Verfahren zur Herstellung von oligodynamisehem Silberchlorid zu Desinfektionszweeken.
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung von oligodyna- mischem Silberchlorid zu Desinfektions- zwecken. Das Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, da¯ ein Elektrolyt mit einem Chloridgehalt, der kleiner ist als der Gehalt einer 1/5 n Chloridlosung, mittelst einer silbernen oder versilberten Anode, sowie eines elektri- schen Stromes von 2 bis 30 Volt Spannung und einer Anodenstromdiehte von mindestens 0,1 Ampere pro 1100 em2 elektrolysiert wirÅa.
Die Anwendungen dieser Erfindung sind sehr mannigfaltig. Hängt man zum Beispiel zwei Silberplatten, die keine Spur von oligodynamischer Wirkung erkennen lassen, in eine verdünnte Chloridlösung, zum Beispiel physiologische Kochsalzlösung (0,6 bis 0. 9%) und schickt wenige Augenblieke lang einen schwachen Strom hindurch, so erweist sich nur die anodische Silberplatte als"oligody- namisch"wirksam, das heisst mit desinfizie- render Kraft begabt ;
legt man sie nämlich auf eine Nährbodenfläche, die mit Bakterien beschickt ist, so zeigt sich nach 24 Stunden, daB die Anode von einem keimfreien Hof umgeben ist, während die Umgebung der Kathode wie die übrige Bakterienplatte gleichmässig und dicht mit Bakterienkolonien bewachsen ist ; die Kathode sieht rein metallisch aus, die Anode ist trüb und mehr oder weniger verfÏrbt, Offenbar hat sich das Silber unter dem Einfluss des an der Anode entwickelten Chlors in oligodynamisches Silberchlorid verwandelt. Wie die chemi- schen Reaktionen zeigen, handelt es sich tatschlich um Silberchlorid.
Man kann also silberne oder versilberte chirurgische oder hygienische Instrumente in verdünnter Kochsalzlösung durch einen elektrischen Strom mit einer Schicht ,,oligodynamischer Substanz"umgeben, sie antiseptisch machen, das heisst mit desinfizierender Kraft begaben.
Am einfachsten wird eine Trockenbatterie von 4 bis 15 Volt benutzt. Dann bekommt man Strome von beispielsweise 0,1 bis 1 Ampere (je nach der Gr¯¯e des benutzten Ge genstandes), die einer Stromdichte von mindestens 0,1 Ampere auf 100 cm3 Oberfläche des Instrumentes entsprechen. Selbstver- ständlich verschwindet bei Gebrauch all mählich die desinfizierende Wirkung des oligodynamischen Silberehlorids, man kann sie aber durch neue Anodisierung ersetzen.
Nimmt man nun schwäehere Chloridlösungen als physiologische Kochsalzlösung, zum Beispiel natürliches Wasser, so lässt sich dieses in kleineren Mengen sehr einfach dadurch desinfizieren, dass man entweder ein Silberblech, das vorher wie oben aktiviert ist, hineinhängt oder durch einen Taucher mit zwei stiftförmigen Silberelektroden und einer Trockenbatterie im Griff binnen einiger Sekunden die notice Menge aktiver Substanz hineinbringt. Grössere und strömende Wassermengen können desinfiziert werden durch Benutzung geeignet dimensionierter und voneinander entfernter Elektroden, index man die Besehickung der Silberanoden mit einem Strom abundzu wiederholt oder noch einfacher, einen intermittierenden oder kontinuierlichen Strom-durch die silberne Anode schickt, wÏhrend.als Kathode ein beliebiges Metall dient.
Die olygodynamische Substanz haftet in diesen Fällen nicht an der Anode, sondern wird in Wolken von ihr abgestossen. So wurde das Wasser einer Badeanstalt (1000 m3 täglich) dadurch desinfiziert, da¯ ein Plattenkorb, der nicht grösser war als eine Hand. vor der Mündung des Einlaufrohres des Wasserbehälters angebracht war und die vier silbernen Anodenplatten von 10-X 2 em mit einem kontinuierlichen Strom von 1,25 Amp. und 9 Volt, also mit einer Stromdichte von etwa 0,8 Amp. auf 100 em2, beschickt-wurden. Fünf in einer Entfernung von 1 cm zwischen den Anoden und au¯erhalb derselben angeordnete Kupferplatten dienten-dabei als. Kathoden.
