Beschreibung
Korrosionsbeständiges Substrat und Verfahren zu dessen Herstellung
Die Erfindung betrifft ein korrosionsbeständiges Substrat, insbesondere ein Substrat mit einer Cr (VI) -freien korrosionsbeständigen Beschichtung und ein Verfahren zu dessen Herstellung.
Metallbleche und Metallteile, zum Beispiel aus Stahl und Aluminium, sind häufig mit einer Beschichtung vorgesehen, die das Blech oder Teil gegen Angriffe von korrosiven Medien und Sauerstoff schützt. Durch diese Beschichtung kann ferner die Haf- tung von darauf aufgebrachten Lackierungen verbessert werden, was die Korrosionsbeständigkeit des Teils weiter verbessert. Der Korrosionsschutz, der die Beschichtung vorsieht, wird nach vorgegebenen Prüfungsbedingungen, beispielsweise über Salzsprühnebeltests , wie DIN 50 021 SS oder Freibewitterung ge- prüft.
Manche Korrosionsschutzbeschichtungen weisen Cr (VI) -haltige Zusammensetzungen auf. Wegen der Giftigkeit von Cr(VI) sind jedoch Cr (VI) -haltige Beschichtungen nicht mehr gewünscht. Folglich werden Cr (VI) -freie Ersatzprodukte in den letzten Jahren entwickelt, wie sie zum Beispiel in der US 6,375,726 beschrieben sind.
Einige Cr(VI) -freie Ξrsatzbeschichtungen mit akzeptablen Kor- rosionsschutzwerten für diese normalen Korrosionsschutzbedingungen sind bereits vorhanden. Die Korrosionsbeständigkeit dieser Cr (VI) -freien Beschichtungen ist jedoch unzureichend
für manche Substratmaterialien und in hoch korrosiven Umgebungen.
Es wird bei weiterer Prüfung festgestellt, dass der Korrosi- onsschutz von den bisher erhältlichen Cr (VI) -freien Beschich- tungen in hoch korrosiven säurehaltigen Atmosphären unzureichend ist. Eine säurehaltige Atmosphäre entsteht zum Beispiel in Abgasanlagen von Fahrzeugen, insbesondere bei Abgasanlagen mit Abgasrückführung und Rauchgasanlagen. Bei diesen Anwendun- gen besteht die weitere Voraussetzung, dass die Beschichtung auch bei höheren Temperaturen beispielsweise bis zu 1200C oder bis zu 2500C korrosionsbeständig sein soll. Die bereits entwickelten Cr (VI) -freien Beschichtungen zeigen jedoch nach kurzer Zeit Korrosionserscheinungen unter diesen Bedingungen.
Dieses Problem ist noch kritischer für manche Metalle und Legierungen, wie zum Beispiel Aluminiumlegierungen, Magnesiumlegierungen und insbesondere Aluminiumdruckgusslegierungen, die auf Grund der beigemengten Legierungsbestandteile, wie zum Beispiel Kupfer, Nickel, Zink, Zinn und/oder Eisen, eine schlechtere Korrosionsbeständigkeit aufweisen. Außerdem wird gewünscht, dass das beschichtete Blankitietall ohne eine zusätzliche Lackierung, Verklebung, oder Gummierung auch ausreichend korrosionsbeständig ist. Dies ist bei Teilen, wie zum Beispiel Schrauben gewünscht, die in einer größeren Anlage eingebaut werden und an ein zweites Teil genau passen sollen.
Aufgabe der Erfindung ist daher ein Cr (VI) -freies korrosionsbeständiges Substrat anzugeben, das bessere Korrosionsbestän- digkeit in hoch-korrosiven Atmosphären, insbesondere in säurehaltigen Atmosphären aufweist, sowie ein Verfahren zu dessen Herstellung.
Gelöst ist dies durch. Gegenstand der unabhängigen Ansprüche. Weitere vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen.
Erfindungsgemäß wird ein korrosionsbeständiges Substrat mit einer Cr (VI) -freien korrosionsbeständigen zweilagigen Be- schichtung angegeben. Das Substrat besteht im Wesentlichen aus Aluminium oder einer Aluminiumlegierung. Die erste Schicht der zweilagigen korrosionsbeständigen Beschichtung ist eine nasschemisch aufgebrachte anorganische PassivierungsSchicht, die direkt auf dem Substrat angeordnet ist. Die zweite Schicht ist eine organisch modifizierte Polysiloxanschicht . Die Polysilo- xanschicht ist direkt auf der PassivierungsSchicht angeordnet.
