CH217758A - Verfahren zur Herstellung von Margarine. - Google Patents

Verfahren zur Herstellung von Margarine.

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CH217758A
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Willy Dr Ekhard
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  Verfahren zur Herstellung von Margarine.    Die zur     Margarineherstellung    benutzten  Öle und Fette werden vor ihrer Verarbeitung  einer     Raffination    unterworfen. Die bekann  ten     Raffinationsmethoden    beruhen teils auf  physikalischer, teils auf chemischer Grund  lage. Zu den physikalischen Methoden gehört  beispielsweise das Dämpfen der Fette mit  hochgespanntem Dampf, zu den chemischen  die Behandlung mit Aktivkohle, Bleicherde,  Wasserstoffsuperoxyd, schwefliger Säure  und dergleichen. Der Nachteil dieser bekann  ten Verfahren ist der, dass sie zu teuer sind  und komplizierte Fabrikationsanlagen     not-          endig    machen.  



  Es ist ferner vorgeschlagen worden,     Gly-          zeride    der Fettsäuren durch     unmittelbare     Anwendung von Mikroorganismen zu ver  edeln. Die auf diesem Wege raffinierten  Produkte     entsprechen    aber keineswegs den  Anforderungen der Praxis.  



  Es wurde nun gefunden, dass eine ver  edelte, das heisst eine     bezügqich    des     Geruchs,     Geschmacks, der Haltbarkeit und Kon-         sistenz    verbesserte Margarine dadurch in  befriedigender Weise erzielt wird, dass man  die zu     verarbeitenden    Öle und Fette der       Einwirkung    von Mikroorganismen unter  wirft, wobei die zu veredelnden Stoffe mit  einem artfremden, gärfähigen Substrat, das  mit     Hilfe    von     Mikroorganismen    zu lebhaf  ter Gärtätigkeit gebracht     wird,

          innig    ver  mischt werden und das Behandlungsgut  nach Beendigung der     Gärtätigkeit    von den       Stoffwechselprodukten    abtrennt und dann  zu Margarine verarbeitet. Die     Einwirkung     der Mikroorganismen     kann    dabei durch ent  sprechende, an sich     bekannte    Steuerung der  Gärvorgänge günstig beeinflusst werden.  



  In Verbindung mit den durch Mikro  organismen in Gärung versetzten     artfremden     Nährböden können auch     ungeformte    Fer  mente zur Einwirkung auf die zu behandeln  den Materialien gebracht werden. Diese Fer  mente können in Lösung, z. B. in Wasser  vor, während oder nach der Behandlung     mit     gärenden Nährböden     verwendet    werden.

   Im      Gegensatz zu den bekannten, rein chemischen  und     physikalischen    Verfahren handelt es  sich also hier um eine auf biologischer Grund  lage     beruhende    Methode, die sich von den  bekannten, unbefriedigenden biologischen  Methoden grundsätzlich durch die Verwen  dung     artfremder    Nährböden und durch die  Reinigung des Behandlungsgutes von den  Gärprodukten unterscheidet.  



  Als besonders wirksam haben sich     zucker-          vergärende    Mikroben, wie     Saccharomyeetan     (Hefen) erwiesen, ferner auch Säurebildner,  z. B.     \lilchsäureerzeuger    wie     Bacillus        Del-          brücki,        Bacillus        Leichmann,        Bacillus        Bulga-          ricus,        Streptococcus        thermophilus    oder andere  Säurebildner, wie z.

   B.     Propionsäure,    Butter  säure und andere organische Säuren erzeu  gende 'Mikroben usw. Es können auch meh  rere dieser     Nikroben    gleichzeitig oder nach  einander     verwendet    werden.  



  Als Nährböden kommen in Frage:     CTär-          fähige    Kohlehydrate     bezw.    spezifische Sub  strate, die die Mikroben zur vollen Lebens  tätigkeit anregen, z. B.     Abkochungen    und  Aufgüsse von Tier- oder Pflanzenstoffen, die  alle für die Lebensfähigkeit der Mikroben  notwendigen     Nähr-    und Aufbaustoffe enthal  ten, auch     Raulinsche    Lösung (Zuckerlösung,  enthaltend     Ammoniumnitrat,        Ammonium-          phosphat,        Ammoniumsulfat,        Kaliumca.rbonat,          Naliumsilikat,

          Magnesiumsulfat,    Eisensulfat,  Zinksulfat).  



