Beiersdorf Aktiengesellschaft Hamburg
Beschreibung
Wirkstoffhaltiges Tape zur Behandlung von Gelenkerkrankunqen
Die Erfindung betrifft die Kombination aus einem bevorzugt selbstklebend ausgerüsteten Tape und einer wirkstoffhaltigen Hautauflage zur Herstellung eines Tapeverbandes zur Behandlung von Gelenkerkrankungen oder zur Pflege der Haut im Gelenkbereich.
„Tapen" ist ein anderer Begriff für "funktionelle Verbandtechnik". Mit diesem Begriff werden Verbände beschrieben, die durch Teilimmobilisierung von Gelenken helfen, gewünschte Bewegungen auszuführen und andere (schmerzhafte) Bewegungen vermeiden. Der Begriff leitet sich vom amerikanischen Begriff "Tape" für Verbandpflaster ab.
Taping hat einerseits zum Ziel, die Kapsel-Band-Strukturen gezielt nachzubilden und dadurch eine selektive Unterstützung und Stabilisierung zu erreichen und andererseits auch eine fördernde Wirkung auf den Heilungsprozess zu erzielen indem Tapeverbände ständig zu Zug- und Druckbelastungen oberflächlicher und tieferliegender Muskelpartien führen. Dadurch werden Anspannung und Durchblutung dieser Muskelpartien erhöht, die Heilung wird beschleunigt, der Muskelabbau vermieden. Die Muskelpumpe kann weiterhin für den Abtransport von Stoffwechselprodukten durch Venen und Lymphgefäße sorgen. In den Gelenken wird das Knorpelgewebe durch die weiterhin mögliche Be- und Entlastung in seiner Funktion erhalten.
Taping stellt heute eine seit vielen Jahren bewährte und durch zahlreiche Untersuchungen belegte Versorgungsmethode zur Prophylaxe und Therapie von Verletzungen, Krankheiten und Veränderungen am Bewegungsapparat dar. Es stützt, schützt und entlastet eine Funktionseinheit, stellt aber keinen Ersatz für eine totale Immobilisation dar, sondern ist vielmehr durch eine gezielte Ruhigstellung nur der verletzten Struktur indiziert bei allen Verletzungen oder Veränderungen, die nicht der völligen Immobilisierung bedürfen.
Der eigentliche Tapeverband wird dabei streifenweise aus vorzugsweise unelastischen selbstklebenden Bändern, so genannten Zügeln, oder in Verbindung mit kurzzugelastischen selbstklebenden Bändern angelegt. Er schützt, stützt und entlastet gefährdete, geschädigte oder
gestörte Anteile einer Funktionseinheit. Er ertaubt die selektive Belastung im schmerzfreien Bewegungsraum, verhindert aber extreme oder schmerzhafte Bewegungen.
Das Anlegen derartiger Verbände erfordert jedoch fachmännisches Können und Erfahrung und kann deshalb in aller Regel nicht von Laien ohne Taping -Erfahrung ausgeführt werden.
Schon aus den frühesten uns bekannten Überlieferungen heilkundlicher Betätigung des Menschen wissen wir, dass teilweise komplizierte Leinenverbände, wie man sie z. B. an Mumien fand, zur Behandlung von Wunden, aber auch von Verletzungen des Bewegungsapparates benutzt wurden.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts setzte sich weiter die Erkenntnis durch, dass eine vollständige und längere Immobilisation von Gelenken für die spätere Funktion negative Folgen haben kann. Erst mit der Erfindung des Leukoplast durch Paul Beiersdorf 1892 stand jedoch ein Verbandmaterial zur Verfügung, das den New Yorker Chirurgen Gibney zur Entwicklung eines dann nach diesem benannten "Funktionellen Verbandes" zur gezielten Immobilisation verletzter Gelenke veranlasste.
Transdermale Therapeutische Systeme (TTS) sind Darreichungsformen von Medikamenten, die einen oder mehrere Arzneistoffe über einen definierten Zeitraum an ihrem Anwendungsort an die Haut abgeben. Es wird dabei zwischen systemisch und lokal wirksamen Darreichungsformen unterschieden.
Bei systemisch wirkenden Darreichungsformen gelangt der Wirkstoff durch Diffusion durch die
Haut in den Blutkreislauf und kann im ganzen Körper wirken.
Lokal wirkende Darreichungsformen wirken dagegen nur an den applizierten Stellen. Der
Wirkstoff verbleibt in der Haut beziehungsweise in den darunter liegenden Schichten.
