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Verfahren und Einrichtung zur Aufbereitung von vegetabilem
Fasermaterial
Es ist bekannt, dass viele in grossen Mengen vorhandene vegetabilische Materialien, wie z. B. Stroh, Getreidespelzen, Schilf, Hanfstauden, Baumwollstauden, Zuckerbagasse, Erdnuss-Schalen, Späne aus tropischen Hölzern usw., nicht ohne weiteres zur Herstellung von Leichtbaustoffen oder Leichtbeton unter Verwendung anorganischer Bindemittel, wie z. B. Zement, geeignet sind.
Diese Faserstoffe weisen Inhaltstoffe auf, die sich als sogenannte Zementgifte (z. B. als Kristallisationsinhibitoren) auswirken können und je nach Quantität und Beschaffenheit die Hydratation der hydraulischen Bindemittel ganz oder teilweise unterbinden bzw. verzögern.
Nach neueren Erkenntnissen erklärt man sich diese Erscheinung durch Auftreten einer Sperrschicht, welche das Verfilzen der einzelnen Kristalle verhindert.
Die Erscheinung, dass bei gewissen Materialien, z. B. Zuckerbagasse, selbst nach Entfernung sämtlicher wasserlöslicher Inhaltsstoffe immer noch spürbare Störungen im System Faser-Zement auftreten, hat zu der Erkenntnis geführt, dass ausser den bekannten Stoffen, wie z. B. Zucker, noch wasserunlösliche Stoffe für die Inhibitor-Wirkung verantwortlich sind. Man kann daher diese Zementgifte in folgende Gruppen klassieren :
1. wasserlösliche Zucker und verwandte Verbindungen wie Tannin, gewisse Farbstoffe usw.,
2. wasserlösliche höhere Kohlehydrate (Hemicellulosen, Stärke, Pektin),
3. unter Einfluss des alkalischen Bindemittels aus wasserunlöslichen Kohlehydraten entstehende, wasserlösliche Anteile,
4. Harze, Öle, Wachs, Fett und Verwandtes.
Bei bekannten Verfahren wird die sogenannte Selbstverbrennung oder der Abbau dieser verschiedenen Gruppen von störenden Stoffen durch Einwirkung von Bakterien, Hydrolyse mit verdünnten Säuren oder Salzlösungen, Oxydation durch Selbsterwärmung, Kochen mit Laugen usw., erreicht.
Die Methoden, welche eine beschleunigte Selbstverbrennung bezwecken, beanspruchen verhältnismässig langwierige Behandlungen, welche eine grossindustrielle Auswertung sehr erschweren oder praktisch unmöglich machen.
Andere Verfahren sind mehr oder weniger wirksam, sofern bei der Verwendung des aufbereiteten Materials relativ grosse Bindemittelmengen zugesetzt werden. Sobald jedoch mit Bindemittelmengen unter 400 kg/m3 verdichtetem Material gearbeitet wird, treten bei Verwendung der nach diesen Methoden aufbereiteten Materialien trotz Zusatz der üblichen Abbindebeschleuniger in Form von mehrwertigen Metallsalzen häufig Qualitätsverminderungen auf.
Zum Beispiel sind Verfahren bekannt, welche die Verarbeitung von vegetabilischen Fasern, die Zementgifte enthalten, wie z. B. Zuckerbagasse, durch Zugabe von schwach hydraulisch wirkenden Zusätzen, wie Puzzolan, Ton, Flugasche, ermöglichen sollen und damit eine Vorbehandlung der Faser nicht unbedingt notwendig machen. Diese Verfahren beziehen sich jedoch auf Leichtbetone, deren Gesamtdosierung an Bindemittel 400 kg/m3 übersteigt, mit Raumgewichten von über 700 kg/m3 und Zusätzen von Abbindebeschleuniger von über 8% des Bindemittelgewichtes.
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Versuche zeigten jedoch, dass bei Herstellung eines Leichtbetons mit einem Bindemittelgehalt unter 400 kg/m3, einem Raumgewicht unter 650 kg/m3 und mit Abbindebeschleuniger von weniger als 2% des Bindemittelgewichtes erneut Abbindestörungen auftreten.
