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Einrichtung zum Aussetzen von Rettungsbooten.
Die Erfindung bezieht sich auf eine Einrichtung zum Aussetzen von Rettungsbooten jener Art, bei welcher an jeder Aussetzstelle zwei übereinander angeordnete Boote angeordnet sind und jedes Bootpaar von einer Zentralstelle, z. B. der Kommandobrücke aus, unter Vermittlung eines Druckmittels ausgesetzt werden kann. Hierbei bildet an jeder Aussetzstelle jedes der beiden Boote ein vollständiges, den seegesetzlichen Bestimmungen entsprechendes Rettungsboot, welches von gesonderten Aufbauten'gleichzeitig und unabhängig voneinander bestiegen werden können. und die beiderseits je an einem einheitlichen Kranarm so aufgehängt sind, dass die beiden Boote durch Niederlassen der Arme schon in die Aussetzlage gelangen.
Die Erfindung strebt im wesentlichen unter'Vereinfachung der Bauart eine Erhöhung der Sicherheit des Intätigkeittretens der Einrichtung, im Notfalle unter Ausschaltung der Möglichkeit einer Störung durch die bei Schiffsunfällen an Bord erfahrungsgemäss eintretende Verwirrung und eine wesentliche Verkürzung des zur Rettung notwendigen Zeitraumes an.
Zu diesem Zwecke finden bei der Einrichtung gemäss der Erfindung zum Betätigen der einzelnen Vorrichtungen jeder Aussetzeinrichtung, und zwar der beiden Entriegelungsvorrichtungen für jedes Boot, der Antriebsvorrichtung für den Kran und der beiden Winden zum Herablassen der Boote, Druckluftmotore Anwendung, die derart hintereinander geschaltet sind, dass ein Druckluftstrom sie in der der Reihenfolge des Intätigkeittretens der einzelnen Vorrichtungen entsprechenden Reihenfolge durchströmt und in jedem folgenden Zylinder erst nach erfolgter Arbeitsleistung in-dem vorhergehenden Zylinder zur Wirkung gelangt.
Damit werden für jede Aussetzeinrichtung nur zwei Druckmittelzuleitungen erforderlich, durch die, je nachdem, ob die Boote herabgelassen oder aufgeholt werden sollen. die Druckluft in den ersten oder letzten Druckluftmotor zuerst eingeleitet wird und sohin die einzelnen Vorrichtungen in der Reihenfolge in Tätigkeit setzt, welche das Aussetzen bzw. Aufholen der Boote erfordert.
Die Wahl von Druckluftmotoren ermöglicht, als Druckmittel Pressluft anzuwenden, es kann sohin das Druckmittel in einem an einem gegen Beschädigung bei Schiffsunfällen möglichst geschützten Ort angeordneten Behälter aufbewahrt werden. Dadurch wird gegenüber der bisher üblichen Anwendung von Dampf oder Wasser als Druckmittel der Vorteil des Fortfalles jedweder maschineller Erzeugungsanlage erzielt, mit welcher beispielsweise bei Zerstörung der Dampferzeugungsanlage des Schiffes beim Unfalle die Aussetzeinrichtung nicht mehr betätigt werden könnte.
Die Steuervorrichtung an der Zentralstelle besteht im wesentlichen aus einem von einem als Druckmittelableitung zu den Aussetzstellen dienenden Ständer getragenen Mehrweghahn, in dessen hohlen Küken die Pressluft eingeleitet wird, so dass sie durch Einstellung des Hahnes vor einer der im Ventilkasten in einer der Zahl der Aussetzstellen des Schiffes gleichen Anzahl von mit einer Austrittsöffnung des Kükens in Verbindung stehenden Auslassöffnungen durch den Ständer zu dem ersten Zylinder der gewünschten Aussetzstelle geleitet werden kann, von welcher aus sie die einzelnen Zylinder der Aussetzeinrichtung der Reihe nach durchströmt. Zum Einstellen des Hahnkükens dient ein Handhebel, der mit einem auf einer Anzeigescheibe geführten Zeiger versehen ist.
Die Erfindung betrifft ferner eine Befestigungsvorrichtung für die Boote in ihren Stühlen.