Die erfindungsgemäße korrosionsbeständige Beschichtung besteht somit aus zwei Schichten, die jeweils frei von Cr(VI) sind. Die untere Passivierungsschient ist anorganisch und ist über ein nasschemisches Verfahren auf dem Substrat aufgebracht. Die obere Schicht ist eine organisch modifizierte Polysiloxanschicht. Die Kombination der zwei Schichten der erfindungsgemäßen Beschichtung sieht eine bessere Korrosionsbeständigkeit vor.
Eine zweilagige Beschichtung sieht die Möglichkeit vor, die Eigenschaften der zwei Schichten getrennt zu optimieren, um eine bessere Korrosionsbeständigkeit zu realisieren. Zum Beispiel kann die Haftung der ersten PassivierungsSchicht auf dem Material des Substrats optimiert werden, so dass die gesamte zweilagige Beschichtung sich nicht von dem Substrat löst und die Oberfläche des Substrats vollständig abgedeckt ist.
Die zweite organisch modifizierte Polysiloxanschicht kann optimiert werden, so dass sie auf der ersten Passivierungs- schicht gut haftet und die erste PassivierungsSchicht gut abdeckt. Die zweite Schicht braucht im Prinzip keine gute Haf- tung mit dem Substratmaterial zu haben. Ferner kann die Oberfläche der zweiten organisch modifizierten Polysiloxanschicht optimiert werden, so dass sie Eigenschaften aufweist, die nicht von der unteren ersten PassivierungsSchicht gezeigt werden.
In weiteren Ausführungsformen ist die PassivierungsSchicht und oder die organisch modifizierte Polysiloxanschicht phosphorfrei. Mit "phosphorfrei" ist auch phosphat-frei gemeint. Das Substrat weist somit keine Phosphatierung oder Phosphatier- sungsschicht auf. Die erfindungsgemäße zweilagige Beschichtung ist somit für ein Substrat geeignet, das keine Oberflächenbehandlung aufweist.
Die anorganische PassivierungsSchicht kann verschiedene Zusam- mensetzungen aufweisen. In einer Ausführungsform weist die
PassivierungssChicht Cr(III) auf. Ferner kann diese Passivie- rungsschicht Na und/oder K und/oder Zr aufweisen. Diese Elemente können als Ionen in der Schicht vorhanden sein.
In einer Ausführungsform ist die PassivierungsSchicht eine
Konversionsschicht. Eine KonversionsSchicht weist Komponenten der aufgebrachten Passivierungsschient sowie Komponenten des Substratmaterials auf. Die KonversionsSchicht wird aus einer chemischen Reaktion zwischen dem Grundsubstrat und der darauf aufgebrachten Lösung gebildet. Diese chemische Reaktion kann zu einer verbesserten Haftung zwischen der Passivierungs- schicht und dem Grundsubstrat führen.
Eine gute Beschichtung mit wenig oder sogar kaum Porosität kann durch eine dünne Passivierungsschient erreicht werden. In einer Ausführungsform weist die PassivierungsSchicht eine Di- cke a von 0,2μm ≤ a ≤ 2 um auf. Eine mittlere Dicke von ungefähr 0,5 μm hat sich auch in der Praxis als geeignet und zuverlässig realisierbar gezeigt.
In einer Ausführungsform weist die organisch modifizierte Po- lysiloxanschicht ein ausgehärtetes vernetztes Polymernetzwerk auf. Die Polysiloxanschicht nach dieser Ausführungsform kann somit als Lack bezeichnet werden.
In einer Ausführungsform weist die organisch modifizierte Po- lysiloxanschicht epoxysubstituierte Polysiloxane auf, die über inhärent blockierte Isocyanate zu einem Polymernetzwerk vernetzt werden. Solche Mischungen und die daraus gebildete Schicht sind zum Beispiel in der DE 101 52 853 beschrieben. Die DE 101 52 853 wird explizit in vollem Umfang in Bezug ge- nommen (incorporated by reference) .
Die zweite obere Polysiloxanschicht wird so hergestellt, dass sie dicht und homogen ist und auf Grund geringer Oberflächenspannungen über einen Selbstreinigungseffekt verfügen kann. Der Kontaktwinkel kann zum Beispiel bei 110° liegen. Diese hohe Dichte und Homogenität wird durch ein Sol-Gel Bildungsmechanismus realisiert, bei dem die Schicht gebildet wird.