Erfahrungsgemäss machen die Kosten für die Bindemittel den grössten Anteil am Gesamtpreis des Produktes aus. Puzzolane, Tone usw. sind nicht überall oder in geeignetem Zustand zu erhalten. Hohe Zusätze von Abbindebeschleuniger sind teuer und wegen unerwünschter Nebenwirkungen der Chloride zu vermeiden. Diese Nachteile sollen durch das erfindungsgemässe Verfahren vermieden werden.
Die Einhüllung der Faserstoffe mit Emulsionen von bituminösen und verwandten Stoffen zur Bildung einer isolierenden Hülle ist ein weiteres, praktisch verwendetes Verfahren, wobei die richtige Dosierung und die richtige zeitliche Bemessung der Verfahrensschritte für grössere Betriebe zu grosse Schwierigkeiten bereiten. Ähnliches ist zu bemerken über die Methode der Fällung der Zementgifte durch Bleiacetat oder Cyankalium, die nur bei der Verarbeitung kleiner Quantitäten (von taninhaltigen Fasern) und unter strengen Vorsichtsmassregeln verwendbar ist. Schliesslich werden im bekannten Verfahren Einlagerungen in Kalkmilch oder Zementmilch mit nachfolgendem Auswaschen der entstehenden Saccharate und Seifen angewendet. Die Auswaschung muss sehr gründlich durchgeführt werden und benötigt daher sehr viel Wasser und einen praktisch zu grossen Zeitaufwand.
Neben den angeführten Mängeln haben die erwähnten Methoden noch einen gemeinsamen Fehler.
Jede einzelne ist nur für eine der oben verzeichneten Giftgruppen einwandfrei wirksam und nur innerhalb bestimmter Grenzen des Prozentsatzes des Gehaltes an schädlichen Stoffen in oder an den Fasern.
Es wurde daher nach einer universell wirksamen Massnahme gesucht, welche auch bei den verschiedenen Faserstoffen verwendbar ist, die zwei oder mehrere Giftgruppen kombiniert enthalten. In dem im nachstehenden beschriebenen erfindungsgemässen Verfahren wurde eine geeignete Methode gefunden, die der Forderung der allgemeinen Verwendbarkeit entspricht und welche die oben im einzelnen verzeichneten Nachteile ausschliesst.
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Aufbereitung von vegetabilischem Material, welches zur Herstellung eines Leichtbaustoffes hoher Qualität mit einem Raumgewicht unter 650 kg/m3 und einer totalen Bindemitteldosierung unter 400 kg/m3 verdichtetes Material verwendet werden kann und bei welchem Abbindebeschleuniger 2% des Zementgewichtes nicht übersteigen sollen. Ferner sind Gegenstand der Erfindung die Anlagen, die zur Durchführung des Verfahrens notwendig sind ; das Zwischenprodukt, das durch die erfindungsgemässe Behandlung entsteht, und der mit dem Zwischenprodukt erstellte Leichtbeton und die damit gefertigten Leichtbetonelemente.
Gemäss der Erfindung ist das Verfahren dadurch gekennzeichnet, dass das Fasermaterial mit einem anorganischen Bindemittel im Gewichtsverhältnis von mindestens 42, 5 kg Faser zu 100 kg Bindemittel unter Befeuchtung vorgemischt wird, wobei der Anteil des Bin- demittels für die Vormischung zwischen 10-30 Gew.-% der Gesamtbindemittelmenge des Leichtbaustoffes beträgt, welche Menge 400 kg, auf 1 m3 fertigen Baustoff oder auf 170 kg lufttrockenes Fasermaterial be- zogen, nicht überschreitet, und das so aufbereitete Gemisch nachher einer so starken Luftströmung ausgesetzt wird, dass mindestens 60% des gesamten Wassergehaltes der Mischung innerhalb höchstens 48 h von der Luft weggeführt wird.
