Verfahren zur Herstellung hochkonzentrierter Lösungen von selbstassemblie- renden Proteinen
Die vorliegende Erfindung betrifft stabile wässrige Proteindispersionen, umfassend in einer wässrigen Phase wenigstens ein selbstassemblierendes Protein in dispergierter Form sowie wenigstens ein spezielles Dispergiermittel für das selbstassemblierende Protein; Verfahren zur Herstellung solcher stabilen wässrigen Dispersionen; Verfahren zur Elektroverspinnung von selbstassemblierenden Proteinen unter Verwendung solcher stabiler wässriger Dispersionen; Verfahren zur Herstellung von Faserflächenge- bilden oder Fasern aus solchen wässrigen Dispersionen; die Verwendung solcher wässriger Dispersionen zur Beschichtung von Oberflächen; die Verwendung der durch Elektroverspinnung hergestellten Materialien zur Herstellung von Medizinprodukten, Hygieneartikeln und Textilien; sowie Faser- oder Faserflächengebilde, hergestellt nach einem erfindungsgemäßen Elektroverspinnungsverfahren.
Stand der Technik
Das Elektrospinnverfahren (auch bezeichnet als„Electrospinning" oder„Elektroverspinnung") ist ein bevorzugtes Verfahren zur Herstellung von Nano- und Mesofasern. Bei diesem Verfahren, welches beispielsweise von D.H. Reneker, H.D. Chun in Nano- techn. 7 (1996), Seite 216 f. beschrieben ist, wird üblicherweise eine Polymerschmelze oder eine Polymerlösung an einer als Elektrode dienenden Kante einem hohen elektrischen Feld ausgesetzt. Dies kann beispielsweise dadurch erreicht werden, dass die Polymerschmelze oder Polymerlösung in einem elektrischen Feld unter geringem Druck durch eine mit einem Pol einer Spannungsquelle verbundene Kanüle extrudiert wird. Aufgrund der dadurch erfolgenden elektrostatischen Aufladung der Polymerschmelze oder Polymerlösung entsteht ein auf die Gegenelektrode gerichteter Materialstrom, der sich auf dem Wege zur Gegenelektrode verfestigt. In Abhängigkeit von den Elektrodengeometrien werden mit diesem Verfahren Vliese bzw. sogenannte Nonwovens oder Ensembles geordneter Fasern erhalten.
Auch natürliche Ausgangsstoffe, wie Biopolymere oder davon abgeleitete synthetische Polymere sind durch Elektroverspinnung verarbeitbar. Beispielsweise ist die Verarbeitung von Spinnenseidenproteinen der Spinne Nephila clavipes aus einer Hexafluoro-2-propanol-Lösung zu Nanofasern mittels des Elektro- verspinnens von Zarkoob und Reneker beschrieben worden (Polymer 45: 3973-3977,
2004). Spinnversuche von Bombyx mori Seide aus einer Ameisensäurelösung werden von Sukigara und Ko (Polymer 44: 5721-572, 2003) beschrieben, wobei durch Variation der Elektrospinnparameter die Fasermorphologie beeinflusst wird. Jin und Kaplan berichteten von Wasser-basiertem Elektrospinning von Seide bzw. Sei- de/Polyethylenoxid (Biomacromolecules 3: 1233-1239, 2002).
Die WO-A-03/060099 beschreibt verschiedene Methoden (u.a. Elektroverspinnen) und Apparaturen zum Verspinnen von Bombyx mori Seidenproteinen und Spinnenseidenproteinen. Die verwendeten Spinnenseidenproteine wurden dabei rekombinant von transgenen Ziegen produziert und aus deren Milch aufgereinigt sowie anschließend versponnen.
Synthetische Biopolymere, aufgebaut aus repititiven Einheiten des Insektenproteins Resilin, bzw. des Spinnenseidenproteins mit der Bezeichnung R16 bzw, S16 sind in der WO2008/155304 der vorliegenden Anmelderin beschreiben. Die in Form von Mikrobeads vorliegenden Polymere können z. B. in gelförmige Produkte überführt oder zu Proteinfilmen verarbeitet werden.
Die Elektroverspinnung von Polymeren, wie z.B. synthetischen Biopolymeren oder an- deren verspinnbaren organischen Polymeren, oder aufeinander abgestimmter Polymermischungen davon, gegebenenfalls im Gemisch mit pharmazeutischen oder agrochemischen Wirkstoffen ist in der WO 2010/015709 und der WO 2010/015419 der vorliegenden Anmelderin beschrieben. Zur Verspinnung werden Lösungen der Polymere in organischen Lösungsmitteln oder konzentrierter Ameisensäure verwendet.
Die grundsätzliche Verspinnbarkeit wässriger Lösungen von R16 bzw. S16 findet in der WO 2010/015419 allgemeine Erwähnung. Es besteht aber grundsätzlich das Problem der mangelnden Stabilität solcher wässriger Lösungen, insbesondere bei höherer Proteinkonzentration, welche zu unerwünschter Gelbildung oder Präzipitation in der Lö- sung führt.
Die Löslichkeit solcher verspinnbarer hydrophober Proteine kann mit Hilfe von bekannten chaotropen Reagenzien zwar stark erhöht werden. Der maximale experimentell gefundene Wert der Löslichkeit in 10 M Guanidiniumthiocyanat (GdmSCN)-Lösung liegt bei etwa 38%. Wird GdmSCN aber mittels Dialyse wieder entfernt, führt dies zum Ausfallen des Proteins.
Zusammenfassung der Erfindung
Aufgrund der schlechten Löslichkeit stark hydrophober Proteine, wie z.B. dem R16- Protein, in Wasser (max. ca. 1 %), liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, verspinn- bare Systeme zu entwickeln, welche die Stabilisierung des Proteins bei höherer Konzentration in der zu verspinnenden Flüssigphase ermöglichen.
Eine erste erfindungsgemäße Lösung des Problems der Vermeidung einer Ausfällung des Proteins aus der wässrigen Lösung (während der Dialyse) umfasst die Stabilisie- rung des hydrophoben Proteins mit einem hydrophilen Protein, das ebenfalls hydrophobe Anteile in der Struktur enthält. Experimentell wurde insbesondere gezeigt, dass Rinder Serum Albumin (BSA, Fraktion V) diesen Anforderungen entspricht. BSA ist ein lösliches Protein, das eine Transporterfunktion für Fettsäuren und Lipide im Blut übernimmt. BSA besteht aus 607 Aminosäuren und besitzt eine molekulare Masse von et- wa 69,4 kDa. Fettfreies BSA (ff. BSA) ist eine besondere Ausführungsform von BSA, bei dem zusätzliche hydrophobe Stellen durch Entfernen von Fettsäuren vorliegen.
Eine zweite erfindungsgemäße Lösung des obigen Problems umfasst die Stabilisierung des hydrophoben Proteins mit Hilfe von geeigneten Proteinfragmenten (Peptiden). Die erfindungsgemäßen Proteinfragmente weisen sowohl hydrophobe als auch hydrophile Sequenzbereiche auf. Insbesondere werden zwei Peptid-basierte Systeme bereitgestellt: a) Stabilisierung des nativen R16-Proteins mit Hilfe von Proteinfragmenten des R16-Proteins.
b) Stabilisierung des nativen R16-Proteins mit Hilfe von Proteinfragmenten von BSA.
Die jeweilige hydrolytische Spaltung des Proteins zur Herstellung der stabilisierenden Proteinfragmente erfolgt dazu in herkömmlicher Weise, z. B. mittels einer NaOH- Lösung bei 80°C.
Eine dritte erfindungsgemäße Lösung des obigen Problems umfasst die Stabilisierung des hydrophoben Proteins mit Hilfe von geeigneten synthetischen organischen Oligo- meren , welche an si ch bekan nte Verbi ndu ngen darstel len und z. B . i n der WO2010/057654 beschrieben sind, auf deren Offenbarung hiermit ausdrücklich Bezug genommen wird. Auch diese Oligomere weisen sowohl hydrophobe als auch hydrophi-
le Bereiche auf und stabilisieren die hydrophoben Proteine in wässriger Lösung auch bei erhöhten Konzentrationen.
Überraschend wurde erfindungsgemäß insbesondere festgestellt, dass man mit Hilfe aller oben beschriebener, verschiedener Lösungsansätze stabilisierte wässrige Protein-Dispersionen erhält, die das hydrophobe Protein in erhöhter Konzentration und über einer ausreichend langen Zeitraum stabil enthalten, welcher ausreicht um derartige Dispersionen durch Elektroverspinnung weiterzuverarbeiten. Damit erübrigt sich erstmals die Verwendung von organischen Lösungsmitteln oder organischen Säuren in hoher Konzentration bei der Elektroverspinnung von hydrophoben Polymeren, wodurch das Gesamtverfahren der Herstellung von Nanofasern und Faserflächengebilden deutlich vereinfacht und dessen Kosten weiter verringert werden können. Damit sind erfindungsgemäß durchgeführte Verfahren umweltfreundlicher (da aus wässriger Lösung versponnen wird) , materialschonender bei der Herstellung der Fasern und verbessern die Stabilität der Proteine. Zudem besitzendie Verfahren den vorteil der Verwendung kleiner Volumina und somit auch ein besseres handling. Durch die konzentrierten Proteinlösungen können die Fasern mit hohem Durchsatz, d.h. hoher Produktivität, aus wässriger Lösung versponnen werden
Figurenbeschreibung
Figur 1 zeigt das Massenspektrum (Maldi-ToF) eines erfindungsgemäßen R16- Proteinhydrolysats.
Figur 2 zeigt das Massenspektrum (Maldi-ToF) eines erfindungsgemäßen BSA- Proteinhydrolysats.
