Beschreibung
Kanalform für rotierenden Druckaustauscher
Die Erfindung betrifft einen Druckaustauscher zum Transferieren von Druckenergie von einer ersten Flüssigkeit eines ersten Flüssigkeitssystems auf eine zweite Flüs¬ sigkeit eines zweiten Flüssigkeitssystems, bestehend aus einem Gehäuse mit An¬ schlussöffnungen in Form von Einlass- und Auslassöffnungen für jede Flüssigkeit und einem innerhalb des Gehäuses um seine longitudinale Achse drehbar angeord¬ neten Rotor, der Rotor besitzt eine Mehrzahl von durchgehenden Rotorkanälen mit um dessen Longitudinalachεe angeordneten Öffnungen an jeder Rotorstirnseite, wo¬ bei die Rotorkanäle über gehäuseseitige Strömungsöffnungen derartig mit den An¬ schlussöffnungen des Gehäuses in Verbindung stehen, dass sie während der Rotati- on des Rotors alternierend Flüssigkeit bei hohem Druck und Flüssigkeit bei niedri¬ gem Druck der betreffenden Systeme führen.
Ein solcher gattungsgemäßer Druckaustauscher ist durch die US 6 540487 B2 bekannt. Diese Bauart eines Druckaustauschers ist ohne einen äußeren Antrieb ausgerüstet. Zu dessen Inbetriebnahme ist ein aufwendiges Verfahren erforderlich, um einen solchen Druckaustauscher dazu zu veranlassen, den Rotor in Rotation zu versetzen. Primär ist für die Drehbewegung des Rotors der Flüssigkeitsstrom ver¬ antwortlich, der durch die gehäuseseitigen Strömungsöffnungen aus schräger Rich¬ tung auf die Stirnseiten des Rotors und die darin befindlichen Öffnungen auftrifft. Während eines laufenden Betriebes in einer kontinuierlich arbeitenden Anlage wird sich im Druckaustauscher ein Gleichgewichtszustand einstellen, aufgrund dessen der Rotor mit einer annähernd konstanten Drehzahl rotiert. Nachteilig ist dessen ein¬ geschränkter Betriebsbereich und die sich während des Betriebes in den Rotorka¬ nälen ergebenden Durchmischungen der alternierend dort befindlichen beiden Flüs- sigkeiten.
Durch die US-A 3431 747 und die US 6 537 035 B2 sind Druckaustauseher bekannt, bei denen ein äußerer Antrieb den Rotor in Bewegung setzt und deren Rotorkanäle als Bohrungen ausgebildet sind, wobei in jeder Bohrung eine Kugel angeordnet ist. Diese Kugel dient zur Trennung der wechselweise in die Rotorkanäle einströmenden Flüssigkeiten mit hohem oder niedrigem Druckgehalt und vermeidet eine Durch¬ mischung der in den Bohrungen befindlichen Flüssigkeiten. Nachteilig ist hierbei je¬ doch die Anordnung, Abdichtung und Gestaltung der als Trennelement wirkenden Kugel und der dazugehörigen Sitzflächen. Zusätzlich ist im Bereich einer Wellen¬ durchführung für den äußeren Antrieb eine aufwendige Hochdruckdichtung als WeI- lenabdichtung erforderlich.
Der Erfindung liegt das Problem zugrunde, einen Druckaustauseher zu entwickeln, in dem bei einem Druckaustausch verringerte Mischungsverluste entstehen. Die Lö¬ sung dieses Problems sieht vor, dass in den Rotorkanälen und ausgehend von oder nach den Öffnungen eine strömungsführende Formgebung als eine die Rotorkanal¬ strömung umlenkende Kanalkontur angeordnet ist.