  Von den ungeformten Fermenten haben  sich in erster Linie Pepsin,     Papain,    Lab und       Diastase    bewährt. Diese Fermente haben sich  in erster Linie zur Vor- und Nachbehand  lung der     Ole    und Fette als geeignet erwie  sen. Die Fermente können jedoch auch gleich  zeitig mit den     Mikroorganismen    zur Anwen  dung gebracht werden. So ist es zum Beispiel       möglieh.    Lab mit einer alkoholischen Gärung       (Hefegärung)    zu kombinieren.

   Anderseits  kann man auch diese Fermente mit     Alkohol-          oder    Säurebildnern     bezw.        Gemischen    davon  kombinieren, wenn man dafür sorgt, dass das  jeweils erforderliche     pa    vorhanden ist. In  manchen Fällen hat es sich als zweckmässig       erwiesen,    die entstehende     Milchsäure    zum    Beispiel durch Puffergemische oder     Calcium-          carbonat        bezw.        Magnesiumcarbonat    konti  nuierlich abzustumpfen.  



  Vorteilhaft wird in der Weise gearbeitet,  dass während der Vergärung das zu raffinie  rende Produkt, gegebenenfalls zusammen mit  der     Fermentlösung,    mit der gärenden Zucker  lösung gemischt oder     emulgiert    und nach er  folgter     Fermentation    von der vergorenen  Lösung abgetrennt und ausgewaschen wird.  



  Der Vorteil des Verfahrens liegt darin,  dass bei der     fermentativen    Behandlung die       Stoffwechselprodukte    der Mikroorganismen  in statu nascendi auf die zu raffinierenden  Produkte einwirken, wodurch eine besonders  nachhaltige Wirkung erzielt wird. Die     Fer-          tnentation    verläuft derart, dass das zu behan  delnde Produkt in den     Stoffwechselzyklus     der     Bakterien    eingeschaltet wird.  



  Zur Aktivierung der     Fermentationsvor-          gänge    hat sich eine kontinuierliche, milde  Oxydation, die die bakterielle Tätigkeit nicht  unterbindet, als vorteilhaft herausgestellt.  Diese Oxydation kann zum Beispiel durch  Luftdurchleitung, vorsichtige     Ozonisierung,          al'lmäh'liche        Zugabe    von Peroxyden,     Perman-          gana.t,        Wasserstoffsuperoxyd        u¯w.    erfolgen.  Während der Gärung können also in einem       derartigen    Falle durch die biologischen Ein  flüsse Reduktionen und gleichzeitig eine ver  stärkte Oxydation erfolgen.  



  Durch die gleichzeitige Oxydation wird  eine Stabilisierung des Produktes erzielt und  entgegen der allgemein gültigen Auffassung,  dass anaerobe Bakterien und Fermente nur  unter     Luftabschluss    ihre Wirkung ausüben  können, hat sich herausgestellt, dass die An  wesenheit von Luft gerade notwendig ist. Es  hat sich - und dies ist bereits aus der Li  teratur bekannt (vergleiche z. B.

   P.     Lindner:          "Mikroskopische        Betriebskontrolle    in den     Gä-          run(rsgewerben",        Band    5. 6.     Auflage,    Verlag  Paul     Parey,    Berlin 1930, Seite 624) - ge  zeigt,     dass    sehr wohl zum Beispiel anaerobe       Milchsäurebildner    bei Belüftung, das heisst  unter     oxydativer    Wirkung in den     aeroben     Zustand übergeführt werden können und  trotzdem ihre Tätigkeit     weiter    ausüben.