Als Bindemittel für dieses Verfahren kann normaler oder hochwertiger Portlandzement, Tonerdeschmelzzement, hydraulischer Kalk, Kalkhydrat, ungelöschter Kalk oder Gips oder ein Gemisch verschiedener Bindemittel verwendet werden. Bei Fasermaterialien mit sehr glatter Oberfläche, wie z. B. Stroh oder Schilf, ist die Zugabe einer kleinen Menge eines Netzmittels (z. B. sekundäres Alkylsulfonat) zum Anmachwasser angebracht. Damit wird eine bessere Benetzung der Faser und dadurch eine erhöhte Haftung des Bindemittels auf dieser erreicht.
Es sind Verfahren bekannt, bei welchen den vegetabilischen Fasern Aluminiumsulfat oder Schwermetallsulfat kurz vor Herstellung der Leichtbetonmischung zugesetzt wird. Beim Verfahren, das Gegenstand dieser Erfindung ist, wird zur Mineralisierung der lufttrockenen Fasern unmittelbar vor Zugabe des Bindemittelanteils und Anmachwassers, eine bestimmte Quantität Aluminiumsulfat in Form einer Lösung zugegeben. Menge und Konzentration dieser Lösung richten sich nach Beschaffenheit und Saugfähigkeit des zu imprägnierenden Materials. Berechnet pro m3 Leichtbaustoffe (Fertigmaterial) sollten in der Regel zirka 3,2 kg Al . 18 HO zugesetzt werden. Die Intensivität dieser Mineralisierung wird durch die oben beschriebene erfindungsgemässe Behandlung erhöht.
Die sogenannte Vormischung wird in einem Gegenstrommischer oder ähnlichen Einrichtungen mit sehr gutem Durchmischungsvermögen vorgenommen, wobei die einzelnen Komponenten entsprechend der in den nachfolgenden Beispielen angeführten Reihenfolge zugegeben werden. Das Anmachwasser ist möglichst knapp zu bemessen, jedoch so, dass eine gleichmässige Verteilung des Bindemittels auf der Oberfläche gewährleistet ist.
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folgende Mengen benötigt :
Beispiel 1 :
EMI3.2
<tb>
<tb> Stroh <SEP> gehäckselt <SEP> 90 <SEP> kg <SEP>
<tb> Al <SEP> (SO <SEP> , <SEP> spez. <SEP> Gew. <SEP> 1064 <SEP> kg/cm3 <SEP> 26 <SEP> l
<tb> Wasser <SEP> 7, <SEP> 31 <SEP> 35 <SEP> kg
<tb> Kalkhydrat <SEP> oder <SEP> Portlandzement <SEP> 60 <SEP> kg <SEP> *)
<tb> Anmachwasser <SEP> (eventuell <SEP> mit
<tb> sek. <SEP> Alkylsulfonat) <SEP> 40 <SEP> 1 <SEP> 40 <SEP> kg <SEP>
<tb> Vormischung <SEP> 225 <SEP> kg
<tb> *) <SEP> zirka <SEP> 20% <SEP> der <SEP> totalen <SEP> Bindemittelmenge <SEP> des
<tb> fertigen <SEP> Leichtbetonproduktes.
<tb>
Beispiel 2 :
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<tb>
<tb> Zuckerbagasse <SEP> (mit <SEP> wenig <SEP> Markanteilen) <SEP> 88 <SEP> kg
<tb> Al <SEP> (SO <SEP> , <SEP> spez. <SEP> Gew. <SEP> l064kg/cm <SEP> 26 <SEP> l
<tb> Wasser <SEP> 7, <SEP> 31 <SEP> 35 <SEP> kg
<tb> Kalkhydrat <SEP> oder <SEP> Portlandzement <SEP> 40 <SEP> kg <SEP> *)
<tb> Anmachwasser <SEP> 50 <SEP> l <SEP> 50 <SEP> kg
<tb> Vormischung <SEP> 213 <SEP> kg
<tb> *) <SEP> zirka <SEP> 14% <SEP> der <SEP> totalen <SEP> Bindemittelmenge <SEP> des
<tb> fertigen <SEP> Leichtbetonproduktes.
