F a h r z e u g s i t z
Die vorliegende Erfindung betrifft einen Fahrzeugsitz zur Verwendung in allen Arten von Fahrzeugen.
Das Sitzen auf normalen Fahrzeugsitzen, beispielsweise in serienmäßig aus¬ gestatteten Autos, kann besonders auf längeren Fahrten und nach körperli¬ chen Anstrengungen vor der Fahrt, bei hohen Temperaturen und/oder ho¬ her Luftfeuchtigkeit unangenehm werden. Da keine Luft zwischen dem Körper und dem Fahrzeugsitz zirkulieren kann, beginnt der Körper dort be¬ sonders zu schwitzen. Dadurch sammelt sich Feuchtigkeit im Körperkon¬ taktbereich an, und auch die Temperatur in diesem Bereich steigt an. Dieser Effekt ist nicht nur unangenehm sondern kann auch zur Ermüdung des Fah¬ rers führen.
Daher wurde beispielsweise in der U.S. Patentanmeldung Nr. US 2002/0003362 Al ein Fahrzeugsitz vorgeschlagen, welcher eine Belüftung der Körperkontaktflächen mittels Öffnungen in der Sitzfläche und der Lehne vorsieht, durch welche Luft auf den Körper geleitet wird. Dabei wird der Schweiß jedoch nur teilweise getrocknet, da die meisten Öffnungen während des Sitzens durch den Körper verschlossen werden, so dass aus diesen keine Luft austreten kann. Je mehr Öffnungen verschlossen sind, desto stärker wird die Luftströmung durch die übrigen Öffnungen. Die aus den übrigen Öffnungen z.B. zwischen den Beinen hindurch strömende Luft wird von manchen Personen als unangenehm empfunden. Die Ansammlung von Feuchtigkeit im Körperkontaktbereich wird somit nur geringfügig vermie¬ den, und es besteht weiterhin eine schlechte Zirkulation der Luft zwischen Körper und Fahrzeugsitz. Folglich steigt auch weiterhin die Temperatur in den Körperkontaktbereichen mit der Zeit an.
Daher ist es Aufgabe der Erfindung, einen Fahrzeugsitz mit einer verbesser¬ ten Entfeuchtung und gleichzeitigen Kühlung für eine auf dem Fahrzeugsitz sitzende Person bereitzustellen.
Die Aufgabe wird mit einem Fahrzeugsitz mit den Merkmalen des unabhän¬ gigen Anspruchs gelöst. In davon abhängigen Ansprüchen sind vorteilhafte Weiterbildungen und Ausgestaltungen der Erfindung angegeben.
Ein erfindungsgemäßer Fahrzeugsitz umfasst ein Sitzelement, bei dem un- terhalb einer außenliegenden, wasserdampfdurchlässigen Sitzbezugschicht ein Polsterelement und ein luftdurchlässiger Abstandshalter zwischen dem Sitzbezug und dem Polsterelement angeordnet sind. In diesem Zusammen¬ hang betrifft das nachfolgend beschriebene Sitzelement nicht nur den Sitzbe¬ reich eines Sitzes sondern auch die Rückenlehne oder sonstige Elemente ei- ner mehrteiligen Sitzkonstruktion. Als zentrale Bereiche werden Bereiche bezeichnet, in denen der Körper eines durchschnittlich gebauten Menschen den Fahrzeugsitz berührt ("Körperkontaktbereiche"). Diese zentralen Berei¬ che sind luftundurchlässig und wasserdampfdurchlässig, indem z.B. entwe¬ der der Sitzbezug selbst ein extrem dichtes Gewebe umfasst oder indem vor- zugsweise unter dem Sitzbezug eine luftundurchlässige, wasserdampfdurch¬ lässige Schicht angeordnet ist. Das Sitzelement besitzt neben dem zentralen Bereich mindestens einen Randbereich. Wird beispielsweise der Sitzbereich eines Fahrzeugsitzes betrachtet, werden die Seitenwangen oder der vordere Kantenbereich des Sitzes als Randbereiche bezeichnet. Die Randbereiche werden gewöhnlicherweise von der auf dem Sitz sitzenden Person nicht be¬ rührt und besitzen vorteilhafterweise eine luftdurchlässige Sitzbezugschicht.
Die Luftdurchlässigkeit von Flächengebilden wird nach der europäischen - Norm EN ISO 9237 (1955) bestimmt und in l/m2/s angegeben. Im Zusam-
menhang mit der Erfindung ist die Luftrundurchlässigkeit durch einen Wert < 0,1 l/m2 s Pa definiert. Dadurch ist es möglich in den Körperkontaktberei¬ chen unterhalb des Sitzbezugs einen ersten Luftstrom parallel zum Sitzbezug zu führen, ohne dass diese von der auf dem Sitz sitzende Person wahrge- nommen wird. In den Randbereichen des Fahrzeugsitzes kann dagegen Luft nach außen durch den Sitzbezug hindurch geleitet werden.
