Verfahren zur Herstellung eines Multifilamentsgarnes sowie
Multifilamentgarn
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Multifilamentgarnes aus einer Schmelze eines Copolymeren von Polyacrylnitril. Das Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass ein Multifilamentgarn durch Pressen einer Schmelze eines Copolymeren durch eine Spinndüse erzeugt und anschließend um mindestens das Zehnfache verstreckt wird. Die vorliegende Erfindung betrifft zudem ein entsprechend hergestelltes Multifilamentgarn.
Die industrielle Herstellung sowie Vermarktung von Kohlenstofffasern begann im Jahr 1963. Damals entwickelten und patentierten CE. Ford und CV. Mitchell von der Union Carbide ein kontinuierliches Verfahren zur Herstellung von Kohlenstofffasern auf Basis von Cellulose Precursoren [Ford CE, Mitchell CV, U.S. Pat., 3,107,152, 1963]. Schon 1964 wurden Kohlenstofffasern mit dem Handelsnamen »Thornel 25« mit Festigkeiten von 1.25 GPa und Moduli
von 172 GPa in den Markt eingeführt. Später folgten die Marken »Thornel 50«, »Thornel 75« und »Thornel 100«. Letztgenannte Kohlenstofffasern waren durch Festigkeiten von 4.0 GPa und Moduli von 690 GPa gekennzeichnet. Das hervorragende Eigenschaftsprofil konnte ausschließlich nur durch eine spezielle Prozessführung erzielt werden. Die Cellulosefasern wurden Temperaturen von 2500-3000°C ausgesetzt und dabei deformiert (Stretch- Grafitisierung). Nur bei diesen hohen Temperaturen lasst sich Graphit plastisch deformieren und entlang der Faserachse orientieren und dadurch wett- bewerbsfähige Fasereigenschaften erzielen.
Der Herstellungsprozess war allerdings derart kostspielig (bis zu 1000$/kg Kohlenstofffaser) und unökonomisch (Kohlenstoffausbeute nur 10-20 Gew%), dass im Jahre 1978 die Produktion von Kohlenstofffasern auf Basis von Cellu- lose-Precursoren fast vollständig eingestellt und gegenwärtig nur noch für
Nischenanwendungen existieren. Der Niedergang der Cellulose basierten Kohlenstofffaser hangt eng mit der Entwicklung von PAN (Polyacrylnitril) basierten Kohlenstofffasern zusammen, die bei gleichem Eigenschaftsprofil deutlich höhere Kohlenstoffausbeuten erlauben.
Gegenwärtig sind Polyacrylnitril (PAN) oder Copolymere von Polyacrylnitril die dominierenden Polymere als Ausgangsstoff zur Herstellung von Precursorfilamentgarnen (> 95 % )und daraus erzeugten Kohlenstofffasern. Die große Bandbreite von Ex-PAN Kohlenstofffasern wird durch die ultrahochmoduligen pechbasierenden Kohlenstofffasern komplettiert. Eine
Obersicht der Produktionskapazitäten, der chemischen und physikalischen Struktur sowie der mechanischen Eigenschaften als auch Anwendungen solcher Kohlenstofffasern ist in J.P. Donnet et al., Carbon fibers, third edition, Marcel Dekker, Inc. New York, Basle, Hong Kong gegeben.
Wie in DE 10 2014 219 707 ausgeführt werden Acryl-Precursorfasern bisher ausschließlich Ober Nass- bzw. Trockenspinnverfahren hergestellt. Dazu wird eine Lösung der Polymere mit Konzentrationen < 20% entweder in ein Koagulationsbad oder eine heiße Dampfatmosphäre gesponnen, wobei das Lö- sungsmittel aus der Faser diffundiert. Auf diese Weise werden qualitativ hochwertige Precursoren erzeugt, die Kosten der Verfahren sind jedoch vergleichsweise hoch. Dies resultiert einerseits aus den benötigten Lösemitteln und deren Handling, andererseits aus dem relativ geringen Durchsatz bei Lösungsspinnverfahren.
