CH139768A - Kunstfaden und Verfahren und Vorrichtung zu dessen Herstellung. - Google Patents
Kunstfaden und Verfahren und Vorrichtung zu dessen Herstellung.Info
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Description
Kunstfaden und Verfahren und Vorrichtung zu dessen Herstellung. Die Erfindung betrifft einen besonders reissfesten Kunstfaden und ein Verfahren und eine Vorrichtung zu dessen Herstellung nach dem Streckspinnverfahren, insbesondere dem Kupferoxydammoniakstre.okspinnver- fahren. Man hat nach diesem Verfahren un ter .anderem .derart gearbeitet, dass man den Faden nach Verlassen des Trichters unter Spannung und Streckung abgesäuert hat.
Dabei ist man so vorgegangen, dass die Ab zugsvorrichtung sowohl die :Spannung wäh rend des Aibsäuerns wie die Spannung beim Ausziehen der Fäden im Spinntrichter er zeugte, wobei der Strom der Fällflüssigkeit im Spinntrichter unterstützend wirkte.
Der Kunstfaden nach der Erfindung, welcher aus praktisch endlosen Einzelfäden von weniger als 11/2 Denier Titer besteht, zeichnet sieh Üadurch aus, dass die Kristalle, aus denen die Einzelfäden bestehen, gerich tet sind, so dass im Röntgendiagramm die In terferenzringe verschwunden und zu einzel- neu Interferenzfleoken zusammengeschrumpft sind.
Diese Kunstfaser zeigt eine besondere Reissfestigkeit und .der vorzugsweise aus Kupferoxydammoniakzellulose erzeugte. nach dem Streckspinnverfahren hergestellte Kunst faden kann mehr als 220 gr Reissfestigkeit auf<B>100</B> Denier in trockenem Zustand be sitzen. In nassem Zustand kann. der gleiche Faden eine Reissfestigkeit von über 140 gr auf 100 Denier aufweisen.
Denier ist lein Mass der Fadenstärke, das in der iSeidenindustri.e üblich ist. Die An zahl der Denier ist .gleich der Anzahl Gramm, die ein Faden von 9000 m Länge wiegt.
Man kann aus den gleichen Einzelfäden, wie sie zur Herstellung von Garnen Verwen dung finden. auch Fasern sogenannte Stapel fasern herstellen. Auch die daraus her gestellten Garne besitzen gegenüber den bis her aus Stapelfasern hergestellten Garnen eine erhöhte Festigkeit. Die bisher bekannten Garne der geschil derten Art aus Kupferoxydammoniakzellu- lose besassen in der Regel höchstens eine Reissfestigkeit von 170 bis 185 gr in trockenem und 85 bis 95 gr in nassem Zu stand.
Der technische Fortschritt gegenüber den -bekannten Garnen liegt also in der Er höhung der Reissfestigkeit und damit in einer weitergehenden Angleichung an die Festig keit der aus natürlichen Zellulosefasern her gestellten Garne.
Zur Herstellung dieses Fadens verfährt man so, dass die Fäden durch die Fällflüssig- keit im Spinntrichter nur vorgeformt (vor gestreckt) und so weit koaguliert werden, d'ass sie beim Austritt aus dem Spinntrichter noch plastisch sind, worauf die Fäden nach Austritt aus dem Spinntrichter und vor der endgültigen Erhärtung einer abermaligen er heblichen Streckung unterworfen werden. Das Verhältnis der endgültigen Streckung ausserhalb des ,Spinntrichters zur vorläufigen Streckung im Spinntrichter kann so gross ge wählt werden, dass .der Faden eine erhöhte, bisher unerreichte Festigkeit erhält.
Die völlige Erhärtung des Fadens ausser lia.lb des Spinntrichters kann in 'üblicher \eise durch Absäuern stattfinden. Das Ab säuern kann stattfinden, nachdem die Fäden den Spinntrichter verlassen haben. Dann muss die Streckung jedoch so eng an die Säurebehandlung anschliessen, d,ass sie be wirkt ist, bevor .die völlige Erhärtung der Fäden unter der Einwirkung der -Säure stattfindet. Man kann auch die Absäuerung erst nasch der endgültigen zweiten Streckung vornehmen.
Es ist gelegentlich bekannt geworden, Kunstseide nach .dem Verlassen des Spinn trichters zwischen diesem und der Sammel- vorrichtung etwas nachzustrecken, jedoch ohne die Absicht einer Festigkeitserhöhung und ohne @Erfol:g. In den bekann ten Fällen betrug die Nachstreckung etwa <B>10%,</B> höchstens<B>15%.</B> Nach dem vorliegen den Verfahren kann jedoch die Nach streckung 20 bis<B>100%</B> und mehr betragen, je nachdem, welche Festigkeitserhöhung er- 2-trebt wird.
