Pb-Ge-Te-Verbindungen für thermoelektrische Generatoren und Peltier-
Die vorliegende Erfindung betrifft Halbleitermaterialien, enthaltend Germanium, Blei und Tellur (Ge-Pb-Telluride) sowie diese enthaltende thermoelektrische Generatoren und PeI- tier- Anordnungen.
Thermoelektrische Generatoren und Peltier-Anordnungen als solche sind seit langem be¬ kannt, p- und n-dotierte Halbleiter, die auf einer Seite erhitzt und auf der anderen Seite ge- kühlt werden, transportieren elektrische Ladungen durch einen äußeren Stromkreis, wobei an einem Verbraucher im Stromkreis elektrische Arbeit verrichtet werden kann. Der dabei erzielte Wirkungsgrad der Konversion von Wärme in elektrische Energie wird thermody- namisch durch den Carnot- Wirkungsgrad limitiert. Somit wäre bei einer Temperatur von 1000 K auf der heißen und 400 K auf der "kalten" Seite ein Wirkungsgrad von (1000 - 400) : 1000 = 60 % möglich. Bis heute werden jedoch nur Wirkungsgrade bis 10 % erzielt.
Legt man andererseits einen Gleichstrom an eine derartige Anordnung an, so wird Wärme von einer Seite zur anderen Seite transportiert. Eine derartige Peltier-Anordnung arbeitet als Wärmepumpe und eignet sich deshalb zur Kühlung von Apparateteilen, Fahrzeugen oder Gebäuden. Auch die Heizung über das Peltier-Prinzip ist günstiger als eine herkömmliche Heizung, weil immer mehr Wärme transportiert wird als dem zugeführten Energieäquivalent entspricht.
Einen guten Überblick über Effekte und Materialien gibt z.B. Cronin B. Vining, ITS Short Course on Thermoelectricity, Nov. 8, 1993, Yokohama, Japan.
Gegenwärtig werden thermoelektrische Generatoren in Raumsonden zur Erzeugung von Gleichströmen, für den kathodischen Korrosionsschutz von Pipelines, zur Energie¬ versorgung von Leucht- und Funkbojen, zum Betrieb von Radios und Fernsehapparaten eingesetzt. Die Vorteile der thermoelektrischen Generatoren liegen in ihrer äußersten Zuver¬ lässigkeit. So arbeiten sie unabhängig von atmosphärischen Bedingungen wie Luftfeuchte; es erfolgt kein störungsanfälliger Stofftransport, sondern nur ein Ladungstransport; der Be¬ triebsstoff wird kontinuierlich - auch katalytisch ohne freie Flamme - verbrannt, wodurch nur geringe Mengen an CO, NOx und unverbranntem Betriebsstoff frei werden; es sind be- liebige Betriebsstoffe einsetzbar von Wasserstoff über Erdgas, Benzin, Kerosin, Dieselkraft¬ stoff bis zu biologisch erzeugten Kraftstoffen wie Rapsölmethylester.
Damit passt sich die thermoelektrische Energiewandlung äußerst flexibel in künftige Be¬ dürfnisse wie Wasserstoffwirtschaft oder Energieerzeugung aus regenerativen Energien ein.
Eine besonders attraktive Anwendung wäre der Einsatz zur Wandlung in elektrische Energie in elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Hierfür brauchte keine Änderung am vorhandenen Tankstellennetz vorgenommen zu werden. Allerdings sind für eine derartige Anwendung Wirkungsgrade größer als 30 % erforderlich.
Auch die Umwandlung solarer Energie direkt in elektrische Energie wäre sehr attraktiv. Konzentratoren wie Parabolrinnen können mit Wirkungsgraden um 95 bis 97 % die Son¬ nenenergie auf thermoelektrische Generatoren bündeln, wodurch elektrische Energie er¬ zeugt wird.
Aber auch zur Nutzung als Wärmepumpe sind höhere Wirkungsgrade notwendig.