   So      hat     Beyerinck    den     Bacillus        fermentum    bei  reichlichem Luftzutritt in den     Bacilluls        Del-          brücki.        (übergeführt,    das, heisst     m    eine nur  wenig     säuernde,    auf     Agar    aber sehr gut  wachsende Form. Die Tatsache, dass anaerobe  Bakterien in eine     aerobe    Modifikation über  geführt werden können, ermöglicht ausser der  Anwendung der     aeroben    Form des Organis  mus die gleichzeitige Oxydation während  der Fermentation.

   Dies ist deshalb wichtig,  weil dadurch gewisse, durch die Fermenta  tion entstehende Abbauprodukte kontinuier  lich     aufoxydiert    zu werden scheinen.  



  Zweckmässig wird dieser     aerobe    Zustand  der Bakterien ausgenutzt, da, eine zufrieden  stellende Veredlung nur durch die     fermen-          tative        Einwirkung    bei gleichzeitiger Anwen  dung milder     Oxydationsmittel    erreicht wird.  



  Die an sich widerspruchsvoll erscheinende       Anwendung    von Oxydationsmitteln in so mil  der Form, dass sie weder Bakterien- noch     fer-          mentzerstörend    wirken, ist also, wie gefun  den wurde, eine Bedingung zur Erreichung  des bereits früher vergeblich angestrebten  Effektes.  



  Durch das beschriebene Verfahren     wird     nicht nur eine wesentliche geschmackliche       Verbesserung    erzielt, sondern gleichzeitig  eine starke Bleichwirkung und Konservie  rung. Hinsichtlich der Konservierung ist von  Vorteil, dass, abweichend von der üblichen  biologischen Konservierung, wie z. B. Silo  futter, Sauergurken, Sauerkraut     etc.    nach er  folgter Einwirkung der Mikroben, diese samt  ihren     Stoffwechselprodukten    vom Ausgangs  material völlig abgetrennt werden. Die ge  bildeten Säuren (z. B. Milchsäure) oder an  dere     Stoffwechselprodukte,    die bei den übli  chen Konservierungsmethoden stets im Ma  terial verbleiben, sind also entfernt.

   Trotz  dem bekommt das Ausgangsmaterial eine viel  längere Haltbarkeit als das unbehandelte und  eine grössere Widerstandsfähigkeit gegen  Wärme- und     Lichteinfluss.    So kann man zum  Beispiel Sojaöl,     Erdnussöl,    Leinöl,     Rüböl,          Cottonöl,    Maisöl und andere, wie auch Rin  dertalg,     Schweinefett    in der geschilderten  Weise     behandeln.            Typisoh    für die     Wirkung    des Verfah  rens ist es, dass zum Beispiel bei den       pflanzlichen;

          Ölten    Ader     unerwünsehte        Eigenge-          echmaek    des. Rohproduktes völlig verschwin  det und einem neutralen, stark dem Olivenöl  ähnelnden weicht. Bei den tierischen Fetten,  wie z. B.     Rindertalg,    gelingt es, den dem  Fett anhaftenden, nur schwer zu entfernen  den tierischen Beigeschmack völlig zu besei  tigen und ein     Neutralfett    zu erzeugen, was  zum Beispiel bei Talg nach dem heutigen  Stande der Technik nicht möglich ist.  



  Einen wichtigen Raum nehmen die     Fisch-          trane    und Fischöle     ein..    Hier werden nach  vorliegendem Verfahren Produkte     gewonnen,     die absolut indifferent im Geruch und Ge  schmack sind und einen Ersatz für die müh  seligen     Härtungs-    und     Desodorisierungsver-          fahren    bieten sollen.  



  Zu bemerken ist, dass die Einwirkung  der Mikroben im     geschilderten    Sinne     nicht     nur auf die Öle und     Fette    direkt erfolgen  kann,     sondern    auch indirekt auf die zerklei  nerten Ausgangsmaterialien derselben, wie  z. B. Sojabohnen, Baumwollsamen, Raps,       Lupinen        etc.    Die auf diese Weise vorbehan  delten Produkte ergeben bei der Ölgewinnung  ein sehr reines<B>01</B> im Gegensatz zu den nicht  vorbehandelten.

   Erwähnenswert ist ferner  der Umstand, dass die bei der Ölgewinnung  durch Pressung anfallenden     Pressrückstände,     die normalerweise nur ein Öl zweiter Quali  tät geben, nach obigem Verfahren     behandelt,     Öle einwandfreier Beschaffenheit liefern.  



