CH162666A - Verfahren zur Behandlung von Saatgut. - Google Patents

Verfahren zur Behandlung von Saatgut.

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  Verfahren zur Behandlung von Saatgut.    Man beizt Saatgut, um anhaftende       Schmarotzerpilze    abzutöten und     um.    es auch  vor tierischen Schädlingen zu schützen.  Als     Beizmittel    stehen hauptsächlich Kupfer-,  Quecksilber- und     Arsenverbindungen,    ferner       Cyanverbindungen    und Teerpräparate im  Gebrauch. Sitzen die Pilze im     Innern    des  Kornes, wie zum Beispiel bei Flugbrand der  Gerste und des Weizens, so beizt man das  Saatgut mit heissem Wasser. Die Beizmittel  werden entweder in Form von     Lösungen     oder in trockenem Zustande verwendet.

   In  ersterem Falle wird das Saatgut entweder  auf einer Unterlage- aufgeschichtet und mit  der     Beizflüssigkeit    besprüht     (Benetzungs-          verfahren)    oder in die Flüssigkeit getaucht  (Tauchverfahren). Pulverförmige Mittel wer  den mit dem Saatgut gründlich gemischt.  Feucht gebeiztes Gut muss innerhalb weni  ger Tage ausgesät werden; nur das trocken  gebeizte Gut kann beliebig lang gelagert  werden.

      Unter den bekannten     Entseuchungsmitteln     findet man in der     einschlägigen    Literatur  auch Wasserstoffsuperoxyd angeführt.     In     dem Werke von     Hollrung,    "Die krankhaften  Zustände des Saatgutes", 1919, ist auf Seite  271 unter den Ersatzmitteln zur Entseuchung  ,der Getreidesamen von Brandsporen Wasser  .stoffsuperogyd mit dem Beisatz     "Tauchbeize          ,1    v. H. 15     Minuten"    genannt.

   Es ist ferner  vorgeschlagen worden, bei Saatgutbeizen,  welche auf der Wirkung von Formaldehyd  beruhen, Sauerstoff abgebende Mittel, wie       Benzoylperoxyd,        mitzuverwenden        (D.    R. P.  Nr. 52'5 9:12).

   Doch dienen diese Stoffe im  Rahmen des     bekannten    Verfahrens     aus-          schliesslich    dazu, die nachteiligen     Wirkungen     des Formaldehyds zu     beseitigen.    Formaldehyd  ist bekanntlich zwar ein gutes     Mittel    zur  Desinfektion und Vernichtung von Schäd  lingen, schädigt aber die Keimfähigkeit der       Samen,    besonders die von empfindlichen Ge  treidearten. Um diese nachteilige Nebenwxr-           kung    einzudämmen, wird der Formaldehyd  während der Behandlung durch Sauerstoff  abgebende Mittel zu Ameisensäure oxydiert.

    Die Sauerstoff abgebenden Mittel werden  also in diesem Falle durch chemische Um  setzung weggeschafft.  



  Gemäss der vorliegenden Erfindung       wird    das Saatgut einer lang andauernden  Behandlung     mit    Sauerstoff abgebenden Mit  teln, welche die Gruppe -0-0- enthalten,  zum Beispiel mit Wasserstoffsuperoxyd,  Peroxyden oder     Persalzen    in Form einer  Lösung oder einer Suspension oder in Form  eines trockenen     Pulvers,    unterworfen. Diese  Behandlung ist nicht als ein blosses Beizen  anzusehen, wenn auch zugleich eine Entfer  nung und Vernichtung von Pflanzenschäd  lingen erzielt     wird.     



  Dem neuen Verfahren liegt die über  raschende     Erkenntnis    zugrunde, dass durch  die lang andauernde Behandlung mit den  genannten     Mitteln    vor allem eine Hebung der       Keimungsenergie,        eine    Belebung und Kräf  tigung der Samen erzielt wird, so dass die       Entwicklung    nach der Aussaat so rasch er  folgt, als es bei den gegebenen Bodenverhält  nissen möglich ist, ohne dass' aber das Wachs  tum in der Art der Reizdüngung     übermässig     beschleunigt     wird,    was     ein    Absterben der  jungen     Pflanzen    zur Folge haben kann.