Wichtigste Voraussetzung ist jedoch, dass Feuchtigkeit, z.B. Schweiß, durch den Sitzbezug hindurch treten kann. Bei Textilbezügen ist dies ohne weiteres gewährleistet, da Textilbezüge für Feuchtigkeit wie ein Docht wirken. Stan- dardlederautositzbezüge sind nicht oder kaum atmungsaktiv, d.h. sie kön¬ nen bestenfalls nur minimale Mengen Wasserdampf abführen. Es gibt aber auch atmungsaktive Leder, welche ohne Perforierung ausreichend feuchtig¬ keitsdurchlässig sind und daher für Sitzbezüge verwendet werden können. Anstelle von dampfdurchlässigen Lederbezügen kann selbstverständlich auch perforiertes Leder oder Alcantara für den Sitzbezug verwendet wer¬ den.
Handelt es sich um einen Lederbezug, so ist dessen Außenseite üblicherwei- se mit einer Schutzschicht weitgehend versiegelt. Die Feuchtigkeitsdurchläs¬ sigkeit eines ledernen Sitzbezugs hängt daher im wesentlichen von den Was¬ serdampftransporteigenschaften der Schutzschicht ab. Für die Zwecke der vorliegenden Erfindung sollte der Lederbezug vorzugsweise einen MVTR- Wert (nach DIN 53 333) von größer 10 mg/cm2 h haben. Besonders bevor- zugt sind atmungsaktive Leder mit einem MVTR- Wert von mehr als 12 mg /cm2 h. Solche Leder sind beispielsweise bei der Lederfabrik Vo gl in Ma t- tighofen/ Österreich erhältlich. Im Falle eines nicht atmungsaktiven, insbe¬ sondere vollversiegelten Lederbezugs kommt auch eine Makro- oder Mikro- perforation des Bezugs in Betracht. Unter mikroperforiertem Leder ist ein
Leder mit üblicherweise in einem Nadelungsprozeß erzeugten Poren mit einem Porendurchmesser von 80 μm bis 100 μτn zu verstehen. Übliche mik- roperforierte Leder mit einer Dicke zwischen 1,9 mm und 2,5 mm erzielen einen MVTR-Wert zwischen 2 und 6 mg/cm2 h, was für die Zwecke der Er- findung allerdings nicht befriedigend ist. Makroperforierte Leder, bei denen die Löcher sichtbar sind, erzielen je nach Lochdichte und Lochgröße MVTR- Werte von > 10 mg/ cm2 h und sind daher für die Zwecke der Erfindung ge¬ eigneter.
Sammelt sich nun Feuchtigkeit in Form von Schweiß zwischen dem Körper der auf dem Sitz sitzenden Person und dem Fahrzeugsitz an ("Körperkon¬ taktflächen"), wird diese aufgrund einer Partialdruckdifferenz durch den wasserdampfdurchlässigen Sitzbezug hindurch vom Körper weg geleitet und gelangt zum Abstandshalter. Dort wird die Feuchtigkeit durch den pa- rallel zum Sitzbezug verlaufenden ersten Luftstrom erfasst und abtranspor¬ tiert, wodurch eine Entfeuchtung und Kühlung in den Körperkontaktberei¬ chen erfolgt. Dabei definieren der Sitzbezug auf der einen Seite des Ab¬ standshalters und das luftundurchlässige Polster auf der anderen Seite einen Luftleitkanal für die durch den Abstandshalter hindurch geführte Luft. Der Abstandshalter ist derart ausgebildet, dass der erste Luftstrom in dem Ab¬ standshalter in einer Richtung parallel zum Sitzbezug bei einem Druckgefäl¬ le zwischen 10 und 50 Pa über eine Strecke von 40 cm eine Geschwindigkeit zwischen 10 und 100 cm/s, vorzugsweise zwischen 20 und 70 cm/s, besitzt. In der überwiegenden Mehrzahl der Fahrsituationen brauchen jedoch nur viel geringere Feuchtemengen abtransportiert zu werden, so dass die Luftge¬ schwindigkeiten zu den meisten Zeiten tatsächlich wesentlich niedriger lie¬ gen. Um die mit der Luftstromerzeugung verbundene Geräuschentwicklung der Lüfter zeitlich zu begrenzen, ist es zweckmäßig, eine Sitztemperaturrege¬ lung analog zur Innentemperaturregelung moderner Fahrzeugklimaanlagen
vorzusehen. Hierbei wird z.B. vom Benutzer eine gewünschte Sitztempera¬ tur vorgewählt, die dann durch automatische stufenlose Regelung der Lüfter nach kurzer Zeit erreicht wird. Durch die Entfeuchtung und Wärmeleitung wird die Temperatur an den Körperkontaktflächen abgesenkt, was unmittel- bar als angenehmer Effekt durch die Person wahrgenommen wird. Durch Anordnung des Abstandshalters direkt unterhalb des Sitzbezugs entstehen kurze Diffusionswege für die Feuchtigkeit und eine gute Wärmeleitung.