Wie in DE 10 2014 219 707 gezeigt wurde, gelang es schmelzspinnbare Copolymere vom Polyacrylnitril (PAN), die durch eine Copolymerisation von Acrylnitril mit einem Alkoxyalkylacrylat zu synthetisieren und ebenso diese aus der Schmelze zu Monofilamenten kontinuierlich umzuformen. Dies de- monstriert die grundlegende Verarbeitbarkeit der beanspruchten Polymerisate aus der Schmelze. Die dabei realisierten Titer der aufgezeigten Monofila- mente betragen > 1 tex. Dieser Filamenttiter ist für eine Konvertierung des Precursors zu hoch, da der Diffusionsweg für die auftretenden gasförmigen Spaltprodukt aus dem Filament, während der thermischen Behandlung des Precursor, um diesen zu stabilisieren und zu carbonisieren, zu lang sind. Dies resultiert in einen steigenden inneren Druck im Filament und führt unweigerlich zu Fehlstellen, welche eine kontinuierliche Konvertierung erst gar nicht erlauben bzw. in signifikant niedrigen textil-physikalischen Eigenschaften der resultierenden Carbonfaser. Daher ist es unabdingbar den Filamenttiter abzu- senken. Um dies zu ermöglichen wurde ein Multifilamentspinnprozess für die in der DE 10 2014 219 707 beschriebenen Copolymere von Polyacrylnitril entwickelt.
Somit ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zur Herstel- lung eines Multifilamentgarnes anzugeben, mit dem der Filamenttiter von
Multifilamentgarnen abgesägt, d.h. verringert werden kann. Zudem sollen die entsprechenden Multifilamentgarne eine möglichst hohe Stabilität aufweisen. Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es zudem, entsprechende Multifilamentgarne zu benennen.
Diese Aufgabe wird hinsichtlich eines Verfahrens zur Herstellung eines Multifilamentgarnes mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1, bezüglich eines Multifilamentgarnes mit den Merkmalen des Patentanspruchs 18 gelöst. Die jeweilig abhängigen Patentansprüche stellen dabei vorteilhafte Weiterbil- düngen dar.
Die Erfindung betrifft somit ein Verfahren zur Herstellung eines Multifilamentgarnes, bei dem eine Schmelze eines Copolymeren von Polyacrylnitril (PAN), herstellbar durch eine Copolymerisation von 95 bis 60 mol-% Acrylnitril mit mindestens einem Comonomer ausgewählt aus
a) 5 bis 20 mol-% mindestens eines Alkoxyalkylacrylats der allgemeinen Formel I,
Formel I
mit R = CnH2n+i und n = 1-8 und m = 1-8, insbesondere n=l-4 und m=l-4
0 bis 10 mol-% mindestens eines Alkylacrylats der allgemeinen Formel II
Formel II
mit R' = CnH2n+i und n = 1-18, und
c) 0 bis 10 mol-% mindestens eines Vinylesters der allgemeinen Formel III
Formel III
mit R = CnH2n+i und n = 1-18,
in einem Schmelzspinnverfahren mittels
Extrusion einer Schmelze des Copolymeren durch eine Vielzahl von Spinnlöchern aufweisende Spinndüse zu einem Multifilamentgarn versponnen wird, und
das Multifilamentgarn um mindestens das 10-fache verstreckt werden.
Beim erfindungsgemäßen Verfahren wird somit eine Schmelze des zuvor genannten Copolymeren durch eine Spinndüse gepresst. Die Spinndüse weist dabei eine Vielzahl von Spinnlöchern auf, bei Extrusion der Schmelze des Copolymeren durch die Spinndüse entstehen somit eine der Anzahl der Spinn-
löchern entsprechende Anzahl von Einzelfilamenten. Die entsprechenden Ein- zelfilamente werden zum Multifilamentgarn gebündelt. Das Multifilamentgarn wird anschließend verstreckt.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform wird das Multifilamentgarn um mindestens das 20-fache, bevorzugt um das 25 bis 1000-fache, insbesondere das 150 bis 400-fache verstreckt.