Thermoelektrisch aktive Materialien werden im Wesentlichen anhand ihres Wirkungsgrades bewertet. Kennzeichnend für thermoelektrische Materialien ist diesbezüglich der so genann¬ te Z-Faktor (figure of merit):
S2 σ
Z =
K
mit dem Seebeck-Koeffizienten S, der elektrischen Leitfähigkeit σ und der Wärmeleitfähig¬ keit K. Bevorzugt sind thermoelektrische Materialien, die eine möglichst geringe Wärmeleit- fähigkeit, eine möglichst große elektrische Leitfähigkeit und einen möglichst großen See- beck-Koeffizienten aufweisen, so dass der figure of merit einen möglichst hohen Wert an¬ nimmt.
Zu Vergleichszwecken wird darüber hinaus oftmals das dimensionslose Produkt Z • T ange- geben. Bisher bekannte thermoelektrische Materialien weisen maximale Werte von Z • T von ungefähr 1 bei einer optimalen Temperatur auf. Jenseits dieser optimalen Temperatur sind die Werte von Z • T oft niedriger als 1.
Eine genauere Analyse ergibt, dass der Wirkungsgrad η sich ergibt aus
_ ^ hoch ~ * niedrig M — \
T T
1 hoch M + med"S
T '- hoch
mit
2
M = I + „ V hoch + * niedrig )
2
(siehe auch Mat. Sei. and Eng. B29 (1995) 228).
Das Ziel ist damit, ein thermoelektrisch aktives Material bereitzustellen, welches einen möglichst hohen Wert für Z und eine hohe realisierbare Temperaturdifferenz aufweist. Aus der Sicht der Festkörperphysik sind hierbei viele Probleme zu bewältigen:
Ein hohes σ bedingt eine hohe Elektronenbeweglichkeit im Material, d.h. Elektronen (oder Löcher bei p-leitenden Materialien) dürfen nicht stark an die Atomrümpfe gebunden sein. Materialien mit hoher elektrischer Leitfähigkeit σ weisen meist gleichzeitig eine hohe Wär¬ meleitfähigkeit auf (Wiedemann - Franzsches Gesetz), wodurch Z nicht günstig beeinflusst werden kann. Gegenwärtig eingesetzte Materialien wie Bi2Te3 stellen schon Kompromisse dar. So wird die elektrische Leitfähigkeit durch Legieren weniger herabgesetzt als die Wär- meleitfähigkeit. Deshalb setzt man vorzugsweise Legierungen ein wie z.B. (Bi2Te3)90(Sb2Te3)5(Sb2Se3)5 oder Bi12Sb23Te65, wie sie in der US 5,448,109 beschrieben sind.
Für thermoelektrische Materialien mit hohem Wirkungsgrad sind vorzugsweise noch weite- re Randbedingungen zu erfüllen. Vor allem müssen sie temperaturstabil sein, um bei Ar¬ beitstemperaturen von bis zu 1.500 K über Jahre ohne wesentlichen Wirkungsgradverlust arbeiten zu können. Dies bedingt eine hochtemperaturstabile Phase an sich, eine stabile Pha¬ senzusammensetzung und eine zu vernachlässigende Diffusion von Legierungsbestandteilen in die anliegenden Kontaktmaterialien.
In der neueren Patentliteratur finden sich Beschreibungen von thermoelektri sehen Materia¬ lien, beispielsweise in US 6,225,550 und EP-A-I 102 334.
- A -
Die US 6,225,550 betrifft im Wesentlichen Materialien aus MgxSbz, die mit einem weiteren Element, vorzugsweise einem Übergangsmetall, dotiert sind.
Die EP-A-I 102 334 offenbart p- oder n-dotierte Halbleitermaterialien, die ein mindestens ternäres Material aus den Stoffklassen der Suizide, Boride, Germanide, Telluride, Sulfide, Selenide, Antimonide, Plumbide und halbleitenden Oxiden enthalten.