Im Stande der Technik sind bereits zahlreiche Ausführungsformen wirkstoffhaltiger Pflaster beschrieben worden, die zum Teil nach dem Reservoirprinzip arbeiten, bei welchem der Wirk¬ stoff beispielsweise über eine Membran abgegeben wird, teilweise auch mit einem Matrixsystem oder mit komplizierterem mehrschichtigen Aufbau.
Es ist ferner bekannt, dass die Klebemasse des Pflasters als den Wirkstoff enthaltende Matrix eingesetzt werden kann. Neben aus Lösung aufgetragenen Selbstklebemassen werden auch
schon Heißschmelzselbstklebemassen dafür vorgeschlagen, zum Beispiel in der EP 0 663 431 A, EP 0 452 034 A, EP 0 305 757 A, DE-OS 43 10 012, DE-OS 42 22 334 und DE-C 42 24 325. Als Wirkstoffe werden hierbei, wenn diese benannt werden, systemisch wirkende aufgeführt.
Beispielhaft für wirkstoffhaltige Pflaster seien die durchblutungsfördernden Wirkstoffpflaster genannt, die zu der Gruppe der lokal wirksamen therapeutischen Systeme gehören. Die Anwendung solcher Pflaster ist angezeigt zur Behandlung von rheumatischen Beschwerden, Ischias, Hexenschuss, Nackensteifigkeit, Schulter-Arm-Schmerzen sowie Muskelverspannungen und -Zerrungen, Muskelkater oder Muskel-, Gelenk- und Nervenschmerzen im Bereich des Bewegungsapparates.
Capsaicin und Nonivamid sind bekannte Wirkstoffe solcher lokal, durchblutungsfördernd wirkender Pflaster. Aufgrund ihrer Anwendung am Bewegungsapparat müssen sie in der Regel stark kleben. Üblicherweise werden die Pflaster vollflächig mit einer Harz-Kautschuk- Klebemasse beschichtet, welche den Wirkstoff enthält.
Derartige Pflaster, welche meist größer flächig aufgebracht werden müssen, zeigen jedoch nach dem Ablösen bei empfindlichen Patienten fallweise mechanische Hautirritationen verursachen. Ihr Entfernen ist nach längerer Tragezeit bis zu einem gewissen Grade schmerzhaft.
Ein weiterer Nachteil der bekannten wärmewirksamen Pflaster mit einer Klebemasse auf Basis von natürlichem Kautschuk, die in Form einer Lösung mit organischen Lösungsmitteln auf den Pflasterträger aufgetragen wird, ist die vergleichsweise niedrige Freisetzungsrate des Wirkstoffs.
Die geschilderten und weitere Nachteile treffen ebenso auch auf wirkstoffhaltige Pflaster zu, die andere als die genannten Stoffe beinhalten.
So beschreibt die WO 94/02123 ein Wirkstoffpflaster auf Basis von Haftschmelzklebemassen, welche niedrigschmelzende und/oder leicht flüchtige Wirkstoffe in einer Konzentration von 2,5 Gew.-% bis 25 Gew.-% enthält.
Wirkstoffhaltige Tapes oder Wundauflagen lassen sich an Gelenken aufgrund der mechanischen Beanspruchung nur ungenügend fixieren. Ein häufiger Verbandswechsel ist
zudem üblich, um geeignete Wirkstoffe der zu behandelnden Stelle an oder um das Gelenk zu zuführen.
Um dem Problem Herr zu werden, werden stark klebende Pflaster bereitgestellt, die zumeist vollflächig mit einer Kautschuk-Klebemasse beschichtet sind. Diese Klebemassen erlauben dann zwar ein sicheres Verkleben an kritischen Stellen wie Gelenken über die Dauer von mehreren Tagen aber das Verkleben derartiger Produkte auf der Haut zeigt jedoch nach dem Ablösen deutliche Hautirritationen und eine mechanische Beanspruchung der Haut. Die Verklebung lässt sich zudem ohne Hilfsmittel nur unter Schmerzen lösen. Fallweise kommt es sogar zu allergischen Reaktionen. Die verwendeten Klebemassen führen darüber hinaus oft zu einem Massetransfer, d.h. einem Umspulen, auf die Haut.
Aufgabe der Erfindung war es daher für die Behandlung von Gelenkerkrankungen oder zur Pflege der Haut an Gelenken eine Behandlungsmöglichkeit bereit zu stellen, welche die aus dem Stand der Technik bekannten Nachteile nicht aufweist. Auch soll die Behandlung einfach und unkompliziert von Laien durchführ sein.
Gelöst wird diese Aufgabe durch eine Kombination aus Tapeverband und wirkstoffhaltiger Hautauflage gemäß dem Hauptanspruch. Gegenstand der Unteransprüche sind vorteilhafte Ausführungsformen der Kombination.