Figur 3 zeigt elektronenmikroskopische Aufnahmen von Fasern erhalten durch Elektro- verspinnung von R16-Proteinlösungen, stabilisiert mit BSA und zur Viskositätserhöhung zusätzlich versetzt mit Polyethylenoxidpolymer (PEO); Figur 3a zeigt dabei das Ergebnis der Verspinnung einer Dispersion von R16-Protein, BSA und PEO mit einem Feststoffgehalt der Komponenten von 42,5 %, 42,5 % bzw. 15 %; Figur 3b zeigt dabei das Ergebnis einer Mischung dieser drei Komponenten, jedoch mit einem Feststoffge- halt von 37 %, 37 % bzw. 16 %; und die Figuren 3c und d zeigen dabei das Ergebnis einer Verspinnung einer Mischung dieser drei Komponenten mit Feststoffgehalten von
34,5 %, 34,5 % bzw. 31 %, versponnen mit einer Geschwindigkeit von 0,4 ml/h (Figur 3c) bzw. 0,5 ml/h (Figur 3d).
Figur 4 zeigt elektronenmikroskopische Aufnahmen von Fasern erhalten durch Elektro- verspinnung einer wässrigen Dispersion von R16-Protein, stabilisiert mit Hilfe von Pep- tidfragmenten des R16-Proteins; Figur 4a zeigt dabei die Verspinnung einer Mischung aus einem R16-Protein, R16-Fragment und PEO mit einem Feststoffgehalt dieser Komponenten von 61 %, 0,003 % bzw. 39 %; und Figur 4b zeigt dabei das Ergebnis einer Verspinnung dieser drei Komponenten mit einem Feststoffgehalt der Komponen- ten von 74 %, 0,004 % bzw. 26 %.
Figur 5 zeigt elektronenmikroskopische Aufnahmen von Fasern erhalten durch Elektro- verspinnung einer R16-Proteinlösung stabilisiert mit BSA-Peptidfragmenten. Figur 5a und b zeigen die gleichen Fasern bei unterschiedlicher Vergrößerung.
Figur 6 zeigt eine elektronenmikroskopische Aufnahme von Fasern erhalten durch Elektroverspinnung einer R16-Proteinlösung stabilisiert mit einem erfindungsgemäßen amphiphilen Oligomer der Formel 1. Figur 7 zeigt die in vitro-Aktivität gemäß erfindungsgemäßen R16-Proteins auf die Zellproliferation von Fibroblasten. Es wird die zeitabhängige Veränderung der relativen Zellzahl bei unterschiedlichen Konzentrationen von R16 Proteinfragmenten im Vergleich zur Kontrolle (Ktrl, ohne solche Fragmente) gezeigt. Detaillierte Beschreibung der Erfindung
1. Definition allgemeiner Begriffe
„Amphiphil" umschreibt die chemische Eigenschaft einer Substanz, sowohl hydrophil als auch lipophil zu sein. Das hei//de.wikipedia.org/wikpolaren L "LERLINK "ht als auch in unpolaren Lkipedia.org/wiki/L%C3%B6sungses beruht darauf, dass die Substanz sowohl hydrophile als auch hydrophobe Bereiche aufweist.
Als „Chaotrop" werden chemische Substanzen, wie z. B. Bariumsalze, Guanidinhydrochlorid, Thiocyanate wie Guanidiniumthiocyanat, Perchlorate, bezeichnet, die geordnete Wasserstoffbrückenbindungen in Wasser auflösen. Indem die Wasserstoffbrückenbindungen aufgebrochen werden, stören die chaotropen Substanzen
die Wasserstruktur und sorgen für eine Zunahme der Entropie. Bei Aminosäuren vermindern sie damit hydrophobe Effekte und wirken denaturierend auf Proteine, da die treibende Kraft der Proteinfaltung die Zusammenlagerung der hydrophoben Aminosäuren im Wasser ist.
Eine„Dispersion" ist ein heterogenes Gemisch aus mindestens zwei Stoffen, die sich nicht oder kaum ineinander lösen oder chemisch miteinander verbinden. Eine wässrige Protein-Dispersion ist demgemäß eine Mischung aus wässrigem Medium (dem Dispersionsmedium) und dem Feststoff Protein (der disperse Phase) und kann somit auch als „wässrige Protein-Suspension" bezeichnet werden.
Unter einem„Trägerpolymer" versteht man Biopolymere bzw. ihre Abmischungen, oder auch Abmischungen aus mindestens einem synthetischen Polymer und einem Biopolymer, wobei das Trägerpolymer die Fähigkeit besitzt, mit dem oder den zu formulierenden Wirkstoffen/Effektstoffen nicht-kovalente Wechselwirkungen einzugehen, bzw. partikuläre Wirkstoffe (dispergiert oder kristallin) zu umschließen oder zu adsorbieren (tragen).
Unter einem„Wirkstoff" oder„Effektstoff" versteht man synthetische oder natürliche, niedermolekulare Substanzen mit hydrophilen, lipophilen oder amphiphilen Eigenschaf- ten, welche in der Agrochemie, Pharmazie, Kosmetik oder Nahrungs- und Futtermittelindustrie Anwendung finden können; ebenso wie biologische aktive Makromoleküle welche in ein erfindungsgemäßes Faserflächengebilde eingebettet oder daran adsorbiert werden können, wie z.B. Peptide (wie Oligopeptide mit 2 bis 10 Aminosäureresten und Polypeptide mit mehr als 10, wie z.B. 1 1 bis 100 Aminosäureresten) sowie Enzy- me und einzel- oder doppelsträngige Nukleinsäuremoleküle (wie Oligonukleotide mit 2 bis 50 Nukleinsäuretesten und Polynukleotide mit mehr als 50 Nukleinsäureresten).
Der Begriff „Faserflächengebilde" umfasst erfindungsgemäß sowohl einzelne Polymerfasern als auch die geordnete oder ungeordnete ein- oder mehrlagige Zusammenlage- rung einer Vielzahl solcher Fasern, beispielsweise zu Faservliesen bzw. Nonwoven- Vliesen.
Werden keine anderen Angaben gemacht, so betreffen Molekulargewichtsangaben für Polymere Mn oder Mw- Werte
2. Spezielle Ausführungsformen
Gegenstand der Erfindung sind insbesondere folgende Ausführungsformen:
Stabile wässrige Protein-Dispersion, umfassend in einer wässrigen Phase wenigstens ein selbstassemblierendes natürliches, synthetisches oder rekombinant hergestelltes Protein in dispergierter Form, und wenigstens ein Dispergiermittel für das selbstassemblierende Protein, wobei das Dispergiermittel ein polymeres Dispergiermittel, ausgewählt unter amphiphilen Proteinen, oder ein oligomeres Dispergiermittel, ausgewählt unter amphiphilen Peptidfragmenten und / oder amphiphilen organischen Oligomeren, ist.
Stabile wässrige Dispersion nach Ausführungsform 1 , wobei das selbstassemblierende Protein ein Microbead-bildendes oder intrinsisch entfaltetes Protein, insbesondere ein Seidenprotein, wie ein Spinnenseidenprotein, oder ein Insektenprotein (wie Resilin) oder ein, von wenigstens einem dieser Proteine abgeleitetes, selbstassemblierendes Analoges mit einer Sequenzidentität von wenigstens etwa 60% (bezogen auf das (die) Ausgangsprotein(e)) ist.
Stabile wässrige Dispersion nach Ausführungsform 1 oder 2, wobei das selbstassemblierende Protein ausgewählt ist unter
a) R16-Protein, umfassend eine Aminosäuresequenz gemäß SEQ ID NO: 4 ; b) S16-Protein, umfassend eine Aminosäuresequenz gemäß SEQ ID NO: 6; c) von diesen Proteinen abgeleiteten verspinnbaren analogen Proteinen mit einer Sequenzidentität von wenigstens etwa 60%, wie z.B. wenigstens etwa 70, 80, 90, 95, 96, 97, 98 oder 99%, zu SEQ I D NO: 4 oder 6, (z.B. auch durch Insertion oder Anhängung von Oligo-Aminosäure-Blöcken, wie Oligo-Arginin- Blöcken (1-20 Arg) 4. Stabile wässrige Dispersion nach einer der vorhergehenden Ausführungsformen, wobei das amphiphile Peptidfragment ein Fragment eines Vorläufer-Proteins um- fasst.
5. Stabile wässrige Dispersion nach einer der vorhergehenden Ausführungsformen, wobei das polymere Dispergiermittel, ein Albumin, insbesondere Rinderserumalbumin (BSA) oder fettfreies Rinderserumalbumin (ff BSA) ist.
6. Stabile wässrige Dispersion nach Ausführungsform 4, wobei das Vorläufer-Protein ein Albumin, insbesondere Rinderserumalbumin (BSA) oder fettfreies Rinderserumalbumin (ff BSA) ist
Stabile wässrige Dispersion nach Ausführungsform 4, wobei das amphiphile Pep tidfragment ein Peptidfragment eines selbstassemblierenden Proteins nach An spruch 2 oder 3 ist.
Stabile wässrige Dispersion nach Ausführungsform 1 , wobei das amphiphile organische Oligomer ein Etherbausteine umfassendes Block-Co-Oligomer ist, umfassend wenigstens einen hydrophoben Ether-Oligomerblock (insbesondere mit wenigstens einer hydrophoben Seitengruppen), und wenigstens einen hydrophilen Ether-Oligomerblock (insbesondere mit wenigstens einer hydrophilen Seitengruppen). Insbesondere ist jeder der Blöcke homogen, d.h. aus im Wesentlichen identischen Monomer-Bausteinen aufgebaut.
Stabile wässrige Dispersion nach einer der vorhergehenden Ausführungsformen, enthaltend wenigstens ein selbstassemblierendes Protein in einem Anteil im Bereich von 1 bis 40 Gew.-%, insbesondere 2 bis 30, 3 bis 25 oder 5 bis 20 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der stabilen Dispersion, gegebenenfalls zusammen mit 0,01 bis 50 Gew.-%, insbesondere 0,05 bis 30, 0,08 bis 20 oder 0, 1 bis 10 Gew.-%, wenigstens eines weiteren Formulierungs- oder Verarbeitungs-Hilfsmittels.