Durch eine selbsttätige Einrichtung war dafür gesorgt, dass. der Stromzutritb unterbrochen wurde, sobald, der Wasserzufluss aufhorte. Eine regelmϯige Bedienung des Apparates war kaum n¯tig ; nur wurde er während der Nacht ausgeschaltet, die Kathoden ab und zu durch Bürsten gereinigt und die silbernen Elektroden, die durch einen Bügel zusammen- geschlossen waren und zusammen 1 kg wogen, alle drei Woehen erneuert, weil sie bis auf einen geringen Rest aufgelöst waren.
Den naheliegendenGedanken,auchdieKathoden aus Silber zu formen und den Strom von Zeit zu Zeit unizupolen, wurde bald aufgegeben, weil Störungen dabei auftraten, die den Zweck geradezu vereitelten. Sehr wichtig ist ferner, da. B fiir jede Wasserbesohaffenheit die Vorrichtung umgeformt werden muss. Bei einer andern Badeanstalt z. B. funktionierte der obige Apparat überhaupt nicht. Es bildete sich vielmehr auf der Anode ein dicker Belag von unlöslichem Silberchlorid und das Wasser wurde nicht desinfiziert. Änderungen in dez Stromstärke blieben ohne Erfolg. Als aber der EIektrodenabstand verdoppelt wurde. trat der Erfolg sofort ein.
Die Ursache lag offenbar an der abweichenden Zusammen- setzung des Wassers, das vielmehr Chloride und härtebildende, sowie organische Bestand- teile enthielt als das Wasser des vorher erwähnten Bades. Um keine Fehlschlage zu er- leiden, mu¯ man also in jedem einzelnen Fall die richtige Entfernung der Elektroden voneinander (zum Beispiel 1 bis 2 em)-wählen.
Im übrigen ist die durch Anwendung des erfindungsgemässen Verfahrens erreichbare Desinfektion von Wasser einfach und billig, da die Kosten des Stromes kaum ins Gewicht fallen, und man bei nicht zu stark verunreinigten Wässern mit 15 bis 20 gr Silher, bei stark verunreinigten mit 50 gr Silber f r je 1000 m3 auskommt. Solche Silbermengen sind natürlich gänzlieh geschmacklos und ungefährlich. Zu bedenken-ist allerdings, dass das oligodynamische Silberchlorid das Was- ser nicht sofort sterilisiert, sondern erst naeh 3 bis 6 Stunden.
Wo grössere WasserbehÏlter zur Verfügung stehen, wird man wie vorher beschrie- ben, den Plattenkorb auf das Einlaufrohr aufsetzen, das heisst vor der Auslauföffnung anbringen. Wenn das Wasser bis zum. Ver brauch aber grossere. Strecken zu durchlaufen hat, wird man vorteilhaft eine Durehlauf- anordnung benutzen, bei der die Elektroden zweckmässig konzentrisch angeordnet sind und in einem in der Rohrleitung eingeschalteten T-St ck sa angebracht sind, dass sie in das durchflie¯ende Wasser eintauchen. Vor und hinter-dem sind zweckmässig Absperrmittel angeordnet, die in Funktion treten, wenn der Plattenapparat erneuert oder gereinigt werden soll.
Da der Augenschein lehrt, da¯ die oligo- dynamische Wirkung"durch echte Substan- zen, das hei¯t Silberchlorid, nicht etwa, wie man auch behauptet hat, durch kt" hervorgerufen wird, musste es möglich sein, diese Substanzen in konzentriertem Zustande herzustellen. Das ist auch gelungen, und zwar in zweierlei Form.
Wenn man den Elektrolyten, zum Bei spiel Kochsalzlosung oder Salzsäure in einer Verdünnung von N/500'benutzt, erhÏlt man vor der Silberanode eine kolloidale Losung von oligodynamischem Silberchlorid,dasdurch Zusatz von Schutzkolloid stabilisiert werden kann. Steigert man die Konzentration des Elektrolyten auf N/10 bis N/20, so erhÏlt man n ein sehr fein verteiltes Pulver, das sich leicht von der Anode abstreifen lässt und sehr aktiv ist. WÏhlt man noch stärkere Lösun- gen, so bekommt man eine an dem. Silber haftende schliefrige Masse, die sich. als fast unlöslich und weniger wirksam erweist.
Die kolloidale Silberchloridl¯sung, die zum Beispiel mit einem Silbergehalt-von. l bis 3 % hergestellt werden kann, ist au¯erordentlich haltbar und besitzt stärkste antiseptischeEi- genschaften.
In der Zeichnung sind einige Ausfüh- rungsbeispiele von Vorrichtungen zur Durchf hrung des Verfahrens gemäss der Erfin- dung f r verschiedene, vorher erwÏhnte Anwendungen dargestellt.
Fig. 1 und 2 zeigen je eine Anordnung zur Aktivierung von chirurgischen oder hy- g versilberten oder silbernen In strumenten.