Demgemäß betrifft die Erfindung die Verwendung einer Kombination aus Tapeverband und wirkstoffhaltiger Hautauflage zur Herstellung eines selbstklebenden Tapeverbandes zur Behandlung von Gelenkerkrankungen oder zur Pflege der Haut an oder um Gelenke.
Die mit Wirkstoff beladene, dotierte Hautauflage ist auf einem Trägermaterial aufgebracht, das wiederum mit einer Klebemasse beschichtet ist. Vorteilhaft ist dabei, dass nicht wie aus dem Stand der Technik bekannt, der Wirkstoff in der Klebemasse des Trägermaterials inkorporiert werden muss und dieser dann auf der gesamten mit dem Trägermaterial beklebten Haut eindringen kann. Vielmehr wird auf das mit einer undotierten Klebemasse beschichtete Trägermaterial ein oder mehreren Hautauflagen aufgebracht. Die wirkstoffhaltige Hautauflage, auch als Patch bezeichnet, kann erfindungsgemäß unterschiedliche Größen und Formen aufweisen und dadurch gezielt nur den Bereich eines zu behandelnden Gelenks oder
Hautareals abdecken, so dass die weitere dann nur mit Trägermaterial umwickelte Haut unversehrt bleibt und nicht unnötig mit Wirkstoffen belastet wird.
Es können zudem ein oder mehrere Hautauflagen, zentral oder dezentral, fest oder wieder ablösbar, auf dem Trägermaterial befestigt sein, so dass eine individuelle
Behandlungsmöglichkeit gegeben ist.
Das Trägermaterial kann überlappend um das Gelenk gebunden oder geklebt werden und führt damit zu einer besseren Fixierung des oder der Hautauflagen sowie zu einer zusätzlich stützenden Wirkung am behandelten Gelenk. Dies ist insbesondere ein wesentlicher Vorteil der erfindungsgemäßen Kombination aus Wirkstoffpatch und Tapping -Verfahren.
Die Hautauflage ist mit insgesamt bis zu 10 - 70 Gew.%, bezogen auf die Gesamtmasse der Auflage, mit einem oder mehren Wirkstoffen dotiert.
Die Abmessungen der Trägermaterials können bevorzugt zwischen 30 cm und 70cm Länge und zwischen 5 cm und 10 cm Breite betragen. Das Trägermaterial wiederum kann dabei aus einer Folie, einem Polymer, einem Gewebe oder einem Vlies bestehen. Das Material kann vorteilhafterweise elastisch sein, wobei es im Bereich von 0 - 200%, insbesondere bis 100%, in Längs und quer Richtung dehnbar ist. Es können ein oder mehrere Wirkstoffpatches mit einer Gesamtfläche zwischen 10 und 70% der Fläche des Trägermaterials aufgebracht sein. Das Trägermaterial kann neben einer vollflächigen Beschichtung mit Klebemasse auch partiell mit Klebmasse ausgerüstet sein. Ebenso ist eine Ausführung eriϊndungsgemäß bevorzugt, bei der der Tapeverband nicht klebend ausgerüstet ist, und zur Fixierung des Verbandes an den Enden nur einen Verschluss, insbesondere einen Klettverschluss aufweist. Dieser Klettverschluss ermöglicht die Befestigung des Trägermaterials auf sich selbst.
Als Trägermaterialien für den Tapeverband sind bereits zahlreiche Materialien auf Folien-, Gewebe-, Gewirke-, Vlies-, Gel- oder Schaümstoff-Basis bekannt und werden auch in der Praxis eingesetzt. Die Materialien, welche 1 oft noch mit einer Selbstklebemasse beschichtet sind, müssen hautverträglich, in der Regel luft- und wasserdampfdurchlässig sowie gut anmodellierbar und anschmiegsam sein. Aufgrund dieser Anforderungen wird häufig ein möglichst dünner oder weicher Träger bevorzugt. Zur Handhabung und beim Gebrauch sind bei den Trägermaterialien aber auch eine ausreichende Festigkeit und gegebenenfalls begrenzte Dehnbarkeit gefordert. Weiterhin sollte das Trägermaterial auch nach dem Durchnässen eine ausreichende Festigkeit und geringe Dehnbarkeit aufweisen.
Dünne Träger, insbesondere solche aus Vliesen, sind gut luft- und wasserdampfdurchlässig. Für bestimmte Anwendungen ist jedoch ihre Festigkeit zu gering und ihre Dehnung zu hoch. Weiter reicht der Polsterungseffekt für diese günstigen Träger nicht aus.
