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Die Erfindung betrifft ein Leder, insbesondere ein Rindleder, das an seiner Oberfläche mit einer eine Narbung aufweisenden, ein mattes Aussehen bewirkenden Beschichtung versehen ist. Ferner betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung eines solchen Leders.
Beispielsweise in der Autoindustrie für die Herstellung von Überzügen und in der Schuhindustrie besteht der Wunsch nach Ledern, bei welchen die mit einer Narbung versehene Oberfläche ein mattes Aussehen besitzt, wobei die Forderung besteht, dass sowohl die Narbkuppen als auch die Narbtäler den gleichen Glanzwert aufweisen.
Glanzwerte werden in Glanzgraden bestimmt, wobei die Messung auf Reflektometern nach DIN 67530 bzw. ISO 2813 bzw. nach ASTM D523 erfolgt. Hierbei wird die Oberfläche der Probe unter einem definierten Winkel angestrahlt und das reflektierte Licht fotoelektrisch gemessen. Matte Lederoberflächen weisen beispielsweise einen Glanzgrad von 0, 7 auf.
Ein mattes Aussehen der Narbenseite des Leders wurde bisher durch Aufsprühen von sogenannten Mattlacken auf die genarbte Lederoberfläche bewirkt. Beispielsweise wird ein Polymerlack mit darin befindlichem amorphen Siliziumdioxyd verwendet. Bei einer solchen Vorgangsweise lässt sich keine Mattigkeit mit weniger als 0, 7 Glanzgraden erzielen. Vor allem aber ist bei diesem bekannten Verfahren nachteilig, dass die Gefahr einer Rückpolierbarkeit besteht, d. h., dass insbesondere die Narbkuppen durch Anwendung von Druck und/oder Reibung wieder einen höheren Glanzgrad annehmen. So ist beispielsweise ein Unterschied bereits erkennbar, wenn mit der Oberseite eines Fingernagels auf der mit einem Mattierungslack behandelten Lederoberfläche gerieben wird.
In der Praxis werden bereits bei der Verarbeitung derartiger Leder in der Auto- und Schuhindustrie diese zwangsläufig gerieben und gepresst, so dass es bereits dann, vor allem aber auch bei der späteren Verwendung der betreffenden Produkte zu einer unerwünschten Veränderung der Glanzwerte kommt.
Die vorliegende Erfindung hat sich zur Aufgabe gestellt, die erwähnten Nachteile zu vermeiden und ein Leder, das an seiner Oberfläche mit einer ein mattes Aussehen bewirkenden Beschichtung versehen ist, sowie ein Verfahren zur Herstellung eines solchen Leders zu schaffen, wobei vor allem die Mattigkeit der Narbkuppen, die ja besonders beansprucht werden, auch dann erhalten bleibt, wenn die Lederoberfläche einer Druck- und Reibungsbelastung ausgesetzt ist.
Zur Lösung dieser Aufgabe schlägt die Erfindung vor, dass die ein mattes Aussehen bewirkende Beschichtung aus einer vernetzten, zumindest im Bereich der Narbkuppen eine matte Oberseite aufweisenden Polyurethanschicht besteht, die durch eine Klebeschicht mit der Lederoberfläche verbunden ist. Als Leder wird hierbei bevorzugt Rindleder verwendet und zwar sowohl Narbenieder, dessen Narbenseite vor dem Aufbringen der Beschichtung leicht angerauht wird, als auch insbesondere Spaltleder. Vor allem bei Verwendung von Spaltleder wird der zusätzliche Vorteil erzielt, dass durch die Polyurethanschicht nicht nur
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das matte Aussehen erreicht wird, sondern dass diese Polyurethanschicht auch die Narbung aufweisen kann, sodass Mattigkeit und Narbung in wirtschaftlicher Weise in einen einzigen Arbeitsvorgang hergestellt werden können.
Es hat sich gezeigt, dass beim erfindungsgemässen Leder auch nach langer Benutzung die ursprüngliche Mattigkeit erhalten bleibt. Bei einem erfindungsgemässen Leder, bei dem sowohl die Narbkuppen als auch die Narbtäler die gleichen Glanzwerte aufweisen, ändern sich diese somit nicht und das Leder weist eine gleichmässige Mattigkeit auf. Die Erfindung ermöglicht es aber auch, ein dekoratives Leder herzustellen, bei dem die Narbtäler glänzend und lediglich die Narbkuppen glatt sind, wobei auch bei einem solchen Leder keine Veränderung der Glanzwerte erfolgt und somit dieses Leder ein bleibendes formschönes Aussehen besitzt.
Wird beispielsweise ein erfindungsgemässes Leder, bei welchem mit dem eingangs erwähnten Reflektometer bei einem definierten Winkel von 60 Grad ein Glanzgrad von 0, 6 ermittelt wurde, in einem VESLIC-Prüfgerät getestet, bei dem anstelle eines Filzplättchens ein Plättchen mit einer glatten Oberfläche aus einem harten Kunststoffmaterial, wie beispielsweise Polycarbonat oder Polyamid verwendet wird, so zeigt sich, dass das erfindungsgemässe Leder nach 250 Zyklen auf den Narbkuppen noch den gleichen Glanzgrad, nämlich 0, 6 aufweist, wie am Beginn des Testversuches, wogegen bei einem mit einem Mattierungslack behandelten Leder bei einem Test im VESLIC-Prüfgerät bereits nach 20 Zyklen der Glanzgrad von 0, 6 auf 0, 9 und nach 30 Zyklen von 0, 6 auf 1, 0 verändert wurde.