Der Artikel „Thermoelectric properties of n-type (Pbi_xGex)Te fabricated by hot pressing method", Proceedings ICT, XVI. International Conference on Thermoelectrics, 26. - 29. August 1997, Dresden, Seiten 228 bis 231 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung ternärer Verbindungen der Formel (Pb1-xGex)Te mit x = 0 bis 0,15, wobei das System mit 0,3 % Bi dotiert ist. Das Material wird durch Beladen der entsprechenden Menge an Pb, Ge, Te und Bi in ein Quarzrohr, welches auf der Innenseite mit Kohlenstoff beschichtet ist, anschlie¬ ßendem Evakuieren, Verschließen und Erwärmen auf 1000 0C für 2 Stunden in einem Drehofen erhalten. Anschließend wird das System auf Raumtemperatur abgekühlt. Die (Pb I- xGex)Te-Blöcke werden dann in einem Schmelzzonenofen bei 1000 0C mit einer Wachs¬ tumsgeschwindigkeit von 1 mm/min erzeugt. Die Blöcke werden anschließend zu einem Pulver mit einer Größe von 90 bis 250 μm vermählen. Hieran schließt sich eine Reduktions¬ behandlung bei 400 0C für 24 Stunden in einer H2/ Ar-Atmosphäre an. Die Pulver werden kalt und anschließend im Vakuum bei 650 0C und 750 0C heiß gepresst. Anhand der so er¬ haltenen Materialien wurde festgestellt, dass der Seebeck-Koeffizient und der elektrische Widerstand der thermoelektrischen Materialien mit dem GeTe- Anteil x im Halbleitermateri¬ al steigt, während die thermische Leitfähigkeit sich mit dem Anstieg des GeTe-Anteils x im Halbleitermaterial erniedrigt. Der beste erhaltene Seebeck-Koeffizienten liegt ungefähr bei - 150 μV/K, wobei der elektrische Widerstand 1 mΩ»cm beträgt. Die thermische Leitfähig¬ keit beträgt im Minimum 2 W/(m • K).
Ausgehend von diesem Stand der Technik ist es die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, Halbleitermaterialien (thermoelektrisch aktive Materialien), die einen hohen Wirkungsgrad aufweisen und für unterschiedliche Anwendungsbereiche ein geeignetes Eigenschaftsprofil zeigen, bereitzustellen.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein p- oder n-leitendes Halbleitermaterial, enthaltend eine ternäre Verbindung der allgemeinen Formel (I)
PbxGexTe2 (I),
wobei die Indizes x, y und z einem der folgenden Verhältnisse entsprechen:
(a) x= l-y;z= l;0,50<y< 1;
(b) z=l-y;x=l;0<y<l;
(c) x = z= l;0<y< 0,5 : (d) 0,8<x<l,2;0<y<0,5;0,8<z≤l,2.
Damit ergeben sich ternäre Verbindungen der allgemeinen Formeln (Ia) bis (Id) mit: (Ia) Pbi.yGeyTe (Ib) PbGeyTe1-y (Ic) PbGeyTe (Id) PbxGeyTez
Gemäß der vorliegenden Erfindung ist somit vorgesehen, dass ausgehend von PbTe formal
Pb oder Te durch Ge ersetzt wird oder - Ge zu PbTe zugegeben wird oder
Ge Teile der Pb- oder Te-Positionen übernimmt, wobei jeweils das Verhältnis von Pb:Te - ausgehend von 1:1 - sich ändert.
Hinsichtlich der Serie (Id) (PbxGeyTez; wobei die Indizes x, y und z den folgenden Verhält- nissen 0,8 < x < 1,2; 0 < y < 0,5; 0,8 < z < 1,2 entspricht) sind in einer bevorzugten Ausfuh¬ rungsform Verbindungen der allgemeinen Formel Pbi-yGeyTe mit y = 0 bis 0,15 und Ver¬ bindungen der allgemeinen Formel (Pbi-xGex)Te mit x = 0,16 bis 0,50, wobei der Seebeck- Koeffizient mindestens 200 μV/K bei einer Temperatur von 250C beträgt, ausgeschlossen.
Verbesserte p-leitende thermoelektrische Eigenschaften werden durch die Serie (Id) erhal¬ ten, während die Serien (Ib) und (Ic) n-leitende Materialien darstellen.
Die Seebeck-Koeffizienten dieser Materialien liegen im Allgemeinen für die Serien (Ib) und (Ic) im Bereich von -250 bis -380 μV/K.