Der erfindungsgemäße Sitz kombiniert diesen ersten Luftstrom mit einem zweiten Luftstrom, der aus den Randbereichen des Sitzes austritt. Dadurch, dass der zweite Luftstrom in Randbereichen des Sitzes aus dem Sitzbezug herausströmt, wird ein zusätzlicher Kühleffekt erzeugt, den die Person so¬ fort wahrnimmt. Damit dieser zweite Luftstrom nicht zu unangenehmen Zugerscheinungen führt, die von Person zu Person unterschiedlich empfun- den werden, kann er vorzugsweise über eine geeignete Steuerung individu¬ ell vermindert oder ganz abgeschaltet werden. Überraschender Weise hat sich gezeigt, dass erst durch die Kombination der beiden vorbeschriebenen Funktionalitäten ein deutlich verbesserter Sitzkomfort, der sofort spürbar ist, erzielt wird. Desweiteren besitzt ein solcher Fahrzeugsitz einen einfachen Aufbau und ist in einfacher Weise in ein Sitz- und Lehnenelement integrier¬ bar.
In einer besonders bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung umfasst der zentrale Bereich des Fahrzeugsitzes eine separate, zwischen dem Abstands- halter und dem Sitzbezug angeordnete wasserdampfdurchlässige, luftun¬ durchlässige Schicht. Geeignete Materialien für die luftundurchlässige, was¬ serdampfdurchlässige Schicht sind insbesondere Polyurethan (PUR), Po¬ lypropylen und Polyester, einschließlich Polyetherester und deren Laminate> wie sie in den Druckschriften US-A-4,725,418 und US-A-4,493,870 beschrie-
ben sind. Besonders bevorzugt wird jedoch gerecktes mikroporöses Polytet- rafluorethylen (ePTFE), wie es beispielsweise in den Druckschriften US-A- 3,953,566 sowie US-A-4,187,390 beschrieben ist. Diese Schicht kann dabei ein Textil oder eine Membran bzw. ein Membranlaminat sein, wobei die Memb- ran vorteilhafterweise z.B. mikroporös (z.B. ePTFE) oder monolithisch (z.B. PUR) ist. Ist die eingesetzte Membran eine mikroporöse Membran aus ge¬ recktem Polytetrafluorethylen (ePTFE), besitzt sie vorzugsweise eine Dicke zwischen 10 und 150 /im und eine Porosität zwischen 70 und 85 %. Unter einer mikroporösen Schicht wird eine Schicht verstanden, deren durch- schnittliche Porengröße zwischen etwa 0,1 μm und etwa 2,0 μm liegt. Die
Porengröße kann mit dem Coulter Porometer (Markenname) gemessen wer¬ den, das von der Coulter Electronics, Inc., Hialeath, Florida, USA, hergestellt wird.
Des weiteren weist die mikroporöse Membran einen RET- Wert zwischen 4,0 und 6,0 m2 Pa/W auf. Der RET-Wertidefiniert als spezifische Materialeigen¬ schaft von textilen Flächengebilden und sonstigen textilen Materialaufbauten deren Wasserdampfdurchgangswiderstand. Dabei wird der latente Ver- dampfungswärmefluss durch eine gegebene Fläche infolge eines bestehen- den stationären Partialdrucks bestimmt. Der RET-Wert wird mittels dem
Hohenstein-Hautmodellversuch ermittelt, der in der Standard-Prüfvorschrift Ne. BPI 1.4 vom September 1987 des Bekleidungsphysiologischen Instituts e.V. Hohenstein beschrieben wird.
Der erste Luftstrom im Abstandshalter wird vorzugsweise mit mindestens einer Gebläseeinrichtung erzeugt. Beispielsweise können als Gebläseeinrich¬ tung von der Firma Papst speziell für den Fahrzeugbereich entwickelte Axi¬ al- bzw. Radiallüfter verwendet werden. Für diesen Luftstrom im Abstands¬ halter genügt eine Gebläseeinrichtung mit geringer Leistung, beispielsweise
0,5 bis 2 W. Sie kann über die Fahrzeugbatterie betrieben werden, auch wenn der Motor ausgeschaltet ist. Die Gebläseeinrichtung kann sich beispielsweise automatisch einschalten, wenn das Fahrzeug entriegelt wird. Eine Aktivie¬ rung durch Fernsteuerung oder Zeitschaltung ist ebenfalls möglich. Auch eine Taktung der Gebläseeinrichtung kann sinnvoll sein, wobei die Frequenz des Takts und die Zeit der Kühlung pro Takt abhängig von der Sitztempera¬ tur automatisch eingestellt werden kann.