  Dieses Verfahren lässt sich auch mit aus  gezeichnetem Erfolg zur     Gewinnung    von  Feintalg aus Rohtalg     bezw.    von     Fetten    aus  tierischen. Rohstoffen und zu deren Ver  edlung verwenden. Feintalg, das     sogenannte     Premier     jus,    wird zur Zeit durch Ausschmel  zen von Rohtalg bei verhältnismässig hohen       Temperaturen    (ca.<B>60'</B> und mehr) gewonnen  und bei noch höheren     Temperaturen    geklärt.  Der auf diese Weise gewonnene Talg hat  eine gelbe Farbe, einen     typischen    Talg  geruch, ist hart, bröcklig und nicht streich  fähig.

   Die Ausbeute des bekannten Verfah  rens     beträgt    nur 78/o, da die     Grieben    viel      Fett. zurückhalten. Die Grieben  -erden ge  röstet und zu Kuchen gepresst als Viehfutter  verkauft. Behandelt man nun den Rohtalg  erfindungsgemäss mit durch Bakterien in  Gärung versetzten, artfremden Nährböden,  so wird das Zellgewebe sehr fein zerlegt       (mazerisiert),    so dass fast das ganze Fett  freigegeben wird. Die Ausbeute steigt auf  etwa.     90o    . Ein weiterer Vorteil ist, dass  die biologische Einwirkung unterhalb der  Schmelztemperatur des Talges stattfindet,  so dass sich das Fett nicht durch die Ein  wirkung hoher Temperaturen verfärben kann  und ein weisses Produkt erzielt wird.

   Da  bekanntlich durch Erhitzen die     Verdaulich-          keit    der     Eiweissstoffe    beträchtlich herab  gesetzt wird, behalten die Grieben im Gegen  satz zu den     bekannten,    mit hohen Tempera  turen arbeitenden Verfahren ihre volle     Ver-          daulichkeit.    Ausserdem sind die gewonnenen  Grieben fein aufgeschlossen und von ange  nehmem Geschmack, so dass sie sogar für die  menschliche     Ernährang    brauchbar sind, z. B.  als Streckmittel für Wurstfüllungen und der  gleichen.  



  Im     CTegensatz    zu dein bekannten     Auf-          ,schluss    von Talg durch     @lilchsäureerreger,    der  unter     Verwendung    anaerober     Bakterien    unter  völligem     Luftabschluss        ausgeführt    worden ist  und sehr lange     Aufschlusszeiten,    z.

   B. bis zu  6 Tagen     erforderte,    wird vorteilhaft der Auf  schluss und die Veredlung des Rohproduktes  mit Hilfe anaerober Bakterien gerade bei  Anwesenheit v an Luft     bezw.    v an Oxydations  mitteln, wie oben     be:cbrieben,        ausgeführt.     Dabei erfahren die anaeroben     Bakterien    eine  Veränderung ihrer Eigenschaften, und es       tvird    ausserdem eine gleichzeitige gelinde  Oxydation während der Fermentation her  vorgerufen.  



  Die für den Aufschluss der Rohprodukte  massgebende Veränderung der anaeroben Bak  terien kann dadurch bewerkstelligt werden,       da.ss    der zweckmässig mechanisch zerkleinerte  Rohtalg mit einem Nährboden, z. B. einer  gärfähigen Zuckerlösung, die gegebenenfalls  mit     entsprechenden    Nährsalzen versetzt und  mit Bakterien     beimpft    ist, mit einem kräf-    tagen     Rührwerk    gemischt wird. Durch das  Rühren wird stets eine     bestimmte    Menge  Luft in das     Gemisch    hineingerührt, so dass  die erwünschte Oxydation und Belüftung er  folgt. Selbstverständlich kann auch ein kräf  tiger Luftstrom während der Fermentation  eingeleitet  -erden. Auch Oxydationsmittel,  wie z. B.

