Verfahren zur Herstellung heller Beläge. Die Herstellung heller Beläge ist in vielen Fällen ein Bedürfnis geworden. So haben zum Beispiel die meisten Strassen eine für den Kraftwagenverkehr unzweckmässige Färbung. Die aus Teer und Asphalten her gestellten Beläge sind grau bis schwarz, wo durch das Fahren bei Nacht infolge der star ken Dichtabsorption beschwerlich wird; das gleiche gilt auch für die meisten Pflaster steinstrassen. Die Zementstrassen wiederum sind tagsüber zu hell, so dass,das. Fahren auf ihnen bei Sonnenlicht ermüdet.
Bei Fussgän ger- und Radfahrwegen, bei Verkehrsinseln und dergl. ist es erwünscht, diese durch eine besondere Färbung hervortreten zu lassen. Auch bei Spiel- und Tennisplätzen oder bei Belägen in Räumen wird häufig ein farbiger Belag verlangt. Die gewöhnlichen Anstrich- mittel sind für diese Anwendungsgebiete nicht geeignet, da sie zu teuer sind, zu lang sam trocknen und vor allem durch den Ver kehr in kurzer Zeit abgenützt werden.
In einer schweizerischen Patentschrift wird vorgeschlagen, helle Strassenoberflächen in der Weise zu erzeugen, dass man Gesteins material, worunter Gesteinssplitter verstan den werden, statt mit schwarz gefärbten Stoffen, wie Teer, Bitumen und Asphalt, mit hellen organischen Bindemitteln, die aus Harzen, Wachsen, Fetten, hell gefärbtem Bi tumen und dergl. hergestellt werden, bindet. Zur Erzeugung eines besonderen Farbtones können diesen Bindemitteln noch Farbstoffe zugesetzt werden.
Diese Methode zur Erzeu gung heller )Strassen hat ,den Nachteil, dass man entweder an die Verwendung heller Ge- steinssorten gebunden ist, da das helle Binde mittel die Farbe des Gesteins nicht zu über decken vermag, oder dass man gezwungen ist, dem Bindemittel sehr viel Farbstoff zu zusetzen.
Das vorliegende Verfahren bezweckt die Herstellung heller Beläge aller Art, zum Bei spiel für die oben erwähnten Anwendungs gebiete, in einer allgemein zugänglichen, wirtschaftlichen Form, wobei beliebig ge- färbte Gesteine und selbst die schwarzen bi tuminösen Bindemittel wie Teer, Asphalt und Bitumen mit-verwendet werden können. Dies gelingt nach vorliegender Erfindung, indem man neuartige, helle streufähige Mas sen mit Klebevermögen von besonderer Zu sammensetzung verwendet. Sie lassen sich auch mit den bisher üblichen, mit organi schen Bindemitteln hergestellten Belagsmas- sen zusammen anwenden.
Diese streufähigen Massen werden durch Vermischen eines hel len, pulverförmigen Materials mit einem hel len organischen Bindemittel hergestellt, wo bei die Stoffe so gewählt und in solchen Ver hältnissen angewandt werden, dass eine helle, lockere, also streufähige Masse entsteht, die dennoch hohes Klebevermögen besitzt. Diese Massen werden auf die zu überziehende Ober fläche aufgestreut und komprimiert. Zum Färben können Farbstoffe zugesetzt werden.
Gegenüber den in der angedeuteten schweiz. Patentschrift beschriebenen Belagsmassen un terscheiden sich obige streufähige Massen da durch, dass keine Gesteinsmaterialien in kör niger Form, wie Gesteinssplitter, sondern nur gepulverte Materialien mit dem hellen Binde mittel kombiniert werden. Dadurch wird überraschenderweise eine wesentliche Auf hellung des Belages erzielt.
Als helle, pulverförmige Materialien kön nen die verschiedensten billigen und wasser unlöslichen organischen oder anorganischen Stoffe, vor allem gemahlenes Gestein heller Färbung verwendet werden; aber auch Kieselgur, Kaolin, Gips, Talk, Asbest, Ze ment, Glas- und Holzpulver und dergl. sind geeignet.
