Zusammensetzung
Die vorliegende Erfindung betrifft eine Zusammensetzung zur Be¬ handlung von Erkrankungen im Darmtrakt, welche durch Gluten und verwandte Substanzen ausgelöst werden.
Entzündliche Prozesse im Darmbereich können vielfältige Ur¬ sachen haben, diese sind in den meisten Fällen schwierig zu diagnostizieren und noch schwieriger zu therapieren. In den letzten Jahren hat die Diagnose der so genannten Lebensmittelunverträglichkeiten einen zunehmend wichtigen Stellenwert in der medizinischen Fachwelt bekommen und damit auch neue Erkenntnisse für die Ursachenerkennung von entzündlichen Prozessen im Darmbereich geliefert.
Viele Menschen entwickeln auch eine Unverträglichkeit gegenüber Histamin und anderen biogenen Aminen. In diesem Fall ist die Leistung des Enzyms Diaminooxidase nicht ausreichend, um die über die Nahrung aufgenommenen biogenen Amine effizient abzubauen. In der Folge gelangt das überschüssige Histamin ins Blut. Typischerweise entwickeln die Betroffenen nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel Kopfschmerzen, Durchfälle, unangenehmen Blähungen und andere allergieähnliche Symptomen.
Sehr komplex stellt sich die Gluten-Unverträglichkeit , auch Zöliakie oder Sprue genannt, dar. Diese Krankheit ist eine viel¬ schichtige Kombination von Resorptionsstörung und interagieren- der Autoimmunreaktion des Körpers, welche teilweise auch eine genetische HLA-Disposition, nämlich den HLA-DQ2 oder DQ8 Serotyp benötigen . Bislang ist unklar, warum der Großteil der Bevölkerung mit dieser genetischen Disposition einen Toleranzmechanismus entwickelt. Derzeit ist eine Vielzahl von Definitionen von
Krankheitsbildern, welche durch Gluten bzw. Gliadin ausgelöst werden, in der Literatur zu finden. Diese umfasst unter anderem:
Asymptomatische Zöliakie (auch Stille Zöliakie) : Keine Symp¬ tome bei Gluten-Anwesenheit oder Entzug; Antikörper vorhanden; erhöhtes Risiko für Ausbruch einer schweren Zöliakie.
Klassische Zöliakie: Klassische Symptome von Malabsorbtion; Durchfall, Fettstuhl, Gewichtsverlust, Gedeihstörungen. Meist bei Kindern diagnostiziert.
Subklinische Zöliakie: Eher unspezifische Symptome wie Ei¬ senmangel, Leberfunktionsstörungen, ewtl. Biopsieresultate vor¬ handen .
Symptomatische Zöliakie: Gastrointestinale/ extraintestinale Symptome bei Gluten-Einnahme ; breites Symptomspektrum.
Refraktäre Zöliakie (RCD) : Malabsorbtion & Zottenatrophie nach mehr als 12 Monaten strikter Gluten freier Diät. Serologie meist negativ; positive Serologie weißt auf Diätfehler hin
RCD Typ I: Normaler Phänotyp der interepithelialen Lymphocyten RCD Typ II: Ungebremste klonale Expansion von interepithelialen Lymphocyten, Vorstufe zu Enteropathie-assoziiertem Lymphom.
Latente Zöliakie: Positive Serologie ohne histologische Auffälligkeiten des Dünndarms oder normale Histologie der Dünn- darmmucosa, die sich auf Glutengabe ändert oder nicht- diagnostizierte Zöliakie oder morphologische Abweichungen der Dünndarmmucosa ohne auffällige Serologie.
Potentielle Zöliakie: Positive Serologie, keine Zottenatro¬ phie .
Celiac Disease Autoimmunity : Positive Serologie, gekenn¬ zeichnet durch erhöhte tTG („tissue transglutaminase" ; Gewebe- transglutaminase ) oder EMA („Endomysial components of antibo¬ dies") Levels an zumindest 2 Messzeitpunken .
Gluten Intoleranz: Synonym für Zöliakie oder eine unspezifische Zöliakie-ähnliche Erkrankung, die auf eine Gluten freie Di¬ ät anspricht.