Stabile wässrige Dispersion nach einer der vorhergehenden Ausführungsformen, enthaltend selbstassemblierendes Protein und Dispergiermittel in einem relativen Gewichtsverhältnis im Bereich von 0, 1 : 1 bis 1 : 0,001 , oder 0,2 : 1 bis 1 : 0,05 oder 0,5 : 1 bis 1 : 0,2 oder 0,7 : 1 bis 1 : 0,5. 1 1. Verfahren zur Herstellung einer stabilen wässrigen Dispersion wenigstens eines selbstassemblierenden Proteins nach einer der vorhergehenden Ausführungsformen, wobei man selbstassemblierendes Protein in einem wässrigen Medium, enthaltend einen Lösungsvermittler (Chaotrop) löst und die so erhaltene Lösung in Gegenwart von Dispergiermittel dialysiert oder ultrafiltriert, um den Lösungs- vermittler (Chaotrop) vom selbstassemblierendes Protein abzutrennen.
Verfahren nach Ausführungsform 1 1 , wobei man eine Mischung aus selbstas- semblierendem Protein und polymerem Dispergiermittel in dem wässrigen Medium, enthaltend das Chaotrop löst und unter Ausbildung der stabilen Dispersion das Chaotrop vom selbstassemblierendes Protein abtrennt, insbesondere durch Dialyse gegen Chaotrop-freies Dialysemedium. Verfahren nach Ausführungsform 1 1 , wobei man selbstassemblierendes Protein in dem wässrigen Medium, enthaltend das Chaotrop löst und das Chaotrop unter Ausbildung der stabilen Dispersion vom selbstassemblierendes Protein abtrennt, indem man amphiphiles Peptidfragment oder synthetisches amphiphiles Oligomer vor oder während der Abtrennung des Chaotrops zusetzt. Verfahren nach einer der Ausführungsformen 1 1 bis 13, wobei die Abtrennung des Chaotrops durch Dialyse, Ultrafiltration und/oder Fällung erfolgt. Verfahren nach Ausführungsform 13, wobei man zur Abtrennung des Chaotrops gegen ein, wenigstens ein amphiphiles Peptidfragment oder wenigstens ein synthetisches amphiphiles Oligomer enthaltendes, Dialysemedium (Dialysepuffer) dialysiert. Verfahren nach einer der Ausführungsformen 1 1 bis 15, wobei man das Cha- otrop-haltige wässrige Medium gegen ein gepuffertes wässriges Medium austauscht.
Verfahren nach Ausführungsform 16, wobei das gepufferte Medium einen Wert im Bereich von etwa 4 bis 12 oder 10 bis 12 oder etwa 11 ,5 aufweist.
Verfahren nach einer der Ausführungsformen 14 bis 17, wobei man das Dialysevolumen das Volumen des zu dialysierenden wässrigen Mediums, welches Chaotrop und selbstassemblierendes Protein enthält, wenigstens 100-fach wie z. B. 200-fach, 300-fach, 500-fach oder 1000-fach, höher ist.
Verfahren zur Elektroverspinnung von selbstassemblierendem Protein, wobei man eine stabile wässrige Dispersion nach einer der Ausführungsformen 1 bis 10, oder hergestellt nach einer der Ausführungsformen 11 bis 18, elektroverspinnt.
20. Verfahren zur Herstellung eines Faserflächengebildes oder von Fasern umfassend wenigstens ein selbstassemblierendes Protein, wobei man eine wässrige Dispersion nach einer der Ausführungsformen 1 bis 10, oder hergestellt nach einer der Ausführungsformen 1 1 bis 18, zu einem Faserflächengebilde elektro- verspinnt.
Verfahren nach einer der Ausführungsformen 19 und 20, wobei die zu verspinnende Dispersion selbstassemblierendes Protein in einem Anteil von 1 bis 40 Gew.-%, insbesondere 2 bis 30, 3 bis 25 oder 5 bis 20 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der stabilen Dispersion enthält.
Verfahren nach einer der Ausführungsformen 19 bis 21 , wobei man die Dispersion vor dem Verspinnen mit wenigstens einem weiteren Zusatz vermischt, ausgewählt unter
a) Mitteln zur Einstellung der Viskosität, wie in der Dispersion lösliche oder dispergierbare organische/synthetische oder Bio-Polymere;
b) Träger-bildende Polymere
c) pharmakologischen, agrochemischen, haut- oder haarkosmetischen Wirkstoffen.
d) Medikamenten, wundheilungsfördernden Mitteln
e) antimikrobiellen, antibakteriellen oder antiviralen Präparaten
Verwendung einer stabilen, wässrigen Dispersion gemäß einer der Ausführungsformen 1 bis 10 für die Beschichtung, insbesondere Sprüh- oder Tauchbeschich- tung oder Beschichtungen in Folienform, von Oberflächen, insbesondere Vliesstoffen, Fasern und Schäumen.
Verwendung der Materialien, hergestellt gemäß einer der Ausführungsformen 19 bis 22, für Produkte aus dem medizinischen Bereich, insbesondere Wundauflagen, Nahtmaterialien, Medizinprodukte, Implantate, Tissue Engineering.
25. Verwendung der Materialien, hergestellt gemäß einer der Ausführungsformen 19 bis 22, zur Herstellung von Hygieneartikeln und Textilien. 26. Faser oder Faserflächengebilde, hergestellt nach einem Verfahren gemäß einer der Ausführungsformen 20 bis 22.
3. Weitere Ausgestaltungen der Erfindung i) Selbstassemblierende Proteine
Besonders brauchbare selbstassemblierende Proteine sind insbesondere Seidenproteine. Darunter verstehen man erfindungsgemäß im Folgenden solche Proteine, die hoch repetitive Aminosäuresequenzen enthalten und im Tier in einer flüssigen Form gespeichert werden und bei deren Sekretion durch Scherung oder Verspinnen Fasern entstehen (Craig, C. L. (1997) Evolution of arthropod Silks. Annu. Rev. Entomol. 42: 231-67).
Besonders geeignete derartige Proteine sind Spinnenseidenproteine, die in ihrer ursprünglichen Form aus Spinnen, wie aus der„Major Ampullate"-Drüse von Spinnen isoliert werden konnten. , wie z. B. ADF3 und ADF4 aus der der„Major Ampullate"- Drüse von Araneus diadematus (Guerette et al., Science 272, 5258: 1 12-5 (1996)).
Ebenso geeignete Proteine sind natürliche oder synthetische Proteine, die sich von natürlichen Seidenproteinen ableiten und welche unter Verwendung gentechnologischer Arbeitsmethoden heterolog in prokaryontischen oder eukaryontischen Expressi- onssystemen hergestellt wurden. Nichtlimitierende Beispiele für prokaryontische Expressionsorganismen sind Escherichia coli, Bacillus subtilis, Bacillus megaterium, Co- rynebacterium glutamicum u.a.. Nichtlimitierende Beispiele für eukaryontische Expressionsorganismen sind Hefen, wie Saccharomyces cerevisiae, Pichia pastoris u.a., fila- mentöse Pilze, wie Aspergillus niger, Aspergillus oryzae, Aspergillus nidulans, Tricho- derma reesei, Acremonium chrysogenum u.a., Säugetierzellen, wie Heia-Zellen, COS- Zellen, CHO-Zellen u.a., Insektenzellen, wie Sf9-Zellen, MEL-Zellen u.a..
Weiterhin geeignet sind synthetische Proteine, welche auf Wederholungseinheiten von natürlichen Seidenproteinen basieren. Neben den synthetischen repetitiven Seidenpro- tein-Sequenzen können diese zusätzlich eine oder mehrere natürliche nicht-repetitve Seidenprotein-Sequenzen enthalten (Winkler und Kaplan, J Biotechnol 74:85-93 (2000)).
Für die Formulierung von Wirkstoffen mittels Spinnverfahren sind insbesondere solche synthetische Spinnenseidenproteine auch brauchbar, welche auf Wiederholungseinheiten von natürlichen Spinnenseidenproteinen basieren. Neben den synthetischen repeti-
tiven Spinnenseidenprotein-Sequenzen können diese zusätzlich eine oder mehrere natürliche nicht-repetitve Spinnenseidenprotein-Sequenzen enthalten.
Unter den synthetischen Spinnenseidenproteinen ist das sog. C16-Protein zu nennen (Huemmerich et al. Biochemistry, 43(42): 13604-13612 (2004)) gemmmeSEQ ID NO: 2 und funktionale Äquivalente, funktionale Derivate und Salze dieser Sequenz, (vgl auch WO2007/082936)
Weiterhin sind synthetische Proteine bevorzugt, welche auf Wiederholungseinheiten von natürlichen Seidenproteinen kombiniert mit Sequenzen von Insektenstrukturprotei- nen wie dem Resilin (Elvin et al., 2005, Nature 437: 999-1002) basieren. Von diesen Kombinationsproteinen aus Seidenproteinen und Resilinen sind insbesondere die R16- und S16-Proteine zu nennen. Diese Proteine haben die in SEQ ID NO: 4 bzw. SEQ ID NO: 6 dargestellten Polypeptidsequenzen. (vgl WO2008/155304)
Neben der in SEQ I D NO: 2, 4 und 6 dargestellten Polypeptidsequenzen sind auch besonders funktionale Äquivalente, funktionale Derivate und Salze dieser Sequenzen bevorzugt. Unter„funktionalen Äquivalenten" versteht man erfindungsgemäß insbesondere auch Mutanten, welche in wenigstens einer Sequenzposition der oben genannten Aminosäuresequenzen eine andere als die konkret genannte Aminosäure aufweisen aber trotzdem die Eigenschaft zur Verpackung von Effektstoffen besitzt.„Funktionale Äquivalente" u m fasse n som it d i e d u rch e i ne ode r m eh rere Aminosäure-Additionen, - Substitutionen, -Deletionen und/oder -Inversionen erhältlichen Mutanten, wobei die genannten Veränderungen in jeglicher Sequenzposition auftreten können, solange sie zu einer Mutante mit dem erfindungsgemäßen Eigenschaftsprofil führen. Funktionale Äquivalenz ist insbesondere auch dann gegeben, wenn die Reaktivitätsmuster zwischen Mutante und unverändertem Polypeptid qualitativ übereinstimmen.
„Funktionale Äquivalente" im obigen Sinne sind auch„Präkursoren" der beschriebenen Polypeptide sowie„funktionale Derivate" und„Salze" der Polypeptide.