Im Einzelfalle ist der Grad der Na.chstrecl-Iung und der Festigkeitser höhung auch von dem angewendeten Spinn verfahre n und der Zusammensetzung des Fällbades abhängig.
Zur Ausführung des Verfahrens iiaeh der Erfindung kann man eine Vorrichtung benutzen, gekennzeichnet durch die Anord nung einer Spinnvorrichtung, in welcher der Faden in strömender Fällflüssigkeit vorkoa- guliert wird, eine und eine dazwischen geschaltete, die Fadenge schwindigkeit herabsetzende Vorrichtung, welche eine erhebliche iStreckung des Fadens zwischen ihr und der Abzugsvorrichtung verursacht.
Man kann auch hinter dem Spinntrichter an .Stelle der ersten Abzugsvorrichtung einen Fadenführer oder ein System von Fa:den- fÜ:hrern anordnen und die Reibungsverhält nisse an ihnen so wählen, dass sieh die .Streckung durch die Abzugsvorrichtung nicht rückwärts bis in den Spinntrichter hin ein fortpflanzt, .mit andern Worten so, dass die Streckung im Spinntriehter allein durch die Geschwindigkeit der durchfliessenden Fällflüssigkezt stattfindet.
In allen geschilderten Fällen kann die A bsäuerung entweder kurz vor oder in der zweiten Zugvorrichtung oder auf dem Wege von dieser zur Spule, 'Haspel, ,Spinnschleu der oder dergleichen stattfinden. Es können auch eine Spule oder eine Haspel unmittel bar als zweite Abzugsvorrichtung benutzt werden. Dann findet die Absäuerung auf ihnen statt. Man kann auch den Kunstfaden im Strang nachstrecken, nur muss er sich noch in ausreichend plastischem Zustande befinden.
Auf der Zeichnung sind zwei Ausfüh rungsbeispiele einer Vorrichtung nach der Erfindung dargestellt.
Fig. 1 zeigt eine Spinnvorrichtung mit zwei Abzugsrollen und einer Spinnschleuder. Fig. 2 eine Spinnvorrichtung mit einer Abzugsrolle und einer Auflaufspule; Auf der Zeichnung ist in Fig. 3 ein Rönt gendiagramm von Kunstseide bekannter Güte und Festigkeit wiedergegeben; Fig. 4 zeigt ein Röntgendiagramm hoch reissfester Seide nach der Erfindung, Fig. 5 ein vergrössertes Querschnittsbild hochreissfester Seide nach der Erfindung. Es handelt sich um den Querschnitt durch einen Faden von 120 Denier mit 180 Fasern.
Nach Fig. 1 werden zunächst in einem Spinntrichter 1 üblicher Beschaffenheit die Fäden in strömender Fällflüssigkeit bis zu einem gewissen Grade ausgefällt und aus gezogen. Die Bewegung des Fadens im Spinntrichter wird einmal durch die strö mende Fällflüssigkeit und dann durch die mit bestimmter Geschwindigkeit angetrie bene Rolle 2 .bewirkt, die hinter üblichen Umlenkstangen 9 angeordnet ist.
Hinter der Rolle 2 ist eine ebenfalls mit bestimmter, aber grösserer Geschwindigkeit angetriebene Abzugsralle 3 angeordnet, auf die die Ab- säuerflüssigkeit aus einer Rinne 4 auffliesst. Eine Leitrolle 5 führt dann den Faden zur Spinnschleuder 6. Die Rolle 5 kann je nach der Beschaffenheit des Fadens angetrieben sein oder nicht. Unter der Rolle 3 befindet sich eine Fangschale 7 für die Absäuerflüs- sigkeit, die durch einen Stutzen 8 abgeleitet wird.
In Fig. 2 ist der Spinintrichter wiederum mit 1 bezeichnet. Hinter dem Spinntrichter 1 ist unmittelbar die Abzugsrolle 2 angeord net. Die Rolle kann mit einer Umfangs- geschwindigkeit laufen, die der dem Faden von der Fällflüssigkeit mitgeteilten Aus- trittsgeschwindigkeit aus dem Spinntrichter gleich ist. Der Faden läuft dann auf die ,Spule 10 auf, die in einem mit verdünnter Säure gefüllten Trog 11 umläuft. Der Fa den kann auch schon auf dem Wege von der Rolle 2 zur Spule 10 ein Stück vor letzterer mit Säure berieselt werden.
