CH219299A - Apparat für Gehörgeschädigte. - Google Patents
Apparat für Gehörgeschädigte.Info
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Description
Apparat für Gehörgeschädigte.
Bisher ist den gehörgeschädigten Sch lern, wie zum Beispiel schwerhörigen und taubstummen Kindern und Erwaehsenen sowie Spätertauben, die Sprech-und Abseh fertigkeit nur auf optisch-motorischem Wege oder unter Mitbenützung elektrischer Hoir- apparate vermittelt worden. Der Apparat ge mal3 der Erfindung will nun den Gehörge- schädigten das Tasten und Hören der Sprache auf rein mechanischem Wege vermitteln und ihnen durch die gleichzeitige Ermoglichung des Absehens das Auffassen des Gesproche- nen erleichtern.
Wenn wir die gesprochene Sprache wie irgendeinen Gegenstand unserer Erkenntnis betrachten, gelangen wir zu folgender Unterscheidung : l. Die primäre Bewegungsform der Sprache.
Beim Sprechen führen wir eine Summe von Sprechbewegungen aus, wobei als innervierte Organe Zwerchfell, Lungen, Kehlkopf, Zunge, Lippen, Gaumensegel, Unterkiefer und Zähne zusammenarbeiten. Die Gesamtheit dieser Sprechbewegungen ist das Ursprüngliche der äussern Erscheinung jeder Lautsprache. Daher bezeichnen wir sie als die primäre Bewegungsform der Sprache.
Als Wirkung dieser primären Bewegungs- form der Sprache entstehen rhythmisch- klangliche Gebilde, die von uns gehorten Sprechreihen (Worte und Sätze), die wir als
2. die Hörform der Sprache bezeichnen.
Diese Hörform der Sprache entspricht als klanglich-rhythmisches Gebilde in ihrer Glie- derung der primären Bewegungsform aufs genaueste. Änderungen der Bewegungsform bewirken immer entsprechende Änderungen in der Hörform. In der H¯rform haben wir somit eine direkt wahrnehmbare Eontroll- mögliehkeit der Bewegungsform.
In dieser Hörform der Sprache liegt nun aber noch eine andere, nur unter besonderen UmstÏnden und Bedingungen hervortretende Erscheinungsweise der Sprache eingeschlos- sen. Wenn uns. direkt ins Ohr gesprochen wird und wir von den klanglichen Qualitäten der Luftschwingungen absehen, bleiben im mer noch als Wirkungen der Sprechbewe- gungen deutlich wahrnehmbare, ans. äussere Ohr und Trommelfell schlagende Luftstüsse.
Dieselben erfolgen wiederum in genau der- selben rhythmischen Gliederung wie die primÏre Bewegungsform der Spraehe und atel- len das bei totaler Taubheit noch verwert- bare Reizmaterial dar, wenn wir dem Tauben direkt ins Ohr sprechen. Die bei diesem Einsprechen ins Ohr des Tauben direkt ein dringendenLuftstoBe vermogen also die ihrer Schwingungsform und-dauer entsprechenden klanglichen Qualitäten nicht mehr und bei Schwerhörigen nur unvollkommen und ver ändert zur Geltung zu bringen.
Um so star- ker wirken nun aber diese direkt ins Ohr dringenden Luftstösse als Tastreize (Druck-, WÏrme- und KÏlteempfindungen), die einander ebenso in rhythmischer Gliederung folgen wie die klanglichen Qualitäten der Horform. Diese damit hinreichend charak- terisierte Erscheinungsweise der Sprache können wir daher als 3. die Tastform der Sprache bezeichnen.
Diese Tastform der Sprache mit ihren rhythmisch gegliederten Tastreizen (Druck-, Wärme und Eälteempfindungen) bietet uns als eine weitere, bisher im Unterricht aber nicht verwertete direkte Möglichkeit der Kontrolle und Beeinflussung der primären Bewegungsform hinsichtlich ihrer rhythmischen Beschaffenheit, und vermag bei der Auffassung der Wort-und Satzgestalten die fehlenden klangliehen Qualitäten (den Ton als TrÏger des Rhythmus und die dem Ton eigene Klangfarbe, Stärke und Hohe) freilich auf andere Weise, aber doch hinreichend wu ersetzen.
4. Als Absehform der Sprache bezeich- nen wir alle Bewegungen und VerÏnderungen am und im Munde und an den Weich- teilen des Gesiehtes, die dem Auge beim Ablesen zugänglich sind.
Diese verschiedenen Erscheinungsformen der Sprache kann nun ein Gehörgeschädigter mit Hilfe des erfindungsgemässen Apparates ausnützen.
