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Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Ermittlung der zurückgelegten gebührenpflichtigen Fahrtstrecke eines Fahrzeuges, welches einen Fahrtenschreiber mit austauschbaren Tachoscheiben aufweist.
Für die Strassengebührenerhebung ist generell anzustreben, dass neben einem vollautomatischen System mit einem entsprechenden Gerät im Fahrzeug ein zweites System zur Verfügung steht, das ohne jede Einrichtung im Fahrzeug auskommt. Letzteres ist vor allem für Fahrzeuge erforderlich, bei denen sich die Ausstattung mit einem Fahrzeuggerät nicht lohnt oder für den Fall, dass eine solche Zusatzausrüstung nicht zumutbar ist, nämlich im wesentlichen für ausländische Fahrzeuge.
Nach einem bekannten Verfahren ist vorgesehen, dass der Fahrzeugführer oder der Disponent einer Spedition vor Antritt einer Fahrt eine Art Fahrberechtigungsticket für das entsprechende Autobahnstück kauft. Die Daten des Fahrberechtigungstickets, insbesondere das zugeordnete Autobahnstück, werden zusammen mit dem Kennzeichen des Fahrzeuges zentral in einer Datenbank gespeichert. Bei Kontrollen kann das Kennzeichen des Fahrzeugs mit dem Inhalt der Datenbank verglichen werden, ohne dass das Fahrzeug zu diesem Zweck anhalten muss. Nachteilig bei diesem Verfahren ist neben der geringen Flexibilität hinsichtlich Streckenänderung vor allem die Betrugsgefahr. Beispielsweise könnte das Fahrtberechtigungsticket nach der Fahrt als noch nicht benutzt zurückgegeben werden.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten Gattung anzugeben, welches eine flexiblere Anwendung bei verbesserter Manipulationssicherheit gestattet.
Erfindungsgemäss wird die Aufgabe durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
Durch die Bezahlung der Benutzungsgebühr nach Beendigung der Fahrt und in Abhängigkeit von der tatsächlich benutzten gebührenpflichtigen Fahrtstrecke, ergibt sich ein flexibles und benutzerfreundliches System. Streckenänderungen oder der kurzfristige Antritt einer nicht geplanten Fahrt sind problemlos möglich. Dabei wird vorausgesetzt, dass immer ein ausreichender Vorrat an Wertscheiben, die bei gebührenpflichtigen Streckenabschnitten anstelle der Tachoscheiben zu wenden sind, vorhanden ist. Des weiteren wird vorausgesetzt, dass das Fahrzeug mit einem Fahrtenschreiber der üblichen Bauart ausgestattet ist. Diese Bedingung dürften alle schweren LKW erfüllen ; und nur für diese Fahrzeuge ist das Gebührenerfassungssystem vorgesehen.
Um die auf Autobahnen beziehungsweise auf gebührenpflichtigen Strassen zurückgelegte Strecke manipulationssicher zu erfassen, reicht es, die bisher benutzten Tachoscheiben durch gegen Vervielfältigung geschützte Wertscheiben zu ersetzen. Diese Wertscheiben sollten sich optisch auffällig von den üblichen Tachoscheiben unterscheiden. Beispielsweise könnten die Wertscheiben die Struktur von Geldscheinen haben. Das Wechseln der Scheiben beim Auffahren auf eine gebührenpflichtige Strasse beziehungsweise beim Verlassen einer solchen Strasse muss so organisiert sein, dass dadurch nicht die Sicherheit des Strassenverkehrs beeinträchtigt ist. Vorzugsweise sollte dafür gesorgt sein, dass das Fahrzeug auf jeden Fall Gelegenheit hat, zum Wechseln der Scheiben anzuhalten.