Die Abscheidungsbedingungen sowie die Aushärtebedingungen kön- nen so ausgewählt werden, dass die zweite obere Polysiloxanschicht über nanoskalige Bestandteile gebildet wird, um eine dichte homogene Schicht zu erzeugen. Abhängig von diesen Be-
dingungen kann die ausgehärtete vernetzte Polysiloxanschicht nanokristallin sein. Abhängig von der Zusammensetzung der Mischung sowie der Aushärtebedingungen wird die organisch modifizierte Polysiloxanschicht aus nanoskaligen Partikeln aufge- baut .
In einer Ausführungsform der Erfindung wird die Passivierungs- schicht aus einer Lösung abgeschieden, wobei die Lösung mindestens ein wasserlösliches Cr(III) Salz enthält. Die Passi- vierungsschicht kann ein Schichtgewicht von 100mg/m2 bis zu 500 mg/m3 aufweisen.
In einer Ausführungsform der Erfindung weist die organisch modifizierte Polysiloxanschicht eine Dicke d auf, wobei lμm ≤ d < 30 μm, vorzugsweise 2μm ≤ d ≤ 25 um, 5μm ≤ d ≤ 25 μm oder
5μπι ≤ d ≤ 15 μm ist, und in einer weiteren Ausführungsform eine Dicke d, wobei lμm < d ≤ 3 μm ist. Eine dickere Schicht kann vorteilhaft sein, um die Deckung der Schicht auf dem Substrat zu verbessern. Eine dickere Schicht kann eine verbesser- te Korrosionsbeständigkeit vorsehen und folglich die Lebensdauer des Substrats verlängern. Eine dichte stabile Schicht mit kaum Porosität und einer niedrigen Schichtdicke d von ungefähr 1 μm bis 10 μm kann mittels eines SoI-Gel-Verfahrens gebildet werden. Dies führt zu einem geringen Material- verbrauch und dadurch zu verminderten Herstellungskosten.
In einer Ausführungsform der Erfindung besteht das Substrat aus einer Al-Druckguss-Legierung. Als Al-Druckgusslegierungs- substrat kann GD-A1S112, GD-A1SÜ2 (Cu) , GD-AlMg3Si, GD- AlSiIOMg, GD-AlSiIOMg(Cu) , GD-AlSi9Cu3 oder GD-AlMg9 vorgesehen werden.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung besteht das Substrat aus einer Al-Knetlegierung. Als Al-Knetlegierungs- substrat kann AlMgI, AlMgI.5, AlMgSiO.5 oder AlZnMgCuO.5 vorgesehen werden.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung besteht das Substrat aus einer der Magnesiumlegierungen AZ91, AM50 und AM60.
Das Substrat wird in einer Ausführungsform in einer säurehaltigen Atmosphäre unter Temperaturen von bis zu ungefähr 12O0C oder bis zu ungefähr 2500C verwendet. Diese Atmosphäre entsteht zum Beispiel bei Abgasen. Das Substrat kann ein Teil einer Abgasanlage eines Fahrzeugs, insbesondere einer Abgasanla- ge mit Abgasrückführung, oder ein Teil einer Heizungsanlage oder einer Wärmeanlage oder einer Rauchgasanlage sein.
Fahrzeuge weisen zunehmend Teile aus Aluminium, Aluminiumlegierungen und anderen Leichtmetallen wie Magnesium und dessen Legierungen auf, die auf Grund des niedrigeren Gewichts und der einfacheren Wiederbearbeitung verschrotteter Teile zunehmend verwendet werden. Im Rahmen der EU-Altauto-Verordnung und der Elektroschrott-Verordnung werden jedoch Cr (VI) -haltige Be- schichtungen verdrängt. Erfindungsgemäß sind beide der zwei Schichten Cr(VI) frei, so dass die erfindungsgemäße Beschich- tungskombination aktuelle und zukünftige Umweltverordnungen erfüllt. Das erfindungsgemäße korrosionsbeständige Substrat kann somit vorteilhaft in Fahrzeuganwendungen verwendet werden.
Bei mancher Anwendung ist auch nicht gewünscht, die Größe von Teilen, wie zum Beispiel Schrauben, durch eine zusätzliche La-
ckierung zu vergrößern, da der Zusammenbau der Anlage erschwert wird. Außerdem sind Lackierungen bei den erhöhten Temperaturen einer Fahrzeugabgasanläge oder eines Motors nicht stabil. Aluminium- oder Magnesium-basierende Substrate mit ei- ner erfindungsgemäßen Cr (Vl) -freien zweilagigen Beschichtung weisen auch ohne eine zusätzliche Lackierung gute Korrosionsbeständigkeit auf und können somit für diese Anwendungen ebenfalls vorteilhaft verwendet werden.