Auf beiliegender Zeichnung ist ein Ausf hrungsbeispiel des Erfindungsgegenstandes dargestellt. Der Apparat gemäss Fiv. l und 2 besteht aus drei Teilen : a) dem den Luftschallstrom aufnehmenden Sprechtrichter, der so gebildet ist, dass er den Mund eines Sprechenden umschliesst und so den durch die Spreehbcwegungen erzeug- ten Luftschallstrom vollstÏndig aufzunehmen vermag. Um den Eintritt des Luftschall- stromes in die Leitung b zu begünstigen, ist der Sprechtrichter vor der Austrittspartie verjüngt. Um ferner die Absehbarkeit der Sprechbewegungen zu ermöglichen, ist dieser Sprechtrichter durchsichtig, zum Beispiel aus helltransparentem Celluloid hergestellt.
b) der Luftschallstromleitung. die a mit c verbindet, und c) dem Oberteil, der die die Tast-und Hörreize verursachenden Wirkungen der Sprechbewegung auf das Ohr überträgt.
Der dargestellte Apparat kann mit Mitteln zu seiner Befestigung am Eopf des Geh¯rgeschÏdigten versehen sein.
Der den Luftsehall aufnehmende Sprechtrichter kann gegen einen Mund-und Nasen öffnungen ums@hlie¯enden Sprechtrichter ausgewechselt werden. Der letztere gibt auch die Nasallaute in ihrer vollständigen Wirkung wieder und walirt die Natiirliehkeit der Sprache.
Statt dem Ohrenteil c die Form eines Trichters zu geben, könnte er auch als Olive (Fig. 3) oder 3luschel (Fig. 4) ausgebildet sein, auch könnte er eine Membrane enthalten. Zur Milderung der Luftstösse oder aus hygienischen Gründen kann in den Luftweg ein Filter, zum Beispiel aus Watte, eingesetzt werden.
Um bei einem Geh¯rgeschÏdigten die na türlichen Bedingungen zur Auffassung und Kundgabe der Sprache möglichst vollständig wiederherzustellen, kann der Apparat zwei Schallaufnahmetriehter, die je mit einem Ohrenteil verbunden sind, aufweisen.
Der Gehörgeschädigte ist dann in der Lage, mit dem einen Ohr die Eigensprache zu kontrollieren und mit dem zweiten die Spra che eines andern wahrzunehmen, wobei infolge der Durchsichtigkeit des Sprechtrich- ters auch noch das Ablesen des Gesprochenen möglich ist.
Claims (1)
- PATENTANSPRUCH : Apparat für Gehörgeschädigte, dadurch gekennzeichnet, dass er einen durchsichtigen Luftschallaufnahmetrichter aufweist, der dazu bestimmt ist, den Mund eines Sprechenden zu umschliessen, welcher Tricher durch eine Luftschalleitung mit einem Ohrenteil verbunden ist, der die die Tast-und Hörreize verursachenden Wirkungen der Sprechbewegungen auf das Ohr überträgt, damit der Gehörgeschädigte die Wirkungen der Sprechbewegungen fühlen und hören und die Sprechbewegungen gleichzeitig sehen kann.UNTERANSPR'U'CHE : 1. Apparat nach Patentanspruch, dadurch gekennzeichnet, dass der Sprechtrichter so ausgebildet ist, dass er auch die Nasenöff- nungen des Sprechenden umschliesst.2. Apparat nach Patentanspruch, dadurch gekennzeichnet, dass er mit Mitteln zur Befestigung des Ohrenteils am Kopf versehen ist.3. Apparat nach Patentanspruch, dadurch gekennzeichnet, dass der Aufnahmetrichter aus Celluloid ist.4. Apparat nach Patentanspruch, dadurch gekennzeichnet, dass der Ohrenteil als Trichter ausgebildet ist.5. Apparat nach Patentanspruch, dadurch gekennzeichnet, dass der Ohrenteil als Olive ausgebildet ist.6. Apparat nach Patentanspruch und Unteranspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Trichter mit einer Membran ausge stattet ist.7. Apparat nach Patentanspruch, dadurch gekennzeichnet, dass der Ohrenteil als Muschel ausgebildet ist.8. Apparat nach Patentanspruch, dadurch gekennzeichnet, dass er zwei Schallaufnahme- trichter, die je mit einem Ohrenteil verbunden sind, aufweist, damit der Gehörgeschä- digte mit dem einen Ohr die Eigensprache kontrollieren und gleichzeitig mit dem zweiten die Sprache eines andern verfolgen kann.
Applications Claiming Priority (1)
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