Nach Beendigung der Fahrt oder innerhalb einer bestimmten vorgegebenen Frist nach Beendigung der Fahrt, müssen die gebrauchten Wertscheiben zwecks Abrechnung der Strassenbenutzungsgebühren einer Abrechnungsstelle zugeführt werden. Dazu kann der Fahrer oder der Disponent die Strassenbenutzungsgebühren direkt in der Abrechnungsstelle entrichten. Denkbar ist aber auch eine Art automatisches Abbuchungsverfahren, bei dem die Spedition regelmässig die gebrauchten Wertscheiben an eine Abrechnungsstelle schickt, welche anhand der auf der Wertscheibe gespeicherten Daten eine Abbuchung der entsprechenden Gebühr von einem Konto der Spedition veranlasst. Gleichzeitig schickt die Abrechnungsstelle der Spedition neue Wertscheiben zur zukünftigen Benutzung.
Die als Wertscheiben ausgeführten Tachoscheiben zeichnen die Fahrtstrecke nicht als Ortskurve, sondern als Geschwindigkeit in Abhängigkeit von der Urzeit auf. Die Fahrtstrecke, das heisst die Länge der zurückgelegten gebührenpflichtigen Strecke ergibt sich dann als Integral der Geschwindigkeit über die Zeit.
Die Registriernummern der Wertscheiben und deren Zuordnung zur Fahrzeugkennzeichnung gestattet auf einfache Weise eine eindeutige und nachvollziehbare Verfolgung der "Lebensgeschichte" einer Wertscheibe. Falls diese innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne, beispielsweise ein halbes Jahr, nach ihrer Ausgabe noch nicht an die Abrechnungsstelle zurückgegeben oder
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geschickt worden ist, kann beispielsweise ein automatisches Erinnerungsverfahren mit dem Halter des Fahrzeugs des registrierten Fahrzeugkennzeichens eingeleitet werden. Um akzeptable Gebührengerechtigkeit zu erreichen, können die Wertscheiben Fahrzeugklassen und gegebenenfalls auch Tarifgebieten zugeordnet sein.
Zentraler Einrichtungsgegenstand der Abrechnungsstelle ist eine Vorrichtung zum Auslesen der auf der benutzten Wertscheibe gespeicherten Fahrtstreckendaten. Diese Vorrichtung könnte zum Beispiel als eine Art Scanner mit angeschlossenem Rechner ausgebildet sein. Dabei werden die Daten der Wertscheibe in den Rechner eingelesen, welcher die Länge der gefahrenen Strecke mittels Integrationsformel ermittelt. Die Streckenlänge ist dann die Grundlage für die Höhe der zu entrichtenden Streckenbenutzungsgebühren.
Die Abrechnungsstelle kann über einen Datentransfer oder andere Kommunikationsmittel mit einer zentralen Datenbank in Verbindung stehen. Diese Datenbank dient zur Speicherung der Fahrtstreckendaten und des Fahrzeugkennzeichens. Die Fahrtstreckendaten können dabei auch als Zeitintervall, für das die Abrechnung erfolgt ist, vereinfacht werden, wodurch eine erhebliche Menge Speicherplatz eingespart wird.
Gemäss Anspruch 2 kann durch Sammlung der Daten in einer zentralen Datenbank sichergestellt werden, dass bei Abrechnung und/oder Kontrolle auf nur einen Datensatz zugegriffen werden muss. Mehrer Datenbanken könnten unterschiedliche Einträge aufweisen.
Durch die Merkmale des Anspruchs 3 wird eine erhebliche Menge Speicherplatz eingespart.
Durch das Abspeichern in der Datenbank kann der Verbleib der ausgegebenen Wertscheiben überprüft werden.
Die in der zentrale Datenbank gespeicherten Daten ermöglichen im Zusammenwirken mit den Merkmalen gemäss Anspruch 4 eine einfache Kontrolle der vorgeschriebenen Benutzung der Wertscheibe. Falls von der Streckenüberwachungsvorrichtung ein Fahrzeug identifiziert wurde, das wertscheibenpflichtig ist und für das bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, beispielsweise eine Woche, nach dieser Identifizierung noch keine Strassenbenutzungsgebührenabrechnung für den Zeitpunkt der Identifizierung feststellbar ist, kann ein Ordnungswidrigkeitsverfahren oder dergleichen eingeleitet werden. In dem Fall ist davon auszugehen, dass das betreffende Fahrzeug entweder ohne Wertscheibe auf einer gebührenpflichtigen Fahrtstrecke unterwegs war oder, dass die Abrechnung der benutzten Wertscheibe noch nicht erfolgt ist.