Die Erfindung gibt auch die Verwendung von einer Cr (VI) -freien anorganischen nasschemisch aufgebrachten Schicht als Unterschicht einer auf einein Al-, Al-Legierungs-, Mg- oder Mg-Le- gierungsSubstrat Cr (VI) -freien korrosionsbeständigen zweilagigen Beschichtung an.
Die Erfindung gibt auch die Verwendung von einer Cr (VI) -freien Nanopartikeln aufweisenden organisch modifizierten Polysilo- xanschicht als Oberschicht einer auf einem Al-, Al-Legierungs- , Mg oder Mg-Legierungssubstrat Cr (VI) -freien korroεionsbe- ständigen zweilagigen Beschichtung an.
Erfindungsgemäß weist ein Verfahren zur Herstellung eines Korrosionsbeständigen Substrats folgende Schritte auf. Ein Substrat, das im Wesentlichen aus Aluminium, einer Aluminiumle- gierung Magnesium oder einer Magnesiumlegierung besteht, wird bereitgestellt. Eine anorganische PassivierungsSchicht wird über ein nasschemisches Verfahren direkt auf dem Substrat aufgebracht und danach wird eine organisch modifizierte Polysilo- xanschicht direkt auf die Passivierungsschient aufgebracht. Die organisch modifizierte Polysiloxanschicht weist nanoskali- ge Partikel auf.
Die zwei Schichten der zweilagigen Beschichtung werden in getrennten Verfahrensschritten auf das Substrat aufgebracht. Die zwei Schichten können somit mittels unterschiedlicher Abschei- dungsmethoden aufgebracht werden, die auf unterschiedliche Prinzipien basieren. Ferner können die zwei Schichten unterschiedliche Zusammensetzungen aufweisen.
Eine Lösung, die zumindest ein wasserlösliches Cr(III)-SaIz und ein Alkalimetallsalz, insbesondere ein Alkalimetallhe- xafluorozirkonat wie Natriumhexafluorozirkonat aufweist, wird bereitgestellt und auf die Oberfläche des Substrats aufgebracht. Die Lösung kann auch einen wasserlöslichen Verdicker und einen wasserlöslichen oberflächenaktiven Stoff aufweisen. Solche Lösungen sind in der US 6,375,726, US 6,521,029 sowie US 6,527,841 beschrieben und können mit der darin beschriebenen Vorgehensweise bereitgestellt und verwendet werden. Die US 6,375;726, US 6,521,029 sowie die US 6,527,841 sind explizit in vollem Umfang in Bezug genommen (Incorporated by referen- ce) .
Die aufgebrachte Lösung wird getrocknet und eine Hitzebehandlung zum Bilden der Passivierungsschicht durchgeführt.
Die erste Passivierungsschicht ist in einem Ausführungsbei- spiel auch eine Konversionsschicht . Eine Konversionsschicht zeichnet sich aus, dass Komponenten der Behandlungslösung mit der Substratoberfläche chemisch reagieren, wodurch eine Korrosionsschutzschicht direkt auf dem Substrat entsteht, in die sowohl Komponenten der Behandlungslösung als auch Metallatome oder Metallionen aus der Metalloberfläche eingebaut sind.
Die zweite Polysiloxanschicht kann mittels eines Sol-Gel- Verfahrens aufgebracht werden. Bei einem Sol-Gel-Verfahren kann über kolloidal verteilte Nanopartikel aus einer Lösung eine Verbindung gebildet werden, die ein Polymernetzwerk auf- weist. Diese SoI-Gel-Verbindung kann auf der ersten Passivie- rungsschicht aufgebracht werden, um die nanoskalige Polysiloxanschicht zu bilden. In einer Ausführungsform weist die gebildete vernetzte Polymerschicht korrosionsschützende hydrophobe Eigenschaften auf.
In einer Ausführungsform weist die organisch modifizierte Polysiloxanschicht epoxysubstituierte Polysiloxane und blockierte Isocyanate auf. Beim Aushärten werden die epoxysubstituier- ten Polysiloxane über die inhärent blockierten Isocyanate zu einem Polymernetzwerk vernetzt. Die zweite Schicht wird dadurch geformt .