    Diese     Wirkung        tritt    bei allen Boden- und       Wetterverhältnissen    ein: die Pflanzen_ ge  deihen nach den bereits vorliegenden er  gleichsversuchen stets besser als bei der Aus  saat nicht oder in anderer Weise behandel  ter Samen.

   Die gleichzeitig auftretende Rei  nigung der Samen dürfte zum Teil darauf  beruhen, dass bei der Katalyse der Sauer  stoff abgebenden Mittel die Oberfläche der       ,Samen    von der Schleim- und Gummischicht,  an welcher Schmarotzer und     Schädlinge    haf  ten, befreit wird, wodurch diese die Bindung  an den Samen verlieren und der     Einwirkung     der angewendeten Mittel leichter unter       liegen-          Die    Behandlung kann sowohl nach dem       Benetzungsverfahren    oder Tauchverfahren,  als.     auch.    analog dem     Trockenbeizverfahren       erfolgen.

   Im ersteren Falle können zur Be  handlung des Saatgutes verdünnte wässe  rige     Wasserstoffsuperoxydlösungen    verwen  det werden; auch eine wässerige     Aufschläm-          mung    von Peroxyden oder     Persalzen    kann  hierzu Verwendung finden.

   Für das     trockene     Verfahren kommen feste Peroxyde oder Per  salze als solche in Betracht,     wie    beispielsweise       Magnesiumsuperoxyd,        Calciumsuperoxyd,    Ba  riumsuperoxyd oder auch feste organische       Perverbindungen.    Die Trockenbehandlung  wird vornehmlich     dann    vorgenommen, wenn  das Gut gelagert werden soll, da sie     eeignet     ist, den     Dumpfgeruch    der Samen ent  fernen und ihre     Lagerfähigkeit    zu ver  bessern.  



  Zweckmässig werden zur     Durchführung     des Verfahrens die Samen in     einem    grossen       Bottich    mit der Flüssigkeit vollkommen be  deckt oder auch nur mit so viel     Flüssigkeit     zusammengebracht, dass sie     benetzt-        sind,     worauf das Gut bewegt wird.

   Es kann aber  auch so vorgegangen werden, dass das Saat  gut mit Hilfe einer Brause oder eines Zer  stäubers in loser     Aufschüttung    behandelt und  dann öfter umgeschaufelt     wird.    Die Behand  lung mit in     Wasser    suspendierten oder mit  trockenen     Perverbindungen    erfolgt vornehm  lich nach der zweiten Art. Die trockene Be  handlung kann beim üblichen Umschaufeln  einmal oder auch mehrmals     vorgenommen     werden.  



  Die Konzentration der Wasserstoff  superoxydlösung wird in den meisten Fällen       zwischen    0,5     und        2@%        H20,    zu wählen sein;  man kann aber diese     Konzentration    auch  unter- oder überschreiten, wenn die Natur  oder Beschaffenheit der Samen dies erfor  dert. Bei Verwendung fester     Perverbinclun#     gen kann die Menge nach Massgabe der  äussern Umstände (Natur und Beschaffen  heit der Samen, .Schichthöhe usw.) in weiten  Grenzen schwanken.  



  Die Behandlungsdauer ist nach der Natur  und Beschaffenheit der Samen verschieden;  sie kann zum Beispiel bei Verwendung von       Wasserstoffsuperoxydlösungen    oder wässe-           rigen        Suspensionen    von festen Peroxyden oder       Persalzen    12 bis 24     Stunden    betragen.  Leicht zugängliche Samen, das heisst solche,  deren Hülle leicht     durchdrungen    wird, be  nötigen in der Regel eine kürzere Behand  lungszeit. In vielen Fällen wurden schon  mit einer dreistündigen und noch kürzeren  Behandlungsdauer ausgezeichnete Ergebnisse  erzielt.

   Längere Behandlungszeiten werden  bei der Behandlung solcher Samen     benötigt,     bei denen erst eine längere Einwirkung im  stande ist, die äussere Hülle, zum Beispiel  unter     Quellung,    durchlässig zu machen. We  sentlich ist aber in allen Fällen, dass es  nicht bei einer nur oberflächlichen     Einwir-          kung    auf die an der Hülle haftenden Pflan  zenschädlinge bleibt. Bei     Verwendung    von  trockenen Peroxyden oder     Persalzen    geht die  Zersetzung langsamer vor sich, weshalb sich  die Einwirkung über längere Zeiträume,  Tage bis Monate, erstrecken soll.

