Verfahren und Vorrichtung zur Steuerung eines reversiblen
Gurtstraffers
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Steuerung eines reversiblen Gurtstraffers eines Fahrzeugs, insbesondere zur Aktivierung des Gurtstraffers bei Identifizierung einer kritischen Situation. Darüber hinaus betrifft die Erfindung einen reversiblen Gurtstraffer mit einer Steuereinheit zur Durchführung des Verfahrens .
In heutigen Fahrzeugen werden ansteuerbare Rückhaltemittel, z. B. ein Gurtstraffer eingesetzt, um Unfallfolgen für einen Fahrzeuginsassen zu mildern. Verfahren zur Steuerung eines Gurtstraffers sind aus der Praxis bekannt.
Aus DE 100 05 010 Al ist beispielsweise ein Verfahren zum Zurückhalten eines Insassen auf einem Fahrzeugsitz durch Ansteuerung eines reversiblen Insassenschutzsystems bekannt. Dabei werden mit einer Sensorik Fahrzustandsdaten erfasst. Bei Erkennen eines kritischen Fahrzustandes, gekennzeichnet durch eine identifizierte Notbremsung, wird das Insassenschutzsystem vor dem Kollisionszeitpunkt ausgelöst und in Wirkstellung gebracht . Dabei wird der Insasse über einen reversiblen Gurtstraffer mit einer bestimmten Kraft in den Fahrzeugsitz gezogen und in einer zurückgezogenen Position mit einer Haltekraft auf dem Fahrzeugsitz gehalten. Diese Haltekraft hält während des erkannten kritischen
Fahrzustandes an. Die kritische Fahrsituation wird anhand von Fahrzustandsdaten wie Lenkwinkel, Raddrehzahl, Gierrate und Beschleunigung ermittelt. Auch kann zusätzlich zu den Fahrzustandsdaten, wie z. B. der Relativgeschwindigkeit und dem Abstand zum vorausfahrenden oder stehenden Fahrzeug oder Objekt, als ein weiteres Auslösekriterium für den reversiblen Gurtstraffer eine Auswertung der Gas- und/oder Bremspedalbetätigung dienen.
Das vorgezogene Aktivieren des reversiblen Gurtstraffers bewirkt eine Verminderung der Schwere von Aufprallfolgen, da dem Insassen nur ein minimaler Trägheits-Beschleunigungsweg innerhalb des Gurts verbleibt, so dass die Verzögerungskräfte minimiert sind.
Aus der DE 101 21 386 Cl ist ein weiteres Verfahren zum Ansteuern eines reversiblen Insassenschutzmittels, welches bei Identifizierung des Zustands „Notbremsung" ein reversibles Insassenschutzmittel vor dem Kollisionszeitpunkt in Wirkstellung bringt. Dabei wird anhand des Zustands Notbremsung, Untersteuern und Übersteuern von Fahrzustandsdaten die Richtung ermittelt, aus welcher eine maximale Gefährdung zu erwarten ist, wobei das Insassenschutzsystem derart angesteuert wird, dass die Schutzwirkung entsprechend der Richtung maximaler Gefährdung erfolgt .
Im Allgemeinen ist bei den bekannten Verfahren die Erkennung einer Notbremsung beispielsweise anhand einer vorgegebenen Bremspedaländerung (auch kurz BAS-Schwelle genannt) erforderlich. Die der Erkennung der Notbremsung dienenden Schwellwerte, z. B. die BAS-Schwelle, werden dabei häufig nicht erreicht, was dazu führt, dass trotz einer kritischen Situation der reversible Gurtstraffer nicht aktiviert und das Bremssystem nicht vorkonditioniert wird. Die darüber hinaus
ermittelten Fahrzustandsdaten, wie Relativgeschwindigkeit und Umfelddaten, z. B. Abstand zu einem anderen Fahrzeug, erfordern aufwendige Messvorrichtungen. Ein derartiger Messvorgang ist durch Berücksichtigung der Umgebungs- oder Umfelddaten relativ langsam, so dass wertvolle Reaktionszeit verloren geht .
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein verbessertes Verfahren zur Steuerung eines Gurtstraffers und einen Gurtstraffer anzugeben, durch welche die Folgen eines Aufpralls für einen Fahrzeuginsassen vermindert werden.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren, welches die in Anspruch 1 angegebenen Merkmale aufweist, und einen Gurtstraffer, welcher die in Anspruch 15 angegebenen Merkmale aufweist .
Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche. Die Erfindung bezieht sich insbesondere auf eine Ansteuerung des Gurtstraffers als eine vorbeugende Maßnahme .
Die Erfindung sieht vor, dass Kenngrößen von Gaspedal und Bremse ermittelt und auf eine Wechselwirkung überwacht werden, anhand derer eine Reaktion eines Fahrers auf eine kritische Situation identifiziert wird, wobei bei Vorliegen einer Reaktion eines Fahrers auf eine kritische Situation der Gurtstraffer aktiviert wird. Der Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens liegt darin, dass anhand der Analyse von Fahreraktionen unter Nutzung von bereits im Fahrzeug vorhandener Sensorik und ohne Berücksichtigung von Umfeld- oder Umgebungsdaten eine Reaktion eines Fahrers auf eine kritische Situation, z. B. das Einleiten einer
Notbremsung, besonders schnell und sicher identifiziert wird, so dass eine frühzeitige Ansteuerung eines reversiblen Gurtstraffers ausgelöst wird. Hierdurch ist eine vorbeugende Aktivierung des Gurtstraffers vor einer möglichen Kollision sichergestellt . Ein derartiges vorausschauendes Aktivieren des Gurtstraffers in einer kritischen Situation ermöglicht das Verringern der Schwere von Aufprallfolgen. Durch das erfindungsgemäße Verfahren ist es möglich, lediglich anhand von Pahrzeugdaten oder Fahrzeugkenngrößen eine kritische Situation besonders schnell und mit geringem Aufwand zu erkennen. Es wird nur eine geringe Datenmenge benötigt, die schnell messbar ist und in Fahrzeugen mit einem elektronischen Bussystem (CAN) aufbereitet zur Verfügung steht .
In einer möglichen Ausgestaltung des Verfahrens wird das Gaspedal oder Fahrpedal anhand mindestens einer oder mehrerer zugehöriger Kenngrößen auf eine Aktivierung und/oder Betätigung überwacht. Bei Identifizierung einer Aktivierung und/oder Betätigung des Gaspedals wird die betreffende Kenngröße mit einem zugehörigen Gaspedal-Schwellwert verglichen. Dabei wird die Betätigung des Gaspedals in zwei Stufen überwacht; in einer ersten Stufe wird als Kenngröße die Gaspedal-Stellung auf einen Pedalwert größer Null oder auf ein Überschreiten eines ersten unteren Gaspedal- Schwellwerts überwacht. Für den Fall, dass der Gaspedal- Schwellwert unterschritten bleibt oder der Pedalwert gleich Null ist, bleibt der Gurtstraffer deaktiviert. Anderenfalls wird der Pedalwert in einer zweiten Stufe auf Erreichen oder Überschreiten eines zweiten oberen Gaspedal-Schwellwerts überwacht. Bei Überschreiten des ersten Gaspedal-Schwellwerts und Unterschreiten des zweiten Gaspedal-Schwellwerts bleibt
der Gurtstraffer deaktiviert . Bei Überschreiten des zweiten Gaspedal-Schwellwerts wird auf eine reflexartige Rücknahmebetätigung des Gaspedals durch den Fahrer geschlossen und somit ein Verdacht auf eine kritische Situation identifiziert. Mit anderen Worten: Die zweistufige Schwellwert-Analyse ermöglicht eine einfache und damit schnelle Identifikation einer plötzlichen Gaspedalrücknahme. Hierbei wird die Art der Betätigung des Gaspedals näher analysiert. Beispielsweise wird die Geschwindigkeit mit der das Fahr- oder Gaspedal in eine freigebende Stellung durch Rücknahme gebracht wird, zur Analyse herangezogen. Auch kann die Geschwindigkeit der Druckänderung, die durch die Rücknahme des Gaspedals verursacht wird, ermittelt und auf Erreichen oder Überschreiten eines zugehörigen und vorgegebenen Schwellwertes überwacht werden.
Eine weitere Ausgestaltung sieht vor, dass bei Erreichen und/oder Überschreiten des zweiten Gaspedal-Schwellwerts eine Überwachungslaufzeit bis zum Einleiten einer Bremspedalbetätigung gestartet wird. Hierzu wird eine der Kenngrößen der Bremse fortlaufend oder zumindest während der Überwachungslaufzeitüberwachung auf eine Aktivierung oder Betätigung der Bremse überwacht. Auf diese Weise ist ein Pedalwechsel von Gaspedal auf Bremspedal hinreichend genau, besonders einfach und sehr schnell ermittelbar.