Eine weitere bevorzugte Ausführungsform des Verfahrens sieht vor, dass das Multifilamentgarn vor oder während des Verstreckens gekühlt wird. Das Kühlen kann dabei derart erfolgen, dass das gebildete Multifilamentgarn mit Gasen, insbesondere Luft, beaufschlagt wird. Das Gas ist dabei auf vorzugsweise Temperaturen von -50 bis +50°C, insbesondere auf Temperaturen von 0 bis 25°C temperiert.
Unter einem Verstrecken wird dabei die erstmalige Verlängerung des Multifilamentgarnes nach seiner Bildung bezeichnet.
Nach dem Verstrecken kann eine zusätzliche Verlängerung des Multifilamentgarnes erfolgen, hierbei wird von einem Recken gesprochen. Vorzugsweise erfolgt das Recken auf das mindestens 1,1- bis 10-fache, bevorzugt 1,1- bis 6-fache der Länge des Multifilamentgarnes vor dem Reckvorgang.
Sowohl Verstrecken bzw. Recken können mittels Galetten, insbesondere beheizter Galetten erfolgen, in diesem Fall werden die Temperaturen derartige Galetten auf mindestens 50°C, bevorzugt 50 bis 150°C, insbesondere 55 bis 90°C eingestellt.
Gemäß einer weiter bevorzugten Ausführungsform ist vorgesehen, dass das Multifilamentgarn von der Spinndüse mit einem Düsenverzug von < 3000, bevorzugt < 1500 bis 10, besonders bevorzugt < 500 bis 30 abgezogen.
Diese Ausführungsform betrifft die Einzelfilamente, aus denen das Multifila- ment gebildet wird. Der Verzug richtet sich dabei auf die jeweiligen Einzelfilamente unmittelbar nach Austritt aus der Düse.
Insbesondere von Vorteil ist bei der vorliegenden Erfindung, dass ein Verstecken des Multifilaments derart erfolgen kann, dass ein Orientierungsgrad der kristallinen Bereiche in den das Multifilament bildenden Einzelfilamenten von > 0,7, bevorzugt von 0,75 bis 0,95, besonders bevorzugt von 0,8 bis 0,9 resul- tiert.
Durch diese Maßnahme kann somit die mechanische Festigkeit des Multifilamentgarnes weiter erhöht werden. Weiter ist es möglich, dass die Spinndüse auf eine Temperatur die mindestens
10 K oberhalb der Temperatur der Schmelze des Copolymeren liegt, bevorzugt auf eine Temperatur von 10 bis 80 K, insbesondere 15 bis 45 K oberhalb der Temperatur der Schmelze des Copolymeren eingestellt wird.
Die Schmelze des Copolymeren kann auf eine Temperatur von 120 bis 300 °C, bevorzugt 150 bis 230 °C und/oder eine Nullscherviskosität (bestimmt mittels eines Rheometer HAAKE RS 150 mit Platte-Kegel (l°)-Anordnung bei einem Durchmesser der Messgeometrien von 20mm und einer Spaltöffnung von 0,052mm) von < 5000 Pa s, bevorzugt 500 bis 3000 Pa s, besonders bevorzugt 1000 bis 1500 Pa s eingestellt werden.
Zudem ist es vorteilhaft, wenn die Einzelfilamente und/oder das aus den Einzelfilamenten gebildete Multifilamentgarn mit einem Kühlmedium, bevorzugt einem gasförmigen Kühlmedium, insbesondere Luft, Stickstoff oder Argon gekühlt wird, wobei das Kühlmedium vorzugsweise eine Temperatur aufweist, die mindestens 10 °C unterhalb der Temperatur der Schmelze des Copolymeren liegt, wobei bevorzugte Temperaturen im Bereich von 10 bis 200, besonders bevorzugt von 15 bis 80 liegen. Das Multifilamentgarn kann dabei mit einer Endabzugsgeschwindigkeit von mindestens 300 m/min, bevorzugt mindestens 500 bis 5000 m/min, insbesondere 750 bis 2000 m/min abgezogen werden. Die Endabzugsgeschwindigkeit bezeichnet dabei die Geschwindigkeit, mit der das Multifilamentgarn letztendlich auf einer Rolle aufgewickelt wird.
