Doppelsteppstichnähmaschine. Die Erfindung bezieht sich auf eine Dop pelsteppstichnähmaschine mit einem umlau fenden Greifer. Maschinen dieser Art wur den bisher so ausgebildet, dass sie bei einer Geschwindigkeit von 3500 bis 4000 Stichen in der Minute zufriedenstellend nähen, ohne zum Überhitzen zu neigen, haben jedoch an derseits ein Fassungsvermögen der Spule, das auf ungefähr 70 m eines Garnes Nr. 90 beschränkt ist. Bei diesen Maschinen ist es notwendig, den Fadenaufnehmer entspre chend der Dicke des zu nähenden Arbeits stückes von Hand einzustellen, und selbst mit einer solchen Einstellung kann die Ma schine nur Arbeitsstücke von dünner bis mittlerer Stärke nähen.
Bei den bisher bekannten Doppelstepp stichnähmaschinen liegen die Arbeitsbedin gungen so, dass eine Verzögerung in der Fa denaufnehmerwirkung mit Bezug auf die Nadelfadenschleife eintritt, so dass eine be trächtliche Fadenlockerung in dieser Schleife verbleibt, sobald die Nadel abwärts zu gehen beginnt. Diese Verzögerung ist hauptsäch lich der Grund für eine Beschädigung des Nadelfadens durch die Nadelspitze, die unter den erwähnten Arbeitsverhältnissen gleich zeitig bei der Aufwärtsbewegung des durch den Fadenaufnehmer oder Fadengeber von der Nadelfadenschleife abgezogenen Nadel fadens abwärts geht.
Da der Fadenaufneh mer seine Fadenaufnahme beendigt haben und eine Lockerung herstellen muss, wenn das Nadelöhr das Arbeitsstück durchsticht, so folgt, dass eine verzögerte Fadenaufneh- merwirkung .eine Verzögerung in der Her stellung der Fadenlockerung bedingt, und es war demzufolge notwendig, den Zeitpunkt, an dem das Nadelöhr das Arbeitsstück er reicht, dadurch zu verzögern, dass die Grösse der Aufwärtsbewegung der Nadelstange über das Arbeitsstück vergrössert wird.
Diese Vergrösserung in der Hubbewegung der Na delstange erhöht aber die auftretenden Er schütterungen, verringert die Geschwindig keit,- mit der die Maschine zufriedenstellend arbeiten kann, und vergrössert auch den Ab stand zwischen dem Nadelöhr und dem Ar beitsstück während der Fadenaufnehmerwir- kung, so dass auch die Gefahr erhöht wird, dass der sich aufwärtsbewegende und weit genug seitlich ausschwingende Nadelfaden von der Nadelspitze erfasst und beschädigt werden kann.
Die Erfindung bezweckt nun die Schaf fung einer Maschine, die ein Arbeitsstück, dessen Dicke einen grösseren Spielraum haben kann, als dies bisher für ausführbar erachtet wurde, mit einer Geschwindigkeit von 3500 bis 4000 Stichen in der Minute nähen kann und mit dieser Geschwindigkeit ohne Ein stellung von Hand ein Arbeitsstück von der gcringsten bis zur grössten Stärke (ein Spiel raum von annähernd 8 mm) näht.
Ausserdem wird bezweckt, die Lockerung in der Nadelfadenschleife, nachdem sie über die Spule abgeworfen worden ist, im wesent lichen vollständig aufzunehmen, bevor die Nadel ihren Niedergang beginnt, so dass die Gefahr einer Beschädigung des Fadens durch die Nadelspitze auf ein Mindestmass be schränkt wird, mit dem hieraus folgenden wichtigen Vorteil, dass ein Arbeitsstück von der grössten Dicke mit dem kleinsten Nadel- hube genäht werden kann.