Non-celiac gluten sensitivity (NCGS) : Überbegriff immunolo¬ gischer, morphologischer oder anderer Symptome, die im Zusammenhang mit Gluteneinnahme auftreten (können) . Angeborenes Immun¬ system ist aktiviert, aber negative Serologie und keine Zotten¬ atrophie. Hier handelt es sich um eine lokale Gluten-Allergie mit nur lokaler IgE Ausschüttung.
Gluten-assoziierten Störungen: Gluten Ataxie, Morbus Duhring (Dermatitis Herpetiformis ) .
Biochemisch - physiologisch völlig anders gelagert ist die Gluten-Allergie („Mehl-Allergie") . Dabei handelt es sich um eine klassische IgE-vermittelte Allergie gegen Gluten, wobei die Sen¬ sibilisierung der Lunge meist durch Mehlstaub erfolgt.
Die nicht allergische Immunreaktion der Zöliakie wird haupt¬ sächlich durch die alkohollöslichen Proteinfraktionen (so genannte Prolamine) von Weizen (Gliadin) , Roggen (Secalin) , Gerste (Hordein) und Hafer (Avenin) und deren Bruchstücke nach dem pep- tisch-tryptischen Verdau im Magen ausgelöst.
Die Gesamtheit dieser Proteine wird im Folgenden als Gluten
zugehörige Proteine („gluten related proteins") bezeichnet. Die¬ se Proteine induzieren in vitro und in vivo reproduzierbar das immunologische Reaktionsspektrum der Zöliakie. Sie enthalten charakteristischerweise „Aminosäurewiederholungen", die aus Pro¬ linen und Glutaminen bestehen. Beispielhaft seien die typischen Peptide erwähnt: -Gliadin: LQLQPF ( PQPLPY) 3PQPQPF; γ-Gliadin:
FLQPQQPF (PQQ) 2PY (PQQ) 2PFPQ; LMW-Glutenin : QQQQPPFSQQQQSPFSQQQQ; HMW-Glutenin: (GYYPTSPQQ) n . Grundsätzlicher Auslöser des gesamten physiologischen Prozesses der Zöliakie ist die Passage des im Magen anverdauten Glutens durch die epitheliale Zellschicht des Dünndarms in die dahinter liegende Lamina.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es Mittel zur Verfügung zu stellen, welche die entzündlichen oder immunologischen Prozesse, welche durch eine oder mehrere der Gluten zugehörigen Proteine („gluten related proteins") im Darmtrakt ausgelöst wer¬ den zu verhindern, zu reduzieren oder zu lindern.
Daher betrifft die vorliegende Erfindung eine Zusammenset¬ zung zur Verwendung zur Behandlung einer Erkrankung des Darmtrakts, welche durch ein Gluten zugehöriges Protein ausgelöst wird, umfassend mindestens ein Mittel, welches an das Gluten zu¬ gehörige Protein bindet, dadurch gekennzeichnet, dass die Zusam¬ mensetzung gleichzeitig oder maximal innerhalb von 60 (vorzugs¬ weise 50, noch mehr bevorzugt 40, noch mehr bevorzugt 30) Minu¬ ten nach Verabreichung mindestens eines Gerbstoffs einem Patienten verabreicht wird.
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch die Kombination zwei¬ er Mittel gelöst, die in zeitlicher Abfolge oral zugeführt wer¬ den. Die vorliegende Erfindung stellt erstmals eine funktionelle Kombination von zwei grundlegend unterschiedlichen Wirkungsweisen dar. Zunächst wird die Darmmucosa mit Hilfe von Gerbstoffen stabilisiert und die Resorption potentiell toxischer Substanzen stark reduziert. Gleichzeitig oder unmittelbar anschließend wer¬ den die toxischen Substanzen und/oder Mediatoren vermittels spezifischer Adduktoren gebunden und damit dem physiologischen Auf- nahmeprozess entzogen.