Als organische Bindemittel, die dazu die neu, dem Pulver ein möglichst gutes Klebe vermögen zu verleihen, können verwendet werden: Hell gefärbte Asphalt- oder Bitu- mensorten, Holzteer, Harze (natürliche oder künstliche öllösliche Harze, wie Kolopho nium, Glyptalharz usw.), Destillationsrück- sstände wie .Stearinpech, Wachse wie Montan wachs, paraffinhaltige Stoffe, Fette, z. B.
Talg oder Vaselinfett, Kautscbuk und Kaut- schukderivate, dickflüssige -Öle wie Harzöl usw. Auch Mischungen dieser Stoffe können angewandt werden. Dort, wo nicht zu helle, z. B. rot gefärbte Beläge gewünscht werden, kann das Bindemittel auch einen gewissen Gehalt an schwarz gefärbten bituminösen Stoffen, wie Steinkohlenteer oder Asphalt bitumen enthalten. Sofern die genannten Stoffe oder die Mischungen derselben zu hart oder zu spröde sind, können sie vermengt mit 01 oder Lösungsmitteln verwendet werden, wie z.
B. mit Anthracen-, Teer-, Gas- und andern Mineralölen, Kreosot-, Baumwoll saat-, Rüb-, :Sojabohnen-, Tallöl und andern nicht schnell verharzenden Ölen. Das Binde mittel soll so beschaffen sein, dass es mög lichst lange klebrig bleibt. Zuetze von Weichmachern, beispielsweise vom Paraffin typus, dürften .sich daher oft empfehlen.
Die Viskosität des Bindemittels in der streufähi gen Masse ist im Falle der Verwendung mit andern Belagsmassen von der Viskosität der in letzteren enthaltenen organischen Binde mitteln abhängig.
Enthält die Belagsmasse zum Beispiel ein Asphaltbitumen vom Schmelzpunkt nach Krämer-Sarnow von 35 biss 45 C, so wird für die streufähige Masse zweckmässig ein flüssiges Bindemittel ver wendet, das beispielsweise eine Viskosität von 8 bis 15 Sek., gemessen im Teerkonsisto- meter bei 30 C aufweist. Ist -dagegen die Belagsmasse mit einem Teer von dieser Vis kosität hergestellt, so sollte das Bindemittel der streufähigen Masse eine höhere Zähigkeit besitzen, zum Beispiel 100 Sek. oder mehr.
In diesem Falle ist es angezeigt, das Binde- mittel durch Erwärmen dünnflüssiger zu machen, bevor man es mit dem Pulver vermischt.
Zum Färben der Mischungen kommen Erd-, Mineral-, Bronzefarben und Metall bronzen oder auch wasserunlösliche, organi sche Farbstoffe, insbesondere kleinere Men gen geeigneter Pigmentfarbstoffe, sowie Ge mische derselben in Frage.
Nach dem D. R. P. Nr. 58267,6 können farbige, bituminöse Massen dadurch erhalten werden, dass man Asphaltkalksteinmehl oder Kalksteinmehl mit einer Lösung oder Sus- pension organischer Farbstoffe behandelt und hierauf helles Bitumen, wie Stearinpech, bei mischt. Das Material wird in bekannter Weise als Stampfmehl oder Mastix verarbei tet. Dieses Verfahren ist auf die Verwen dung organischer und, wie die Beispiele zei gen, insbesondere wasserlöslicher Farbstoffe abgestellt.
Es wird in der betreffenden Pa tentschrift darauf hingewiesen, dass Metall <I>oxyde</I> und anorganische Farben verschiedene gewichtige Nachteile haben, die ihre Ver wendung ausschliessen. Nach dem vorliegen den Verfahren .dagegen ist es möglich, falls überhaupt Farbstoffe Verwendung finden, gerade anorganische Farbstoffe zu wählen, da diese auch in geringer Menge zur Geltung kommen. Falls organische Farbstoffe ange wandt werden, ist es nicht notwendig, wie im D. R. P. Nr.<B>582.676</B> angegeben, erst das Pulver mit einer Lösung oder .Suspension des Farbstoffes zu behandeln und hierauf mit einem hellen Bitumen, wie Stearinpech zu umhüllen, sondern der organische Farbstoff kann direkt im Bindemittel aufgenommen werden.
Beispiel <I>1:</I> 86 Teile Kalkmehl werden mit 14 Teilen Bindemittel, bestehend aus 60 % Kolopho nium, 201% Tallöl und 20% Gasöl gleich mässig umhüllt. Von dieser streufähigen Masse bringt man je nach Art der frischein gebauten. Unterlage 1 bis 10 kg auf den m2 auf und walzt ab.
