Anordnunα der elektronischen Retardersteuerung (ECU)
Die vorliegende Erfindung betrifft eine Anordnung der elektronischen Retardersteuerung für ein Fahrzeug mit einem Retarder gemäß dem Oberbe¬ griff des Patentanspruchs 1.
Neben den Betriebsbremsen eines Fahrzeugs, insbesondere eines Nutzfahrzeugs, die im Regelfall einem Verschleiß unterliegende Reibungs¬ bremsen sind, werden zusätzliche Verzögerungseinrichtungen mehr und mehr auch vom Gesetzgeber gefordert und von den Fahrzeugherstellern angeboten.
Derartige verschleißfreie, zusätzliche Verzögerungseinrichtungen in Form von Retardern und Motorbremsen können dazu verwendet werden, die Fahrzeuggeschwindigkeit im Gefälle konstant zu halten.
Zu den Retardern werden sowohl zusätzlich am Getriebe angeordnete hydrodynamische, hydrostatische oder elektrodynamische Bremseinrichtungen gezählt, sowie auch Systeme, die in Form eines „Intarders" innerhalb des Getriebegehäuses vorgesehen sind. Retarder werden bei Nutzfahrzeugen vor allem eingesetzt, um die beispielsweise bei Bremsung aus hoher Fahrge¬ schwindigkeit anfallende kinetische Bremsenergie aufzunehmen und in Wärme umzusetzen, sind aber auch für geforderte Dauerbremsleistungen gut geeignet, beispielsweise bei lang andauernder Bergabfahrt.
Zur Regelung bzw. Steuerung eines Retarders ist eine Vielzahl elektri¬ scher und elektronischer Bauelemente erforderlich. Aus dem Stand der Tech¬ nik, beispielsweise aus der DE 4341 213, ist bekannt, eine eigens für die Steuerung eines Retarders geschaffene Steuerung zu verwenden. Derartige Retardersteuerungen sind üblicherweise im Führerraum des Kraftfahrzeuges
in der Nähe der Retarder-Bedienelemente angeordnet was in nachteiliger Weise den ohnehin geringen zur Verfügung stehenden Platz in der Fahrerka- bine weiter reduziert.
Zudem sind auch Retardersteuerungen bekannt, welche in das Fahr- zeugmanagementsystem integriert sind, wie es z.B. aus der WO 94/27845 oder der EP 0953489 A2 hervorgeht.
Aus der EP 0953489 A2 ist eine Vorrichtung zur elektronischen Steue¬ rung eines Retarders bekannt, welche eine erste elektronische Steuereinheit für das Fahrzeugmanagement und den Retarder, die in einer vorbestimmten Position im Fahrzeug entfernt vom Retarder angeordnet ist, und eine zweite elektronische Steuereinheit und/oder einen Eigenschaftsspeicher für den Re¬ tarder umfasst, bei der die zweite elektronische Steuereinheit und/oder der Eigenschaftsspeicher für den Retarder direkt am Gehäuse des Retarders an¬ geordnet ist und über zumindest eine Signalleitung mit der elektronischen Steuereinheit bzw. einer Schnittstelle für das Fahrzeugmanagement verbunden ist. Dadurch ist eine individuelle Abstimmung der Retardersteuerung auf den jeweiligen Retarder möglich, welche beispielsweise auch die hydrodynami¬ schen Toleranzen bei einem hydrodynamischen Retarder berücksichtigt. Hier¬ bei muss bei einem Retardertausch die ECU nicht umprogrammiert werden, da die Änderungen in die zweite elektronische Steuereinheit eingegeben werden. Nachteilig ist jedoch der Abstimmaufwand zwischen den zwei Steuereinheiten sowie die erforderliche Verkabelung.
Ferner ist aus der DE 43 10898 C1 ein hydrodynamischer Retarder be¬ kannt, bei dem die Retardersteuerung in einem Gehäuse angeordnet ist, wel¬ ches in den Sammelkasten für den Wassereintritt des Wärmetauschers integ¬ riert ist, wodurch eine kompakte Bauweise erzielt wird, ohne dass die wärme¬ empfindlichen Bauteile der Retardersteuerung hohen Temperaturen ausgesetzt
sind. Diese Anordnung der Retardersteuβrung weist den Nachteil auf, dass sie relativ exponiert ist, was zu Beschädigungen führen kann. Zudem ist die Retar- dersteuerung starken Vibrationen ausgesetzt und die Entfernung zur Aktuatorik und Sensorik, die in der Regel im oder am Retardergehäuse vorgesehen ist, ist größer. Des weiteren wird der gesamte Kühlmittelstrom zur Kühlung herange¬ zogen.
Des weiteren ist aus der EP 1 053923 B1 ein hydrodynamischer Retar- der und eine Vorrichtung zur elektronischen Steuerung eines hydrodynami¬ schen Retarders bekannt, wobei die Vorrichtung zur elektronischen Steuerung des Retarders im Retardergehäuse angeordnet ist. Diese im Rahmen von EP 1 053 923 B1 vorgeschlagene Integration der Steuerung in das Retarder¬ gehäuse, vorzugsweise in den ölsumpf, erfordert mehr Aufwand bezüglich der Abdichtung und der Kabeldurchführung nach außen. Hierbei erschweren und verteuern die erforderlichen Kabeldurchführungen durch das Retardergehäuse die Abdichtung des Retardergehäuses und vergrößern das Risiko von Undich¬ tigkeiten. Zusätzlich erhöht die Integration der Elektronik in das Retarderge¬ häuse die Komplexität des Gehäuses, was in einem höheren Fertigungsauf¬ wand resultiert.