Für die Randbereiche des Fahrzeugsitzes, normalerweise ohne Körperkon- takt, werden zweckmäßigerweise etwas stärkere Gebläseeinrichtungen ein¬ gesetzt, beispielsweise mit 2 bis 5 W, um einen ausreichenden zweiten Luft¬ strom zu erzeugen, welcher durch die Sitzbezugschicht hindurch nach außen geblasen wird. Dabei hat der Luftstrom im Randbereich bei einem Druckge¬ fälle zwischen 30 und 100 Pa eine Geschwindigkeit zwischen 5 cm/s und 1 m/s. Die Sitzbezugschicht in den Randbereichen ist luftdurchlässig, wobei im Zusammenhang mit der Erfindung der Luftdurchlässigkeitswert größer 0,1 l/m2 s Pa, bevorzugt > 0,5 l/m2 s Pa, ist. Vorzugsweise ist diese Gebläse¬ einrichtung individuell einstellbar, um den Luftstrom den Gegebenheiten und Vorlieben anpassen zu können. Dabei kann die Gebläseeinrichtung für diesen Bereich bei Bedarf auch vollständig abgeschaltet werden, wodurch die auf dem Sitz sitzende Person zwischen "kein Luftzug" und "direkte Luft¬ strömung" wählen kann.
Die Gebläseeinrichtungen sollten derart angeordnet sein, dass sie Luft aus Bodennähe ansaugen, da dort die Luft kühler ist. Vorzugsweise sind die Ge¬ bläseeinrichtungen in der Nähe der Lüftungsausgänge des Fahrzeugs vorge¬ sehen, die sich beispielsweise unterhalb des Sitzes befinden, so dass aus die¬ sen Ausgängen austretende, bei Einsatz einer Klimaanlage gekühlte und tro¬ ckene Luft angesaugt wird. Alternativ kann der erfindungsgemäße Fahr-
zeugsitz direkt an die Klimaanlage angeschlossen werden. In diesem Fall kann auf die separaten Gebläseeinrichtungen des Fahrzeugsitzes verzichtet werden und eine auf dem Sitz sitzende Person kann sich in den Bereichen ohne Körperkontakt über die Klimaanlage des Fahrzeugs mit kalter Luft umströmen lassen. Die von den Gebläseeinrichtungen angesaugte Luft kann auch über eine separate Kühleinrichtung/ z.B. ein Peltierelement, vor gekühlt werden.
Dabei wird in jedem der beschriebenen Fälle die Luft, welche unterhalb der Körperkontaktbereiche entlang strömt, in einem oder mehreren Bereichen abgeführt, die vom Ansaugbereich der Gebläseeinrichtungen ausreichend entfernt sind, um dadurch das Ansaugen der abgeführten Luft zu vermei¬ den, die aufgewärmt ist und die von den Körperkontaktflächen abgeführte Feuchtigkeit enthält.
Gemäß einer besonderen Ausgestaltung ist eine gemeinsame Gebläseeinrich¬ tung zur Erzeugung beider Luftströmungen vorgesehen. In diesem Fall kann der in den Bereichen ohne Körperkontakt durch den Sitzbezug hindurch¬ strömende Luftstrom vorteilhafterweise über ein Ventil individuell einge- stellt werden.
Des weiteren können der erste und zweite Luftstrom durch eine gemeinsame Gebläseeinrichtung erzeugt werden. D.h., die Luft strömt z.B. von der Mitte des zentralen Sitzbereichs parallel entlang des Sitzbezugs in die Randberei- che, um dann durch die luftdurchlässige Sitzbezugschicht der Randbereiche nach außen zu strömen. Dabei kann der mittels dieser Gebläseeinrichtung erzeugte Luftstrom in dem Abstandhalter eine sehr hohe Geschwindigkeit besitzen, da die auf dem Sitz sitzende Person den Luftstrom unterhalb des • Sitzbezugs nicht spüren kann, wenn, wie bevorzugt, eine luftundurchlässige
Schicht (z.B. eine Membran) zwischen der äußeren Sitzbezugschicht und dem Abstandshalter angeordnet ist.
