Elektrischer Schalter. Die elektrischen Leistungsschalter, bei denen die Unterbrechung unter Zuhilfenahme von Flüssigkeiten bewerkstelligt wird, zer fallen in zwei Gruppen. Die eine Gruppe um fasst Schalter, bei denen die Kontakttrennung innerhalb der Flüssigkeit erfolgt. Bei den Schaltern der andern Gruppe ist keine zu sammenhängende Flüssigkeit in der Umge bung der Kontakte vorhanden, sondern die Flüssigkeit wird beim Ausschalten in den Lichtbogen hineingespritzt.
Die Erfindung betrifft einen Schalter der erstgenannten Gruppe. Die Unterbrechungs stellen derartiger Flüssigkeitsschalter waren bisher stets in mit der Schaltflüssigkeit dauernd gefüllten Gefässen angeordnet, zum Beispiel bei einem Ölschalter in Löschkam- mern. Soweit leitende Flüssigkeiten verwen det wurden, hat man den beweglichen Kon takt. aus der Flüssigkeit herausgezogen und über die Oberfläche der leitenden Flüssigkeit hinausgehoben, um. -eine Isolierstrecke. zwi- scheu Kontakt und Flüssigkeitsoberfläche einzuschalten.
Bei diesen bekannten Schaltern sind in der Umgebung der Unterbrechungsstelle un nötig grosse Flüssigkeitsmassen vorhanden ; diese komplizieren den Schalteraufbau und können auch sonst noch mancherlei Nachteile mit sich bringen, ohne für die Unterbrechung förderlich zu sein. So besteht bei Anwendung nicht isolierender Flüssigkeiten der Nachteil einer schwierigen Isolation der Unterbre chungsstrecke, insbesondere bei hohen Span nungen, weshalb bei solchen Schaltern der bewegliche Kontakt aus der Schaltflüssigkeit herausgezogen und weit über den Flüssigkeits spiegel gehoben werden muss. Hierzu ist aber ein grosser Schalthub erforderlich.
Zur Vermeidung dieser Nachteile ist der elektrische Flüssigkeitsschalter gemäss der Erfindung, bei dem die Lichtbogenlöschung durch Dampf erfolgt, der aus der Flüssigkeit durch den Lichtbogen gebildet wird, mit Ein- richtungen versehen, mit deren Hilfe für jeden Unterbrechungsvorgang von neuem Flüssig keit in die Umgebung der Kontakte gebracht wird. Hierbei ist es möglich, die Menge der in die Umgebung der Kontakte gebrachten Schaltflüssigkeit auf das geringe für die Lichtbogenlöschung erforderliche Mass zu be schränken.
So kann man bei einem Schalter mit Lichtbogenlöschüng in einer Schaltkam mer die Schaltkammer durch eine beim Schal ten betätigte, Flüssigkeit fördernde Einrich tung aus einem Flüssigkeitsvorratsbehälter für jede Abschaltung mit einer kleinen Menge Schaltflüssigkeit versehen, die zum Beispiel nach vollendeter Schaltung (Lichtbogen löschung) wieder aus der Schaltkammer ent lassen werden kann. Dabei kann die Schalt kammer mit einem flüssigkeitsfreien Raum umgeben werden, was für die Lichtbogen töschung besondere Vorteile haben kann.
In der Zeichnung ist ein Ausführungsbei spiel der Erfindung dargestellt. Mit 10 ist ein Isolierrohr bezeichnet, das die Schaltkam mer eines Schalters bildet. Das Isolierrohr ist in dem aus Metall bestehenden Deckel 11 eines zylindrischen Gefässes 12 aus Metall befestigt, das auf dem Isolator 13 angeordnet ist. 14 ist der als Schaltstift ausgebildete be wegliche Kontakt des Schalters. In dem zy lindrischen Gefäss 12 befindet sich ein Kol ben 15, der durch eine Feder 16 nach oben gedrückt wird. Der Kolben ist mit Öffnungen 17 und 18 versehen und besitzt Ventilklap pen 19 und 20, die zum Verschliessen der Öffnungen dienen.
Bei eingeschaltetem Schal ter befindet sich der Schaltstift 14 in der ge zeichneten Stellung, in der er mit den den festen Kontakt bildenden und am Deckel 11 befestigten Kontaktfedern 21 in Berührung ist und mit seiner Spitze den Kolben 15 ge gen die zusammengedrückte Feder 16 fest hält. Dabei befindet sich in dem Gefäss 12 unter und über dem Kolben Schaltflüssigkeit. An das zylindrische Gefäss 12 ist ein Trich ter 22 angeschlossen. In den Trichter mündet eine umgekehrte Flasche 23, die als Nach füllbehälter dient. Die Flasche 23 mündet etwas unter dem Spiegel . der im Trichter stehenden Flüssigkeit, so dass aus der Fla sche keine Flüssigkeit austritt. An der Stelle, an der der Trichter 22 in das Gefäss 12 mün det, ist im Gefäss eine Ventilklappe 24 an geordnet.