„Präkursoren" sind dabei natürliche oder synthetische Vorstufen der Polypeptide mit oder ohne die gewünschte biologische Aktivität.
Beispiele für geeignete Aminosäuresubstitutionen sind folgender Tabelle zu entnehmen:
Ursprünglicher Rest Beispiele der Substitution
Ala Ser
Arg Lys
Asn Gin; His
Asp Glu
Cys Ser
Gin Asn
Glu Asp
Gly Pro
His Asn ; Gin
lle Leu; Val
Leu lle; Val
Lys Arg ; Gin ; Glu
Met Leu ; lle
Phe Met ; Leu ; Tyr
Ser Thr
Thr Ser
Trp Tyr
Tyr Trp ; Phe
Val lle; Leu
Unter dem Ausdruck„Salze" versteht man sowohl Salze von Carboxylgruppen als auch Säureadditionssalze von Aminogruppen der erfindungsgemäßen Proteinmoleküle. Salze von Carboxylgruppen können in an sich bekannter Weise hergestellt werden und umfassen anorganische Salze, wie zum Beispiel Natrium-, Calcium-, Ammonium-, Ei- sen- und Zinksalze, sowie Salze mit organischen Basen, wie zum Beispiel Aminen, wie Triethanolamin, Arginin, Lysin, Piperidin und dergleichen. Säureadditionssalze, wie zum Beispiel Salze mit Mineralsäuren, wie Salzsäure oder Schwefelsäure und Salze mit organischen Säuren, wie Essigsäure und Oxalsäure sind ebenfalls Gegenstand der Erfindung.
„Funktionale Derivate" erfindungsgemäßer Polypeptide können an funktionellen Aminosäure-Seitengruppen oder an deren N- oder C-terminalen Ende mit Hilfe bekannter Techniken ebenfalls hergestellt werden. Derartige Derivate umfassen beispielsweise aliphatische Ester von Carbonsäuregruppen, Amide von Carbonsäuregruppen, erhält- lieh durch Umsetzung mit Ammoniak oder mit einem primären oder sekundären Amin; N-Acylderivate freier Aminogruppen, hergestellt durch Umsetzung mit Acylgruppen; oder O-Acylderivate freier Hydroxygruppen, hergestellt durch Umsetzung mit Acylgruppen.
Erfindungsgemäß mit umfasste„funktionale Äquivalente" sind Homologe zu den hierin konkret offenbarten Proteinen/Polypeptiden. Diese besitzen wenigstens 60%, wie z.B. 70, 80 oder 85%, wie z.B. 90, 91 , 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98 oder 99%, Identität zu einer der konkret offenbarten Aminosäuresequenzen.
Unter„Identität" zwischen zwei Sequenzen wird insbesondere die Identität der Reste über die jeweils gesamte Sequenzlänge verstanden, insbesondere die Identität, die durch Vergleich mit Hilfe der Vector NTI Suite 7.1 (Vector NTI Advance 10.3.0, In- vitrogen Corp.) (bzw. Software der Firma Informax (USA) unter Anwendung der Clustal Methode (Higgins DG, Sharp PM. Fast and sensitive multiple sequence alignments on a microcomputer. Comput Appl. Biosci. 1989 Apr;5(2):151-1) unter Einstellung folgender Parameter berechnet wird: Multiple alignment parameter:
Gap opening penalty 10
Gap extension penalty 0,05
Gap Separation penalty ränge 8
Gap Separation penalty off
% identity for alignment delay 40
Residue specific gaps off
Hydrophilic residue gap off
Transition weighing 0 Pairwise alignment parameter:
FAST algorithm off
K-tuple size 1
Gap penalty 3
Window size 5
Number of best diagonals 5
ii) Dispergiermittel
Stabile wässrige Dispersion werden insbesondere unter Verwendung polymerer oder oligomerer Dispergiermittel hergestellt.
(1) Polymere Dispergiermittel sind insbesondere ausgewählt unter Globulinen, vor allem Albuminen, wie insbesondere Rinderserumalbumin (BSA) und fettfreien Präparaten davon (ff BSA) und als solche käuflich erhältlich. Albumine haben eine Molekülmasse von etwa 66.000 Da und bestehen aus 584 bis 590 Aminosäuren. Durch einen hohen Anteil an Cystein haben die Albumine einen relativ hohen Schwefelgehalt. Albumine sind wasserlöslich, ihre Bindungskapazität für Wasser beträgt ca. 18 ml/g. Der isoelektrische Punkt liegt bei pH 4,6. Albumine sind Ampholyte, d. h. sie können sowohl Anionen als auch Kationen reversibel binden.
(2) Oligomere Dispergiermittel sind insbesondere amphiphile Peptidfragmente der oben beschriebenen natürlichen und synthetischen Seidenproteine und insbesondere von R16 und S16 Proteinen; sowie amphiphile Peptidfragmente der genannten Globu- line, insbesondere Albumine, vor allem BAS oder ff BSA.
Derartige Fragmente sind durch kontrollierte Staltung der Ausgangsproteine herstellbar. Beispielsweise kann dazu in einem Reagenzglas eine geeignete Menge des Protein eingewogen und mit 0,2 M NaOH-Lösung versetzt werden. Das Reagenzglas wird fest verschlossen und die Mischung in einem Wasserbad auf ca. 80°C Innentemperatur erhitzt.. Die so erhaltene Mischung wird stark gerührt. Nach einiger Zeit beginnt das Protein sich in der NaOH-Lösung zu lösen. Sobald das Protein gelöst ist, wird die Probe aus dem Wasserbad herausgenommen und abgekühlt und analytisch untersucht. Das auf diese Weise herstellbare Proteinhydrolysat stellt eine Mischung von Peptid- fragmenten mit einem Molekulargewicht im Bereich von etwa 500 bis 5.000, wie z.B. 1.000 bis 3.000 oder 600 bis 4.000, dar, wie massenspektrometrisch (z.B. mittels Mal- di-ToF) leicht nachweisbar ist.
(3) Oligomere Dispergiermittel sind insbesondere auch Etherbausteine umfassendes Block-Co-Oligomer i st, u mfassen d we n i gsten s ei ne n hyd ro ph o be n Eth e r-
Oligomerblock (insbesondere mit wenigstens einer hydrophoben Seitengruppen), und wenigstens einen hydrophilen Ether-Oligomerblock (insbesondere mit wenigstens einer hydrophilen Seitengruppen) wie gemäß WO2010/057654 herstellbar. Insbesondere ist jeder der Blöcke homogen, d.h. aus im Wesentlichen identischen Monomer-Bausteinen aufgebaut.
Eine spezielle Gruppe von Block-Co-Oligomer kann durch folgende allgemeine Formel (A) dargestellt werden
Block 1
(A) worin:
n und m gleich oder verschieden sind und für ganzzahlige Werte von 1=3 bis 20, insbesondere 3 bis 10, wie 4, 5, 6, 7, 8 oder 9 steht,
die Blöcke 1 und 2 verschieden sind und einer der Blöcke 1 und 2 hydrophile Seitengruppen aufweist und der andere hydrophobe Seitengruppen aufweist ,
R1 für H oder geradkettiges oder verzweigtes CrC6-Alkyl, Aryl oder geradkettiges oder verzweigtes CrC6-Alkylaryl steht, wobei Aryl gegebenenfalls substituiert sein kann, und insbesondere für geradkettiges oder verzweigtes CrC4-Alkyl oder geradkettiges oder verzweigtes C C4-Alkylphenyl steht;
die Seitengruppenreste R2 und R3 verschieden sind und ausgewählt sind unter hydrophoben Resten, wie insbesondere geradkettiges oder verzweigtes CrC6-Alkyl, Aryl oder geradkettiges oder verzweigtes CrC6-Alkylaryl; oder ausgewählt sind unter H und hydrophilen Resten, wie -(CH2)P-COOH, -(CH2)P-COO" X+, worin X+ für H+ oder ein Metall kation, wie ein Alkalimetallkation, insbesondere Na+ oder K+, steht und p für einen ganzzahligen Wert wie 1 , 2 oder 3 steht;
wobei innerhalb der Blöcke 1 und 2 die Seitengruppenreste R2 bzw. R3 jeweils gleich sind oder innerhalb der Blöcke 1 und/oder 2 die Seitengruppenreste R2 und/oder R3 jeweils verschieden sein können und dabei innerhalb eines hydrophilen oder hydrophoben Blocks wenigsten zwei verschiedene hydrophile bzw. hydrophobe Teilblöcke bilden, wobei jeder Teilblock wenigstens 2 bis 5 identische Seitengruppenreste aufweist; und
R4 für H oder C C6 Alkyl, insbesondere H steht
CrC6-Alkyl steht beispielsweise für wie Methyl, Ethyl, Propyl, 1-Methylethyl, Butyl, 1- Methyl-propyl, 2-Methylpropyl, 1 , 1-Dimethylethyl, Pentyl, 1-Methylbutyl, 2-Methylbutyl, 3-Methylbutyl, 2,2-Di-methylpropyl, 1-Ethylpropyl, Hexyl, 1 , 1-Dimethylpropyl, 1 ,2- Dimethylpropyl, 1-Methylpentyl, 2-Methylpentyl, 3-Methylpentyl, 4-Methylpentyl, 1 , 1- Dimethylbutyl, 1 ,2-Di methyl butyl , 1 , 3-Dimethylbutyl, 2,2-Dimethylbutyl, 2,3- Dimethylbutyl, 3,3-Dimethylbutyl, 1-Ethylbutyl, 2-Ethylbutyl, 1 ,1 ,2-Trimethylpropyl, 1 ,2,2-Trimethylpropyl, 1-Ethyl-1-methylpropyl und 1-Ethyl-2-methylpropyl.
Aryl steht inspesonder für Naphtyl oder Phenyl.
CrC6-Alkylaryl steht insbesondere für die Aryl- vor allem Phenyl-substituierten Analoga obiger CrC6-Alkylreste, insbesondere unverzweigter CrC6-Alkylreste.