Eine Aufgabe, nämlich die Bindung oder Maskierung der Gluten zugehörigen Proteine („gluten related proteins"), wird erfin¬ dungsgemäß durch spezifische Antikörper, Antikörperfragmente (z.B. leichte Ketten, Antigen-spezifische Bindungsstellen und dgl . ) , Aptamere, DARPIN' s oder andere geeignete spezifische Bin-
deproteinstrukturen, die dem Fachmann bekannt sind, erfüllt. Die Herstellung dieser maskierenden Substanzen kann dem jeweiligen Stand der Technik angepasst und optimiert werden.
Bevorzugt sind Antikörper oder deren Fragmente, welche Lege¬ hennen im Anschluss an eine Immunisierung mit einem gewünschten Antigen in den Eidotter sezernieren. Diese Immunglobuline (IgY) ähneln in ihrer Struktur den Säuger-Immunglobulinen IgG und IgE, interagieren jedoch auf Grund des Fehlens der FC-Domäne nicht mit dem Säuger-Immunsystem.
Da die Antikörper in natürlicher, bioaktiver Form in den Darm eingebracht werden müssen, bieten sich bevorzugt IgY aus Eidotter an, da hier eine Interaktion mit FC-Rezeptoren von Immunzellen, Rheumatoid Factor, sowie dem Komplementsystem ausgeschlossen werden kann. Dieser Ansatz von spezifischen IgY gegen Gluten wurde bereits durchgeführt (siehe z.B. US 2011/0008362) . Alternativ zu den IgY können naturgemäß auch andere, polyklonale oder monoklonale Antikörper oder deren Fragmente eingesetzt wer¬ den, wenn sie durch Methoden, welche dem Stand der Technik entsprechen modifiziert und humanverträglich gemacht wurden. Weitere Antikörper im Sinne der Erfindung können aus Echsen oder dem Blut von Lungenfischen gewonnen werden. Weiters bevorzugt im Sinne der Erfindung ist der Einsatz von Aptameren, welche speziell jene Epitope erkennen, welche die unerwünschten Reaktionen im Magen-Darm-Bereich auslösen oder steuern. Die Entwicklung und Charakterisierung dieser Aptamere ist dem Fachmann bekannt.
Der Begriff „Gluten zugehörige Proteine" („gluten related proteins"), wie hierin verwendet, umfasst Gliadin, Secalin, Hor- dein und Avenin und deren Bruchstücke nach dem peptisch- tryptischen Verdau im Magen, wobei besonders bevorzugt Gliadin und dessen Bruchstücke sind. Daher kann als Synonym für „Gluten zugehörige Proteine" „Gliadin, Secalin, Hordein und Avenin und deren Bruchstücke nach dem peptisch-tryptischen Verdau im Magen", „Gliadin, Secalin, Hordein und Avenin und durch Pepsin und/oder Trypsin daraus hergestellte Bruchstücke (Fragmente)" oder „Gliadin, Secalin, Hordein, Avenin und Fragmente davon" verwendet werden. Fragmente im Sinne der vorliegenden Erfindung bestehen aus 5 bis 100, vorzugsweise 10 bis 50, Aminosäuren.
Die Gerbstoffe erfüllen die Aufgabe der Stabilisierung der Darmmucosa. Gerbstoffe stellen eine weite Familie von verwand¬ ten, polyphenolischen Substanzen dar, welche in höheren Pflanzen
und Algen vorkommen. Sie sind im Bausteinprinzip verzweigte Makromoleküle, die gewisse physikalisch-chemische Eigenschaften teilen: Wasserlöslichkeit, und die Fähigkeit, sich an Proteine anzulagern und diese zu vernetzen, Bildung von Niederschlägen mit Alkaloiden sowie die Bindung von Chelatkomplexen mit Fe111- Salzen. Erfindungsgemäß können unterschiedliche Gerbstoffe, auch in gemischter Form, für die Stabilisierung der Mucosa eingesetzt werden. Bevorzugt werden Gerbstoffe der Typen Catechingerbstof- fe, Tannine, Lamiaceen-Gerbstoffe oder Algen-Gerbstoffe einge¬ setzt. Quellen für Gerbstoffen sind z.B: Galläpfel (Gallae) ; Ha- mamelisblätter (Hamamelidis folium) ; Walnussblätter (Juglandis folium; Eichenrinde (Quercus cortex) ; Ratanhiawurzel (Ratanhiae radix) ; Blutwurzwurzel ( Tormentillae rhizoma) ; Heidelbeeren
(Myrtilli fructus); Catechu; Rubus fruticosus; Potentilla an- serina; Fragaria vesca; Agrimonia eupatoria; Alchemilla xant- hochlora; Plantago major; Plantago lanceolata, Rosa gallica;
Sanguisorba officinalis oder auch Kerne von Datteln, Trauben usw. Fakultativ können erfindungsgemäß auch synthetische Gerb¬ stoffe wie z.B. Polymere von Acrylaten, Polyurethanen, Isocyana- ten, Derivate von Aldehyden aber auch Salze von Mineralstoffen wie z.B: Alaune, Chromsalze oder Zirkonsalze eingesetzt werden.