Es entsteht eine helle geschlossene Ober fläche. Gibt man bei der Herstellung des Bindemittels geeignete Farbstoffe zu, so lassen sich helle Oberflächen beliebiger Fär bung erzielen.
<I>Beispiel 2:</I> Zur Erzeugung eines hellen Belages wird so vorgegangen, dass man zuerst eine helle, streufähige Masse herstellt, indem man un ter Erwärmen auf 40 bis 50 C 86 Teile Quarzmehl mit 14 Teilen einer Mischung aus 60 % Cumaronharz, 20 % Tallöl und 20 Gasöl vermengt, Hierauf erzeugt man in bekannter Weise einen Asphaltfeinbeton oder eine ähnliche Belagsmasse durch Umhüllen von Steingrus,
Sand und Füller mit Asphaltbitumen auf heissem Wege und gibt zu 60 kg dieser Be- lagsmasse 40 kg der oben erwähnten, streu fähigen Masse zu. Da dadurch viel feinkörni ges Material in das Mischgut kommt, kann beim Anmachen des Asphaltfeinbetons die Menge des Füllers vermindert oder auch ganz fortgelassen werden.
Nach obigem Verfahren erhält man ein hell aussehendes Mischgut, das nach dem Aufbringen auf die Strasse und Einwalzen einen hellen, auch bei Nacht und Regen gut sichtbaren Belag gibt, wäh rend Asphaltfeinbeton infolge der schwarzen Farbe des Asphaltbitumens einen grauen bis schwarzen Belag erzeugt.
Versucht man dagegen einen Asphaltfein beton obiger Zusammensetzung oder .eine ähnliche Belagsmasse aufzuhellen, indem man bei der Herstellung nach der üblichen Arbeitsweise die oben angewendete Menge Quarzmehl zugibt, so kann man feststellen, dass dies nicht gelingt, weil das Quarzmehl als Füller vom Asphaltbitumen umhüllt, in der schwarzen Masse wirkungslos verschwiu- det. Im Gegensatz dazu neigt,die streufähige Masse des obigen Beispiels nicht dazu, sich im Asphaltbitumen aufzulösen, deshalb wird überraschenderweise der neuartige Effekt der starken Aufhellung erreicht.
Dieser kann noch gesteigert werden, indem man zur Her stellung des Asphaltfeinbetons ein höher schmelzendes Asphaltbitumen anwendet und die streufähige Masse erst dann zusetzt, wenn das Bitumen in der Mineralmischung durch Abkühlung zähflüssig geworden ist. Beispiel <I>3:</I> Mit einem zähflüssigen Strassenteer vom Tropfpunkt nach Ubbelohde von 32 bis 37 C wird ein dichtes, feinkörniges %Splitt- gemisch, z.
B. aus schwarzem Basalt, unter Erhitzen nach üblicher Weise umhüllt und das Mischgut auf 30 bis 50 C abgekühlt. Hierauf setzt man zu 70 Teilen dieses Teer feinbetons 30 Teile einer hellen Masse zu, die wie folgt hergestellt wird: 8.6 Teile Kalk- steinmehl werden. mit 14 Teilen einer Mi schung von gleichen Teilen Kolophonium und Harzöl unter Erwärmen vermengt.
,Beispiel Zur Herstellung eines roten Belages er zeugt man erstens in bekannter Weise ein Mischgut zum Beisspiel aus gebrochenem Kies und einem hellen Bindemittel und zweitens eine rote, streufähige Masse, z. B. durch Vermischen von 60 % Kieselgur, 10 % Eisen- ogy4rot und<B>80%</B> einer Mischung aus glei chen Teilen Holzteer und Kolophonium. Der Kieselgur wird zuerst mit dem Eisenoxyd vermahlen, bis das Pulver gleichmässig ge färbt ist.
Hierauf setzt man unter Erhitzen auf zirka<B>50'</B> C die Holzteer-Kolophonium- Mischung zu und verrührt so lange, bis eine homogene Masse entstanden isst. Auf die zu behandelnde Unterlage wird zuerst eine 1 bis 2 cm dicke iSchicht des mit dem hellen Bindemittel hergestellten Mischgutes lose aufgetragen. Hierauf wird es mit der roten Masse überstreut, so dass etwa 8 bis 10 kg davon auf .den m2 komm-en.
