Bürstendichtung für eine Strömungsmaschine
Die Erfindung betrifft eine Bürstendichtung für eine Strömungsmaschine zum Abdichten eines Spaltes zwischen einem rotierenden und einem stehenden Bauteil der Strömungsmaschine, bei der elastisch biegsame Borsten in mehreren, nebeneinander angeordneten Borstenreihen vorgesehen sind.
In Strömungsmaschinen mit rotierenden und stehenden Bauteilen werden Dichtelemente unterschiedlicher Bauart zur Abdichtung verschiedener Druckräume verwendet. Hierbei kommen zwischen den rotierenden und den stehenden Bauteilen insbesondere berührungslose Dichtungen (z. B. Labyrinthdichtungen) oder nachgiebige berührende Dichtelemente zum Einsatz. Zu nachgie¬ bigen berührenden Dichtelementen werden unter anderem so genannte Bürstendichtungen gezählt, bei denen Borsten zur Abdichtung zwischen Räumen mit unterschiedlichen Drücken verwendet werden.
Während berührungslose Dichtungen zum Abdichten von Druckdif¬ ferenzen von einigen Millibar bis zu mehreren hundert bar geeignet sind, ist der Verwendungsbereich von Bürstendichtungen selbst bei mehrstufiger Anordnung (mehrere Bürstendichtungen hintereinander) aufgrund des "Blow-Over-Effektes" und eines "Auffächerns" in Bezug auf die maximale Druckdifferenz be¬ grenzt .
Der "Blow-Over-Effekt" ist in Fig. 1 durch eine Querschnitts¬ darstellung einer Bürstendichtung 10 gemäß dem Stand der Technik veranschaulicht. Bei dieser Bürstendichtung 10 sind Borsten 12 in mehreren Reihen angeordnet und in einem Grundkörper 14 befestigt. Der Grundkörper 14 ist an zwei gegenüberliegenden Seiten von je einem Führungsblech 16 einge- fasst, von denen das in Fig. 1 rechts dargestellte Führungs¬ blech 16 derart weit an den unteren Endbereich der Borsten 12 reicht, dass es die Borsten 12 dort abstützt. Bei einer ent¬ sprechend hohen Druckdifferenz "pi >> p2"an der Bürstendich-
tung 10 werden die Borsten 12 an diesem unteren Endbereich jedoch derart stark gebogen, dass Medium von dem in Fig. 1 linksseitigen Druckraum in den rechtsseitigen Druckraum überströmen kann.
In Fig. 2 ist das "Auffächern" einer Bürstendichtung 10 an einer Querschnittsdarstellung entsprechend der von Fig. 1 veranschaulicht. Beim "Auffächern" kommt es aufgrund einer ungünstigen Anströmung des unteren Endbereiches der Borsten 12 dazu, dass einzelne Borsten zum linksseitigen Druckraum hin aufbogen werden, sodass wiederum Medium aus diesem unter einem Druck pi stehenden Druckraum in den rechtsseitigen, unter einem niedrigeren Druck p2 stehenden Druckraum gelangen kann .
Um die Leistungsfähigkeit bekannter Bürstendichtungen zu steigern, werden bei bisherigen Lösungen die einzelnen Borsten vergleichsweise dick ausgeführt, die einzelnen Borsten¬ pakete durch ein Führungsblech bzw. einen Stützring gehalten (siehe Fig. 1 und 2, das rechte Führungsblech 16) und/oder das einzelne Borstenpaket insgesamt relativ breit bzw. dick ausgeführt .
Trotzdem sind der ertragbaren Druckdifferenz bekannter Bürs- tendichtungen weiterhin die oben genannten Grenzen gesetzt. Insbesondere können aufgrund des notwendigen Radialspiels zwischen den rotierenden und stehenden Bauteilen die Borsten mit einem Führungsblech bzw. einem Stützring nicht beliebig nah an einem gegenüberliegenden Bauteil abgestützt werden.
Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Bürstendichtung der eingangs genannten Art dahingehend zu verbessern, dass bei einer damit ausgerüsteten Strömungsmaschine höhere Druckdifferenzen abgedichtet werden können.