Als Trägermaterialien eignen sich dehnbaren Flächengebilde aus synthetischen und natürlichen Rohstoffen. Bevorzugt sind Trägermaterialien die nach Applikation der Selbstklebemasse so eingesetzt werden können, dass sie Eigenschaften eines funktionsgerechten Verbandes erfüllen. Beispielhaft sind Textilien wie Gewebe, Gewirke, Gelege, Vliese, Laminate, Netze, Folien, Schäume und Papiere aufgeführt, welche eine Dehnbarkeit von mindestens 10 % bei einer Belastung von 10 N/cm aufweisen. Geeignet sind darüber hinaus auch die Kombinationen der genannten Materialien.
Weiter können diese Materialien vor- bzw. nachbehandelt werden. Gängige Vorbehandlungen sind Corona und Hydrophobieren; geläufige Nachbehandlungen sind Kalandern, Tempern, Kaschieren, Stanzen und Eindecken, UV-/IR Bestrahlung oder Elektronenbestrahlung.
Die Gelenkerkrankungen, die Abnutzungskrankheiten der Gelenke wie der Arthrose, ist eine Erkrankung an der die Mehrheit aller Menschen irgendwann im Leben erkrankt. Darüber hinaus sind lokale Probleme des Bewegungsapparates ein Schwerpunkt der orthopädischen Rheumatologie. Derzeit werden über 400 verschiedene rheumatische Erkrankungen beschrieben. Es wird unterscheiden zwischen entzündlichen und nicht-entzündlichen (degenerativen) rheumatischen Erkrankungen. Die entzündlichen rheumatischen Erkrankungen schließen die entzündlichen Gelenkerkrankungen, die Kollagenosen und die Vaskulitiden ein. Die nicht-entzündlichen Gelenkerkrankungen umfassen die degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen(Arthrosen). Bei allen rheumatischen Erkrankungen kann der Gelenkschmerz ein wichtiges Erstsymptom der Erkrankung sein.
Mögliche Wirkstoffe zur Behandlung solcher Erkrankungen sind z.B. nichtsteroidale Antirheumatika wie z.B. Ibuptofen (und Salze z.B. Lysin-Salz), Ketoprofen, Diclofenac (und Salze davon) und Etofenamat, sowie wärmende Wirkstoffe wie Capsaicinoide, Nicotinsäure, Benzylnicotinat, Nonivamid und Methyl- bzw. Ethylsalicylat.
Zur Kühlung und Behandlung ohne Wäremeffekte sind insbesondere ätherische öle wie Minzöl, Eukalyptus und Menthol oder Mischungen daraus geeignet.
Unter der Bezeichnung „Wirkstoffe" im Zusammenhang mit der vorliegenden Erfindung werden chemische Elemente, organische und anorganische Verbindungen, die aus den sie enthaltenden Bestandteilen einer gattungsgemäßen Vorrichtung herauswandern können und dadurch einen angestrebten Effekt hervorrufen, verstanden. Unter den Anwendungsgebieten der erfindungsgemäßen Vorrichtung ist die Human- und Tiermedizin von besonderer Bedeutung, wobei hier eine Ausgestaltung der Erfindung in Pflasterform besonders bevorzugt ist.
Typische, über erfindungsgemäß hergestellte Vorrichtungen verabreichbare Stoffe sind hierbei: Aceclidin, Amfetaminil, Amfetamin, Amylnitrit, Apophedrin, Atebrin, Alpostadil, Azulen, Arecolin, Anethol, Amylenhydrat, Acetylcholin, Acridin, Adenosintriphosphorsäure, L-Äpfelsäure, Alimemazin, Allithiamin, AIIyI Isothiocyanat, Aminoethanol, Apyzin, Apiol, Azatadin, Alprenolol, Äthinazon, Benzoylperoxid, Benzylalkohol, Bisabolol, Bisnorephedrin, Butacetoluid, Benactyzin, Campher, Colecalciferol, Chloralhydrat, Clemastin, Chlorobutanol, Capsaicin, Cyclopentamin, Clobutinol, Chamazulen, Dimethocain, Codein, Chloropromazin, Chinin, Chlorthymol, Cyclophosphamid, Cinchocain, Chlorambuzil, Chlorphenesin, Diethylethan, Divinylethan, Dexchlorpheniramin, Dinoproston, Dixyrazin, Ephedrin, Ethosuximid, Enallylpropymal, Emylcamat, Erytroltetranitrat, Emetin, Enfluran, Eucalyptol, Etofenamat, Ethylmoφhin, Fentanyl, Fluanison, Flurbiprofen, Guajazulen, Halothan, Hyoscyamin, Histamin, Fencarbamid, Hydroxycain, Hexylresorcin, Isoaminilcitrat, Isosorbiddinitrat, Ibuprofen, Jod, Jodoform, Ketoprofen, Isoaminil, Lidocain, Lopirin, Levamisol, Methadon, Methyprylon, Methylphenidat, Mephenesin, Methylephedrin, Meclastin, Methopromazin, Mesuximid, Nicethamid, Noφseudoephedrin, Menthol, Methoxyfluran, Methylpentinol, Metixen, Mesoprostol, Oxytetracain, Oxyprenolol, Oxyphenbutazon, Oxychinolin, Pinen, Piroxicam, Prolintan, Procyclidin, Piperazin, Pivazid, Phensuximid, Procain, Phenindamin, Promethazin, Pentetrazol, Profenamin, Perazin, Phenol, Pethidin, Pilocarpin, Prenylamin, Phenoxybenzamin, Resochin, Scopolamin, Salicylsäureester, Spartein, Trichlorethylen, Timolol, Trifluperazin, Tetracain, Trimipramin, Tranylcypromin, Trimethadion, Tybamat, Thymol, Thioridazin, Valproinsäure, Verapamil sowie weitere, dem Fachmann geläufige, über die Haut, eingeschlossen Schleimhäute, aufnehmbare Wirkstoffe. Selbstverständlich ist diese Aufzählung nicht abschließend.
