Schließzylinder
Die Erfindung betrifft einen Schließzylinder bestehend aus einem Zylindergehäuse mit einem drehbar gelagerten Zylinderkern, die mehrere radiale verlaufende Zuhaltungsbohrungen beinhalten, in denen zur wahlweisen Drehfreigabe oder
Drehblockierung des Zyiinderkerns gegenüber dem Zylindergehäuse jeweils ein Kernstift und ein von einer Feder belasteter Gehäusestift verschiebbar geführt sind, wobei der
Kernstift in einen Schlüsselkanal des Zylinderkerns eingreifbar ausgestaltet ist und dabei wenigstens einer der Kernstifte und einer der Gehäusestifte an seinem dem jeweils anderen Stift zugewandten Ende einen durchmesserkleineren Ansatz aufweist.
Eine derartige Lösung ist aus der DE 103 16 327 A1 bekannt. Dabei sind in allen der Zuhaltungsbohrungen sowohl die Kernstifte als auch die Gehäusestifte an ihrem einander zugewandten Ende mit einem durchmesserkleineren Ansatz versehen. Dadurch soll abgesichert werden, dass Fluchtungsfehler und/oder ein Grat an den Kanten zwischen den im Zylinderkern und im Zylindergehäuse befindlichen Zuhaltungsbohrungen eine Drehblockierung des Zyiinderkerns nicht beeinträchtigen können. Obwohl diese Druckschrift keinerlei Hinweis auf das nachfolgend näher erläuterte Schlagpicken enthält, ist es grundsätzlich denkbar, diese Lösung auch zur Unterbindung dieser meist von Unberechtigten genutzten Aufbruchmethode einzusetzen.
So können Schließzylinder, die auf Stiftzuhaltungen ohne spezielle Vorkehrungen gegen Nachschließen basieren, auch ohne schließberechtigten Schlüssel geöffnet werden. Dazu wird ein spezieller Schlagschlüssel genutzt. Der Schlagschlüssel wird so positioniert, dass er bei Aufbringen eines Impulses, der achsparallel zur Zylinderkerndrehachse verläuft, diesen auf die Stiftzuhaltungen übertragen kann. Vor der Ausführung des Öffnungsversuchs wird die Flucht der Zuhaltungsbohrungen zwischen Zylinderkern und Zylindergehäuse weitestgehend aufgehoben. Wirkt der bereits erwähnte Impuls auf die Bauteile des Schließzylinders, kommt es zu einer gegen die Kraft der Feder gerichteten Verlagerung der Kern- und Gehäusestifte. Der erzeugte geringfügige Versatz der Zuhaltungsbohrungen von Kern- und Gehäusestift bewirkt, dass die Kernstifte an der vorstehenden Kante der Zuhaltungsbohrung des Gehäusestiftes und damit in der Schließebene hängen bleiben, während sich die Gehäusestifte weiter bewegen. Sobald alle Kernstifte die Schließebene (Kerndrehfuge) erreicht haben, kann der Zylinderkern gegenüber dem Zylindergehäuse gedreht und damit der Schließzylinder nachgeschlossen werden.
Da bei Schließzylindern die in den jeweiligen Zuhaltungsbohrungen geführten Gehäusestifte - ggf. auch die Kernstifte- zur Gewährleistung einer hohen Schließsicherheit eine unterschiedliche Länge aufweisen, wirkt es sich bei der o.g. Lösung als nachteilig aus, dass auch die kürzeren Kern- und Gehäusestifte mit einem durchmesserkleineren Ansatz versehen werden müssen. Regelmäßig und objektiv bedingt, liegt bei diesen kürzeren Stiften aber ohnehin das Verhältnis zwischen Führungslänge, -durchmesser und -spiel in einem Bereich, welches keine weitere Verschiebung erfahren kann, ohne dass sich dies nachteilig auf das Verschleißverhalten und damit die Lebensdauer sowie Zuverlässigkeit des Schließzylinders auswirken würde.
Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, einen Schließzylinder vorzuschlagen, der einem Schlagpicken wirksam widerstehen kann, aber dennoch eine geringe Verschleißanfälligkeit und damit eine hohe Lebensdauer sowie Zuverlässigkeit aufweist.
Diese Aufgabe wird bei einem gattungsgemäßen Schließzylinder mit den im Kennzeichen des Patentanspruchs 1 angegebenen Merkmalen gelöst.
Die Vorteile der Erfindung bestehen darin, dass ein Schlagpicken des Schließzylinders wirksam unterbunden werden kann, ohne dass das Verhältnis zwischen Führungslänge, -durchmesser und -spiel der Kern- und Gehäusestifte nennenswert beeinträchtigt wird, wodurch ein gegen Schlagpicken gesicherter, eine geringe Verschleißanfälligkeit und damit eine hohe Lebensdauer sowie Zuverlässigkeit aufweisender Schließzylinder bereitgestellt wird.
Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind aus Patentansprüchen 2 bis 5 ersichtlich.
Die Erfindung soll nachfolgend an einem Ausführungsbeispiel und zugehörigen Zeichnungen näher erläutert werden. Es zeigen:
Fig. 1 eine teilweise geschnittene Seitenansicht eines erfindungsgemäßen Schließzylinders ohne Schlüssel
Fig. 2 eine teilweise geschnittene Seitenansicht eines erfindungsgemäßen Schließzylinders in einer Stellung, in der der Schlagschlüssel für die
Einleitung eines Schlagimpulses vorbereitet worden ist
Fig. 3 eine Schnittdarstellung des erfindungsgemäßen Schließzylinders entlang der Linie A - A der Fig. 2, wobei die jedoch der Kernstift 66 und der Gehäusestift 86 in der Zuhaltungsbohrung 56 vom Schlagschlüssel radial verschoben worden sind
Fig. 4 eine Schnittdarstellung des erfindungsgemäßen Schließzylinders entlang der Linie B - B der Fig. 2, wobei die jedoch der Kernstift 61 und der Gehäusestift 81 in der Zuhaltungsbohrung 51 vom Schlagschlüssel radial verschoben worden sind
Fig. 5 eine Schnittdarstellung des erfindungsgemäßen Schließzylinders entlang der Linie C - C der Fig. 2, wobei die jedoch der Kemstift 63 und der Gehäusestift 83 in der Zuhaltungsbohrung 53 vom Schlagschlüssel radial verschoben worden sind
In der Fig. 1 ist ein erfindungsgemäßer Schließzylinder 1 in Form eines Doppelzylinders dargestellt. Dieser weist zwei über einen profilierten Steg 2 miteinander verbundene Zylindergehäuse 3 auf, welche zur drehbaren Lagerung eines Zylinderkems 4 dienen. Zur Vereinfachung der Zeichnung ist nur die linke Seite des Schließzylinders 1 geschnitten dargestellt und wird nachfolgend beschrieben. Im Zylindergehäuse 3 und Zylinderkern 4 sind mehrere radiale verlaufende Zuhaltungsbohrungen 51 bis 56 befindlich, in denen zur wahlweisen Drehfreigabe (in Verbindung mit dem berechtigten Schlüssel) oder Drehblockierung (nach Abziehen dieses Schlüssels) des Zylinderkerns 4 gegenüber dem Zylindergehäuse 3 jeweils ein Kernstift 61 bis 66 und ein von einer Feder 7 belasteter Gehäusestift 81 bis 86 verschiebbar geführt werden, wobei jeder dieser Kernstifte 61 bis 66 in einem Schlüsselkanal 9 des Zylinderkerns 4 eingreifbar ausgestaltet ist. Die beiden längsten und in den Zuhaltungsbohrungen 54, 56 befindlichen Kernstifte 64, 66 sind an ihrem dem jeweiligen Gehäusestift 84, 86 zugewandten Ende mit einem kegelstumpfförmig ausgeführten Ansatz 10 versehen. Diese Kernstifte 64, 66 arbeiten mit Gehäusestiften 84, 86 zusammen, die zylinderförmig ausgebildet sind somit keinerlei Ansätze oder Aussparungen aufweisen. Auch den weiteren, in den Zuhaltungsbohrungen 5\ 52, 55 geführten und gegenüber den Kernstiften 64, 66 kürzer ausgestalteten Kernstiften 6\ 62, 65 sind wiederum
Gehäusestifte 81, 82, 85 zugeordnet, die ebenfalls eine durchgehend die zylinderförmig Gestalt aufweisen.