Als Abstandshalter zwischen Sitzbezug und Polster kann jede flächige, offe- ne Struktur verwendet werden, die einerseits eine Durchströmung zur Ablei¬ tung von durch den Sitzbezug hindurchtretendem Wasserdampf ermöglicht und die andererseits ausreichend flexibel und dennoch druckstabil ist, so dass sie auch unter dem Gewicht einer auf ihr lastenden Person nicht kolla¬ biert. Geeignet sind insbesondere dreidimensionale Textilien, beispielsweise Gewebe, Gestricke oder Gewirke aus Kunststofffasern. Es können aber auch Gewebe, Gestricke oder Gewirke aus Metallfasern eingesetzt werden. Ist zwischen dem Abstandshalter und dem Sitzbezug beispielsweise eine Mem¬ bran angeordnet, kann diese mit der Oberfläche des Abstandshalters fest verbunden sein, beispielsweise vernäht oder verklebt.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist der Ab¬ standshalter ein dreidimensionales Abstandsgewirk mit zwei äußeren, luft¬ durchlässigen Schichten. Dazwischen sind Elemente angeordnet, welche die zwei äußeren Schichten in vertikaler Richtung verbinden und auf Abstand halten. Zumindest die dem Sitzbezug zugewandte äußere Schicht besteht aus zueinander benachbarten Garnen, wobei jeweils unmittelbar benachbarte Garne in horizontaler Richtung punktuell miteinander verbunden sind. Die Elemente zwischen den äußeren Schichten verlaufen mäanderartig zwischen den zwei Schichten und sind abwechselnd mit der einen und der anderen äußeren Schicht verbunden.
Das Abstandsgewirk ist vorzugsweise flexibel und besteht aus Polyester, Polyamid, Polypropylen und/oder Polyethylen. Es ist ein formstabiles drei-' dimensionales Fasergewirk, das auch als "3D-mesh" bekannt ist. Beispiels-
weise kann der Artikel mit der Nr. 5911 oder 5556 von Firma Müller Textil in 51674 Wiehl-Drabenderhöhe, Deutschland verwendet werden. Der Aufbau des Abstandsgewirks ist sehr einfach gestaltet. Desweiteren bietet ein solches Abstandsgewirk ausreichend Flexibilität für ein komfortables Sitzgefühl und ausreichend Druckstabilität für eine hohe Lebensdauer. Durch den einfachen Aufbau ist es sehr gut zu den meisten Sitzbezügen kompatibel.
Die Membran und das Abstandsgewirk sind vorzugsweise kaschiert. Um ein Durchdrücken der Abstandshalterstruktur auf den Sitzbezug zu verhindern, kann ein weiteres, zwischen dem Abstandsgewirk und dem Sitzbezug lie¬ gendes, feineres Abstandsgewebe, beispielsweise ein Vlies, vorgesehen sein. Das Vlies besteht vorzugsweise aus Wolle oder Kunstfasern bzw. einer Mi¬ schung aus beiden. Um weiterhin ein zuverlässiges Abtransportieren der Feuchtigkeit zu gewährleisten, wird das Vlies so dünn wie möglich und so dick wie nötig bestimmt. Da dieses Vlies sehr dünn sein kann, ist der Feuch¬ tigkeitstransport ins Abstandsgewirk nicht wesentlich behindert. Dadurch kann die Feuchtigkeit weiterhin bis in das Abstandsgewirk vordringen und von dort abtransportiert werden. Ein weiterer Vorteil des zusätzlichen Vlies besteht darin, dass der Sitzkomiort des erfindungsgemäßen Fahrzeugsitzes weiter erhöht wird.
Zusätzlich kann im Vlies eine Sitzheizung integriert sein. Dafür kann z.B. ein Netzwerk aus leitfähigem Material, z.B. Carbon, Metall oder Kunststofffa¬ sern, im Vlies vorgesehen sein, die vorzugsweise flach und beispielsweise 3 mm breit sind. In Bereichen zwischen den Heizdrähten kann das Vlies Aus¬ sparungen besitzen, um den Wasserdampftransport möglichst wenig zu be¬ hindern.