Gemäß einer besonders bevorzugten Aus führungs form ist der mindestens eine Gerbstoff ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Catechingerbstoffe, Tannine, Lamiaceen-Gerbstoffe und Algen- Gerbstoffe .
Die Fähigkeit, Proteine zu vernetzen beruht auf einer unspe¬ zifischen Anlagerung der phenolischen Strukturen an hydrophobe Taschen, sowie der Ausbildung von Wasserstoffbrücken zwischen den Hydroxylgruppen des Gerbstoffes und den Seitenketten polarer Aminosäuren. Die Anlagerung der Gerbstoffe führt zu einer Auffaltung und bei einer ausreichenden Konzentration zur Quervernetzung der Proteine.
Besonders bevorzugt werden die Gerbstoffe eingesetzt, nach¬ dem sie mit Protein im Verhältnis 20:80 [Gerbstoff : Protein] ; bevorzugt 35:65, besonders bevorzugt 50:50 vorgefällt (z.B. durch Inkontaktbringen des Gerbstoffs mit dem Protein/Polypeptid) wer¬ den. Als Protein können generell Proteine mit einer Molekularmasse zwischen 50 kDa und 500 kDa eingesetzt werden
Überaschenderweise kann durch die Vorfällung des Gerbstoffes mit einem Antikörper oder Bindeprotein ein doppelter Effekt er-
zielt werden: das entstehende Makromolekül vereinigt die Fähig¬ keit der Vernetzung der Darmmucosa mit der gleichzeitigen Fähigkeit, toxische Antigene und Substanzen zu binden und deren
Bioverfügbarkeit zu reduzieren. Ganz besonders bevorzugt ist da¬ her der Einsatz von Bindeproteinstrukturen, welche mit einem Gerbstoff im Verhältnis 20:80 [Gerbstoff : Protein] ; bevorzugt 35:65, besonders bevorzugt 50:50 vorgefällt werden.
Daher betrifft die vorliegende Erfindung eine Zusammenset¬ zung umfassend die oral zu verabreichende Kombination von min¬ destens einem Gerbstoff und mindestens einer Substanz zur Bin¬ dung oder Maskierung der Gluten zugehörigen Proteine („gluten related proteins") mit dem Ziel der Behandlung von entzündlichen oder nicht allergischen immunologischen Prozessen, welche durch eine oder mehrere der Gluten zugehörigen Proteine („gluten related proteins") im Darmtrakt ausgelöst werden.
Zusätzlich können neben der Substanz zur Bindung oder Maskierung der Gluten zugehörigen Proteine („gluten related proteins") und dem Gerbstoff auch bioaktive Mikroorganismen verab¬ reicht werden, die den Abbau dieser toxischen Substanzen
und/oder Mediatoren unterstützen und somit potentielle weitere pathologische Prozesse unterbinden.
