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Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines Schallschutzbauwerks aus, gegebenenfalls mit Tonmineralien angereichertem, Müllkompost, bei dem der Müllkompost in eine Hülle eingebracht wird.
Lärmschutz stellt heute eine immer mehr an Bedeutung gewinnende Massnahme im Kampf gegen den Umweltlastfaktor"Lärmbelästigung"dar. Lärmimmissionen können, wenn sie von einer Lärmquelle (z. B. Strassenlärm, Flug-, Industrie- und Baulärm) ungehindert auf den Menschen treffen, diesen psychisch und physisch schwer beeinträchtigen. Lärmschutzeinrichtungen sollten vor Lärmbelästigungen schützen. Es gibt refelektierende Systeme mit lärmdämmender Wirkung (z. B. Betonwände) und solche, bei denen die Geräusche zusätzlich durch Absorption der Schallwellen vernichtet werden (longitudinale Schallwellen werden letztlich in Wärmeenergie übergeführt).
Zur Herstellung von solchen Schallschutzbauten kann vielfach Müll herangezogen werden.
Beispielsweise wird in der AT-PS Nr. 341163 ein Bauelement für ein der Schallabsorbierung dienendes Schallschutzbauwerk vorgeschlagen, das zumindest an einer Aussenseite aus kompostiertem Müll besteht.
In der AT-PS Nr. 355078 bzw. DE-OS 2643734 wird ein Schallschutzbauwerk vorgeschlagen, das im Bereich einer einem Verkehrsweg zugewandten Aussenseite zumindest teilweise bzw. bereichsweise aus Müll besteht, der mittels formhaltender Hilfsmittel gehalten wird. Solche formhaltenden Hilfsmittel können z. B. ein ebenes oder räumliches Tragwerk, z. B. ein Fachwerk, Gitterwerk oder Netzwerk, sein.
Diese Literaturstellen geben jedoch keine Hinweise darüber, von welcher Beschaffenheit der Müll sein soll, um eine möglichst gute Schallabsorbierung und Eigenstabilität des Bauwerkes zu erreichen.
Aus der DE-AS 2415023 ist ein Lärmschutzwall bekannt, der aus übereinander und nebeneinander angeordneten, gepressten Blöcken aus Müll besteht, die mit einer Hüllschicht aus entwässertem Klärschlamm und einer Umhüllung umgeben sind, die vorzugsweise aus Mutterboden besteht. Über die Korngrösse und das Schüttgewicht des Mülls enthält die DE-AS 2415023 keine Angaben, und hinsichtlich der Feuchtigkeit des Mülls wird in der DE-AS 2415023 angeregt, den Klärschlamm zu entwässern, also weitgehend trocken einzusetzen.
Die DE-OS 2808486 betrifft eine Lärmschutzwand aus Müll-Klärschlammkompost. Dieser Müll- - Klärschlammkompost wird in eine Aussenhaut eingebracht, die durch ein Drahtgeflecht mit Kunststoffmatten gebildet ist. Stützrahmen mit elliptischem Bogen-Profil machen hiebei die Aussenhaut unnachgiebig. Mit andern Worten, die Aussenhaut kann sich den Bewegungen des Müllkompostes nicht anpassen.
Aufgabe der Erfindung ist, ein Verfahren zum Herstellen eines Schallschutzbauwerkes zu schaffen, das eine optimale Schallabsorbierung gewährleistet, und gleichzeitig eine hohe Eigenstabilität besitzt, so dass die allenfalls erforderliche Stützkonstruktion in gewichtssparender Bauweise ausgeführt werden kann.
Dies wird gemäss der Erfindung bei einem Verfahren der eingangs genannten Art dadurch erreicht, dass der feuchte Müllkompost mit einer Korngrösse von 0, 01 bis 50 mm, vorzugsweise 0, 06 bis 20 mm, einem losen Schüttgewicht von 600 bis 900 g/l, vorzugsweise 750 g/l, und einem Wassergehalt von 35 bis 50, vorzugsweise 48%, in die nachgiebig ausgebildete Hülle, insbesondere schichtweise eingebracht, und gegebenenfalls in an sich bekannter Weise verdichtet wird.