Das Multifilamentgarn kann dabei aus 50 bis 5000 Einzelfilamente, bevorzugt
500 bis 4000 Einzelfilamente, insbesondere 1000 bis 3000 Einzelfilamente gebildet sein.
Vorzugsweise wird die dem Multifilament zugrunde liegenden Einzelfilamente auf eine Feinheit von < 10 dtex, bevorzugt von 0,01 bis 10 dtex, besonders bevorzugt 0,1 bis 5 dtex eingestellt.
Die Spinnlöcher können eine runde, ovale, Y-förmige, sternförmige oder n- eckige mit 8 > n > 3 Geometrie und/oder ein Verhältnis von Länge zu Durchmesser von 1 bis 20, bevorzugt 2 bis 8 aufweisen.
Der Durchmesser der Spinndüsen liegt vorzugsweise im Bereich von 10 bis 1000 μιη, bevorzugt 50 bis 750 μιη, besonders bevorzugt 100 bis 500 μιη.
Insbesondere ist es vorteilhaft, wenn der Schmelze des Copolymeren kein Dimethylacetamid, Dimethylsulfoxid und/oder Wasser als plastifizierendes Agens, insbesondere überhaupt kein plastifizierendes Agens zugesetzt wird.
Weiter vorzugsweise weist das Copolymer eine gewichtsmittlere molare Masse (Mw) im Bereich von 10.000 bis 150.000 g/mol bevorzugt 15.000 bis 80.000 g/mol auf.
Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform weist das Copolymere 90 bis 78 mol-% Acrylnitril
8 bis 12 mol-% des Comonomeren a),
1 bis 5 mol-% des Comonomeren b) und/oder
1 bis 5 mol-% des Comonomeren c) auf.
Die Erfindung betrifft zudem ein Multifilamentgarn, bestehend aus einer Vielzahl von Einzelfilamenten aus einem eines Copolymeren von Polyacrylnitril (PAN), herstellbar durch eine Copolymerisation von 95 bis 80 mol-% Acrylnitril mit mindestens einem Comonomer ausgewählt aus
a) 5 bis 20 mol-% mindestens eines Alkoxyalkylacrylats der allgemeinen Formel I,
Formel I
mit R = CnH2n+i und n = 1-8 und m = 1-8, insbesondere n=l-4 und m=l-4
b) 0 bis 10 mol-% mindestens eines Alkylacrylats der allgemeinen Formel II
Formel II
mit R' = CnH2n+i und n = 1-18, und
c) 0 bis 10 mol-% mindestens eines Vinylesters der allgemeinen Formel III
Formel III
mit R = CnH2n+i und n = 1-18,
gekennzeichnet durch einen Orientierungsgrad der kristallinen Bereiche in den Einzelfilamenten von > 0,7, bevorzugt von 0,75 bis 0,95, besonders bevorzugt von 0,8 bis 0,9.
Das Multifilamentgarn ist gemäß einer bevorzugten Ausführungsform aus 50 bis 5000 Einzelfilamente, bevorzugt 500 bis 4000 Einzelfilamente, insbesondere 1000 bis 3000 Einzelfilamente.
Eine weiter bevorzugte Ausführungsform des Multifilamentgarnes gemäß der vorliegenden Erfindung sieht vor, dass die dem Multifilamentgarn zugrunde liegenden Einzelfilamente eine Feinheit von < 10 dtex, bevorzugt von 0,01 bis 10 dtex, besonders bevorzugt 0,1 bis 5 dtex aufweisen.