Als Substrat kann ein Teil einer Abgasanlage eines Fahrzeuges, ein Rauchgasrohr oder ein Teil, das in einer säurehaltigen At- mosphäre bei Temperaturen von bis zu 1200C und sogar bis zu
2500C eingesetzt wird, bereitgestellt werden. Das Substrat kann ein Teil einer Heizungsanlage oder einer Wärmeanlage sein.
Die Passivierungsschicht kann mittels Tauchen oder Spritzen aufgebracht werden. Die Polysiloxanschicht kann mittels Tauchen, Spritzen oder Pulvern aufgebracht werden. Diese Abschei- dungsverfahren haben den Vorteil, dass komplizierte Formen vollständig und zuverlässig in geringerer Zeit beschichtet werden können.
In einer Durchführungsform der Erfindung wird das Substrat zunächst gründlich gereinigt. Die Reinigungsmaßnahrαen werden entsprechend der Zusammensetzung des Substrats sowie der aufzubringenden Schicht ausgewählt. Das Substrat kann durch wäss- rig alkalische Reiniger gereinigt werden. Dies kann die Haftung der ersten PassivierungsSchicht auf dem Substrat sowie die Deckung der ersten PassivierungsSchicht verbessern. In weiteren Schritten kann das Substrat danach ferner durch eine saure oder alkalische Beize und durch eine saure Aktivierung der Oberfläche gereinigt werden.
Die Passivierungsschicht wird in einer Durchführungsform zu einem Schichtgewicht von 100 mg/m2 zu 500 mg/m3 aufgebracht.
In einem weiteren Verfahrensschritt kann nach der Abscheidung der Passivierungsschicht mindestens die Oberfläche der Passivierungsschicht getrocknet werden. Dies verbessert die Haftung der oberen zweiten Polysiloxanschicht auf der ersten Passivierungsschicht und sieht auch eine zuverlässigere Beschichtung vor, da Wasser und/oder organische Bestandteile der unteren ersten Schicht nach dem Auftragen der zweiten Polysiloxanschicht nicht abgedampft werden. Die Bildung von Blasen und Löcher in der Beschichtung wird somit vermieden.
Nach der Abscheidung der Polysiloxanschicht kann in einem weiteren Verfahrensschritt die Polysiloxanschicht ausgehärtet werden.
Die Erfindung wird nun anhand der Zeichnungen sowie der fol- genden weiteren Ausführungsbeispiele näher erläutert.
Figur 1 zeigt eine schematische Ansicht des erfindungsgemäßen Schichtaufbaus ,
Figur 2 zeigt Massenspektren der zweiten organisch modifi- zierten Polysiloxanschicht,
Figur 3 zeigt ein Massenspektrum der zweiten organisch modifizierten Polysiloxanschicht,
Figur 4 zeigt Massenspektren der Grenzschicht zwischen der zweiten organisch modifizierten Polysiloxanschicht und der ersten Passivierungsschient,
Figur 5 zeigt Massenspektren der ersten PassivierungsSchicht innerhalb der Schicht und an der Grenzfläche zum
Substratmaterial
Figur 6 zeigt Massenspektren eines Vergleichssubstrats mit keiner Passivierungsschicht ,
Figur 7 zeigt ein Vergleich der Grenzschicht zwischen dem Substrat und der Passivierungsschicht eines erfindungsgemäßen Substrats und zwischen dem Substrat und einer direkt auf dem Substrat angeordneten Polysilo- xanschicht.
Das Substrat 1 besteht aus einer Aluminiumlegierung und ist zum Beispiel ein Teil einer Abgasanlage. Zumindest eine Oberfläche 2 des Substrats 1 wird mit einer ersten Passivierungs- Schicht 3 beschichtet. Diese Passivierungsschicht 3 ist anorganisch, phosphorfrei und Cr (VI) -frei. Diese Passivierungsschicht 3 ist auch gleichzeitig eine Konversionsschicht, die
aus Metallionen der abgeschiedenen Lösung sowie Metallionen des Substratmaterials gebildet ist. In diesem Ausführungsbeispiel weist die erste PassivierungsSchicht 3 Aluminium und Magnesium aus dem Substrat sowie Cr, Zr und Na aus der darauf abgeschiedenen Lösung auf. Diese Zusammensetzung ist im Massenspektrum der Figur 5 nachgewiesen. Diese erste Passivie- rungsschicht 3 weist eine Dicke von ungefähr1500 nm auf.