Vorzugsweise besteht die Polyurethanschicht aus einer verfestigten, vernetzten Polyurethandispersion, die zweckmässig auf eine Form aufgebracht, vorzugsweise aufgesprüht wird, deren Oberseite von einem mit einer zumindest teilweise matten Oberfläche versehenen Leder abgeformt ist. Es kann hierbei ein genarbtes Leder verwendet werden, dessen Oberfläche zumindest dort, wo die von der verfestigten Polyurethandispersion gebildete Polyurethanschicht matt sein soll, also beispielsweise im Bereich der Narbkuppen, mit dem erwähnten Mattierungslack behandelt ist, der soviel Mattierungsteilchen aufweist, dass die Lederoberfläche nach dem Trocknen des Lacks extrem matt ist, und zwar so matt, dass ein solches Leder in der Praxis gar nicht benützt werden könnte, weil eine extrem grosse Rückpolierbarkeit vorhanden wäre.
Die Mattigkeit dieses Leders überträgt sich auf die Oberseite der Form und wird von dort auf die auf dieser Oberseite gebildete Polyurethanschicht übertragen, die keine Rückpolierbarkeit aufweist. Während bei den bekannten Ledern die das matte Aussehen bewirkende Lackschicht dünner als 0, 01 mm ist, weist beim erfindungsgemässen Leder die Polyurethanschicht eine Dicke zwischen 0, 01 mm und 1, 2 mm, vorzugsweise mehr als 0, 04 mm auf und ist somit ein homogener Bestandteil der Beschichtung.
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Als zweckmässig hat es sich erwiesen, wenn die Klebeschicht aus einer vorzugsweise Polyurethan enthaltenden Polymerschicht besteht, durch welche eine untrennbare Verbindung zwischen der Lederoberfläche und der Polyurethanschicht bewirkt wird.
Das erfindungsgemässe Verfahren zur Herstellung eines Leders, das an seiner Oberfläche mit einer eine Narbung aufweisenden, ein mattes Aussehen bewirkenden Beschichtung versehen ist, ist im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass auf die zumindest im Bereich der Narbkuppen matte und vorzugsweise strukturierte Oberseite einer Form eine vernetzbare Polyurethandispersion in einer Dicke zwischen 0, 01 mm und 1, 2 mm aufgetragen und verfestigen gelassen wird, und dass die so gebildete Polyurethanschicht unter Vermittlung einer Klebeschicht mit der Oberfläche des Leders verbunden wird.
Hierbei wird eine Form verwendet, deren Oberseite von der zumindest im Bereich der Narbkuppen mit einem Mattierungslack behandelten Oberfläche eines mit einer Narbung versehenen Leders abgeformt wird, sodass sich die matte Oberseite der Form auf die aus der verfestigten Polyurethandispersion gebildete Schicht überträgt. Es kann dabei eine Form aus Silikonkautschuk oder aus Metall bzw. Metallegierungen mit einem Schmelzpunkt von weniger als 4200C verwendet werden.
Die Verbindung der auf dieser Form hergestellten, eine matte Oberseite aufweisenden Polyurethanschicht mit der Oberseite des Leders erfolgt dadurch, dass auf diese Polyurethanschicht und/oder auf die Oberseite des Leders eine vorzugsweise Polyurethan enthaltende Polymerdispersion oder -lösung aufgebracht und hierauf die Oberseite des Leders in Anlage an die Polyurethanschicht gebracht wird.
Die Erfindung ermöglicht es, ganze Rindshäute, halbe Häute, Spaltleder und Formatzuschnitte und auch Formatteile mit einer ein mattes Aussehen bewirkenden Beschichtung zu versehen und auch lediglich partiell auf diesen Materialien eine solche Beschichtung aufzubringen.
In der Zeichnung ist die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispieles schematisch erläutert, das in stark vergrösserter Darstellung einen Ausschnitt aus einem erfindungsgemässen Leder im Schnitt darstellt.
Die Oberfläche 1 eines Leders 2 ist unter Vermittlung einer Klebeschicht 3 mit einer Polyurethanschicht 4 verbunden, die an ihrer Oberseite 5 eine Narbung aufweist, wobei zumindest die Narbkuppen matt ausgebildet sind. Das Leder 2 kann hierbei ein Narbenleder sein, in welchem Fall die die Narben aufweisende Lederoberfläche 1 aufgeraut ist, es kann aber auch ein Spaltleder verwendet werden. Die Polyurethanschicht 4 wird durch Auftragen einer Polyurethandispersion auf eine Form gebildet, deren Oberseite eine Strukturierung aufweist, sodass die in der Zeichnung dargestellte Narbung entsteht. Die Oberseite der Form wird von Oberfläche eines mit einer Narbung versehenen Leders abgeformt, wobei diese Oberfläche des Leders zumindest im Bereich der Narbkuppen mit einem Mattlack
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behandelt ist.
Dies bewirkt, dass auch die Oberseite der Form an diesen Stellen matt ist und sich die Mattigkeit auf die auf der Form gebildete Polyurethanschicht 4 überträgt.
Die Klebeschicht 3 besteht aus einer Polymerschicht und bewirkt eine untrennbare Verbindung zwischen der Oberfläche 1 des Leders 2 und der Polyurethanschicht 4.
Die Oberseite 5 der Polyurethanschicht 4 des erfindungsgemässen Leders weist bei einem Messwinkei von 600 einen Glanzgrad von weniger als 0, 7, vorzugsweise von weniger als 0, 6 auf, der sich auch bei Ausübung von Reibung und Druck nicht verändert.