<tb>
Damit das frisch gemischte Material nachher als Zuschlagstoff für Leichtbeton verwendet werden kann, muss das zugesetzte Bindemittel abgebunden haben und ein Teil des Anmachwassers verdunstet sein. Damit der Abbinde- und Trocknungsprozess stetig und nicht zu langsam verläuft, sieht das erfindungsgemässe Verfahren vor, die Mischung einem Luftstrom auszusetzen, wobei die Luft vorgewärmt werden kann, bis höchstens 900C. Hiebei können die Abgase des als Wärmequelle dienenden Brenners beigemischt werden, womit eine Kohlensäureanreicherung der Luft erzielt wird, was zu einer Intensivierung des Abbindevorganges führt. Ferner kann es unter Umständen notwendig sein, anfänglich die Luft zu befeuchten, um ein zu rasches Austrocknen der Fasern und damit eine unvollständige Hydratation des Bindemittels zu verhindern.
Diese Behandlung des Materials soll durch die nachbeschriebenen erfindungsgemässen Anlagen und Einrichtungen erzielt werden.
Die bekannten Anlagen, die man sonst für Trocknungszwecke verwendet, wie z. B. Kammertrockner, Trommeltrockner, Düsentrockner, Durchlauftrockner usw., haben im allgemeinen den Zweck, das Material so schnell wie möglich zu trocknen, d. h. die Durchsatz- sowie die Wärmeleistung dieser Anlagen sollen möglichst gross sein. Bei dem erfindungsgemässen Vormischverfahren handelt es sich eher um einen Behandlungsprozess, der einige Zeit dauern soll und wo die Durchsatzleistung relativ klein ist. Für diesen Zweck kommen die bekannten Ausführungen im allgemeinen nicht in Frage. Sie wären zu teuer in der Anschaffung wie auch im Betrieb. Ausserdem sind diese Anlagen meist für einen Betrieb bei zu ho- her Temperatur ausgelegt, die für das erfindungsgemässe Vormischverfahren nicht verwendbar ist.
Unter Umständen kann für das erfindungsgemässe Verfahren die Behandlung auch ohne Heizung durchgeführt werden, und auch in diesem Fall wären die erwähnten Anlagen zu teuer.
Die erfindungsgemässe Anlage (Fig. 1 und 3) soll eine kontinuierliche, wirtschaftliche und raumsparende Behandlung ermöglichen. Sie ist ein Kaskadenförderer und dadurch gekennzeichnet, dass dieser aus Förderrosten besteht, die über die Oberseite von mit Lochdecken versehenen Druckkammern laufen. Das Material wird mit einem schrägen Elevator über einen Aufnahmetrichter auf die erste Förderbahn trans-
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portier. Die Beschickungsvorrichtung ist so vorgesehen, dass auf dem Förderband 1 eine gleichmässige-zirka 500 mm hohe - Schicht entsteht. Unter jedem Förderband ist eine Lochdecken-Kammer 3 angebracht. Durch zweckmässige Verteilung der Löcher wird eine vollkommen gleichmässige Verteilung der Behandlungsgase erzielt.
Da die Transportbänder dicht über den Lochdecken 2 verlaufen, müssen die Gasströme durch die hohe Materialschicht hindurch. Da die warmen Gase natürlichen Auftrieb haben und ausserdem über der Materialschicht ein kleiner Unterdruck herrscht, kann die Luft nirgends entweichen. Die Seiten der Materialschicht sind auch mit Wänden abgeschlossen. So ist der Weg der Behandlungsgase eindeutig bestimmt. Beim Herunterfallen des Materials auf das nächste Förderband wird das Material durch sich drehende Prellgabeln 4 aufgelockert und durchgemischt. Nach dem letzten Transportband fällt das Material in einen Trichter, aus welchem es mit einem schrägen Elevator weiter transportiert wird. Die Luft bzw. die Gase werden von der Seite in eine jede Lochdeckenkammer 3 hineingeblasen.
Nachdem die Gase die Schicht passiert haben, kommen sie in Unterdruckkammern 5 und über einen Zwischenraum 6 und werden mit Feuchtigkeit gesättigt mittels eines Ventilators 7 ins Freie befördert.