Versuche haben ergeben, dass durch Ver einigung eines Fadenaufnehmers, der durch eine Kurbel und einen Lenker betätigt wird, mit einem umlaufenden Greifer, der drei Um drehungen bei einer jeden Auf- und Abbewe- gung der Nadel ausführt, es möglich ist, die Aufnahme der Nadelfadenschleife im we sentlichen bis zu dem Zeitpunkt zu beendi gen, in welchem die Nadel ihren höchsten Punkt erreicht, und die Fadenlockerung be trächtlich früher in der Abwärtsbewegung der Nadel herzustellen, als dies bisher mög lich war.
Da die Dicke des Arbeitsstückes, die eine Maschine der in Frage kommenden Art nähen kann, durch den Abstand des Na delöhrs von der Stoffoberseite zur Zeit der Herstellung der Fadenlockerung durch den Fadengeber bestimmt wird, so ergibt sieh, dass es somit bei der angegebenen Ausbildung der Nähmaschine möglich ist, ein Arbeits stück bis zur grössten Dicke mit einem sehr kleinen Nadelstangenhube zu nähen, was ein wesentliches Erfordernis einer schnellaufen den Maschine ist.
In den Zeichnungen ist eine Ausfüh rungsform des Erfindungsgegenstandes bei spielsweise dargestellt, und zwar ist: Fig. l ein lotrechter Längsschnitt durch das Gestell der Nähmaschine, Fig. 2 veranschaulicht die gegenseitigen Stellungen der Nadelstange und des Faden- aufilehmers zu Begiiln der Fadenaufnehmer wirkung; Fig. 3 zeigt die gegenseitigen Stellungen Von Nadelstange und Fadenaufnehmer, wenn die Nadelfadenschleife auf dem Arbeitsstück festgezogen worden ist; Fig. 4 stellt den Fadenaufnehmer dar der im Begriff ist, zu Beginn der Abwärts bewegung der Nadelstange eine Fadenlocke rung herzustellen.
1 ist die Grundplatte der Nähmaschine, 2 der Ständer des Maschinenrahmens 3, der in den Kopf 4 ausläuft. Die Maschinen antriebwelle 5 ist in dem Arm 3 gelagert und trägt den die Nadelstange betätigenden Kur belzapfen 6 und den den Fadengeber betäti- genden Kurbelzapfen 7. Der Kurbelzapfen 6 ist mittelst des üblichen Lenkers 8 mit der die Nadel 10 tragenden Nadelstange 9 ver bunden.
Die Maschinenantriebswelle 5 trägt das übliche Schwungrad 11, und auf ihr ist das Kegelrad 12 befestigt, das mit dem Kegel rüde 13 auf dem obern Ende der aufrecht stehenden Welle 14 in Eingriff steht, die an ihrem untern Ende das Kegelrad 15 trägt, welches mit dem Kegelrüde 16 auf der Grei- ferwelle 17 in Eingriff steht, die in Lagern 18 unterhalb der Grundplatte 1 gelagert ist. Das Übersetzungsverhältnis dieser Räder ist so gewählt, dass der Crreiferw(,lle 17 drei Um drehungen bei einer Umdrehung der Ma- schinenantriebswelle 5 erteilt werden.
Der Greifer besitzt den beclierförmig gestalteten Körper 1.9, der mit dem üblichen schrägen Einschnitt 20 verseben ist, welcher die Spitze ?1. begrenzt. Das S1)11lengehäuse 22 kann in nerhalb der offenen Führungsbahn des Grei- fers unterstützt werden, ohne auf letzterem aufzuruhen.
Der Fadengeber oder -aufnehmer besitzt den üblichen, aus den starr miteinander ver bundenen Armen 23, 24 gebildeten abge kröpften Hebel, von denen der Arm 23 den den Fadengeber betätigenden Kurbelzapfen 7 umfasst, während der andere Arm, 24, mit der Fadenöse 25 versehen ist. Der Hebel 23, 24 ist an der Verbindungsstelle seiner Arme ausschwingbar auf dem einen Ende des Len kers 26 gelagert, dessen anderes Ende bei 27' auf einem Ansatz 28 innerhalb des Kopfes 4 (Fig. 2) ausschwingbar gelagert ist.