Auf der PassivierungssChicht 3 ist eine zweite Schicht 4 ange- ordnet. Diese zweite Schicht 4 ist eine vernetzte Polymerschicht, indem epoxysubstituierte Polysiloxane über inhärent blockierte Isocyanate beim Härten vernetzt werden. Die Zusammensetzung der zweiten Schicht 4 ist in den Massenspektren der Figuren 2 und 3 nachgewiesen. Diese zweite Schicht 4 ist eben- falls phosphorfrei und Cr(VI) -frei. Die zweite Schicht 4 weist eine Dicke von 2 bis 2,5 μm auf. Diese zwei Schichten 3, 4 bilden eine Korrosionsschutzbeschichtung.
Ein Substrat aus Aluminium, einer Aluminiumlegierung, Magnesi- um oder einer Magnesiumlegierung wurde bereitgestellt und durch handelsübliche wässrig alkalische Reiniger gereinigt. Eine Cr (VI) -freie PassivierungsSchicht wurde direkt auf der Oberfläche des Substrats durch Tauchen aufgebracht.
Eine Lösung, die zumindest ein wasserlösliches Cr(III)-SaIz und ein Alkalimetallsalz, insbesondere ein Alkalimetallhe- xafluorozirkonat wie Natriumhexafluorozirkonat aufweist, wird bereitgestellt und auf die Oberfläche 2 des Substrats 1 aufgebracht. Die Lösung kann auch einen wasserlöslichen Verdicker und einen wasserlöslichen oberflächenaktiven Stoff aufweisen. Solche Lösungen sind in der US 6,375,726, US 6,521,029 sowie
US 6,527,841 beschrieben und können mit der darin beschriebenen Vorgehensweise bereitgestellt und verwendet werden.
Geeignete Lösungen auf dieser Basis sind von der Firma der Firma SurTec Deutschland GmbH kommerziell erhältlich. Die erste Passivierungsschicht wurde mit einem der Produkte SurTec 650 und SurTec 651 der Firma SurTec Deutschland GmbH, Zwingenberg, Deutschland, die Cr(III) enthalten, hergestellt.
Auch wurde das völlig chromfreie Produkt Iridite NCP der Firma MacDermid Inc. Denver, USA, verwendet, um eine erste Passivierungsschicht herzustellen.
Diese kommerziell erhältlichen Produkte wurden nach den vorge- gebenen Herstellerinformationen auf der gereinigten Oberfläche des Substrats aufgebracht. Die erste Passivierungsschicht wird mit einem Schichtgewicht von 250 mg/m2 aufgebracht und danach getrocknet .
Die Ergebnisse der Untersuchungen, die in den Figuren 4 bis 7 dargestellt sind, zeigen, dass aus der nasschemisch aufgebrachten Lösung eine Passivierungsschicht gebildet wird, die Metallionen des Substrats sowie Metallionen der darauf aufgebrachten Lösung enthält. Die Passivierungsschicht 3 kann somit als eine KonversionsSchicht bezeichnet werden, die sich auszeichnet, dass Komponenten der Behandlungslösung mit der Substratoberfläche chemisch reagieren, wodurch eine Korrosionsschutzschicht direkt auf dem Substrat entsteht, in die sowohl Komponenten der Behandlungslösung als auch Metallatome oder Metallionen aus der Metalloberfläche eingebaut sind.
Zur Herstellung der Polysiloxanschicht 4 wurde eine zweite Lösung bereitgestellt. Diese zweite Lösung ist eine härtbare Mischung, die mindestens ein Hydrolyseprodukt eines Organosi- lans, der eine Epoxygruppe als funktionelle Gruppe aufweist, und mindestens ein blockiertes Polyisocyanat aufweist. Solche Lösungen sind in der DE 10 52 853 beschrieben.
Geeignete Lösungen auf dieser Basis sind von der Firma NTC Na- no Tech Coatings GinbH, kommerziell erhältlich. Das Produkt Clearcoat U-SiI 120 BW sowie Clearcoat U-SiI 110 der Firma NTC Nano Tech Coatings GmbH, Tholey, Deutschland wurde dabei verwendet, um die zweite obere Polysiloxanschicht herzustellen. Die zweite Lösung wurde über ein Spritzverfahren auf die erste Passivierungsschicht aufgebracht und anschließend zum Bilden der zweiten Polysiloxanschicht ausgehärtet. Die vom Hersteller vorgegebenen Informationen wurden verwendet, um die zweite Polysiloxanschicht abzuscheiden und die aufgebrachte Schicht auszuhärten.
