Verfahren zur Auftrennung eines C4-Schnittes durch Extraktivdestillation mit einem selektiven Lösungsmittel
Beschreibung
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Auftrennung eines C4-Schnittes durch Extraktivdestillation mit einem selektiven Lösungsmittel.
Der beispielsweise in Crackern anfallende so genannte C4-Schnitt umfasst ein Gemisch von Kohlenwasserstoffen, wobei die C4-KOh lenwasserstoffe, insbesondere 1- Buten, i-Buten sowie 1 ,3-Butadien überwiegen. Neben geringen Menge an C3- und C5- Kohlenwasserstoffen enthält der C4-Schnitt in der Regel C3- und C4-Acetylene, z.B. 1- Butin, Butenin und Propin, insbesondere 1-Butin (Ethylacetylen) und Butenin (Vinylace- tylen).
Die Gewinnung von 1 ,3-Butadien aus derartigen Gemischen ist wegen der geringen Unterschiede in den relativen Flüchtigkeiten ein kompliziertes destillationstechnisches Problem. Daher wird die Auftrennung durch eine so genannte Extraktivdestillation durchgeführt, das heißt eines Destillation unter Zugabe eines selektiven Lösungsmittels, das einen höheren Siedepunkt als das aufzutrennende Gemisch aufweist und das die Unterschiede in den relativen Flüchtigkeiten der aufzutrennenden Komponenten erhöht.
Durch Auswahl geeigneter selektiver Lösungsmittel ist es möglich, den C4-Schnitt per Extraktivdestillation in einen Kopfstrom aufzutrennen, enthaltend die weniger als 1 ,3- Butadien löslichen Kohlenwasserstoffe, insbesondere Butane und Butene, sogenanntes Raffinat I, und ein mit den übrigen Kohlenwasserstoffen aus dem C4-Schnitt, insbesondere 1 ,3-Butadien, den Butinen sowie gegebenenfalls 1 ,2-Butadien beladenes Lö- sungsmittel, woraus die genannten Kohlenwasserstoffe anschließend unter Rückgewinnung des Lösungsmittels ausgegast werden.
Die Kapazität bestehender Anlagen zur Extraktivdestillation ist insbesondere durch die folgenden Parameter festgelegt:
die Temperatur des selektiven Lösungsmittels bei der Zuführung in die Extrak- tivdestillationskolonne, die Temperatur am Kopf der Kolonne aus der Raffinat I abgezogen wird, die Anzahl der theoretischen Trennstufen in der Extraktivdestillationskolonne, - die Dampf- und/oder Flüssigkeitsbelastung der Extraktivdestillationskolonne, der Druck in der Extraktivdestillationskolonne sowie
die Lösungsmittel-Umlaufmenge.
Diese Parameter können nur begrenzt im Sinne einer Steigerung der Kapazität der Anlage verändert werden, weil technische oder wirtschaftliche Grenzen erreicht wer- den:
So ist die Temperatur, auf die das selektive Lösungsmittel vor der Zuführung desselben abgekühlt werden kann und die Kondensationstemperatur des Kopfstromes für Raffinat I durch das verfügbare Kühlmittel, in der Regel Flusswasser, begrenzt. Die Anzahl der theoretischen Trennstufen für eine gegebene Extraktivdestillationskolonne ist bei bestehenden Anlagen vorgegeben und bei Neuanlagen aus insbesondere wirtschaftlichen Gründen begrenzt. Schließlich kann die Dampf- und/oder Flüssigkeitsbelastung einer Kolonne nicht über einen bestimmten Bereich erhöht werden, ohne den ordnungsgemäßen Betrieb derselben nachteilig zu beeinflussen.
Es war daher Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur Verfügung zu stellen, wonach die Kapazität bestehender Anlagen zur Auftrennung von C4-Schnitten durch Extraktivdestillation mit einem selektiven Lösungsmittel ohne weitere Veränderung der oben dargelegten bekannten Einflussparameter gesteigert werden kann. Insbesondere sollte der aufzutrennende Feedstrom erhöht und/oder der spezifische Energieverbrauch der Anlage ohne weitere Veränderung der Betriebsbedingungen erniedrigt werden.