Aryl-Substituenten sind insbesondere CrC4-Alkylreste gemäß obiger Definition
Als bevorzugte Beispiele solcher Oligomere sind zu nennen Verbindungen der folgenden Formeln (1) bis (5)
(1)
(4)
iii) Viskositätssteigernde Mittel
Zur besseren Verarbeitung erfindungsgemäßer stabilisierter wässriger Proteindispersionen bei der Elektroverspinnung kann es zweckmäßig sein, dieser Dispersion einen Viskositätserhöhenden Zusatz beizumischen.
Grundsätzlich können der stabilisierten Proteinlösung bzw. Proteindispersion in einem wässrigen Medium alle dem Fachmann bekannten wasserlöslichen Polymere zugesetzt werden, die obigem Zweck dienlich sind. Dabei sind insbesondere als geeignete Polymer zu nennen: Polyvinylalkohol, Polyvinylformamid, Polyvinylamin, Polycarbon- säure (Polyacrylsäure, Polymethacrylsäure), Polyacrylamid, Polyitaconsäure, Poly(2- hydroxyethylacrylat), Poly(N-isopropylacrylamid), Polymethacrylamid, Polyalkylenoxi- de, z. B. Polyethylenoxide; Poly-N-vinylpyrrolidon; Hydroxymethylcellulose; Hydroxye- thylcellulose; Hydroxypropylcellulose; Carboxymethylcellulose; Alginat; Collagen; Gelatine, Poly(ethylenimin), Polystyrolsulfonsäure; Kombinationen aus zwei oder mehreren der vorstehend genannten Polymere; Copolymere enthaltend eine oder mehr der die vorstehend genannten Polymere bildenden Monomereinheiten, Pfropfcopolymeren enthaltend eine oder mehr der die vorstehend genannten Polymere bildenden Monomereinheiten.
In einer speziellen Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist das wasserlösliche Polymer ausgewählt aus Polyethylenoxid, Polyvinylalkohol, Polyvinylformamid, Polyvi- nylamin und Poly-N-vinylpyrrolidon. Die Molmasse der eingesetzten Polymere kann dabei über einen weitern Bereich variieren und liegt z.B. im Bereich von 500 bis 2,000,000, oder 1 ,000 bis 1 ,000,000 oder 10,000 bis 500,000.
Die vorstehend genannten wasserlöslichen Polymere sind kommerziell erhältlich bzw. können gemäß dem Fachmann bekannten Verfahren hergestellt werden.
In der weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung enthält die in dem erfindungsgemäßen Verfahren einzusetzende Proteinlösung oder -dispersion, bezogen auf den Gesamtfeststoff der Lösung bzw. der Dispersion, 0,01 bis 40 Gew.-%, wie 0,5 bis 20 Gew.-% oder 2 bis 15 Gew.-%, wenigstens ein wasserlösliches Polymer gemäß obiger Definition.
Das Gewichtsverhältnis von Protein zum in der Lösung oder Dispersion vorliegenden wasserlöslichen Polymer ist abhängig von den eingesetzten Polymeren. Beispielsweise können das Protein und das eingesetzte wasserlösliche Polymer in einem Gew.- Verhältnis von etwa 300 : 1 bis etwa 1 : 5, wie z.B. etwa 100 : 1 bis etwa 1 : 2, oder von etwa 20 : 1 bis etwa 1 : 1 eingesetzt werden. iv) Trägerbildende Polymere
Geeignete synthetische Polymere sind z. B. ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Homo- und Copolymerisaten von aromatischen Vinylverbindungen, Homo- und Copolymerisaten von Alkylacrylaten, Homo- und Copolymerisaten von Alkylmethacryla- ten, Homo- und Copolymerisaten von α-Olefinen, Homo- und Copolymere von aliphati- sehen Dienen, Homo- und Copolymerisaten von Vinylhalogeniden, Homo- und Copolymerisaten von Vinylacetaten, Homo- und Copolymerisaten von Acrylnitrilen, Homo- und Copolymerisaten von Urethanen, Homo- und Copolymerisaten von Vinylamiden und Copolymeren aufgebaut aus zwei oder mehr der die vorstehend genannten Polymere bildenden Monomereinheiten.
Als Trägerpolymere kommen insbesondere Polymere auf Basis der folgenden Monomere in Betracht:
Acrylamid, Adipinsäure, Allylmethacrylat, alpha-Methylstyrol, Butadien, Butandiol, Bu- tandioldimethacrylat, Butandioldivinylether, Butandioldimethacrylat, Butandiolmonoac- rylat, Butandiolmonomethacrylat, Butandiolmonovinylether, Butylacrylat, Butylmethac- rylat, Cyclohexylvinylether, Diethylenglycoldivinylether, Diethylenglycolmonovinylether, Ethylacrylat, Ethyldiglycolacrylat, Ethylen, Ethylenglycolbutylvinylether, Ethylenglycol- dimethacrylat, Ethylenglycoldivinylether, Ethylhexylacrylat, Ethylhexylmethacrylat, Ethylmethacrylat, Ethylvinylether, Glycidylmethacrylat, Hexandioldivinylether, Hexandi- olmonovinylether, Isobuten, Isobutylacrylat, Isobutylmethacrylat, Isopren, Isopropylac- rylamid, Methylacrylat, Methylenbisacrylamid, Methylmethacrylat, Methylvinylether, n- Butylvinylether, NMethyl-N-vinylacetamid, N-Vinylcaprolactam, N-Vinylimidazol, N- Vinylpiperidon, NVinylpyrrolidon, Octadecylvinylether, Phenoxyethylacrylat, Polytetra- hydrofuran-2-divinylether, Propylen, Styrol, Terephthalsäure, tert-Butylacrylamid, tert- Butylacrylat, tert-Butylmethacrylat, Tetraethylenglycoldivinylether, Triethylenglycoldi- methylacrylat, Triethylenglycoldivinylether, Triethylenglycoldivinylmethylether, Tri- methylolpropantrimethacrylate, Trimethylolpropantrivinylether, Vinyl-(2- ethylhexyl)ether, Vinyl-4-tertbutyl-benzoat, Vinylacetat, Vinylchlorid, Vinyldodecylether, Vinylidenchlorid, Vinylisobutylether, Vinylisopropylether, Vinylpropylether und Vinyl-tert- butylether. Der Begriff„synthetische Polymere" umfasst sowohl Homo- als auch Copolymere. Als Copolymere kommen sowohl statistische als auch alternierende Systeme, Blockcopo- lymere oder Pfropfcopolymere in Frage. Der Begriff Copolymere umfasst Polymere, die aus zwei oder mehr verschiedenen Monomeren aufgebaut sind, oder bei denen sich der Einbau mindestens eines Monomers in die Polymerkette auf verschiedene Art und Weise realisieren lässt, wie es z.B. bei den Stereoblockcopolymeren der Fall ist.
Es können auch Abmischungen von Homo- und Copolymeren sein. Die Homo- und Copolymere können mischbar und nicht mischbar sein. Folgende Polymere sind vorzugsweise zu nennen:
Polyvinylether wie z.B. Polybenzyloxyethylen, Polyvinylacetale, Polyvinylester wie z.B. Polyvinylacetat, Polyoxytetramethylen, Polyamide, Polycarbonate, Polyester, Polysilo- xane, Polyurethane, Polyacrylamide, wie z.B. Poly(N-isopropylacrylamid), Polymethac- rylamide, Polyhydroxybutyrate, Polyvinylalkohole, acetylierte Polyvinylalkohole, Polyvi- nylformamid, Polyvinylamine, Polycarbonsäuren (Polyacrylsäure, Polymethacrylsäure), Polyacrylamid, Polyitaconsäure, Poly(2-hydroxyethylacrylat), Poly(N-isopropylacryl- amid) , Polysulfonsäure (Poly(2-acrylamido-2-methyl-1-propanesulfonsäure) oder
PAMPS), Polymethacrylamid, Polyalkylenoxiden, z. B. Polyethylenoxiden; Poly-N- vinylpyrrolidon; Maleinsäuren, Poly(ethylenimin), Polystyrolsulfonsäure, Polyacrylate, wie z.B. Polypheno xyethylacrylat, Polymethylacrylat, Polyethylacrylat, Polydodecylac- rylat, Poly(ibornylacrylat),Poly(n-butylacrylat), Poly(t-butylacrylat), Polycyclohexylacry- lat, Poly(2-ethylhexylacrylat), Polyhydroxypropylacrylat, Polymethacrylate, wie z. B. Polymethylmethacrylat, Poly(n-amylmethacrylat), Poly(n-butylmethacrylat), Polyethyl- methacrylat, Poly(hydroxypropylmethacrylat), Polycyclohexylmethacrylat, Poly(2- ethylhexylmethacrylat), Polylaurylmethacrylat, Poly(t-butylmethacrylat), Polybenzyl- methacrylat, Poly(ibornylmethacrylat), Polyglycidylmethacrylat und Polystearylmethac- rylat, Polystyrol, sowie Copolymere auf Basis von Styrol, z.B. mit Maleinsäureanhydrid, Styrol-Butadien-Copolymere, Methylmethacrylat-Styrol-Copolymere, N-Vinylpyrrolidon- Copolymere, Polycaprolactone, Polycaprolactame, Poly(N-vinylcaprolactam).
Insbesondere sind Poly-N-vinylpyrrolidon, Polymethylmethacrylat, Acrylat-Styrol- Copolymere, Polyvinylalkohol, Polyvinylacetat, Polyamid, Polyester zu nennen.
Anwendbar sind weiterhin synthetische, biologisch abbaubare Polymere. Die Angabe "biologisch abbaubare Polymere" soll alle Polymere umfassen, die die in DIN V 54900 gegebene Definition der Bioabbaubarkeit erfüllen, insbesondere kompostierbare Polyester.
