbeschleunigung) durchgeführt. Die Temperatur während des Versuches betrug gleichmäßige 25 °C. Die Zentrifugationszeit betrug etwa 17 h bei einem Messwertabstand von 150 s.
[0071] Zur Datenanalyse ist eine Umrechnung der gemessenen Transmissionswerte T(r, t) in Extinktionswerte E(r, t) notwendig. Die experimentell ermittelten Transmissionswerte für die Proben sind dafür bzgl. der Transmission der nur mit dem Dispersionsmedium gefüllten Küvette To(r) (Leerwert, bestimmt für die gleiche Küvette in einem Vorexperiment oder für eine baugleiche Küvette im selben Lauf) entsprechend Gl. N zu korrigieren.

[0072] Die Bestimmung der kumulativen Partikelgrößenverteilung erfolgte zum einen auf Basis der Ermittlung des Massenanteils der Partikelfraktion, die zu verschiedenen Zeitpunkten, an denen die Transmission gemessen wurde, aus der Probe bereits vollständig aussedimentiert ist. Für die Auswertung wurden beispielhaft die zeitlichen Verläufe der über die Rotorpositionen 5 erstens von 114,5 bis 115,5 mm, zweitens von 120,5 bis 120,5 mm und drittens von 124,5 bis 125,5 mm gemittelten Extinktionen genutzt. Mit Hilfe der Gleichungen O bis Q wurde die kumulative Partikelgrößenverteilung Q
3(x) an den Positionen 115 mm, 120 mm und 125 mm berechnet. (Gl. O)
10 E = A
v - c
v L (G1. P) dQ
3(x) = q
3(x) dx (G1. Q) mit: Q
3(x) Kumulative volumengewichtete Partikelgrößenverteilung q
3(x) differentielle volumengewichtete Partikelgrößenverteilung Ay(x) volumenspezifischer Extinktionsquerschnitt 15 x Partikelgröße E Extinktion r Position tZeit C
v Volumenkonzentration 20 μ
0 Viskosität des Dispersionsmediums 0,899 mPa s
-M> PP Dichte des dispergierten Stoffs 1,23 g/cm3 -?λ> PF Dichte des Dispersionsmediums 0,998 g/cm3 L optische Weglänge 2,2 mm ω Winkelgeschwindigkeit 419 1/s 25 [0073] Zum anderen wurde die radiale Abhängigkeit der Extinktion zu den Zeitpunkten t= 1023 s, t= 1526 s, t= 2029 s, t = 2532 s und t = 3035 s verwendet, um die kumulative Partikelgrößenverteilung mit der folgenden Gleichung R zu berechnen.
30 mit: Q
3(x) kumulative volumengewichtet Partikelgrößenverteilung Aγ(x) volumenspezifischer Extinktionsquerschnitt x Partikelgröße E Extinktion
r Position tZeit
[0074] Der Durchmesser der Partikel x, welche zum Zeitpunkt t bereits alle die Rotorposition r passiert haben, wurde anhand von Gleichung S berechnet:
mit: pp Dichte des dispergierten Stoffs 1,23 g/cm
3 p
F Dichte des Dispersionsmediums 0,998 g/cm
3 μ
0 Viskosität des Dispersionsmediums 0,899 mPa s x Partikelgröße ω Winkelgeschwindigkeit 419 1/s r Position r
0 Position der Füllhöhe tZeit
[0075] Idealerweise müssen alle berechneten Verteilungsfunktionen übereinander fallen. Das Diagramm in der Figur 4, in der die kumulativen Partikelgrößenverteilungen Q(x) über die Partikelgröße x für die Positionen r= 115 mm, 120 mm, 125 mm (Symbole) und die Zeiten t= 1023 s, 1526 s, 2029 s, 2535 s, 3035 s (Linien) aufgetragen sind, zeigt die sehr gute Übereinstimmung aller berechneten Verteilungen.
Ausführungsbeispiel 5: Bestimmung der Partikeldichteverteilung einer Perlcelluloseprobe im Gravitationsfeld
[0076] In diesem Beispiel wurde aus der Entmischungskinetik im Gravitationsfeld die kumulative Verteilung der Partikeldichte einer Perlcelluloseprobe bestimmt, die durch eine mittlere Porosität gekennzeichnet ist Der Partikeldurchmesser beträgt 40 μm.
