<Desc/Clms Page number 1>
Österreichische PATENTSCHRIFT Nix 16777. FRANZ SCHMIDT IN OBERSCHÖNEWEIDE BEI BERLIN.
Druckwerk für Kettengarndruckvorrichtungen.
Die bisherigen Vorrichtungen zum Bedrucken von Kettengarnen, bei welchen das beispielsweise auf eine Drucktrommel gespannte Material mittels eines in einem Farbentroge laufenden Druchades von grossem Durchmesser mit rohen Farbstrichen bedruckt wurde, zeigen wesentliche Nachteile. Dieses Druckverfahren'ergab nicht die Genauigkeit und die Feinheiten, wie sie für eine Ware, an deren Schönheit sehr grosse Ansprüche gestellt werden, unerlässlich sind. Die mit dem Druckrade erzeugten rohen Farbstriche mussten später einzeln oder zu mehreren mit der Hand mechanisch verrieben (egalisiert) werden, weil infolge der unsicheren Handhabung der Trommel während des Druckens oder zu grossen Spielraumes der Lager der Druckträger und der Wagenachsen die Farbstreifen häufig nicht dicht aneinander schlossen.
Der grosse Durchmesser des Druckrades bedingte die Verwendung von dickflüssiger Farbe, welche von dein zu bedruckenden Material schwer aufgenommen wurde und sich ausserdem an beiden Seiten der Druckradbahn in dicken Wulsten anhing, so dass bei dem nachherigen mühsamen Verreiben ein Ineinanderschmieren verschiedener Farben kaum zu vermeiden war. Kinzelstehenden Farbstrichen (den Konturen in der Ware) wurde durch dies Druckverfahren fast stets ihre Feinheit genommen.
Die unter dem Druckrade zu beiden Seiten hervortretenden Fart wulste erschwerten ausserdem die Verwendung der schon kalt aus den Lösungen herausfallenden Teerfarbstoffe, da die Druckabsätze, zumal bei Mischfarben, stets mehr oder weniger sichtbar blieben.
Ferner wurde das Farbmaterial nicht, gleichmässig aufgetragen, da um so weniger Farbe
EMI1.1
Folge hatte, dass beim folgenden Dämpfen die beim Drucke nicht zu entbehrenden schwefelsauren salze das Kondenswasser gierig aufsaugten, wodurch die Verdickungsmittel in wässerige Formen übergingen. Infolgedessen flossen die verschiedenen Farben, zumal wenn das Faserma. terial nicht genau wagerecht lag, leicht ineinander.
Zweck der vorliegenden Erfindung ist, diese Nachteile zu beseitigen und ausserdem eine Anzahl Vorteile zu schaffen.
Es kommt darauf an, dass der Druck mit einer Anzahl hintereinander geschalteter Rollen von gegebenenfalls sehr kleinem Durchmesser vorgenommen wird, welche während des Druckvorganges gemeinsam an die Garne gedrückt werden. Hiedurch ergibt sich der Vorteil, dass die Rollenreihe nur einen kurzen Weg zurückzulegen braucht, und dass trotzdem der Druckvorgang ein wirksamerer ist, als bei den bisherigen Vorrichtungen mit einer grossen Rolle. Bewegt man nämlich die Rollen um eine Wegstrecke, die einem mehrfachen Umfange einer Rolle entspricht, so werden dieselben Stellen der Garne bei Bewegung des Rollensystem mehrfach überdruck, indem eine folgende Rolle den Weg mit überfährt, welchen die jeweilig vorhergehende genommen batte..
Dies mehrfache Überdrucken bei gleicher Bewegungsrichtung der Rollen kann durch Verlängerung des Hubweges nach Belieben ver-
<Desc/Clms Page number 2>
vielfach werden. Da man Rollen von sehr kleinem Durchmesser anwenden kann, ist die Verwendung von dünnflüssigen Farben möglich, so dass sämtliche oben angegebene, aus der Anwendung dickflüssiger Farben folgenden Nachteile beseitigt sind.
Während man früher infolge des grossen Hubweges des grossen Druckrades (über die ganze Breite der Kettengarntrommel) genötigt war, den Druckradwagon auf Schienen laufen zu lassen und die Bewegung desselben von Hand vorzunehmen, ermöglicht der kleine Hub die Anordnung von selbsttätig wirkenden Getrieben, durch die einerseits der Druckvorgang, andererseits ein Auswechseln der die Rollen tragenden Farbkästen vorgenommen werden kann.
