Verfahren zur Bestimmung der Tiefziehfähigl;eit von Blechen. Die Tiefziehfähigkeit (sog. Tiefungs- fähi(Ykeit) von zum Tiefziehen bestimmten Blechen pflegt meistens mit Erichsenappa- raten oder mit nach Art der nach Erichsen benannten Prüfgeräte ausgebildeten Appa raten bestimmt zu werden. Bei dieser Prü fung wird ein Stössel so tief in eine fest ein gespannte Blechscheibe gedrückt, bis die herausgepresste Kuppe reisst.
Eine eigentliche Tiefung, wie sie in der Praxis vor sich geht, tritt hierbei nicht ein; das Verfahren stellt bloss einen verwickelten Zerreissvorgang dar. Da die Ergebnisse von auf diese Art geprüf ten Blechen der Wirklichkeit gar nicht ent sprechen und für die Praxis mehr oder weni ger wertlos sind, wurden dann allerdings Prüfverfahren entwickelt, die den in der Praxis vorkommenden Verhältnissen und Be dingungen schon näher kamen.
Beispiels weise wird bei Anwendung einer zur Durch führung des Prüfverfahrens dienenden Vor richtung von Pomp-Siebel ein mit kreisför- migem Ausschnitt versehenes Blech so lange gezogen, bis Rissbildung eintritt, während zum Beispiel beim Verfahren der A. E. G. (Allg. Elektr.-Ges.) aus kreisrunden Schei ben topfförmige Gebilde gezogen werden; in diesem Fall bildet das Verhältnis des Durch messers des gezogenen Topfes zum Durch messer der ursprünglichen Scheibe das Mass für die Verformungsfähigkeit des Bleches.
Alle die bisher erwähnten Verfahren zur Bestimmung der Tiefungsfähigkeit haben aber keineswegs befriedigt, weil im Betrieb häufig mehrere Züge nacheinander vor genommen werden, wobei der Werkstoff von Zug zu Zug Kaltverformung und dabei stei gende Verfestigung erfährt. Diese Erkennt nis führte dann zu dem Vorschlag, aus einem betriebsmässig in einer oder mehreren Stu fen gezogenen topfförmigen Gebilde Strei fen auszuschneiden und hernach mittelst des bereits erwähnten Erichsengerätes an den verformten Streifen die noch vorhandene Tiefungsfähigkeit zu messen. Dieses Ver fahren ist jedoch umständlich, da die Her stellung der Proben und der hierzu erfor derlichen Werkzeuge gar nicht einfach ist.
Es wurde daher versucht, durch Ziehen eines trapezförmigen Stückes eine Verformung des Werkstoffes zu bewirken, welche der jenigen beim Tiefziehen ähnlich ist. Hier bei gilt das Verhältnis der Breite des brei teren Werkstückendes zu derjenigen des schmäleren Endes als Mass für die Tief zieheignung des Werkstoffes.
Die nach die sem Verfahren erzielbaren Verformungen sind aber ausserordentlich klein, so dass all gemein gültige Schlüsse auf die praktischen Tiefziehverhältnisse ebenfalls nicht möglich sind; beispielsweise beträgt die Gesamtver- formung nach diesem Verfahren höchstens 25 bis<B>30%,</B> während beim praktischen Tief ziehen Verformungen von 50 bis 70%, ja selbst noch mehr, entstehen.
Es wurde nun durch Versuche heraus gefunden, dass die Tiefungsfähigkeit von Blechen in durchaus einfacher und zugleich wirtschaftlicher Weise dadurch bestimmt werden kann, dass die vorhin erwähnte Zieh probe mit der von Erichsen angewandten Druckprobe verbunden wird, also zuerst ein zu prüfendes, trapezförmiges Blechstück durch Ziehen in rechteckige Form über geführt und hernach mittelst eines Dornes bis zum Bruch ausgebeult wird. Hierbei ist es vorteilhaft, das Tiefziehgerät so auszubil den. dass Blechstücke von ansehnlicher Breite relativ stark verformt werden können.