Nachfolgend wird die Erfindung beispielhaft anhand der begleitenden Zeichnungen erläutert. Darin zeigen:
Figur 1 einen Fahrzeugsitz mit einem Sitzelement und einem Lehnen- element in Draufsicht;
Figur 2 eine detaillierte/ schematische Ansicht des Aufbaus eines Kör¬ perkontaktbereichs des Sitzelements aus Figur 1 im Querschnitt;
Figur 3 A eine detaillierte, schematische Ansicht des gesamten Sitzele¬ ments aus Figur 1 im Querschnitt bestehend aus einem Körperkontaktbe¬ reich und zwei Wangenbereichen und einem Luftungsausgang unterhalb des Bodens;
Figur 3B eine detaillierte/ schematische Ansicht des gesamten Sitzelements aus Figur 1 im Querschnitt bestehend aus einem Körperkontaktbereich und zwei Wangenbereichen/ wobei ein Wangenbereich und der Körperkontakt¬ bereich eine gemeinsame Gebläseeinrichtung besitzen;
Figur 4 ein Abstandsgewirk im Querschnitt;
Figur 1 zeigt einen Fahrzeugsitz 1 in Draufsicht, der aus einem Sitzelement 2 und einem Lehnenelement 3 besteht, deren Aufbau nachfolgend in Bezug auf Figuren 2 und 3 genauer beschrieben wird. Nachfolgend wird die Erfin- düng lediglich anhand des Sitzelements 2 beschrieben, da das Lehnenele¬ ment zumindest in seinem zentralen Bereich prinzipiell den identischen Aufbau mit der identischen Wirkung besitzt. Das Sitzelement 2 besitzt einen zentralen Bereich 2a, der nachfolgend als Körperkontaktbereich bezeichnet ' wird, da, wenn eine durchschnittliche Person auf dem Sitz sitzt, in etwa die-
ser Bereich mit dem Körper in Kontakt kommt. Der tatsächliche Körperkon¬ taktbereich hängt von jeder Person individuell ab und ist in Figur 1 beispiel¬ haft als schraffierter Bereich angedeutet.
Das Sitzelement 2 umf asst im dargestellten Ausfuhrungsbeispiel des weite¬ ren drei Randbereiche 2b, 2c, die üblicherweise keine Körperkontaktbereiche (seitliche Wangen 2b) oder zumindest Bereich mit geringem Körperkontakt (vordere Oberschenkelstütze 2c) sind. Dabei sind die Körperkontaktbereiche 2a des Sitzelements 2 derart ausgebildet, dass darunter ein erster Luftstrom 50 in Richtung parallel zu dem außenliegenden Sitzbezug hindurdtführbar ist, wobei der erste Luftstrom 50 jedoch in den Körperkontaktbereichen nicht nach außen durchdringen kann, damit sie von einer auf dem Sitz sitzenden Person nicht wahrnehmbar ist. Der erste Luftstrom 50 kann beispielsweise durch eine Öffnung 19 in den zentralen Bereich geleitet und durch einen Of f- nung 20 aus dem Bereich abgeleitet werden. Die Anordnung der Luftein- und auslasse kann auch anders gewählt werden. Nur in den Randbereichen ist ein zweiter Luftstrom 60 nach außen durch den Sitzbezug hindurch er¬ zeugbar.
Figur 2 zeigt nun den detaillierten Aufbau des Körperkontaktbereichs 2a des Sitzelements 2 aus Figur 1 im Querschnitt. Von oben nach unten aufgezählt besitzt der Körperkontaktbereich 2a folgenden Schichtaufbau: eine zumin¬ dest wasserdampfdurchlässige Sitzbezugschicht 4, eine wasserdampfdurch¬ lässige, luftundurchlässige Schicht 5, ein dreidimensionales Abstandsgewirk 6 und ein Polsterelement 7. Setzt sich eine Person auf den Fahrzeugsitz 1, bildet sich mit der Zeit Feuchtigkeit im Körperkontakbereich 2a. Die Kombi¬ nation aus der Sitzbezugschicht 4 und der wasserdampfdurchlässigen, luf- tundruchlässigen Schicht 5 wird nachfolgend als Sitzbezug 30 bezeichnet. ' Desweiteren steigt die Temperatur im zentralen Bereich mit der Zeit an. Die
Feuchtigkeit gelangt durch die Sitzbezugschicht 4 und die wasserdampf¬ durchlässige Schicht 5 hindurch in das Abstandsgewirk 6, was in Figur 2 mit den dickeren, gestrichelten Pfeilen dargestellt ist.
Durch das Abstandsgewirk 6 wird aktiv Luft hindurch geströmt, um die Ab¬ leitung von durch den Sitzbezug 30 hindurch tretenden Wasserdampf zu ermöglichen. Dadurch wird die Partialdruckdifferenz als Triebkraft für den Wasserdampftransport zwischen Sitzoberfläche und Luftkanal maximal gehalten. Mit seiner Rückseite grenzt das Abstandsgewirk 6 an das Polster 7 an, das beispielsweise ein geschlossenzelliger Schaumkern ist. Der durch das Abstandsgewirk 6 geleitete erste Luftstrom 50, der in Figur 2 durch die dün¬ neren Pfeile dargestellt wird, wird daher im wesentlichen parallel zwischen der luftundurchlässigen Schicht 5 und dem geschlossenzelligen Polster zwangsgeführt.