Für die erfindungsgemäßen Materialien der Serie (Id) werden Seebeck-Koeffizienten im Bereich von im Allgemeinen 250 bis 380 μV/K bei einer ausgeprägten Temperaturdifferenz von 2700C, wobei die heiße Seite 300 °C beträgt, erreicht.
Die Seebeck-Koeffizienten für die Verbindungen der Serie (Ia) betragen im Allgemeinen bis zu 500 μV/K bei einer Temperatur von 3000C.
In den erfindungsgemäßen Materialien können O bis 10 Gew.-%, vorzugsweise 0 bis 5 Gew.-%, besonders bevorzugt 0 bis 1 Gew.-%, der ternären Verbindung durch andere Me¬ talle oder Metallverbindungen, welche ebenfalls als p- oder n-Dotierungsmittel fungieren können, substituiert sein. Beispiele für geeignete Metalle oder Metallverbindungen sind Tl, Sn, Sb, Bi, Se, Si, Mg und Mischungen davon, Mn, Na, K, Antimon-, Blei- und Bismutha- logenide sowie Silizium-, Antimon- und Bismuttelluride. Bevorzugte Dotierungsmittel sind BiI, SbI, BiTe, SbTe, Sb2Te3, Si2Te3, vorzugsweise in einer Menge von 0,1 bis 0,5 Gew.-%. Weitere geeignete Dotierungsmittel sind dem Fachmann geläufig. Die Dotierungsmittel und die weiteren Metalle und Metallverbindungen werden vorzugsweise so ausgewählt, dass der Seebeck- Koeffizient der Materialien nicht nachteilig beeinflusst wird.
Erfindungsgemäß können die Materialien auch andere Verbindungen oder Dotierungsmittel enthalten, soweit die zuvor erwähnten Seebeck-Koeffizienten erhalten bleiben.
Die erfindungsgemäßen Materialien werden im Allgemeinen durch Zusammenschmelzen von Mischungen der jeweiligen Elementbestandteile oder deren Legierungen hergestellt. Dabei hat sich im Allgemeinen eine Reaktionszeit des Zusammenschmelzens von mindes¬ tens einer Stunde als vorteilhaft herausgestellt.
Das Zusammenschmelzen erfolgt vorzugsweise während einem Zeitraum von mindestens 1 Stunde, besonders bevorzugt mindestens 5 Stunden, insbesondere mindestens 10 Stunden. Der Schmelzprozess kann mit oder ohne Vermischung der Ausgangsmischung erfolgen. Wenn die Ausgangsmischung vermischt wird, so eignet sich hierfür insbesondere ein Dreh¬ ofen, um die Homogenität der Mischung zu gewährleisten. Falls keine Mischung vorge- nommen wird, so sind im Allgemeinen längere Schmelzzeiten erforderlich, um ein homoge¬ nes Material zu erhalten. Falls eine Mischung vorgenommen wird, so wird die Homogenität in der Mischung bereits früher erhalten.
Ohne zusätzliches Mischen der Ausgangsmischungen beträgt die Schmelzzeit im Allgemei- nen 2 bis 50 Stunden, insbesondere 30 bis 50 Stunden.
Das Zusammenschmelzen erfolgt im Allgemeinen bei einer Temperatur, bei der mindestens ein Bestandteil der Mischung bereits geschmolzen ist und sich das Material bereits im ge¬ schmolzenen Zustand befindet. Im Allgemeinen beträgt die Schmelztemperatur mindestens 800 0C, vorzugsweise mindestens 950 0C. Üblicherweise liegt die Schmelztemperatur in einem Temperaturbereich von 800 bis 1.100 0C, vorzugsweise 950 bis 1.100 0C.
Nach dem Abkühlen der geschmolzenen Mischung wird das Material bei einer Temperatur von im Allgemeinen mindestens 100 0C, vorzugsweise mindestens 200 0C, niedriger als der Schmelzpunkt des resultierenden Halbleitermaterials geglüht. Üblicherweise beträgt die Glühtemperatur 450 bis 750 0C, vorzugsweise 600 bis 700 0C.