   Wasserstoffsuperoxyd, in vorsich  tiger, unterhalb der bakteriziden Wirkung  bleibender Dosierung oder Lösung von Per  salzen oder dergleichen können zugesetzt  werden.  



  Als Bakterien kommen in erster Linie       Michsäureerzeuger,    wie z. B.     Baeillus        bul-          garicus,        Streptococcus        thermophilus,        Bacillus          Delbrücki,        Bacillus        Leichmann    u. a. in Frage.  Ausserdem können zur     Abseheidung    des Pro  teins     bezw.    zur Zerlegung des Zellgewebes  Enzyme, wie z. B. Lab, Pepsin und ähnliche  eiweissabbauende Fermente verwendet wer  den.  



  Durch die Einwirkung der erzeugten  Milchsäure in statu nascendi     bezw.    der ei  weissabbauenden Fermente wird das Zell  gewebe so fein zerlegt, dass es das Fett nicht  mehr zurückhalten kann und gleichzeitig  das Fett selbst veredelt.  



  Es ist bekannt, dass ungeformte Fermente,  wie z. B. Pepsin, Lab,     Diastase    und derglei  chen optimal unter völligem     Luftabschluss,     das heisst unter Vermeidung jeder Oxydation  wirken. Durch die Belüftung wird die Wirk  samkeit der ungeformten Fermente selbst  verständlich herabgesetzt, der Mangel an       .i1        ktivität    jedoch überkompensiert durch die  erwähnten günstigen     Oxydationswirkungen.     Dasselbe gilt sinngemäss für die anaeroben  Bakterien, besonders in den Fällen, wo das   < anaerobe     Bakterium    nicht in eine     aerobe    Mo  difikation übergeführt wird.  



  Da es sich bei derartigen bakteriellen  Fermentationen um die Wirkung bestimmter       Enzyme    handelt, kann die Fermentation auch  mit Kombinationen dieser bakteriellen Lö  sungen mit den     isolierten    ungeformten En  zymen selbst, wie z. B. mit     Hefepresssaft,          Autolysaten:    mit     enzymatischer    Aktivität  durchgeführt. werden.

        Änderungen und     Verbesserungen    des     ge-          ruchlichen    Charakters von     Glyzeriden    der  Fettsäuren können auch durch auf     biologi-          s        e        'hem        Wece        C        durchoeführte        el        Veresterungen     erfolgen, die mit den bisher aufgeführten  Gärvorgängen kombiniert werden. Zwangs  läufig entstehen bereits     Veresterungen    bei  gemischter alkoholisch-saurer Gärung (z. B.

    von Hefe und     Bacillus        bulgaricus).    Solche       Veresterungen    sind zum Beispiel gegebenen  falls in Anwesenheit von Äthyl-,     Butyl-    und  andern, höheren Alkoholen mit     Buttersäure-          bakterien,        Milchsäurebakterien,    Essigsäure  bakterien, insbesondere     Bacterium        acetosum     und verschiedenen Hefen und Kombinationen  dieser Organismen zu erzielen.     Selbstver-          ständlich    wird man von an sich schädlichen  Bakterien, wie z.

   B.     Buttersäurebakterien,     nur so viel     verwenden,    als jeweils zur     Ver-          esterung    erforderlich ist.  



  In allen Fällen hat es sich als vorteilhaft  erwiesen, dass mit der     fermentativen    Einwir  kung die bereits mehrfach     erwähnte    milde       Oxydation    des zu behandelnden Produktes  vorgenommen wird.  



  Bezüglich der Hefen ist zu erwähnen, dass  diese bei der einfachsten Form der Oxyda  tion, das heisst bei Luftdurchleitung, eine be  sonders rege Lebenstätigkeit entfalten, wie  es ja aus den sogenannten     Lufthefeverfah-          ren    bekannt ist. In diesem Fall ist im Gegen  satz zu der Verwendung anaerober Bakterien  der     Optimalfall    gegeben, denn es ist selbst  verständlich erwünscht, dass die     fermenta-          tiven    Einflüsse so kräftig     wie    möglich er  folgen.  