[0077] Probenaufbereitung: Die Probe wurde in einem Becherglas angesetzt und anschließend mittels Magnetrührer 10 min lang durchmischt. Danach wurde die Suspension in die Kunststoffküvette (2,2 mm Schichtdicke) gefüllt, so dass 99 mg Feststoff enthalten war. Die Küvette wurde dann auf 504 mg Suspension mit Wasser aufgefüllt und direkt vor dem Versuchsbeginn aufgeschüttelt, um eine gleichmäßige Durchmischung der Probe zu gewährleisten.
[0078] Experiment: Die Entmischungsanalyse im Gravitationsfeld wurde bei einer Temperatur von 24,5 °C über einen Zeitraum von 255 mal 14 s durchgeführt. Dabei wurden die Transmissionsprofile in einem Bereich von 55 mm aufgezeichnet. Die Position der Füllhöhe betrug ho = 22,1 mm und die Position des Küvettenbodens 48,8 mm.
[0079] Zur Datenanalyse ist eine Umrechnung der gemessenen Transmissionswerte T(h, t) in Extinktionswerte E(h, t) notwendig. Die experimentell ermittelten Transmissionswerte für die Proben sind dafür bzgl. der Transmission der nur mit dem Dispersionsmedium gefüllten Küvette T
ceii(h) (Leerwert) entsprechend Gl. T zu korrigieren.
[0080] Der positionsabhängige Verlauf der Extinktion zu der Zeit t E(r, t) wurde herangezogen, um die kumulative Verteilung der Partikeldichte nach der folgenden Gleichung U zu berechnen.
mit: Q(pp) kumulative Verteilung der Partikeldichte E(h,t) Extinktion an der Position h zur Zeit t Em
axtj;) maximale Extinktion zur Zeit t
[0081] Dieser Ansatz ist gültig, solange der Exti-tiMonskoeffizient keine Funktion der Partikeldichte ist. Das in diesem Beispiel betrachtete Stoffsystem erfüllt diese Bedingung hinreichend.
[0082] Die Partikeldichte pp(h, t) der Teilchen, welche zum Zeitpunkt t bereits die Position h passiert haben, wurde anhand der Gleichung V berechnet.
mit: p
P Dichte des dispergierten Stoffs PF Dichte des Dispersionsmediums 0,997 g/cm
3 μ
0 Viskosität des Dispersionsmediums 0,910 mPa s x Partikelgröße 4 μm g Erdbeschleunigung 9,81 m/s
2 h Position ho Position der Füllhöhe 22, 1 mm t Zeit 14 s
[0083] Die berechnete kumulative Verteilung der Partikeldichte zu dem Zeitpunkt t= 14 s der porösen Perlcellulose zeigt die Figur 5. Cellulose besitz im allgemeinen eine Feststoffdichte von
1,5 g/cm3. Dieser Wert bildet naturgemäß die Obergrenze der Dichteverteilung, da sich die effektive Dichte als Mittel der Feststoffdichte und der des in den Poren befindliche Wasser ergibt.
Legende zu den Figuren
[0084] Figur 1 zeigt die Ausgleichsfunktion der Extinktionskoeffizienten ermittelt für Probe A.
[0085] Figur 2 vergleicht die Ergebnisse der Referenzmessung mit den experimentell ermittelten Werten der Probe B.
[0086] In Figur 3 ist der Vergleich der experimentellen Hindrancefunktion (Symbole) mit der berechneten Hindrancefunktion (Linie) dargestellt.
[0087] In Figur 4 sind die kumulativen Partikelgrößenverteilungen Q(x) für die Positionen r= 115 mm, 120 mm, 125 mm (Symbole) und die Zeiten t= 1023 s, 1526 s, 2029 s, 2535 s, 3035 s (Linien) zu erkennen.
[0088] Figur 5 zeigt die kumulative Verteilung der Partikeldichte der porösen Perlcellulose ermittelt aus dem zum Zeitpunkt t = 14 s aufgenommenen Transmissionsprofil.