Außerdem ist dem in der Zuhaltungsbohrung 53 vorgesehenen Kernstift 63, welcher nicht den längsten der Kernstifte darstellt und damit auch keinen kegelstumpfförmigen Ansatz 10 aufweist, ein Gehäusestift 83 zugeordnet, bei dem zumindest das dem Kemstift 63 zugewandte Ende einen durchmesserkleineren Ansatz 11 aufweist. Auch das andere Ende dieses Gehäusestiftes 83 kann einen ebensolchen durchmesserkleineren Ansatz 11 tragen und weiterhin eine ringförmige Aussparung 12 beinhalten. Dadurch wird gewährleistet, dass diese Stifte ohne zusätzliche Aufwendungen für die automatisierte Montage geeignet sind. Die mittige ringförmige Aussparung täuscht bei Anwendung anderer, bekannter
Pickingmethoden eine Schließebene durch Verkanten vor.
Nachfolgend soll die Funktionsweise des erfindungsgemäßen Schließzylinders erläutert werden:
Wird ausgehend von Fig. 1 in dem Schüsselkanal 9 des Zylinderkerns 4 ein nicht dargestellter schließberechtigter Schlüssel eingeführt, so werden die sich berührenden Kernstifte 61 bis 66 und Gehäusestifte 81 bis 86, die an dieser Stelle eine gemeinsame Trennebene 131 bis 136 beinhalten, von den Kerben des Schlüssels in den Zuhaltungsbohrungen 51 bis 56 soweit verschoben, bis jede dieser Trennebenen 131 bis 136 im Bereich der sich zwischen Zylindergehäuse 3 und Zylinderkern 4 befindlichen Kemdrehfuge 14 zu liegen kommt, so dass nunmehr der Zylinderkern 4 gegenüber dem Zylindergehäuse 3 gedreht werden kann.
Wird demgegenüber ein so genannter Schlagschlüssel 15 im Schlüsselkanal 9 des Zylinderkerns 4, wie oben erwähnt, positioniert, so befinden sich die Bauteile des Schließzylinders 1 in einer nach wie vor drehblockierten und in der Fig. 2 dargestellten Lage. Nachdem durch entsprechende Maßnahmen die gegebene Flucht der Zuhaltungsbohrungen 51 bis 56 im Zylinderkern 4 zu denen im Zylindergehäuse 3 aufgehoben wird, ragt nunmehr eine Kante der jeweiligen Zuhaltungsbohrung für den Gehäusestift 81 bis 86 in die Bewegungsbahn des Kernstiftes 61 bis 66. Ein parallel zur Zylinderkerndrehachse (Pfeil A) auf das komplette System der Kernstifte 61 bis 66, Federn 7 und Gehäusestifte 81 bis 86 wirkender Impuls bewirkt eine radiale, gegen die Kraft der
Federn 7 gerichtete Verlagerung aller Kernstifte 61 bis 66 und Gehäusestifte 81 bis 86. Dabei erreichen die Trennebenen 134, 136 zwischen den längsten Kernstiften 64, 66 und den zugehörigen Gehäusestiften 54, 56 den Bereich der sich zwischen Zylindergehäuse 3 und Zylinderkem 4 befindlichen Kerndrehfuge 14 (Fig. 3), bevor den kürzeren Kernstiften 61 bis 63, 65 ein Eindringen in die Zuhaltungsbohrungen 51 bis 53, 55 des Zylindergehäuses 3 dadurch verwährt wird, indem der durch das Bauteilspiel in Verbindung mit der auferlegten Vorspannung bedingte geringfügige Versatz der Zuhaltungsbohrungen 81 bis 83, 85 bewirkt, dass