  Das Verfahren eignet sich im besonderen,  die üblichen     Raffinationsverfahren    wie     Blei-          chung,    Dämpfung stark abzukürzen und so  eine wesentliche Verbilligung des Produk  tionsprozesses zu erzielen, die Härtung für  Fischöle weitestgehend zu ersetzen. Sehr  empfehlenswert ist eine     Kombination    der  üblichen     Raffinationsverfahren    mit dem bio  logischen. So kann zum Beispiel an eine vor  gehende     Bleiehung    und Dämpfung obiges  Verfahren angeschlossen werden.

   Zweckmässi  ger noch, indem die biologische Behandlung    zuerst Platz greift und hieran anschliessend  die üblichen     Raffinationsverfahren,    wie Ent  säurung,     Bleichung    und Dämpfung,     folgen.     Ein sehr starker Effekt wird erzielt, wenn  man den zu behandelnden Ölen und Fetten  bei der Fermentation im geschilderten Sinne  die üblichen Bleichmittel, Bleicherde,     Silika-          gel,    Aktivkohle oder Gemische dieser der  Emulsion bei der     Bebrütung        zusetzt.    Auch  hat es sich als zweckmässig erwiesen, im Ver  laufe der     Fermentation    durch die Emulsion  Gase, wie z. B.

   Luft, Kohlensäure oder an  dere, die keinerlei die Fette schädigende Ein  wirkung     hervorrufen,        hindurchzuschicken.     



  Die gesamte     Fettmasse    wird vor der     Kir-          nung    in geschilderter Weise behandelt und  dann die Fettmengen zum Beispiel durch  Zentrifugieren oder Filtrieren von den Stoff  wechselprodukten befreit, ohne die Aus  gangsmaterialien auszuwaschen.  



  <I>Beispiel 1:</I>  100 kg Waltran werden mit 100 kg einer  gärfähigen, etwa 3     ö    ixen Zuckerlösung, die  mit etwa 5 kg     Presshefe        beimpft    ist, unter  Luftdurchleitung     emulgiert.    Nachdem die  Gärung angegangen ist, werden der Emul  sion etwa 2 kg neutrales     Natriumsulfit    zu  gefügt und gleichzeitig als Katalysator, um  die Reduktionsvorgänge zu beschleunigen,  z. B. etwa 500 g     Zinnchlorür    zugesetzt. Die  Emulsion wird ca. 6 Stunden unter kräftiger  Luftdurchleitung auf einer Temperatur von  ca.<B>30'</B> gehalten.

   Nach dieser Zeit wird die  Luftdurchleitung unterbrochen, so dass das  Fett sich von der Gärlösung scheiden     kann.     Diese     wird    nun abgelassen und der so raffi  nierte Tran gegebenenfalls neutralisiert und  filtriert und in üblicher     Weise    zu Margarine  verarbeitet. Der Vorgang kann einmal oder  mehrmals wiederholt werden.  



  <I>Beispiel 2:</I>  100 kg     Erdnussöl    werden mit etwa 50 Li  ter Wasser, das     etwa    im Verhältnis 1 :10 000  mit     Labferment    versetzt ist, unter Luft  durchleitung bei einer Temperatur, die zwi  schen 37 und 40   liegt,     emulgiert.    Nach zwei      Stunden wird die Luftdurchleitung abge  stellt, das<B>01</B> scheidet sich von der Ferment  lösung, diese wird abgelassen und das<B>01</B> von  den ausgeschiedenen Eiweissstoffen durch  Filtration oder Zentrifugieren getrennt. Nach  dieser     Vorbehandlung    wird das<B>01</B> erneut mit.  der gleichen Menge einer gärfähigen     Zucker-          lbsung    (z.

   B.     Invertzucker),    die mit 5 kg  einer     Mischkultur    von     Bacillus        bulgaricus     und     Streptococcus        thermophilus    beimpft ist,       emulgiert.    (Diese Kultur kann in der Weise  gezüchtet werden, dass man 5 Liter einer       Raulinsehen    Lösung mit einer Kultur der  beiden Organismen beimpft und bei etwa  42   bebrütet, bis die optimale     Azidität    er  reicht ist. Zweckmässig wird die Kultur, be  vor sie für die Impfung des Nährbodens ver  wendet wird, neutralisiert (abgestumpft).