   Man kann  die trockenen Peroxyde und     Persalze        auch     als Dauerbeizmittel     verwenden,    derart, dass  man zum Beispiel für die Aussaat bestimmte  Samen (Getreidekörner     etc.)    schon bei der  Einlagerung über den Winter mit den trocke  nen Peroxyden oder     Persalzen    vermengt, wo  durch eine .erfolgreiche Bekämpfung des       Dumpfwerdens,    des Schimmelns und eine aus  gezeichnete Frischerhaltung der Samenkörner  während der Lagerung erzielt wird.

   Kommt  die     Aussaatzeit,    so hat die Sauerstoffeinwir  kung schon so weit Arbeit getan, dass man  ohne weitere Behandlung (zum Beispiel mit  Lösungen) zur Aussaat schreiten kann und  alle Vorteile geniesst, die durch eine Behand  lung mit flüssigen Mitteln erreicht werden.  Da ausserdem die Trockenbeize viel rascher  und einfacher durchführbar ist als die Nass  beize, und auch noch andere Vorteile auf  weist, ist dies eine sehr vorteilhafte Durch  führung des Verfahrens. Es ist natürlich  nicht nötig,     stets    die Einwirkungsdauer über  die ganze Zeit der Einlagerung zu erstrecken;  es genügt auch, die trockenen Peroxyde oder       Persalze    dem Samen zum Beispiel einige  Wochen oder einen Monat vor der Aussaat  zuzusetzen.

      Wenn von     Pflanzenschädlingen    besondere  Gefahr droht, so kann die beschriebene Be  handlung mit einer zusätzlichen     Beizung     üblicher Art (zum Beispiel mit     Sublimat,     Kupfervitriol, Kalkmilch und dergleichen)  kombiniert werden. Wo es die Verhältnisse  erfordern, kann mit der     beschriebenen    Be  handlung auch eine Düngung verbunden  werden, zum Beispiel in der Weise, dass man  der Lösung, die auch Desinfektionsmittel ent  halten kann, lösliche Nährsalze in Form von  Phosphaten, Kalisalzen und Nitraten zu  setzt.

           Amsfiihrungsbeispiele:       <I>Beispiel 1:</I>  25 kg Weizen wurden mit 20 Litern  einer 1,5 % ixen     Wasserstoffsuperoxydlösung     ohne weiteren Zusatz in einem     Bottich    ge  beizt. Die Dauer der Behandlung betrug  20     Stunden,    die Temperatur betrug 20' C..  Der so behandelte Weizen wurde, ohne ge  trocknet zu werden, im Herbst ausgesät. Im  Frühjahr entwickelte sich die Saat nahezu  doppelt so rasch wie diejenige im Vergleichs  feld     desselben    Ackers, auf welchem mit Kalk  milch gebeizter Weizen auf Bleichgrosser Flä  che angesät war.  



  Auch später zeigten sich Unterschiede,  indem der mit     Wasserstoffsuperoxyd    gebeizte  Weizen im Halm kräftigere     Pflanzen    lieferte.  Überdies war eindeutig eine bessere Ent  wicklung der Ähren und der Körner fest  zustellen. Der Ertrag war um etwa<B>20</B>  höher als beim Vergleichsfeld.     Ferner    war  die Arbeit des     Mähens    durch den starken Bau  der Pflanzen erleichtert.  



  <I>Beispiel 2:</I>  200     gr    Bohnen wurden vor der Aussaat  mit 50     cm3        2'%iger    Wasserstoffsuperoxyd  lösung 15     Stunden        behandelt.        Ein    Vergleichs  versuch wurde mit der gleichen Menge Was  ser, wie dies allgemein üblich ist, angesetzt.  



  Die mit Wasserstoffsuperoxyd behandel  ten Bohnen gingen um vier Tage früher auf  und. zeigten eine viel kräftigere     Entwicklung     nach kurzer Zeit. Die bessere.     Entwicklung         hielt die ganze Zeit über an und die am  gleichen Feld angesetzten Reihen ergaben  einen wesentlich höheren Ertrag als die Ver  gleichsreihen mit den nur mit Wasser ge  weichten     Bohnen.     