Die Kontrolle kann mittels Feststationen oder Mobilstationen erfolgen. Feststationen können zum Beispiel als am Strassenrand installierte fotografische Geräte mit Zeitparameter ausgebildet sein. Um bewusste Manipulationen im Bereich der möglicherweise bekannten Standorte dieser Feststationen, beispielsweise Abschattung des Nummernschildes, zu vermeiden, sollten nach Art der mobilen und festen Geschwindigkeitskontrollen sporadisch auch Fahrzeuge im Einsatz sein, die die Ist-Zeit-/ Fahrzeugkennzeichen-Wertepaare an beliebigen Orten automatisch ermitteln können.
Durch die Merkmale des Anspruches 5 ist eine einfache und automatisierte Kontrolle möglich.
Als weitere Kontrollmöglichkeit, bei der eine zentrale Datenbank entbehrlich ist, bietet sich natürlich auch die Möglichkeit an, stichprobenweise Fahrzeuge aus dem Verkehr zu winken und direkt zu kontrollieren, ob eine Wertscheibe verwendet wird. Eine nach dieser Kontrolle eingesetzte Wertscheibe und Zurückstellung der Uhr vor den Kontrollzeitpunkt lässt sich als unzulässige Manipulation leicht feststellen, indem die Zeitaufzeichnung der normalen Tachoscheiben mit der Leitaufzeichnung der Wertscheibe verglichen wird, wobei im Falle einer Manipulation eine zeitliche Überschneidung, quasi gleichzeitige Benutzung der Tachoscheibe und der Wertscheibe, festgestellt werden müsste.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines figürlich dargestellten Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Die Figur zeigt eine schematische Darstellung der wesentlichen Bestandteile eines Systems zur Ermittlung einer gebührenpflichtigen Fahrtstrecke. Im wesentlichen besteht dieses System aus Abrechnungsstellen 1, Fahrzeugen 2, die mit einem Fahrtenschreiber mit austauschbaren Tachoscheiben 3 ausgestattet sind, Streckenüberwachungsvorrichtungen 4 im Bereich einer gebührenpflichtigen Fahrtstrecke 5 und einer mit einer Vergleichsvorrichtung 6 verbundenen zentralen Datenbank 7. Der Fahrtenschreiber wird üblicherweise mit allgemein nutzbaren Tachoscheiben 3 benutzt, die das Fahrzeug 2, insbesondere ein Lastkraftwagen, als Vorrat mit sich führt, wobei auf
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der Tachoscheibe 3 die Geschwindigkeit in Abhängigkeit von der Uhrzeit aufgezeichnet wird.
Um die, beispielsweise auf einer Autobahn, zurückgelegte gebührenpflichtige Fahrtstrecke 5 manipulationssicher zu erfassen, ersetzt der Fahrer die bisher benutzten Tachoscheiben 3 durch gegen Vervielfältigung geschützte Wertscheiben 3'. Innerhalb einer vorgegebenen Frist nach Beendigung der Fahrt, beispielsweise 7 Tage, bringt der Fahrer oder der Disponent einer Spedition die gebrauchten Wertscheiben 3' zu der Abrechnungsstelle 1. Dort wird die Wertscheibe 3' ausgewertet, indem aus den aufgezeichneten Daten - Geschwindigkeit und Zeit - die gefahrene Strecke ermittelt wird. Entsprechend dieser Streckenlänge und gegebenenfalls zusätzlich von der Fahrzeugklasse und/oder vom Tarifgebiet abhängig, stellt die Abrechnungsstelle 1 einen Betrag für die Benutzung der gebührenpflichtigen Fahrtstrecke 5 in Rechnung.