    Nach der     Beimpfung    des Nährbodens wird  bei einer Temperatur von etwa 42   der Nähr  boden mit dem 01 unter Luftdurchleitung       emu.lgiert.    Nach etwa 6 Stunden wird die  Luftdurchleitung unterbrochen und wie in  Beispiel 1 verfahren.

           Beispiel   <I>3:</I>  1000 kg roher, unverarbeiteter Talg wer  den in üblicher Weise in einem Wolf zer  kleinert und mit etwa<B>1500</B> Liter einer  3     %        igen        Invertzuckerlösung,    die mit etwa. 5  einer Mischkultur mit     Streptocoecus        thermo-          philus    und     Bacillus        bulgaricus    geimpft ist,  in ein entsprechendes Gefäss getan.

   Die er  wähnte Mischkultur wird zum Beispiel auf  einer     Raulinschen    Lösung gezüchtet und,  nachdem sie     eine        Acidität,    die das Optimum  der     Säurung    darstellt, erreicht hat, abge  stumpft und als Impfmaterial verwandt. Das       vorerwähnte    Gemisch von zerkleinertem Roh  talg und beimpftem Nährboden wird bei  einer Temperatur, die der     ZiiehtungStempera-          tur    der     11ikroorganismen    entspricht, unter  intensiver Luftdurchleitung gemischt. Nach  ca. 6 bis 8 Stunden ist das Zellgewebe so  weit aufgeschlossen, dass das Fett ihm ent  zogen werden kann.

   Der Nährboden wird  nunmehr an einem untern     Ablasshahn    abge  lassen. Dann wird das Produkt mit heissem    Wasser gewaschen, wobei der Talg schmilzt.  Nach dem Ausschmelzen wird das Wasch  wasser mit den Grieben abgelassen. Die Grie  ben werden separiert aufgefangen. Zweck  mässig wird durch an sich bekanntes Nach  giessen von etwas Salzwasser die Klärung  des Talges oberhalb seines Schmelzpunktes  begünstigt.

   Eine weitere Qualitätssteigerung  wird durch die einmalige oder mehrmalige  Wiederholung des oben geschilderten     Fer-          mentationsprozesses    nach     Abscheidung    des       i        aufi,        --eschlossenen        Zellgewebes        (Grieben)        er     zielt. Wie vorher     aufgeführt,    kann dieses       Ausführungsbeispiel    auch     in    Kombination mit  einer Behandlung durch ungeformte Fer  mente durchgeführt werden.

   Dieser so be  handelte Talg kann jetzt unmittelbar auf  Margarine verarbeitet werden, das heisst er  kann zwecks     Kirnung    mit andern Fetten,  sei es pflanzlichen öder tierischen Ursprungs,       emulgiert    werden. Als Medium der     Kirnung     kann in der in der     Margarineherstellung     üblichen Weise     M'asser    oder Sauermilch       Verwendung    finden. Als Zusatz andere Fett  arten, z. B. Sojaöl,     Erdnussöl,    gehärteter  ;Waltran. Mit andern Worten, alle Stoffe die  für die Herstellung von Margarine üblich  sind.  



       Beispiel   <I>4:</I>  Sojaöl wird, gegebenenfalls nach vorheri  ger     Entsäuerung,    mit dem betreffenden  Nährmedium, das die Mikroben samt ihren  Nährstoffen enthält, wie z. B. Hefen und  gärfähige     Kohlehydrate,        unter    dauerndem  Rühren     emulgiert    und der optimalen     Be-          brütungstemperatur    ausgesetzt. Der Prozess  kann, wie hier angegeben, erfolgen unter  gleichzeitiger Hinzufügung - gegebenen  falls geringer Mengen - von Bleicherde,       Silikagel    und Aktivkohle. Auch kann man  gewisse Gase, wie z. B.