Das Glühen wird während einem Zeitraum von vorzugsweise mindestens 0,5 Stunden, be¬ sonders bevorzugt mindestens 1 Stunde, insbesondere mindestens 2 Stunden, durchgeführt. Üblicherweise beträgt die Glühzeit 0,5 bis 5 Stunden, vorzugsweise 1 bis 3 Stunden. In ei¬ ner Ausführungsform der vorliegenden Erfindung wird das Glühen bei einer Temperatur durchgeführt, welche 100 bis 500 0C niedriger ist als die Schmelztemperatur des resultie¬ renden Halbleitermaterials. Ein bevorzugter Temperaturbereich ist 150 bis 350 0C niedriger als der Schmelzpunkt des resultierenden Halbleitermaterials.
Die Herstellung der erfindungsgemäßen thermoelektrischen Materialien erfolgt im Allge- meinen in einem heizbaren Quarzrohr. Eine Vermischung der beteiligten Komponenten kann durch Verwendung eines dreh- und/oder kippbaren Ofens gewährleistet werden. Nach Vervollständigung der Umsetzung wird der Ofen abgekühlt. Im Anschluss wird das Quarz¬ rohr aus dem Ofen entnommen und das in Form von Blöcken vorliegende Halbleitermaterial in Scheiben geschnitten. Diese Scheiben werden nunmehr in Stücke von ungefähr 1 bis 5 mm Länge geschnitten, woraus thermoelektrischen Module erzeugt werden können.
Anstelle eines Quarzrohres können auch Rohre aus anderen Materialien, beispielsweise aus Tantal, verwendet werden. Dieses ist bevorzugt, da die thermische Leitfähigkeit dieses Ma¬ terials höher ist als diejenige von Quarz.
Anstelle von Rohren können auch andere Behälter geeigneter Form verwendet werden. Auch andere Materialien, beispielsweise Graphit, können als Behältermaterial verwendet werden.
In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung kann das abgekühlte Material bei geeigneter Temperatur gemahlen werden, so dass das erfindungsgemäße Halbleitermaterial in üblichen Partikelgrößen kleiner als 10 μm erhalten wird. Das gemahlene erfindungsge¬ mäße Material wird dann vorzugsweise zu Formteilen verpresst, welche die gewünschte Form haben. Die Rohdichte der dergestalt gepressten Formteile sollte vorzugsweise größer als 50 %, besonders bevorzugt größer als 80 %, als die Rohdichte des Rohmaterials im un- gepressten Zustand sein. Verbindungen, welche die Verdichtung des erfindungsgemäßen
Materials verbessern, können in Mengen von vorzugsweise 0,1 bis 5 Vol.-%, besonders bevorzugt 0,2 bis 2 Vol.-%, jeweils bezogen auf das gepulverte erfindungsgemäße Material, hinzu gegeben werden. Additive, welche zu den erfindungsgemäßen Materialien zugegeben werden, sollten vorzugsweise inert gegenüber dem Halbleitermaterial sein und vorzugswei- se während dem Erwärmen auf Temperaturen unterhalb der Sintertemperatur der erfin¬ dungsgemäßen Materialien, gegebenenfalls unter inerten Bedingungen und/oder Vakuum, sich aus dem erfindungsgemäßen Material herauslösen. Nach dem Pressen werden die ge- pressten Teile vorzugsweise in einen Sinterofen gegeben, in dem sie auf eine Temperatur von vorzugsweise maximal 20 0C unterhalb des Schmelzpunktes erwärmt werden
Die gepressten Teile werden bei einer Temperatur von im Allgemeinen mindestens 100 0C, vorzugsweise mindestens 200 0C, niedriger als der Schmelzpunkt des resultierenden Halb¬ leitermaterials gesintert. Üblicherweise beträgt die Sintertemperatur 350 bis 750 0C, vor¬ zugsweise 600 bis 700 0C.