Die Verteilung der Wirkstoffe ist auf die Hautauflage begrenzt. Das Problem der Einbringung von Wirkstoffen in Haftklebemasse und dessen Auswirkungen auf die Klebkraft stellt sich demnach bei der vorliegenden Erfindung nicht.
Neben der Behandlung von Gelenkerkrankungen kann auch die Pflege der Haut im Bereich der Gelenke im Blickpunkt stehen. Entsprechend kann die Hautauflage mit geeigneten Hautpflegewirkstoffen wie z. B. Jojoba öl, Dexpanthenol, Harnstoff, Aloe Vera, Coenzym Q10 oder anderen aus der Kosmetik bekannten Stoffen dotiert sein.
Vorteilhafterweise wird das Patch auf dem Trägermaterial wiederablösbar befestigt, wie beispielsweise mittels eines Klettverschlußes oder eines wiederablösbaren Klebestreifens, um einen schnellen und einfachen Wechsel der Hautauflagen zu ermöglichen. Insbesondere bei einer Kombinationsbehandlung mit mehreren zeitlich aufeinander folgenden Behandlungsschritten weist die erfindungsgemäße Kombination aus Hautauflage und Tapeverband erhebliche Anwendungsvorteile auf. Mehrere mit verschiedenen Wirkstoffen beladene Hautauflagen können nacheinander mit demselben Tape auf oder an dem gelenk fixiert werden. Der Anwender benötigt somit nicht erneut verschiedenste Tapematerialien anwenden. Darüber hinaus ist aber auch eine dauerhafte Befestigung des Wirkstoffpatches auf dem Trägermaterial möglich. Das Präparat ist damit allerdings nur zur einmaligen Anwendung bestimmt.
Der Hautpatch ist vorteilhafterweise auch aus eine Haftklebmasse aufgebaut. Alternativ kann der Patch aber auch in einer nichtklebenden Form ausgeführt werden. Als Matrix kann eine Polymermatrix aus hydrophilen Polymeren (z.B. Acrylate, Polyvinylpyrrolidon/Polyacrylsäure, Polyacrylsäure/Polyvinylalkohol) oder hydrophoben Polymeren (z.B. Polyisobutylene, Styrol- Isopren-Styrol Polymere, Styrol-Butadien-Styrol Polymere, Polyisoprene, Silikone oder Polyurethane) aufgebaut sein. Neben den genannten Gerüstpolymeren sind auch Naturkautschuke denkbar. Als klebrigmacher können Harze (z.B. Kolophonium und dessen Derivate und Polyterpene, sowie Poly-α-Olefine) eingesetzt werden. Neben den Polymeren und Klebrigmachem können auch Füllstoffe zum Einsatz kommen. Hier bieten sich lösliche (z.B. Polyvinylpyrrolidone, Carboxymethylcellulose) und unlösliche (z.B. Cellulose, Crosslinked PVP, Superabsorber oder Silikate) an. Der Patch kann ferner Weichmacher (Paraffine, Fettsäureester,
Wachse, Terpene) enthalten. In diese Matrix ist dann der Wirkstoff mit einem Anteil von 1 - 50% eingearbeitet. Der Patch ist auf der Seite des Stützträgers, des Trägermaterials, mit einer Sperrschicht ausgerüstet, um das Herauswandern des Stoffes zum Trägermaterial zu verhindern. Hier ist zum Beispiel Polyester, Polyethylen oder Polypropylen denkbar. Die dem Trägermaterial zugewandte Seite kann mit einer klebenden Schicht oder einem Klettverschluss ausgerüstet sein. Die zugängliche Masseseite des Patches ist mit einem silikonisierten Papier oder einer silikonisierten Folie eingedeckt (s. Figur 1).