Zur Identifizierung einer möglichen kritischen Situation wird nach einer identifizierten Betätigung der Bremse die betreffende Kenngröße der Bremse auf Erreichen oder Überschreiten eines zugehörigen Bremspedal-Schwellwerts überwacht. Alternativ oder zusätzlich kann eine der Kenngröße, z. B. das Bremslicht, auf Aktivierung überwacht
werden. Auch können mehrere Kenngrößen der Bremse gleichzeitig auf Aktivierung und/oder
Schwellwertüberschreitung und/oder -unterschreitung überwacht werden. Eine derartige Überwachung und Analyse des Bremsverhaltens ermöglicht eine schnelle und einfache Identifizierung einer möglichen Gefahren- oder Notsituation, die beispielsweise eine Notbremsung erforderlich macht. Dabei wird das Bremsverhalten und die Art der Betätigung der Bremse durch den Fahrer näher analysiert. Beispielsweise wird die Geschwindigkeit mit der das Bremspedal betätigt wird, zur Analyse herangezogen. Auch kann die Geschwindigkeit der Druckänderung, die durch die Betätigung des Bremspedals verursacht wird, ermittelt und auf Erreichen oder Überschreiten eines zugehörigen und vorgegebenen Schwellwertes überwacht werden.
In einer weiteren Ausgestaltung wird bei Erreichen und/oder Überschreiten des Bremspedal-Schwellwerts und/oder bei Aktivierung einer der Kenngrößen der Bremse die Überwachungslaufzeit gestoppt. Darüber hinaus wird die gestoppte Überwachungslaufzeit auf Unterschreiten eines vorgegebenen Zeit-Schwellwerts geprüft, wobei bei Unterschreiten der Überwachungslaufzeit für den Wechsel vom Gaspedal auf das Bremspedal und somit die Bremspedalbetätigung eine Reaktion des Fahrers auf eine kritische Situation, z. B. eine Unfall- oder Gefahrensituation, identifiziert wird. Mit der Analyse der Überwachungslaufzeit wird in einer einfachen Art und Weise die Wechselwirkung von Gaspedal und Bremspedal auf Vorliegen einer Gefahren- oder Notsituation überwacht. Insbesondere sind schnelle, reflexartige Änderungen in der Betätigung des Fahr- und/oder des Bremspedals schnell und sicher
identifizierbar. Zur genauen Bestimmung des Vorliegens und der Art der Gefahren- oder Notsituation wird zwischen einem kurzen Antippen und einer starken sowie dauerhaften Betätigung des Bremspedals bzw. einer kurzen Rücknahme oder einer schnellen und dauerhaften Rücknahme des Gaspedals unterschieden, indem eine genaue zeitliche und kenngrößenbezogene Analyse des Pedalwechsels ausgeführt wird.
Für den Fall, dass eine Reaktion auf eine kritische Situation identifiziert wird, wird automatisch der Gurtstraffer aktiviert. Je nach Art und Ausbildung der Ansteuerung kann der Gurtstraffer kurzzeitig oder lang andauernd aktiviert werden. Die Art der Aktivierung des Gurtstraffers wird dabei bestimmt durch die Art der identifizierten kritischen Situation. So kann bei Identifizierung und Vorliegen einer kurzzeitigen kritischen Situation, z. B. einer Schreckreaktion, nur ein kurzzeitiges Aktivieren des Gurtstraffers erforderlich sein. Auch kann der Gurtstraffer in Intervallen aktiviert werden, so dass der Fahrer auf eine mögliche kritische Situation aufmerksam gemacht wird.
Vorteilhafterweise wird als Kenngröße des Gaspedals (auch Gaspedalwert genannt) eine Stellung und/oder eine Rücknahmegeschwindigkeit und/oder eine
Rücknahmebeschleunigung des Gaspedals ermittelt. Diese Kenngrößen sind insbesondere in einem Fahrzeug mit herkömmlicher Sensorik einfach schnell messbar und werden zudem bei einem mit einem CAN-Bus ausgestatteten Fahrzeug einfach und schnell an eine Steuereinheit zur Aktivierung des Gurtstraffers übertragen.