Beim Härten wird das epoxysubstituierte Polysiloxan über die inhärent blockierten Isocyanate vernetzt. Die zweite Schicht bildet sich über Nanopartikel zu einem dichten Polymernetzwerk.
Die Dicke der zweiten Schicht kann im Bereich lμm ≤ d ≤ 30 μm liegen. In diesem Ausführungsbeispiel liegt gemäß der später beschriebenen Untersuchungen die Dicke bei 2μm bis 2,5 μm. Ein erhöhter Korrosionsschutz wird bereits bei Schichtdicken ab lμxα bis 2μm erreicht. Eine Gesamtdicke der zweilagigen Be- Schichtung von 2μm ≤ d ≤ 25 μm hat sich auch als geeignet erwiesen.
Die Korrosionsbeständigkeit der erfindungsgemäß beschichteten Substrate wird in hoch korrosiven Atmosphären untersucht. Aluminiumsubstrate mit einer ersten unteren nasschemisch aufgebrachten Passivierungsschicht und einer zweiten oberen na- noskaligen Polysiloxanschicht wurde erfindungsgemäß bereitgestellt. Die Korrosionsbeständigkeit dieser Substrate in hoch korrosiven Atmosphären wurde durch Kondenswasser-Wechselklima- Tests (DIN ISO 3231) in Schwefeldioxid-Atmosphäre untersucht. 30 Zyklen werden durchgeführt.
Nach dem Kondenswasser-Wechselklimatests wurden die Substrate untersucht . Es wurde nur eine leichte Verfärbung aber keine Korrosion und keine Enthaftung der zweilagigen Beschichtung festgestellt. Die Ergebnisse dieser Tests zeigen, dass die Substrate mit einer erfindungsgemäßen zweilagigen Beschichtung unter den oben genannten Testbedingungen erheblich länger beständig sind als Substrate, die nur eine einzige Schicht der erfindungsgemäßen Beschichtungskombination aufweisen. Al- Substrate und Mg-Substrate, die eine erfindungsgemäße Cr(VI)- freie zweilagige Beschichtung aufweisen, sind gegen hochkorrosive Medien, wie Abgase und Rauchgase auch bei erhöhter Temperatur langzeitig korrosionsbeständig.
Der Schichtaufbau einschließlich der Zusammensetzung sowie die Schichtdicke der erfindungsgemäßen Substrate wurde mittels La- serdesorptionsmassenspektroskopie, LAMMA, und Sekundärneutral- teilchenspektroskopie, SNMS, untersucht. Erfindungsgemäße Substrate mit einer zweilagigen Beschichtung aus einer ersten anorganischen Passivierungsschicht und einer darauf angeordneten isocyanatvernetzten Polymerschicht sowie VergleichsSubstrate mit einer einzigen isocyanatvernetzten Polymerschicht wurden untersucht. Die erste Passivierungsschicht wurde mit dem Pro-
dukt SurTec 650 und die zweite Schicht mit dem Produkt Clear- coat U-SiI 120 BW hergestellt.
Die Oberfläche jeder Probe wurde an ca. 20 Stellen mit dem La- ser bestrahlt. Die Aufnahme der Massenspektren erfolgte an verschiedenen Orten ausgehend von der Oberfläche bis in die Tiefe zum Aluminiumgrundmaterial . Die analysierte Probenfläche pro Laserpuls betrug ca. 1 bis 20 um2. Der Restgasdruck im Probenraum war 0,5 nbar. Die Analyse wurde so ausgeführt, dass an jeder Stelle ein Tiefenprofil erzeugt wurde. Die annähernd konstante Abtragrate pro Laserpuls betrug ca. 80 bis 1209 Na- nometer .
Der Beschichtungsaufbau wird an der Oberfläche mit einem Nd:YAG-Laser bestrahlt und die Beschichtung über ein Tiefenprofil schichtweise ausgehend von der oberen Sol-Gel-Schicht (organisch modifiziertes Polysiloxan) über die Konversionsschicht bis zum Aluminiumsubstrat massenspektroskopisch analysiert .
Die Figuren 2 und 3 zeigen Massenspektren der zweiten organisch modifizierten Polysiloxanschicht, die mittels eines SoI- GeI-Verfahrens hergestellt wurde. Das Massenspektrum zeigt I- socyanatfragmente und Siloxanfragmente der organisch modifi- zierten Polysiloxanschicht. Die Figur 2 zeigt die Massenzahl von 0 bis 140. Die Massenzahl von 140 bis 360 ist in der Figur 3 zu sehen.