In einer bevorzugten Ausführungsform wird das Material der Hautauflage geschäumt und weist einen Schäumungsgrad von mindestens 5 Vol.-% auf, vorzugsweise 10 Vol.-% bis 75 Vol.-%, besonders bevorzugt zwischen 40 Vol.-% und 60 Vol.-%.
Die Masse der Hautauflage und die Klebemasse des Trägermaterials sind bevorzugt verschiedene Massen.
Als Klebemassen für das Trägermaterial lassen sich vorteilhafterweise thermoplastische Hei߬ schmelzselbstklebemassen einsetzen auf Basis natürlicher und synthetischer Kautschuke und anderer synthetischer Polymere wie Acrylate, Methacrylate, Polyurethane, Polyolefine, Polyvinylderivate, Polyester oder Silikone mit entsprechenden Zusatzstoffen wie Klebharzen, Weichmachern, Stabilisatoren und anderen Hilfsstoffen soweit erforderlich.
Insbesondere Heißschmelzselbstklebemassen auf Basis von Blockcopolymeren zeichnen sich durch ihre vielfältige Variationsmöglichkeiten aus, denn durch die gezielte Absenkung der Glasübergangstemperatur der Selbstklebemasse infolge der Auswahl der Klebrigmacher, der Weichmacher sowie der Polymermolekülgröße und der Molekularverteilung der Einsatzkomponenten wird die notwendige funktionsgerechte Verklebung mit der Haut auch an kritischen Stellen des menschlichen Bewegungsapparates gewährleistet.
Die hohe Scherfestigkeit der Heißschmelzselbstklebemasse wird durch die hohe Kohäsivität des Polymeren erreicht. Die gute Anfassklebrigkeit ergibt sich durch die eingesetzte Palette an Klebrigmachern und Weichmachern.
Für besonders starkklebende Systeme basiert die Heißschmelzselbstklebemasse bevorzugt auf Blockcopolymeren, insbesondere A-B-, A-B-A-Blockcopolymere oder deren Mischungen. Die harte Phase A ist vornehmlich Polystyrol oder dessen Derivate, und die weiche Phase B enthält Ethylen, Propylen, Butylen, Butadien, Isopren oder deren Mischungen, hierbei besonders bevorzugt Ethylen und Butylen oder deren Mischungen.
Polystyrolblöcke können aber auch in der weichen Phase B enthalten sein, und zwar bis zu 20 Gew.-%. Der gesamte Styrolanteil sollte aber stets niedriger als 35 Gew.-% liegen. Bevorzugt werden Styrolanteile zwischen 5 Gew.-% und 30 Gew.-%, da ein niedrigerer Styrolanteil die Klebemasse anschmiegsamer macht.
Insbesondere die gezielte Abmischung von Di-Block- und Tri-Blockcopolymeren ist vorteilhaft, wobei ein Anteil an Di-Blockcopolymeren von kleiner 80 Gew.-% bevorzugt wird.
Ein Füllen der Klebemasse mit mineralischen Füllstoffen, Fasern, Mikrohohl- oder -vollkugeln ist möglich.
Als bevorzugtes Verfahren zur eriϊndungsgemäß offenporigen Beschichtung luft- und wasserdampfdurchlässiger dotierter Klebeschichten kann die Spinntechnologie zur Applikation von thermoplastischen Kunststoffen und Klebern herangezogen werden.
Das kontaktlose Beschichten und Auftragen von Heißschmelzselbstklebemassen durch Spinnen mit Druckluft oder inerten Gasen findet bereits vielfach Einsatz.
Die Wechselwirkung der Wirkstoffe mit der Haut wird bekanntlich mit in die Masse der
Hautauflage eingemischten Enhancem moduliert beziehungsweise durch den okklusiven Effekt von Masse und Abdeckung verstärkt. Im Gegensatz hierzu kann durch den Einsatz von atmungsaktiven dotierten Beschichtungen, Hautauflagen in Verbindung mit elastischen ebenfalls atmungsaktiven Trägermaterialien ein insbesondere zum Beispiel während sportlicher
Betätigungen a) vom Anwender subjektiv angenehmer empfundener Tragekomfort und
b) vom Freisetzungsverhalten durch die mit der Umgebung ungestörtere Wechselwirkung (zum Beispiel Unterdrückung von Körperschweiß) der Haut eine definiertere Penetration von Wirkstoffen in die Haut erzielt werden.
