Verfahren zur Sicherung von Böschungen. Stützmauern zur Sicherung von Böschun gen können unterschieden werden in solche, die freistehend aufgebaut und dann erst mit einer Aufschüttung hinterfüllt werden (eigent liche Stützmauern) und solche, die nur bis zur Oberfläche des Geländes oder einer schon bestehenden ruhenden Auffüllung reichen (Futtermauern). Die bisherige Berechnungs weise behandelt beide gleich.
Gegenstand der Erfindung ist ein Ver fahren zur Befestigung von Böschungen, mit- telst dessen ausserordentliche Ersparnisse an Baustoff' und Arbeitszeit erzielt werden kön nen.
Heute ist der Dimensionierung aller Stütz mauern, gleichgültig um welche Konstruk tion es sich handelt, gemeinsam, dass die Mauerabmessungen derartig stark gemacht werden, däss sie dem Erddruck Widerstand leisten können. Der Erddruck besonders bei höheren Mauern ist eine sehr grosse Kraft und seine Abwehr erfordert einen sehr grossen Aufwand an Baustoffen und Arbeit.
Die Standfähigkeit des Erdreichs (Erde, Sand, Kies, Gerölle etc., auch trockener Lehm oder Lehm-Steingemenge) zeigt zwei verschie dene Grenzwerte: Die Anfangsstandfähigkeit und die Beharrungsstandfähigkeit.
Die Anfangsstandfähigkeit des frisch ab gegrabenen Bodens ist viel grösser, als der einfachen Reibung zwischen seinen trockenen Teilen entsprechen würde. Das beweist jede Kiesgrube, alle wunden Fluss- und Meeres ufer, jede Baggerstelle, besonders wo Löffel bagger arbeiten. Sogar Aufschüttungen .von wenigen Monaten Alter gestatten schon wie der ohne einzustürzen Abgrabungen, die er heblich steilere Neigung haben als der Rei bungswinkel, ja eingeschwemmtes Land schon unmittelbar nach erfolgter Wasserversicke rung. In der Anfangsneigung befindet sich der Erdkörper im Gleichgewicht: Da von vorn her, also von der freien Seite, keine Kraft drücken kann, kann auch von hinten kein Erddruck wirken.
Es ist also zweifellos die Kraftwirkung der Erdschwere durch Ge genwirkung anderer Art so vollständig ge bunden, dass kein Erddruck mehr auftritt.
Aber die Anfangsstandfähigkeit des unge bundenen Bodens ist nicht von Dauer. Frost, Trockenheit und Wind oder Nässe lösen das Gefüge, genau so wie das Gefüge in den ab gegrabenen ("gelösten") Bodenmengen gelöst wird. Wenn der Frost weicht oder trocken Wetter anhält, lösen sich die Schollen ab oder es fallen fast ununterbrochen Sandkör ner oder Kiesel herab, bis sich die Behar- rungsneigung ausgebildet hat, welche ziem lich genau der einfachen Reibung zwischen den trockenen Teilen entspricht.
Die bisherige Futtermauerberechnung geht von diesem Beharrungszustand aus und muss es auch wegen der bisherigen Bauweise. Es ist aber zu beachten, dass der Erddruck erst durch die Arbeitsweise, nämlich das Auf graben entfesselt wird und die ausserordent lich weitgehenden baulichen Massnahmen, die zu seiner Wiederunschädlichmachung aufge wendet werden müssen, hinwegfallen können, wenn es gelingt, das Erdreich in seiner ur sprünglichen Bindung zu erhalten, denn nicht durch unvermittelte Einstürze, sondern durch allmähliche Verwitterung von aussen her, welche das Gefüge jeweils der äussersten Boden teile löst, die dann,
ihres gegenseitigen Zu sammenhanges beraubt, herunterfallen, geht ja die Anfangsstandfähigkeit verloren.
Gegen diese Lösung des Gefüges soll vor liegende Erfindung schützen. Dies wird da durch erreicht, dass der Boden höchstens bis zu einer seiner Anfangsstandfähigkeit entspre chenden Steilheit angeschnitten und sofort gegen Verwitterung geschützt wird, worauf eine lediglich zum Verblenden dienende Mauer vorgesetzt wird, die infolge der gegen Verwitterung geschützten, der Anfangsstand fähigkeit entsprechenden Abböschung des Bo dens nicht durch Erddruck beansprucht ist.
Das Verfahren gemäss der Erfindung kann beispielsweise folgendermassen ausgeführt wer den An der Stelle, wo eine Böschung erstellt werden soll, wird der Aushub nur bis zum Ort, den die Rückseite der künftigen Ver- blendmauer einnimmt, gemacht, und zwar wird der Boden höchstens bis zu der seiner Anfangsstandfähigkeit entsprechenden Nei- gung angeschnitten, nachdem er vorher er forderlichenfalls trockengelegt worden ist.
Der Aushub, wenigstens der letzten Teile des Bodens zun 'ichst der Böschung, welcher die definitive Steilheit bringt, erfolgt nur in übereinanderliegenden Einzelabschnitten und unmittelbar nach Fertigstellung jedes Einzel abschnittes wird die fertiggestellte Böschungs fläche übergossen oder bespritzt mit einer Flüssigkeit oder einem Brei, welcher während der Bauzeit den damit überzogenen Boden vor Verwitterung schützt. Als Bindemittel wird am besten Zement in Wasser, reiner Zement oder Zement mit etwas Sandzusatz verwendet; es können aber auch andere Binde mittel geeigneter Art, wie Lehmwasser, Teer und dergleichen verwendet werden.
An die so vorbereitete Erdböschung wird dann die Matter angelehnt. Die Mauer erfährt keinerlei Erddruck. Sie hat nur die Aufgabe, für die Zukunft den hinter ihr liegenden Boden vor Zerfall durch Verwitterung zu schützen, also Schutz zu sein gegen Austrock- nung, Abwasehung und besonders Frost. Sie ist keine Stützmauer, sondern eine Verblend- mauer.
Die für diesen Zweck erforderliche Stärke, das ist in unseren Breiten rund 1,10 m, kann so lange beibehalten werden, bis das Eigen gewicht des überlagernden 11Iauerteils so gross wird, dass im Querschnitt die zulässige Beanspruchung des Mauerwerkes überschrit ten werden würde. Dies wäre zum Beispiel bei einer Mauer aus Beton mit einer Würfel bruchfestigkeit von rund 90 kg pro cm2 und vierfacher Sicherheit erst bei Überschreitung einer Höhe von 100 m der Fall.
Das Verfahren kann überall Anwendung finden, wo es sich um trockenen Boden han delt, also wasserführende Schichten nicht an geschnitten werden oder deren Trockenlegung möglich ist.
Die Kosten für die Schutzhaut werden überwogen durch die Verbilligung infolge der Verringerung der Aushubmassen, da ja nur bis Mauerrückseitenort ausgehoben wird und die Hinterfüllungskosten ganz hinwegfallen, umsomehr als ja die Aushubmassen noch dadurch verringert werden, dass die .mauer viel geringere Stärke als bisher erhält.
Noch viel grösser ist die Einsparung in den .Maurerarbeiten wegen der ausserordent lichen Verringerung des Mauerinhaltes und durch die Vereinfachung der Herstellung, da es sich gewöhnlich nur um einen glatten, hinten anliegenden Mauerkörper gleichblei bender Stärke handelt.
Gleichzeitig ergibt sich eine sehr erheb liche Verkürzung der Bauzeit.