In einer weiteren Ausformung der erfindungsgemäßen Zusammensetzung können die spezifisch gebundenen toxischen Substanzen, Peptide bzw. Antigene oder Mediatoren, welche mit dem Speisebrei im Darm weiterbewegt wurden, in weiterer Folge durch die Gabe von speziellen bakteriellen Proteasen völlig abgebaut werden. Im Falle von Zöliakie ist das Enzym der Wahl die in allen Lebewesen vorhandene Prolylendopeptidase (PEP; EC 3.4.21.26) . Sie kann Peptide, welche aus Gluten und Gliadin entstehen, als einziges Enzym einem bestimmten Ausmass abauen. PEP kommt primär als intrazelluläres Enzym vor, einige Microorganismen, z.B. Flavobac- terium meningosepticum, A. niger, sowie diverse Lactobacilli , sind imstande, dieses Enzym auch zu sezernieren. Weitere erfin¬ dungsgemäße Mikroorganismen sind unter anderem oder Bakterien aus dem menschlichen Mundraum wie z.B. Fusobakterien oder Acti- nomyceten .
Die Verabreichung der Bindeproteinstrukturen und Gerbstoffe erfolgt vorzugsweise in einem definierten zeitlichen Abstand: zunächst wird in einem Zeitraum von 0 bis 60 min, bevorzugt 10 bis 40 min, besonders bevorzugt 15 bis 30 min vor Einnahme der
glutenhaltigen Nahrung das Gerbstoffpräparat oral verabreicht
Gemäß einer bevorzugten Aus führungs form der vorliegenden Erfindung ist der Antikörper, Antikörperfragment, Aptamer und/oder DARpin gegen Gliadin und/oder Fragmenten davon, insbesondere gegen tryptisch und/oder peptisch gespaltenes Gliadin, oder physiologisch äquivalente Verdaue von Gluten oder Gluten-Fraktionen gerichtet .
Das mindestens eine Protein oder Polypeptid, insbesondere der mindestens eine Antikörper, ist vorzugsweise rekombinanten Ursprungs .
Gemäß einer noch weiteren bevorzugten Aus führungs form der vorliegenden Erfindung ist der mindestens eine Antikörper ein polyklonaler Antikörper aus Säugetieren, polyklonaler Antikörper avianen Ursprungs, ein Antikörper aus Echsen, ein monoklonaler Antikörper oder ein Antikörper aus dem Blut von Lungenfischen.
Gemäß einer bevorzugten Aus führungs form der vorliegenden Erfindung umfasst die erfindungsgemäße Zusammensetzung eukaryoti- sche und/oder prokaryotische Zellen, die in der Lage sind ent¬ zündliche Prozesse im Magen und/oder Darmtrakts zu reduzieren und/oder zu unterbinden.
Die in der erfindungsgemäßen Zusammensetzung vorhandenen Zellen sind vorzugsweise in der Lage Proteine (wie zum Beispiel Enzyme) zu sekretieren, die in der Lage sind entzündliche Pro¬ zesse im Darmtrakt zu reduzieren bzw. zu unterbinden, die für die Bildung einer entzündlichen Erkrankung verantwortlich sind.
Gemäß einer besonders bevorzugten Aus führungs form wird die Zusammensetzung umfassend mindestens einen Gerbstoff zur Behand¬ lung einer entzündlichen Erkrankung des Darmtrakts, in Kombination mit mindestens einem zweiten Mittel zur Behandlung einer entzündlichen Erkrankung des Darmtrakts verabreicht, wobei das mindestens eine zweite Mittel mindestens ein Protein oder Po¬ lypeptid, welches mindestens eine Substanz (aktiv) bindet, wel¬ ches die entzündliche Erkrankung induziert oder mediiert, und eukaryotische und/oder prokaryotische Zellen umfasst, die in der Lage sind entzündliche Prozesse im Magen und/oder Darmtrakts zu reduzieren und/oder zu unterbinden. D.h. die erfindungsgemäße Zusammensetzung umfassend mindestens einen Gerbstoff wird in Kombination mit einer Zusammensetzung umfassend zumindest ein Protein oder Polypeptid und mit einer Zusammensetzung umfassend eukaryotische und/oder prokaryotische Zellen, beides wie oben
definiert, verabreicht. Die beiden zuletzt genannten Zusammen¬ setzungen können entweder in einer oder mindestens zwei einzelnen Darreichungsformen zur Verabreichung bereitgestellt werden.