In einer besonderen Ausführung ist die Klebemasse des Trägermaterials geschäumt. Dieses muss für spezielle Anwendungen die funktionsgerechte Verwendung des Tägermaterials sicherzustellen.
Der Schäumungsgrad, d.h. der Gasanteil, sollte mindestens 5 Vol.-% betragen und kann bis zu etwa 85 VoI .-% reichen. In der Praxis haben sich Werte von 10 Vol.-% bis 75 Vol.-%, bevorzugt 50 Vol.-%, gut bewährt. Wird bei relativ hohen Temperaturen von ungefähr 140 0C und vergleichsweise hohem Innendruck gearbeitet, entstehen sehr offenporige Klebstoffschaumschichten, die besonders gut luft- und wasserdampfdurchlässig sind.
Die vorteilhaften Eigenschaften der erfindungsgemäßen Klebebeschichtungen, hohe Anfassklebrigkeit und gute Anschmiegsamkeit auch an unebenen Flächen durch die Elastizität und Plastizität der geschäumten Klebemassen sowie der Initialtack lassen sich auf dem Gebiet der Wirkstoffbehandlung optimal nutzen.
Durch das Schäumen wird zudem die Viskosität der Klebemassen in der Regel gesenkt. Hierdurch wird die Schmelzenergie erniedrigt, und es können auch thermoinstabile Trägermaterialien direkt beschichtet werden.
Als Trägermaterialien eignen sich alle starren und elastischen Flächengebilde aus synthetischen und natürlichen Rohstoffen. Bevorzugt sind Trägermaterialien die nach Applikation der Klebemasse so eingesetzt werden können, dass sie Eigenschaften eines funktionsgerechten Verbandes erfüllen.
Beispielhaft sind Textilien wie Gewebe, Gewirke, Gelege, Vliese, Laminate, Netze, sowie Folien, Schäume und Papiere aufgeführt. Weiter können diese Materialien vor- beziehungsweise nachbehandelt werden. Gängige Vorbehandlungen sind Corona und Hydrophobieren; geläufige Nachbehandlungen sind Kalandern, Tempern, Kaschieren, Stanzen und Eindecken und Vernetzen.
Das Trägermaterial kann bekannte Formen und Längen eines Verbandes oder Tape annehmen.
Je nach Trägermaterial und dessen Temperaturempfindlichkeit kann die geschäumte Heißschmelzselbstklebemasse direkt aufgetragen werden oder zuerst auf einen Hilfsträger aufgebracht und dann auf den endgültigen Träger transferiert werden.
Mit der erfindungsgemäßen Kombination ist die Behandlung einer Gelenkerkrankung oder die Pflege der Haut mit entsprechenden Wirkstoffen und gleichzeitig eine Entlastung des Gelenks durch die stützende Wirkung des Tapeverbandes über das Trägermaterial möglich. Zudem ist die erfindungsgemäße Kombination einfach und unkompliziert anzuwenden und stellt ein „all in one" Produkt zur Behandlung und Pflege dar.
Beispiel 1
In einem IKA Meßkneter werden 50,35g (26,5% w/w) Vistanex LM MH, 22,80g (12,0% w/w) Vistanex MM L80 und 21,85g (11,5% w/w) Poly-ß-pinen bei 700C 15min geknetet. Es werden 60,80g (32,0% w/w) pulvrige Cellulose hinzugefügt und 60min geknetet. Anschließend fügt man 13,30g (7,0% w/w) Cetiol V und 11,40g (6,0% w/w) DMSO/PVP-Mischung hinzu. Die Mischung wird 5 min geknetet, dann erfolgt die Zugabe von 9,50g (5,0% w/w) Ibuprofen. Die resultierende Mischung wird weitere 60min bei 80 - 1000C geknetet.
Die fertige Masse wird dann zwischen Trennpapier mit einer Hydraulikpresse ausgepresst und anschließend auf eine 12μm Polyesterfolie und Trennfolie umkaschiert. Man stanzt einzelne Patches, Hautauflagen, aus.
Beispiel 2
Man legt in einem Laborkneter 26,6g (w/w) Vistanex MM L-80 vor und granuliert das Material mit einer Vorlauftemperatur von 1000C. Nach 30 min gibt man 55,1g (w/w) Oppanol B 12 und 32,3g (w/w) Kolophoniumglycerolester zu. Die Masse wird 5 min homogenisiert. Dann gibt man 41 ,8g (w/w) pulvrige Cellulose (Elcema P050) zu und homogenisiert weitere 90 min bei einer Vorlauftemperatur von 700C. Anschließend fügt man 9,5g (w/w) Oktyldodecanol, 15,2g (w/w) Jojoba Öl und 9,5g (w/w) Harnstoff zu. Die Masse wird weitere 60min homogenisiert. Die fertige Masse wird zwischen zwei silikonisierten Papieren in einer Hydraulikpresse bei 800C ausgepresst. Dann kaschiert man eine PE-Folie als Trägermaterial zu und stanzt einzelne Patches aus.