Das zur Klimatisierung notwendige Luftgasgemisch muss durch eine entsprechende Einrichtung erzeugt werden.
Wie bekannt, werden im allgemeinen die Luft bzw. die Gase in den Klimaanlagen so behandelt, dass am Ausgang entsprechende Eigenschaften in bezug auf Temperatur und Feuchtigkeit erhalten werden.
Solche Anlagen bestehen aus mehreren Teilen - im allgemeinen aus dem Vorwärmer, Kühler, Befeuchter und Nachwärmer - und den dazu notwendigen Wärmeaustauschflächen, Mischkammer usw. Ausserdem braucht man eine separate Wärmequelle (bzw. Kältequelle). Eine solche Anlage wäre z. B. für das erfindungsgemässe Vormischverfahren zur Produktion von Leichtbetonelementen zu teuer in der Anschaffung sowie auch im Betrieb. Ausserdem ist die Regelung bei solchen Anlagen sehr kompliziert und teuer.
Ähnliche Anlagen, die man für Trocknungszwecke verwendet, arbeiten ohne Befeuchtung der Gase und im Umluftprinzip.
Die erfindungsgemässe Klimafeuerung (Fig. 2) dient als Quelle der in bezug auf Temperatur, Feuchtigkeit und Zusammensetzung konditionierten Gase für den Bereich der mässigen Temperaturen und Feuchtigkeiten. Der eigentliche Brenner für flüssige oder gasförmige Brennstoffe dient als Wärmequelle und erhält entsprechende, regelbare Mengen an Verbrennungsluft. Die Verbrennungsgase werden dann in einem grösseren Rohr direkt mit Wasser befeuchtet. Dieser Raum kann verhältnismässig klein gehalten werden, weil das Wasser - fein zerstäubt - sehr schnell verdampft. Die Mischluft wird den Gasen nach der Befeuchtung durch ein zweites, das erste umhüllende Rohr entsprechend der gewünschten Endtemperatur beigemischt.
Durch Regelung der Brennstoffmenge 8 wird die Wärmezufuhr geregelt, durch Regelung der eingespritzten Wassermenge 9 wird die Feuchtigkeit geregelt, durch Regelung der beigemischten Luftmenge 10 wird die Menge und Zusammensetzung der Endgase geregelt, alles ohne irgendwelche Austauschflächen, grosse Leitungen und viele Schieber usw. Dadurch kann man einen feuerungstechnischen Wirkungsgrad von 95% erreichen. Die Klimafeuerung wird auf die Saugseite eines Ventilators angeschlossen.
Bei Behandlung der Vormischung in der erfindungsgemässen Anlage soll das Gewicht einer bestimmten Menge Material z. B. bei Stroh gegenüber dem ursprünglichen Totalgewicht der frischen Mischung sich innerhalb höchstens 48 h um zirka 25% reduzieren, was einem Wasserverlust von zirka 60ale (zugegebenes Wasser 100%) entspricht ; bei Zuckerbagasse z. B. beträgt der Gewichtsverlust gegenüber der frischen Mischung 30% bzw. der Wasserverlust zirka 70% gegenüber dem zugegebenen Wasser. Die Bindemittel sollen nach der Behandlung abgebunden haben bzw. karbonatisiert sein.
Das durch das bisher beschriebene erfindungsgemässe Verfahren erhaltene Material besteht demnach aus vegetabilischen Fasern, die mit Aluminiumsulfat oder einem Schwermetallsalz imprägniert sind und mit einem anorganischen Bindemittel schwach umhüllt sind. Auch in lufttrockenem, abgebundenem Zustand handelt es sich um Fasern, die durch das erfindungsgemässe Verfahren noch in keiner Weise miteinander verbunden worden sind.
