Sicherungseinrichtung mit elektrischer Schlüsselabhängigkeit in Eisenbahnanlagen. Bei Weichen, die aus einem Strecken- bezw. Bahnhofgeleise in ein Industriegeleise oder auf eine Baustelle führen und vom Auf nahmegebäude der Bahnstation weit entfernt sind, sind besondere Einrichtungen zur ge genseitigen Sicherung der Zugsfahrten und der Materialtransporte notwendig.
Eine für diesen Zweck viel verwendete Sicherungs einrichtung ist diejenige mit Schlüsselabhän- gigkeit. Diese besteht darin, dass die Betäti gungseinrichtungen der den Abschnitt zwi schen der Station und der betreffenden Weiche deckenden Signale mittels eines Seblüssels in der der Haltstellung der Signale entsprechenden Stellung verschlossen werden können, wobei derselbe Schlüssel gestattet, die Weichenstellvorrichtung aufzuschliessen.
Dn nur ein Schlüssel vorhanden ist, kann also entweder die betreffende Weiche bedient -erden, oder es kann der Abschnitt für Zugs,fahrten durch Aufschliessen der Signal- betätigungseinrichtungen freigegeben wer den, nicht aber beides, gleichzeitig. Diese Schlüsselabhängigkeit hat die Eigenschaft, dass der Materialtransport schon bei seiner Abfahrt in der Station durch die Signale gedeckt ist, weil der Schlüssel vom Begleitpersonal mitgenommen werden muss.
Dies bringt jedoch auch den Nachteil, mit sich, dass das Begleitpersonal vor einer re gulären Zugsfahrt wieder zurückkehren muss. Es ist also nicht möglich, das Begleit personal zur Ausführung längerer Arbeiten mit dem Materialtransport wegzuschicken und vor der Rückkehr des Materialtranspor tes reguläre Züge verkehren zu lassen, ob wohl die Strecke unterdessen frei und die Weiche in der den Verkehr der regulären Züge ermöglichenden Stellung verriegelt sein kann.
Man hat daher auch daran gedacht, solche Weichen durch besondere elektrische Wei chenriegel, beispielsweise durch solche, wie sie im Schweizerpatent Nr. 206889 erwähnt sind, zu sichern, bei welchen nur ein Aus schnitt in der Riegelstange vorgesehen ist, um die Weiche in der Grundstellung zu verriegeln. Diese Einrichtung hat aber den Nachteil, dass der Riegel erst betätigt wer den kann, wenn die Sparkontakttaste bei der Weiche betätigt wird, das heisst wenn der Materialzug schon vor der Weiche steht; ist die Weiche umgelegt, kann der Riegel nicht mehr einfallen, so dass die Verriegelung der Signale in deckender Stellung bei umgelegter Weiche aufrecht erhalten bleibt..
Wenn also der elektrische Weichenriegel vom Auf nahmegebäude aus freigegeben wird, kann die Weiche umgelegt werden, wobei bei um gelegter Weiche der Signalverriegelungs stromkreis unterbrochen ist und damit. die Signale verriegelt bleiben. Dieses Umstellen der Weiche kann jedoch erst durch das Be gleitpersonal des Materialzuges vorgenommen werden, das heisst die Signale werden erst verriegelt. wenn der Materialzug vor der Weiche steht und das Begleitpersonal die Weiche umgelegt hat. Der betreffende Gleis abschnitt ist also vom Materialzug besetzt, ohne dass die Signale in der Schutzstellung verriegelt sind. Das Analoge gilt für die Rückkehr des Materialzuges.
Die vorliegende Erfindung betrifft nun eine Einrichtung, die die Nachteile der oben beschriebenen Vorrichtungen vermeidet. Die Einrichtung ist dadurch gekennzeichnet, dass der Weiche ein besonderes Signal-Entriege- lungs- und Verriegelungsschloss mit elektri schen Kontakten und elektrischer Verrie gelung örtlich zugeordnet ist, durch welches Schloss beim Einstecken und Umdrehen des Schlüssels die Signale auf elektrischem Wege freigegeben werden, und wobei der in diesem Signal-Entriegelungs- und Verriege lungsschloss steckende Schlüssel gefangen ist, wenn die Signale nicht in der den Gleis abschnitt deckenden Stellung sind.