Im Allgemeinen bedeutet die biologische Abbaubarkeit, dass die Polymere, wie z.B. Polyester, in einer angemessenen und nachweisbaren Zeitspanne zerfallen. Der Abbau kann hydrolytisch und/oder oxidativ erfolgen und zum überwiegenden Teil durch die Einwirkung von Mikroorganismen, wie Bakterien, Hefen, Pilzen und Algen, bewirkt werden. Die biologische Abbaubarkeit lässt sich z.B. dadurch bestimmen, dass Polyester mit Kompost gemischt und für eine bestimmte Zeit gelagert werden. Gemäß ASTM D 5338, ASTM D 6400 und DI N V 54900 wird C02-freie Luft beispielsweise durch gereiften Kompost während des Kompostierens strömen gelassen und dieser einem definierten Temperaturprogramm unterworfen. Hierbei wird die biologische Abbaubarkeit über das Verhältnis der Netto-C02-Freisetzung der Probe (nach Abzug der C02- Freisetzung durch den Kompost ohne Probe) zur maximalen C02-Freisetzung der Pro- be (berechnet aus dem Kohlenstoffgehalt der Probe) als biologische Abbaubarkeit definiert. Biologisch abbaubare Polyester zeigen in der Regel schon nach wenigen Tagen der Kompostierung deutliche Abbauerscheinungen wie Pilzbewuchs, Riss- und Loch-
bildung. Beispiele für biologisch abbaubare Polymere sind biologisch abbaubare Polyester wie zum Beispiel Polylactid, Polycaprolacton, Polyalkylenadipatterepthalate, Po- lyhydroxyalkonoate (Polyhydroxybutyrat) und Polylactidglycosid. Besonders bevorzugt sind biologisch abbaubare Polyalkylenadipatterephthalate, vorzugsweise Polybutyle- nadipatterephtalate. Geeignete Polyalkylenadipatterephthalate sind z. B. in der DE 4 440 858 beschrieben (und sind kommerziell erhältlich, z.B. Ecoflex® von BASF). v) Wirkstoffe Die erfindungsgemäß hergestellten stabilisierten Protein-Dispersionen können auch dazu verwendet werden, um Wirkstoff-haltige oder Effektstoff-haltige Fasern oder solche Fasern enthaltende Flächengebilde, wie Filme oder Vliese, herzustellen.
Die Herstellung derartiger Wirkstoff-haltiger oder Effektstoff-haltiger Formulierungen ist insbesondere in der WO2010/015419 der Anmelderin beschrieben, worauf hiermit ausdrücklich Bezug genommen wird.
Eine detaillierte Auflistung potentiell geeigneter Stoffklassen von Wirk- bzw. Effektstoffen und eine nicht-limitierende Auflistung repräsentativer Beispiele dafür ist ebenfalls in der WO2010/015419 beschrieben.
Grundsätzliche formulierbar sind sowohl hydrophile als auch hydrophobe Stoffe. Als Beispiele für formulierbare Stoffklassen sind zu nennen: Proteine, Peptide, Nukleinsäuren, Mono-, Di-, Oligo- und Polysaccharide, Proteoglycane, Lipide, organische Polyme- re, niedermolekulare synthetische oder natürliche organische oder anorganische Stoffe oder chemische Elemente, wie z.B. Silber.
Derartige Formulierungen sind insbesondere in der Kosmetik, der Human- und Tiermedizin aber auch im Bereich des Pflanzenschutzes anwendbar.
Als konkrete, nichtlimitierende Beispiele für formulierbare Stoffklassen sind zu nennen:
Farbstoffe, Fettsäuren, Carotinoide, Retinoide, Vitamine und deren Vorläufer, Antioxidantien, Liponsäuren, UV-Lichtschutzfilter, Peroxidzersetzer, wie sie auf dem Gebiet der Kosmetik oder Medizin Anwendung finden; sowie Derivate und Vorläufer davon.
Pharmazeutische Wirkstoffe zu therapeutischen oder diagnostischen Zwecken, wie z.B. Antiirritantien, Entzündungshemmer, vasoaktive Mittel, infektionshemmende Mittel, anästhetisierende Mittel, wachstumsfördernde Mittel; sowie Derivate und Vorläufer davon;
Wundheilungsfördernde Mittel;sowie Wirkstoffe, die die Wundheilung positiv beeinflussen;
Antimikrobielle, antibakterielle oder antivirale Wrkstoffe
Antikörper, Enzyme, Peptide, Nukleinsäuren, Wachstumsfaktoren.
Pflanzenschutzwirkstoffe, wie z.B. solche mit herbizider, insektizider und/oder fungizider Wrkung.
Die Erfindung wird nun anhand der folgenden nicht-limitierenden Ausführungsbeispiele näher erläutert.
Experimenteller Teil:
Allgemeine Methoden: 1. Elektrospinning: Die Proteinlösung wurde mit Hilfe der düsenbasierten Elektrospinnanlage (Firma Gimpel Ingenieur-Gesellschaft mbH www.gimpel.de) versponnen. Als Hochspannungsquelle wurde ein Generator der Firma Eltex, Typ KNH34/N2A von 0-30 kV, DC neg. verwendet. Die Proteinlösung wurde dazu in einem elektrischen Feld unter geringem Druck durch eine mit dem Pol einer Spannungsquelle verbundene Kanüle extrudiert. Aufgrund der durch das elektrische Feld bedingten elektrostatischen Aufladung der Proteinlösung bildete sich ein auf die Gegenelektrode gerichteter Materialstrom aus, der sich auf dem Weg zur Gegenelektrode verfestigte und in Form von dünnen Fasern ablagerte.
Folgende Parameter wurden eingestellt:
Relative Luftfeuchtigkeit: 27 %,
Spinntemperatur: 23 °C,
elektrische Spannung: 20 kV,
Elektrodenabstand: 15-20 cm,
Kanülendurchmesser: 0,8 oder 0,9 mm.
Pump-Geschwindigkeit: 0,2 bis 0,5 ml/h
Die beschriebenen Ausführungsbeispiele können zudem auf walzenbasierte
Elektrospinn-Anlagen übertragen werden.
2. Chromatographie-Massenspektrometrie
MALDI-ToF Messung der Peptide
Matrices: a-Cyano-4-hydroxyzimtsäure (CCA)
Sinapinsäure (SA)
Beide Matrices wurden als gesättigte Lösungen (20mg/ml) verwendet, gelöst in TA. Zusammensetzung der TA-Lösung
Präparationsmethoden waren sowohl die„Cover-Methode" als auch die„Mix-Methode" Bei der„Mix-Methode" wurde die Probe nach dem Lösen in Puffer 1 : 10 mit Matrix gemischt und ein definiertes Volumen auf das Target gebracht. Der Verdünnungsfaktor bei der„Mix-Methode" betrug 10, wohingegen bei der„Cover-Methode" im Verhältnis 1 :1 verdünnt wurde.
Der hohe Salzgehalt der Proben wurde mit Hilfe einer Festphasenextraktion verringert. Dafür wurden sogenannte Zip-Tip-Pipettenspitzen von Applied Biosystems mit einer Cis-Belegung verwendet. Das Zip-Tip wurde mit 0.1 % Trifluoressigsäure in reinem Acetonitril und mit 0, 1 % TFA in 1 : 1 Acetonitril:Wasser gewaschen. Dann wurde zweimal mit 0, 1 % TFA in Wasser äquilibriert. Die Probe wurde in 10 μΙ 0, 1 % TFA-Lösung gelöst und wiederholt durch die Zip-Tip-Spitze ein- und auspipettiert, um die Peptide an
das Harz zu binden. Danach wurde die Spitze dreimal mit einer Lösung von 0,1 % TFA und 5% Methanol in Wasser gewaschen. Die Probenbestandteile wurden von dem Zip- Tip mit 1 ,8 μΙ Matrix-Lösung (Matrix gelöst in 0,1 % TFA 50% Acetonitril) eluiert und direkt auf das MALDI-ToF-MS-Target pipettiert.
3. Zellulärer Proliferationstest
Der in-vitro Test wurde mit Fibroblasten (HDFn, Invitrogen, Nr. C0045C) durchgeführt. Die Durchführung erfolgt in folgenden Schritten:
Aussaat von 15.000 Zellen pro well in einer 6-well-Platte in Medium
(DMEM low glucose mit 10% FCS und 1 % Penicillin/Streptomycin)
nach 4 Stunden (in dieser Zeit sind alle Zellen angewachsen) Wechsel des Medi- ums zu dem Medium mit Zusatz variierender Konzentrationen an Proteinfragmenten (Herstellung siehe unten); 1 ml/well
nach 24h Inkubation im Brutschrank bei 37°C und 5% C02 Zugabe von Ala- marblue (Firma Invitrogen Best.-Nr. DAL1100; 100μΙ pro ml Medium; entspricht einer Verdünnung von 1 : 10) und weitere Inkubation von 2 Stunden im Brutschrank
- Überführung von je 2x100 μΙ Überstand pro Well (=Doppelbestimmung) in eine 96-well-Platte mit F-Bottom und Messung am Optima Fluoreszenz-Reader bei 544 nm
Wiederholung der Messung an den verschiedenen Messzeitpunkten und Auswertung mittels Excel-Programm
Herstellung der Proteinfragmente für den Proliferationstest:
In einem Reagenzglas werden 300 mg R16-Protein (bzw. andere Proteine) eingewogen und 9 ml 0,2 M NaOH-Lösung zugesetzt. Das Reagenzglas wird fest verschlossen. Die Mischung im Reagenzglas wird auf ca. 80°C Innentemperatur erhitzt. Die Temperatur des Wasserbades sollte dabei mindestens 85°C betragen. Die Mischung wird stark gerührt. Nach einiger Zeit löst sich das Protein und es entsteht eine transparente Lösung (Farbumschlag). Sobald das Protein gelöst ist, wird die Probe aus dem Wasserbad herausgenommen und abgekühlt. Danach darf die Probe keiner Temperaturbe- handlung mehr ausgesetzt werden, da die Fragmente dadurch weiter gespaltet werden könnten und es unter Umständen zu einer vollständigen Spaltung kommt.
Nach dem Abkühlen wird die Probe gegen destilliertes Wasser (5 L) dialysiert. Für die Dialyse wird eine Dialysemembran aus regenerierter Cellulose mit einer Ausschlussgrenze von 1000 Da verwendet (Carl-Roth, Bestellnummer: 1967.1). Während der Dialyse wird das Wasser dreimal gewechselt.