Als Kenngröße der Bremse (auch Bremspedalwert genannt) wird vorzugsweise eine Stellung und/oder eine Betätigungsgeschwindigkeit des Bremspedals und/oder ein Schaltzustand eines Bremslichtes und/oder ein Bremsdruck ermittelt. Auch diese Kenngrößen sind mittels herkömmlicher Sensorik in einem Fahrzeug messbar und werden über den CAN- Bus einfach und schnell an das Steuereinheit für den Gurtstraffer übertragen.
In einer weiteren möglichen Ausgestaltung der Erfindung bleibt der Gurtstraffer deaktiviert, solange die Eigengeschwindigkeit des Fahrzeugs einen Geschwindigkeits- Schwellwert unterschreitet. Dadurch wird der Gurtstraffer nur in Situationen mit hohem Gefahrenpotential aktiviert.
Zusätzlich zur Aktivierung des Gurtstraffers bei einer identifizierten kritischen Situation wird, falls der Gurtstraffer aktiviert wird, eine Bremsunterstützung durchgeführt. Auf diese Weise summieren sich die Vorteile der verstärkten Bremswirkung mit optimalem Bremsweg und die frühzeitige Gurtstrafferaktivierung zu einer Verringerung einer möglichen Unfallschwere, insbesondere einer Aufprallfolgenschwere .
Zusätzlich können, z. B. für eine Plausibilitätsprüfung des Vorliegens einer kritischen Situation, Daten einer Umfeldoder Umgebungssensorik berücksichtigt werden. Beispielsweise wird zumindest einer der Schwellwerte anhand der Daten der Umfeldsensorik dynamisch eingestellt. Hierdurch wird die Zuverlässigkeit der Identifikation einer kritischen Situation erhöht .
In einer besonderen Ausgestaltung werden als Daten der Umfeldsensorik eine Relativgeschwindigkeit und/oder ein Abstand zu einem vorausfahrenden oder nachfolgenden Fahrzeug ermittelt. Damit können sowohl die Bremspedal-Schwellwerte als auch die Gaspedal-Schwellwerte an die zeitlichen und räumlichen Abstände zwischen dem eigenen Fahrzeug und vorausfahrender Fahrzeuge angepasst werden, insbesondere in Relation zu dem momentan zu erwartenden Bremsweg und der Reaktionszeit des Fahrers des eigenen Fahrzeugs.
Die Erfindung sieht weiterhin einen reversiblen Gurtstraffer mit einer Steuereinheit vor, wobei die Steuereinheit Kenngrößen von Gaspedal und Bremse im Hinblick auf eine Rücknahme des Gaspedals und eine anschließende Betätigung der Bremse überwacht und, falls dabei eine Reaktion eines Fahrers auf eine kritische Situation identifizierbar ist, automatisch den Gurtstraffer aktiviert.
Ausführungsbeispiele der Erfindung werden anhand von Zeichnungen näher erläutert .
Dabei zeigen:
Fig. 1 ein Blockschaltbild eines Gurtstraffers mit einer Steuereinheit und
Fig. 2a, 2b ein Flussdiagramm eines Verfahrens zur Steuerung des Gurtstraffers.
Einander entsprechende Teile sind in allen Figuren mit den gleichen Bezugszeichen versehen.
Figur 1 zeigt in Blockdarstellung einen reversiblen Gurtstraffer 1 eines nicht näher dargestellten Fahrzeugs, welches über eine Bremse 2 verfügt. Gurtstraffer 1 und Bremse 2 werden durch eine Steuereinheit 3 gesteuert . Je nach Art und Aufbau können die Bremse 2 und der Gurtstraffer 1 jeweils eine zugehörige Steuereinheit 3 aufweisen.
Für eine schnelle und frühzeitige, insbesondere vorausschauende Aktivierung des Gurtstraffers 1 im Fall einer kritischen Situation, z. B. einer möglichen Unfall- oder Gefahrensituation, ist die Steuereinheit 3 mit einer Anzahl von Sensoren Sl bis Sn verbunden, die Kenngrößen Kl bis Kn des Gaspedals 4 und der Bremse 2 des Fahrzeugs erfassen.