Als ganz besonders vorteilhaft für die Durch führung des Verfahrens haben sich trapez- förmigeBlechstücke erwiesen, die an ihrem von der breiteren der beiden parallelen Tra-- pezseiten gebildeten Ende mit einem sich verjüngenden, dem andern Ende abgekehrten Ansatz versehen sind.
Die beigegebene Zeichnung stellt zwei Ausführungsbeispiele von nach einem Ver fahren gemäss der Erfindung zu behandeln den bezw. bereits teilweise behandelten Blechstücken dar. Fig. 1 zeigt ein trapezförmiges Blech stück, wie es bei bekannten Ziehproben ver wendet zu werden pflegt, und Fig. 3 dasselbe nach dem Ziehen; Fig. 2 zeigt ein mit einem trapezförmigen Ansatz versehenes, in der Grundform eben falls trapezförmiges Blechstiick und Fig. 4 dasselbe nach dem Ziehen.
Die Werkstücke sind gemäss Fig. 1. und 2 an der Oberfläche mit einem rechtwink ligen Koordinatensystem versehen, so dass sich nach dem Ziehen die Verformung leicht erkennen lässt und ein einwandfreier Schluss auf die Tiefungsfähigkeit des Materials ent sprechend den verschiedenen Verformungs- graden möglich gemacht ist.
Augenfällig ist, dass bei Verwendung des Werkstückes gemäss Fig. 2 die Bildung von. Zipfeln, wie solche in dem durch Ziehen des Werk stückes gemäss Fig. 1 verformten Stück gemäss Fig. 3 ersichtlich sind, vermieden wird. Die Werkstücke werden nach dem Ziehen noch mittelst eines Dornes ausge beult.
Es ist hierbei bei gewöhnlicher Raum temperatur erfolgende Kaltverformung an genommen, wobei nach den verschiedenen Verformungsstufen Verfestigung des Mate rials eintritt; dass einer solchen Verfestigung Bedeutung zukommt, sollen die in der nach stehenden Zahlentafel angeführten Beispiele dartun.
EMI0002.0048
<I>Zah.len.taf <SEP> el</I>
<tb> Tiefung <SEP> Verformung <SEP> Resttiefung <SEP> nach
<tb> Blech <SEP> in <SEP> mm <SEP> bei <SEP> der <SEP> <B>Ei</B> <SEP> richsen <SEP> in <SEP> o% <SEP> der
<tb> nach <SEP> Ziehprobe <SEP> Tiefung <SEP> der <SEP> un Erichsen <SEP> in <SEP> o% <SEP> verformten <SEP> Probe
<tb> A <SEP> 11,8 <SEP> mm <SEP> <B>50% <SEP> 60%</B>
<tb> B <SEP> 11,9 <SEP> mm <SEP> <B>50%</B> <SEP> 85
<tb> C <SEP> 11,2 <SEP> mm <SEP> <B>33%</B> <SEP> 50 Die Blechstücke lagen in verschiedenen Behandlungszuständen A, B und C vor.
Bei der bekannten Tiefziehprüfung nach Erich sen zeigten die drei Blechstücke noch keine namhaften Unterschiede; hingegen wies bei vorliegendem Verfahren das Stück A, nach dem es zuvor eine Verformung von<B>50%</B> er- fahren hatte, schliesslich nur noch eine Tie- fung (nach Erichsen) von<B>60%</B> des unver- formten Werkstückes auf, während beim Blechstück B nach gleicher Kaltverformung von<B>50%</B> der Tiefungswert nur auf 85 des nicht verformten Werkstückes gesunken war.
Beim Blechstück C war der Tiefungs- wert nach nur 33%iger Kaltverformung um 509ö des unverformten Werkstückes zurück gegangen.
harch das beschriebene kombinierte Ver fahren ist somit eine einwandfreie Eignungs prüfung für die Tiefung von Blechen mög lich.