Das Sintern wird während einem Zeitraum von vorzugsweise mindestens 0,5 Stunden, be¬ sonders bevorzugt mindestens 1 Stunde, insbesondere mindestens 2 Stunden, durchgeführt. Üblichweise beträgt die Glühzeit 0,5 bis 5 Stunden, vorzugsweise 1 bis 3 Stunden. In einer Ausfuhrungsform der vorliegenden Erfindung wird das Sintern bei einer Temperatur durch- geführt, welche 100 bis 600 0C niedriger ist als die Schmelztemperatur des resultierenden Halbleitermaterials. Ein bevorzugter Temperaturbereich ist 150 bis 350 0C niedriger als der Schmelzpunkt des resultierenden Halbleitermaterials. Bevorzugt wird das Sintern unter Wasserstoff oder einer Schutzgasatmosphäre, beispielsweise aus Argon, durchgeführt.
Somit werden die gepressten Teile vorzugsweise auf 95 bis 100 % ihrer theoretischen BuIk- dichte gesintert.
Insgesamt ergibt sich damit als bevorzugte Ausführungsform des vorliegenden erfindungs¬ gemäßen Verfahrens ein Verfahren, welches durch die folgenden Verfahrensschritte ge- kennzeichnet ist:
(1) Zusammenschmelzen von Mischungen der jeweiligen Elementbestandteile oder deren Legierungen der ternären Verbindung;
(2) Mahlen des in Verfahrensschritt (1) erhaltenen Materials; (3) Pressen des in Verfahrensschritt (2) erhaltenen Materials zu Formkörpern und
(4) Sintern der in Verfahrensschritt (3) erhaltenen Formkörper.
Die vorliegende Erfindung betrifft darüber hinaus auch ein p- oder n-leitendes Halbleiterma¬ terial aus einer ternären Verbindung der allgemeinen Formel (I)
PbxGeyTez (I),
wobei die Indizes x, y und z einer der folgenden Verhältnisse entsprechen:
(a) x=l-y;z=l;0,50<y<l;
(b) z=l-y;x=l;0<y<l;
(c) χ = z= l;0<y< 0,5 : (d) 0,8<x<l,2;0<y<0,5;0,8<z≤l,2,
welches gemäß dem zuvor beschriebenen Verfahren hergestellt wird.
Weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist die Verwendung des zuvor beschriebe- nen Halbleitermaterials und des nach dem zuvor beschriebenen Verfahren erhältlichen Halbleitermaterials als thermoelektrischer Generator oder Peltier- Anordnung.
Weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind thermoelektrische Generatoren oder Peltier-Anordnungen, welche das zuvor beschriebene Halbleitermaterial und/oder das nach dem zuvor beschriebenen Verfahren erhältliche Halbleitermaterial enthalten.
Weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung thermo¬ elektrischer Generatoren oder Peltier-Anordnungen, bei denen in Reihe geschaltete thermo- elektrisch aktive Bausteine („legs") mit dünnen Schichten der zuvor beschriebenen thermo- elektrischen Materialien verwendet werden.
In einer ersten Ausführungsform dieses Verfahrens erfolgt die Herstellung der thermoelekt- rischen Generatoren oder Peltier-Anordnungen wie folgt:
Die erfindungsgemäßen Halbleiter gemäß einem ersten Leitungstyp (p- oder n-dotiert) wer¬ den mittels herkömmlicher Halbleiter-Fertigungstechniken, insbesondere CVD, Sputter- Technik oder Molekularstrahlepitaxie, auf einem Substrat aufgetragen.
Auf einem weiteren Substrat werden ebenfalls mittels Sputter-Technik oder Molekularstrah- lepitaxie ebenfalls die erfindungsgemäßen Halbleiter aufgetragen, wobei jedoch der Lei-
tungstyp dieses Halbleitermaterials invers zu dem zuerst verwendeten Halbleitermaterial ist (n- oder p-dotiert).
Die beiden Substrate werden nunmehr sandwichartig aufeinander angeordnet, so dass ther- moelektrisch aktive Bausteine („legs") aus jeweils einem unterschiedlichen Ladungstyp alternierend angeordnet sind.
