AT163171B - Verfahren zur Herstellung von Formkörpern aus Fasern einem Bindemittel - Google Patents

Verfahren zur Herstellung von Formkörpern aus Fasern einem Bindemittel

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AT163171B
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Tibor Dr Holzer
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Tibor Dr Holzer
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  Verfahren zur Herstellung von Formkörpern aus Fasern und einem Bindemittel 
Die Herstellung von Faserplatten aus Fasermaterial und härtbaren Bindemitteln ist vielfach bekannt. Anderseits ist es auch bekannt, dass die bei der Sulfitcellulosefabrikation in sehr grossen Mengen anfallende, Lignosulfosäure und
Kohlehydrate enthaltende Sulfitablauge mit Proteinen, wie Casein, Gelatine, Blut usw., eine Fällung, das sogenannte Lignoglutin, ergibt. 



   So beschreiben die deutschen Patentschriften Nr. 352138 und 353570 die Herstellung eines flüssigen Klebstoffes aus Sulfitablauge mit Hilfe von Casein und Calcium-bzw. Magnesiumoxyd. Die Ablauge wird eingedampft und sodann mit Casein und Alkalien vermischt. Nach der deutschen Patentschrift Nr. 354233 kann Sulfitablauge nach Zusatz von Leimlösung zu einem flüssigen Klebstoff verarbeitet werden. Bei allen bisher bekannten Verfahren werden die aus Sulfitablauge mit Hilfe von Proteinen hergestellten Klebstoffe entweder in Wasser oder in Alkalien bzw. eingedickter Sulfitablauge selbst gelöst und als flüssiger Klebstoff verwendet. 



   Schliesslich wurde auch vorgeschlagen, einer Mischung aus Sulfitablauge und Faserstoff eine Leimlösung, gegebenenfalls auch ein Fällungsmittel zuzusetzen und den durch die Fällung gebildeten Niederschlag nach Entfernung der überflüssigen Lauge und Auswaschen zu dünnen, biegsamen, als Kunstleder dienenden Platten zu verpressen, die nicht wasserfest sind und daher besonders imprägniert werden müssen, falls auf Wasserbeständigkeit Wert gelegt wird. 



   Es wurde nun überraschenderweise gefunden, dass das bisher bloss als flüssiges Klebemittel oder als Bindemittel für die erwähnten, auf kaltem Wege hergestellten Kunstlederplatten bekannte Lignoglutin warmhärtbar ist und ein vorzügliches Bindemittel für feste Körper von hoher Festigkeit, Härte und Wasserbeständigkeit liefert. Demgemäss betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung von Formkörpern aus Fasern und einem Bindemittel, das aus durch Sulfitcelluloseablauge gefällten Proteinen besteht, und die Erfindung besteht darin, dass die durch die Fällung erhaltene Masse unter Wärmebehandlung verformt wird. 



  Es wird somit die für die Fischerei und Abwässer so schädliche Sulfitablauge zur Herstellung wertvoller Produkte, wie Faserplatten, Kunststeine, sowie gepresste Gegenstände mannigfacher Art in vorteilhafter Weise verwertet, wobei ein grosser Teil der schädlichen organischen Substanz der
Sulfitablauge entfernt wird. 



   Die vor oder nach der Verarbeitung auf Sprit bzw. Hefe anfallende, praktisch entzuckerte und noch zirka 8-10% Trockensubstanz enthaltende Sulfitablauge wird mit tierischen Eiweissstoffen, wie Casein, Gelatine, Knochenleim, Blut usw., behandelt und das ausgeschiedene Lignoglutin mit Fällungsmitteln, wie verdünnter Säure oder sauer reagierenden Substanzen, insbesondere Alaun, oder mit Alkalien direkt auf die Faserstoffe ausgefällt und sodann die erhaltene Masse unter Wärmebehandlung verformt. Dadurch wird die zeitraubende Filtration und das nachherige Wiederauflösen des Bindemittels vermieden und die unmittelbare Verwertung des Lignoglutins als Bindemittel für die genannten, festen Produkte ermöglicht. 



   Die Sulfitablauge kann vor oder nach der Sprit-oder Hefefabrikation in Konzentrationen von 6 bis   35   Bé   verarbeitet werden, nur muss man jeweils die nötige Menge Eiweissstoff zusetzen. Als Eiweissstoffe kommen vor allem Abfallprodukte der Leim-und Käsefabrikation, wie verdünnte Leim-und Gelatinelösungen, Magermilch usw., in Frage. Die Fällung des Bindemittels erfordert keine besondere Apparatur, sondern kann in grossen, mit mechanischem Rührwerk versehenen Holzbottichen bei Temperaturen von 20 bis   400 C   ausgeführt werden.
Als Bindemittelträger bzw. Faserstoffe können vor allem Holzabfälle aller Art, Steinmehl, Korkmehl, Sägemehl, Asbest, Sand, Zement einzeln oder gemischt verarbeitet werden. Besonders interessant ist die Verwendung der bei der Cellulosefabrikation als wertloses Abfallprodukt anfallenden Schälspäne.