Die Lösung besteht in einem Verfahren zur Auftrennung eines C4-Schnitt.es durch Extraktivdestillation mit einem selektiven Lösungsmittel durch Gegenstromführung des C4-Schnitt.es und des selektiven Lösungsmittels in flüssiger Phase in einer Destillationseinheit, unter Abtrennung eines Kopfstromes, enthaltend die Butane und die Bute- ne aus dem C4-Schnitt sowie eines Sumpfstromes, enthaltend das selektive Lösungsmittel und die übrigen Komponenten des C4-Schnitt.es, außer den Butanen und den Butenen, aus dem in weiteren Verfahrensschritten die übrigen Komponenten des C4- Schnittes, außer den Butanen und den Butenen ausgegast werden, das dadurch gekennzeichnet ist, dass zwischen der Abzugsstelle für den Kopfstrom und der Abzugsstelle für den Sumpfstrom Energie aus der Destillationseinheit abgezogen wird.
Es wurde gefunden, dass es möglich ist, die Kapazität bestehender Anlagen zur Extraktivdestillation von C4-Schnitten in einfacher Weise, mit geringem apparativen und energetischen Aufwand durch Beeinflussung des Temperaturprofils zu verbessern, indem Energie aus dem Verfahren abgezogen wird, ohne dass hierbei die Endwerte des Temperaturverlaufs verändert werden.
Beispielsweise kann durch Abziehen einer entsprechenden Menge an thermischer Energie eine Temperaturabsenkung von bis zu 100C erreicht werden.
Die Erfindung ist nicht eingeschränkt bezüglich der konkreten Durchführung des Verfahrens zur Auftrennung eines C4-Schnitts durch Extraktivdestillation mit einem selektiven Lösungsmittel. Insbesondere kann es sich auch um ein Verfahren handeln, bei dem zusätzlich zur Extraktivdestillation eine Selektivhydrierung acetylenischer Verunreinigungen durchgeführt wird.
Das erfindungsgemäße Verfahren ist beispielsweise anwendbar auf eine Verfahrensvariante, bei der die Destillationseinheit, in der die Extraktivdestillation durchgeführt wird, aus zwei Kolonnen gebildet ist, die untereinander mit einer Flüssigkeitsleitung und einer Dampfleitung verbunden sind. In dieser Verfahrensvariante wird vorteilhaft Energie aus der Flüssigkeits- und/oder der Dampfleitung abgezogen. In der Verfahrensvariante mit zwei Kolonnen wird der ersten Kolonne bevorzugt dem unteren Bereich derselben, der C4-Schnitt, bevorzugt dampfförmig zugeführt und im Gegenstrom hierzu, im oberen Bereich der ersten Kolonne, das selektive Lösungsmittel. Am Kopf der ersten Kolonne wird ein Strom, enthaltend die leichter als 1 ,3-Butadien siedenden Kohlenwasserstoffe, insbesondere Butane und Butene, so genanntes Raffinat I, abgezogen.
Die erste Kolonne ist über eine Flüssigkeits- und eine Dampfleitung mit einer zweiten Kolonne verbunden, in der die Abtrennung eines mit den übrigen Komponenten aus dem C4-Schnitt gegenüber den Butanen und Butenen beladenen selektiven Lösungsmittels über Sumpf erfolgt. Hieraus werden in einem oder mehreren weiteren Apparaten die weiteren Komponenten des C4-Schnitts aus dem selektiven Lösungsmittel ab- getrennt, wobei insbesondere ein Roh-1 ,3-Butadienstrom erhalten wird. Hierbei wird als Roh-1 ,3-Butadien in bekannter Weise ein Kohlenwasserstoffgemisch verstanden, das das Wertprodukt 1 ,3-Butadien in einem Anteil von mindestens 80 Gew.%, bevorzugt mindestens 90 Gew.%, oder auch mindestens 95 Gew.%, Rest Verunreinigungen, enthält.