Als Material für die wasserdampfdurchlässige Sitzbezugschicht 4 kann at¬ mungsaktives Leder, perforiertes Leder, Mikrofasern wie Alcantara oder ein gewebter Textilbezug verwendet werden. Die Sitzbezugschicht 4 sollte vor¬ zugsweise einen RET- Wert von 5 bis 20 m2Pa/W besitzen.
Als wasserdampfdurchlässige, luftundurchlässige Schicht 5 kann beispiels¬ weise eine mikroporöse oder monolithische Membran oder Laminate aus z.B. Polyurethan, Polypropylen und Polyester, einschließlich Polyetherester, eingesetzt werden. Eine solche Membran 5 ist im Vergleich zur Sitzbezug- Schicht 4 relativ dünn und kann im Falle einer mikroporösen Membran aus gerecktem Polytetrafluorethylen (ePTFE) eine Dicke zwischen 10 und 150 μm und eine Porosität zwischen 70 und 85 % besitzen.
AIs Abstandsgewirk 6 kommt jede offene Struktur in Betracht die einerseits flexibel ist, um dem Sitz 1 einen angenehmen Sitzkomfort zu verleihen, die sich aber andererseits unter Druckeinwirkung nicht vollständig zusammen¬ drücken lässt so dass eine Durchlüftung des Abstandsgewirks 6 unter allen Umständen gewährleistet bleibt. Das Abstandgewirk besitzt eine Dicke zwi¬ schen 2 und 20 mm, vorzugsweise zwischen 5 und 12 mm, besonders bevor¬ zugt von etwa 10 mm. Ein besonders bevorzugtes Abstandsgewirk wird nachfolgend anhand der Figur 4 beschrieben.
Figur 3A zeigt eine detaillierte Ansicht des gesamten Sitzelements 1 aus Fi¬ gur 1 im Querschnitt, bestehend aus dem zentralen Körperkontaktbereich 2a und zwei Wangenbereichen 2b. Der notwendige erste Luftdurchsatz 50 durch das Abstandsgewirk 6 zur Entfeuchtung des Fahrzeugsitzes 1, der durch die dünneren Pfeile dargestellt ist, ist gering. Daher reicht eine einfa- che Gebläseeinrichtung 8 mit geringer Leistung aus, beispielsweise ein Venti¬ lator mit einer Leistung zwischen 0,5 und 2 W, um die Feuchtigkeit im Abstandgewirk 6 abzutransportieren. Dabei kann der Ventilator 8 direkt o- der indirekt mit dem Belüftungssystem bzw. der Klimaanlage des Fahrzeugs verbunden sein. Der Schichtaufbau der Wangenbereiche 2b ist im Prinzip identisch zu dem des Körperkontaktbereichs 2a, jedoch ist die Sitzbezug¬ schicht 40 auf jeden Fall luftdurchlässig und unterhalb der Sitzbezugsschicht 40 ist insbesondere keine wasserdampf durchlässige, luftundurchlässige Schicht 5 angeordnet, so dass der zweite Luftstrom 60 aus dem Abstandsge¬ wirk 6 nach außen hindurch treten kann.
Vorzugsweise ist in den Wangenbereichen 2b nur in den Bereichen des Ge¬ bläses eine Vliesschicht (nicht gezeigt) zwischen dem Sitzbezug 40 des Randbereichs und dem Abstandsgewirk 6 vorgesehen. Diese zusätzliche Vliesschicht dient als Prallschicht für den von den Ventilatoren erzeugte
zweiten Luftstrom 60 und unterstützt eine gleichmäßige Luftverteilung, da¬ mit die Luft nicht nur in den Bereichen der Gebläseeinrichtungen durch den Sitzbezug 40 geströmt wird. Durch die Wangenbereiche 2b des Fahrzeugsit¬ zes 1, welche im Sinne der Erfindung keine Körperkontaktbereiche sind, kann daher über die gesamte Fläche ein zweiter Luftstrom 60 nach außen durch den Sitzbezug 40 hindurch geblasen werden. Dafür werden vorzugs¬ weise Gebläseeinrichtungen 9 mit mehr Leistung eingesetzt, beispielsweise Ventilatoren mit einer Leistung zwischen 2 und 5 W, die dann, wie aus einer Zusammenschau der Figuren 1 und 3 zu sehen ist, unterhalb der Wangenbe- reiche 2b des Lehnenelements 3 angeordnet sein können. Besonders bevor¬ zugt werden für diese Bereiche individuell einstellbare Ventilatoren einge¬ setzt, um die durch die Randbereiche 2b, 2c geblasene Luft entsprechend steuern zu können.