Beispielsweise kann das erfindungsgemäße Verfahren derart gestaltet sein, dass mittels einem 1-Schneckenextruder (L/D 25) wird das getrocknete Granulat sukzessive aufgeschmolzen, der Zahnradpumpe zugeführt, der konstante Volumenstrom der Schmelze durch die Spinndüse gefördert und die austre- tenden Filamente mittels einem Gas abgekühlt und um ein Vielfaches im sich anschließenden Reckwerk mittels temperierbaren Galetten verstreckt wird, um Einzelfilamenttiter von <3 dtex zu erzielen. Dabei wird auf die Zugabe von Wasser oder Lösungsmittel gänzlich verzichtet.
Das Multifilamentgarn gemäß der vorliegenden Erfindung ist insbesondere gemäß einem weiter vorstehenden erfindungsgemäßen Verfahren herstellbar.
Die vorliegende Erfindung wird anhand der nachfolgend beispielhaften Ausführungen näher erläutert, ohne die Erfindung hierauf zu beschränken.
Beispiel 1
Das getrocknete (Vakuum 60 °C/ 24 h) Copolymer von PAN mit einer Zusammensetzung von 6,5 mol% Methoxyethylacrylat und 93,5 mol% Acrylnitril sowie einer mittleren Molmasse Mw von 43000 g/mol und einen PDI von 1,3 wurde in einem 1-Schneckenextruder (L/D 25) dosiert. Um Verklebungen zu vermeiden, wurde der Einzug gekühlt und anschließend die Temperatur in den Zonen des Extruders von 150 °C bis auf 235 °C erhöht. Die erzeugte Schmelze des PAN-Copolymeren wurde anhand einer Zahnradpumpe konstant durch eine 32 Loch Spinndüse mit runder Lochgeometrie, einem L/D von 6 sowie einem Lochdurchmesser von 300 μιη gefördert. Die austretenden
Filamente wurden mittels einem Anblasschachtes gekühlt und der Düsenverzug von 98 anhand einer Abzugsgalette realisiert. Auf den nachgeschalteten Reckgaletten konnte ein Reckgrad von 1,6 realisiert werden, bevor das erzeugte Multifilamentgarn durch einen Spulkopf kontinuierlich auf einer Spule gewickelt wurde.
Der Einzelfilamenttiter betrug 2,9 dtex und das Filament wies eine Festigkeit von 20,3 cN/tex, einen E-Modul von 653 cN/tex sowie eine Bruchdehnung von
19,7 % auf. Der mittels WAXS bestimmte Orientierungsgrad der kristallinen Phase betrug 0,82.
Beispiel 2
Das getrocknete (Vakuum 60 °C/ 24 h) Copolymer von PAN mit einer Zusammensetzung von 9,5 mol% Methoxyethylacrylat und 90,5 mol% Acrylnitril sowie einer mittleren Molmasse Mw von 55000 g/mol und einen PDI von 1,2 wurde in einem 1-Schneckenextruder (L/D 25) dosiert. Verfahren wurde wie in Beispiel 1, die finale Spinntemperatur betrug im Gegensatz zu Beispiel 1 220 °C. Es wurde eine 70 Loch Düse mit einem L/D von 4 und runder Lochgeometrie (d= 200 iim) gefördert. Die austretenden Filamente wurden mittels einem Anblasschachtes gekühlt und der Düsenverzug von 82 anhand einer Abzugsgalette realisiert. Auf den nachgeschalteten Reckgaletten konnte ein max. Reckgrad von 2,1 bei einer Galettentemperatur von 85 °C realisiert wer- den, bevor das erzeugte Multifilamentgarn durch einen Spulkopf kontinuierlich bei einer Geschwindigkeit von 1500 m/min auf einer Spule gewickelt wurde.