Als Kenngröße Kl des Gaspedals 4 (auch Gaspedalwert genannt) wird beispielsweise die Gaspedalstellung WG, die Rücknahmegeschwindigkeit vR und/oder die
Rücknahmebeschleunigung aR des Gaspedals 4 ermittelt. Die GaspedalStellung WG wird dabei in einem Bereich von Leerlauf bis Vollgas beispielsweise ermittelt. Für die Ermittlung der Gaspedalstellung WG, der Rücknahmegeschwindigkeit vR und/oder der Rücknahmebeschleunigung aR ist der Sensor Sl beispielsweise als ein Potentiometer oder als Drucksensor ausgebildet. Mittels des Drucksensors wird die Geschwindigkeit der Druckänderung bei Betätigung des Gaspedals 4 ermittelt. Auch können weitere Sensoren in Form von Stellungsgebern zur Ermittlung der Stellung des Gaspedals 4 in einer der Endlagen - Vollgasstellung bzw. Gaspedal freigebende Endstellung - bzw. zur Ermittlung der Winkelstellung des Gaspedals 4 vorgesehen sein.
Als Kenngröße K2 bis K4 der Bremse 2 werden verschiedene Messgrößen von Komponenten der Bremse 2 ermittelt . So wird beispielsweise als Kenngröße K2 der Bremse 2 für das Bremspedal 5 die Bremspedalstellung WB und/oder die Betätigungsgeschwindigkeit vB des Bremspedals 5 (auch Bremspedalwerte genannt) ermittelt.
Im Betrieb des Fahrzeugs wird mittels der Steuereinheit 3 anhand der erfassten Kenngrößen Kl und K2 für das Gaspedal 4 bzw. das Bremspedal 5 die Wechselwirkung von Gaspedal 4 und Bremspedal 5 bestimmt und auf eine Reaktion eines Fahrers auf eine kritische Situation analysiert und überwacht. Im Fall der Identifizierung einer eine kritische Situation repräsentierenden Reaktion des Fahrers wird automatisch der Gurtstraffer 1 aktiviert.
Mit anderen Worten: Die Steuereinheit 3 überwacht die Geschwindigkeit von Pedalwechseln zwischen Gaspedal 4 und Bremspedal 5 anhand der Stellung WG des Gaspedals 4 und der Stellung WB des Bremspedals 5 bzw. anhand der Betätigungsgeschwindigkeiten der Pedale. Erfolgt ein Pedalwechsel mit hoher Geschwindigkeit, so wird eine Reaktion des Fahrers auf eine kritische Situation identifiziert und der reversible Gurtstraffer 1 aktiviert. Gegebenenfalls kann auch eine Bremsunterstützung aktiviert werden, so dass der Bremsdruck pB an der Bremse 2 im Regelbereich des Antiblockierbremssystems des Fahrzeugs liegt, wodurch ein optimaler Bremsweg erzielt wird. Beide Aktivierungen - Aktivierung des Gurtstraffers 1 und Vorkonditionierung der Bremse 2 - dienen durch die schnelle und vorausschauende Identifizierung einer kritischen Situation einem vorbeugenden
Insassenschutz und können integraler Bestandteil eines sogenannten Pre-Safe-Systems sein.
In erweiterten Ausgestaltungen kann für die Überwachung auf einen schnellen Pedalwechsel alternativ oder zusätzlich als Kenngrößen K3 und K4 der Bremse 2 der Schaltzustand LB des Bremslichts und/oder der Bremsdruck pB herangezogen werden. Die jeweiligen Sensoren S2 bis S4 der Bremse 2 sind herkömmliche Sensoren zur Messung des Bremsmoments, der Bremskraft, oder Sollverzögerung, z. B. Drucksensoren, Potentiometer oder Stellungsgeber.
Eine weitere Ausführungsform sieht vor, dass der Gurtstraffer 1 deaktiviert bleibt, wenn das Fahrzeug sich mit geringer Eigengeschwindigkeit vE bewegt, beispielsweise langsamer als 10 km/h. Ein unnötiges Aktivieren des Gurtstraffers 1 wird so vermieden. Hierzu wird mittels geeigneter Sensoren S5 die Eigengeschwindigkeit vE ermittelt und der Steuereinheit 3 zugeführt .
Weiterhin ist es möglich, die Relativgeschwindigkeit vrei des Fahrzeugs, die durch eine Umfeldsensorik S6 ermittelt wird, und/oder den Schaltzustand eines zugehörigen Warntons, für die Überwachung heranzuziehen, um das Verhalten der Steuerung des Gurtstraffers 1 an Umgebungsbedingungen, wie zeitlichen und räumlichen Abständen des eigenen Fahrzeugs zu umgebenden Fahrzeugen oder Objekten anzupassen.