Gemäß einer bevorzugten Aus führungs form der vorliegenden Erfindung sind die eukaryotischen und/oder prokaryotischen Zellen ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Flavobacterium sp, Lac- tobacillus sp, Aspergillus sp und Bifidobacterium sp .
Der mindestens eine Gerbstoff ist vorzugsweise mit mindes¬ tens einem Protein vorgefällt.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Aus führungs form der vorliegenden Erfindung liegt das mindestens eine Mittel, welches an das Gluten zugehörige Protein bindet, und der mindestens eine Gerbstoff in einer Formulierung zur kontrollierten Freisetzung im Magen und/oder Darmtrakt, vorzugsweise Darmtrakt, vor.
Dem Fachmann sind Mittel zum Formulieren von Wirkstoffen bekannt, die es ermöglichen eine Zusammensetzung bereitzustellen, welche die Eigenschaft aufweist unter bestimmten Bedingungen die in der Zusammensetzung eingearbeiteten Wirkstoffe freizusetzen. Pharmazeutisch werden derartige Mittel dazu eingesetzt und Wirk¬ stoffe zum Beispiel ausschließlich Darmtrakt freizusetzen. Dies hat den Vorteil, dass die Wirkstoffe magensaftresistent durch den Magen in den Darm geschleust werden können.
Der Begriff „Formulierung zur kontrollierten Freisetzung" umfasst nicht nur magensaftresistente Darreichungsformen bzw. Formulierungen sondern auch „Delayed release" zur Freisetzung im Darm mit Zeitverzögerung, Zuckerabbaubare Polymerüberzüge zur Freisetzung im Dickdarm, Überzug als Gelbarriere zur zielgerichteten Freisetzung im Darm je nach Dicke der Barriere, Wasserunlösliche Überzüge mit Porenbildner retardiert die Freisetzung je nach Porengrüße und Menge, pH-sensitive Überzüge zur Freisetzung entsprechend dem physiologischen pH-Gradienten, bioadhärente Überzüge (Chitosan, Polyacrylate ) interagieren mit dem Mucos und halten die Arzneiform fest, flotierende Arzneiformen zur Freisetzung im Magen dadurch, dass im Magen Quellung eintritt und der Durchtritt durch den Pylorus verhindert wird, Verarbeitung in Pellets wenn kleiner als 1 bis 3 mm für einen raschen Durchtritt der Wirkstoffe durch den Pylorus und Transfer in den Darm.
Es hat sich erfindungsgemäß als besonders vorteilhaft erwie¬ sen, dass die Gerbstoffe vor der erfindungsgemäßen Zusammenset¬ zung umfassend das mindestens eine Mittel eine Mittel, welches
an das Gluten zugehörige Protein bindet, verabreicht wird, da dadurch die Benetzung der Schleimhäute, insbesondere Darm¬ schleimhäute, mit den erfindungsgemäß eingesetzten Gerbstoffen vor dem Eintreffen der zuvor genannten Mittel erfolgt. Dadurch wird es ermöglicht, zunächst die Schleimhäute zu stabilisieren, woraufhin die eigentlichen Wirkstoffe zur Behandlung der entzündlichen Erkrankung verabreicht werden.
Die Zusammensetzung umfassend mindestens einen Gerbstoff wird daher mindestens eine, vorzugsweise mindestens fünf, noch mehr bevorzugt mindestens zehn, am meisten bevorzugt mindestens 20, Minuten vor dem mindestens einem Mittel zur Behandlung einer entzündlichen Erkrankung des Darmtrakts verabreicht.
Gemäß einer bevorzugten Aus führungs form der vorliegenden Erfindung wird der mindestens eine Gerbstoff in einer Menge von 10 bis 10000 mg, vorzugsweise von 20 bis 5000 mg, noch mehr bevorzugt von 50 bis 2500 mg, besonders bevorzugt von 100 bis 2000 mg, verabreicht.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Aus führungs form der vorliegenden Erfindung wird das mindestens eine Protein oder Polypep¬ tid, welches an mindestens eine Substanz (z.B. Antigen) bindet, welche die Gluten-Unverträglichkeit induziert oder mediiert, in einer Menge von 1 bis 100000 mg, vorzugsweise von 5 bis 50.000 mg, noch mehr bevorzugt von 10 bis 20.000 mg, besonders bevorzugt von 15 bis 15.000 mg, verabreicht.