   Die Verarbeitung dieser erfordert immerhin ein vorheriges Zerkleinern. Solche zerkleinerte Schälspäne können gleichzeitig mit anderen Faserstoffen Verwendung finden. 



   Aus Schälspänen hergestellte, gepresste Faserplatten können gegebenenfalls beiderseitig mit aufgeklebten Furnierplatten versehen sein und eignen sich vorzüglich für die Herstellung von Möbeln aller Art, Türen, Fensterrahmen, Bau- 

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 platten sowie Pressgegenständen aller Art. Die Massen können je nach Wunsch gefärbt, mit Wachs oder Celluloselacken überzogen werden. 



  Durch Zusatz von Natron-bzw. Kaliwasserglas können die Produkte auch unbrennbar gemacht werden, für welchen Zweck sich auch die Verwendung von Asbest als Faserstoff empfiehlt. 



   Mit den vorgenannten Materialien hergestellte Produkte ergeben insbesondere ausgezeichnete Hartplatten für Bauzwecke. Eine günstige Be- 
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 erzielt werden, wenn man cellulosehaltiges Fasermaterial, wie Holzschliff, Cellulose oder Altpapier für sich oder in Mischung miteinander verwendet. 



   Das Warmpressen der Massen kann je nach ihrer Beschaffenheit, der verlangten Festigkeit und Verwendungsart mit 10 bis 250 at Druck erfolgen. Die Masse kann auch einer Kaltpressung unterworfen werden, auf die sodann eine Wärmebehandlung zur Härtung folgt. Eine weitere Qualitätsverbesserung kann durch die Kombination der Wärmehärtung mit der üblichen Härtung durch Formaldehyd oder Formaldehyd liefernde Substanzen erzielt werden. Zu diesem Zweck werden solche Härtungsmittel der Masse zugesetzt, wobei dann der Formaldehyd im Verlauf der Fertigstellung der Formkörper härtend wirkt. 



   Beispiel l : 500   Gew.-Teile   Hobelspäne, Korkmehl usw. werden mit Wasserdampf zirka 20 Minuten lang gedämpft, 2000 bis 4000 Teile Sulfitcelluloseablauge von   6 0 Bé   zugefügt und bis zur gleichmässigen Verteilung gerührt. Bei einer Temperatur von 20 bis 40   C werden unter energischem Rühren 40-100 Teile in Wasser gelöster Knochenleim zugegeben und das ganze Gemisch mit 50-90 Teilen verdünnter Salzsäure 1 : 1 auf PH = 3-4 angesäuert und 30 Minuten lang weitergerührt. Die Flüssigkeit wird dann dekantiert und die zurückbleibende Masse gut durchknetet, das Wasser abtropfen gelassen und bei   160-250  C   und bei 10-250 at Druck gepresst. 



   Beispiel 2 : 500 Gew.-Teile Holzschliff,
Cellulose, Altpapier, Hobelspäne usw. werden mit einer aus 2000-4000 Teilen Sulfitcellulose- ablauge von   60 Bé   und 20-35 Teilen in Wasser gelösten Knochenleimes bestehenden Mischung versetzt und bis zur gleichmässigen Verteilung gerührt. Das ganze Gemisch wird mit 40-80
Teilen verdünnter Schwefelsäure   (1   : 1) auf   pur =3-4   angesäuert und 30-90 Minuten lang weitergerührt. Die Temperatur bei der Aus- fällung beträgt   20-30 C.   Die Flüssigkeit kann nachher dekantiert oder auf ein Sieb ge- pumpt werden, worauf man das Wasser abtropfen lässt und bei   80-120  C   und bei 50 bis 400 at
Druck presst. 



   Wenn erwünscht, kann die Masse vor der Ausfällung des Bindemittels durch Zugabe von
10 bis 25 Teilen Formaldehyd behandelt werden. 



   Soll in den beiden Beispielen statt Knochenleim oder Gelatine Casein verwendet werden, so wird die Fällung des Bindemittels in alkalischem Medium mit Hilfe von   CaO   oder   MgO   bei   30-80   C   vorgenommen. 



   PATENTANSPRÜCHE : 
1. Verfahren zur Herstellung von Formkörpern aus Fasern und einem Bindemittel, das aus durch Sulfitcelluloseablauge gefällten Proteinen besteht, dadurch gekennzeichnet, dass die durch die Fällung erhaltene Masse unter Wärmebehandlung verformt wird.

Claims (1)

  1. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Masse Formaldehyd oder Formaldehyd abgebende Stoffe zugesetzt werden.
    3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Masse Asbest zugesetzt wird.
AT163171D 1946-01-09 1946-10-17 Verfahren zur Herstellung von Formkörpern aus Fasern einem Bindemittel AT163171B (de)

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