In den Zeichnungen zeigt Fig. i einen Teil eines Schiffes im Querschnitt mit zwei übereinander angeordneten Booten und der Einrichtung zum Aussetzen. Fig. 2 ist eine zugehörige Vorder-
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Fig. 4 veranschaulicht schematisch in Draufsicht ein ausgerüstetes Schiff mit der Bootsanordnung. Fig. 5 stellt, die Steuervorrichtung im Längsschnitt, teilweise in Ansicht dar, wozu die Fig. 6
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An jeder Aussetzstelle ist ausser dem Rettungsboote j ? in den Davits oberhalb noch ein zweites, gleich grosses Rettungsboot 2 angeordnet (Fig. i und 2), die im Falle des Bedarfes gleichzeitig ausgesetzt werden. Zu diesem Zwecke ist an den beiden Enden der Boote je ein aus einem Stück bestehender Kran 3, 4 vorgesehen, an welchem mittels geeigneter Flaschenzüge die Rettungsboote übereinander liegend hängen. Die Krane sind um die Achse 5 drehbar. Der Ausleger des Kranes ist mit einem Zahnbogen 6 versehen, in den eine Schnecke 7 eingreift. Diese ist in einem Bock 8 gelagert. Deren Welle trägt ein Kettenrad 9, das mit der Antriebsvorrichtung so In Verbindung steht, dass die Schnecke in Drehung versetzt werden kann. Hierdurch wird
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Zum Herablassen der Boote dienen zwei Seiltrommeln 10 und 11, auf welchen die Tragseile der Rettungsboote aufgewickelt sind. Sobald der Kran sich in der gesenkten Stellung befindet, werden die Seiltrommeln in entsprechender Weise betätigt, so dass die Boote vom Schiffe herabgelassen werden können. Zu diesem Zwecke sind die Tragseile über an den Kranausleger vorgesehene Rollen geführt.
Die Rettungsboote sind ausser Gebrauch auf Stühlen 12 gelagert (Fig. 3), an denen sie durch Haken-M festgehalten, werden. Diese Haken'sind um Bolzen. M drehbar und mit Betätigungs- stangen 15 derart verbunden, dass durch Verschieben dieser Stangen die Haken 13 verdreht werden. so dass die Befestigung. der Rettungsboote gelöst wird und diese ausgesetzt werden können.
Die Aussetzung der Rettungsboote wird von einer Zentralstelle aus mittels Druckluft herbeigeführt. Der nicht dargestellte Druckluftbehälter ist an einer geeigneten Stelle untergebracht, wo er am wenigsten der Gefahr einer Beschädigung bei Schiffsunfällen ausgesetzt ist, so dass die Einrichtung stets betriebsfähig verbleibt. Die Druckluft führt von diesem Vorratsbehälter zu den Steuervorrichtungen 16, 17 (Fig. 4), die an den Enden des Schiffes vorgesehen sein können. Vorteilhaft sind in an sich bekannter Weise zwei Steuervorrichtungen angebracht. damit für den Fall, dass bei einem Schiffsunfall eine der Vorrichtungen unbrauchbar wird, die Betätigung und Bedienung der Rettungsboote mit Hilfe der anderen erfolgen kann.
Obwohl in Fig. 4 die Rohrleitungen symmetrisch zu beiden Seiten der Längsachse des Schiffes veranschaulicht sind, so wird es sich empfehlen, die Rohranordnungen in der Mitte des Schiffes unterzubringen.
Für jedes Paar Rettungsboote sind fünf Druckluftzylinder angeordnet. Von diesen Druckluftzylindern dienen zwei Druckluftzylinder zur Entriegelung der beiden Rettungsboote, ein Druckluftzylinder zur Betätigung der Krane und zwei Druckluftzylinder zur Betätigung der Seiltrommeln, um die Rettungsboote ins Wasser herabzulassen. Im dargestellten Falle sind die Druckluftzylinder 18, 19 zur Entriegelung der Rettungsboote auf zwei verschiedenen Decks untergebracht. Der Druckluftzylinder 20 für die Betätigung des Kranes befindet sich auf dem unteren Deck, während die Druckluftzylinder 21, 22 für die Betätigung der Seiltrommeln auf dem oberen Deck angeordnet sind (Fig. 3).