Um dies zu ermöglichen, ist es wichtig, dass sowohl das gemeinsame Andrücken als auch die zum Drucken erforderliche wagerechte Bewegung der Rollen durch einen gemeinsamen Druckbalken oder dgl. erfolgt. Diesem Druckbalken werden solche Bewegungen erteilt, dass er den jeweilig für den Druckvorgang in Betracht kommenden Farbkasten aus seinen Lagern heraushebt und in Richtung der die Rollenmittelpunkte verbindenden Linie bewegt.
Für die Auswechselbarkeit der einzelnen Farbkästen ist es hiebei wesentlich, dass ihre Lagerung auf endlosen Ketten oder dgl. vorgenommen ist, durch deren Bewegung die Farbkästen nacheinander über den Druckbalken gebracht werden, so dass dieser sie fassen und bewegen kann.
Um beim Beginn der Tätigkeit des Druckbalkens und während des Druckvorganges eine feste Lagerung des Kettengarnträgers hervorzubringen, ist es ausserdem von Bedeutung, dass durch die Bewegungsvorrichtung des Druckbalkens eine Sperrvorrichtung in solcher
Weise beeinflusst wird, dass sie kurz vor dem Anhub oder während des Anhubes des Druckbalkens in den Garnträger übergreift und diesen bis zur Beendigung des Druckvorganges festhält.
Ferner ist es, um die Übertragungsvorrichtungen möglichst einfach zu gestalten, wesentlich, dass die Bewegungen des Farbkastens durch zwei Kurvenscheiben oder Exzenter erfolgen, von denen die eine den Anhub und das Andrücken an die Garne bewirkt, während die andere die eigentliche Druckbewegung ausführt. Dies wird dadurch erreicht, dass die erste Kurvenscheibe mit dem Druckbalken durch Gelenkstangen verbunden ist, während die zweite an demselben mit einem Kulissenhebel angreift. Zum Antrieb der Sperrvor- richtung kann hiebei eine der Kurvenscheiben mitbenutzt werden.
Da auch das Auswechseln der Farbkästen auf mechanischem Wege erfolgen soll, muss dafür gesorgt werden, dass dieselben unter dem Kettengarnträger bezw. über dem
Druckbalken in der. richtigen Lage festgehalten werden. Hiezu ist es wichtig, dass das vorher etwa von Hand eingeschaltete Triebwerk ausgeschaltet wird, sobald ein neuer Farbkasten über den Druckbalken gelangt ist. Vorteilhaft wird hiezu ein mit Schlitzen versehenes Rad verwendet, welches bei der Drehung mit seinen Schlitzen nacheinander in Stifte oder dgl. greift, die mit einem Getriebe derart verbunden sind, dass nach einem bestimmten, dem
Abstand zweier Farbkästen gleichen oder entsprechenden Wege die Ausrilekung des an- treibenden Riemens oder dgl. vorgenommen wird.
Die neue Vorrichtung bietet ausser der schon erwähnten Anwendungsmöglichkeit von dünnflüssige Farbe viele Vorteile. Das Drucken kann bedeutend schneller geschehen als bei den alten Vorrichtungen, da die Hubwege sehr gering sind. Dadurch, dass die Trommel während des Druckvorganges seitliche Bewegungen nicht mehr ausführen kann, werden die
Druckstreifen scharf begrenzt. Es tritt auch eine bedeutende Zeitersparnis dadurch ein, dass die Einrückung des die verschiedenen Farbkästen über den Druckbalken befördernden
Triebwerkes durch einfache Bewegung eines Hebels oder dgl. stattfinden kann. Da die Farb- kästen sich auf der endlosen Kette unterhalb der Druckvorrichtung, z.
B. der Kettengarn- drucktrommel, befinden können und ihren Platz nicht zu wechseln brauchen, so behindern sie den Betrieb in keiner Weise und können nicht so leicht verwechselt werden, wie dies früher der Fall war. Zur Handhabung der neuen Vorrichtung sind weniger Arbeitskräfte erforderlich als bei den alten Vorrichtungen.
Auf der Zeichnung ist eine Anwendungsform der neuen Vorrichtung an einer Trommel- druckmaschine dargestellt.