Zusätzlich oder alternativ ist es möglich, an einer oder mehreren weiteren Stellen der Destillationseinheit Flüssigkeit und/oder Gas abzuziehen, über einen außen liegenden Wärmetauscher zu führen und darin abzukühlen und erneut in die Destillationseinheit an derselben Stelle zurückzuführen, an der der Abzug der Flüssigkeit oder des Gases erfolgt war, oder an einer hiervon verschiedenen Stelle.
Zusätzlich oder alternativ ist es möglich, Flüssigkeit und/oder Gas über innenliegende Kühleinrichtungen in der Destillationseinheit zu kühlen.
Darüber hinaus ist es zusätzlich oder alternativ möglich, den der Destillationseinheit zugeführten C4-Schnitt teilweise oder vollständig in flüssiger Form zuzuführen.
Der vorliegend als Ausgangsgemisch einzusetzende sogenannte C4-Schnitt ist ein Gemisch von Kohlenwasserstoffen mit überwiegend vier Kohlenstoffatomen pro Molekül. C4-Schnitte werden beispielsweise bei der Herstellung von Ethylen und/oder Pro- pylen durch thermisches Spalten einer Petroleumfraktion wie verflüssigtes Petroleum- gas, Leichtbenzin oder Gasöl erhalten. Weiterhin werden C4-Schnitte bei der katalyti- schen Dehydrierung von n-Butan und/oder n-Buten erhalten. C4-Schnitte enthalten in der Regel Butane, Butene, 1 ,3-Butadien, daneben geringe Mengen an C3- und C5- Kohlenwasserstoffen, sowie Butine, insbesondere 1-Butin (Ethylacetylen) und Butenin (Vinylacetylen). Dabei beträgt der 1 ,3-Butadiengehalt im Allgemeinen 10 bis 80 Gew.- %, vorzugsweise 20 bis 70 Gew.-%, insbesondere 30 bis 60 Gew.-%, während der Gehalt an Vinylacetylen und Ethylacetylen im Allgemeinen 5 Gew.-% nicht übersteigt.
Geeignete selektive Lösungsmittel für das erfindungsgemäße Verfahren sind zum Beispiel Butyrolacton, Nitrile wie Acetonitril (ACN), Propionitril, Methoxypropionitril, Ketone wie Aceton, Furfural, N-alkylsubstituierte niedere aliphatische Säureamide, wie Di- methylformamid (DMF), Diethylformamid, Dimethylacetamid, Diethylacetamid, N- Formylmorpholin, N-alkylsubstituierte cyclische Säureamide (Lactame) wie N- Alkylpyrrolidone, insbesondere N-Methylpyrrolidon. Im Allgemeinen werden N- alkylsubstituierte niedere aliphatische Säureamide oder N-alkylsubstituierte cyclische Säureamide verwendet. Besonders vorteilhaft sind Dimethylformamid und insbesondere N-Methylpyrrolidon.
Es können jedoch auch Mischungen dieser Lösungsmittel untereinander, zum Beispiel von N-Methylpyrrolidon mit Acetonitril, sowie Mischungen dieser Lösungsmittel mit Co- lösungsmitteln, wie Wasser, Ethern, zum Beispiel Methyl-tert.-butylether, Ethyl-tert- butylether, Propyl-tert.-butylether, n- oder iso-Butyl-tert.-butylether und/oder Alkoholen, zum Beispiel Isopropanol, eingesetzt werden.
Besonders geeignet ist N-Methylpyrrolidon, bevorzugt in wässriger Lösung, insbeson- dere mit 8 bis 10 Gew.-% Wasser, besonders bevorzugt mit 8,3 Gew.-% Wasser.