Beim Ausschalten wird der Schaltstift 14 nach oben aus dem Isolierrohr 10 herausge zogen. Dabei wird der Kolben 15 durch die Feder 16 aufwärts bewegt, bis er am Deckel 11 anliegt. Der Kolben drückt mit anliegen den Ventilklappen 19 und 20 die über ihm befindliche Flüssigkeit in das Isolierrohr 10 hinein, die das Isolierrohr bis oben an seinen Deckel 25 füllt. Der beim Trennen der Kon takte 21 und 14 sich bildende Abschaltlicht- bogen wird dann in die das Isolierrohr 10 füllende Flüssigkeit hineingezogen. Da das Isolierrohr 10 den Schaltstift 14 eng umgibt und infolgedessen die das Rohr füllende Flüs sigkeitsmenge klein ist, wird die Flüssigkeit im Rohr 10 durch den Lichtbogen restlos verdampft.
Der Dampf strömt aus dem Rohr aus, wenn der Schaltstift 14 beim Heraus ziehen aus dem Rohr 10 die Öffnung im Deckel 25 freigegeben hat. Bei ausgeschal tetem Schalter ist also die Unterbrechungs strecke wieder flüssigkeitsfrei.
Bei der Aufwärtsbewegung des Kolbens 15 geht die Ventilklappe 24 auf und Flüs sigkeit wird aus dem Trichter 22 angesaugt. Sobald der Flüssigkeitsspiegel im Trichter 22 so tief gesunken ist, dass Luft in die Flasche 23 eintreten kann, strömt Flüssigkeit aus der Flasche 23 aus und durch den Trichter 22 in das Gefäss 12 hinein. In der Endstellung des Kolbens 15, in der er am Deckel 11 an liegt, hört der Flüssigkeitszulauf aus der Flasche 23 dadurch selbsttätig auf, dass der Flüssigkeitsspiegel im Trichter 22 wieder so hoch steigt, dass die Mündung der Flasche 23 sich unterhalb des Flüssigkeitsspiegels be findet.
Beim Einschalten wird der Schaltstift 14 wieder in das Rohr 10 hineingeschoben und trifft dabei nach Berührung mit den Kontakt federn 21 auf den Kolben 15, den er gegen die Feder 16 wieder in die gezeichnete Lage abwärts bewegt. Dabei gehen die Ventilklap- pen 19 und 20 auf, so dass ein Teil der unter dem Kolben 15 im Gefäss 12 befindlichen Flüssigkeit durch die Öffnungen 17 und 18 über den Kolben tritt. Gleichzeitig geht die Ventilklappe 24 zu und schliesst das Gefäss 12 gegen den Trichter 22 ab. In dieser Stel lung ist der Schalter für eine neue Ausschal tung bereit, bei der wieder von neuem Schalt flüssigkeit so in die Umgebung der Kontakte gefördert wird, dass die Unterbrechungsstrecke allseitig von Flüssigkeit umgeben ist.
Wie das Ausführungsbeispiel zeigt, kann die Hauptmasse der Flüssigkeit getrennt von der Unterbrechungsstelle des Schalters ange ordnet werden. Viel Raum einnehmende und durch die Abschaltenergie beanspruchte, die Schaltstellen oder Schaltkammern des Schal ters umgebende Vorratsbehälter für die Schalt flüssigkeit kommen in Fortfall, wodurch der Aufbau des Schalters wesentlich vereinfacht ist.
Wird mit dem beschriebenen Schalter eine nicht isolierende und halbleitende Schalt flüssigkeit (zum Beispiel Wasser) verwendet, braucht man nicht mehr; wie bei den bekann ten Schaltern mit halbleitender Scbaltflüssig- keit, einen grossen Kontakthub anzuwenden, um nach dem Herausziehen des Schaltstiftes aus der Schaltflüssigkeit eine Isolationsstrecke von entsprechender Durchschlagsfestigkeit zu bekommen. Dadurch, dass die nur für die Dauer der Unterbrechung in die Umgebung der Kontakte gebrachte Schaltflüssigkeit nach der Unterbrechung verdampft ist, wird aber nicht nur eine bessere Isolation der Pole bei offenem Schalter erzielt, sondern auch der Einschaltvorgang verbessert.
Bei der Verwendung einer isolierenden Schaltflüssigkeit tritt dieser Vorteil in dem Falle ein, dass sich die Schaltflüssigkeit unter Einwirkung des Lichtbogens zersetzt und ihre Isoliereigenschaft dadurch verliert (Tetra chlorkohlenstoff), oder wenn eine Löschflüssig keit verwendet werden soll. welche das Ma terial der Kontakte oder der Schaltkammer angreift (beispielsweise Brom). Bei Anwen dung von brennbaren Schaltflüssigkeiten (bei spielsweise Isolieröl) besteht der Vorteil, dass die Menge brennbaren Stoffes in der Nälie des Lichtbogens klein gemacht werden kann, also die Gefahren eines Schalterbrandes we sentlich vermindert werden.