Das Filament besitzt einen kreisrunden Querschnitt und der Einzelfilamenttiter betrug 2,1 dtex und das Filament wies eine Festigkeit von
37,3 cN/tex, einen E-Modul von 853 cN/tex sowie eine Bruchdehnung von 13,7 % auf. Der mittels WAXS bestimmte Orientierungsgrad der kristallinen Phase betrug 0,85. Beispiel 3
Das getrocknete (Vakuum 60 °C/ 24 h) Copolymer von PAN mit einer Zusammensetzung von 9,3 mol% Methoxyethylacrylat und 90,7 mol% Acrylnitril sowie einer mittleren Molmasse Mw von 85000 g/mol und einen PDI von 1,2 wurde in einem 1-Schneckenextruder (L/D 25) dosiert. Verfahren wurde wie in Beispiel 1, die finale Spinntemperatur betrug im Gegensatz zu Beispiel 1 220
°C. Es wurde eine 70 Loch Di.ise mit einem L/D von 4 und runder Lochgeometrie (d= 350 μιη) gefördert. Die austretenden Filamente wurden mittels einem Anblasschachtes gekühlt und der Düsenverzug von 527 anhand einer Abzugsgalette realisiert. Auf den nachgeschalteten Reckgaletten konnte ein Reckgrad von 1,5 bei einer Temperatur von 95 °C realisiert werden, bevor das erzeugte Multifilamentgarn durch einen Spulkopf kontinuierlich bei einer Geschwindigkeit von 1800 m/min auf einer Spule gewickelt wurde.
Das Filament besitzt einen kreisrunden Querschnitt und der Einzelfilamenttiter betrug 1,6 dtex und das Filament wies eine Festigkeit von 45,4 cN/tex, einen E-Modul von 920 cN/tex sowie eine Bruchdehnung von 11,8 % auf. Der mittels WAXS bestimmte Orientierungsgrad der kristallinen Phase betrug 0,88.
Beispiel 4
Das in Beispiel 3 erzeugte und auf einer Spule gewickelte Multifilament aus Copolymer von PAN wurde mittels Elektronenstrahlen einer Strahlungsdosis von 300 kGy ausgesetzt. Im Gegensatz zu der nicht mit Elektronenstrahlen behandelten Probe des Multifilamentgarnes, zeigt das mit Elektronenstrahl behandelten Precursorgarn, kein Aufschmelzen mehr bis zu einer Temperatur von 400 °C. Die vorliegende Erfindung wird anhand der beigefügten Figur näher beschrieben.
Figur 1 zeigt einen beispielhaften Aufbau zur Durchführung eines erfindungsgemäßen Verfahrens. Mit diesem Aufbau können ebenso die erfindungsge- mäßen Multifilamentgarne hergestellt werden.
Eine Schmelze des Copolymeren wird durch eine Düse 1 mit einer Vielzahl von Düsenlöchern extrudiert. Die austretenden Einzelfilamente werden dabei zu einem Multifilamentgarn gebündelt. Das entstehende Multifilamentgarn wird durch einen Kühlkanal 2 mit einer Abzugsgeschwindigkeit vA über eine
Abzugsgalette 4 abgezogen. Bei 3 kann eine optionale weitere Präparation des Multifilamentgarnes erfolgen. Im Kühlkanal 2 wird das Multifilamentgarn mit Abkühlluft (dargestellt durch Pfeile) beaufschlagt. Über die Abzugsgalette 4 kann die Verstreckung des Multifilamentgarnes eingestellt werden.
Durch nachfolgende Reckgaletten 5 und 6 kann jeweils ein Reckfaktor xi bzw. x2 zwischen den Galetten 4 und 5 bzw. 5 und 6 erfolgen. Das Multifilamentgarn wird zwischen den Galetten 4 und 5 und 5 und 6 somit noch weiter gereckt. Die am Multifilamentgarn anliegende Spannung kann mittels eines Spannungssensors 7 überwacht werden. Abschließend wird das erhaltene Multifilamentgarn auf einer Spule 8 aufgewickelt.