Da die Anordnung selbsttätig wirken soll, stehen diese Druckluftzylinder derart miteinander in Verbindung, dass ein Druckluftstrom sie nacheinander durchströmt, wobei er in jedem Zylinder zur Wirkung gelangt, seine Wirkung dort ausübt und nachdem in dem betreffenden Zylinder von ihm die notwendige Arbeit geleistet ist, durch Weiterströmen in den folgenden Zylinder dort jeweils die notwendige Arbeit geleistet wird. Es tritt demnach die Druckluft zuerst in den Zylinder 18, entriegelt das obere Boot, um sodann in den Zylinder 19 einzuströmen und das untere Boot zu entriegeln. Ist dies geschehen, so strömt die Luft in den Zylinder 20, durch den sie die Auslegung der Krane herbeiführt.
Hierauf strömt die Druckluft nacheinander in die Zylinder 21 und 22, von denen aus zunächst die Herablassung des unteren Bootes. und sodann jene des oberen Bootes herbeigeführt wird. In Fig. II sind schematisch die Verbindungsrohre der Zylinder 19 bis 22 eingezeichnet, wobei der Steuerzylinder 18, welcher ganz gleich dem Steuerzylinder 19 ist, weggelassen wurde.
Aus dieser schematischen Darstellung in Fig. Ir ist ersichtlich, in welcher Weise die einer Bootgarnitur von zwei Booten angehörenden fünf Steuerzylinder durch Rohrleitungen hinter- einander geschaltet sind. Strömt beispielsweise die Pressluft aus dem nicht gezeichneten ersten Steuerzylinder 18 durch das Rohr. 28 in den Steuerzylinder M so wird dessen Kolben so weit
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vorgeschoben, bis die Öffnung 29 freigegeben wird. Die Pressluft strömt dann durch das Rohr 30 in den nächsten Zylinder 20, schiebt dessen Kolben auch bis an das Ende seines Hubes, worauf sich immer wieder das gleiche Spiel wiederholt, bis aus dem letzten Zylinder 22 die Pressluft durch das Rohr 31 und durch den nachher zu beschreibenden Steuerapparat entweicht.
Wird der in Fig. 5 dargestellte Steuerapparat umgeschaltet, so ist der Kreislauf der Pressluft ein umgekehrter. Es tritt dann die Pressluft zuerst durch das Rohr 32 in den Zylinder 22, betätigt alle Kolben der Steuerzylinder 22 bis 19 in umgekehrter Richtung, bis schliesslich die Pressluft durch das Rohr 33 in den Zylinder 18 strömt und von demselben durch den Steuerapparat entweicht.
Tritt die Druckluft in den Zylinder 18 ein, so verschiebt sie den daselbst befindlichen Kolben in der Richtung des Pfeiles (Fig. 3), so dass die Kolbenstange 23 durch die Betätigungsstangen 15 die Verdrehung der Haken 13 im Sinne der eingezeichneten Pfeile bewirkt. In gleicher Weise werden sodann durch Verschiebung des Kolbens im Zylinder 19 durch die Kolbenstange 24 die Haken des unteren Bootes verdreht. An den Enden der Kolbenstange 25 an dem Zylinder 20 ist eine Kette 26 angeordnet, in die zur Spannung Spannschlösser 27 eingefügt sein können.
Durch die Verschiebung der Kolbenstange im Sinne des Pfeiles im Zylinder 20 wird die Kette mitgenommen. Diese Kette ist über die Kettenräder 9 der beiden Krane geführt, so dass durch deren Verschiebung die Kettenräder und von ihnen aus die Schnecke 7 betätigt werdeu, wodurch die Auslegung der Krane erfolgt. In gleicher Weise sind die, Zylinder 21 und 22 durch deren Kolbenstangen und den daran anschliessenden Ketten, welche über Kettenräder an den Seiltrommeln 10, 11 führen, angeschlossen. Hierdurch wird die Betätigung der Seiltrommeln nacheinander herbeigeführt, so dass das Herablassen der Rettungsboote nacheinander bewirkt werden kann.