Außerdem wird die Elektronik permanent auf der Temperatur des Öls gehalten, dessen Temperaturniveau in Zukunft, durch die Anhebung der durch¬ schnittlichen Kühlmitteltemperaturen im Kühlkreislauf aufgrund der Emissions¬ und Verbrauchsoptimierung der Motoren, steigen wird. Zusätzlich wird die Elektronik durch Temperaturspitzen im ölsumpf nach Abschalten des Retar¬ ders stark belastet. Ein weiteres Problem könnte beim Austausch der Elektronik auftreten, da in diesem Fall das öl abgelassen und das Retardergehäuse geöffnet werden muss, was die Demontage bzw. Reparatur erschwert.
Es sind auch Lösungen zur Anordnung der Retardersteuerung bekannt, bei denen die elektronische Retardersteuerung in einer geschützten Box am Fahrzeug/Fahrzeugrahmen angeordnet ist. Bei Bussen wird nach dem Stand der Technik die elektronische Retardersteuerung oft in einem abgetrennten Teil der Gepäckstaufächer untergebracht, wobei diese Lösungen in nachteili¬ ger Weise eine hohen Verkabelungsaufwand erfordern.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Anordnung der elektronischen Retardersteuerung (ECU) in einem Kraftfahrzeug mit einem Retarder vorzuschlagen, welche sehr kurze Verbindungswege zur Aktuatorik und Sensorik ermöglicht. Des weiteren soll die Anordnung eine leichte Repara¬ tur/Demontage der Elektronik ermöglichen und eine eindeutige Paarung der Elektronik mit dem Retarder gewährleisten, derart, dass die Steuerung am Lastprüfstand auf den Retarder abgestimmt werden kann.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst. Weitere erfindungsgemäße Ausgestaltungen und Vorteile gehen aus den Unteransprüchen hervor.
Demnach wird vorgeschlagen, die elektronische Retardersteue¬ rung (ECU) direkt auf einer mit Kühlmittel durchströmten Passage der Wärme¬ tauschermatrix des Retarders anzuordnen.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist die elek¬ tronische Retardersteuerung in einem eigenen, dichten Gehäuse untergebracht und auf einer mit Kühlmittel durchströmten Passage der Wärmetauschermatrix befestigt, wobei die Befestigung durch Schrauben, Kleben, Schweißen, Klem¬ men sowie weitere geeignete Maßnahmen erfolgen kann. Die Anbauposition auf einer mit Kühlmittel durchströmten Passage der Wärmetauschermatrix ist frei wählbar.
Hierbei ist die Anordnung nicht vom Kühlmittβl-Ein- oder Austritt abhän¬ gig, da die Deckplatte der Wärmetauschermatrix großflächig mit Kühlmittel hinterspült wird und somit in vorteilhafter Weise für ein konstantes Tempera¬ turniveau für die elektronische Retardersteuerung sorgt.
Im Rahmen einer besonders vorteilhaften Ausführungsform der Erfin¬ dung weist das Gehäuse zwei getrennte Stecker auf, wobei der eine Stecker für die Verkabelung zum Retarder bzw. zur Sensorik und Aktuatorik und der andere Stecker für die Verkabelung zum Fahrzeug (Versorgung, Daten-Bus, usw.) vorgesehen ist.
Durch die erfindungsgemäße Konzeption wird eine eindeutige Paarung der Elektronik mit dem Retarder erzielt, da die Einstellung der elektronischen Retardersteuerung am Lastprüfstand erfolgen kann. Im Vergleich zum Stand der Technik kann eine eventuelle Reparatur/Demontage der Elektronik mit geringem Aufwand durchgeführt werden, da beispielsweise kein öffnen des Retardergehäuses erforderlich ist. Ferner ist die erfindungsgemäße Anordnung der elektronischen Retardersteuerung für jeden Retardertyp geeignet.
Die Primärkühlung der elektronischen Retardersteuerung erfolgt bei der erfindungsgemäßen Anordnung durch die Wärmetauschermatrix; eine zusätzli¬ che Sekundärkühlung erfolgt durch die Umgebungsluft bzw. durch den Fahrt¬ wind.
Die Erfindung wird im Folgenden anhand der beigefügten Figur, welche eine schematische Darstellung einer Ausführungsform der vorgeschlagenen Anordnung der elektronischen Retardersteuerung ist, beispielhaft näher erläu¬ tert.
In der Figur ist eine elektronische Retardersteuerung (ECU) 1 gezeigt, welche erfindungsgemäß auf einer mit Kühlmittel durchströmten Passage 3 der Wärmetauschermatrix 5 des Retarders angeordnet ist. Wie aus der Figur er¬ sichtlich, wird die heiße Ölpassage 4 durch die Kühlmittelpassage 3 abge¬ schirmt. Hierbei wird im Gegensatz zum Stand der Technik nicht der gesamte Kühlmittθlstrom zur Kühlung herangezogen, sondern nur der Teilvolumenstrom der mit Kühlmittel durchströmten Passage 3. Gemäß einer besonders vorteil¬ haften Ausführungsform der Erfindung ist zwischen der elektronischen Retar¬ dersteuerung 1 und der Deckplatte 2 der Wärmetauschermatrix 5 eine wärme¬ leitende Verbindung vorgesehen.
Die der Erfindung zugrundeliegende Idee, eine elektronische Steuerung auf einer mit Kühlmittel durchströmten Passage einer Wärmetauschermatrix eines Aggregates anzuordnen, kann auch auf weitere elektronische Steue¬ rungseinrichtungen in einem Kraftfahrzeug angewandt werden.
Bβzugszeichβπ
1 elektronische Retardersteuerung
2 Deckplatte
3 mit Kühlmittel durchströmte Passage der Wärmetauschermatrix
4 heiße Ölpassage
5 Wärmetauschermatrix