Mit dieser strömungsführenden Formgebung wird eine stoßfreie Anströmung der Rotorkanäle gewährleistet. Als Folge davon stellen sich in den Rotorkanälen Strö- mungen mit einer gleichmäßigeren Geschwindigkeitsverteilung über einen Kanal¬ querschnitt ein. Bedingt durch die gleichmäßige Geschwindigkeitsverteilung wird im Kanalquerschnitt die Bildung von quer zur Kanalströmung verlaufenden Strömungs¬ komponenten verhindert. Solche quer verlaufenden Strömungskomponenten inizie¬ ren innerhalb einer strömenden Flüssigkeitssäule eine quer dazu verlaufende Wir- belbildung, welche letztlich ursächlich ist für die innerhalb der Rotorkanäle auftreten¬ den Durchmischungen. In Anlagen, insbesondere in Entsalzungsanlagen, in denen die Herstellung einer reinen Flüssigkeit angestrebt wird, stellen Durchmischungen einen nachteiligen Aspekt dar. Das Antriebsmoment für den Rotor wird durch eine direkte Impulsübertragung aus dem Zustrom und auf eine Rotorstirnseite durch die stoßfreie Strömungsumlenkung im Bereich der Kanalöffnungen bewirkt. Dies steht im völligen Gegensatz zu den vorbekannten Lösungen.
Das Risiko von Durchmischungen in den Rotorkanälen wird weiter gesenkt, wenn die im Eintrittsbereich der Rotorkanäle angeordnete Formgebung als eine die Kanal- Strömung vergleichmäßigende Kanalkontur ausgebildet ist. Dies bewirkt, dass in ei-
ner Länge von 20 - 30 % der Gesamtlänge eines Rohrkanals nach einem Eintrittsbe¬ reich innerhalb eines Rotorkanals ein Geschwindigkeitsprofil mit einem annähernd homogenen Geschwindigkeitsfeld ausgebildet ist.
Bei den Rotorkanälen weisen die Eintrittsöffnungen und/oder die ihnen nachgeord- neten Kanalanfänge eine die Strömungen in den Rotorkanälen vergleichmäßigende Gestaltung auf. Auch damit ergibt sich ein gleichmäßiges Geschwindigkeitsprofil in den Rotorkanälen, wodurch eine Vermischung der beiden verschiedenen und in den Rotorkanälen einen Druck austauschenden Flüssigkeiten auf ein Mindestmaß redu- ziert wird.
Für den Eintritt in die Rotorkanäle werden im Entwurfsstadium für die Strömungsver¬ hältnisse Geschwindigkeitsdreiecke zugrunde gelegt, deren Umfangskomponente cu als Impulskraft ein Antriebsmoment für den Rotor erzeugt. Sie wird größer als die Umfangsgeschwindigkeit U des Rotors ausgeführt. An den Öffnungen der Rotorka¬ näle werden die dazwischen ausgebildeten Rotoreintrittskanten mit den in Strö¬ mungsrichtung nachfolgenden Wandflächen derart ausgeführt, dass die sich einstel¬ lende Rotorrelativströmung stoßfrei von den Rotorkanälen aufgenommen und in Richtung der Rotorkanallänge umgelenkt wird.
Eine derartige Ausgestaltung des Eintritts der Rotorkanäle beinhaltet darüber hinaus folgenden Vorteil:
Bei Änderung des Volumenstromes ändert sich das Geschwindigkeitsdreieck am Eintritt der Rotorkanäle affin, das heißt, die Umfangskomponente cu ändert sich im gleichen Maße wie die Zuströmgeschwindigkeit c der Flüssigkeit. Damit erhöht sich auch das Antriebsmoment, das auf den Rotor wirkt, was zu einer Erhöhung der Ro¬ tordrehzahl führt. Mit steigender Rotordrehzahl steigt auch das am Rotor angreifende und bremsend wirkende Reibmoment. Aufgrund des linearen Zusammenhanges zwi- sehen dem mit steigender Umfangskomponente cu steigendem Antriebsmoment Mi und dem proportional zur Drehzahl steigendem Reibmoment MR stellt sich die Um¬ fangsgeschwindigkeit des Rotors immer so ein, dass für alle Volumenströme ähnli¬ che Geschwindigkeitsdreiecke am Rotoreintritt vorliegen. Damit tritt eine Selbstrege¬ lung ein, die den Zustand der stoßfreien Anströmung für jeden eingestellten VoIu- menstrom garantiert. Es erfolgt also für durch Anlagenbedingungen veränderte Vo-
lumenströme der Hauptströme, eine Nachregelung der Rotordrehzahl aufgrund der kongruenten Geschwindigkeitsdreiecke und eine stoßfreie Änströmung der Rotorka¬ näle.