Beispiel 3
In einem IKA Meßkneter werden 46,55g (24,5% w/w) Vistanex LM MH, 26,60g (14,0% w/w) Vistanex MM L80 und 22,80g (12,0% w/w) Eastoflex PLS E1003D bei 7O0C 15min geknetet. Es werden 62,70g (33,0% w/w) pulvrige Cellulose hinzugefügt und 60min geknetet. Anschließend fügt man 19,00g (10,0% w/w) Eutanol G und 11 ,40g (6,0% w/w) DMSO/PVP-Mischung hinzu. Die Mischung wird 5 min geknetet, dann erfolgt die Zugabe von 0,95g (0,5% w/w) Piroxicam. Die resultierende Mischung wird weitere 60min bei 80 - 1000C geknetet.
Die fertige Masse wird dann zwischen Trennpapier mit einer Hydraulikpresse ausgepresst und anschließend auf Träger und Trennfolie umkaschiert.
Beispiel 4 (Extrusion)
Die Herstellung der Masse erfolgt in einem 50mm Leistritz Doppelschneckenextruder mit einem Masseausstoss von 40kg/h. Das Temperaturprofil für den Prozeß beträgt 130 - 1000C von der Aufgabezone bis zur Austragszone. Die Inhaltsstoffe der Klebmatrix werden nacheinander entlang der Gesamtlänge des Verfahrensteils in folgender Reihenfolge zudosiert:
1. Vistanex MM L80: 4,4kg/h Feststoff granuliert
2. Vistanex LM MH: 10,4kg/h Schmelze
3. Eastoflex PLS E1003D: 5,6kg/h Schmelze
4. pulvrige Cellulose: 12,8kg/h Feststoff
5. DMSO/PVP Mischung 0,8kg/h flüssig
6. Cetiol V 4,0kg/h flüssig
7. Ibuprofen 2,0kg/h Feststoff
Die Masse wird kontinuierlich hergestellt und aus einer Breitschlitzdüse ausgetragen. Zwischen
Austragszone und Breitschlitzdüse ist eine Zahnradpumpe installiert, die für einen gleichmäßigen Masseaustrag sorgt.
Die Klebmasse wird anschließend über einen Kalander zwischen Trägermaterial und einer
Trennfolie beschichtet und zur weiteren Verarbeitung auf Rollen aufgewickelt.
Die Wirkstoffpatches der Beispiele 1 bis 4 werden anschließend auf das Trägermaterial des
Tapeverbandes aufgelegt und verankert, sofern es sich um die nicht ablösbare Variante handelt.
Im Fall der ablösbaren Variante werden die Patches einzeln verpackt und vor der Anwendung auf das Trägermaterial aufgelegt. Die auf dem Trägermaterial befindliche Haftklebemasse gewährleistet dann ggf. die Haftung des Patches auf dem Träger. Vorteilhaft kann der Anwender damit je nach Bedarf die Hautauflage positionieren.
Die Abmessungen des Tapeverbandes bewegen sich wischen 30 cm und 70 cm Länge und zwischen 5 cm und 10 cm Breite. Der Wirkstoffpatch kann vorteilhaft zwischen 3 cm bis zur vollen Breite des Tapeverbandes bemessen sein. Die Länge des Patches kann zwischen 4 cm
bis 20 cm bemessen sein, abhängig davon ob ein oder mehrere Patches auf einmal angewendet werden sollen (s. Figur 2).
Figur 1 zeigt den schematischen Aufbau der erfindungsgemäßen Kombination.
1 Trägermaterial
2 Klebemasse
3 wirkstoffhaltige Hautauflage (hier in der Breite des Trägers)
4 trennende Abdeckung (silikonisiertes Papier)
Figur 2 zeigt eine Draufsicht auf das Trägermaterial ohne Klebemasse und mit Klettverschluss.
1 Trägermaterial
3 wirkstoffhaltige Hautauflage
5 Klettverschluss
Figur 3 zeigt verschiedene Variationen in der Seitenansicht.
1 Trägermaterial
2 Klebemasse
3 wirkstoffhaltige Hautauflage
Figur 4 zeigt verschiedene Variationen in der Draufsicht.
1 Trägermaterial
3 wirkstoffhaltige Hautauflage
6 Schnitt im Trägermaterial zur besseren Applikation und Verbandsherstellung