An Stelle der Umlenkstange 9 und der Rolle 2, Fig. 1, oder nur der Rolle 2, Fig. 2, kann ein ,System von zum Beispiel versetzt angeordneten Fadenführern, zum Beispiel voll Stangen treten die den Faden im Zick zack führen.
Gewöhnliche nach dem Streekspinnver- fahrernhergestellte Kupferseide hat zum Bei spiel trocken eine Reissfestigkeit von 160 gr. Nass :beträgt die Reissfestigkeit 85 gr. Un terwirft man die Seide einer Nachstreckung von<B>60%</B> so werden im Einzelfalle Reiss- festigkeiten von 222 bis 268 gr in trockenem Zustand und 14,6 bis<B>183</B> gr in nassem Zu- stand erzielt.
Mit dem beschriebenen Herstellungsver fahren ist es möglich, bei einer Seide mit derart erhöhter Festigkeit die Einzelfäden des Garnes, ohne dass die Gefahr des Bruches und die Bildung von Flusen und, Borsten - das sind die hervorstehenden Enden ge brochener Fäden, die ,je nach dem zur Zeit des Bruches bereits erzielten Streckungsgrad noch stärker (Borsten) oder schwächer (Flu- sen) sind - entsteht, unter ein Denier für den Einzelfaden herabzusetzen, das heisst also ein Zelluloseseidegarn aus Einzelfäden ,
von erhöhter Festigkeit und weniger als ein Denier Titer zu bilden. Dabei weist ein sol ches Garn den gleichen milden Glanz wie Naturseide auf und erreicht oder übertrifft diese in bezug auf Griff und Festigkeit, da die Einzelfäden feiner wie die der Natur seide sind. Derartige Garne sind neu und bilden ein Produkt von bisher nicht .gekann ter Güte in bezug auf Weichheit, Schmieg samkeit und Festigkeit sowie Fülligkeit.
Ein solches Garn ist zum Beispiel ein aus Kupferoxydammoniakzelluloselösung nach dem Nassstreckspinnverfahren hergestelltes Garn von einem Titer von 0,7 Denier für den Einzelfaden bei einer Reissfestigkeit von 264 g r auf<B>100</B> Denier in trockenem Zustande und 190 gr auf 100 Denier in nassem Zu stande.
Die Reissversuche, auf Grund deren die vorliegenden Zahlen festgestellt werden, ha ben bei einer Faserfeuchtigkeit von 11 % für den trockenen Zustand und in völlig durch- nässtem Zustand bei Zimmertemperatur statt gefunden. Verwendet wurde der sogenannt;@ ,Schoopersche Zerreissapparat mit. einer Ein- spannlänge von 50 ein. Die Reissgeschwin digkeit betrug 50 cm pro Minute. Die Garn nummer wurde auch bei 11 % Faserfeuchtig- heit ermittelt.
Auf dem Röntgendiagramm nach Fig. 3 und 4 rührt der mittlere weisse Fleck nur von einer Lochung im Film zur Vermeidung der von den direkten ;Strahlen erzeugten übermässigen .Schwärzung. Diese erbeben.
auch die dunkle Sehwärzung rund um den weissen Fleck. Massgebend sind' die ausserhalb der -mittleren Schwärzung @diametral: gegen- überliegenden Interferenzfle.cke. Man erkennt ,. 1 dass diese Interferenzflecke als in Fig Reste von schwächer ausgeprägten, rund um laufenden Kreisen aufzufassen sind,
während in Fig. 2 die Interferenzflecke selbst zu Bögen von noch kleinerem Zentriwinkel zu sammengeschrumpft sind und die schatten artigen Kreisreste nicht mehr zu sehen sind.
Fig. 3 beweist, dass in .den Fäden bekann ter Beschaffenheit und Festigkeit die Kri stalle noch verhältnismässig ungeordnet durcheinander liegen, während die Kristalle bei dem hochreissfesten Faden nach der Er findung .durch das Nachstrecken gerichtet worden sind. Liegen alle Kristalle regellos durcheinander, so ergeben sich vollständige Interferenzringe. ;(e weiter die Richtung der Kristalle geht, desto mehr verschwinden die Ringe, um schliesslich zu Flecken kleinen Zentrivs-inkels zusammenzuschrumpfen.
Das Querschnittsbild nach Fig. 5 lässt er kennen, dass die Einzelfäden im wesentlichen kreisrunden Querschnitt haben.