Soll nun eine Materialzugsfahrt stattfin den, so muss der Schlüssel mitgenommen wer den zum Aufschliessen der Weiche. Die Signale müssen in Schutzstellung gebracht werden, damit der Schlüssel umgedreht und aus dem Schloss an der Station gezogen werden kann. Durch das Umdrehen werden die Signale in ihrer Schutzstellung verrie gelt. Nun kann der Materialzug das gedeckte Geleise bis zur Weiche befahren. Hier wird der Schlüssel in das Weichenschloss ein geführt und umgedreht. Die Weiche ist da durch entriegelt worden und kann umgelegt werden. Durch das Umlegen der Weiche bleibt. der Schlüssel gefangen, bis dieselbe wieder in die Grundstellung gebracht wor den ist.
Hat nun der Materialzug die Weiche befahren, so wird dieselbe vom Be gleitpersonal wieder in .die Grundstellung gebracht und der Schlüssel entfernt, wo ,durch die Weiche wieder verschlossen ist. Nun wird der Schlüssel in das mit elek trischen Kontakten und Verriegelungsein richtung versehene, der Weiche örtlich zu geordnete Signal-Entriegelungs- und Verrie gelungsschloss eingeführt und umgedreht.
Durch das Umdrehen des Schlüssels in diesem Signal-Entriegelungs- und Verrie gelungsschloss werden die deckenden Signale wieder elektrisch entriegelt und wenn die Signale nun aus der deckenden Stellung gebracht werden, wird der Schlüssel in diesem Schloss elektrisch verriegelt und kann nicht mehr entfernt werden, bis die Signale erneut in die deckende Stellung gebracht worden sind. Der Materialzug steht nun auf dem abzweigenden Geleise und der vorher von ihm befahrene Gleisabschnitt ist wieder frei für den normalen Zugsverkehr. Bei der Rückfahrt wiederholen sich obige Manipulationen in umgekehrter Reihenfolge.
Vom Begleitpersonal wird die Freigabe des Schlüssels gefordert, die vom Willen des Stationsbeamten abhängig ist, der zuerst ,die Signale in deckende Stellung bringen muss. Ist dies geschehen, dann kann der Schlüssel im Signal-Entriegelungs- und Ver- riegelungsschloss umgedreht und aus dem selben entfernt werden, wobei das Umdrehen die Verriegelung der in Schutzstellung stehenden Signale bewirkt. Der Schlüssel wird nun in das Weichenschloss eingeführt und durch Umdrehen die Weiche entriegelt, die anschliessend umgelegt werden kann, so dass der Materialzug die Weiche befahren kann.
Nach :dem Zurücklegen der Weiche in die Normalstellung wird der Schlüssel wieder frei, der nun vom Begleitpersonal zum Schaltwerk in der Station zurückgebracht wird. Durch Einführen und Umdrehen des Schlüssels im Schloss des Schalterwerkes werden die Signale wieder entriegelt und der Schlüssel verriegelt, wenn die Signale aus der deckenden Stellung gebracht werden.
Wird das der Weiche örtlich zugeordnete Signal-Entriegelungs- und Verriegelungs schloss so eingerichtet, dass es von zwei ver schiedenen Schlüsseln für die Plus- und die Minuslage der Weiche bedient werden kann, wobei in der Pluslage der Plusschlüssel und in der Minuslage der Minusschlüssel im Schloss gefangen ist, so ist es möglich, mit dem freien Schlüssel weitere Weichen auf dem Gebiete der betreffenden Bahnhofanlage in der für Schlüsselabhängigkeiten richtigen Reihenfolge zu bedienen, wobei mit dem bei der letzten gestellten Weiche freiwerdenden Schlüssel sowohl dieses Signal-Entriegelungs- und Verriegelungsschloss, als auch mindestens ein weiteres Schloss,
das für die Betätigung mit diesem freien Schlüssel eingerichtet ist, auf dem Gebiete der betreffenden Bahnhof- anlace bedienbar ist.
Einrichtungen dieser Art können für Schlüsselabhängigkeiten verwendet werden, die in diesem Fall Einrichtungen mit elektri- schen Weichenriegeln der heute bekannten Form ersetzen.