Auf Grund dieser Zusammensetzung des Müllkompostes ist es möglich, ein Schallschutzbauwerk zu errichten, bei dem auf Grund der hohen Innenoberfläche und der geringen Dichte des Substrates der Absorptionsgrad in fast allen Frequenzbereichen 100% ist und mit einem Wert AL., a, Str = 8 dB der Norm für vollabsorbierende Lärmschutzwände entspricht. Ausserdem gewährleistet diese Zusammensetzung eine hohe Eigenkohäsion, welche die Errichtung von steilen Wänden gestattet. Wenn der angegebene Wassergehalt nicht eingehalten wird, kann der Einbau des Müllkompostes in die nachgiebige Hülle nicht richtig erfolgen, und es kann die erforderliche Festigkeit nicht erreicht werden.
Mit dem erfindungsgemässen Verfahren wird somit ein Schallschutzbauwerk erhalten, bei dem auf Grund der hohen Innenoberfläche und der entsprechenden Dichte des Substrates der Absorptionsgrad der Norm für vollabsorbierende Lärmschutzwände entspricht. Durch beidseitige Begrünung
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bzw. Bepflanzung des Bauwerkes kann eine optisch ansprechende und der Landschaft angepasste Massnahme gesetzt werden.
Es ist vorteilhaft, wenn die Feuchtdichte des eingebrachten Müllkompostes 0,95 bis 1,0 t/m3 beträgt. Diese Feuchtdichte entspricht einer Trockendichte von 0, 65 bis 0, 85 t/ma.
Die Erfindung wird nachstehend an Hand der Zeichnungen, in der ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemässen Schallschutzbauwerkes dargestellt ist, näher beschrieben. Es zeigen : Fig. 1 einen Querschnitt durch ein erfindungsgemässes Schallschutzbauwerk bei ebenem Boden, Fig. 2 das Schallschutzbauwerk gemäss Fig. l bei einer Böschung, Fig. 3 eine Seitenansicht des Schallschutzbauwerkes nach Fig. l, Fig. 4 eine perspektivische Ansicht eines Teils der Oberseite des Schallschutzbauwerkes gemäss Fig. l, und Fig. 5 das Einbringen des Müllkompostes.
Das in Fig. l bis 5 dargestellte, mittels des erfindungsgemässen Verfahrens hergestellte Schallschutzbauwerk umfasst eine Mehrzahl von in der Längsmittelebene der Wand angeordneten, im Boden bzw. Gelände verankerten, im wesentlichen lotrechten Stehern --1--. Der Abstand zwischen den einzelnen Steher ^ wired nach den statischen Erfordernissen festgelegt und beträgt vorzugsweise etwa 1 bis 2 m. Jeder Steher-l-weist an seinem oberen Ende eine Querstrebe --2--,
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horizontale, geometrische Achse --4-- schwenkbar gelagert ist, so dass er den Neigungen von Böschungen angepasst werden kann. Dieser Querarm --3-- kann in den entsprechenden Stellungen mit dem Steher-l-verschraubt werden. Die äusseren Enden der Querstreben --2-- und Querarme - sind mittels Spanngliedern --5--, z.
B. Seilen, Drähten od. dgl., miteinander verbunden, welche zur Befestigung einer gitter-bzw. netzförmigen Aussenhaut --6-- dienen. Da die unteren Querarme --3-- länger sind als die oberen Querstreben --2--, und die Querarme --3-- und Querstreben --2-- jeweils im Bereich ihrer Längsmitte mit den Stehern --1-- verbunden sind, ergibt sich somit ein im wesentlichen trapezförmiger Querschnitt der Lärmschutzwand. Die Aussenhaut - wird an ihrer Oberseite mittels eines die äusseren Enden der oberen Querstreben --2-verbindenden Spanngliedes --7--, z. B. Seiles, Drahtes od. dgl., und an ihrer Unterseite mittels eines die äusseren Enden der unteren Querarme --3-- verbindenden, gleichen oder gleichartigen Spanngliedes --8-- gehalten, insbesondere gespannt gehalten.
Die Steher-l-sind vorzugsweise Stahlbetonträger oder feuerverzinkte oder sonst korrosionsbeständig beschichtete bzw. oberflächenbehandelte Rohre, insbesondere Formrohre, oder Profile.
Die Aussenhaut --5-- besteht vorzugsweise aus Maschengitterfeldern, die vertikal angeordnet sind.
Die Breite der Maschengitterfelder richtet sich nach dem Abstand zwischen den Vertikalträgern.