Ausserdem wird von der Abrechnungsstelle 1 das Zeitintervall, für das Strassenbenutzungsgebühren bezahlt wurden, und das Kennzeichen des Fahrzeugs 2 via Datenleitung 8 oder Funk an die zentrale Datenbank 7 übermittelt. Der Fahrer beziehungsweise Disponent erhält neue Wertscheiben 3' für den zukünftigen Gebrauch. Dabei müssen die Wertscheiben 3' dem Fahrzeugkennzeichen zugeordnet sein und dürfen nur in der Reihenfolge ihrer Registriernummern verwendet werden. Die Zuordnung der ausgegebenen Wertscheiben 3' zu dem Fahrzeugkennzeichen wird in einer Datenbank der Abrechnungsstelle 1 abgespeichert und dient zur Überprüfung des Verbleibs der ausgegebenen Wertscheiben 3'.
Ein vorteilhaftes Kontrollverfahren der ordnungsgemässen Benutzung der Wertscheiben 3' greift auf die in der zentralen Datenbank 7 gespeicherten Daten zurück. Die Streckenüberwachungsvorrichtung 4 erkennt ein Fahrzeug 2, das zum Kreis der gebührenpflichtigen Fahrzeuge gehört und registriert das Fahrzeugkennzeichen und die Ist-Zeit, zu der das Fahrzeug 2 den Standort der Streckenüberwachungsvorrichtung 4 passiert hat. Dieser Beweismitteldatensatz wird zunächst in der Streckenüberwachungsvorrichtung 4 oder nach Übermittlung 9 zur zentralen Datenbank 7 in dieser zwischengespeichert.
Wenn in der vorgegebenen Zeit, zum Beispiel eine Woche, in der zentralen Datenbank 7 nicht die Meldung der Abrechnungsstelle 1 eingegangen ist, dass zu der registrierten Zeit von dem "geblitzten" Fahrzeug eine Wertscheibe 3' benutzt wurde, wird der vollständige Beweismitteldatensatz von der Streckenüberwachungsvorrichtung 4 beziehungsweise von der zentralen Datenbank 7 angefordert und zur Einleitung von Sanktionen verwendet. Ob eine korrekte Benutzung der Wertscheibe 3' stattgefunden hat, ermittelt die Vergleichsvorrichtung 6, indem anhand des Parameters Fahrzeugkennzeichen die von der Streckenüberwachungsvorrichtung 4 ermittelte Zeit, zu der das Fahrzeug 2 registriert wurde, als Zeitpunkt innerhalb eines Zeitintervalls, für das Strassenbenutzungsgebühren bezahlt wurden, gesucht wird.
Vorausgesetzt wird, dass der Fahrtenschreiber nicht manipuliert ist und die Wertscheibe 3' sowie die normalen Tachoscheiben 3 nicht gefälscht werden, um einen zusammenhängenden Zeitraum vorzutäuschen.
Dieser Täuschungsversuch kann jedoch durch bekannte Massnahmen beliebig verkompliziert werden.
Die Erfindung beschränkt sich nicht auf das vorstehend angegebene Ausführungsbeispiel. Vielmehr ist eine Anzahl von Varianten denkbar, welche auch bei grundsätzlich anders gearteter Ausführung von den Merkmalen der Erfindung Gebrauch machen.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Ermittlung der zurückgelegten gebührenpflichtigen Fahrtstrecke (5) eines
Fahrzeuges (2), welches einen Fahrtenschreiber mit austauschbaren Tachoscheiben (3) aufweist, dadurch gekennzeichnet, dass bei Befahren eines gebührenpflichtigen Strassen- abschnittes als Weitscheiben (3') ausgebildete Tachoscheiben (3) benutzt werden, welche vorzugsweise bestimmten Fahrzeugklassen bzw. Tarifgebieten zugeordnet sind, diese
Wertscheiben (3') nach der Benutzung einer Abrechnungsstelle (1) vorgelegt werden, und die Abrechnungsstelle (1) die Länge der zurückgelegten gebührenpflichtigen Fahrtstrecke (5) durch Auswertung der auf der Wertscheibe (3') aufgezeichneten Daten ermittelt.