Die einzelnen thermoelektrisch aktiven Bausteine („legs") haben dabei einen Durchmesser von vorzugsweise kleiner 100 μm, besonders bevorzugt kleiner 50 μm, insbesondere kleiner 20 μm und eine Dicke von vorzugsweise 5 bis 100 μm, besonders bevorzugt 10 bis 50 μm, insbesondere 15 bis 30 μm. Die eingenommene Fläche eines thermoelektrisch aktiven Bau- Steins ist vorzugsweise kleiner als 1 mm , besonders bevorzugt kleiner als 0,5 mm , insbe¬ sondere kleiner als 0,4 mm2.
hi einer zweiten Ausführungsform erfolgt die Herstellung der thermoelektrischen Generato¬ ren oder Peltier-Anordnungen derart, dass durch geeignete Abscheidemethoden, beispiels¬ weise Molekularstrahlepitaxie, alternierend Schichten von erfindungsgemäßen Halbleiter¬ materialien unterschiedlichen Ladungstyps (p- und n-dotiert) auf einem Substrat erzeugt werden. Die Schichtdicke beträgt dabei jeweils vorzugsweise 5 bis 100 nm, besonders be- vorzugt 5 bis 50 nm, insbesondere 5 bis 20 nm.
Die erfindungsgemäßen Halbleitermaterialien können auch nach Methoden zu thermoelekt¬ rischen Generatoren oder Peltier-Anordnungen zusammengefügt werden, welche dem Fach¬ mann an sich bekannt sind und beispielsweise in WO 98/44562, US 5,448,109, EP-A- 1 102 334 oder US 5,439,528 beschrieben sind.
Die erfindungsgemäßen thermoelektrischen Generatoren oder Peltier-Anordnungen erwei¬ tern im Allgemeinen die vorhandene Bandbreite an thermoelektrischen Generatoren und Peltier-Anordnungen. Durch Variation der chemischen Zusammensetzung der thermoelekt- rischen Generatoren oder Peltier-Anordnungen ist es möglich, unterschiedliche Systeme bereitzustellen, welche unterschiedlichen Anforderungen in einer Vielzahl an Anwen¬ dungsmöglichkeiten gerecht werden. Damit erweitern die erfindungsgemäßen thermoelekt¬ rischen Generatoren oder Peltier-Anordnungen das Anwendungsspektrum dieser Systeme.
Die vorliegende Erfindung betrifft auch die Verwendung eines erfindungsgemäßen thermo- elektronischen Generators oder einer erfindungsgemäßen Peltier-Anordnung in einem Wä¬ schetrockner.
Des Weiteren betrifft die vorliegende Erfindung einen Trockner, enthaltend mindestens ei¬ nen erfindungsgemäßen thermoelektrischen Generator oder eine erfindungsgemäße Peltier- Anordnung, über den oder die ein zu trocknendes Material direkt oder indirekt aufgeheizt und über den oder die der bei der Trocknung anfallende Wasser- oder Lösungsmitteldampf direkt oder indirekt abgekühlt wird.
In einer bevorzugten Ausführungsform ist der Trockner ein Wäschetrockner und das zu trocknende Material ist Wäsche.
Die vorliegende Erfindung wird anhand der nachfolgend beschriebenen Beispiele näher erläutert.
Ausführungsbeispiele
Die Thermoenergie wird dadurch bestimmt, dass das zu untersuchende Material zwischen einen heißen und einen kalten Kontakt, welche jeweils elektrisch temperiert werden, gelegt wird, wobei der heiße Kontakt eine Temperatur von 200 bis 300 0C aufweist. Die kalte Seite wird auf Raumtemperatur gehalten, so dass ein ΔT von typischerweise 150 bis 280 0C resul¬ tiert. Die gemessene Spannung bei der jeweiligen Temperaturdifferenz zwischen heißem und kaltem Kontakt liefert den jeweils angegebenen Seebeck- Koeffizienten.
Beispiel 1:
Elementpulver in Mengen gemäß der Formel PbGeo,oiTeo,99, x = 1, y = 0,01 und z = 0,99 werden in ein Quarzrohr eingeführt. Die Gesamtmenge an Material beträgt dabei 17 g.
Das Quarzrohr wird evakuiert, verschlossen und anschließend für 20 Stunden unter Bewe¬ gung in einem Drehofen zum Vermischen auf 1.050 0C erwärmt. Anschließend wird das Quarzrohr in aufrechter Position abgekühlt.
Anstelle des Quarzrohres kann auch jedes andere inerte Material in diesem Schmelzprozess verwendet werden.