Zur zusätzlichen Aufnahme der Windkräfte, der Schneebelastung, der Belastung durch das Füllmaterial, eventuell sonstigen auftretenden Belastungen sowie der Fixierung der Maschengitterfelder werden zwischen den oberen und unteren Querträgern Drahtseile gespannt (Dimensionierung nach den Erfordernissen). Um Ausbeulungen der Maschengitterfelder hintanzuhalten, können je nach Erfordernissen Spanndrähte oder Spannseile angeordnet (quer oder vertikal) werden. Die Stirnteile der Wand bestehen ebenfalls aus Maschengitterfeldern. Die Befestigung der Maschengitter erfolgt wie die an den Aussenseiten der Wand angebrachten Maschengitterfelder.
Die beschriebene Konstruktion wird gemäss dem erfindungsgemässen Verfahren mit Müllkompost folgender Zusammensetzung befüllt :
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<tb>
<tb> günstigster <SEP> Wert <SEP> Toleranzbereich
<tb> Physikalische <SEP> Parameter <SEP> : <SEP>
<tb> Loses <SEP> Schüttgewicht, <SEP> feucht <SEP> (g/l) <SEP> 750 <SEP> (600-900)
<tb> Einbau <SEP> loses <SEP> Schüttgewicht, <SEP> feucht
<tb> verdichtet <SEP> 1050 <SEP> (950 <SEP> - <SEP> 1100) <SEP>
<tb> Wassergehalt <SEP> (% <SEP> FG) <SEP> 48 <SEP> (40-50)
<tb> Wasserhaltefähigkeit <SEP> (% <SEP> TS) <SEP> 110 <SEP> (80-120)
<tb> PH-Wert <SEP> 7, <SEP> 0 <SEP> (6, <SEP> 5-7, <SEP> 6) <SEP>
<tb> Austauschkapazität <SEP> (mval/100 <SEP> g) <SEP> 25 <SEP> ( > 20)
<tb> Organische <SEP> Parameter <SEP> :
<SEP>
<tb> Ges. <SEP> Org. <SEP> Substanz <SEP> (GV), <SEP> (% <SEP> TS) <SEP> 30 <SEP> (20 <SEP> - <SEP> 35)
<tb> Abbaubare <SEP> org. <SEP> Substanz <SEP> (% <SEP> TS)
<tb> (Humus) <SEP> 22 <SEP> ( > 15)
<tb> C/N-Verhältnis <SEP> 1 <SEP> : <SEP> 20 <SEP> ( > 1 <SEP> : <SEP> 25)
<tb> Inerte <SEP> organ. <SEP> Substanz <SEP> (% <SEP> TS) <SEP> 6 <SEP> ( < 8)
<tb> Hauptnährstoffe <SEP> : <SEP>
<tb> Ges. <SEP> org. <SEP> Stickstoffe <SEP> (Kjd) <SEP> (% <SEP> TS) <SEP> 0, <SEP> 7 <SEP> ( > 0, <SEP> 5-1, <SEP> 2) <SEP>
<tb> Ammonium, <SEP> NH3-N <SEP> (% <SEP> TS) <SEP> - <SEP> ( <SEP> :
<SEP> :. <SEP> 0, <SEP> 01) <SEP>
<tb> Phosphor <SEP> P20s <SEP> (gs) <SEP> (% <SEP> TS) <SEP> 0, <SEP> 4 <SEP> (0, <SEP> 4-0, <SEP> 8) <SEP>
<tb> Kalium, <SEP> K20 <SEP> (gs) <SEP> (% <SEP> TS) <SEP> 0, <SEP> 5 <SEP> (0, <SEP> 3-1, <SEP> 0) <SEP>
<tb> Magnesium, <SEP> MgO <SEP> (gs) <SEP> (% <SEP> TS) <SEP> 2, <SEP> 0 <SEP> (0, <SEP> 5 <SEP> - <SEP> 3, <SEP> 0) <SEP>
<tb> Kalzium, <SEP> CaO <SEP> (gs) <SEP> (% <SEP> TS) <SEP> 8, <SEP> 0 <SEP> (2-12)
<tb>
Der Einbau soll lagenweise (vorzugsweise 30 bis 50 cm) erfolgen und die Kompostmasse muss verdichtet werden.
Zum Zweck der Formbeständigkeit können während des Einbaues starre Begrenzungsplatten (Wandtafeln) angebracht werden.