Besonders geeignet sind auch DMF, ACN, sowie Mischungen von ACN mit Wasser und/oder Alkohol.
Die Erfindung wird im Folgenden anhand einer Zeichnung und eines Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Es zeigen im Einzelnen:
Figur 1 die schematische Darstellung einer Destillationseinheit mit zwei Kolonnen Kl und KII, an die sich eine Reinigungs- und Entgasungseinheit E anschließt.
Figur 2 die schematische Darstellung des Temperaturverlaufs in der in Figur 1 dargestellten Anlage, ohne Abzug von Energie (Kurve I, zum Vergleich) und mit Abzug von Energie zwischen der Abzugsstelle für den Kopfstrom und der Abzugsstelle für den Sumpfstrom (Kurve II, erfindungsgemäß).
Einer Destillationseinheit, umfassend zwei Destillationskolonnen Kl und KII wird ein selektives Lösungsmittel, Strom 1 , bei einer Temperatur T1 im oberen Bereich der Kolonne Kl zugeführt, und ein aufzutrennender C4-Schnitt, Strom 2, im unteren Bereich der Kolonne Kl. Aus der Kolonne Kl wird ein Kopfstrom 3 abgezogen, in einem außen liegenden Kondensator auf eine Temperatur T2 abgekühlt, teilweise aus dem Verfah- ren abgezogen und im übrigen als Rücklauf auf der Kolonne Kl aufgegeben.
Die Kolonne Kl ist über eine Flüssigkeitsleitung 4 und eine Dampfleitung 5 mit der Kolonne KII verbunden. Aus der Kolonne KII wird ein Sumpfstrom 6 abgezogen, enthaltend selektives Lösungsmittel, das mit den restlichen Komponenten des C4-Schnitts außer den Butanen und Butenen beladen ist. Dieser Strom wird einer Reinigungs- und Entgasungseinheit E zugeführt und hieraus ein Roh-1 ,3-butadien enthaltender Strom 9 sowie ein C4-Acetylene sowie Schwersieder, das heißt Verbindungen mit einem Siedepunkt höher als dem Siedepunkt von 1 ,3-Butadien, enthaltender Strom 10, abgezogen, unter Verbleib von gereinigtem selektivem Lösungsmittel, das als Sumpfstrom 8 abge- zogen wird.
Die Reinigungs- und Entgasungseinheit E ist über eine Dampfleitung 7 mit der Kolonne KII verbunden.
Erfindungsgemäß wird aus den Verbindungsleitungen 4 und/oder 5 zwischen den Kolonnen Kl und KII, von einer oder mehreren geeigneten Stellen der Kolonnen Kl und/oder KII und/oder aus dem Feedstrom enthaltend den C4-Schnitt, Strom 2, Energie abgezogen.
Figur 2 zeigt die schematische Darstellung des Temperaturverlaufs in einem Verfahren nach dem Stand der Technik (Kurve I) ohne Abzug von Energie, und in einem Verfahren nach der Erfindung (Kurve II) mit Abzug von Energie zwischen den Abzugsstellen für den Kopfstrom 3 und den Sumpfstrom 6.
Ausführungsbeispiel
In einem Verfahren zur Auftrennung eines C4-Schnitts durch Extraktivdestillation mit 8,3 Gew.-% Wasser enthaltendem N-Methylpyrrolidon als selektivem Lösungsmittel in einer Anlage entsprechend der schematischen Darstellung in Figur 1 wurde der Flüssigkeitsstrom 4 aus der Kolonne Kl abgezogen, um 100C abgekühlt und in das Verfah- ren an der Abzugsstelle desselben recycliert. Dadurch konnte die Menge des Feedstromes, enthaltend den C4-Schnitt Strom 2, um 8 % gegenüber dem Verfahren zum Vergleich, nach dem Stand der Technik, ohne Abkühlung des Stromes 4, erhöht werden, bei ansonsten unveränderten Betriebsbedingungen, und die Kapazität der Anlage entsprechend erhöht werden.