Nach einer anderen Ausgestaltung ist ein Rotor mehrteilig ausgebildet, wobei ein Rotorteil mit geradlinigen Rotorkanälen an seinen Stirnseiten mit einer oder zwei Einströmplatten versehen ist und in den Einströmplatten sind die Kanalströmungen vergleichmäßigenden Eintrittsöffnungen und/oder nachgeordneten Kanalanfänge
Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Zeichnungen dargestellt und werden im folgenden näher beschrieben. Es zeigen die
Fig. 1 eine perspektivische Ansicht auf einen Rotor gemäß dem Stand der Technik in Form der US 6 540 487 B2 , die
Fig. 2 von Fig. 1 eine Rotorabwicklung mit einem Geschwindigkeitsdreieck an den Anfängen der Rotorkanäle, die
Fig. 3 eine neue Formgebung einer Eintrittsöffnung eines Rotorkanals und die
Fig. 4 einen Rotor analog Fig. 3 in mehrteiliger Ausführung.
Figur 1 zeigt eine perspektivische Ansicht auf einen zylindrischen Rotor 1 gemäß dem Stand der Technik in Form der US 6 540 487 B2. Zur Drehachse des Rotors 1 verlaufen achsparallele und konzentrisch dazu angeordnete Rotorkanäle 2 mit einem trapezförmigen Querschnitt, wobei sich zwischen den Rotorkanälen 2 radial verlau¬ fende und als Stege ausgebildete Wandflächen 3 erstrecken. Die an der Stirnseite 4 des Rotors 1 angeordneten Öffnungen 5 der Rotorkanäle 2 weisen an ihren radial äußeren Ecken zusätzliche Abrundungen nach Art von sich diagonal nach außen erweiternden Schrägflächen auf, wodurch jede Öffnung geringfügig vergrößert wird. Auf die Darstellung eines den Rotor umgebenden Gehäuses und dessen Anschlüsse für die Leitungen sowie die Darstellung der strömungsführenden Übergänge vom Gehäuse zum Rotor wurde verzichtet.
In Fig. 2 ist die Abwicklung von dem Rotor 1 des Druckaustauschers nach dem Stand der Technik gemäß Fig. 1 gezeigt. Gegenüber den Öffnungen des Rotors 1 mit seinen achsparallelen Rotorkanälen 2 ist das aus den Geschwindigkeitsvektoren U, w und c bestehende Geschwindigkeitsdreieck für eine in den Rotor 1 βinströmen- de Flüssigkeit gezeichnet, wobei die Pfeile die Richtungen und die Größen der ver¬ schiedenen Geschwindigkeiten anzeigen. Hierbei entspricht:
U = Umfangsgeschwindigkeit des Rotors w = Relativströmung in der Öffnung vor dem Rotorkanal c = Absolutströmung der aus dem Gehäuse und zum Rotor strö¬ menden Flüssigkeit, mit:
Cu = Umfangskomponente der Absolutströmung und
Cx = Axialkomponente der Absolutströmung,
Δ cu = Antriebsgeschwindigkeit für den Rotor, ist = cu - U α = Strömungswinkel der Absolutströmung c ß = Strömungswinkel der Relativströmung
Die Strömung zum Rotor 1 wird durch ein - hier nicht dargestelltes - dem Rotor ge¬ genüberliegendes Gehäuseteil so geführt, dass die Strömung im ruhenden Bezugs- System als Absolutströmung c unter dem Winkel a auf den Rotor 1 trifft. Der Rotor 1 rotiert mit der Umfangsgeschwindigkeit U und dementsprechend kommt die Relativ¬ strömung w unter dem Winkel ß auf ihn zu. Die Umfangskomponente cu der Abso¬ lutströmung c ist um Δcu größer als die Umfangsgeschwindigkeit U des Rotors und sorgt damit für das notwendige Antriebsmoment des Rotors 1.