Wird nur ein Teil der Wand hergestellt und zu einem späteren Zeitpunkt eine Verlängerung durchgeführt, so ist der Übergang überlappt auszuführen (schräge Anschlussflächen der Kompostwand gemäss Fig. 5).
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werden. Diese (s) Gewebe bzw. Hülle muss dabei folgende Bedingungen erfüllen :
Verwitterungssicherhheit bis zum Erlangen der Eigenfestigkeit des Kompostmaterials (mind. 5 Jahre).
Bewegungsfreiheit des Setzungsvorganges der Kompostfüllmasse-z. B. durch Rhombenform des Gittergewebes.
Zugverankerung von Netz- zu Netzoberfläche, ausgestattet mit einer Zugkraft und Zugver- ankerung nach statischen Erfordernissen.
Vorzugsweiser Oberflächenbewuchs zum Schutz des Feuchtigkeitshaushaltes.
Führungsseile, dimensioniert für eine Zugkraftaufnahme von zirka 15 KN nach statischen
Erfordernissen.
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Möglichkeit eines Materialüberstandes, um das Setzungsvermögen der Kompostmasse zu kompen- sieren.
Um den Oberflächenwässerabfluss aus angrenzenden Flächen nicht hintanzuhalten, kann bei Bedarf im Wandfuss eine Grobschotterschicht --10-- eingebracht werden, wobei zwischen der Grobschotterschicht und der Komposterde eine Kunstostoff-Folie --11-- einzubringen ist.
Die Sortenwahl für die Bepflanzung erfolgt je nach Standortansprüchen und Aufstellungsort unter Berücksichtigung der Kriterien : Trockenresistenz, Auftausalzresistenz, Kletterpflanzen oder Sträucher, Frostbeständigkeit, Winterbelaubung, ob sonnseitiger oder schattenseitiger Standort, Wertigkeit als Zierpflanze und schallpegelmindernde Eigenschaften.
Um das Anwurzeln der Jungpflanzen besser sicherzustellen, ist im Füllkörper der Wand vorzugsweise eine Bewässerungseinrichtung vorzusehen, welche beispielsweise an zwei Stellen (knapp unterhalb der Oberkante und oberhalb der Mitte) mit eingelegt werden kann und welche bei Bedarf vollautomatisch ausgeführt werden kann.
Mit dem erfindungsgemässen Verfahren erfolgt ein umweltgerechtes Verwerten von humifizierten Siedlungsabfällen (Müll-Klärschlammkompost) und ein pflegearmes Begrünen durch langzeitige Nährstoffversorgung sowie ein erosionsfestes Befüllen. Es gibt keine Hohlraumbildung, daher günstiger Wasserhaushalt für Pflanzen und dauerhafter Lärmschutz. Die Pflanzenarten sind dem jeweiligen Standort (Klima, Umweltfaktoren, Topographie), den jeweiligen Ansprüchen hinsichtlich Intensität der Begrünung, Blütenschmuck, Winterbegrünbarkeit, in Abhängigkeit vom Füllmaterial, anzupassen.
Das künstliche Bewässern kann manuell oder automatisch erfolgen.
Durch die sich nach unten erweiternde Konstruktion der Wand ist ein Nachsetzen des Kompostes ohne Belastung der Netzkonstruktion möglich, ausserdem wird dadurch jegliche Hohlraumbildung unterbunden.
Nach Verwurzelung der Pflanzen sowie Kohäsion des Kompostes ist von einer ausreichenden Standfestigkeit der Wand auch ohne die miterrichtete Netzkonstruktion auszugehen.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Verfahren zum Herstellen eines Schallschutzbauwerkes aus, gegebenenfalls mit Tonmineralien angereichertem, Müllkompost, bei dem der Müllkompost in eine Hülle eingebracht wird, dadurch gekennzeichnet, dass der feuchte Müllkompost mit einer Korngrösse von 0, 01 bis 50 mm, vorzugsweise 0, 06 bis 20 mm, einem losen Schüttgewicht von 600 bis 900 g/l, vorzugsweise 750 g/l, und einem Wassergehalt von 35 bis 50, vorzugsweise 48%, in die nachgiebig ausgebildete Hülle, insbesondere schichtweise eingebracht, und gegebenenfalls in an sich bekannter Weise verdichtet wird.