Bei einem mit einer so genannten E-Gassteuerung ausgebildeten Fahrzeug, bei welchem z.B. die Drosselklappe beim Benzinmotor oder die Einspritzanlage beim Dieselmotor nicht mehr mechanisch sondern elektrisch über das Gaspedal 4 (Fahrpedal)
angesteuert wird, erfolgt die Übermittlung der als Pedalwerte bezeichneten Kenngrößen Kl bis K4 über den CAN-Bus. Die Steuereinheit 3 ermittelt dabei die erforderlichen Daten.
In den Figuren 2a, 2b ist ein mögliches Ausführungsbeispiel für ein Flussdiagramm eines Verfahrens zur Ansteuerung des Gurtstraffers 1 in Abhängigkeit vom Pedalwechsel zwischen Gaspedal 4 und Bremspedal 5 dargestellt.
In Schritt Sl wird beispielsweise als Kenngröße Kl die- Stellung WG des Gaspedals 4 ermittelt . In Schritt S2 wird anhand der Stellung WG geprüft, ob das Gaspedal 4 betätigt ist. Falls nicht, wird das Verfahren mit Schritt Sl erneut begonnen .
In Schritt S3 wird zusätzlich die Rücknahmegeschwindigkeit vR des Gaspedals 4 ermittelt. In Schritt S4 wird geprüft, ob die als Pedalwert ermittelte Rücknahmegeschwindigkeit vR einen Wert größer Null oder einen ersten unteren Gaspedal- Schwellwert QGi überschreitet. Für den Fall, dass der Gaspedal-Schwellwert QG1 unterschritten bleibt und der Pedalwert größer oder gleich Null ist, wird das Verfahren beginnend mit Schritt Sl erneut durchgeführt . Der Gurtstraffer 1 wird nicht aktiviert .
Anderenfalls wird im Schritt S5 die Kenngröße Rücknahmegeschwindigkeit vR in einer zweiten Stufe auf Erreichen oder Überschreiten eines zweiten oberen Gaspedal- Schwellwert QG2 geprüft. Der zweite obere Gaspedal- Schwellwert QG2 ist in diesem Beispiel größer als der erste Gaspedal-Schwellwert QG1.
Wird der obere Gaspedal -Schwellwert QG2 nicht erreicht oder nicht überschritten, so wird das Verfahren beginnend mit Schritt S3 bzw. Schritt Sl erneut durchgeführt. Auch kann in nicht näher dargestellter Art und Weise eine zeitliche Abbruchbedingung vorgesehen sein, so dass nach einer vorgebbaren Wiederholungsdauer der Schritte S3 bis S5 der Programmfluss unterbrochen und das Verfahren mit Schritt Sl erneut begonnen wird, weil beispielsweise das Gaspedal 4 nicht beschleunigt zurückgenommen wurde. Dies kann beispielsweise durch einen parallelen Überwachungsprozess ausgeführt werden.
Je nach Art und Aufbau des Verfahrens kann die Schwellwertanalyse für den Pedalwert in mehreren Stufen erfolgen. Beispielhaft ist eine zweistufige Schwellwertanalyse dargestellt.
Wird nun der obere Gaspedal-Schwellwert QG2 überschritten, so wird im Schritt S6 eine reflexartige Rücknahme des Gaspedals 4 und daraus resultierend ein Verdacht auf eine kritische Situation identifiziert und eine
Überwachungslaufzeit T zur Messung der Zeit des Pedalwechsels zwischen dem Gaspedal 4 und dem Bremspedal 5 gestartet .
In den Schritten S7a und S7b wird als Kenngröße K2 die Stellung WB des Bremspedals 5 ermittelt und geprüft, ob diese einen Bremspedal-Schwellwert QB überschreitet. Ist dies nicht der Fall, weil das Bremspedal 5 nicht oder noch nicht betätigt ist, werden in der abgebildeten Ausführungsform die Schritte S7a und S7b solange wiederholt, bis die Bedingung erfüllt ist, ansonsten wird das Verfahren mit Schritt S8 fortgesetzt .