In- einem Fu¯- 1 sind eine Trockenbatterie 2 und ein Behälter 3 eingesetzt, der eine verdiinnte Na-Cl-Losung enthÏlt. In die L¯sung ist eine cathode 4 in einem Leinenstrumpf eingetaucht, welche mit-dem-nega- tiven Pol der Trockenbatterie.leitend verbunden ist. Der positive Pól der-Batterie ist durch eine Leitung 5 und einen Klemmkon- takt 6 mit dem zu aktivierenden Instrument 7 verbunden, das in die Na-Cl-Losung eintaucht.
Die Modifikationnach Fig. 2 unterscheidet sich von der Ausführung nach Fig. l-nur durch die liegende Anordnung des Losungs- behälters 8 und der lLathode 9, welche für kleinere Instrumente-wie Silberkatheter und d dergleichen, also kleine schmale Instrumente, besonders zweekmϯig ist.
Fig. 3 veranschaulicht im Sehnitt einen Handapparat zum Desinfizieren kleiner Wa, s- sermengen. Zwei Silberstäbe 2, 23 sind in einem, eine Tasehenlampenbatterie 24 auf- nehmenden und als Griff dienenden Gehäuse 25 befestigt und mit dem positiven bezw. negativen Pol der Trockenbatterie leitend verbunden. Das Sterilisieren der Wassermengen geschiehtdurchEintauchen der Silberstäbe in das Wasser.
Fig. 4 bis 6 veransohaulichen eine Einrichtung zum Sterilisieren von ausfliessen- dem Wasser, und zwar ist
Fig. 4 ein Längsschnitt durch-das Auslaufende der Rohrleitung,
Fig. 5 eine Endansicht,
Fig, 6 eine Ansicht des ausweehselbaren Plattenkorbes.
Auf einem Endflansch 26 der Leitung 27 ist eine in der Mitte mit einer Offnung ver sehene Platte 28 festgeschraubt. Die viereckige Öffnung ist von einem auf der Platte befestigten, isolierten Rahmen 29 umgeben. in welchem ein die Elektrodenplatten aufnehmender Korb 30 eingesetzt ist. In den Korb sind vier dicke Silberplattenanoden 31 und fünf Eupferplattenkathoden 32 eingesetzt. Die Anodenplatten sind durch eine Br cke 33 verbunden, während die : super- kathoden paarweise abwechselnd auf beiden Seiten durch Leiter 34 verbunden sind. Die beschriebene Einrichtung ist geeignet für aufwÏrts gerichteten Wasserauslauf.
Bei geneigtem wagrechten oder abwärts gerichteten Auslauf ist natürlich eine Befestigung des Plattenkorbes und der Platten vorzusehen.
Fig. 7 und 8 veranschaulichen eine Einrichtung zum Desinfizieren von durchfliessendem, bezw. in wagrechter Richtung ausfliessendem Wasser, und zwar ist
Fig. 7 ein Längssohnitt nach Linie 7-7 der Fig. 8, und
Fig. 8 ein Querschnitt nach Linie 8-8 der Fig. 7.
In dem senkrechten Abzweigstutzen 35 eines T-Rohrstückes 36 ist der Plattenkorper eingehängt, der in konzentrischer Anordnung eine dicke, rohrförmige Anode 37 aus Silber und eine äussere und eine innere dünne Eupferrohrkathode 38 enthalt. Aussen ist der Plattenkörper durch einen isolierenden Mantel 39 geschützt. Der Korb ist vermittelst seitlich angeordneter isolierender Halter 40, in deren Inneren die Stromzuleitungen 41 angeordnet sind, an einer Platte 42 befestigt, welche auf dem Flansch des Abzweigstutzens 35 mittelst Schrauben befestigt ist. Auf der Aussenseite. des Deckels 42 befinden sich die Leitungsanschlu¯klemmen 43.
Fig. 9 zeigt eine Vorrichtung zur Herstellung von konzentriertem oligodynami- schen {Silberchlorid in perspektivischer Darstellung.
Die Vorrichtung besteht aus einer Wanne 44 zur Aufnahme des verdünnten Chlorid Elektrolyten, in welchen zwei dicke Silberplattenanoden 45 und drei dünne lLupfer- plattenkathoden 46 eingehängt sind. Die Anoden-und d gupferkathodenplatten sind je durch eine Brücke 47 bezw. 48 verbunden.
Die Figur zeigt ferner noch die Stromzuleitung von einer Gleiehstromquelle mit einem Regulierungswiderstand 49, Amperemeter 50 und Voltmesser 51.