Figur 4 zeigt ein Massenspektrum (a) der Grenzsicht zwischen der zweiten organisch modifizierten Polysiloxanschicht und der ersten Passivierungsschicht und ein Massenspektrum (b) der Passivierungsschicht. Hier sind sowohl signifikante Bestand-
teile der PassivierungsSchicht wie Zirkonium und Chrom als auch Polysiloxanfragmente und isocyanatfragmente der Sol-Gel- Schicht zu sehen.
Figur 5 zeigt ein Massenspektrum (a) der ersten Passivierungs- schicht innerhalb der Schicht und ein Massenspektrum (b) an der Grenzfläche zum Substratmaterial. In der Passivierungs- schicht sind neben den Bestandteilen der Passierungslösung wie Zirkonium und Chrom auch Bestandteile des Grundmaterials wie Aluminium, Silizium und Magnesium. Die PassivierungsSchicht kann somit als KonversionsSchicht bezeichnet werden, da diese Schicht Komponenten des Grundmaterials und der Passivierungs- lösung aufweist.
Eine Vergleichsmessung wurde durchgeführt. Substrate bestehend aus einer Al-Legierung und einer Polysiloxanschicht, die mit der Lösung, die bei den Substraten der Figuren 2 bis 5 verwendet wurde, wurden hergestellt. Diese Vergleichssubstrate weisen keine Passivierungsschicht auf. Die Polysiloxanschicht ist somit direkt auf dem Grundsubstrat angeordnet. Die Figur 6 zeigt Massenspektren dieses Vergleichssubstrats, das eine Polysiloxanschicht (Massenspektrum (a) ) aber keine Passivierungsschicht aufweist.
Die Figur 7 zeigt einen Vergleich der Grenzschicht zwischen dem Substrat und der Passivierungsschicht eines erfindungsgemäßen Substrats (Massenspektrum (b) ) und der Grenzschicht zwischen dem Substrat und einer direkt auf dem Substrat angeordneten Polysiloxanschicht (Massenspektrum (a) ) . Hier ist zu se- hen, dass beim VergleichsSubstrat ohne Passivierungsschicht deutlich mehr Sauerstoff in der Grenzschicht vorhanden ist.
Dies würde Korrosion der Oberfläche des Grundsubstrats begünstigen.
Zusammengefasst zeigen die LAMMA Untersuchungen, dass die O- berflächenzusammensetzung über der gesamten analysierten Fläche konstant ist. Die zweite Polysiloxanschicht, die mittels eines SoI-Gel-Verfahrens hergestellt wurde, ist geschlossen. Es wurden keine Inhomogenitäten, Minilöcher oder Fremdeinschlüsse gefunden. Die zweite obere Deckschicht aus Siloxanen und Isocyanat ist nicht leitend und deutlich dicker als die darunter liegende anorganische Passivierungs- bzw. Konversionsschicht. Die Übergangsbreite der Passivierungsschicht zum Aluminium ist breiter als diejenige zur Polysiloaxanschicht . Das Zirkonium liegt wenigstens teilweise als Zirkonoxid vor.
Der Vergleich mit dem Substrat ohne Passivierungsschicht weist darauf hin, dass diese einlagige Vergleichsbeschichtung dünner als die zweilagige Beschichtung ist. Der Sauerstoffgehalt am Interface zwischen der Polysiloxanschicht und dem Aluminium- Substrat des Vergleichssubstrats ist höher als am Interface zwischen der Passivierungsschicht und dem Aluminiumsubstrat des erfindungsgemäßen Substrats mit zweilagiger Beschichtung.
Substrate aus den Al-Druckguss-Legierungen AlSil2, AlMg3Si, AlSiIOMg, AlSi9Cu3 und AlMg9 sowie den Al-Knetlegierungen
AlMgI, AlMgI.5, AlMgSiO.5 und AlZnMgCuO.5 und den Magnesiumlegierungen AM50, AM60 und AZ91 können ebenfalls mit einer erfindungsgemäßen zweilagigen Beschichtung beschichtet werden. Diese Substrate weisen auch gute Korrosionsbeständigkeit in säurehaltigen Medien bei erhöhten Temperaturen auf. Dieses Ergebnis wird auch durch Kondenswasser-Wechselklima-Tests (DIN ISO 3231) in Schwefeldioxid-Atmosphäre nachgewiesen.