In dem vorbeschriebenen Falle wird das Aussetzen der Boote bewirkt und sohin die Druckluft zuerst in den Zylinder 18 eingeleitet, von welchem sie nach geleisteter Arbeit der Reihe nach die Zylinder 19, 20, 21 und 22 durchströmt, wobei sie jeweils von einem Zylinder erst nach geleisteter Arbeit in den folgenden eintreten kann. Aus dem letzten Zylinder 22 strömt die
Druckluft ins Freie.
Um nun das Autnolen der Hoote zu erzielen, ist es nur erltorderlich. dle L) rucklutt anstatt in den Zylinder 18 zuerst in den Zylinder 22 einzuleiten, so dass sie die Zylinder in der umgekehrten Reihenfolge, und zwar 22, 21, 20, 19 und 18 durchströmt und hierbei deren Kolben in die Anfangsstellung zurückführt, welche ihrerseits auf ihre Vorrichtungen im umgekehrten Sinne einwirken und sohin das Aufholen der Boote bewirken.
Zur Steuerung der Druckluft dient die in Fig. 5 bis IO veranschaulichte Einrichtung, wobei angenommen ist, dass auf dem Schiffe drei Aussetzstellen vorhanden sind. Die Steuereinrichtung besteht aus einem Ständer 33, der an seinem oberen Ende ein Hahngehäuse 34 mit
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griff 40 mit einem mit der Einstellscheibe 41 zusammenarbeitenden Zeiger dient. Der Küken 38 ist oben mit einer Eintrittsöffnung 42 und unten mit Austrittsoffnungen 43 versehen. Die obere Eintrittsöffnung 42 des Kükens steht durch Öffnungen 44 des Hahngehäuses mit einer Ringkammer 36 in Verbindung, in welche durch ein Zuleitungsrohr 37 die Pressluft einströmt.
Aus der Ringkammer tritt die Pressluft durch die Öffnungen 42 in den Hohlraum'des Kükens ein. Aus dem Küken gelangt die Druckluft durch die untere Austrittsöffnung 43, in diejenige von sechs im Hahngehäuse vorgesehenen, getrennten und mit je einer Einlassöffnung 45 ver- sehenen Kammern 39, vor welcher der Küken durch den. Handhebel 40 eingestellt wird.
Jede Kammer 39 ist andrerseits durch eine Öffnung 46 in ihrem Boden mit einem Hohlraum 47 in Verbindung, in welchen andrerseits an dem Ständerfusse je ein Rohrstutzen 48, 49, 50 mündet, an welche die zu der bezüglichen Aussetzstelle führende Druckleitung angeschlossen ist, so dass durch diese die Druckluft in den Druckluftzylinder für die Entriegelung des oberen Bootes eingeleitet, von wo aus sie in der beschriebenen Weise alle Zylinder der Aussetzstelle der Reihe nach durchströmt und die Auspuffluft durch den zugehörigen, gegenüberstehenden Rohrstutzen 48'49', oder 50'und durch den Hohlraum des Kükens 38 dann ins Freie tritt. Im vorliegenden Falle sind entsprechend den sechs Kammern 36 sechs Rohrleitungen 48, 48', 49, 49', 50 und 50'vorgesehen, von welchen ein Paar je zu einer Aussetzstelle führen.
Demgemäss können durch die Steuereinrichtung sohin alle Aussetzeinrichtungen des Schiffes der Reihe nach mit Druckluft gespeist werden. Mit dem Handhebel 40 ist in nicht dargestellter Weise ein Stromschliesser eines elektrischen Zeichengebers vorgesehen, wobei sich die Alarmglocken die in den Schlafräumen sowie sonstigen Aufenthaltsräumen für Menschen im Schiffe befinden. Ist infolge einer
Gefahr das Aussetzen der Rettungsboote erforderlich, so stellt zunächst der Kapitän den Hebel 40 auf Alarm, so dass das Zeichen in allen Räumen des Schiffes ertönt und'die Reisenden zu den
Rettungsbooten eilen können. Hat der Kapitän sich die Überzeugung geschafft, dass sich alle
Reisenden bei den Rettungsbooten befinden oder ersieht er, dass unter Berücksichtigung der
Lage er nicht länger warten kann und die Rettungsboote ausgesetzt werden müssen, so kann
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