Fig. 1 zeigt eine Seitenansicht der Trommel mit der darunter befindlichen Aus- wechselungsvorrichtung für die Farbkästen.
Fig. 2 stellt eine Ansicht der Trommel in der Längsrichtung dar und zeigt die
Lagerung der Farbkästen, des Druckbalkens und des zur Bewegung des Druckbalkens erforderlichen Getriebes.
Fig. 3 zeigt im Grundriss die selbsttätige Ausschaltvorrichtung für die endlosen Ketten.
Fig. 4 zeigt im Grundriss das zur Bewegung des Druckbalkens 28 dienende Getriebe
EMI2.1
<Desc/Clms Page number 3>
Fig. 6 und 6 geben in Einzeldarstellungen die Verbindung der be! den Kurvenscheiben mit dem Druckbalken an, wobei der Druckbalken in Fig. 6 in gehobenem Zustande gezeigt ist.
Fig. 7 zeigt die Lage des die Rollen enthaltenden Farbkastens in dem Augenblick, wo er seinen Hub nach links beendet hat und nach rechts zurückgehen will und
Fig. 8 gibt im Grundriss die Verbindung des Druckbalkens mit den Antriebsvor- richtungen wieder.
Unter der in der gewöhnlichen Weise weiter zu bewegenden Kettengarntrommel 1 sind die, die verschiedenen Farbkästen 2, 3, 4 bis 13 tragenden endlosen Ketten 14 auf Scheiben 15, 16 gelagert. Der Antrieb dieser Scheiben erfolgt durch Stirnradübersetzung mittels eines Riemenantriebes der auf die Los- und Festscheibe 27 (Fig. 3) wirkt ; die Antriebswelle 271 treibt mittels der Triebräder 25, 26 die Scheibe 21 an, welche mit dem Triebrad 26 starr verbunden ist. Letztere trägt ferner die Zapfen 19 und 20, welche in die Schlitze 17 der Scheibe 18 eingreifen. Diese ist auf der Welle befestigt, die auch die Antriebsscheibe 15 trägt ; über diese nnd die Scheibe 16 laufen die endlosen Ketten 14.
Wird somit durch Antrieb der Scheiben 27 die Scheibe 21 in Umdrehung versetzt, so wird dadurch die Scheibe 18 absatzweise gedreht, und zwar um Wege, deren Länge dem Abstand der Farbkästen voneinander entspricht. Die Umstellung des Antriebsriemens von der Losscheibe auf die Festscheibe oder umgekehrt, erfolgt durch eine Riemengabel 22 (Fig. 1), die mittels des Handhebels 23 und des Zwischengestänges 24 in beliebiger Weise umgestellt werden kann.
Auf der Zeichnung ist diese Einrichtung nur schematisch angedeutet, indem an- genommen ist, dass die Riemengabel sich auf einem drehbaren Arme befindet. Die Ein- stellung des Riemens erfolgt von Hand. Gewöhnlich erfolgt auch die Abstellung des Riemens von Hand, indem in der Zeit zwischen dem Austritt der einen Nase 19 oder 20 aus den
Schlitzen 17 der Scheibe 18 und dem Wiedereintritt der anderen Nase genügend Zeit für die Ausruckung vorhanden ist.
Es kann aber auch eine Vorrichtung vorgesehen sein, durch welche die Abstellung des Riemens selbsttätig erfolgt. Beispielsweise kann an der Scheibe 21 ein Vorsprung vor- gesehen sein, der die Auslösung einer Feder veranlasst, um durch diese die Umstellung der
Riemengabel zu veranlassen.
Auf der Zeichnung ist diese Einrichtung, die an der Maschine nicht vorhanden zu sein braucht, nicht dargestellt.
Die Farbkästen sind auf der endlosen Kette so gelagert, dass sie frei nach oben abgenommen werden können. Sie bestehen im vorliegenden Falle aus einem Farbbehälter und einer darüber befindlichen Rinne 29 für "die hintereinander gelagerten Farbwalzen 30.