Durch Walzen werden die Bestandteile miteinander ver mengt. Die Reihenfolge des Aufbringens ist belanglos.
Beispiel <I>5:</I> Auf einen eben erstellten Teermakadam werden 5 bis, 7 kg je m2 eines Gemisches von gleichen Teilen Natürasphaltpulver und einer streufähigen Masse von der Zusammen setzung nach Beispiel 1 oder 2 gleichmässig verteilt und festgewalzt. Es entsteht ein hel ler Belag von einigen Millimetern Stärke, während aus Naturasphalt allein hergestellte Beläge bekanntlich dunkel gefärbt sind.
Bei Anwendung farbiger Massen lassen sich besondere Effekte dadurch erzielen, dass man Massen von verschiedener Färbung mit einander etwa wie im folgenden Beispiel an gegeben, verwendet.
<I>Beispiel</I> 6-: Man stellt aus 93 Teilen Glaspulver und 7 Teilen einer Mischung von<B>70%</B> Pineöl, <B>26%</B> hellem Montanwachs und 4 % Hanse gelb eine gelbe, streufähige Masse her. Diese wird vor der Verwendung mit den in Beispiel 1 oder 2 erwähnten hellen streufähigen Mas sen vermischt. Beispielsweise wird eine ältere Strasse mit diesem Gemisch allein oder zu sammen mit gleichen Teilen Naturasphalt so überstreut; .dass etwa 8 kg des Pulvers auf den m2 kommen. Obgleich nur verhältnis mässig wenig Farbstoff angewandt wird, ist die Farbwirkung in beiden Fällen sehr gut.
Falls die hellen oder farbigen streufähi gen Massen zusammen mit einer Belagsmasse angewandt werden, ist es nicht unbedingt notwendig, die Bestandteile vor dem Auf bringen auf die Strasse zu vermischen, sie können auch nacheinander auf der Strasse ausgebreitet und eingewalzt werden.
Die erzielbaren streufähigen Massen eig nen sich besonders auch zur Herstellung von kalt zu verarbeitendem Mischgut. Dazu er zeugt man eret unter Erhitzen eine Teer- oder Asphaltbelagsmasse mit Bindemitteln, die einen Tropfpunkt von über 30 C nach Ub- belohde aufweisen. Man lässt abkühlen, bis das Bindemittel zähflüssig ist und setzt hier auf die streufähige Masse zu. Nach dem Er kalten ist das Mischgut für den Kalteinbau geeignet und behält diesen Zustand lange Zeit bei.
Die streufähigen Massen gelangen zur Hauptsache nur als dünne Schichten zur Verwendung.,Sie eignen sich daher auch sehr gut, um ,Strassendecken aller Art, seien es eben erstellte oder schon im Verkehr ge legene, mit einem hellen oder farbigen Belag zu überziehen.
Auf sehr glatten Strassen, wie glatt ge fahrenen Asphalt oder Zementdecken emp fiehlt es sich, vor dem Aufbringen der obigen Beläge die Oberfläche mit einem organischen Bindemittel änzuetr.eichen. Hierzu verwendet man die bekannten, bituminösen Strassenbau stoffe, mit Vorteil jedoch hell gefärbte, or ganische Bindemittel.
Auch bei Herstellung von Belägen nach üblichen Oberflächenbehandlungen, wonach erst ein Bindemittel aufgebracht und hier- auf mit Splitt überstreut wird, kann Glas vor liegende Verfahren zum Aufhellen oder Fär ben der Oberfläche dienen, indem nach dem Auftragen des Bindemittels aus Teer oder Asphaltbitumen ein Splitt, der mit den streu fähigen Massen mit Klebevermögen vermengt ist, angewandt wird. Falls die Oberflächen behandlung mit einem schwarzen Bindemit tel ausgeführt wird, so ist es vorteilhaft, zu erst mit Splitt zu überstreuen und hierauf die helle oder farbige Masse zuzusetzen.
Bei Verwendung eines hellen Bindemittels da gegen kann man Splitt und farbige Masse entweder gleichzeitig oder in beliebiger Reihenfolge aufbringen.