Die Aufgabe ist erfindungsgemäß mit einer Bürstendichtung ge¬ mäß Anspruch 1 und einer Strömungsmaschine gemäß Anspruch 14
gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen definiert.
Die erfindungsgemäße Bürstendichtung für eine Strömungsma- schine zum Abdichten eines Spaltes zwischen einem rotierenden und einem stehenden Bauteil der Strömungsmaschine weist die eingangs genannten elastisch biegsamen Borsten in mehreren, nebeneinander angeordneten Borstenreihen auf, wobei die erfindungsgemäße Bürstendichtung einstufig ausgebildet ist. Zwischen mindestens zwei Borstenreihen ist darüber hinaus eine Folie oder eine Scheibe bzw. Membran angeordnet, welche sich in Längsrichtung der Borsten erstreckt.
Eine einstufige Bürstendichtung zeichnet sich dadurch aus, dass mehrere Borsten im Wesentlichen berührend über ihre
Länge angeordnet sind und dadurch ein Borstenpaket gebildet wird. Somit zeichnet sich eine einstufige Bürstendichtung durch ein mehrere eng beieinander liegenden Borsten umfassendes Borstenpaket aus. Ein weiteres Merkmal einer einstufigen Bürstendichtung ist die Befestigung der Borsten in einem Bürstendichtungshalter, wobei die im Bürstendichtungshalter angeordneten Borstenenden eng beieinander liegen.
Mehrstufige Bürstendichtungen zeichnen sich durch zumindest zwei räumlich getrennte und hintereinander angeordnete Bors¬ tenpakete aus, wobei die jeweiligen Borstenpakete sich in der Regel nicht berühren.
Die Bürstendichtung gemäß der Erfindung weist also zwischen den einzelnen Borstenreihen seiner Borstenpakete mindestens eine Zwischenlage in Form einer Folie oder einer Scheibe auf. Die Scheibe kann dabei insbesondere ein dünnes Blech sein. Mit den derartigen erfindungsgemäßen Folien bzw. Scheiben wird erreicht, dass sich die einzelnen Borsten und erfin- dungsgemäßen Zwischenlagen gegenseitig stützen. Die Gefahr eines Umknickens von Borsten um die Kante eines Führungsble¬ ches (siehe Fig. 1) oder eines Auffächerns von Borsten (siehe Fig. 2) ist erfindungsgemäß stark vermindert. Auf diese Weise
ist die erfindungsgemäße Bürstendichtung auch für höhere Druckdifferenzen geeignet. Das Auffächern einzelner Borsten durch eine drallbehaftete Anströmung einer Bürstendichtung kann mit den erfindungsgemäßen Folien oder Scheiben insbeson- dere einströmseitig vermindert werden.
Um die erfindungsgemäße Folie oder Scheibe an der Büstendich¬ tung kostengünstig anbringen und dauerhaft haltern zu können, ist es bevorzugt die Borsten mit einem Endbereich an einem Grundkörper ortsfest anzubringen und die Folie oder die
Scheibe mit einem Randbereich ebenfalls mittels diesem Grund¬ körper zwischen den Borsten zu halten.
Die erfindungsgemäße Folie oder Scheibe besteht bevorzugt aus einem Material mit abrasiven Eigenschaften. So kann die Folie oder die Scheibe genau so lang wie die Borsten sein, wodurch die Steifigkeit der Borstenspitzen vergrößert wird und da¬ durch ein Umknicken der Borsten um die Kante des Führungsblechs stark vermindert wird. Die Folie oder die Scheibe ist hierbei vorteilhafterweise aus einer Metall-Matrix oder aus Graphit hergestellt.
Die erfindungsgemäße Folie oder Scheibe ist bevorzugt aus Kunststoff und/oder Metall hergestellt. Mit derartigen Mate- rialen können die gewünschten Stützeffekte je nach erforderlicher Betriebstemperatur der Bürstendichtung kostengünstig erzielt werden.