Die so erhaltenen imprägnierten und von aktiven schädlichen Wirkstoffen befreiten Fasern können nun auf bekannte Weise zu einem Leichtbeton verarbeitet werden. Eine weitere Imprägnierung ist nicht notwendig. Es empfiehlt sich zur Beschleunigung des Abbindens ein Zusatz eines mehrwertigen Metallchlorids, wie z. B. Kalziumchlorid oder Aluminiumchlorid. Der Anteil dieser Chloride braucht 2% des Gewichtes der auf die fertige Leichtbetonmischung zugegebenen Bindemittel nicht zu überschreiten. Da Aluminiumchlorid verhältnismässig teuer ist, kommt seine Verwendung trotz seiner sehr guten Wirksamkeit weniger in Frage. Aus zahlreichen im Zusammenhang mit dem erfindungsgemässen Verfahren durch-
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Bindemittel).
Mit dem nach dem erfindungsgemässen Verfahren aufbereiteten Fasermaterial können z. B. folgende Leichtbetonmischungen erstellt werden :
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<tb>
<tb> Mischung <SEP> I
<tb> Aufbereitetes <SEP> Strohmaterial <SEP> zirka <SEP> 175 <SEP> kg
<tb> Wasser <SEP> 401 <SEP> 40 <SEP> kg
<tb> Normal-Portlandzement <SEP> 260 <SEP> kg
<tb> Anmachwasser <SEP> 1701 <SEP> 170 <SEP> kg
<tb> CaCl2 <SEP> 1,5% <SEP> 4,8 <SEP> kg
<tb> Fertigmischung <SEP> zirka <SEP> 650 <SEP> kg
<tb> Volumen <SEP> lose <SEP> zirka <SEP> 1600 <SEP> l
<tb>
Die Mischung wird verarbeitet zu Hohlblocksteinen, Isolierplatten oder andern Produkten. Dabei soll das Einstampfmass zirka 1, 6 betragen.
Die so erhaltenen Produkte zeigen die nachfolgenden Eigenschaften :
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<tb>
<tb> im <SEP> Alter <SEP> von
<tb> 3 <SEP> Tagen <SEP> 7 <SEP> Tagen <SEP> 28 <SEP> Tagen
<tb> Raumgewicht <SEP> kg/m3 <SEP> 600-620 <SEP> 530-550 <SEP> 500-520
<tb> Biegefestigkeit <SEP> kg/cm2 <SEP> 4-5 <SEP> 7-9 <SEP> 7-10 <SEP>
<tb> Mischung <SEP> II
<tb> Aufbereitetes <SEP> Bagassenmaterial <SEP> zirka <SEP> 150 <SEP> kg
<tb> Wasser <SEP> 501 <SEP> 50 <SEP> kg
<tb> Normal-Portlandzement <SEP> 280 <SEP> kg
<tb> Anmachwasser <SEP> 1801 <SEP> 180 <SEP> kg
<tb> Ca <SEP> Cl <SEP> 1, <SEP> 750/0 <SEP> 5, <SEP> 6 <SEP> kg
<tb> AlCl3 <SEP> 0,25% <SEP> 0,8 <SEP> kg
<tb> Fertigmischung <SEP> zirka <SEP> 666 <SEP> kg
<tb> Volumen <SEP> lose <SEP> zirka <SEP> 1300 <SEP> l
<tb> Einstampfmass <SEP> : <SEP> zirka <SEP> l, <SEP> 3 <SEP>
<tb> Spezifikationen <SEP> :
<SEP>
<tb> im <SEP> Alter <SEP> von
<tb> 3 <SEP> Tagen <SEP> 7 <SEP> Tagen <SEP> 28 <SEP> Tagen
<tb> Raumgewicht <SEP> kg/m3 <SEP> 600-620 <SEP> 510-550 <SEP> 490-500
<tb> Biegefestigkeit <SEP> kg/cm2 <SEP> 4-6 <SEP> 8-10 <SEP> 10-13
<tb>
Diese frischen Leichtbetonmischungen weisen eine erdfeuchte bis leicht plastische Konsistenz auf.
Die Verarbeitung des frischen Materials zu Hohlblöcken, Deckensteinen, Platten usw. erfolgt nach den bekannten Methoden durch Stampfen, Rütteln, Pressen oder eine Kombination dieser Methoden in Stahloder Holzmodellen, die gleich nach dem Verdichten des Materials entfernt werden und wobei es stets der Zweck des erfindungsgemässen Verfahrens ist, die Herstellung eines Leichtbetons mit weniger als 650 kg/m3 Raumgewicht, einer totalen Bindemitteldosierung und eventuell hydraulischen Zuschlägen unter 400 kg/m zu ermöglichen.