Auch hier wird in nicht näher dargestellter Art und Weise eine zeitliche Abbruchbedingung ausgeführt, so dass nach einer vorgebbaren Wiederholungsdauer der Schritte S7a und S7b der Programmfluss unterbrochen und das Verfahren mit Schritt Sl erneut begonnen wird, weil keine Bremsbetätigung stattgefunden hat .
Wird nun der Bremspedal -Schwellwert QB erreicht oder überschritten und/oder wird das Bremslicht LB aktiviert und/oder wird ein vorgegebener Bremsdruck-Schwellwert QpB erreicht oder überschritten, so wird in Schritt S8 die Überwachungslaufzeit T gestoppt . Die Überwachungslaufzeit T gibt die während des Pedalwechsels vergangene Zeit an.
In Schritt S9 wird geprüft, ob der Überwachungslaufzeit T niedriger ist als ein vorgegebener Zeit-Schwellwert Qτ, der beispielsweise 100 ms beträgt. Falls dies nicht der Fall ist, weil beispielsweise der Pedalwechsel langsam ausgeführt wurde, liegt keine kritische Situation vor. Das Verfahren wird dann ab Schritt Sl erneut begonnen.
Optional kann vor der automatischen Aktivierung des reversiblen Gurtstraffers 1 im Schritt Sil aufgrund der identifizierten Reaktion des Fahrers auf eine kritische Situation in einem vorangegangenen Schritt SlO geprüft werden, ob die Eigengeschwindigkeit vE des Fahrzeugs einen vorgegebenen Geschwindigkeits-Schwellwert Qv, z. B. von 10 km/h, überschreitet. Sollte das nicht der Fall sein, wird das Verfahren beginnend mit Schritt Sl erneut gestartet und der Gurtstraffer 1 wird nicht aktiviert. D.h. Unterhalb des Geschwindigkeits-Schwellwerts Qv greift das Verfahren in
diesem Beispiel nicht in die Steuerung des Gurtstraffers 1 ein.
Nachfolgend werden einige alternative Ausführungsbeispiele für das Verfahren zur automatischen Aktivierung des Gurtstraffers 1 in Abhängigkeit von der Wechselwirkung des Gaspedals 4 und des Bremspedals 5 aufgeführt.
So kann beispielsweise in den Schritten S3 und S4 statt der Rücknahmegeschwindigkeit vG oder zusätzlich als Kenngröße Kl des Gaspedals 4 die Rücknahmebeschleunigung aG mit einem ersten Gaspedal-Schwellwert QGi verglichen werden. Der erste Gaspedal-Schwellwert QG1 ist in einem solchen Fall ein Beschleunigungswert .
In Schritt S5 kann anstelle der Rücknahmegeschwindigkeit vG oder zusätzlich als Kenngröße Kl des Gaspedals 4 die Stellung WG des Gaspedals 4 daraufhin geprüft werden, ob dieses noch betätigt ist.
In Schritt S7a und S7b kann anstelle der Stellung WB des Bremspedals 5 oder zusätzlich als Kenngröße K3 des Bremspedals 5 der Schaltzustand des Bremslichts LB , die Bremskraft, das Bremsmoment, die Sollverzögerung oder der Bremsdruck pB geprüft werden, um eine Betätigung des Bremspedals 5 zu erkennen. Im Falle des Bremsdruck pB wird als Schwellwert ein Druckwert vorgegeben.
Einer oder mehrere der Schwellenwerte können in einer bevorzugten Ausgestaltung anhand von Daten einer Umfeldsensorik S5, die beispielsweise eine Relativgeschwindigkeit vrei und/oder einen Abstand zu einem
nachfolgenden oder einem vorausfahrenden Fahrzeug ermittelt und ausgibt, dynamisch verschoben werden.
Zusätzlich zur automatischen Aktivierung des Gurtstraffers 1 kann das Bremssystem entsprechend vorkonditioniert werden.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ist es möglich, die Geschwindigkeit des Pedalwechsels, die Zeit zwischen Rücknahme des Gaspedals 4 oder Überschreiten einer vorgebbaren Rücknahmegeschwindigkeit vG bis zum Zurücklegen eines vorgebbaren Weges am Bremspedal 5 oder bis' zum Erreichen eines vorgebbaren Bremsdrucks pB/ die Betätigungsgeschwindigkeit des Bremspedals 5 und/oder den Bremsdruckaufbau für das Identifizieren einer kritischen Situation und bei der Aktivierung des Gurtstraffers 1 zu berücksichtigen .