Aus den Fig. 2, 3 und 4 ist zu erkennen, dass die Mittelpunkte der Kurbel zapfen 6 und 7 annähernd zusammenfallen; der Kurbelzapfen 6 liegt im Drehsinne der Welle 5 etwas vor dem Kurbelzapfen 7 und etwas näher an der Maschinenantriebswelle 5 als der Kurbelzapfen 7.
Die Fadenspannungsvorrichtung ist voll üblicher Bauart und besitzt die Scheiben 29, die nachgiebig durch die Feder 30 auf dem Faden zusammengedrückt werden, der zwi schen ihnen hindurchgeht. Mit der Span nungsvorrichtung ist die übliche leichte Klemmfeder 31 vereinigt, die den Faden dem Fadengeber überlässt, sobald letzterer seine Aufwärtsbewegung beendet, nachdem er die Nadelfadenschleife festgezogen hat. Die Fe der 31 nimmt ferner die durch das Faden geberöhr bei der Abwärtsbewegung der Na del hergestellte Lockerung auf und verhin dert die Bildung einer Fadenlockerung unter halb des Nadelöhrs, im besonderen, wenn ein dünnes Arbeitsstück genäht wird.
Auf der Drückerstange ist der Arm 32 befestigt, der sich unter die Klemmfeder 31 erstreckt und deren untere Bewegungsgrenze entsprechend der Dicke des Arbeitsstückes bestimmt.
Arbeitsweise. Die Nadelfadenschleife wird in üblicher Weise von der Greiferspitze er fasst, ausgebreitet und über die Spule in die Abwurfstellung (Fig. 2) geführt. Der Fa denaufnehmer wirkt nun dahin, die Faden schleife schnell festzuziehen; er gestattet nur eine geringe Lockerung der Schleife, so dass letztere dem schleifenzurückhaltenden Ab satz 33 bei dessen Aufwärtsbewegung folgt. Die Fadengeberwirkung (Fig. 2) beginnt zweckmässig nicht eher, als bis das Nadelöhr eine Höhenlage von in Wirklichkeit mehr als ungefähr 8 mm oberhalb der Stichplatte er reicht hat, und die Schleife auf dem Arbeits stück festgezogen ist. Dieses Festziehen der Schleife ist also beendet, bevor die Nadel ihre Abwärtsbewegung beginnt (Fig. 3).
Aus Fig. 3 ist zu erkennen, dass, obgleich die Nadelfadenschleife auf dem Arbeitsstück festgezogen worden ist, der Fadenaufnehmer noch nicht vollständig die Grenze seiner Auf wärtsbewegung erreicht hat. Die weitere Aufwärtsbewegung des Fadenaufnehmers hebt die Klemmfeder 31 in ihre obere Grenz- lage (Fig. 4) und zieht durch die Spannvor richtung 29 eine Fadenmenge gleich derjeni gen hindurch, die zur Herstellung des eher beendigten Stiches gebraucht wurde.
Wenn ein dickeres Arbeitsstück genäht -wird, wird der Arm 32 emporgehoben und lüftet die Fe der 31 um einen entsprechenden Betrag, so dass der Abstand verringert wird, um den die Feder durch den Fadenaufnehmer gelüftet wird. Der Fadenaufnehmer wird somit ver- anlasst, eine grössere Menge von Faden von dem Vorrat abzuziehen.
Aus Fig. 4 ist zu ersehen,. dass der Fadenaufnehmer im Be griff ist, eine Fadenlockerung gleich zu Be ginn der Abwärtsbewegung der Nadel herzu stellen, so dass eine Fadenlockerung vorhan den ist, selbst wenn die Nadel Blas diekste Arbeitsstück zu durchstechen hat, während eine sehr geringe Länge der Nadelbewegung beibehalten wird.