Anschließend wird die Probe in eine Plastikpetrischale (vorher das Gewicht bestimmen) überführt und bei 37°C vollständig getrocknet. Nach der Gewichtsbestimmung kann die Probe für den Zelltest verwendet werden. Referenzbeispiel 1 : Herstellung von R16 und S16 Spinnenseidenprotein
Für die Herstellung von verspinnbaren R16- und S16-Lösungen wurden R16- bzw. S16-Protein-Microbeads genutzt. Diese können wie in WO 2008/155304 beschrieben hergestellt werden.
Referenzbeispiel 2: Herstellung von synthetischen amphiphilen oligomeren Dispergiermitteln
(1) Herstellung des Oligomers P(Phenylglycidylether)-block-P(Carboxymethyl- glycidylether)-(3,3)
Das amphiphile Oligomer mit Namen P(Phenylglycidylether)-block- P(Carboxymethylglycidylether)-(3,3) der Formel 1 :
besitzt in seiner Struktur drei unpolare Phenylethergruppen und drei polare Carbo- xylgruppen, welche durch pH-Wert Änderungen der Lösung geladen werden können. In allen Synthesen wurde mit gängigen Schlenktechniken und unter Ausschluss von Luft bzw. Sauerstoff gearbeitet. a) Synthese des Monomers Etylethoxyglycidylether (EEGE)
Glycidol Ethylvinylether Ethylethoxyglycidylether
Zunächst wurden 80 g (1.08 mol) Glycidol und 400 mL Ethylvinylether so im Eisbad mit 2 g para-Toluolsulfonsäure (p-TsOH) versetzt, dass die Temperatur nicht höher als Raumtemperatur stieg. Anschließend wurde der Ansatz 3 h gerührt. Nach abgelaufener Reaktionszeit wurde die Lösung drei Mal mit Natriumhydrogencarbonat gewaschen und über Natriumsulfat getrocknet. Das Trockenmittel wurde abfiltriert und das Lösungsmittel im Vakuum entfernt. Der Rückstand (ca. 250 mL EEGE) wurde im Vakuum destilliert (nicht höher als 70°C Ölbadtemperatur) und über Calciumhydrid gelagert. Anschließend wurde er überkondensiert. b) Synthese der ersten Oligomerzwischenstufe
Phenylglycidylether 3-Phenylpropan-1-ol (Initiator)
Es wurden 20.13 mL (0, 148 mol) des Initiators 3-Phenylpropan-1-ol mit 14.8 mL (0,148 mol) 10M Kalium-tert-butanolat in 50 mL Diglyme gelöst. Die Lösung wurde im Vakuum bei 40°C eine halbe Stunde erhitzt, um tert-Butanol zu entfernen. Anschließend wurden 100 mL (0,739 mol) vorher aufgereinigtes PGE (überkondensiert und über CaH2 getrocknet) zur Starterlösung hinzu gegeben und bei 120°C über Nacht gerührt. Am nächsten Tag wurde 98 mL (0,739 mol) EEGE zur Lösung hinzu gegeben und 3 h bei 120°C unter rühren erhitzt. Das Diglyme wurde im Vakuum entfernt. Es verblieb eine gold-braune honigartige Flüssigkeit. c) Entschützen der Oligomerzwischenstufe
Oligomerzwischenstufe
entschützte Oligomerzwischenstufe
Die gold-braune honigartige Flüssigkeit wurde in THF gelöst und mit 93 mL konz. HCl (37%) versetzt und 1 h gerührt. Anschließend wurde die Lösung mit NaHC03 neutralisiert. Es fällt ein leicht bräunlicher Niederschlag aus, welcher abfiltriert wurde. Über Nacht fällt weitere Niederschlag aus. Dieser wurde so lange abzentrifugiert, bis sämtlicher Feststoff aus der Lösung entfernt war. Anschließend wurde das THF im Vakuum entfernt. Es verblieben 116,28 g (0,1 1 mol) bräunliches, klares Öl. d) Acetylierung der Oligomerzwischenstufe
Das bräunliche Öl wurde in DM F gelöst und mit 16,2 g (0,45 mol) NaH (mit Pentan gewaschen) über Nacht gerührt. Dabei färbt sich die Lösung dunkelbraun. Anschließend wurde 78,8 g (0,45 mol) Natriumchloracetat (NaTa) hinzugegeben und der An- satz über Nacht bei 60°C gerührt. Das DMF wurde im Vakuum entfernt und der Rückstand in dest. Wasser gelöst. Das Produkt, ein hell brauner Niederschlag, wurde mit halbkonzentrierter HCl gefällt, abgetrennt und danach wieder in NaOH gelöst. Es wurden 127 g (0, 127 mol) P(Phenylglycidylether)-block-P(Carboxymethylglycidylether)- (3,3) der Formel 1 erhalten, was 52% Ausbeute der Theorie entspricht.
Durch Lösen in eine NaOH-Lösung, erhält man ein Na-Salz anstatt der Säurefunktion.
Das Produkt bleibt über mehrere Monate als Na-Salz in der Lösung stabil. Die Lösung kann auch vor der Verwendung bei 37 Grad getrocknet werden und als Feststoff gela- gert werden.
(2) Herstellung weiterer Oligomere
Unter Berücksichtigung der obigen Synthesevorschrift, jedoch durch Variation des Initi- ators, der molaren Anteile der Monomerkomponenten und / oder des Grads der Depro-
tektion und Acetylierung lassen sich beispielsweise folgende weitere amphiphile Oli gomere der Formeln 2 bis 5 herstellen:
(4)
Beispiel 1 : Stabilisierung von R16-Spinnenseidenprotein-Lösungen mit BSA und Verspinnen des stabilisierten Präparats
1.1. Herstellung stabilisierter Lösungen Fettfreies BSA (ff. BSA) (Carl Roth GmbH & Co. KG, Karlsruhe) und R16-Protein werden eingewogen, in ein Schnappdeckelglas überführt und mit Hilfe von Guanidinthio- cyanat-Lösung (6 M) gelöst. So kann eine Mischung aus 140 mg R16-Protein und 140 mg ff.BSA in 2 ml 6 M Guanidinthiocyanat gelöst werden. Die Einsatzmengen von R16 und ff.BSA für verschiedene Ansätze sind Tabelle 1 zu entnehmen.
Die Lösung wird über Nacht (mindestens 12 h) bei Raumtemperatur (ca. 20-25 °C) gerührt. Anschließend wird die so erhaltene ff.-BSA/R16 Lösung gegen 10 mM NaH- C03 - Puffer (pH etwa 10,5) dialysiert. Die Dialyse findet in einem Dialyseschlauch (Sigma-Aldrich, Bestellnr.: D9777-100FT, Zellulosemembran) mit der Ausschlussgren- ze ca. 12.400 statt. Das Volumen des NaHC03 - Puffers ist mindestens 100-fach größer als der Probe. Während der Dialyse wird der Puffer mindestens einmal gewechselt, um das GdmSCN möglichst quantitativ zu entfernen.
Die zeitliche Stabilität der jeweiligen Lösung während der Dialyse wird bestimmt und ist in folgender Tabelle 2 ebenfalls angegeben. Stabilität bedeutet, dass während der Dialyse keine Gelbildung in der untersuchten Lösung zu beobachten ist.
1.2. Verspinnen der stabilisierten Lösung
Zur Überprüfung der Verspinnbarkeit der stabilisierten Lösungen werden 0,5 ml der Probe mit PEO Polymer (Polyethylenoxid, Mw=900.000; Sigma-Aldrich, Bestell-Nr. 189456-250g) in unterschiedlicher Menge versponnen. Verschiedene Mengen PEO (gelöst in Wasser) gibt man hinzu, mischt und verspinnt unter den oben angegebenen Bedingungen in einer Elektrospinning-Laboranlage. Beispielsweise werden folgende Lösungen versponnen:
Tabelle 1
Je 7% R16 und ff.BSA (Ansatz Nr 2, Tabelle 2)
Verspinnen mit 0,4 ml/h
c) Verspinnen mit 0,5 ml/h
Elektronenmikroskopische Aufnahmen sind in den Figuren 3a bis d gezeigt.
1.3. Ergebnisse Tabelle 2
Masse /Volumen (m/v)
Es wurde festgestellt, dass das beste Ergebnis mit einer 1 : 1-Mischung von ff. BSA/R16 erzielt werden kann. Beispiel 2: Stabilisierung des R16-Spinnenseidenproteins mit Hilfe von Peptid- fragmenten des R16-Proteins und Verspinnen des stabilisierten Präparats
2.1. Vorbereitung des R16-Proteins: R16-Protein wird eingewogen, in ein Schnappdeckelglas überführt und mit Hilfe von Guanidinthiocyanat-Lösung (6 M) gelöst.
2.2. Herstellung der R16-Peptidfragmente: In einem Reagenzglas werden 45 mg R16-Protein eingewogen und 2 ml 0,2 M NaOH- Lösung zugegeben. Das Reagenzglas wird fest verschlossen und die Mischung in einem Wasserbad auf ca. 80°C Innentemperatur erhitzt (die Temperatur des Wasserbades sollte mindestens 85°C betragen). Die so erhaltene Mischung wird stark (etwa 1000 Upm) gerührt. Nach einiger Zeit (ca. 10 min) beginnt das Protein sich in der Na- OH-Lösung zu lösen. Sobald das Protein gelöst ist, wird die Probe aus dem Wasserbad herausgenommen und abgekühlt. Danach darf die Probe nicht mehr einer erhöhten Temperaturbehandlung ausgesetzt werden, da die Fragmente dadurch weiter gespaltet werden können und es unter Umständen zu einer vollständigen Spaltung kommt. Nichtgespaltenes R16-Protein ist visuell sehr gut in der Lösung zu erkennen. Während der Spaltung beginnt es sich aufzulösen, da die Fragmente gut wasserlöslich sind. Sobald das Protein visuell nicht mehr erkennbar ist, wird die Spaltung beendet, um eine vollständige Hydrolyse zu vermeiden.