die Kernstifte 61 bis 63, 65 an der vorstehenden Kante der jeweiligen Zuhaltungsbohrung 51 bis 53, 55 des Gehäusestiftes 81 bis 83, 85 und damit in der Kemdrehfuge 14 hängen bleiben (Fig. A). Zu diesem Zeitpunkt haben die längsten Kernstifte 64, 66 die Kerndrehfuge 14 bereits gekreuzt und konnten deshalb nicht an der vorstehenden Kante der jeweiligen Zuhaltungsbohrung 54, 56 der Gehäusestifte 84, 86 abgefangen werden, weil diese Kernstifte 64, 66 beim Passieren der Kerndrehfuge 14 durch ihren kegelstumpfförmigen Ansatz 10 zunächst nicht in Kontakt mit der Kante an der Zuhaltungsbohrung 54, 56 gelangen konnten. Dieser Kontakt wird erst dann hergestellt, wenn sich die Kernstifte 64, 66 bereits teilweise in der entsprechenden Zuhaltungsbohrungen 54, 56 des Zylindergehäuses 3 bewegt haben (Fig. 3). In dieser Stellung der Kernstifte 64, 66 und Gehäusestifte 84, 86 kann zwar der Zylinderkern 4 soweit ein Stück gedreht werden, bis die längeren Kernstifte 64, 66 an ihrem kegelstumpfförmigen Ansatz 10 verklemmen. Eine selbsthemmende Drehblockierung wird dadurch ermöglicht, dass die Kegelwinkel α 10° bis 40°, vorzugsweise 20° bis 30°, beträgt. Um zu verhindern, dass durch eine weitergehende Manipulation durch gefühlvolles Reduzieren der aufgebrachten Vorspannung zwischen Zylinderkern 4 und Zylindergehäuse 3, die längeren Kernstifte 64, 66 wieder durch die von der Feder 7 belasteten Gehäusestifte 84, 86 in den Zyiinderkern 4 zurückgedrückt werden, wird in zumindest einer der Zuhaltungsbohrungen 53 ein Gehäusestift 83 eingesetzt, bei dem zumindest das dem Kernstift 63 zugewandte Ende einen durchmesserkleineren Ansatz 11 aufweist (Fig. 5). Bedingung dafür ist, dass der mit diesem Gehäusestift 83 zusammenwirkende Kernstift 63 keinen kegelförmigen oder durchmesserkleineren Absatz 10 beinhalten darf. Für eine vorteilhafte symmetrische Ausgestaltung dieses Gehäusestiftes 83 kann auch dessen anderes Ende einen ebensolchen durchmesserkleineren Ansatz 11 tragen und weiterhin eine ringförmige Aussparung 12 vorgesehen sein.
Bei dem vorstehend erwähnten Vorspannungsabbau kann der durchmesserkleinere Ansatz 11 des Gehäusestiftes 83 gemäß Fig. 5 bereits dann wieder in die Zuhaltungsbohrung 53
des Kernstifts 63 des Zylinderkerns 4 eindringen, während der längere Kernstift 64, 66 den Schließzylinder noch in einer verklemmten Lage hält.
Zur Erzielung der von der Erfindung beabsichtigten Wirkung ist es ausreichend, wenn nur der längste der Kernstifte (z.B. 66) den Ansatz 10 beinhaltet.
Bezugszeichenliste
1 Schließzylinder
2 Steg
3 Zylindergehäuse
4 Zylinderkern
51 - 56 Zuhaltungsbohrung
61 - 66 Kernstift
7 Feder
81 - 86 Gehäusestift
9 Schlüsselkanal
10 kegelförmiger Ansatz
11 durchmesserkleinerer Ansatz
12 Aussparung
131 - 136 Trennebene
14 Kerndrehfuge
15 Schlagschlüssel α Kegelwinkel