Gemäß einer besonders bevorzugten Aus führungs form der vorliegenden Erfindung, werden die eukaryotischen und/oder prokary-
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otischen Zellen m einer Menge von 10 bis 10 , vorzugsweise
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von 10 bis 10 , verabreicht.
Die Verabreichung der erfindungsgemäß eingesetzten Bindeproteinstrukturen und Gerbstoffe erfolgt erfindungsgemäß in einem definierten zeitlichen Abstand: zunächst wird in einem Zeitraum von 0 - 60 min, bevorzugt 10 bis 40 min, besonders bevorzugt 15 bis 30 min vor Einnahme der glutenhaltigen Nahrung das Gerb- stoffpräparat oral verabreicht
Bei oraler Verabreichung der erfindungsgemäßen Zusammensetzungen werden diese entsprechend formuliert (zum Beispiel magen¬ saftresistent) .
Ein noch weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung betrifft ein Set zur Verwendung zur Behandlung einer Erkrankung des Darmtrakts, welche durch ein Gluten zugehöriges Protein ausgelöst
wird, umfassend mindestens ein Behältnis mit mindestens einen Gerbstoff und mindestens ein weiteres Behältnis mit der erfin¬ dungsgemäßen Zusammensetzung.
Gemäß einer bevorzugten Aus führungs form der vorliegenden Erfindung umfasst das Set Zusammensetzungen wie oben definiert und wird zu den oben angeführten Zwecken eingesetzt und der oben beschriebenen Art verabreicht.
Weitere Aus führungs formen :
1. Zusammensetzung umfassend mindestens einen Gerbstoff zur Be¬ handlung einer entzündlichen Erkrankung des Magens und/oder des Darmtrakts, wobei die Zusammensetzung in Kombination mit mindes¬ tens einem zweiten Mittel zur Behandlung einer entzündlichen Erkrankung des Magens und/oder des Darmtrakts verabreicht wird.
2. Zusammensetzung gemäß Aus führungs form 1, dadurch gekennzeichnet, dass die entzündliche Erkrankung des Magens und/oder des Darmtrakts ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis, insbesondere Colitis cystica, Colitis ha- emorrhagica, Colitis ischaemia, Colitis pseudomembranacea oder Colitis ulcerosa, Reizdarm und Gastritis.
3. Zusammensetzung gemäß Aus führungs form 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine zweite Mittel zur Behand¬ lung einer entzündlichen Erkrankung des Magens und/oder des Darmtrakts mindestens ein Protein oder Polypeptid umfasst, wel¬ ches mindestens eine Substanzbindet, welche die entzündliche Er¬ krankung induziert oder mediiert.
4. Zusammensetzungen gemäß Aus führungs form 3, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Protein oder Polypeptid ein Antikörper, ein Aptamer und/oder ein DARpin („Designed Ankyrin Repeat Proteins") gerichtet gegen eine Substanz, welche die ent¬ zündliche Erkrankung induziert oder mediiert, oder ein spezifischer Rezeptor gerichtet gegen einen Wirkstoff, welcher die entzündliche Erkrankung induziert oder mediiert, ist.
5. Zusammensetzung gemäß Aus führungs form 4, dadurch gekennzeichnet, dass der mindestens eine Antikörper, Aptamer und/oder DAR-
pin gegen Gliadin und/oder Fragmenten davon, insbesondere gegen tryptisch und/oder peptisch gespaltenes Gliadin, oder physiologisch äquivalente Verdaue von Gluten oder Gluten-Fraktionen gerichtet ist.
6. Zusammensetzung gemäß einer der Aus führungs formen 3 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens ein Protein oder Po¬ lypeptid, insbesondere der mindestens eine Antikörper, rekombi- nanten Ursprungs ist.
7. Zusammensetzung gemäß Aus führungs form 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass der mindestens eine Antikörper ein polyklona- ler Antikörper aus Säugetieren, polyklonaler Antikörper avianen Ursprungs, ein Antikörper aus Echsen, ein monoklonaler Antikörper oder ein Antikörper aus dem Blut von Lungenfischen.