Unterhalb des in Figur 3A gezeigten Sitzelements ist der Fahrzeugboden 21 angedeutet. Im Bereich unterhalb der Gebläseeinrichtungen 8 und 9 ist ein Lüfterausgang 22 der Fahrzeuglüftung vorgesehen. Vorteilhafterweise wird hauptsächlich die aus dem Ausgang 22 austretende Luft durch die Ventilato¬ ren angesaugt und dem Fahrzeugsitz zugeführt. Des weiteren kann wie in Figur 3A gezeigt eine Trennwand 25 unterhalb des Fahrzeugsitzes vorgese¬ hen sein, um den Bereich, in dem Luft angesaugt wird, und den Bereich, in dem die unter der Sitzfläche entlang transportierte Luft aus der Öffnung 20 abgelassen wird, voneinander zu trennen. Dadurch wird vermieden, dass die Gebläseeinrichtungen 8 und 9 erwärmte und feuchte Luft ansaugen.
Figur 3B zeigt eine weitere Ausführungsform des erfindungsgemäßen Fahr¬ zeugsitzes. Darin besitzen ein Wangenbereich 2b und der Körperkontaktbe¬ reich 2a eine gemeinsame Gebläseeinrichtung 23. Die von der Einrichtung 23 angesaugte Luft wird durch die Öffnung 19 in das Abstandsgewirk 6 und
entlang des Körperkontaktbereichs geleitet, bevor sie durch die Öffnung 20 abgelassen wird. Außerdem wird die von der Gebläseeinrichtung 23 ange¬ saugte Luft den Bereichen ohne Körperkontakt über ein Ventil 24 zugeführt. Dabei kann der Luftstrom über das Ventil individuell eingestellt werden.
Figur 4 zeigt schematisch einen Querschnitt des bevorzugten Abstandsge¬ wirks 6. Von den zwei äußeren Schichten 12 besitzt zumindest eine ein luft¬ durchlässiges, flächiges Lochmuster (nicht gezeigt) durch welches die am Sitzbezug gebildete Feuchtigkeit hindurch treten und die im Abstandsge- wirk 6 geleitete Luft unmittelbar mit der Rückseite der Sitzbezugschicht 4 oder der dazwischenliegenden Schicht 5 in Kontakt kommen kann. Diese der Sitzbezugschicht 4 zugewandte Schicht 12 ist bevorzugt wenig strukturiert und besonders feinmaschig ausgebildet. Sie dient vorallem als Komfort- schicht. Die zwei Schichten 12 werden durch Polfäden 13 verbunden und auf Abstand gehalten, welche mäanderartig zwischen den Schichten 12 verlau¬ fen und abwechselnd mit der einen und der anderen äußeren Schicht 12 ver¬ bunden sind. Die Schichten 12, deren Aufbau unterschiedlich sein kann, die¬ nen als Stützgewebe zur Fixierung der Polfäden 13.
Der zwischen den zwei äußeren Schichten 12 des Abstandsgewirks 6 gebil¬ dete Kanal besitzt eine Querschnittfläche von z.B. 30 cm2. Um die erforderli¬ che Geschwindigkeit des ersten Luftstroms 50 unterhalb des zentralen Be¬ reichs mit Körperkontakt zu berechnen, wird eine durchschnittliche Körper¬ kontaktfläche von 0,28 m2 angenommen und eine maximale Schweißrate von 100 g/m2 h festgelegt. Multipliziert man diese beiden Werte erhält man eine Schwitzrate im Sitz von 28 g/h. Die Luftfeuchtigkeit beträgt am Kanalein¬ gang z.B. 35% und am Kanalausgang z.B. 50%, wobei die Temperatur als konstant angenommen wird. Der Feuchtegehalt der Luft besitzt zwischen ■ Eintritt und Austritt des Kanals unter diesen Bedingungen einen Unter-
schied von ca. 3,0 g/m3. Aus der Schwitzrate und dem Feuchtigkeitsunter¬ schied ergibt sich ein erforderlicher Luftstrom im Kanal von 9,3 m3/h, also 2,6 l/s. Daraus resultiert eine erforderliche Luftströmungsgeschwindigkeit von 0,86 m/s im Kanal. Die beispielhaft berechnete Luftströmungsge- schwindigkeit liegt durch die konservativen Annahmen bewußt hoch. In der Praxis sind für die meisten Zeiten auch geringere Geschwindigkeiten ausrei¬ chend, da so hohe Schwitzraten nur für eine begrenzte Zeit erreicht werden. Des weiteren puffert der Sitzbezug die Feuchtigkeit für eine gewisse Zeit, wodurch sich der Abtransport der Feuchtigkeit auf einen längeren Zeitraum verteilt.