Darüber hinaus ist es erfindungsgemäß bevorzugt die Folie oder die Scheibe zumindest abschnittsweise perforiert und/oder zumindest abschnittsweise geschlitzt zu gestalten. Mit derartigen Bürstendichtungen kann der "Blow-Down-Effekt " der Bürstendichtung (d.h. das Schließen der Bürstendichtung durch radiale Druckkräfte auf das zugehörige Borstenpaket) aufrechterhalten werden.
Schließlich ist es erfindungsgemäß bevorzugt, die Folie oder die Scheibe hinsichtlich der Längserstreckung der Borsten
genauso lang wie diese und/oder kürzer als diese zu gestal¬ ten. Ferner lässt sich die erfindungsgemäße Packung von Bors¬ ten mit zugehöriger Folie oder Scheibe beliebig oft stapeln und beliebig dick ausführen. Die Anzahl von Folien oder Scheiben sowie deren einzelnen Dicke kann je nach Anforderung an die Dichtsituation variiert werden. Die Folien oder Scheiben können zusammen mit den zugehörigen Borsten vergossen, eingespritzt, verschweißt, gewickelt und/oder geklemmt ausge¬ führt werden.
Bevorzugt weist die Folie oder die Scheibe eine Struktur zum Stützen der Borsten auf. Durch diese vergleichsweise leicht herstellbare Maßnahme kann die Steifigkeit des Blechs weiter erhöht werden. Dabei wird die Folie oder die Scheibe in ihrer Längsrichtung im Wesentlichen geknickt, um damit ein Verbiegen zu vermeiden.
Vorteilhafterweise wird die Folie oder die Scheibe sinusför¬ mig, U-förmig oder dreieckförmig gewellt ausgebildet.
Nachfolgend wird ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsge¬ mäßen Bürstendichtung anhand der beigefügten schematischen Zeichnungen näher erläutert.
Es zeigt:
Fig. 1 einen Querschnitt einer Bürstendichtung gemäß dem
Stand der Technik zur obigen Erläuterung des "Blow-
Over-Effektes",
Fig. 2 einen Querschnitt einer Bürstendichtung gemäß dem Stand der Technik zur obigen Erläuterung des "Auf- fächerns" ,
Fig. 3 einen Querschnitt und darunter eine teilweise per- spektivische Ansicht eines Ausführungsbeispiels einer Bürstendichtung gemäß dem Stand der Technik, welches jenem der Fig. 1 und 2 entspricht,
Fig. 4 einen Querschnitt eines weiteren Ausführungsbei¬ spiels einer Bürstendichtung gemäß dem Stand der Technik,
Fig. 5 einen Querschnitt und darunter eine teilweise per¬ spektivische Ansicht eines Ausführungsbeispiels einer erfindungsgemäßen Bürstendichtung, welche auf einer Bürstendichtung gemäß Fig. 3 basiert,
Fig. 6 einen Querschnitt eines weiteren Ausführungsbei¬ spiels einer erfindungsgemäßen Bürstendichtung, welche auf einer Bürstendichtung gemäß Fig. 4 basiert,
Fig. 7 eine teilweise perspektivische Ansicht eines
Ausführungsbeispiels einer erfindungsgemäßen Bürs¬ tendichtung mit einer gewellten Struktur der Scheibe,
Fig. 8 eine Ansicht von unten in Längsrichtung der Borsten gesehen eines Ausführungsbeispiels einer erfin¬ dungsgemäßen Bürstendichtung,
Fig. 9 eine Ansicht von unten in Längsrichtung der Borsten gesehen eines Ausführungsbeispiel einer erfindungs¬ gemäßen Bürstendichtung,
Fig. 10 eine Ansicht von unten in Längsrichtung der Borsten gesehen eines Ausführungsbeispiels einer erfin- dungsgemäßen Bürstendichtung,
Fig. 11 eine Ansicht von unten in Längsrichtung der Borsten gesehen eines Ausführungsbeispiels einer erfin¬ dungsgemäßen Bürstendichtung.