8. Zusammensetzung gemäß einer der Aus führungs formen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Mittel zur Be¬ handlung einer entzündlichen Erkrankung des Magens und/oder des Darmtrakts eukaryotische und/oder prokaryotische Zellen umfasst, die in der Lage sind entzündliche Prozesse im Magen und/oder Darmtrakts zu reduzieren und/oder zu unterbinden.
9. Zusammensetzung gemäß Aus führungs form 8, dadurch gekennzeichnet, dass die eukaryotischen und/oder prokaryotischen Zellen ausgewählt sind aus der Gruppe bestehend aus Flavobacterium sp, Lactobacillus sp, Aspergillus sp und Bifidobacterium sp
10. Zusammensetzung gemäß einer der Aus führungs formen 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass der mindestens eine Gerbstoff aus¬ gewählt ist aus der Gruppe bestehend aus Catechingerbstoffe, Tannine, Lamiaceen-Gerbstoffe und Algen-Gerbstoffe.
11. Zusammensetzung gemäß einer der Aus führungs formen 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass der mindestens eine Gerbstoff mit mindestens einem Protein vorgefällt ist.
12. Zusammensetzung gemäß Aus führungs form 11, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Protein ein Antikörper ist, wie in einer der Aus führungs formen 4 bis 7 definiert.
13. Zusammensetzung gemäß einer der Aus führungs formen 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass der mindestens eine Gerbstoff und das mindestens eine Mittel zur Behandlung einer entzündlichen Erkrankung des Magens und/oder des Darmtrakts in einer Formulie¬ rung zur kontrollierten Freisetzung im Magen und/oder Darmtrakt, vorzugsweise Darmtrakt, vorliegt.
14. Zusammensetzung gemäß einer der Aus führungs formen 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Zusammensetzung umfassend min¬ destens einen Gerbstoff gleichzeitig und/oder vor dem mindestens einem Mittel zur Behandlung einer entzündlichen Erkrankung des Magens und/oder des Darmtrakts verabreicht wird.
15. Zusammensetzung gemäß einer der Aus führungs formen 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Zusammensetzung umfassend min¬ destens einen Gerbstoff mindestens eine, vorzugsweise mindestens fünf, noch mehr bevorzugt mindestens zehn, am meisten bevorzugt mindestens 20, Minuten vor dem mindestens einem Mittel zur Be¬ handlung einer entzündlichen Erkrankung des Magens und/oder des Darmtrakts verabreicht wird.
16. Zusammensetzung gemäß einer der Aus führungs formen 1 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass der mindestens eine Gerbstoff in einer Menge von 100 bis 10000 mg, vorzugsweise von 100 bis 5000 mg, noch mehr bevorzugt von 100 bis 2500 mg, besonders bevorzugt von 500 bis 2000 mg, verabreicht wird.
17. Zusammensetzung gemäß einer der Aus führungs formen 3 bis 7 und 10 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Protein oder Polypeptid, welches an mindestens eine Substanz bindet, welches die entzündliche Erkrankung induziert oder medi- iert, in einer Menge von 200 bis 100000 mg, vorzugsweise von 200 bis 50.000 mg, noch mehr bevorzugt von 200 bis 20.000 mg, besonders bevorzugt von 500 bis 15.000 mg, verabreicht wird.
18. Zusammensetzung gemäß einer der Aus führungs formen 8 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass die eukaryotischen und/oder proka-
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ryotischen Zellen m einer Menge von 10 bis 10 , vorzugsweise
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von 10 bis 10 , verabreicht werden.
19. Set zur Behandlung einer entzündlichen Erkrankung des Magens und/oder des Darmtrakts umfassend mindestens ein Behältnis mit mindestens einen Gerbstoff und mindestens ein weiteres Behältnis mit mindestens einem Mittel zur Behandlung einer entzündlichen Erkrankung des Magens und/oder des Darmtrakts.
20. Set gemäß Aus führungs form 19 wie in einer der Ausführungsformen 1 bis 18 definiert.