   Luft, während der  ganzen Fermentation durch die Emulsion       hindurchleiten.    Nachdem die Fermentation  zum Abschluss gekommen ist, wird das<B>01</B>       bezw.    Fett von der     Gärflüssigkeit    sorgfältig  getrennt, sei es durch Zentrifugieren oder  Filtrieren und weiter zu Margarine verar  beitet.      <I>Beispiel 5:</I>  Ausgelassener     Rindertalg    wird durch vor  sichtige Erwärmung verflüssigt und mit  einer Gärflüssigkeit versetzt, die z. B. Milch  säureerreger, wie z.

   B.     Bacillus        bulgaricus,          Streptococcus        thermophilus,        Bacillus        Del-          brücki    oder andere enthält, durch Rühren       emulgiert    und bei der optimalen Gärungs  temperatur, wie z. B. 42   C, beim     Bacillus          bulgaricus    bebrütet.

   Auch hier     kann,    wie im  obigen Beispiel, die     fermentative    Behandlung  allein erfolgen oder unter Zugabe der er  wähnten Bleichmittel oder Aktivkohle und  unter     event.        Hindurchleiten    von Gasen. Nach  erfolgter     Fermentierung    wird die     Gärflüs-          sigkeit    vom Fett abgetrennt und wie oben  verfahren.

Claims (1)

  1. PATENTANSPRUCH: Verfahren zur Herstellung vor Margarine unter Anwendung von Mikroorganismen, da durch gekennzeichnet, dass die zu verarbei tenden Öle und Fette mit einem gärfähigen, artfremden Substrat, das mit Hilfe von Mi kroorganismen zu lebhafter Gärtätigkeit ge bracht wird, innig vermischt werden, das Be handlungsgut nach Beendigung der Gärtätig- keit von den Stoffwechselprodukten abge trennt und dann zu Margarine verarbeitet wird. <B>UNTERANSPRÜCHE</B> 1.
    Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass als Mikroorganis men zuckervergärende Mikroben verwendet werden. 2. Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass als Mikroorganis men Saccharomyceten verwendet werden. 3. Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass als Mikroorganis men organische Säuren erzeugende Bakterien verwendet werden. 4. Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, d@ass, ,der zur vergären- den Mischung reaktionssteuernde Substanzen zugesetzt werden. 5.
    Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass durch Zusatz von Puffergemischen A-ciditäten von etwa pg4 bis pg 7 eingestellt werden. 6. Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass bei Temperaturen zwischen etwa 20 und 60 gearbeitet wird. 7. Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass Nährsalze zuge setzt werden. B. Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass ausser der Behand lung mit gärenden Substraten eine Behand lung mit einer wässrigen Lösung ungeformter Fermente erfolgt. 9.
    Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass als artfremde Nährböden gärfähige Kohlehydrate, die die Mikroben zur vollen Lebenstätigkeit anregen und die alle notwendigen Nähr- und Auf baustoffe enthalten, verwendet werden. 10. Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass durch vorsichtigen Zusatz von Oxydationsmitteln eine milde Oxydation- herbeigeführt wird. 11. Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass das Gemisch von Fermentationsgut und Nährböden mecha nisch gerührt wird. 12.
    Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass durch das Ge misch von Fermentationsgut und Nährböden Luft durchgeleitet wird. 13. Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass anaerobe Bak terien verwendet und während der.Fermen tation milde oxydiert werden. 14. Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass Rohprodukte fett haltiger Stoffe mit Nährböden gemischt wer den, die mit an sich anaeroben Bakterien, die während der Fermentation milde oxydiert sind, zur Gärung gebracht sind. 15.
    Verfahren nach Patentanspruch und Unteranspruch 1l, dadurch gekennzeichnet, dass eine Einwirkung ungeformter Fermente erfolgt. 16. Verfahren nach Patentanspruch und Unteransprüchen 8, 14 und 15, dadurch ge- kennzeichnet, da.ss die Einwirkung der un- geformten Fermente unter Belüftung erfolgt. 17. Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, da.ss zusätzliche Ver- esterungen auf biologischem Wege herbei geführt werden. 18.
    Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass die bakterielle Be- bandlung mit einer weiteren Raffination ver einigt wird. 19. Verfahren nach Patentanspruch und Unteranspruch 18, dadurch gekennzeichnet, dass unschädliche Gase eingeleitet werden.
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