  <I>Beispiel 3:</I>  Gurkensamen, in gleicher Weise behan  delt     wie    die Bohnen nach Beispiel 2, zeigten  ebenfalls ein früheres Aufgehen und     entZVik-          kelten    sich stärker.         BeispieG   <I>4:

  </I>    1 kg     Calciumsuperoxyd    mit 8, % aktivem  Sauerstoff wurde mit 10 Liter Wasser auf  geschlämmt. 2.0 kg Roggensamen wurden  mit 10 Liter dieser Aufschlämmung in loser       Aufschüttung    bei gewöhnlicher Temperatur  durch 12     Stunden    behandelt.     Eine    gleiche  Menge Samen wurde     mit        Kupfervitriolbeize          und    darauf mit Kalk behandelt. Die Aus  saat erfolgte ohne Waschung oder     Trocknung     am gleichen Acker. Auch in diesem Falle  konnte auf dem Versuchsfeld festgestellt  werden, dass der mit     Calciumperoxyd    gebeizte  Samen einen um etwa 20 ,wo höheren Ertrag  liefert.

   Anlässlich eines Hagelwetters erwie  sen sich die Pflanzen der mit Superoxyd ge  beizten Samen infolge der kräftigeren Ent  wicklung viel widerstandsfähiger und die  Ausreife war daher eine viel bessere als beim  Vergleichsfeld.  



  <I>Beispiel s:</I>  Samen von Weizen, Roggen, Gerste, Ha  fer, Mais, Rüben und Lein wurden je mit  3 %     Natriumperkarbonat    -trocken vermischt  und dann zwei     Monate    stehen gelassen. Nach  dieser Zeit zeigte die     Keimfähigkeitsprüfung     Erhöhungen der Keimenergien um 5 bis 10  gegenüber den unbehandelten Samen; über  dies     entwickelten    sich die Pflanzen aus den  gebeizten Samen beim Feldversuch     bedeutend     kräftiger und rascher. In allen Fällen konn  ten Mehrerträge von 10 bis 20 % gegenüber  unbehandelten Samen festgestellt werden.

         Ähnliche    Wirkungen wurden auch bei Ver  wendung von     Perphosphaten,        Persulfaten    und    von Gemischen dieser Verbindungen mit       Calciumsuperoxyd    erzielt. Als     Desinfiziens     kann bei der Trockenbeize zum Beispiel     Per-          arseniat    in geringer Menge     mitbenützt    wer  den.

Claims (1)

  1. PATEN TANSPRUCI3 Verfahren zur Behandlung von Saatgut mit Sauerstoff abgebenden Mitteln, welche die.Gruppe -0-0- enthalten, dadurch gekenn zeichnet, dass das Saatgut einer lang an dauernden Behandlung unterworfen wird. <B>UNTERANSPRÜCHE:</B> 1. Verfahren gemäss Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass das Saatgut mit Wasserstoffsuperoxydlösungen be handelt wird. 2. Verfahren gemäss Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass das Saatgut mehrere Stunden mit Wasserstoffsuper oxyd behandelt wird. 3.
    Verfahren gemäss Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass das Saatgut mit wässerigen Suspensionen von festen Peroxyden behandelt wird. 4. Verfahren gemäss Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass das Saatgut mit wässerigen Suspensionen von Per salzen behandelt wird. 5. Verfahren gemäss Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass das Saat gut mit trockenen Peroxyden behandelt wird. 6. Verfahren gemäss Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass das Saat gut mit trockenen Persalzen behandelt wird. 7.
    Verfahren gemäss Patentanspruch, unter Verwendung von wässerigen Suspensio nen der Sauerstoff abgebenden Mittel, dadurch gekennzeichnet, dass die Behand lung durch mehrere Stunden vorgenom men wird. 8. Verfahren gemäss Patentanspruch, unter Verwendung. trockener, Sauerstoff ab gebender Mittel, dadurch gekennzeichnet, dass die Behandlung durch mehrere Tage bis Monate vorgenommen wird. 9. Verfahren gemäss Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass den Sauer stoff abgebenden Mitteln Beizmittel zu gesetzt werden. 10.
    Verfahren gemäss Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass den Sauer- stoff abgebenden Mitteln Düngemittel zugesetzt werden. 11. Verfahren gemäss Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass den Sauer stoff abgebenden Mitteln Beizmittel und Düngemittel zugesetzt werden.
CH162666D 1931-09-21 1932-08-16 Verfahren zur Behandlung von Saatgut. CH162666A (de)

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