Das auf diese Weise hergestellte R16-Proteinhydrolysat stellt eine Mischung von Pep- tidfragmenten mit einem Molekulargewicht im Bereich von etwa 1.000 bis 3.000 dar, wie durch beiliegende Figur 1 veranschaulicht. Dort wird das Massenspektrum (Maldi- ToF) eines typischerweise anfallenden R16-Proteinhydrolysats gezeigt.
2.3. Vorbereitung des Dialysebads
Nach dem Abkühlen wird das Hydrolysat mit einer Spritze in ein Dialysebad (NaHC03 - Puffer) (10 mM, 1 ,5 L) überführt. Der pH-Wert des Dialysebades ist auf ca. 10-11
einzustellen (NaOH , Feststoff). Die jeweils verwendete R16-Peptid-Menge für verschiedene Ansätze ist in folgender Tabelle 3 aufgelistet.
2.4. Durchführung der Dialyse
Anschließend werden R16-Proben (hergestellt gemäß 2.1) mit unterschiedlichem R16- Proteingehalt (vgl. Tabelle 3) gegen den NaHC03 - Dialysepuffer (pH-Wert ca. 10,5) enthaltend das R16-Hydrolysat dialysiert. Dazu wird die Probe in einen Dialyseschlauch (Sigma-Aldrich, Bestellnr. D9777-100FT, Zellulosemembran; Ausschlussgrenze von ca. 12.400) überführt. Das Volumen (z.B. 1 ,5 Liter) des NaHC03 - Puffers sollte mindestens 100-mal größer als die Probe sein.
Die zeitliche Stabilität der jeweiligen Lösung während der Dialyse wird bestimmt und ist in folgender Tabelle 3 angegeben. Stabilität bedeutet, dass während der Dialyse keine Gelbildung in der untersuchten Lösung zu beobachten ist.
Tabelle 3
Probenvolumen jeweils 2 ml
Endkonzentration in der Probe nach Dialyse
2.5. Verspinnen der stabilisierten Lösung
Zur Überprüfung der Verspinnbarkeit der R16-Fragment-stabilisierten Lösungen werden 0,5 ml der Probe mit PEO Polymer (Polyethylenoxid Mw = 900.000; Sigma- Aldrich, Bestell-Nr. 189456-250g) in unterschiedlicher Menge versponnen. Verschiedene Mengen PEO (gelöst in Wasser) gibt man hinzu, mischt und verspinnt unter den oben angegebenen Bedingungen in einer Elektrospinning-Laboranlage.
Beispielsweise werden folgende Lösungen versponnen:
Tabelle 4
a) % R16 in Klammern
' Verspinnen mit 0,4 ml/h
c) Verspinnen mit 20 cm, 15 kV, 0,3ml/h
Beispiel 3: Stabilisierung des R16-Spinnenseidenproteins mit Hilfe von Peptid- fragmenten von BSA und Verspinnen des stabilisierten Präparats
3.1 Vorbereitung des R16-Proteins:
R16-Protein wird eingewogen, in ein Schnappdeckelglas überführt und mit Hilfe von Guanidinthiocyanat-Lösung (6 M) gelöst.
3.2 Herstellung der BSA-Peptidfragmente:
In einem Reagenzglas werden 45 mg BSA-Protein eingewogen und 2 ml 0,2 M NaOH- Lösung zugegeben. Das Reagenzglas wird fest verschlossen. Die Mischung im Reagenzglas wird bei Raumtemperatur gelöst und anschließend auf ca. 80°C Innentempe- ratur erhitzt. Die Temperatur des Wasserbades sollte mindestens 85°C betragen. Die Mischung muss stark (etwa 1000 Upm) gerührt werden. Nach einer Minute beginnt das Protein sich in NaOH-Lösung zu spalten und es entsteht eine gelbliche Lösung. Sobald das Protein gespalten ist, wird die Probe aus dem Wasserbad herausgenommen und abgekühlt. Danach darf die Probe nicht mehr einer erhöhten Temperaturbehandlung ausgesetzt werden, da die Fragmente dadurch weiter gespalten werden können und es unter Umständen zu einer vollständigen Spaltung kommt.
Das auf diese Weise hergestellte BSA-Proteinhydrolysat stellt eine Mischung von Pep- tidfragmenten mit einem Molekulargewicht im Bereich von etwa 600 bis 4.000 dar, wie
durch beiliegende Figur 2 veranschaulicht. Dort wird das Massenspektrum eines typischerweise anfallenden BSA-Proteinhydrolysats gezeigt.
3.3. Vorbereitung des Dialysebads:
Nach dem Abkühlen wird die Probe mit einer Spritze ins Dialysebad (NaHC03 - Puffer) (10 mM, 1 ,5 L) überführt. Der pH-Wert des Dialysebades ist (mit NaOH) auf ca.10-1 1 einzustellen. Die BSA-Peptidkonzentration beträgt etwa 0,003-0,004 %.
3.4 Durchführung der Dialyse:
Anschließend werden R16-Proben (hergestellt gemäß 2.1) mit unterschiedlichem R16- Proteingehalt, enthaltend das BSA-Hydrolysat in unterschiedlicher Menge (vgl. Tabelle 5), dialysiert. Die Dialyse erfolgt in einem Dialyseschlauch (Sigma-Aldrich, siehe oben) mit einer Ausschlussgrenze von ca. 12.400. Das Volumen des NaHC03 - Puffers sollte mindestens 100-mal größer (z.B. 2 ml Protein-Lösung im 1 ,5 L Dialysebad) als die Probe sein.
Die zeitliche Stabilität der jeweiligen Lösung während der Dialyse wird bestimmt und ist in Tabelle 5 angegeben. Stabilität bedeutet, dass während der Dialyse keine Gelbildung in der untersuchten Lösung zu beobachten ist.
Tabelle 5
Probenvolumen jeweils 2 ml
'Endkonzentration in der Probe nach Dialyse 3.5. Verspinnen der stabilisierten Lösung
Zur Überprüfung der Verspinnbarkeit der BSA-Fragment-stabilisierten Lösungen werden 2 ml der Probe mit PEO Polymer (Polyethylenoxid Mw = 900.000; Sigma-Aldrich, Bestell-Nr. 189456-250g) in unterschiedlicher Menge versponnen. Verschiedene Men-
gen PEO (PEO zugesetzt als Feststoff, s. Tabelle 6) gibt man hinzu, mischt und verspinnt unter den oben angegebenen Bedingungen in einer Elektrospinning- Laboranlage.
Beispielsweise wird folgende Lösung versponnen:
Tabelle 6
Verspinnen bei 20 kV, 15 cm, 0,2 ml/h
Beispiel 4: Stabilisierung des R16-Spinnenseidenproteins mit Hilfe von syntheti- sehen amphiphilen Oligomeren und Verspinnen des stabilisierten Präparats
Zur Stabilisierung verwendet man P(Phenylglycidylether)-block-P(Carboxymethyl- glycidylether)-(3,3), hergestellt nach Referenzbeispiel 2(1). Das zuvor in NaOH-Lösung gelöste Oligomer, welches über mehrere Monate als Na- Salz in Lösung stabil bleibt, kann als Lösung oder als Feststoff (getrocknet bei 37 °C) verwendet werden.
4.1 Vorbereitung des R16-Proteins:
Für die Stabilisierung von R16 wird die Substanz insbesondere als Feststoff eingesetzt. Dabei wird das R16-Protein in einer 6M Guanidinthiocyanat-Lösung gelöst. Der Oligo- mer-Feststoff wird eingewogen und direkt in der R16-Lösung gelöst. Die Lösung wird über Nacht langsam gerührt. In dieser Zeit erfolgt die Anlagerung des Oligomers an das Protein. Entsprechende Mengenangaben für verschiedene Ansätze sind in folgen- der Tabelle 7 zusammengefasst.
4.2 Durchführung der Dialyse:
Am nächsten Tag wird die Dialyse durchgeführt, um Guanidinthiocyanat zu entfernen. Das Volumen der zu dialysierenden Lösung beträgt 3 ml (enthält einen Magnetrührstab und wird während der Dialyse gerührt). Das Volumen der Dialyselösung (10mM NaH-
C03 -Puffer, pH=12 mit NaOH eingestellt) beträgt 1 ,5 L. Die Dialyse dauert über Nacht (12 h).
Die zeitliche Stabilität der jeweiligen Lösung während der Dialyse wird bestimmt und ist in folgender Tabelle 7 angegeben. Stabilität bedeutet, dass während der Dialyse keine Gelbildung in der untersuchten Lösung zu beobachten ist.
Tabelle 7
Probenvolumen jeweils in Klammern
'Endkonzentration in der Probe nach Dialyse 4.3 Verspinnen der stabilisierten Lösung
Zur Überprüfung der Verspinnbarkeit der Oligomer-stabilisierten Lösungen werden 0,5 ml der Probe mit PEO Polymer (Polyethylenoxid Mw = 900.000; Sigma-Aldrich,
Bestell-Nr. 189456-250g) versponnen. PEO (Zusatz als Feststoff) gibt man hinzu, mischt und verspinnt unter den oben angegebenen Bedingungen in einer Elektrospin- ning-Laboranlage. Beispielsweise wird folgende Lösung versponnen:
Tabelle 8
Verspinnen bei 20 kV, 15 cm, 0,2 ml/h
Beispiel 5: Bestimmung der wundheilungsfördernden Eigenschaften eines erfindungsgemäßen Faserflächengebildes
Die wundheilungsfördernde Wirkung der erfindungsgemäß hergestellter Fasern (hergestellt gemäß Beispiel 2 ; R16 stabilisiert mit R16 Peptiden) wird durch den oben beschriebenen zellulären Proliferationstest bestimmt:
Die Versuchsergebnisse sind in beiliegender Figur 7 zusammengestellt. Man erkennt über den Zeitverlauf von 8 Tagen eine Zunahme der Zellzahl. Durch Zusatz der R16- Proteinfragmente kann eine zusätzliche Steigerung der Zellzahl erreicht werden (opti- male Konzentration 0,06 mg/ml).
Auf die Offenbarung der hierin erwähnten Druckschriften, insbesondere die
WO2010/057654, wird ausdrücklich Bezug genommen.