In Fig. 3 ist eine Bürstendichtung 10 des Standes der Technik veranschaulicht, welche sich im Wesentlichen parallel erstre¬ ckende Borsten 12 aufweist, die zusammen ein Borstenpaket bilden. Die Borsten 12 sind in einen Grundkörper 14 eingegos- sen, der sich zwischen zwei Führungsblechen 16 befindet. Die Führungsbleche 16 erstrecken sich einzeln in Längsrichtung der Borsten 12, wobei das bezogen auf Fig. 3 rechtsseitige Führungsblech 16 mit seinem unteren Endbereich in Richtung zu den Borsten 12 gekrümmt ist und die Borsten 12 an deren unte- ren Endbereich abstützt. Beim Rotieren der derartigen Bürstendichtung 10 in Richtung eines Pfeils 18 erfahren die bezogen auf Fig. 3 unteren Endbereiche der Borsten 12 einen Reibungswiderstand an einem (in den Fig. 3 bis 6 jeweils nicht dargestellten) gegenüberliegenden stehenden Bauteil, und die Borsten 12 werden dadurch entgegen ihrer Hauptbewegungsrichtung um einen Winkel 20 gekrümmt.
In Fig. 4 ist ein Ausführungsbeispiel einer Bürstendichtung 10 gemäß dem Stand der Technik veranschaulicht, bei dem Bors- ten 12 um einen zentralen Draht 22 gelegt und außenseitig von einer im Querschnitt im wesentlichen kreisförmigen Schale 24 umfasst sind. Die Borsten 12 ragen aus dieser Schale 24 bezo¬ gen auf Fig. 4 nach unten in Richtung auf ein (nicht dargestelltes) stehendes Bauteil heraus.
In Fig. 5 ist ein Ausführungsbeispiel einer Bürstendichtung 10 gemäß der Erfindung veranschaulicht, welche ebenfalls Borsten 12, einen Grundkörper 14 sowie zwei Führungsbleche 16 aufweist. Die Bürstendichtung 10 rotiert ebenfalls in Rich- tung eines Pfeils 18. Die Borsten 12 sind dabei im wesentlich parallel zueinander in Borstenreihen 28 angeordnet und zwischen diesen Borstenreihen 28 befinden sich insgesamt zwei Folien 30 und 32. Die dabei einem Druckraum 34 mit vergleichsweise niedrigem Druck zugewandte Folie 30 ist in ihrer Folienfläche geschlossen ausgebildet. Hingegen ist die Folie 32, welche einen Druckraum 36 mit vergleichsweise hohem Druck zugewandt ist, mittels Öffnungen 38 perforiert ausgestaltet.
Die Fig. 5 zeigt eine einstufige Bürstendichtung 10. Die zwei Folien 30 und 32 sind aus einem Material mit abrasiven Eigenschaften hergestellt. Als abrasives Material kann hierbei eine Metall-Matrix oder Graphit dienen.
Die Fig. 7 zeigt eine erfindungsgemäße Bürstendichtung, wobei die Folie 30, 32 eine Struktur zum Stützen der Borsten 12 aufweist. Die perspektivische Darstellung der Bürstendichtung gemäß Fig. 7 zeigt eine dreieckförmige Struktur der Folie 30, 32.
In der Fig. 8 ist die dreieckförmige Struktur von unten gezeigt.
Die Fig. 9 und die Fig. 10 zeigen eine sinusförmige bzw. eine U-förmige Struktur der Folie 30, 32. Die Folie 30, 32 gemäß Fig. 11 wird durch in Längsrichtung der Borsten ausgebildete Stege 40 verbessert, wobei die Steifigkeit der Folie 30, 32 erhöht wird.
In Fig. 6 ist ein weiteres Ausführungsbeispiel einer erfin- dungsgemäßen Bürstendichtung 10 dargestellt, welches hinsichtlich Borsten 12, einem Draht 22 und einer Schale 24 wie das in Fig. 4 dargestellte Ausführungsbeispiel des Standes der Technik gestaltet ist. Zwischen den um den Draht 22 gelegten Borsten 12 befindet sich bei dem Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 6 jedoch ferner eine Folie 30, sodass sich im Be¬ reich der aus der Schale 24 herausragenden Borsten wiederum die in Fig. 5 unten perspektivisch veranschaulichte Schichtung von Borsten 12 und Folie/n 30 bzw. 32 ergibt.