Das resultierende Material zeigt keinen Phasenübergang. Der Schmelzpunkt beträgt 928 0C.
Der Seebeck-Koeffizient beträgt -320 bis -342 μV/K bei 300 0C und -330 bis -355 μV/K bei 200 0C auf der heißen Seite.
Beispiel 2:
Das in Beispiel 1 beschriebene Verfahren wurde wiederholt, wobei nunmehr als Probe PbGeo,o3Te mit x= 1 ; y = 0,03 und z = 1 verwendet wird und die Gesamtmenge an Material 16,9 g beträgt.
Das erhaltene thermoelektrische Material weist einen Seebeck-Koeffizienten von -350 bis - 360 μV/K bei 300 0C auf. Der Schmelzpunkt beträgt 920 0C.
Beispiel 3:
Das in Beispiel 1 beschriebene Verfahren wird wiederholt, wobei nunmehr als Probe Pb0^7GeO1O3Te11O2 verwendet wird und die Gesamtmenge an Material 16,8 g beträgt.
Das erhaltene thermoelektrische Material weist einen Seebeck-Koeffizienten von 330 bis 350 μV/K bei 300 0C auf. Der Schmelzpunkt beträgt 925 0C.
Beispiel 4:
Das in Beispiel 1 beschriebene Verfahren wird wiederholt, wobei nunmehr als Probe Pb0197Ge01O3TeI O3 verwendet wird und die Gesamtmenge an Material 16,7 g beträgt.
Das erhaltene thermoelektrische Material weist einen Seebeck-Koeffizienten von 335 bis 342 μV/K bei 300 0C und 257 bis 352 μV/K bei 200 0C auf. Der Schmelzpunkt beträgt 924 0C.
Beispiel 5:
Das in Beispiel 1 beschriebene Verfahren wird wiederholt, wobei nunmehr als Probe PbGeo,o3Te verwendet wird und die Gesamtmenge an Material 10,8 g beträgt.
Das erhaltene thermoelektrische Material wird gemahlen und zu Pressungen mit 7 oder 13 mm Durchmesser verpresst. Die Presslinge werden in einem evakuierten Quarzglasrohr oder unter Schutzgas (Argon) 2 h bei 700 0C gesintert. Es wird nur eine geringe Schrumpfung (< 0,2 %) beobachtet.
Messungen:
Pressung mit 13 mm Durchmesser, Dicke 1,18 mm, m = 1,2683 g (Dichte = 8,10 g/cm3).
Der Seebeck-Koeffizient beträgt im ungesinterten Zustand - 228 μV/K (Theiß = 278 0C) und im gesinterten Zustand - 293 μV/K (Theiß = 270 0C).
Beispiel 6:
Das in Beispiel 5 beschriebene Verfahren wird wiederholt, wobei nunmehr als Probe PbGeo,oiTeo,99 verwendet wird (gesamt 11,6 g).
Das erhaltene thermoelektrische Material wird gemahlen und zu einem Pressung mit 7 mm Durchmesser verpresst. Der Pressung wird in einem evakuierten Quarzglasrohr oder unter Schutzgas (Argon) 2 h bei 700 0C gesintert. Es wird nur eine geringe Schrumpfung (< 0,2 %) beobachtet.
Messung:
Der Seebeck-Koeffizient beträgt im gesinterten Zustand - 316 μV/K (Theiß = 294 0C).
Beispiel 7:
Das in Beispiel 5 und 6 beschriebene Verfahren wird wiederholt, wobei nunmehr als Probe Pb0^7GeO1O3Te]1O3 verwendet wird (gesamt 12,3 g).
Das erhaltene thermoelektrische Material wird gemahlen und zu einem Pressung mit 13 mm Durchmesser verpresst. Der Pressung wird in einem evakuierten Quarzglasrohr oder unter Schutzgas (Argon) 2 h bei 700 0C gesintert. Es wird nur eine geringe Schrumpfung (< 0,2 %) beobachtet.
Messung:
Der Seebeck-Koeffizient beträgt im gesinterten Zustand + 346 μV/K (Theiß = 251 0C).