Aufgrund des von Null verschiedenen Relativzuströmwinkels ß erfolgt die Anströ¬ mung der Rotorkanäle 2 im Relativsystem nicht stoßfrei. Infolge dessen bilden sich in den Öffnungen 5 der Rotorkanäle 2 permanente Ablösungen 6 in Form von Wirbeln und als Folge davon stellt sich im weiteren Verlauf der Rotorkanäle 2 ein ungleich- förmiges Geschwindigkeitsprofil 7 innerhalb der Strömung ein. Diese ungleichförmi¬ gen Geschwindigkeitsprofile 7 führen zu der Durchmischungsproblematik des vorbe¬ kannten Druckaustauschers.
Die Figur 3 zeigt als Abwicklung einer neuen Rotorform die Formgebung 8 der Ro- torkanäle 2 an deren Eintrittsbereich und ausgehend von der Stirnseite 4. Das zuge-
hörige Geschwindigkeitsdreieck entspricht in Größe und Richtung demjenigen nach dem Stand der Technik von Fig. 2; alle entsprechenden Darstellungen der Geschwin¬ digkeitsdreiecke in den Figuren gehen von gleichen Betriebsbedingungen aus.
In Fig. 3 ist mittels einer Formgebung 8 die Form der Rotorkanäle 2 im Eintrittsbe¬ reich 9 des Rotors 1 so gestaltet, dass die Rotoreintrittskanten 11 mit ihren nachfol¬ genden Wandflächen 3 nicht senkrecht zur Stirnseite 4 verlaufen, sondern unter ei¬ nem Winkel und analog zum Strömungswinkel ß der Relativzuströmung w. Infolge dessen trifft die Relativzuströmung w tangential auf die Rotoreintrittskanten 11. Sie trifft somit stoßfrei auf die Rotoreintrittskanten 11 und tritt folglich stoßfrei in die Ro¬ torkanäle 2 ein. Die anschließende Umlenkung der Strömung in der Formgebung 8 und in die Richtung der Kanalachsen oder in Richtung der Kanallänge L erfolgt auf den ersten 20 - 30 % der gesamten Kanallänge L. Am Ende der Umlenkung 8 erfolgt ein Übergang 9 in die anschließende normal ausgebildete, axial verlaufende Kanal- form und ist so gestaltet, dass ein gleichmäßiges, homogenes Geschwindigkeitsprofil 13 im Rotorkanal 2 gewährleistet ist.
Aufgrund des linearen Zusammenhanges der Umfangskomponente cu , und damit der Differenz Δ cu = cu - U, zum antreibenden Impulsmoment Mi gemäß der Glei- chung
Mi ~Δ Cu - Cx (1 )
und dem linearen Zusammenhang des den Rotor 1 bremsenden Reibmomentes MR mit der Rotor-Umfangsgeschwindigkeit U gemäß der Gleichung
MR - V - U (2)
wobei v die dynamische Viskosität darstellt, stellt sich die Rotordrehzahl bei dieser Gestaltung des Eintritts einer Rotorkanalform in Abhängigkeit des Volumenstromes immer so ein, dass für jeden Betriebspunkt der Zustand der stoßfreien Anströmung gewährleistet bleibt.
Figur 4 zeigte eine gegenüber Figur 3 fertigungstechnisch vereinfachte Ausge- staltung der Öffnungen 5 des Rotors 1. Hierbei ist die Stirnseite 4 des Rotors 1 mit
den Öffnungen 5 als ein Bestandteil eines separaten Bauteiles in Form einer Ein¬ strömplatte 14 ausgebildet. Die Einströmplatte 14 mit den Formgebungen 8 für einen stoßfreien Eintritt der Relativströmung in die Rotorkanäle 2 ist auf den mit axial ver¬ laufenden Rotorkanälen 2 versehenen Rotorkern 1.1 aufgebracht. Diese Einström¬ platten 14 können ein- oder beidseitig an einem Rotor mit axial verlaufenden Rotor¬ kanälen angebracht sein. Dies erfolgt entsprechend dem Aufbau des Drucktau- schers. Für die Verbindung von Einströmplatten 14 und Rotor 1 oder Rotorkern 1.1 können in Abhängigkeit von den verwendeten Materialien bekannte Verbindungs¬ techniken Anwendung finden.