Die Lagerrinue 3. 9 besitzt kleine Öffnungen 31, durch welche die Farbe bei der auf den
Farbkasten ausgeübten Schüttelbewegung aus dem unteren Farbbehälter in die Rinne gelangen kann. Der unterhalb der Drucktrommel 1 angeordnete Druckbalken 28 ist an
EMI3.1
diese Stützbalken fassender Kulissenstein 35 greift in die Kurvenscheibe 36 ein. Durch Drehung dieser Kurvenscheibe werden die Gelenkstangen 32, 37 und damit der Druckbalken 28 gehoben. Auf derselben Welle mit der Kurvonscheibe 36'ist eine zweite Kurven- Scheibe 38 angeordnet, die durch einen Drehhebel 39 und eine Gelenkstange 40 mit einer drehbar gelagerten Kulissenstange 41 in Verbindung steht.
Beim Drehen der Kurvenscheibe 3R wird die Kulissenstange 41 bewegt, so dass sie den Druckbalken 28 in wage-
EMI3.2
den sich ein um seinen Drehpunkt beweglicher Hebel 43 stützt. Dieser Hebel 43 ist durch eine Zugstange 44 mit der Klinke 45 verbunden. Am Umfange der Kettengarntrommel 1 ist ein Zahnkranz 48 angeordnet, m den die Klinke 45 beim Anheben eingreift.
Die beiden Kurvenscheiben werden durch ein in bekannter Weise ausrückbares
EMI3.3
(Fig. 2 und 4).
Die Wirkungsweise der neuen Vorrichtung ist folgendermassen :
Angenommen, der Druckvorgaug mit einer bestimmten Farbe ist beendigt und der Arbeiter wolle zum Druck zu einer zweiten Farbe übergehen. Er zieht dann an dem Hebel 33, rückt dadurch den Riemen durch Verschiebung der Riemengabel 22 auf die feste Riemenschiebe und lässt den Handhebel wieder los. Infolgedessen setzen sich die endlosen Ketten in Bewegung, bis der nächste Farbkasten oberhalb des. Druckbalkens 28 angelangt ist. In diesem Augenblick tritt die Ausrückvorrichtung 18, 19, 20 in Tätigkeit, so dass die endlosen Ketten stillstehen.
Ist der oberhalb des Druckbalkens stehende Farbkasten noch nicht der gewünschte, so hat der Arbeiter mehrmals den Hebel 33 in Tätigkeit zu satzen, bis der gewünschte Farbkasten oberhalb des Druckbalkens steht.
<Desc/Clms Page number 4>
Ist die Trommel richtig eingestellt, so kann hierauf durch Einrücken mit der Riemengabel 46 der Druckvorgang vorgenommen werden. Der Druckbalken 28 wird dabei durch die Kurvenscheibe 36 angehoben, greift unter den Farbkasten, hebt ihn aus seinen Lagern heraus und drückt die Farbrollen gegen die Kettengarne. Durch die Kurvenscheibe 88 wird er alsdann parallel zur Trommelachse bewegt und wieder zurückbewegt. Durch diese Bewegung kann auch die Farbe aus dem unteren Farbbehälter in die obere Rinne geschleudert worden. Ist der Druckvorgang beendet, so senkt sich der Druckbalken wieder und setzt den Farbkasten in seine Lager ein. Die Druckrolle kann hierauf weiterbewegt werden und der Druck mit derselben Farbe an einer anderen Stelle der Garne erfolgen, oder es kann ein anderer Farbkasten über den Druckbalken geführt werden.
Die Vorrichtung kann in verschiedener Weise Abänderungen erfahren. So können z. B. die Farbkasten eine andere Gestaltung aufweisen. Es ist auch nicht unbedingt erforderlich, dass die den Rollen mitgeteilte Bewegungen durch Kurvengetriebe erfolgen ; es können dafür auch andere Bewegungsvorrichtungen angeordnet sein. Wesentlich ist in jedem
Fall, dass der Druck durch gleichzeitige Bewegung einer Anzahl hintereinander geschalteter
Rollen vorgenommen wird, die bei dem Druckvorgange gemeinsam in die Garne gedrückt werden.
PATENT-ANSPRÜCHE ;
1. Druckwerk für Kettengarndruckvorrichtungen, dadurch gekennzeichnet, dass der Druck durch gleichzeitige Bewegung einer Anzahl hintereinander geschalteter Rollen (30) vor- genommen wird, die während des Druckvorganges gemeinsam an die Garne gedrückt werden, zum Zwecke, bei geringem Druckweg schon bei einer Bewegungsrichtung der Rollen die- selben Garne mehrfach zu überdrucken.