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Die Charakteristiken der nach dem erfindungsgemässen Verfahren erstellten Leichtbetonprodukte, wie z. B. Schwinden und Quellen, Wasseraufnahme, Wärmeleitzahl, Schallabsorption, Festigkeitsabfall durch Wasserlagerung usw., verhalten sich praktisch gleich wie bei entsprechenden Produkten, welche mit nicht vorbehandelten, zementgiftfreien, vegetabilischen Fasern, wie z. B. gesunden Tannenholzspänen, hergestellt worden sind.
Die Wirkungsweise dieser Erfindung ist zum Teil chemischer, zum Teil rein physikalischer Natur.
Durch die Einwirkung des alkalischen Bindemittels während der feuchten Phase der Behandlung dürfte immerhin in den äussersten Schichten der Faser eine teilweise Spaltung der als Inhibitoren wirkenden Stoffe zu unschädlichen Folgeprodukten vor sich gehen. Bei Materialien, die eine sehr glatte und daher für die Zementhaftung ungeeignete Oberfläche aufweisen, wird diese Schicht durch den Einfluss des Alkalis angegriffen. Da es sich dabei meistens um wachsartige Beläge handelt, wie z. B. bei Stroh, werden diese teilweise durch Verseifung aufgeschlossen.
Die Hauptwirkung des Verfahrens dürfte jedoch nicht zur Hauptsache in einer Zerstörung der Zementgifte, sondern vor allem in einer Isolierung derselben innerhalb der Faser liegen. Diese Einkapselung wird während der Vorbehandlung durch die weitgehende Verstopfung der Kapillaren und Poren der Faser durch das Bindemittel erreicht.
Man könnte meinen, dass z. B. im Falle einer Verwendung von Zement als Bindemittel der Vormischung dieser gar nicht in der Lage sei, zu hydratisieren, und daher einerseits nicht zum gewünschten Kapselungseffekt führen könne, anderseits als beträchtlicher Anteil der gesamten Bindemittelmenge von vornherein verlorenginge. Eine grosse Anzahl von Versuchen hat jedoch bewiesen, dass durch die besondere Art der erfindungsgemässen Behandlung (Luftzirkulation, daher ständige Zufuhr von CO;CO-Anrei- cherung der Luft- und Wärmezufuhr) die Karbonatisierung des freien Kalkes beschleunigt und in der Folge davon die Hydratisation des Kalziumsilikates begünstigt und ermöglicht, so dass die langsamere Reaktion der Zementgifte mit den gelösten Zementbestandteilen nicht genügend wirksam werden kann, um eine spürbare Abbindestörung der Bindemittel herbeizuführen.
Dies geht auch aus zahlreichen Versuchen und Beobachtungen hervor, wo nicht vorbehandeltes Material im Inneren infolge totaler Abbindestörung überhaupt nicht erhärtet, an der Oberfläche aber, wo die Luft leicht Zutritt hat, trotzdem auf 2 - 3 mm Tiefe eine gute Qualität aufweist.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Aufbereitung von vegetabilem Fasermaterial, welches starke Zementgifte oder Mischungen von solchen enthält, mit dem Zweck, dieses Fasermaterial als Zuschlagsmaterial für mit anorganischen Bindemitteln gebundene Leichtbaustoffe mit einem Raumgewicht unter 650 kg/m3 geeignet zu machen, dadurch gekennzeichnet, dass dasFasermaterial mit einem anorganischen Bindemittel im Gewichtsverhältnis von mindestens 42,5 kg Faser zu 100 kg Bindemittel unter Befeuchtung vorgemischt wird, wobei der Anteil des Bindemittels für die Vormischung zwischen 10-30 Gew.-% der Gesamtbindemittelmenge des Leichtbaustoffes beträgt, welche Menge 400 kg, auf 1 m3 fertigen Baustoff
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