Die Abweichungen sind nichterheblich. Diese Querschnittform ist kennzeichnend für ,den Faden nach der Erfindung. Anderer Kunstfaden hat mehr oder weni"er unregel tnässigen, unter Umständen sogar nierenförmi gen Querschnitt.
Claims (1)
- PATENTANSPRÜCHE: I. Kunstfaden, bestehend aus praktisch end losen Einzelfäden von weniger als Ir Denier Titer, dadurch gekennzeichnet, dass die Kristalle, ;aus denen die Einzel fäden bstehen. gerichtet sind, so dass im Röntgendiagramm die Interferenzringe verschwunden und zu einzelnen Inter- ferenzflecken zus.ammengesehrumpft sind, was @diesem Kunstfaden eine besondere Reissfestigkeit verleiht.II. Verfahren zur Iierstellung des Kunst fadens nach Patentanspruch I, dadurch gekennzeichnet, dass die Fäden durch die Fällflüssigkeit im Spinntrichter nur vor geformt (vorgestreckt) und soweit koagu liert werden, dass sie beim Austritt aus dem Spinntrichter noch stark plastisch sind, und dass die Fäden nach Austritt aus dem Spinntrichter und vor der end- "ültigen Erhärtung einer abermaligen er- heblichen,Streckung unterworfen werden.III. Vorrichtung zur Ausübung des Ver fahrens nach Patentanspruch II, gekenn zeichnet durch die Anordnung einer Spinnvorrichtung, in welcher der Faden in strömender Fällflüssigkeit vorkoagu- liert wird, eine Abzugsvorrichtung und eine dazwischen geschaltete, die Faden geschwindigkeit herabsetzende Vorrich tung, welche eine erhebliche Streckung ,des Fadens zwischen ihr und Ader Ab7ugs- vorrichtung verursacht.UNTERANSPRüCHE 1. Kunstfaden nach Patentanspruch I, aus I%upferoxyd.ammoniakzellulose :bestehend, dadurch gekennzeichnet, dass er mehr als 220 gr Reissfestigkeit auf 100 Denier im trockenen Zustande besitzt. 2. Kunstfaden nach Patentanspruch I, aus Kupferoxydammonialzzellulose bestehend, dadurch gekennzeichnet, dass er mehr als 140 gr Reissfestigkeit auf 100 Denier im nassen Zusta.nfe besitzt. 3.Kunstfaden nach Patentanspruch I, reit Einzelfäden von 1 Denier und weniger Titer, dadurch gekennzeichnet, dass er mehr .als 220 gr Trockenfestigkeit auf 100 Denier besitzt. 4. Kunstfaden nach Patentanspruch I mit Einzelfäden von 1 Denier und weniger Titer, .dadurch gekennzeichnet, dass er mehr als 140 gr Nassfestigkeit auf<B>100</B> Denier besitzt. 5.Verfahren nach Patentanspruch 1I, da durch gekennzeichnet, d.ass die Fäden nach dem Verlassen .des Spinntrichters zunächst einer Säurebehandlung unter worfen und dann gestreckt werden, be vor durch die Säureeinwirkung die Er härtung des Fadens vollendet ist. 6. Verfahren nach Patentanspruch TI, da. durch gekennzeichnet, dass die Fäden nach der die Festigkeit erhöhenden zwei ten Streckung zwecks endgültiger Erbär- tung einer Säurebehandlung unterworfen werden.7. Vorrichtung nach Patentanspruch III, dadurch gekennzeichnet, dass die, die Fa dengeschwindigkeit herabsetzende Vor richtung ,als Rolle ausgebildet ist, deren Umfangsgeschwindigkeit ,geringer ist als diejenige der Abzugsvorrichtung. B.Vorrichtung nach Patentanspruch IIl, dadurch gekennzeichnet, .dass die, die Fadengeschwindigkeit herabsetzende Vor richtung durch ein Fadenführersysteri gebildet ist, welches die Fortsetzung der dem Faden durch die Abzugsvorrichtaii- erteilten Streckung in die Spinnvorrich tung hinein verhindert.Vorrichtung nach Patentanspruch 11I, dadurch gekennzeichnet, dass die Abzugs vorrichtung eine umlaufende Aufwiekel- spule aufweist, auf welche der fertig ge- streckte Faden aufgewickelt wird. 10. Vorrichtung ria.eli Patentanspruch III, dadurch gekennzeichnet, -dass hinter d@_#r Abzugsvorrichtung eine Spinnschleuder vorgesehen ist.
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